Neueinsteiger im Mittelformat-Profimarkt

Leica entwickelt "evolutionäre" Profikamera mit 37,5 Megapixeln

2008-09-24 Leica gibt auf der Photokina die Entwicklung eines neuartigen Kamerakonzepts bekannt: Die S2 begründet ein völlig neues System im Mittelformatsektor, ihr Sensor ist 30 x 45 mm groß und löst 37,5 Megapixel auf. Dabei ist der Body nur so groß wie eine Kleinbild-Profikamera. Leica setzt daneben auf die gewohnt hohe Qualität, Robustheit (Metallgehäuse mit Spritzwasser- und Staubschutz) und Präzision. Passend zur Kamera werden eine Reihe neuer Objektive entwickelt, von denen vier Modelle zusammen mit der Kamera im Sommer 2009 auf den Markt kommen sollen.  (Benjamin Kirchheim)

Leica S2 [Foto: Leica] Die neue Profikamera ist einer der größten Meilensteine in der Leica-Geschichte und war bis vor Kurzem das bestgehütete Firmengeheimnis. Die Entwicklung des Systems hat viele Mitarbeiter seit ca. zwei Jahren beschäftigt und viel Geld verschlungen – eine Investition in die Zukunft, wie Leica-Eigner Dr. Andreas Kaufmann betont. Die Kamera adressiert sich an Profifotografen, die die hohe Bildqualität aus dem Mittelformatbereich mit der Handlichkeit einer Kleinbildkamera kombiniert benötigen. Bisher gab Leica nur wenige technische Details bekannt, die Kamera wird dem Fachpublikum jedoch schon funktionstüchtig hinter verschlossenen Türen auf der Photokina präsentiert. Ihr Preis wird sich an Mittelformat-Mitbewerbern orientieren, d. h. sie wird unter 30.000 EUR kosten – einen genauen Preis möchte Leica jedoch erst später bekannt geben.

Kaufmann betont, dass Leica die digitale Revolution keinesfalls verschlafen habe, jedoch sei erst jetzt die Technik reif für eine solche Kamera mit gewohnter Leica-Qualität. Für die Entwicklung, die in Deutschland stattgefunden hat, ist die Firma zahlreiche Kooperationen eingegangen. So zeichnet Kodak verantwortlich für den CCD-Bildsensor KAI-50100, während Fujitsu den Doppelkern-Bildprozessor entwickelt hat, der von Leica "Maestro" getauft wurde. Im Bereich Software und Profiservice wiederum wird mit PhaseOne zusammen gearbeitet. Der Profiservice befindet sich bereits im Aufbau und soll zur Markteinführung zur Verfügung stehen.

Revolutionär für Leica ist das neue Kamerasystem mit einem Autofokus ausgestattet, der eigens und neu entwickelt wurde. Er soll äußerst präzise und schnell arbeiten. An den Objektiven fällt der klassische Blendenring weg, die Blendenöffnung wird nun von einem Einstellrad auf der Kamerarückseite gesteuert. Das Zeitenrad auf der Kameraoberseite verfügt über eine Automatikstellung, auch die Lichtempfindlichkeit soll automatisch gesteuert werden können und auch bei Leica S2 [Foto: Leica] höheren ISO-Werten eine gute Bildqualität bieten. Die Kamera nimmt 1,5 Bilder/s auf, was den Mittelformat-Wettbewerb ebenfalls überflügelt. Neben einem CompactFlash-Slot, wo die Bilder im RAW- oder JPEG-Format gespeichert werden, kann die Kamera auch per USB direkt an den Rechner angeschlossen werden. Sehr pfiffig ist die Möglichkeit, die linke Gurtbefestigung lösen und statt dessen ein WLAN-Modul in die Kamera stecken zu können.

Zwar verfügt die Profikamera über kein eingebautes Blitzgerät, wohl aber über einen TTL-Blitzschuh, der kompatibel zum vorhandenen Leica-TTL-System ist. Sehr edel wirkt das OLED-Display auf der Kameraoberseite, das wichtige Einstellungen wie Blende und Verschlusszeit auch in dunklen Umgebungen gut ablesbar anzeigt. Auf der Kamerarückseite dagegen gibt es ein 3 Zoll (7,6 cm) großes Display, das von vier großen Tasten umrahmt wird. Ihre Funktionalität wird erst bei eingeschaltetem Monitor sichtbar, wo die jeweilige Belegung eingeblendet wird. Dadurch wirkt die Kamera auf der Rückseite sehr edel und aufgeräumt.
Neben einem eingebauten Schlitzverschluss kann die Kamera auch einen Zentralverschluss ansteuern, der in allen Objektiven mit dem Kürzel "CS" vorhanden ist. Dieser ermöglicht eine kurze Blitzzeitsynchronisation, was besonders bei hellem Umgebungslicht sehr nützlich ist. Auf die Objektive ist man bei Leica besonders stolz, sie bieten eine bisher unbekannte Lichtstärke im Mittelformatsektor. Sie sind aus Metall gefertigt und wie der Body gegen Spritzwasser und Staub geschützt. Neun Objektive hat Leica bereits angekündigt, die ersten vier der folgenden Liste sind mit der Kamera ab Sommer 2009 erhältlich:

  • Leica Summarit-S 1:2,5/35 mm ASPH. CS
  • Leica Summarit 1:2,5/70 mm ASPH. CS
  • Leica APO-Marco-Summarit-S 1:2,5/120 mm
  • Leica APO-Elmar-S 1:3,5/180 mm CS
  • Leica Elmarit-S 1:2,8/24 mm ASPH.
  • Leica Summarit-S 1:2,5/100 mm
  • Leica Elmar-S 1:3,5/30 mm Tilt-Shift
  • Leica Vario-Elmar-S 1:3,5/30-90 mm ASPH.
  • Leica APO-Tele-Elmarit-S 1:3,5/350 mm
  • Leica S-System [Foto: Leica]

    Neben Objektiven und WLAN-Adapter gibt es auch einen Batterie- und Hochformatgriff im Zubehörprogramm. Dieser verfügt über eine Schnellkupplung, so dass er nicht erst "angeschraubt" werden muss. Der Akku verbleibt in der Kamera, der Griff verfügt über einen zusätzlichen Akku, so dass sich nicht nur die Laufzeit verdoppelt, sondern der Griff schnell ab und angebaut werden kann, ohne dass man erst die Akkus wechseln müsste.

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        Benjamin Kirchheim

        Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.