Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Leica-Doppelkamera des Huawei P10 im Bildqualitätstest

2017-03-31 Auch als Fotograf hat man das Smartphone selbst dann dabei, wenn die Kamera zu Hause geblieben ist. Was liegt da näher, als wenigstens zu einem Smartphone mit vernünftiger Kamera zu greifen, falls einem doch mal ein Motiv über den Weg läuft. Also testen wir hin und wieder vielversprechende Kameras von Smartphones, die sich aus der Masse herausheben. Mit dem neuen Topmodell P10 hat Huawei ein Alleinstellungsmerkmal, denn es werden zwei Kameras, eine mit hochauflösendem Schwarzweißsensor und eine mit niedriger auflösendem Farbsensor miteinander kombiniert. Sogar Leica gibt sein wertvolles Label dafür her. Grund genug, die Kamera des Huawei P10 im Labor zu testen.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Huawei P10. [Foto: Huawei]

    Huawei P10. [Foto: Huawei]

Das Huawei P10 ist nochmal besser verarbeitet als das P9 und löst gleich beim ersten Anfassen einen Premium-Eindruck aus. Auch der Bildschirm ist groß und brillant, der Prozessor sauschnell und der Akku ausdauernd. Gegenüber dem P9 wurde die Kamera weiterentwickelt, so gibt es nun einen optischen Bildstabilisator, den Huawei bei der Vorstellung des P9 noch als technisch mit einer Doppelkamera nicht machbar ausgeschlossen hatte. Dem Anschein nach handelt es sich bei der Doppelkamera des P10 um dieselbe wie im Mate 9. Unsere ausführlichen Tests zur Doppelkamera des Mate 9 und P9 sind über die weiterführenden Links zu finden.

Der Bildwinkel der P10-Doppelkamera entspricht dem eines 27mm-Kleinbildobjektivs, wobei die reale Brennweite bei 3,95 Millimetern liegt. Das bedeutet einen Cropfaktor von etwa 6,8, was wiederum auf einen 1/2,9"-Sensor hindeutet. Während die 20 Megapixel auflösende Schwarzweißkamera durch die fehlenden Farbfilter lichtempfindlicher ist, bringt es die Farbkamera auf 12 Megapixel Auflösung. Macht man normale Fotos mit dem Huawei P10, kommen am Ende 20 Megapixel auflösende Farbfotos dabei heraus. Die Kamera-App bietet zudem einen manuellen Modus, bei dem man die ISO-Empfindlichkeit (ISO 50 bis 3.200) sowie die Belichtungszeit unabhängig voneinander einstellen kann, ohne dass die jeweils andere Einstellung auf Automatik springen würde, wie es beispielsweise im manuellen Modus des Sony Xperia XZ der Fall ist, das also in Wahrheit nur Halbautomatiken besitzt. Mit dem P10 kann der Fotograf also kreativ werden. Die Blende hingegen ist physikalisch fest mit F2,2 vorgegeben. Hier bedient sich Huawei eines Tricks: Die beiden Kameras fokussieren unterschiedlich und sorgen durch eine Montage der Bilder für eine Hintergrundunschärfe, was erstaunlich gut funktioniert. Die App bietet entsprechend einen Modus für geringe Schärfentiefe und einen für Porträts.

Bildqualität

Im digitalkamera.de-Testlabor, das gesamte Ergebnis mit allen Diagrammen ist über die weiterführenden Links kostenlos abrufbar, zeigt die Kamera des P10 sehr gute optische Werte. Es gibt keine Verzeichnung, praktisch keine Farbsäume und auch nur eine minimale Randabdunklung von lediglich 22 Prozent, was 0,4 EV Lichtverlust in den Ecken entspricht. Die kleinbildäquivalente Auflösung bei 50 Prozent Kontrast fällt mit fast 60 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) erstaunlich hoch aus, sinkt zum Bildrand hin jedoch auf gut die Hälfte (30 lp/mm). Mit der Randschärfe des Objektivs ist es also nicht so gut bestellt, was jedoch erst bei Vergrößerungen jenseits von DIN A4 auffällt. Damit löst das P10 sogar höher auf als das Mate 9. Allerdings zeigt das P10 auch starke Schärfeartefakte von 20 Prozent im Bildzentrum, das Mate 9 schärft dagegen nicht so stark nach und macht dadurch einen etwas natürlicheren Bildeindruck.

  • Bild Huawei P10 . [Foto: Huawei]

    Huawei P10 . [Foto: Huawei]

Der Signal-Rauschabstand des P10 ist nicht allzu gut und schwankt durch den starken Eingriff der Bildaufbereitung stark zwischen knapp unter 35 und gut unter 40 dB. Das Rauschen ist interessanterweise bei ISO 50 visuell und messtechnisch höher als bei ISO 100. Dann steigt es bis ISO 400 wieder auf einen ähnlich hohen Wert wie bei ISO 50, nur um bei höheren Empfindlichkeiten wieder stark zu fallen (siehe Diagramm aus dem Labortest unten). Dabei handelt es sich ausschließlich um Helligkeitsrauschen, das sich auf insgesamt niedrigem Niveau bewegt. Diese Schwankungen sind der kräftigen Rauschunterdrückung zu verdanken, die auch für die Schwankungen beim Signal-Rauschabstand sorgt. Das Rauschen selbst bleibt dabei über alle ISO-Empfindlichkeiten hinweg feinkörnig, Farbtauschen zeigt sich praktisch gar nicht.

Trotz der starken Rauschunterdrückung erreicht das Huawei P10 fabelhafte Werte bei der Texturschärfe, mit der wir normalerweise messen, wie stark die Rauschunterdrückung Details vernichtet. Die starke Nachschärfung und Bildaufbereitung sorgt aber für unrealistisch hohe Messwerte, die rein visuell am Testmotiv nicht nachvollziehbar sind. Während das leicht rauschende Bild bei ISO 50 sehr ehrlich wirkt, stellen sich visuell schon bei ISO 100 die Artefakte der Rauschunterdrückung ein, was beispielsweise zum Ausfransen eigentlich klar abgegrenzter Linien führt. Die Maserung von Holz ist bereits bei ISO 200 deutlich weicher, aber noch zu erahnen. Im Grunde liefert das P10 immerhin bis ISO 800 eine visuell passable und für Smartphones erstaunlich gute Bildqualität. Bei ISO 1.600 und vor allem 3.200 sehen die Bilder jedoch deutlich blasser und farbärmer aus.

  • Bild Huawei P10. [Foto: Huawei]

    Huawei P10. [Foto: Huawei]

Apropos Farben: Diese stellt das P10 überraschend natürlich dar. Der Weißabgleich ist gut und die Farbabweichung mit sehr wenigen Ausnahmen sehr gering. Auch die Tonwertkurve gibt sich sehr neutral und die Eingangsdynamik ist bis hin zu ISO 800 mit rund zehn Blendenstufen gut. Der Ausgangs-Tonwertumfang zeigt sich weniger gut, mit maximal 160 genutzten von 256 möglichen Helligkeitsstufen ist dieser aber noch ausreichend. Die tatsächliche Farbtiefe hingegen bewegt sich über den gesamten Empfindlichkeitsbereich zwischen zwei und vier Millionen Farben, ein guter Wert. Übrigens erlaubt das P10 die Speicherung im Rohdatenformat DNG parallel zur JPEG-Aufzeichnung. Wer möchte, kann die Bilder also demselben Workflow unterziehen wie seine Bilder der "richtigen" Digitalkamera.

Fazit

Das Huawei P10 ist ein wirklich schönes Smartphone und wirkt gegenüber dem Vorgängermodell P9 nochmal deutlich hochwertiger. Die Kamera gewinnt durch den optischen Bildstabilisator klar an Low-Light-Qualitäten. Die Bildqualität ist für ein Smartphone sehr gut und gehört zu den besten, die aktuell erhältlich sind. Als von Digitalkameras mit großen Sensoren verwöhnter Fotograf sollte man jedoch keine Wunder erwarten. Immerhin liefert das P10 bis ISO 800 ordentliche, im kleinen Format brauchbare Bilder, sodass man auch unterwegs ohne "richtige" Kamera Erinnerungen festhalten kann. Übrigens gibt es vom knapp 600 Euro teuren P10 auch eine 150 Euro teurere "Plus"-Variante mit größerem, höher auflösendem Bildschirm, mit F1,8 lichtstärkerer Kamera und ausdauernderem Akku. Beide Smartphones sollen in Kürze im Handel erhältlich sein.

Huawei P10

Luminanzrauschen

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.

Hersteller Huawei Huawei
Typenbezeichnung P10 P10 plus
Preis (UVP) 599,00 Euro 749,00 Euro
Gehäuse
Abmessungen 69 x 145 x 7 mm 74 x 154 x 7 mm
Hardware
Betriebssystem Android 7.0 Android 7.0
CPU-Typ Kirin 960 Kirin 960
CPU-Kerne 8 8
CPU-Taktrate 2,4 GHz 2,4 GHz
Arbeitsspeicher 4 GB 4 GB
Massenspeicher
InternIntern verfügbar
64 GB
128 GB
InternIntern verfügbar
64 GB
128 GB
Speicherkartentyp Micro SDXC Micro SDXC
Maximale Speicherkartengröße 256,0 GB 256,0 GB
Konnektivität
USB-Typ Typ C Typ C
USB-Version USB 2.0 USB 2.0
WLAN ja ja
Bluetooth ja ja
NFC ja ja
Netze (LTE, GSM etc.) GSM, LTE, UMTS, USM GSM, LTE, UMTS, USM
Display
Displaytyp LCD LCD
Displaygröße 12,8 cm / 5,1 Zoll 13,8 cm / 5,5 Zoll
Displayauflösung 1.920 x 1.080 Pixel / 432 ppi 2.560 x 1.440 Pixel / 540 ppi
Energieversorgung
Akkukapazität 3.200 mAh 3.750 mAh
Akku austauschbar nein nein
Standbyzeit (GSM / UMTS) k. A. / k. A. k. A. / k. A.
Kamera
Sensorauflösung 20,0 Megapixel 20,0 Megapixel
Maximale Bildauflösung 5.120 x 3.480 Pixel 5.120 x 3.840 Pixel
Brennweite (KB-equiv.) 27 mm 27 mm
Lichtstärke F2,2 F1,8
Bildstabilisator optisch optisch
Videoauflösung
2.880 x2.160(4:3)30p
1.920 x1.080(16:9)60p
2.880 x2.160(4:3)30p
1.920 x1.080(16:9)60p
Frontkamera ja ja
Frontkamera Sensorauflösung 8,0 Megapixel 8,0 Megapixel
Mikrofon vorhanden vorhanden
Autofokus ja ja
Gesichtserkennung ja ja
Serienbilder (Anzahl / Geschwindigkeit) k. A. k. A.
Blitzlicht ja ja
ISO-Empfindlichkeit automatisch ja ja
ISO-Empfindlichkeit manuell ja ja
ISO Empfindlichkeit 50 - 3.200 50 - 3.200
Vollautomatik ja ja
Sonderfunktionen (Auswahl) Fingerabdruck-, Beschleunigungs-, Gyroskop-Sensor, Umgebungslichtsensor, Hall-Sensor, Dual-Hauptkamera mit 20 MP Monochrome-Sensor und 12 MP RGB-Sensor, Fingerabdruck-, Beschleunigungs-, Gyroskop-Sensor, Umgebungslichtsensor, Hall-Sensor, Dual-Hauptkamera mit 20 MP Monochrome-Sensor und 12 MP RGB-Sensor,
Blitzlicht / Blitztyp ja / LED ja / LED

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.