Geheimnisse gelüftet

Konica Minoltas F+E-Chef über Features der neuen Dynax 7 Digital

2004-08-10 Die erste digitale Spiegelreflexkamera von Konica Minolta steht offenbar vor der Einführung, die Dynax 7 Digital. Vor gut einem halben Jahr erregte die Ankündigung bereits Aufsehen, und seitdem brodelt die Gerüchteküche über die geplanten Ausstattungsmerkmale. Preis und Einführungstermin spannen die Interessenten ebenso auf die Folter. In einem ersten Interview gibt Keiichi Ishizuka, Chef des japanischen Konica Minolta Development Center, einige Entwicklungsdetails über den Erlkönig preis.  (Mario Stockmann)

   Konica Minolta Dynax 7 Digital [Foto: MediaNord]
 

Prototyp der Dynax 7 Digital
von Konica Minolta,
vorgestellt auf der
PMA Las Vegas im
Februar 2004

Das folgende Interview führte Clemens Helberg, Marketing Manager Konica Minolta Europe. Es wurde im ersten Newsletter von Konica Minolta Deutschland zur Dynax 7 Digital bereits veröffentlicht. Wir übernehmen es mit freundlicher Genehmigung von Konica Minolta auszugsweise, da es über den Entwicklungsstand und die Entstehungsgeschichte der Dynax 7 Digital seit der Erstpräsentation des Prototyps auf der PMA im Februar 2004 in Las Vegas interessanten Aufschluss gibt.

  

Clemens Helberg,
Marketing Manager
Konica Minolta Europe

 

Keiichi Ishizuka über die Markteinführung …

Helberg: Ist es immer noch sicher, dass die Dynax 7 Digital zum angekündigten Zeitraum im Herbst dieses Jahres auf den Markt kommen wird? Seit der Ankündigung der Kamera auf der PMA vor fünf Monaten sind wenige Informationen veröffentlicht worden, was einige unserer Kunden an diesem Termin zweifeln lässt.

Ishizuka: Zum Zeitpunkt der Ankündigung konnten wir noch keinen genauen Erscheinungstermin nennen, da sich der Produktionszeitplan noch nicht genau festlegen lies.

Helberg: Heißt das, die Kamera wird im Herbst erscheinen?

Ishizuka: Die Kamera wird im Rahmen der Photokina 2004 vorgestellt werden. Unsere Entwicklungs- und Produktionsabteilungen arbeiten mit Hochdruck daran, die Kamera so schnell wie möglich nach der Vorstellung ausliefern zu können, spätestens bis Ende des Jahres.

  
 

Keiichi Ishizuka,
Entwicklungschef
Konica Minolta Development
Center, Osaka/Japan

… über die Veränderungen des Konzepts seit der PMA-Pilot-Präsentation

Helberg: Das Modell auf der PMA war mit einem Eye-Sensor unter dem Sucher ausgestattet. Wird es diesen auch in der endgültigen Version geben?

Ishizuka: Ja, allerdings wurden kleinere Veränderungen vorgenommen, die aus vielen positiven Anregungen der PMA-Besucher stammen.

Helberg: Wie verhält es sich mit der Anordnung der Bedienelemente?

Ishizuka: Hierbei wurden keine grundlegenden Veränderungen mehr vorgenommen. Das auf der PMA präsentierte Modell basierte schon auf einem konkreten Konzept. Die Basis für diese digitale Spiegelreflexkamera ist die Dynax 7, somit lehnt sie sich an das Konzept dieser Kamera an. Im Detail betrachtet, wurden prinzipbedingt jedoch einige Änderungen vorgenommen.

… über die Anti-Shake-Konzeption

Helberg: Die in die Kamera eingebaute Anti-Shake-Funktion, die den CCD bewegt, ist eine der interessantesten Umsetzungen von Bildstabilisationssystemen. Wird dies die erste digitale SLR sein, die mit diesem Merkmal ausgestattet ist?

Ishizuka: Ja, dies ist zu vermuten … die Anti-Shake-Methode, wie sie bei der neuen digitalen Spiegelreflexkamera angewandt wird, ist (der in der DIMAGE A2) sehr ähnlich. Allerdings ist der CCD dreimal so schwer, muss vier mal so weit und vier mal so schnell bewegt werden, verglichen mit der DiMAGE A2.

Helberg: Die CCD-Größe unterscheidet sich ganz wesentlich … Solch eine große Einheit zu bewegen, verlangt extreme Genauigkeit, um eine exakte Fokussierung zu gewährleisten.

Ishizuka: Ja, das stimmt. Die Teile müssen sehr präzise justiert werden. Der gleiche qualitätssichernde Prozess wurde auch bei der DiMAGE A2 angewandt. Durch die Kompaktheit des Systems können selbst geringste Abweichungen eine große Auswirkung auf die Genauigkeit der Fokussierung haben. Daher war es Ziel der Entwicklung, eine maximale Präzision zu erreichen.

Helberg: Fotografen befürchten, dass sich Staub auf dem CCD problematisch auswirken kann. Kann die Anti-Shake-Funktion genutzt werden, um Staub abzuschütteln?

Ishizuka: Das Ziel vom Anti-Shake ist nicht die Entfernung von Staub, auch wenn es den CCD bewegt. Wir haben zwar in der Tat getestet, ob sich Anti-Shake hierfür nutzen lässt, allerdings halten wir es für keine gute Idee. Vielmehr arbeiten wir an einem antistatischen Schutz relevanter Teile der Kamera wie z. B. der Verschlusseinheit.

… über die Objektive

Helberg: Laut Ankündigung sollen alle AF-Objektive mit der Anti-Shake-Funktion kompatibel sein. Beinhaltet dies auch das Spiegellinsenobjektiv AF-Reflex 8,0/500 mm?

Ishizuka: Ja, das soll auch für dieses Objektiv gelten. Auch wenn diese Kombination nach unseren Berechnungen funktioniert, haben wir die Kompatibilitätstests noch nicht vollständig abgeschlossen. Was noch aussteht, ist ein sehr ausführlicher Funktionstest, nicht im Labor, sondern im Praxiseinsatz.

Helberg: All die Erwartungen, die an die Qualität und die Anzahl der verwendbaren Objektive gestellt werden, machen diese Kamera sicherlich noch attraktiver. Obwohl sich auch die bestehenden Objektive sinnvoll mit der Dynax 7 Digital verwenden lassen, erwarten wir dennoch einige neue Objektive, die speziell für die Dynax 7 Digital optimiert sind. Gibt es im Development Center konkrete Pläne für die Entwicklung von Objektiven, die für den APS-C Bildkreis des CCD-Sensors optimiert sind?

Ishizuka: Unsere Objektive sind sowohl mit herkömmlichen SLR-, als auch mit digitalen Kameras verwendbar, und natürlich ziehen wir die Entwicklung von speziellen Objektiven in Erwägung. Wir werden sobald wie möglich Informationen darüber veröffentlichen. Der Gedanke, in der Zukunft für Kunden mit digitalen Spiegelreflexkameras spezielle Objektive für CCD-Sensoren in APS-Größe liefern zu können, liegt nahe. Solche Objektive bieten besonders Vorteile hinsichtlich Größe, Gewicht und anderen Details.

… über Farbwiedergabe und Bildverarbeitung

Helberg: Farbwiedergabe und Bildverarbeitung sind wichtige Faktoren der digitalen Fotografie. Unsere Kunden erwarten, nach der Fusion von traditionellem Filmhersteller und Kamerahersteller, diesbezüglich etwas Besonderes von Konica Minolta. Gibt es konkrete Zielvorgaben in diesem Bereich?

Ishizuka: Lassen Sie mich verdeutlichen, dass in unserer Planung die Dynax 7 Digital ein Meilenstein auf dem Weg zu unserem Ziel der perfekten Farbreproduktion sowie der bestmöglichen kamerainternen Bildverarbeitung darstellt. Neben vielen anderen Faktoren ist die Bildwiedergabe nicht nur von der Firmware, sondern auch von den Eigenschaften der Hardware abhängig …

… Was wir mit der ersten Generation einer digitalen Spiegelreflexkamera erreichen wollen, ist die optimale Zusammenführung zweier verschiedener Farbreproduktionsmethoden, zum einen die eines Filmherstellers und zum anderen die eines Kameraherstellers, um neue Qualitätsmaßstäbe zu setzen. Zwei Mitarbeiter der früheren Firma Konica haben sich dem bereits bestehenden Farbmanagementteam angeschlossen und bringen ihr Know-how gewinnbringend ein. Dabei finden natürlich viele, interessante Diskussionen statt.

Helberg: Bestehen unterschiedliche Philosophien?

Ishizuka: Ja, natürlich. Der Grundansatz beider Parteien war different. Jedoch lag nichts desto trotz das besondere Augenmerk des Teams immer in der Erzielung einer optimalen Farbreproduktion. Wir bemühen uns darum, neue Standards zu kreieren, welche Konica oder Minolta alleine nur schwerlich erreicht hätten.

Helberg: Welches sind die unterschiedlichen Ansätze in der Farbreproduktion?

Ishizuka: Der Hauptunterschied liegt zwischen "Farben der Natur" und "Erinnerungsfarben". Kamerahersteller, vor allem ehemals Minolta, haben immer eine möglichst naturgetreue Farbwiedergabe angestrebt. Filmhersteller dagegen bevorzugen höher gesättigte und helle Farben, wie sie im menschlichen Erinnerungsvermögen haften bleiben. Wir beschäftigen uns mit Methoden der Farbbeschreibung, die eine Integration beider Ansatzpunkte bieten.

Helberg: Welche Farbräume werden Sie verwenden, sRGB und Adobe RGB?

Ishizuka: Auch wenn wir noch nicht genau sagen können welche Farbräume, werden wir uns natürlich nach den Bedürfnissen unserer Kunden richten.

Helberg: Planen Sie die Entwicklung neuer Farbräume?

Ishizuka: Ich bin der Meinung, dass ein Farbraum sich nicht nur auf die Farbdarstellung auswirkt, sondern auf das gesamte, komplexe Steuerungssystem der Kamera, wie z. B. bei der Belichtungsmessung.

Helberg: Wenn Sie von "Farben der Natur" und "Erinnerungsfarben" sprechen, wird das RAW-Format unerlässlich sein. Die Dynax 7 Digital wird doch vermutlich auch ein RAW-Format unterstützen.

Ishizuka: Ja, aber die exakten Spezifikationen können wir noch nicht enthüllen. Unser Ziel ist es, die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen. Die technologische Forschung ist abgeschlossen, und wir wissen, was wir erreichen wollen. Es müssen nur hier und da noch kleine Veränderungen vorgenommen werden.

Helberg: Welche anderen Besonderheiten wird die Dynax 7 Digital zu bieten haben?

Ishizuka: Darüber werden wir erst sprechen, wenn die Kamera fertig gestellt ist.

Helberg: Sie können wirklich nichts verraten?

Ishizuka: Meiner Ansicht nach ist die überragende Bildqualität unserer Produkte der Faktor, der die Fusion der Firmen Konica und Minolta ausmacht. Konica ist als Filmhersteller ein Experte im Bereich der Farbwiedergabe. Dieser Schwerpunkt wird sich nicht ändern, auch nicht, wenn er in den digitalen Bereich verlagert wird. Minolta ist schon seit langer Zeit eine der führenden Kräfte im Bereich des Kamerabaus und entwickelt darüber hinaus hochwertige Farbmessgeräte. Somit können wir ein Produkt anbieten, in welches das gesamte Wissen beider Firmen einfließt.

… über das Sucher-Konzept

Helberg: Einer der Hauptvorteile einer analogen Spiegelreflexkamera ist der optische Sucher. Werden Sie einen optischen Sucher für die digitale Spiegelreflexkamera verwenden?

Ishizuka: Die Antwort hierauf ist einfach, da die Dynax 7 Digital auf dem Konzept der Dynax 7 basiert. Grundsätzlich ist die Brillanz eines optischen Suchers eins der entscheidenden Verkaufsargumente bei Spiegelreflexkameras.

Helberg: Könnte eine Livebild-Vorschau denn eine Option für die Entwicklung zukünftiger digitaler Spiegelreflexkameras sein?

Ishizuka: Mit Blick in die Zukunft ist eine Livebild-Vorschau ein wichtiges Thema bei der Entwicklung von digitalen Spiegelreflexkameras, welches aber die Zusammenarbeit mit einem geeigneten Hersteller voraussetzt.

Helberg: Also haben Sie die Livebild-Vorschau noch nicht aufgegeben?

Ishizuka: Wir werden keinen elektronischen Sucher (EVF=electronic viewfinder) verwenden, aber eine Livebild-Vorschau ist ein mögliches Feature für zukünftige Entwicklungen von digitalen Spiegelreflexkameras.

Helberg: Konica Minolta hat die Qualität des EVF bei den Modellen der DIMAGE 7- und DiMAGE A-Serie stetig verbessert. Auch wenn dieses Konzept in der digitalen Spiegelreflexkamera nicht weiterverwendet wird, gibt es Erwartungen an die Qualität eines Suchers bei Konica Minolta.

Ishizuka: Hier entscheidet das Konzept des Produktes über die Umsetzung. Um hier die beste Lösung zu finden, schauen wir immer, wie wir unseren Kunden die größten Vorteile bieten können …

… über den Preis

Helberg: Im Laufe des letzten Jahres haben günstige digitale Spiegelreflexkameras einen wachsenden Teil des Marktes erobert, und weitere Modelle werden diesen Herbst erwartet. Welchen Preisbereich visieren Sie für die Dynax 7 Digital an?

Ishizuka: Es tut mir Leid und ich weiß, dass dies ein besonders interessanter Punkt für unsere Kunden ist, aber ich kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Aussage darüber treffen. Diese Kamera soll in einem guten Preis-/Leistungsverhältnis stehen, weshalb wir eine exzellente Bildqualität bieten und uns an Kunden richten, die eine erstklassige Ausrüstung benötigen. Der Preis richtet sich nach den aktuellen Marktbedingungen für ein Produkt mit solch einem Ausstattungsumfang, wobei man nicht vergessen darf, dass diese Kamera über ein exklusives Anti-Shake-Verfahren verfügt.

… über künftige digitale SLR-Modelle

Helberg: Auf der PMA gab es Poster, auf denen die Dynax 7 Digital zusammen mit anderen Spiegelreflexkameras zu sehen war. Planen Sie, in näherer Zukunft weitere Modelle anzukündigen?

Ishizuka: Sie sind ein guter Beobachter. Natürlich sollte man erwähnen, dass die Dynax 7 Digital die erste Kamera der neuen, digitalen SLR-Serie ist. Über zukünftige Modelle können wir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch keine Aussage treffen. Man muss sich aber auch darüber i Klaren sein, dass digitale Spiegelreflexkameras, im Verhältnis zu kompakten Digitalkameras, einen wesentlich längeren Produktzyklus besitzen.

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