Deutsche Wertarbeit

Digitale Messucherkamera Leica M9 und APS-C-Kompaktkamera X1

2009-09-09 Leica zeigt mit der Vorstellung der beiden Digitalkameras M9 und X1 einmal mehr, dass Kamerabau in Deutschland durchaus möglich ist. Die M9 ist eine neue Messucherkamera des M-Systems und erstmalig mit einem Kleinbild-Vollformatsensor ausgestattet. Er löst 18 Megapixel auf und wird von Kodak gebaut. Bei der Leica X1 handelt es sich dagegen um eine Kompaktkamera mit 36mm-Festbrennweite (entspr. Kleinbild) und 12-Megapixel-CMOS-Sensor in APS-C-Größe.  (Benjamin Kirchheim)

Leica M9 [Foto: Leica]Die M9 stellt die neueste Generation im M-System dar. Die wesentlichen Merkmale erbt sie dabei von der M8.2, etwa das Gehäuse und die elektronische Ausstattung. Die größte Neuerung ist jedoch der 36 x 24mm-Vollformatsensor. Er löst 18 Megapixel auf, basiert auf CCD-Technologie und wird von Kodak gebaut. Damit ist die M9 die kleinste digitale Vollformat-Systemkamera der Welt. Sie hat mit rund 5.500 EUR einen stolzen Preis und soll dieser Tage schon lieferbar sein.

Die M9 zeichnet sich durch ihr robustes Metallgehäuse aus. Die Kamera wird in Handarbeit in Deutschland gefertigt, wobei die Montage einer Kamera rund 7 Stunden dauert. Leica hält nichts von Kameras, die von Maschinen zusammengebaut werden. Jede einzelne Kamera wird von Leica auf ihre Qualität geprüft. Das Gehäuse gibt es Leica M9 [Foto: Leica]wahlweise in Silber oder Schwarz. Der Messsucher verfügt über einen Parallaxenausgleich und Leuchtrahmen zur Anzeige des Bildausschnitts je nach verwendetem Objektiv. Bei einigen Objektiven allerdings muss man einen Aufstecksucher verwenden, um den richtigen Bildausschnitt zu sehen. Die Fokussierung erfolgt manuell, wobei die Schärfe über den typischen Messsucher kontrolliert wird. Die manuellen Objektive werden durch einen Strichcode von der Kamera erkannt. Ältere Objektive können nachträglich von Leica mit diesem Code versehen werden.

Die Belichtung erfolgt wahlweise halbautomatisch (Blendenvorwahl am Objektiv) oder voll manuell. Eine Belichtungswaage hilft bei der Einstellung, wobei die Belichtung mittenbetont integral gemessen wird. Das geschieht über die Lichtreflexion an den mittleren, hellen Verschlusslamellen. Der Leica M9 [Foto: Leica]automatische Verschlusszeitenbereich reicht von 1/4.000 s bis 32 s, manuell sind dagegen maximal 8 Sekunden möglich. Längere Verschlusszeiten können über die Bulb-Funktion realisiert werden, wobei die M9 über den so genannten T-Modus verfügt, d. h. bei der ersten Betätigung des Auslösers startet die Belichtung, eine weitere Betätigung beendet sie; der Auslöser muss also nicht festgehalten werden. Zur Bildkontrolle und für die Menüeinstellungen verfügt die M9 über einen rückwärtigen 2,5"- (6,4 cm) Bildschirm, der 230.000 Bildpunkte auflöst. Mit Hilfe einer Lupenfunktion kann die Schärfe kontrolliert werden, mittels Histogramm und blinkenden überbelichteten Bereichen die Belichtung. Gespeichert werden die Fotos wahlweise in JPEG oder DNG, dem Adobe RAW-Format (wahlweise komprimiert oder unkomprimiert).

Leica X1 [Foto: Leica]Mit der neuen X1 positioniert sich Leica gegen die Sigma DP2. Die X1 verfügt über ein F2,8 lichtstarkes Festbrennweitenobjektiv mit einer physikalischen Brennweite von 24 mm. Da die X1 einen Sensor in APS-C-Größe einsetzt, entspricht dies einem 36mm-Kleinbildobjektiv. Eine klassische Brennweite, "mit der unzählige Ikonen der Fotografie entstanden sind", so der O-Ton der Leica-Pressemitteilung. Der CMOS-Sensor löst 12 Megapixel auf. Anders als die M9 verfügt die X1 über ein integriertes Blitzgerät, das bei Bedarf ausfährt. Mit der X1 zielt Leica mehr auf den "Einsteigerbereich", sofern man bei einem Kamerapreis von 1.550 EUR davon sprechen kann. D. h. die X1 verfügt sowohl über einen 11-Punkt-Autofokus als auch über eine Belichtungsautomatik. Fortgeschrittene Benutzer können die Belichtung über Bedienräder aber auch halbautomatisch oder manuell einstellen. Die Belichtungsmessung ist zwischen Mehrfeld, Mittenbetont und Spot wählbar.

Leica X1 [Foto: Leica]Wie die M9 speichert die Leica X1 Bilder in JPEG oder DNG. Auch Serienbildaufnahmen sind möglich. Wahlweise 3 oder 1 Bild(er)/s zeichnet die X1 dabei auf, wobei die Anzahl auf 6 Stück begrenzt ist. Mit maximal ISO 3.200 und vor allem aufgrund des großen Bildsensors eignet sich die X1, anders als Kompaktkameras mit "Minikleinsensor", auch für schlechtere Lichtverhältnisse. Die X1 verfügt über keinen optischen Sucher (dieser wäre als Zubehör zu kaufen und auf den Blitzschuh zu stecken), und so dient der rückwärtige 2,7" (6,9 cm) große Bildschirm mit seinen 230.000 Bildpunkten Auflösung als Sucherersatz. Bei Einsatz des rund 280 EUR teuren Aufstecksuchers informiert eine LED über die erfolgreiche Scharfstellung, und der Monitor kann bei Einsatz des Suchers abgeschaltet werden, was Strom spart. Der Lithium-Ionen-Leica X1 [Foto: Leica]Akku der X1 reicht nämlich nach CIPA-Standardmessverfahren für nur 260 Bilder. Zwar ist optional ein Handgriff für 99 EUR erhältlich, dieser ist aber nur eine mechanische Haltehilfe, nimmt keinen zweiten Akku auf und verlängert damit auch nicht die Laufzeit.

Statt des integrierten Blitzes kann auch ein externer verwendet werden. Sowohl Mittenkontaktblitze als auch Leica Systemblitze funktionieren auf der X1. Mit 286 g (ohne Akku) ist die X1 recht leicht und bei Gehäuseabmessungen von 124 x 60 x 32 mm auch als wirklich kompakt zu bezeichnen. Im Betrieb fährt das Objektiv aus, so dass die Kamera dann "dicker" wird. Auch die Leica X1 wird in Deutschland händisch montiert. Sie soll ab Dezember 2009 erhältlich sein.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.