Jetzt auch Canon ohne Spiegel

Canon steigt mit der EOS M in den Compact System Camera Markt ein

2012-07-23 Mit der EOS M steigt nun auch Canon als letzter der großen Kamerahersteller in den Markt der spiegellosen Systemkameras ein. Die EOS M ist kompakt und kommt ohne integrierten Blitz, aber ein aufsteckbarer wird mitgeliefert. Anders als Nikon setzt Canon auf einen 22,3 x 14,9 Millimeter (APS-C) großen CMOS-Chip mit 18 Megapixeln Auflösung. Einfach zu bedienende Automatiken und ein Touchscreen sollen die Handhabung erleichtern. Auch Videos kann die EOS M aufzeichnen, sogar in FullHD-Auflösung.  (Benjamin Kirchheim)

Canon EOS M [Foto: Canon]Damit lagen wir mit unseren diesjährigen Aprilscherz (siehe weiterführende Links) gar nicht so sehr daneben, nur dass die EOS M nicht den Sensor der PowerShot G 1 X verwendet, sondern den APS-C-Sensor der EOS-Spiegelreflexmodelle mit den üblichen 18 Megapixeln Auflösung und einem Crop-Faktor von 1,6. Damit verspricht die EOS M Fotos in Spiegelreflexqualität. Auch das Design ist der G1 X nicht so unähnlich, allerdings besitzt die EOS M keinen optischen Sucher. Überhaupt scheint das edel wirkende Gehäuse viel mehr auf die Anwender von Kompaktkameras abgestimmt zu sein, beispielsweise gibt es kein Programwählrad, nur wenige Bedienelemente und dafür einen Touchscreen. Doch der Reihe nach.

Die EOS M ist mit einen Hybrid-Autofokus ausgestattet. In dem Bildsensor sind zentral Phasensensoren integriert, die die grobe Vorfokussierung übernehmen. Die Feinjustage erfolgt dann per Kontrastmessung. Für die Fokussierung benötigt die EOS M allerdings etwas mehr Licht als beispielsweise die EOS 650D. Letztere arbeitet von -0,5 bis 18 LW, die EOS M von 1 bis 18 LW – immer noch ein sehr guter Wert. Zudem wird der Autofokus in dunklen Umgebungen durch ein LED-Hilfslicht unterstützt. Der Hybridautofokus stellt Canon EOS M mit EF-M 18-55 mm [Foto: Canon]auch bei Videoaufnahmen scharf. Wobei allerdings durch dessen zentrale Anordnung bei Objekten außerhalb der Bildmitte nur der Kontrast-Autofokus arbeiten kann. Über insgesamt 31 AF-Felder verfügt die EOS M, die sich auch einzeln oder in Gruppen ansteuern lassen. Der CMOS-Sensor integriert sowohl die Signalverstärkung als auch die Analog-Digitalwandlung mit 14 Bit direkt hinter jedem einzelnen Pixel, so dass die Signale kaum verfälscht werden können, was ein geringes Bildrauschen bedeutet. Die ISO-Automatik arbeitet im Bereich von ISO 100 bis 6.400, manuell ist der Standardbereich von ISO 100 bis 12.800 ansteuerbar, der bis auf ISO 25.600 erweitert werden kann.

Der leistungsstarke Signalverarbeitungsprozessor Digic 5 sorgt für die Bildaufbereitung wie auch für die zahlreichen Automatiken, die Fokusberechnung etc. Er ist in der Lage Serienbildaufnahmen mit den maximal 4,3 Bilder pro Sekunde der EOS M, problemlos zu verarbeiten. Der Puffer reicht wahlweise für 17 JPEG-Fotos oder sechs in RAW. Gespeichert wird auf SD-, SDHC- oder SDXC-Speicherkarten. Auf Canon EOS M [Foto: Canon]einen Sucher muss der Anwender genauso verzichten wie auf einen beweglichen Bildschirm. Die Auflösung des drei Zoll (etwa 7,7 Zentimeter) großen Displays kann sich mit über einer Million Bildpunkten hingegen sehen lassen, weist er ein Seitenverhältnis von 3:2 – wie der Bildsensor auch. Alternativ lassen sich unter Auflösungsverlust aber auch 4:3, 16:9 und 1:1 bei der EOS M einstellen. Die Plexiglasschutzscheibe ist ohne Luftschicht direkt auf dem Bildschirm angebracht, was Reflexionen vermindern soll. Der Bildschirm ist berührungsempfindlich und erlaubt diverse Bildeinstellungen. Per Fingerdruck sind auch das Fokussieren auf einen bestimmten Punkt sowie das direkte Auslösen möglich. Zudem verfügt die EOS M über eine Gestensteuerung, etwa den Zwei-Finger-Gestenzoom. Außerdem können zwei verschiedene Gitterlinienraster auf dem Bildschirm eingeblendet werden, was die richtige Bildkomposition erleichtert.

Canon EOS M mit EF-M 22 mm [Foto: Canon]Für die Aufnahme von Fotos stehen zahlreiche Motivprogramme sowie eine Automatik zur Verfügung, die die Bildinhalte genau analysiert und die Kamera optimal darauf abstimmt. Dazu gehört etwas das passende Motivprogramm oder auch die richtige Gradationskurve, um den hellen und dunklen Bereichen im Bild gerecht zu werden. Außerdem verfügt die EOS M über eine Mehrfachaufnahmefunktion zur Rauschreduzierung, eine HDR-Funktion, zahlreiche Bildstile sowie digitale Effektfilter. All das soll vor allem Anwendern helfen, die sich nicht mit der Technik auseinandersetzten wollen. Wer möchte, kann die EOS M aber auch halbautomatisch oder manuell steuern. Das gilt sogar für den Movie-Modus, in dem man zwischen den Auflösungen 1.920 x 1.080 (FullHD), 1.280 x 720 (HD) und 640 x 480 (VGA) wählen kann. Gespeichert werden die Videos mit MPEG-4-Komprimierung im MOV-Format, wobei die maximale Aufnahmedauer bei 29 Minuten und 59 Sekunden beziehungsweise vier Gigybyte Dateigröße liegt – je nachdem welche Grenze zuerst erreicht wird. Bei FullHD beträgt die Bildwiederholrate wahlweise rund 30, 25 oder 24 Canon Speedlite 90EX [Foto: Canon]Bilder pro Sekunde, bei HD 60 oder 50 Bilder pro Sekunde und bei VGA 30 oder 25 Bilder pro Sekunde. Der Ton wird über ein integriertes Stereomikrofon aufgezeichnet, das über einen Windfilter und neben der automatischen auch über eine manuelle Tonaussteuerung in 64 Abstufungen verfügt. Alternativ kann aber auch über den 3,5 Millimeter Klinkenanschluss ein externes Stereomikrofon angeschlossen werden.

Canon Speedlite 90EX [Foto: Canon]Zwar verfügt die EOS M über kein integriertes Blitzgerät, wohl aber über den E-TTL-II-Systemblitzschuh. Wie einige andere Hersteller legt Canon der spiegellosen Systemkamera aber ein kleines Blitzgerät bei. Das Speedlite 90EX kann jedoch mehr als die Geräte der Konkurrenz: So ist es beispielsweise als Master zum Drahtlosblitzen geeignet. Anders als die Mitbewerber wird der Blitz nicht über die Kamera mit Strom versorgt. Bei nur 230 Aufnahmen pro Akkuladung wäre das wohl auch keine gute Alternative. Stattdessen wird er über zwei AAA-Zellen mit Strom versorgt. Die Blitzladezeit soll 5,5 Sekunden betragen. Ausgeleuchtet wird ein Kleinbild-Bildwinkel eines 24-Millimeter-Objektivs, die Leitzahl beträgt neun bei ISO 100. Funktionen wie eine Langzeitsynchronisation sind bei der EOS M selbstverständlich, die kürzeste Synchronzeit liegt indes bei 1/200 Sekunde. Das Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang ist genauso möglich wie eine Blitzleistungskorrektur und sogar eine manuelle Reduzierung der Blitzleistung auf bis zu Canon EF-M 18-55mm IS STM [Foto: Canon]1/64 wird im Kameramenü geboten.

Die EOS-M verfügt über ein neues Objektivbajonett mit 18 Millimeter Auflagemaß. Das ermöglicht die mit 32 Millimetern recht flache Bauweise der Kamera. Der Bajonettdurchmesser wurde speziell für den APS-C-Bildkreis optimiert. Zum Start des Systems bietet Canon vorerst zwei Objektive an. Beide verwenden einen Stepper-Motor STM, der bereits jüngst bei einigen EOS-Objektiven eingeführt wurde. Gerade bei Kontrast-Autofokussystemen, die keine Vorausberechnung der Stellweite und Richtung erlauben, arbeiten Stepper-Motoren schneller und genauer, denn beim Kontrast-Autofokus wird in feinsten Schritten eingestellt und gemessen. Das Ganze läuft jedoch bei modernen Kameras äußerst schnell ab, so dass sich ein Kontrastautofokus bei der Geschwindigkeit hinter einem in DSLRs eingesetzten Phasen-Autofokus nicht mehr zu verstecken braucht – jedenfalls solange sich das Motiv nicht großartig bewegt. Das EF-M 18-55mm 1:3,5-5,6 IS STM dient als Standardzoom, es deckt einen kleinbildäquivalenten Brennweitenbereich von 29 bis 88 Millimeter bei einer maximalen Lichtstärke von F3,5 beziehungsweise F5,6 ab. Die Blende besitzt sieben Lamellen. Außerdem verfügt das Zoomobjektiv über einen optischen Bildstabilisator, der eine bis zu vier Blendenstufen Canon EF-M 22mm f2 STM [Foto: Canon]längere Belichtungszeit erlauben soll als ein unstabilisiertes Objektiv. Das Filtergewinde mit 25 Millimeter Durchmesser erlaubt den Anschluss von optischen Filtern, auch eine Gegenlichtblende gibt es. Die Naheinstellgrenze von 25 Zentimeter erlaubt bei 55 Millimeter Brennweite einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:4.

Canon EF-EOS M Mount Adapter [Foto: Canon]Das EF-M 22mm 1:2 STM punktet dagegen mit seiner Kompaktheit und Lichtstärke. Mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 35 Millimeter und der Lichtstärke von F2,0 entspricht es dem klassischen Reportageobjektiv und geht mit 23,7 Millimeter Baulänge noch als Pancake durch. Auf einen optischen Bildstabilisator muss der Fotograf indes verzichten. Auch für das 22-Millimeter bietet Canon eine Gegenlichtblende an. Allerdings nennt Canon derzeit für keines der beiden Objektive einen Preis. Mit zwei Objektiven wäre das System sehr dünn, jedoch bietet Canon auch den Objektivadapter EF-EOS M an, der es erlaubt, auf das große Repertoire von mehr als 70 EF-Objektiven zurück zu greifen. Der Adapter verfügt über ein eigenes Stativgewinde, um die EOS M nicht über die Maßen mit schweren Objektiven zu belasten. Der Adapter überträgt alle elektronischen Informationen wie auch die Blendeneinstellung und den Autofokus. Auch für diesen Adapter nennt Canon aktuell noch keinen Preis.

Die EOS M soll wie das Zubehör ab September 2012 erhältlich sein. Die EOS M wird es laut Canon in klassischem Schwarz, glänzendem Weiß, edlem Silber sowie elegantem Rot geben, womit der Hersteller zielgruppengerecht etwas mehr Farbe als bei Spiegelreflexkameras bekennt. Im Set mit dem EF-M 18-55mm 1:3,5-5,6 IS STM soll der Preis der EOS M bei knapp 850 EUR liegen – recht ambitioniert für die anvisierte Zielgruppe, wie wir finden.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 42, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.