Anspruchsvolle Kompaktkameras

Canon kündigt PowerShot G12 und SX30 IS an

2010-09-14 Bei der Vorstellung der Canon PowerShot S95 vor einem Monat haben wir die größere Schwester G12 schmerzlich vermisst – hier ist sie nun. Mit besserem Bildsensor, weniger Rauschen, höher auflösender Videofunktion, schnellerer Serienbildfunktion und neuem Hybrid-Bildstabilisator, der auch in Makrostellung besonders effektiv arbeitet. Für Freunde der Superzoom-Hybridkameras bietet Canon die neue PowerShot SX30 IS an. Mit einem Brennweitenbereich von 24-840 mm (KB) stellt sie einen neuen Rekord auf: 35fach-Zoom! Dazu gibt es einen Bildstabilisator, leise Fokussierung und Zoom für den HD-Videomodus (720p), 14,1 Megapixel Auflösung und einen 2,7"-Klapp-/Schwenkbildschirm.  (Benjamin Kirchheim)

Canon PowerShot G12 mit Speedlite 270EX [Foto: Canon]Die Ausstattungsliste inkl. der Neuerungen der PowerShot G12 ist sehr lang. Da wäre bspw. der optische Zoomsucher zu nennen, der sogar eine Dioptrienkorrektur besitzt. Der CCD-Bildsensor (1/1,7") löst wie bei der PowerShot G11 10,1 Megapixel auf, wurde aber in seinen Eigenschatfen Verbessert. Dazu zählt nicht nur die Videofunktion, die nun 1.280 x 720 Pixel bei 24 Bildern/s aufzeichnet, sondern vor allem auch die Bildqualität. Zusammen mit dem Signalprozessor Digic 4 soll eine noch bessere Bildqualität und Rauschfreiheit erreicht werden, von Canon HS-System getauft. Die ISO-Empfindlichkeit lässt sich dabei bequem in Drittelstufen über ein spezielles Drehrad an der Kamera einstellen, es gibt aber auch eine weitgehend konfigurierbare Automatik. Reduziert man die Auflösung auf 2,5 Megapixel, sind maximal ISO 12.800 möglich. Auch die Serienbildgeschwindigkeit wurde auf 4,2 Bilder/s deutlich erhöht. Die hohe Empfindlichkeit und Rauschfreiheit soll dem Benutzer in vielen Situationen den Stativ- oder Blitzeinsatz ersparen. Ist letzteres doch mal nötig, ist man nicht allein auf das integrierte Blitzgerät angewiesen, sondern kann über den Systemblitzschuh auf sämtliche EOS-Systemblitzgeräte zurückgreifen.

Für besonders kontrastreiche Situationen hat Canon eine HDR-Funktion verbaut, die drei direkt hintereinander aufgenommene, unterschiedlich belichtete Fotos zu einem einzigen mit höherem Dynamikumfang zusammen fügt. Die i-Contrast-Funktion zum Aufhellen von Schatten kann sowohl mit normalen also auch mit HDR-Bildern kombiniert werden. Ein "Update" gab es ebenfalls beim Objektiv. Zwar ist der Brennweitenbereich mit 28-140 mm (KB) bei einer Lichtstärke von F2,8 (W) bis F4,5 (T) identisch geblieben, der Bildstabilisator Canon PowerShot G12 [Foto: Canon]wurde aber gegen den neuen Hybridstabilisator ausgetauscht, der mit dem Canon EF 100 mm 2,8 Makro IS USM eingeführt wurde und auch in der PowerShot S95 zum Einsatz kommt. Er kann nicht nur die üblichen Verwackelungen, sondern auch seitliche Verschiebungen, wie sie vor allem beim Makroaufnahmen auftreten, ausgleichen. So bleibt die Bildstabilisierung selbst bei der Naheinstellgrenze von 1 cm (am Objektivfrontlinse) effektiv.

Geblieben ist der 2,8" (3 cm) große, klapp und schwenkbare Bildschirm mit 461.000 Bildpunkten Auflösung. Wer nur mit optischem Sucher fotografieren möchte, kann den Bildschirm einfach umgedreht an die Kamera klappen – so ist er auch vor mechanischen Beschädigungen geschützt. Neu ist dagegen das vordere Einstellrad. So ist die Bedienung vor allem bei halbautomatischer oder manueller Belichtung noch bequemer, denn der hintere Multifunktionswähler mit Drehrad ist geblieben. Die Einstelloptionen lassen sich weitgehend vom Benutzer individualisieren, bspw. Blende vorne, Canon PowerShot G12 [Foto: Canon]Belichtungszeit hinten. Dabei darf das RAW-Format als Alternative zu JPEG selbstverständlich nicht fehlen. Gespeichert wird auf einer SD/SDHC/SDXC-Speicherkarte. Außerdem ist die PowerShot G12 Eye-Fi-kompatibel und kann die WLAN-SD-Karte sogar über das Menü steuern.

Auch automatisch kann die G12 hervorragende Fotos aufnehmen, wozu sie nicht nur 28 Motivprogramme eingebaut hat, sondern auch eine Automatik, die selbst das richtige davon einstellen kann, indem sie blitzschnell das Livebild analysiert. Dabei werden auch Gesichter erkannt. Der Autofokus ist in der Lage, Gesichter oder andere Motivdetails auf dem Bild zu verfolgen und so ständig scharf zu halten. Weitere Aufnahmehilfen sind das Helligkeits- und RGB-Livehistogramm sowie die elektronische Wasserwaage, auch die Canon PowerShot G12 [Foto: Canon]Kameraausrichtung (Hoch- oder Querformat) wird im Bild gespeichert. Während der Aufnahme steht nicht nur das native Seitenverhältnis von 4:3 zur Verfügung, sondern unter entsprechendem Auflösungs- und Bildwinkelverlust auch 3:2, 16:9, 4:5 und 1:1.

Zum Spielen lädt etwa der Miniatur-Effekt ein, der sowohl bei Fotos als auch bei Videos aktiviert werden kann und das Motiv scheinbar in eine Modellandschaft verwandelt (etwa so wie in der Telekom-Werbung). Im Videomodus sind zusätzlich Zeitrafferaufnahmen mit einem 5-, 10- oder 20-fachen Zeitraffereffekt einstellbar. Die Wiedergabe kann nicht nur auf dem Kamerabildschirm, sondern über die HDMI-Buchse auch in HDTV-Qualität erfolgen. Durch die CEC-Kompatibilität kann die Kamera dabei sogar von der Fernseher-Fernbedienung gesteuert werden. Im Zubehörprogramm wird bspw. ein Unterwassergehäuse (WP-DC34 Canon PowerShot SX30 IS [Foto: Canon]für eine Tauchtiefe von bis zu 40 m oder ein Adapter für 58 mm optische Filter angeboten. Die Canon PowerShot G12 ist ab Oktober 2010 zu einem Preis von 550 EUR im Handel erhältlich.

Ein ganz anderes Kaliber ist die Canon PowerShot SX30 IS. Nicht etwa aufgrund der höheren Auflösung von 14,1 Megapixeln auf einem kleineren 1/2,3" CCD-Bildsensor, was eine eher geringere Bildqualität bei hohen ISO-Empfindlichkeiten erwarten lässt, sondern das geradezu monströse 35fach-Zoom mit einem Brennweitenbereich von 24-840 mm. Das ist absoluter Rekord bei den Superzoomkameras! Mit einer Lichtstärke von F2,7 (W) bzw. F5,8 (T) ist das Objektiv sogar verhältnismäßig lichtstark. Erreicht wird das Wunderwerk der Objektivbaukunst durch 13 Linsen in 10 Gruppen bei Einsatz von zahlreichen Spezialgläsern: Eine UD-Linse (Ultra-low Dispersion und eine Hi-UD-Linse sollen chromatische Aberrationen verhindern und eine hohe Abbildungsleistung über den gesamten Brennweitenbereich sichern. Hi-UD-Linsen kommen normalerweise nur im professionellen Broadcastbereich (Videokameras für Kinoproduktionen) zum Einsatz. Außerdem enthält das Objektiv eine beidseitig asphärisch geschliffene Linse.

Canon PowerShot SX30 IS [Foto: Canon]Für ein leises und schnelles Zoomen soll ein Ultraschallmotor (USM) sorgen, um die Fokussierung kümmert sich ein Voice-Coil-Motor (VCM). Um beim Gebrauch von starken Telebrennweiten den Überblick nicht zu verlieren, kann das Objektiv auf Knopfdruck blitzschnell herauszoomen. Dabei wird der ursprüngliche Ausschnitt in einem Rahmen angezeigt. Lässt man die Taste los, zoomt das Objektiv zurück in die ursprüngliche Telestellung. Für die lange Brennweite ist ein Bildstabilisator unverzichtbar, der in der SX30 IS verbaute optische gleicht bis zu 4,5 Blendenstufen aus. Bildstabilisator, Zoom und Fokussierung laufen auch bei Videoaufnahmen, die mit 1.280 x 720 Pixeln bei 30 Bildern/s mit Stereoton aufgezeichnet werden. Außerdem steht im Videomodus eine Automatik zur Verfügung, die selbstständig aus 21 Motivprogrammen wählt. Auch die Miniatur- sowie die Zeitrafferfunktion stehen wie bei der G12 im Videomodus zur Verfügung.

Canon PowerShot SX30 IS [Foto: Canon]Der rückwärtige, 2,7" (6,8 cm) große Bildschirm ist dank Drehgelenk schwenk- und klappbar und löst 230.000 Bildpuntke aus. Er kann auch rückwärts an die Kamera geklappt werden. Das schützt nicht nur den Bildschirm vor mechanischen Beschädigungen, sondern auch vor Nasenabdrücken, wenn man den 202.000 Bildpunkte auflösenden Sucher verwendet. Im Fotomodus wählt die Kamera automatisch aus 28 Motivprogrammen, die Belichtung ist aber auf Wunsch auch halbautomatisch oder manuell regulierbar. An Kreativmodi stehen Farbverstärkung, Fischaugen-, Poster- sowie Miniatureffekt zur Verfügung.

Über den HDMI-Anschluss findet die SX30 IS Anschluss an einen HD-Fernseher, dank CEC lässt sich die Kamera dann sogar mit der Fernbedienung des Fernsehers fernsteuern. Auch das andere Zubehör lässt Fotografenherzen höher schlagen: Ein Systemblitzanschluss erweitert die Beleuchtungsmöglichkeiten dank Speedlite-Kompatibilität enorm, über einen Adapter lassen sich 67mm-Filter vor das Objektiv schrauben. Der SD-Kartenschacht unterstützt auch den SDHC- sowie SDXC-Standard, aber auch Eye-Fi-WLAN-SD-Karten lassen sich verwenden. Eine Funktion zum Auffinden von ähnlichen Bildern hilft, den Überblick bei großen Speicherkarten zu bewahren. Das Akkufach nimmt einen Li-Ion-Akku auf, die Stromversorgung kann aber auch über ein Netzgerät erfolgen. Ab Mitte September 2010 soll die Canon PowerShot SX 30 IS für rund 470 EUR im Handel erhältlich sein.

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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 40, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.