Aus dem digitalkamera.de-Testlabor

Bildqualität der Samsung NX200 mit vier Objektiven getestet

2012-02-15 Immer wieder kritisierten wir die Bildqualität der NX-Systemkameras von Samsung. Vor allem der Bildsensor war dafür als Hauptverantwortlicher auszumachen, zeigten doch die ebenfalls mit diesem Sensor bestückten Pentax-DSLRs dieselben Schwächen. Mit der NX200 und ihrem neu entwickelten Bildsensor könnte nun also alles besser werden – wobei dessen von 14 auf 20 Megapixeln gestiegene Auflösung gleich wieder Zweifel aufkommen lässt. Unser umfangreicher Labortest soll Klarheit verschaffen.  (Benjamin Kirchheim)

Samsung NX200 [Foto: Samsung]Dabei gestaltete sich die Beschaffung der Kamera als holprig, da offensichtlich ein Mangel an Testgeräten beim Hersteller herrscht. So richtig ins Rollen brachte den Test erst ein Leser von digitalkamera.de, seines Zeichens überzeugter Anwender von NX-Kameras und neugierig auf unsere Testergebnisse. Volker Kutschka bot sogar an, einige seiner Objektive für den Labortest zur Verfügung zu stellen – ein Angebot, das wir nicht ausschlagen konnten. So kam es, dass wir die Samsung NX200 nicht nur mit dem Setobjektiv 18-55 i-Function, sondern auch mit dem 20 mm i-Function, dem 50-200 mm i-Function und dem 30 mm Pancake testen konnten. Dabei bewies auch Volker Kutschka Geduld, denn die angekündigte Lieferung der Testkamera verschob sich erneut um Wochen, während die Objektive längst in der Redaktion auf ihren Test warteten. Aber es sollte sich lohnen.

Im Labortest enttäuschte nur eines der vier Objektive: Das 18-55 mm i-Function. Selbst für ein Setobjektiv weist es einige Mängel auf, so dass wir unter Bezugnahme auf ältere Labortests eher das 20-50 mm i-Function als Setobjektiv empfehlen können. Das 18-55 jedenfalls verzeichnet stark, im Weitwinkel ausgeprägt tonnenförmig, im Tele stark kissenförmig. Auch der Randabfall der Auflösung ist enorm, insbesondere im Weitwinkel. Im Vergleich zum Bildzentrum, das abgeblendet sehr hoch aufgelöst wird, wird am Bildrand nur ungefähr die halbe Auflösung erreicht. Überhaupt sollte man das Objektiv deutlich abblenden. In Telestellung wird die höchste Auflösung bei F11 erreicht und ist dort doppelt so hoch wie bei Offenblende F5,6. Die schwache beziehungsweise ungleichmäßige Auflösung macht sich selbst auf A4 großen Papierbildern schon deutlich bemerkbar.

Samsung NX Lens F2 30 mm [Foto: MediaNord]Viel besser schlägt sich das 50-200-Millimeter-Telezoom. Bereits bei Offenblende löst es so hoch auf, wie das 18-55 nur abgeblendet. Dabei ist beim 50-200 auch der Randabfall der Auflösung keiner Rede wert. Einzig die Telestellung ist etwas schwächer mit sowohl geringerer Auflösung im Bildzentrum als auch einem deutlicheren Randabfall. Das ist aber auch die einzige Schwäche, die man diesem Objektiv anlasten kann, denn die Randabdunklung ist nicht der Rede wert. Die Verzeichnung ist mit 1,5 Prozent Tonnenform bei 50 Millimeter und 0,5 Prozent Kissenform bei 200 Millimeter noch akzeptabel.

Das 30-Millimeter-Pancake erreicht offen eine ordentliche Auflösung, legt beim Abblenden aber noch deutlich zu und wird knackscharf. Vor allem die chromatische Aberration ist bei diesem Objektiv äußerst gering, die Verzeichnung erreicht nur ein Prozent Tonnenform. Selbst bei Offenblende ist die Randabdunklung kaum der Rede wert. Beim 20 mm hingegen trickst Samsung etwas. Bei diesem Objektiv wird die Verzeichnungskorrektur der Kamera angeschaltet und der Menüpunkt ist nicht mehr auswählbar. Ärgerlich: Nach dem Objektivwechsel bleibt die Korrektur eingeschaltet und muss von Hand wieder deaktiviert werden, was auch die Werkseinstellung ist, mit der die anderen Objektive getestet wurden. Die Korrektur jedenfalls arbeitet sauber, Verzeichnung ist über das gesamte Bildfeld praktisch nicht vorhanden. Farbsäume weist das 20er etwas stärker auf als das 30er, aber die bleiben im nur schwach sichtbaren Bereich. Im Bildzentrum löst das 20er gut auf und legt beim Abblenden noch zu, allerdings könnte die Randauflösung etwas besser sein, denn je nach Blende verliert das Objektiv am Bildrand rund 30 Prozent der Leistung verglichen mit dem Bildzentrum. Für einen A4 großen Papierabzug reicht die Auflösung aber selbst am Bildrand, so dass keine unscharfen Ecken sichtbar werden.

Samsung NX Lens 1:2.8 20 mm i-Function [Foto: MediaNord]Die NX200 indes schlägt sich im Test wacker. Die Empfindlichkeit beispielsweise ist real jeweils etwas höher als eingestellt. Der Signal-Rauschabstand könnte etwas besser ausfallen und erreicht über ISO 800 einen kritischen Bereich. Bis ISO 800 hat Samsung das Rauschen gut im Griff, darüber nimmt es deutlich zu. Das betrifft sowohl das Farb- als auch das Helligkeitsrauschen, wobei das Farbrauschen insgesamt etwas geringer ausfällt. Zudem wird die Rauschstruktur bei höheren Empfindlichkeiten grobkörniger. Die Detailauflösung ist bis ISO 400 sehr gut, bei ISO 800 gut und bei ISO 1.600 befriedigend, darüber nimmt sie aber deutlich ab. Auch die Eingangsdynamik ist bis ISO 800 gut, erreicht die höchsten Werte aber bei ISO 200 und 400. Die Kamera ist also vom Rauschen, der Detailauflösung und Dynamik bis ISO 400 bedenkenlos einsetzbar, liefert bei ISO 800 gute Qualität und ISO 1.600 markiert den Grenzbereich, darüber sinkt die Bildqualität sichtbar ab. Für 20 Megapixel auf einem APS-C-Sensor geht das in Ordnung und ist im Vergleich zum 14-Megapixel-Sensor sogar besser. Sowohl der Weißabgleich als auch die Farbwiedergabe und die Tonwertkurve sind bei der NX200 gut abgestuft. Gerade bei den Farben liegen selbst die größeren Abweichungen im Rot-, Orange- und Gelbbereich noch im tolerierbaren Rahmen und sind zumeist geringer als bei vielen Wettbewerbern. Man kann der NX200 also eher neutrale als knallbunte Farben und neutralere Tonwertkurven attestieren. Nachlegen sollte Samsung hingegen beim Autofokus. Er ist zwar mit rund 0,4 Sekunden schnell und schlägt auch viele Einsteiger-DSLRs, Olympus und Panasonic sind allerdings mit ihrem aktuellen Kontrast-Autofokus locker doppelt so schnell.

Samsung NX Lens 50-200 mm 4-5.6 II ED OIS i-Function mit Samsung NX200 (v6.0)

Auflösung MTF


NX200

F4,0F5,0F5,6F8,0F11,0F16,0F22,0
50 mm Bildmitte50,0 lp/mm53,3 lp/mm52,2 lp/mm48,3 lp/mm43,3 lp/mm36,5 lp/mm
50 mm Bildrand46,2 lp/mm48,8 lp/mm48,7 lp/mm45,7 lp/mm41,7 lp/mm34,8 lp/mm
100 mm Bildmitte47,9 lp/mm50,2 lp/mm49,4 lp/mm46,0 lp/mm41,9 lp/mm35,5 lp/mm
100 mm Bildrand42,0 lp/mm42,7 lp/mm45,9 lp/mm45,4 lp/mm42,1 lp/mm35,0 lp/mm
200 mm Bildmitte39,3 lp/mm39,4 lp/mm40,0 lp/mm33,2 lp/mm29,5 lp/mm
200 mm Bildrand23,6 lp/mm24,7 lp/mm26,9 lp/mm28,2 lp/mm27,1 lp/mm

Im digitalkamera.de-Testlabor werden mit Hilfe der Software DxO Analyzer verschiedene Bildqualitätsparameter gemessen. Der Labortest mit klar gestalteten und leicht verständlichen Diagrammen, Erklärungstexten sowie einer ausführlichen PDF-Datei zum Archivieren und Ausdrucken kostet 1,40 EUR im Einzelabruf für eine Kamera und 0,50 EUR für ein Objektiv. Flatrates, die den Zugriff auf das gesamte Labortest-Archiv erlauben, sind ab 2,08 EUR pro Monat buchbar. Eine Flatrate hat keine automatische Verlängerung und wird im Voraus für einen festen Zeitraum gebucht und bezahlt.


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 41, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.