RX100-Abkömmling mit Videogenen

Auf Vlogging spezialisierte Sony ZV-1 angekündigt

2020-05-26 Mit der Sony ZV-1 kündigt der japanische Hersteller nach dem Vorbild der Canon PowerShot G7 X Mark III erstmals eine auf Vlogging spezialisierte Variante seiner Kompaktkameras mit großem 1"-Sensor und lichtstarkem 24-70mm-Objektiv an. Mit der großen Blendenöffnung von F1,8 bis F2,8 soll ein Freistelleffekt (unscharfer Hintergrund) möglich werden, die ZV-1 besitzt sogar extra eine Taste zum Aufblenden. Auch der Videoaufnahmeknopf ist besonders groß, der Autofokus stellt auch während einer 4K-Aufnahme auf Gesichter und Augen scharf und der Bildschirm ist schwenk- und drehbar, um sich selbst bei der Videoaufnahme sehen zu können.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Die Sony ZV-1 ähnelt der RX100-Reihe sehr und besitzt ein ähnliches, aber mit Handgriff ausgestattetes Gehäuse, einen 20 Megapixel auflösenden 1"-Bildsensor sowie ein F1,8-2,8 24-70 mm Zoom. [Foto: Sony]

    Die Sony ZV-1 ähnelt der RX100-Reihe sehr und besitzt ein ähnliches, aber mit Handgriff ausgestattetes Gehäuse, einen 20 Megapixel auflösenden 1"-Bildsensor sowie ein F1,8-2,8 24-70 mm Zoom. [Foto: Sony]

  • Bild Die Rückseite der Sony ZV-1 wird hauptsächlich vom Touchscreen eingenommen, einen elektronischen Sucher gibt es nicht. [Foto: Sony]

    Die Rückseite der Sony ZV-1 wird hauptsächlich vom Touchscreen eingenommen, einen elektronischen Sucher gibt es nicht. [Foto: Sony]

Ihren Ursprung in der RX100er-Serie kann die ZV-1 kaum verbergen – das muss sie auch nicht, gehören die RX100-Modelle von Sony doch zu den besten Ultrakompaktkameras am Markt. So sind der 20 Megapixel auflösende, rückwärtige belichtete 1"-Bildsensor (Cropfaktor 2,7) und das F1,8-2,8 lichtstarke, optisch bildstabilisierte Zeiss-Objektiv aus der Sony RX100 Mark III bis Mark V bekannt, auch die Gehäuseform ist stark an die RX100-Serie angelehnt.

Neu ist der kleine Handgriff, der das Halten der Kamera deutlich vereinfachen sollte. Beim Sensor handelt es sich um die neueste Generation mit der mehrschichtigen "stacked"-Technologie mit integrierten AD-Wandlern und DRAM zur schnelleren Auslesung. Als Prozessoren kommen der Bionz X der neuesten Generation sowie ein Front-End-LSI (siehe weiterführende Links) mit großem Pufferspeicher zum Einsatz.

  • Bild Der 7,5 Zentimeter große Touchscreen der Sony ZV-1 lässt sich seitlich schwenken und um 270 Grad drehen. Für das 3-Kapsel-Direktionalmikrofon gehört ein Windfilteraufsatz zum Lieferumfang der Kamera. [Foto: Sony]

    Der 7,5 Zentimeter große Touchscreen der Sony ZV-1 lässt sich seitlich schwenken und um 270 Grad drehen. Für das 3-Kapsel-Direktionalmikrofon gehört ein Windfilteraufsatz zum Lieferumfang der Kamera. [Foto: Sony]

Im Gegensatz zu RX100-Kameras lässt sich der 7,5 Zentimeter große Touchscreen der Sony ZV1 zudem nicht mehr nach oben und unten klappen, sondern seitlich schwenken und um 270 Grad drehen, so dass er in "Selfie-Position" neben statt über der Kamera steht. Zudem gibt es eine LED-Videoaufnahmeanzeige auf der Kameravorderseite. Ein weiteres Detail ist der fehlende Pop-Up-Sucher, der mit der RX100 III eingeführt wurde. An seiner Stelle sitzt nun ein Multi-Interface-Blitzschuh, der dank seiner elektronischen Kontakte nicht nur Blitzgeräte, sondern auch anderes Zubehör, etwa Mikrofone oder Videoleuchten, samt elektronischem Anschluss und Spannungsversorgung aufnehmen kann.

Doch selbst wer ein normales externes Mikrofon mit 3,5 mm Klinkenanschluss betreiben möchte, kann den Schuh nutzen und einfach das Kabel in die dafür vorgesehene Buchse stecken – das hat Sony der direkten Konkurrenzkamera Canon PowerShot G7 X Mark III (Testbericht siehe weiterführende Links) voraus, der ein solcher Zubehörschuh fehlt.

  • Bild Neben einem 3,5mm-Mikrofonanschluss bietet die Sony ZV-1 auch eine Micro-USB- sowie eine Micro-HDMI-Schnittstelle. [Foto: Sony]

    Neben einem 3,5mm-Mikrofonanschluss bietet die Sony ZV-1 auch eine Micro-USB- sowie eine Micro-HDMI-Schnittstelle. [Foto: Sony]

Doch selbst ohne externes Mikrofon will die Sony ZV-1 exzellenten Ton zum maximal 4K auflösenden Video aufzeichnen. Dafür besitzt sie an der Oberseite ein 3-Kapsel-Direktionalmikrofon, das mit der Videokamera-Technologie von Sony arbeitet. Dadurch können etwa Störgeräusche herausgefiltert werden. Sogar mit einem mitgelieferten Windschutzfilter (Puschel oder auch DeadCat genannt) kann das Mikrofon versehen werden (das belegt allerdings den Zubehörschuh).

Ein weiteres, wichtiges Ausstattungsmerkmal ist der auch im Videomodus funktionierende Real-time-AF. Dieser basiert auf einem Hybridsystem, das neben einer Kontrasterkennung mit 425 Messfeldern auch auf 315 im Sensor integrierte Phasen-AF-Sensoren setzt, die Fokusänderungen in Richtung und Stärke besser erkennen können, was nicht nur zu einem schnelleren, sondern in Videos vor allem weniger pumpenden Autofokus führt.

  • Bild Neben dem großen Dreikanal-Stereomikrofon bietet die Sony ZV-1 auf der Oberseite auch einen Multi-Interface-Schuh zum Anschluss von Zubehör. [Foto: Sony]

    Neben dem großen Dreikanal-Stereomikrofon bietet die Sony ZV-1 auf der Oberseite auch einen Multi-Interface-Schuh zum Anschluss von Zubehör. [Foto: Sony]

  • Bild Das Stativgewinde sitzt bei der Sony ZV-1 nicht in der optischen Achse. SD-Speicherkarte und Lithium-Akku teilen sich das Bodenfach. [Foto: Sony]

    Das Stativgewinde sitzt bei der Sony ZV-1 nicht in der optischen Achse. SD-Speicherkarte und Lithium-Akku teilen sich das Bodenfach. [Foto: Sony]

Des Weiteren setzt Sony auf AI-Algorithmen, also künstliche Intelligenz, die sich bewegende Objekte besonders gut erkennen und im Fokus halten kann. Dazu gehören selbstverständlich auch Augen und Gesichter. Auch die Belichtung wird speziell an Gesichter angepasst, damit diese selbst in stark wechselnden Lichtverhältnissen stets natürlich erscheinen. Weniger natürlich, aber den gefilmten Personen sicher schmeichelnd ist zudem der zuschaltbare Soft-Skin-Effekt. Die Gesichtsfarben sollen derweil natürlich und Augen- sowie Mund mit optimaler Schärfe wiedergegeben werden.

Aufgezeichnet werden die Videos in 4K-Auflösung mit 24 bis 30 Bildern pro Sekunde, in Full-HD sind sogar 60 Bilder pro Sekunde möglich und bei (deutlich) niedriger, aber auf Full-HD hochinterpolierter Auflösung sogar Highspeed-Videos mit bis zu 1.000 Bildern pro Sekunde. Als Videoformate stehen MP4 (bis 4K) sowie AVCHD (nur Full-HD) zur Verfügung, auch den HLG-Standard für HDR-Videoaufnahmen beherrscht die Sony ZV-1. Zudem können Hochformat-Videos zum Ansehen auf Smartphones aufgenommen werden.

  • Bild Der optional erhältliche, mit der ZV-1 kompatible Handgriff Sony GP-VPT2BT bietet neben Fernsteuerknöpfen auch eine Stativ- und Grifffunktionfunktion. [Foto: Sony]

    Der optional erhältliche, mit der ZV-1 kompatible Handgriff Sony GP-VPT2BT bietet neben Fernsteuerknöpfen auch eine Stativ- und Grifffunktionfunktion. [Foto: Sony]

Die C1-Taste (C-Tasten sind übrigens frei programmierbar und dementsprechend nur werksseitig vorbelegt) wechselt auf Knopfdruck zwischen geöffneter und geschlossener Blende für maximale Hintergrundunschärfe oder wahlweise viel Schärfentiefe. Hilfreich in hellen Umgebungen ist neben der bis zu 1/32.000 Sekunde kurzen Belichtungszeit auch der integrierte, zuschaltbare ND-Filter. Des Weiteren gibt es eine C2-Taste, die auf Knopfdruck den Fokus zwischen Gesicht und einem Produkt wechseln soll, was optimal für "Review"-Videos beziehungsweise Produktvorstellungen sein soll.

Die Stromversorgung der Sony ZV-1 übernimmt ein kleiner, wechselbarer und über die Micro-USB-Schnittstelle der Kamera auch während des Betriebs ladbarer Lithium-Ionen-Akku. Zudem kann die Kamera via USB an einen Computer angeschlossen als Webcam eingesetzt werden. Die dafür erforderliche PC-Software soll ab Juli 2020 erhältlich sein. Auch über eine Micro-HDMI-Schnittstelle mit Clean-Ausgang sowie Bluetooth und WLAN zur Kommunikation mit Smartphones verfügt die Sony ZV-1.

Neben den Videofunktionen können sich übrigens auch die Fotofunktionen sehen lassen. Neben Automatiken gibt es auch manuelle Belichtungssteuerungsmöglichkeiten, eine 24 Bilder pro Sekunde schnelle Serienbildfunktion, eine Intervallaufnahmefunktion und die Möglichkeit, Aufnahmen neben JPEG auch im Rohdatenformat speichern zu können.

Ab Mitte Juni 2020 soll die 10,6 x 6 x 4,4 Zentimeter kompakte, knapp unter 300 Gramm schwere Sony ZV-1 zu einem Preis von ca. 800 Euro erhältlich sein. Der im Januar 2020 vorgestellte Handgriff GP-VPT2BT mit Fernsteuerknöpfen und Stativfunktion ist übrigens zur ZV-1 kompatibel.

Produktvideo von Sony zur neuen ZV-1


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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 42, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.