Nur noch als Miet-Software

Adobe stellt völlig neues Lightroom CC 2017 und Lightroom Classic vor

2017-10-18 Aktuelle Photoshop-Versionen kann man schon länger nicht mehr kaufen, sondern nur noch mieten. Nun erwischt es auch Adobe Lightroom: Eine Kauf-Software Adobe Lightroom 7 wird es nicht geben. Die Version Lightroom 6, die im April 2015 herauskam, bleibt bis auf weiteres im Handel, bekommt aber laut Adobe nur noch bis Ende 2017 Updates in Form neuer unterstützter Kameras. Aktuell ist Version 6.12 von Juli 2017, die Version 6.13 wird am 28. Oktober erscheinen und Unterstützung für die Nikon D850 bringen. Aber der Wegfall der Kauf-Version ist nicht das Einzige, was sich ändert, sondern Adobe konzipiert das ganze Lightroom Ökosystem neu.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Adobe Lightroom CC ermöglicht ein nahtloses Verwalten und Bearbeiten von Fotos auf Desktop- und Notebook-Computern, auf Tablets und auf Smartphones, unter Windows, Mac OS, iOS und Android. [Foto: Adobe]

    Adobe Lightroom CC ermöglicht ein nahtloses Verwalten und Bearbeiten von Fotos auf Desktop- und Notebook-Computern, auf Tablets und auf Smartphones, unter Windows, Mac OS, iOS und Android. [Foto: Adobe]

Lightroom CC

Das Programm, das jetzt den vollen Namen Adobe Photoshop Lightroom CC trägt, ist komplett neu. Direkt dazu gehören Apps für Smartphones und Tablet-Computer für iOS und Android. Alle diese Programme ähneln sich in der Bedienung, sind aber auf die jeweilige Bildschirmgröße angepasst. Auch die Desktop-Version ist für Touchscreens optimiert, lässt sich also beispielsweise optimal auf einem Windows-10-Tablet benutzen, aber genauso mit der Maus bedienen. Die Desktop-Version kommt gleichermaßen mit kleinen wie mit großen Bildschirmen zurecht. Als zusätzliches Tool gibt es eine Web-App, also ein Lightroom, das einfach online in einem Internet-Browser läuft.

Vom Leistungsumfang her ist das neue Lightroom CC gegenüber der bisherigen Desktop-App reduziert. Das kommt aber der Übersichtlichkeit zugute. Viel Wert wurde auf eine einfache Bedienung gelegt und das ist auch extrem gut gelungen (lesen Sie dazu mehr in unseren parallel erscheinenden Testbericht, siehe weiterführenden Link). Der Schwerpunkt liegt jetzt klar einerseits auf dem Sichten und Bewerten von Fotos, andererseits auf dem Optimieren und Bearbeiten von Fotos. Viele andere Funktionen, die man vom bisherigen Lightroom kennt, die die das Programm aber sehr aufgebläht haben, hat Adobe weggelassen. Dazu zählen die Programm-Module Karte, Buch, Diashow, Drucken und Web. Lightroom CC ist im Grunde nur noch "Bibliothek" (wobei es ja nun keine lokalen Dateien mehr zu verwalten gibt) und "Entwickeln".

Lightroom CC setzt vom Konzept her konsequent auf die Cloud. Lokal vorliegende Fotos, beispielsweise auf einer Speicherkarte, werden als Originaldatei auf die Adobe-Server kopiert und können dort von allen Geräten genutzt werden. Wenn man Fotos davon braucht, lädt man sie in den benötigten Formaten und Größen herunter. Damit das Ganze auch funktioniert, wenn man offline ist, gibt einen lokalen Cache für Vorschauen und Original-Dateien und man kann Dateien auch explizit sagen, dass diese auf jeden Fall offline gespeichert werden sollen. Es gibt aber keine herkömmlichen Verzeichnisstrukturen mehr. Lokal gespeicherte Fotos oder Videos werden ebenfalls von Lightroom verwaltet, sozusagen in einer Black Box.

  • Bild Adobe Lightroom CC auf einem großen Desktop-Monitor. [Foto: Adobe]

    Adobe Lightroom CC auf einem großen Desktop-Monitor. [Foto: Adobe]

  • Bild Adobe Lightroom CC auf einem Macbook Pro. [Foto: Adobe]

    Adobe Lightroom CC auf einem Macbook Pro. [Foto: Adobe]

  • Bild Adobe Lightroom CC auf einem Android Smartphone. [Foto: Adobe]

    Adobe Lightroom CC auf einem Android Smartphone. [Foto: Adobe]

  • Bild Adobe Lightroom CC auf einem iPad Pro. [Foto: Adobe]

    Adobe Lightroom CC auf einem iPad Pro. [Foto: Adobe]

  • Bild Adobe Lightroom CC auf einem iPhone. [Foto: Adobe]

    Adobe Lightroom CC auf einem iPhone. [Foto: Adobe]

Das mag zunächst alles etwas ungewohnt sein, die ganze Handhabung vereinfacht sich dadurch enorm. Wenn man bereit ist sich darauf einzulassen, ist das ein tolles Konzept und man muss sich um den Speicherort und eine Datensicherung im Grunde keine Gedanken machen (so sieht es Adobe zumindest). Da auch die Benutzeroberfläche unserer Meinung nach zum Besten gehört, was es derzeit gibt, macht die Arbeit mit Lightroom CC wirklich Spaß. Der Spaß hat aber natürlich seinen Preis – in Form einer monatlichen Miete. Diese beträgt 11,89 Euro pro Monat und umfasst Lightroom CC inklusive einem Terrabyte Cloud-Speicher. Wer mehr brauchen sollte, kann mehr Speicher bekommen. Die Preise dürften ebenfalls bei rund 12 Euro pro 1 Terrabyte liegen. Wer ausschließlich auf Smartphones und Tablets arbeitet und mit nur 100 GByte Cloud-Speicher auskommt, bekommt diese rein mobile Lösung für 5,94 Euro pro Monat.

Die Preise darf man sicherlich als "sportlich" bezeichnen. Wenn man bedenkt, dass man beispielsweise bei Microsoft für etwas mehr als 7 Euro im Monat ein komplettes Office-Paket mit allem Drum und Dran und 1 Terabyte Speicher bekommt, könnte man knapp 12 Euro im Monat bei Adobe nur für eine Fotoverwaltung und Fotospeicherung teuer finden, immerhin summiert sich das im Jahr auf über 140 Euro und es enthält dabei noch nicht Photoshop und die bisherige Desktop-Version von Lightroom.

Lightroom Classic CC und Photoshop CC

Die bisherige Desktop-Miet-Version heißt ab sofort mit vollem Namen Adobe Photoshop Lightroom Classic CC. "Classic" hört sich ein bisschen nach "historisch" an und das ist es im Grunde auch. Deshalb finden wir die Namensgebung eher ungeschickt, denn auch die konventionelle Desktop-App wurde weiterentwickelt und wird laut Adobe auch zukünftig parallel zu Lightroom "modern" CC weiterentwickelt. Die neue Ausgabe trägt die Versionsnummer 7.0 (entspricht also Lightroom 7, ist aber nicht als Kauf-Version erhältlich).

  • Bild Mit der Lightroom Classic CC Farbbereichsmaske lassen sich Änderungen gezielt auf bestimmte Bildbereiche anwenden und andere Bereiche aussparen. [Foto: Adobe]

    Mit der Lightroom Classic CC Farbbereichsmaske lassen sich Änderungen gezielt auf bestimmte Bildbereiche anwenden und andere Bereiche aussparen. [Foto: Adobe]

  • Bild Mit der Lightroom Classic CC Farbbereichsmaske lassen sich Änderungen gezielt auf bestimmte Bildbereiche anwenden und andere Bereiche aussparen. [Foto: Adobe]

    Mit der Lightroom Classic CC Farbbereichsmaske lassen sich Änderungen gezielt auf bestimmte Bildbereiche anwenden und andere Bereiche aussparen. [Foto: Adobe]

  • Bild Lightroom Classic CC ist Lightroom Version 7, aber ausschließlich als Mietlösung erhältlich. Eine Kaufsoftware "Lightroom 7" wird es nicht geben. Lightroom 6 bleibt bis vorerst noch im Handel, bekommt aber nur noch dieses Jahr Updates. [Foto: MediaNord]

    Lightroom Classic CC ist Lightroom Version 7, aber ausschließlich als Mietlösung erhältlich. Eine Kaufsoftware "Lightroom 7" wird es nicht geben. Lightroom 6 bleibt bis vorerst noch im Handel, bekommt aber nur noch dieses Jahr Updates. [Foto: MediaNord]

  • Bild Willkommen bei Lightroom Classic CC! Die neue Desktop-Software erklärt gleich beim Start, was sich geändert hat. [Foto: MediaNord]

    Willkommen bei Lightroom Classic CC! Die neue Desktop-Software erklärt gleich beim Start, was sich geändert hat. [Foto: MediaNord]

Lightroom Classic CC sieht aus wie das bisherige Lightroom und fühlt sich auch so an, ist aber in vielen Bereichen schneller geworden. Weiterentwickelt wurde auch das Entwicklungs-Modul, das jetzt Masken unterstützt und eine bessere Rauschreduzierung bietet. Lightroom Classic arbeitet natürlich auch mit der Adobe Cloud zusammen, wie bisher auch schon. Die Classic-Version speichert die Fotos aber wie gehabt lokal. In die Cloud wandern standardmäßig nur Smart-Vorschauen, keine Originale. Deshalb bleibt der Standard-Plan auch bei 20 Gigabyte. Dazu gleich mehr.

Zu Lightroom Classic CC gehört immer auch Photoshop CC, das jetzt ebenfalls signifikante Verbesserungen erfahren hat. Zum einen kann man jetzt aus dem Photoshop-Startbildschirm direkt auf Lightroom-Fotos zugreifen. Zum anderen trägt Adobe jetzt dem 360-Grad-Trend Rechnung und bietet einen Workflow für 360-Grad-Fotos an. Zudem lassen sich HEIF-Dateien jetzt öffnen (das "High Efficiency Image File Format" soll/könnte theoretisch mal JPEG ablösen). Auswahlen und Masken wurden verbessert, ebenso das Malen mit virtuellen Pinseln und Stiften. Neu ist auch das letztens schon in einem kleinen Video angekündigte "Curvature Pen Tool" (wörtlich übersetzt etwa "Krümmungs-Stiftwerkzeug", wie Adobe das übersetzt hat, werden wir bald sehen).

Preislich bleibt bei Lightroom Classic CC mit Photoshop CC auf den ersten Blick alles beim Alten. Der "Creative Cloud Photography Plan" wurde noch um das moderne Lightroom "non classic" CC erweitert und kostet weiterhin 11,89 Euro pro Monat. Darin enthalten sind, wie bisher 20 GByte Cloud-Speicher. Das ist natürlich zu wenig für eine Datensicherung in der Cloud und für denjenigen, der Lightroom CC wirklich so nutzen will, wie gedacht. Deshalb gibt es ein Upgrade auf die ein Terabyte Speicher, der im Lightroom CC Plan grundsätzlich enthalten ist. Dafür werden allerdings dann nochmal 11,90 Euro fällig, nicht gerade ein Schnäppchen. Lediglich im ersten Jahr gibt es für bestehende Nutzer des Adobe Foto-Plans einen Sonderpreis von 17,84 Euro pro Monat für die Kombination mit einem Terrabyte Cloud-Speicher.

Warum der Schwenk zu einer "Cloud-only"-Software? Zum einen, das muss man einfach sagen, hat Adobe großen wirtschaftlichen Erfolg mit seinem Cloud-Konzept. Die Geschäftszahlen sehen glänzend aus. Zum anderen ermöglicht das Miet-Modell eine kontinuierliche Weiterentwicklung in kleinen Schritten. Das kommt der Programmstabilität zugute. Auch der Anwender bleibt mit der Software vertraut und und muss sich nie groß umgewöhnen.

Ein gut etabliertes Miet-Modell kann andererseits natürlich bei dem Hersteller zu einer gewissen Trägheit führen, denn die Abonnenten zahlen laufend bzw. jährlich und müssen ja nicht zu einem Update überzeugt werden. Ein gewisser Druck kommt ausschließlich durch Mitbewerber, die Neukunden für sich gewinnen oder sogar unzufriedene Anwender abziehen.

Das laufende Entwickeln in kleinen Schritten verhindert allerdings auch einen "Big Bang" von Zeit zu Zeit und kostet einiges an Publicity. All die kleinen Veränderungen, die es laufend gibt, werden selbst von Adobe kaum kommuniziert, sodass auch die Presse im Grunde nichts zu schreiben hat. Das frühere Erscheinen einer neue Photoshop-Version alle paar Jahre oder jetzt das total neue Lightroom CC sorgen hingegen für viel Aufmerksamkeit.

Video "Was ist neu in Lightroom Classic CC" (in englisch)

Video "Was ist neu in Photoshop Classic CC" (in englisch)

Artikel-Vorschläge der Redaktion

Nach rechts belichten oder „Expose To The Right“

Nach rechts belichten oder „Expose To The Right“

Mit „Expose To The Right“ verbessern Sie die Tiefenzeichnung in Fotos. digitalkamera.de zeigt, wie’s funktioniert. mehr…

Kaufberatung spiegellose Systemkameras um neue Kameras ergänzt

"Kaufberatung spiegellose Systemkameras" um neue Kameras ergänzt

Unser Kaufberatungs-E-Book haben wir um die kürzlich vorgestellten Neuheiten von Canon, Fujifilm und Olympus ergänzt. mehr…

Vor- und Nachteile von elektronischem, Schlitz- und Zentralverschluss

Vor- und Nachteile von elektronischem, Schlitz- und Zentralverschluss

In diesem Fototipp erläutern wir die Vor- und Nachteile der drei in Digitalkameras zum Einsatz kommenden Verschlüsse. mehr…

Kaufberatung: Welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kamera?

Kaufberatung: Welche Speicherkarte ist die richtige für meine Kamera?

Wir erklären, welcher Speicherkartenstandard und welche Geschwindigkeitsklasse je nach Anwendung gebraucht wird. mehr…

Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 53, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.

News-Suche

von bis
Hersteller
Autor
Suche nach