Geschwindigkeitsrausch

Acht SD/SDHC- und CompactFlash-Speicherkarten im Praxistest

2009-10-17 Aktuelle Speicherkarten – egal ob CompactFlash (CF) oder SDHC – überbieten sich immer wieder mit noch höheren Geschwindigkeiten. Class 4, Class 6, Class 10 oder 133x, 300x, 533x oder 45 MB/s, 80 MB/s – alles Geschwindigkeitsangaben von Speicherkarten, die teilweise weniger über die wirkliche Geschwindigkeit aussagen, als einem die Werbung glauben machen will. Doch kommt die aktuelle Kameratechnik da überhaupt mit? Ob es sich lohnt, die schnellsten und teuersten Speicherkarten zu kaufen, oder ob ein Mittelklassemodell reicht, soll unser kleiner Test offenbaren.  (Benjamin Kirchheim)

Speicherkarten, CF und SD [Foto: MediaNord]Im Laufe der Jahre haben sich in der Redaktion zahlreiche Speicherkarten angesammelt – denn für Kameratests wollen immer die aktuellsten und schnellsten Karten verwendet werden, um den so genannten "Flaschenhals" in jedem Fall in der Kamera zu wissen. Für diesen Test haben wir uns bemüht, noch einmal teils brandaktuellere und schnellere Karten zu besorgen, wie etwa das CF-Modell "533x Plus" von PhotoFast, das rund 80 MBytes/s (MB/s) schreiben können soll, sowie eine SanDisk SDHC Extreme III 30-MB/s-Edition. Als Testkamera diente die neue Nikon D300s, die sowohl SD- als auch CompactFash-Speicherkarten aufnimmt und mit einer Serienbildgeschwindigkeit von 8 Bildern/s (mit Batteriegriff) mehr leistet, als eine der Speicherkarten im RAW-Format überhaupt wegschreiben könnte.

Lexar Pro SD-Karte 133x 2GB [Foto: Lexar]Die Speicherkarten selbst sind mit teils undurchsichtigen Angaben wie "Class 6", 300x oder 40 MB/s bedruckt. Diese Angaben sind nicht immer auf die höchste Schreibgeschwindigkeit bezogen, sondern "Class x" gibt bspw. die Mindestschreibgeschwindigkeit an, die Höchste ist dagegen – wenn überhaupt – im "Kleingedruckten" der technischen Daten zu finden. Der Geschwindigkeitsfaktor wie etwa 300x gibt das Vielfache der einfachen CD-Lesegeschwindigkeit an, ein historisches Relikt. Man muss die Angabe mit einem Faktor von 0,15 multiplizieren, um die Geschwindigkeit in MBytes/s zu erhalten – ob es sich dabei nur um die Lese- oder auch um die Schreibgeschwindigkeit handelt, steht wieder nur – mit Glück – im Kleingedruckten. Doch selbst wenn eine Angabe wie 30MB/s auf der Speicherkarte steht, kann auch das lediglich die Lesegeschwindigkeit meinen.

Für den Test wurde die Kamera auf manuelle Belichtung, Blende F2,8 und 1/250 s Belichtungszeit sowie den Basis-ISO-Wert 200 eingestellt. Fokussiert wurde vor dem Auslösen manuell, die Kamera war dazu auf einem Stativ montiert auf eine digitale Stoppuhr auf einem PC-Monitor gerichtet. Als Bildformat war RAW, unkomprimiert, eingestellt, der Batteriegriff sorgte für genügend Energie. Jede der SanDisk Extreme III SDHC-Kartenfamilie mit 30 MBytes/s [Foto: SanDisk]Speicherkarten wurde in der Kamera direkt vor der Messung formatiert. Ca. 60 Sekunden lang wurden Serienbilder gemacht, wobei die D300s die ersten 17 Bilder mit voller Geschwindigkeit abfeuerte, danach aber deutlich durch die maximale Schreibgeschwindigkeit ausgebremst wurde. Die ersten 17 Bilder zählten zwar bei der Gesamtzahl der in 60 Sekunden aufgenommenen Fotos mit, wurden für die Berechnung der Serienbildgeschwindigkeit und Schreibrate jedoch außen vor gelassen, um die Leistung "bei vollem Zwischenspeicher" zu messen. Da auch die unkomprimierten RAW-Dateien minimal im Speicherverbrauch voneinander abweichen, was an dem eingebetteten JPEG-Vorschaubild liegt, wurde die mittlere Dateigröße der jeweiligen Messung ermittelt.

Karte (Hersteller, Typ) Anzahl Bilder in
ca. 60 Sekunden
Durchschnittliche
Dateigröße
Bildfrequenz
(Bilder/s)*
Schreibrate
(MBytes/s)
Verbatim 8 GBytes SDHC Class 6 38 19,68 0,36 7,08
Panasonic 4 GBytes SDHC Class 10 51 19,48 0,59 11,42
SanDisk 8 GBytes Extreme III SDHC 30 MB/s Edition 58 19,60 0,71 13,95
Lexar 2 GBytes SD 133x 68 19,58 0,87 17,10
SanDisk 4 GBytes Extreme III CompactFlash 30 MB/s 77 19,55 1,04 20,38
Lexar 4 GBytes Professional UDMA CompactFlash 300x 93 19,39 1,32 25,50
PhotoFast 16 GBytes GMonster CompactFlah 533x 95 19,40 1,33 25,72
PhotoFast 8 GBytes GMonster CompactFlah 533x Plus 105** 19,66 1,53 30,09
* Ab dem 17. Bild
** Anhand der Bildrate hochgerechneter Wert. Die Nikon D300s macht nur maximal 100 Bilder in Serie.

Panasonic SDHC Class 10 mit 32 GB [Foto: Panasonic] Panasonic SDHC Class 10 mit 4 GB [Foto: Panasonic]
Die Ergebnisse (siehe Tabelle) erstaunen teilweise. So sind die CompactFlash-Speicherkarten zwar durchgehend schneller als die SD-Karten, aber keine der Karten – mit Ausnahme der ohnehin langsamen Verbatim – erreicht auch nur annähernd ihr theoretisches Maximum. Nur die Lexar 133x SD-Karte kommt nahe ran. Trotzdem sind aber zumindest bei CompactFlash die von den technischen Daten her schnellsten Karten etwas schneller als die langsameren. So erreicht die PhotoFast 533x Plus mit 8 GBytes eine Schreibrate von 30 MB/s – eigentlich sollte sie 80 MB/s schnell sein. Die 16 GBytes 533x (ohne Plus) sollte theoretisch 40 MB/s schaffen, bringt es real aber nur auf knapp 26. Enttäuschend ist das Ergebnis der Panasonic Class 10 SDHC-Speicherkarte. Zwar erreicht sie die garantierte Mindestgeschwindigkeit von 10 MB/s mühelos, aber die von Panasonic angegebenen 22 MB/s werden deutlich verfehlt. Doch auch die SanDisk 30 MB/s-Edition kann ihr Potential nicht entfalten. Als Überraschung kann dagegen die recht alte Lexar 133x SD-Karte angesehen werden, die die neuere und als schneller spezifizierte Panasonic (und auch die SanDisk) in die Tasche steckt. Überhaupt bietet Lexar – unter Profis eine geschätzte Marke – die "solideste" Leistung.

Fazit Die Geschwindigkeitsklasse "Class" einer SDHC-Karte sagt nur aus, wie schnell sie mindestens ist. Wer eine wirklich schnelle Karte will, was sich je nach Kamera (spätestens aber im schnellen Kartenleser bei der Bildübertragung) durchaus lohnt, sollte auf bewährte Markenware zurück greifen und nicht am falschen Ende sparen. Für CompactFlash-Karten gilt hingegen, dass eine mittlere Geschwindigkeitsklasse von etwa 45 MB/s (bzw. 300x) Schreibrate für die meisten Amateur-Anwendungen völlig ausreichend ist. Auf jeden Fall sollte man die technischen Daten vor dem Kauf genau studieren und Karten ohne Angabe der echten Schreib- und Lesegeschwindigkeiten meiden.

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.