Start mit Teleskopen, Zielfernrohren und Nikkoren für Canon

90 Jahre Nikon

2007-09-28 In diesem Sommer hatte Nikon gleich dreimal Grund zum Feiern: 90-jähriges Firmenjubiläum, zehn Jahre Coolpix und die Vorstellung der lang ersehnten Profikamera Nikon D3 mit Vollformatsensor. Da Nikon selbst in diesem Zusammenhang darauf verzichtet hat, die eigene Firmengeschichte oder zumindest die fast 60-jährige Nikon-Kamerahistorie ausführlich zu dokumentieren und in die Medien zu bringen, will digitalkamera.de den Versuch unternehmen, die bewegte Geschichte der renommierten japanischen Kameraschmiede für seine Leser zu skizzieren.  (Harald Schwarzer)

Bild 1. Nikon Glass Lady [Foto: Harald Schwarzer] Am 25. Juli 1917 entstand durch den Zusammenschluss von drei kleineren optischen Firmen die Nippon Kogaku K. K. – frei übersetzt "Japanische Optische Gesellschaft" (Bild 1). Ein Jahr später wurde das Werk Ohi in Tokio zur Hauptproduktionsstätte. Dort stellte man zunächst Teleskope für den heimischen Markt her und richtete ein Forschungslabor für optische Gläser ein. Um die Entwicklungsaktivitäten zu verstärken, wurden im Jahr 1921 acht deutsche Techniker als Berater und Ausbilder eingeladen – deutsche Optiker, die bei Zeiss, Leitz und Voigtländer arbeiteten, hatten in Japan einen hervorragenden Ruf. Gemeinsam mit rund 200 Mitarbeitern wurde das Fertigungsprogramm um Mikroskope und Ferngläser erweitert. Anfang der 30er Jahre kamen die ersten deutschen Kameras nach Japan – die Leica für das neue Kleinbildformat 24 x 36 mm. Goro Yoshida und Saburo Usihda gründeten 1933 die Seiki Kogaku Kenku (Vorläufer von Canon) und hatten sich zum Ziel gesetzt, die erste japanische Kleinbildkamera auf den Markt zu bringen. Das geschah im Februar 1936 – ihr Modell "Canon" war eine nahezu vollständige Kopie der Leica II. Allerdings hatten die Seiki-Entwickler zu wenig Know-how, um auch die entsprechenden Objektive zu fertigen. Schnell kam der Kontakt zu Nippon Kogaku zustande, und so wurden die ersten "Canon"-Kameras mit einem Nikkor F3,5/5 cm Objektiv ausgeliefert (Bild 2). Im Zuge der Diversifizierung hatten deren Manager Bild 2. Anzeige für Canon Kamera [Pont/Princelle, Foto Saga] entschieden, auch Objektive für Platten- und Rollfilmkameras zu bauen und dafür 1932 den Markennamen "Nikkor" ausgewählt.

Als Hauptlieferant für das japanische Militär lieferte Nippon Kogaku bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs alle möglichen optischen Einrichtungen wie Entfernungsmesser, Zielfernrohre, etc. und beschäftigte bis Kriegsende ca. 23.000 Mitarbeiter in 19 Fabriken. Nach der Kapitulation Japans wurde der Firmenkomplex zerschlagen, und nur das Stammwerk in Ohi mit ca. 1.400 Beschäftigten blieb übrig. Ab 1946 wurde dort die Fertigung von zivilen Produkten wieder aufgenommen; die Lieferung von Optiken für Canon-Kameras wurde noch zwei weitere Jahre fortgesetzt. Aber auch andere japanische Hersteller verkauften nun Leica-Kopien und benötigten dafür Objektive. Von 1948 bis 1958 lieferte Nippon Kogaku eine komplette Baureihe (25 - 135 mm) von Nikkor-Objektiven mit M39 Schraubgewinde an Nicca Works, die sich später mit Yashica zusammenschlossen.

Mehr als 30 Jahre nach der Firmengründung wurde im Ohi-Werk der Auftrag zur Entwicklung einer eigenen Kleinbildkamera erteilt. Sie hieß schlicht und einfach "Nikon" und wurde 1948 vorgestellt (siehe weiterführende Links). Diese Messsucherkamera erinnert äußerlich an die deutsche Contax II und wurde in den Folgejahren ständig weiterentwickelt. Während des Koreakrieges kamen viele amerikanische Reporter, die von Tokio aus berichteten, mit den – bis dahin noch unbekannten – Nikon-Kameras in Kontakt. David Duncan, ein prominenter Reporter für das LIFE Magazin, war begeistert von der Abbildungsleistung des Nikkor F2/8,5cm-Objektivs und schrieb darüber in der New York Times. Eine willkommene Werbung für die 1953 gegründete erste Auslandsvertretung der Nippon Kogaku. Das Topmodell der Messsucherkameras – die Nikon SP – erschien 1957; das P deutet auf die angepeilte Zielgruppe hin – die Profifotografen. Ausgestattet mit Verschlussrollos aus Titanfolie und einem Suchersystem für alle Brennweiten von 28 - 135 mm war sie ihren Bild 3. Nikkor F System [Foto: Harald Schwarzer] Konkurrentinnen von Leitz und Zeiss überlegen. Einzigartig war der optionale batteriebetriebene Motorantrieb, der mit der SP eine Bildfrequenz von 3 Bildern/s ermöglichte. Rechtzeitig erkannten die Nippon Kogaku Manager, dass der Boom bei den Messsucherkameras Ende der 50er Jahre zu Ende ging und konzentrierten ihre Entwicklungsaktivitäten auf die einäugige Spiegelreflexkamera mit Schlitzverschluss und Wechselobjektiven.

So erschien 1959 die Nikon F und wurde die Profilegende schlechthin. Mit ihrem komplett modularen Aufbau und dem umfangreichen Angebot an Wechselobjektiven und Sucheraufsätzen legte sie den Grundstein für Nikons Erfolg in den kommenden Jahrzehnten. In Deutschland durften die Kameras zunächst nicht unter dem Namen "Nikon" verkauft werden – wegen der Namensähnlichkeit mit Zeiss Ikon hießen die Kameras und das Zubehör hierzulande Nikkor F (Bild 3). Bei vielen Pressefotografen waren in der Folgezeit diese Kameras und ihre Objektive nicht mehr aus den Fototaschen wegzudenken, und geschickt nutzten die Marketingmanager dieses Image, um auch ihre Amateurkameras zu verkaufen. In "abgespeckter" Version – d. h. ohne Wechselsucher –, aber ansonsten voll in das System integriert, kamen 1965 die Nikkormat-Modelle auf den Markt. Immer wieder konnten Nikon-Kameras danach Höchstleistungen aufweisen, wenn es um Schnelligkeit und mechanische Zuverlässigkeit ging. So erreichte der Motorantrieb MD1, der optional für die F2 erhältlich war, bei hochgeklapptem Spiegel eine max. Bildfrequenz von 5 Bildern/s – das war 1971. Daher ist nicht verwunderlich, dass die amerikanische Weltraumbehörde NASA ihre Astronauten gerne mit Nikon-Kameras auf die Reise schickte.

Bild 4. Nikonos [Foto: Harald Schwarzer] Auch in der Unterwasser-Fotografie werden höchste Anforderungen an Mensch und Material gestellt, bewegen sich doch beide in einem Medium, für das sie nicht geschaffen sind. Anfang der 60er Jahre hatte Nippon Kogaku die Lizenz für die in Frankreich konstruierte Unterwasserkamera Calypso erworben. Mit speziell konstruierten UW Nikkoren kam sie als Nikonos 1963 auf den Markt. Sie war die erste Unterwasserkamera, die ohne ein besonderes Gehäuse auskam. Einwandfreie Funktion ist garantiert zwischen -20 °C und +40 °C für Tauchtiefen bis zu 50 m (Bild 4).

1982 hielt die Elektronik Einzug in die Modelle der F-Serie. Die nun vorgestellte F3 hatte einen elektronischen Verschluss und einen vollständig ins Gehäuse integrierten Belichtungsmesser. Ein großer Bild 5. Nikon FM2 Detail [Foto: Harald Schwarzer] Erfolg waren auch die neuen kompakten Amateurkameras – FM2 und FE2 mit der 1/4.000 s als kürzester Belichtungszeit (Bild 5). Viele technische Innovationen, die heute selbstverständlich sind, fand man zuerst an Nikon-Kameras; z. B. den High Eyepoint (HP) Sucher mit vergrößerter Austrittspupille, der Brillenträgern einen kompletten Suchereinblick ermöglicht, oder die Matrix Belichtungsmessung, die das Messfeld in unterschiedliche Segmente unterteilt, um auch komplexe Lichtverhältnisse korrekt zu belichten. Weitere Innovationen waren Wechselobjektive mit ED- (Extra Low Dispersion) Glas und Innenfokussierung (IF) bei langen Telebrennweiten.

Lange Zeit konnte Nikon seinen technologischen Vorsprung verteidigen, aber bei Einführung der ersten Autofokus-Kameras und -Objektive hatten die Wettbewerber aufgeholt. Die 1989 vorgestellte Canon EOS 1 hatte eindeutig den schnelleren Autofokus als die F4. Schmerzlich für die Nikon-Entwickler war sicher auch die Erkenntnis, dass Canon mit seinen leisen USM- (Ultrasonic Motor) Objektiven die Nase vorn hatte; leicht zu erkennen an ihrem charakteristischen weißen Gehäuse. Mit Einführung der ersten Bildstabilisatoren in diesen Optiken konnte Canon seinen Vorsprung noch vergrößern. Genau wie Nikon schaffte es auch Canon, dieses Image auf seine Amateurkameras zu übertragen, und so entwickelten sich die Spiegelreflexkameras der EOS-Serie in den 90er Jahren zu absoluten Bestsellern. Tröstlich für die Nikon Anwender war aber die Kontinuität des Nikon F-Bajonetts und die durchgängige Kompatibilität von Kameras und Wechselobjektiven.

 Der Elektronikriese Sony hatte 1981 mit der Präsentation seiner Mavica die etablierten Kamerahersteller gehörig aufgeschreckt. Während Canon angemessen reagierte und schon bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles den Sport- und Pressefotografen mit der RC701 ein professionelles Still Video System zur Verfügung stellte, reagierte Nikon eher zögerlich auf die neue Herausforderung. Die SVC (Still Video Camera) konnte nur Schwarzweißbilder aufnehmen und kam nach ihrer Vorstellung auf der photokina 1986 über das Prototypstadium nicht hinaus. Sie hatte – wie die Canon RC-701 – einen 2/3"-CCD, jedoch mit 300.000 Pixeln eine erheblich höhere Auflösung. Das Gehäuse zeigte gewisse Ähnlichkeiten mit der analogen F801 und kam mit zwei kameraspezifischen Objektiven (Festbrennweiten mit F1,6/6 mm bzw. F1,4/40 mm). Beide Kameras verwendeten spezielle 2-Zoll-Disketten, um ihre Bilder zu speichern. 1988 folgte dann Nikons erste auf dem Markt erhältliche Still-Video-Kamera, die QV-1000C. Während die Canon RC-701 auch einzeln erworben werden konnte, gab es die Nikon QV-1000C ausschließlich im Set zu kaufen. Dazu gehörten zwei Zoomobjektive (QV Nikkor F1,4/10-40 mm und QV Nikkor F2,0/11-120 mm), der QV-1010T-Transmitter, ein Akku und das dazu passende Ladegerät. Allein schon wegen des horrenden Preises (über zwei Millionen Yen – damals umgerechnet ca. 20.000 DM) verkauften sich weltweit nur rund 100 Exemplare des QV-1000C Sets. Im Gegensatz zur Canon RC-701, die schon Farbbilder machen konnte, nahm der 2/3"-CCD-Chip mit 380.000 Pixeln nur Graustufen-Bilder auf. Immerhin besaß die QV-1000C damals schon variable Lichtempfindlichkeitsstufen von ISO 400, 800 und 1.600. Der Brennweitenverlängerungsfaktor vervierfachte die ursprüngliche Brennweite des Objektivs. Getreu dem Kompatibilitätsprinzip bei Nikon konnte man mit dem QM-100-Adapter auch Nikkor F-Objektive an die QV-1000C anschließen. Der amerikanische Nikon-Sammler Jarle Aasland beschreibt auf seiner Homepage ausführlich diese und andere frühe Nikon-Digitalkameras (siehe weiterführende Links).

Bild 6. Kodak DCS 420 [Foto: Harald Schwarzer]Das war’s erst einmal von Nikon zum Thema elektronische Bildverarbeitung – 1992 begannen dann die Zulieferungen an Kodak. Die Manager aus den USA suchten ein Kameragehäuse für ihre in Rochester entwickelten Bildsensoren und wurden bei Nikon fündig. Basierend auf einer F3 HP wurde die Kodak DCS angeboten (als in der Folgezeit weitere Modelle auf den Markt kamen, nachträglich als DCS 100 bezeichnet). Diese 1,3-Megapixel-Kamera gab es in unterschiedlichen Ausführungen für SW- und Farbfotos; zwar war die Kamera an sich kompakt und handlich, aber dazu gehörte eine mittels Kabel verbundene externe Aufnahmeeinheit samt Stromversorgung. Die ab 1994 angebotene DCS 420 basiert auf dem Gehäuse einer Nikon F90 (Bilder 6); die Aufnahmen wurden nun jedoch auf einer auswechselbaren PCMIA-Karte gespeichert. Die beste Übersicht aller KodakDCS-Modelle haben die Autoren der Webseite "Photography in Malaysia" zusammengestellt (siehe weiterführende Links).

Bild 7. Nikon Fujix E2S, Seitenansicht [Foto: Rudolf Hillebrand, PhotoDeal] Kodak vermarktete seine D-SLR nicht nur auf Basis von Nikon-Kameras, sondern setzte auch Canon-Gehäuse ein. So suchten die Nikon-Entwickler einen weiteren Kooperationspartner und zeigten 1995 das erste Ergebnis ihrer Zusammenarbeit mit Fujifilm. Groß und klobig war sie geraten, die Nikon Fujix E2 (Bilder 7a, b). Sie hatte keine Ähnlichkeit mit einem existierenden analogen Modell, konnte aber eine optische Besonderheit aufweisen: Ein spezielles Kondensorsystem sorgte dafür, dass der sonst übliche Brennweitenverlängerungsfaktor entfallen konnte, d. h. mit dem Nikkor F2,8/20 mm ergaben sich tatsächlich Super-Weitwinkel-Aufnahmen. Das elektronische Innenleben dieser 1,3-Megapixel-Kamera stammte von Fujifilm, und sie wurde auch als DS-505 von diesem Hersteller angeboten. In der Folgezeit gab es Verbesserungen, welche die Nikon/Fujifilm-Kameras schneller (E2S) und empfindlicher (E2N) machten. Das letzte Modell dieser Baureihe gab es 1998 zu kaufen – die E3/E3S bzw. Fujifilm DS-565. Kommerziell waren sie eher ein Flop, denn das Äußere hatte immer etwas von einem Prototyp.

Die fortschreitende Digitalisierung der Bilder hatte Nikon auch auf anderen Gebieten aktiv werden lassen und so wurden verschiedene Peripheriegeräte angeboten. Ziemlich unbekannt ist der Drucker Coolprint CP-3000 von 1990; die Filmscanner der Coolscan-Serie hingegen erfreuten sich aufgrund ihrer hervorragenden optischen Eigenschaften bald großer Beliebtheit – im Modell Coolscan IV kamen auch ED-Linsen zum Einsatz.

Der Zusatz "cool" wurde dann auch vor zehn Jahren zum festen Bestandteil der Typenbezeichnung für Nikons Consumer-Digitalkameras. Die Coolpix 100 hat etwa die Größe einer TV-Fernbedienung, und für Nikon-Verhältnisse lediglich eine Minimalausstattung. Bild 8. Nikon Coolpix 100 [Foto: MediaNord] Die Mitbewerber boten schon damals eine Aufnahmemöglichkeit für externe Speichermedien (Canon PowerShot 600) oder ein farbiges LC-Display zur Bildbetrachtung (Kodak DC25 oder Ricoh RDC-2). Nikon bezeichnete die Coolpix 100 offiziell auch nicht als "Digital Camera", sondern als "Personal Image Assistant" – also eine PC-Kamera mit direktem Anschluss an ein Notebook (Bild 8). Die Coolpix-Serie wurde konsequent weiterentwickelt und hielt mit den raschen technischen Entwicklungen Schritt (siehe weiterführende Links). Beliebt waren die 900er Modelle mit ihrem schwenkbaren Objektiv für ungewöhnliche Aufnahmeperspektiven. Das schwarze Gehäuse mit der charakteristischen roten Griffmulde gab diesen Kameras den entsprechenden Profilook. Den hatte auch das 2,1-Megapixel-Einsteigermodell Coolpix 800 (Bild 9), das 1999 auf den Markt kam. Dieses Jahr hat für Nikon sicherlich eine große Bedeutung, denn 40 Jahre nach Vorstellung der ersten analogen Profikamera F erblickte nun auf der PMA in Las Vegas die D1 das Licht der Welt – Nikons erste komplett in Eigenregie entwickelte Profi D-SLR (Bild 10).

Bild 9. Nikon Coolpix 800 [Foto: MediaNord] Sie brachte viel Unruhe in den bis dahin hauptsächlich von Kodak beherrschten Markt für professionelle digitale Spiegelreflexkameras. Mit knapp 12.000 DM kostete das Basiskit knapp die Hälfte der Konkurrenzmodelle aus dem Hause Kodak, die daraufhin ebenfalls drastisch im Preis gesenkt wurden. Dem Erfolg der Nikon D1 konnte dies aber nichts anhaben. Ein Highlight war die digitale 3D-Matrixmessung, die ihren Ursprung in der Farbmatrixmessung der analogen F5 hat. In der digitalen Variante ist sie in der Lage, einen TTL-Weißabgleich und eine Tonwertkorrektur der Bilddatei vorzunehmen (Bild 11). Die kürzeste Auslöseverzögerung von 58 ms war seinerzeit Bestleistung, und die D1 war mit diesem Wert nur 0,6 ms langsamer als die analoge Nikon F5. Die kürzeste Verschlusszeit lag bei 1/16.000 s und war ein weiteres Novum der D1. Möglich wurde sie durch die Kombination aus elektronischem Verschluss und mechanischem Verschlussvorhang. Daraus ergab sich eine 1/500 s als kürzeste Blitzsynchronisationszeit. Zwar zeigten sich auch einige Mängel wie eine leicht flaue Farbwiedergabe sowie Belichtungsausreißer bei Blitzlichtaufnahmen mit dem hauseigenen Systemblitz SB 28 DX. Dies war jedoch nur selten ein Grund für die D1-Besitzer, sich von ihrer Kamera wieder zu trennen.

Bild 10. Nikon D1 [Foto: Harald Schwarzer] Das hatte sich 2001 mit den beiden D1-Nachfolgerinnen D1H und D1X geändert. Die H-Version der D1 suchte ihre Zielgruppe im Bereich der Pressefotografie. Sie hatte die Auflösung von 2,74 Millionen Pixeln beibehalten, steigerte ihre Bildaufnahmefrequenz aber von bisher 3,5 auf jetzt 5 Bilder/s und konnte diese Schussfrequenz sogar 8 Sekunden aufrechterhalten. Erst nach 40 Bildern musste sie ihren internen Speicher leeren. Zum Vergleich: Schon 30 Jahre vorher hatte auch die mechanische F2 mit dem MD1 eine Schussfrequenz von 5 Bildern/s, und nach 8 Sekunden war der interne Speicher (der KB-Film mit 36 Aufnahmen) voll. Immerhin konnte man 1971 ein optionales Langfilmmagazin für 250 Aufnahmen kaufen. Das "X" stand im Hause Nikon schon immer für eine Verbesserung, ob nun im analogen Bereich mit der F90 zur F90X oder wie nun mit der D1 zur D1X. Die vertikalen CCD-Elemente wurden von 2.012 auf 4.024 verdoppelt, die horizontale Zeilenanzahl aber blieb mit 1.324 identisch. Das dadurch entstandene Ungleichgewicht zwischen der vertikalen und horizontalen Auflösung glichen die Nikon-Ingenieure durch einen speziell gerechneten Bildprozessor aus. Das Resultat war wieder eine ausgewogene Ausgabebilddatei mit 3.008 x 1.960 Pixeln (Seitenverhältnis 3:2) mit einer Auflösung von 5,9 Megapixel (MP). Auch der Blitzsteuerung schenkte man aufgrund vieler Praxisprobleme noch einmal besondere Aufmerksamkeit: Neben fünf verschiedenen Blitzsynchronisationen konnte der Blitz zusätzlich in sieben Stufen manuell dosiert werden.

In bewährter Manier präsentierte Nikon danach auch "abgespeckte" Modelle, mit denen die semiprofessionellen Anwender von den Technologien der Profikameras profitierten; so folgte kurze Zeit später die Markteinführung der D100. Bild 11. Nikon D1 Matrixmessung [Foto: Harald Schwarzer]Ab Ende 2003 wurde das Produktprogramm der digitalen Spiegelreflexkameras um weitere Modelle nach unten abgerundet (D70, D80, D50, D40). Die Käuferschicht sieht Nikon eher bei Amateuren bzw. Neueinsteigern in die D-SLR-Fotografie und verzichtet somit auf die Rückwärtskompatibilität mit früheren Nikkor-Objektiven.

Die Zusammenarbeit mit Fujifilm wurde nicht aufgeben, denn für die Profi-Modelle der FinePix-Serie lieferte Nikon ab 2000 entsprechend modifizierte Kameragehäuse, z. B. das der F60 für die Fujifilm FinePix S1 Pro oder dasjenige der F80 für die Fujifilm FinePix S2 Pro und S3 Pro. Erfreulich für den Anwender war das Auflösungsvermögen des neuen Super CCD Chips von Fujifilm und die Möglichkeit, Nikkor-Wechselobjektive einzusetzen. Und auch die neue FinePix S5 Pro ist bis auf den CCD-Chip weitgehend baugleich mit Nikons D200.

Verkehrte Welt in 2006 – im Januar gibt Nikon die Einstellung aller manuell zu fokussierenden Objektive bekannt und im Mai stellt Carl Zeiss, Oberkochen seine neue manuell zu fokussierende Objektivbaureihe ZF vor – gerechnet für alle analogen und digitalen Kameras mit Nikon F-Bajonett. Und noch ein weiterer Wettbewerber aus den Anfängen der Still- Video-Technik formierte sich – Sony hatte die Fertigungseinrichtungen von Konica Minolta übernommen und wird in Kürze nach der alpha 100 und alpha 700 eine Profikamera auf den Markt bringen. Und das Optik-Know-how dafür kommt vom jahrelangen Kooperationspartner Carl Zeiss in Deutschland.

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Die Nikon-DSLR-Geschichte  [Foto: Harald Schwarzer]

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