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Fotos auf 4K-Fernsehern: 4K-Fernsehgerät als Computermonitor verwenden

2018-04-02 Kann man einen 4K-Fernseher nicht eigentlich auch als Computer-Monitor verwenden? Wo ist denn eigentlich der Unterschied zu den von uns im letzten Fototipp besprochen und getesteten großen 4K-Monitoren? Das sind wahrscheinlich Fragen, die sich mancher jetzt stellen wird, der überlegt einen großen 4K-Monitor für den Schreibtisch anzuschaffen. Muss es denn ein "richtiger" Monitor sein oder kann es nicht auch ein 4K-Fernsehgerät sein, das man als Monitor verwendet und wenn ja, welche Eckwerte muss das haben? Grundsätzlich kann man sagen: ja, das geht. Ob es Sinn macht, ist eine andere Frage.  (Jan-Markus Rupprecht)

Dieser Fototipp ist Teil unserer Reihe "Fotos auf 4K-Fernsehern", zu der wir uns auch große 4K-Monitore für den Schreibtisch angeschaut haben. Einen Überblick über die ganze Serie finden Sie auf der Übersichtsseite zur digitalkamera.de-Fototipp-Reihe "Fotos auf 4K-Fernsehern", auf der alle zugehörigen Artikel verlinkt sind.

Im Grunde geht es bei der Frage, ob sich ein 4K-Fernseher als Computer-Monitor eignet, um eine ganze Reihe von Parametern:

  • Größe  4K/UHD-Auflösung geht bei den meisten Herstellern einher mit einer großen Bildschirmdiagonale. Das macht ja auch Sinn. Wenn ich ohnehin nur einen kleinen Monitor brauche, sagen wir mal bis 24 oder bis 32 Zoll, dann reicht FullHD-Auflösung. Die Grenze liegt im Bereich von 40 Zoll. In dem Bereich fangen die Markenhersteller, wie z. B. Sony, überhaupt erst an, 4K-Fernsehgeräte anzubieten und die Auswahl an solchen Geräten ist ziemlich umfangreich. Größer wiederum sollte der Fernseher für die Nutzung als Monitor nicht sein, sonst kann man das Bild direkt davor sitzend nicht mehr erfassen. Und man würde auch wieder "Pixel" sehen. 43 Zoll wäre also die ideale Größe.
     
  • Bild Größenvergleich zwischen einem 49 Zoll und einem 43 Zoll Fernseher. 43 Zoll halten wir auf dem Schreibtisch für noch gut. 49 Zoll ist im Grunde schon zu groß, außer man möchte den als Monitor genutzten Fernseher bewusst etwas weiter wegstellen. [Foto: LG]

    Größenvergleich zwischen einem 49 Zoll und einem 43 Zoll Fernseher. 43 Zoll halten wir auf dem Schreibtisch für noch gut. 49 Zoll ist im Grunde schon zu groß, außer man möchte den als Monitor genutzten Fernseher bewusst etwas weiter wegstellen. [Foto: LG]

  • Preis  Zur Nutzung als Monitor wird man wahrscheinlich auf Qualität wert legen. Die von uns getesteten Monitore bieten eine absolut homogene Ausleuchtung. Ähnlich gut sollte ein Fernseher ja wohl auch sein. Damit schneiden möglicherweise sehr günstige Geräte aus. Im Grunde spart man dann gegenüber den "echten" Großbildmonitoren, die wir getestet haben kaum Geld oder sogar überhaupt kein Geld. Aber man bekommt dann natürlich deutlich mehr Technik fürs Geld: Mindestens einen bzw. mehrere TV-Tuner (für Empfang über Satellit, Kabel oder terrestrisch), in der Preisklasse wahrscheinlich eine TV-Aufzeichnungsmöglichkeit auf USB-Stick oder externe Festplatte und womöglich sogar schon eine hochwertige SmartTV-Funktionalität z. B. über Android TV. Das alles hat natürlich durchaus seinen Wert, wenn man es nutzen möchte. Rein als Computermonitor am Schreibtisch bringt einem das aber keinen Zusatznutzen.
     
  • Ergonomie  Fernsehgeräte sind auf ihrem Fuß bestenfalls drehbar, aber nie neigbar. Der Bildschirm steht also senkrecht. Zudem steht der Bildschirm meist recht tief über der Aufstellfläche, gerade genug zum Staubwischen oder für eine Soundbar. Die Position auf dem Schreibtisch wird deshalb ergonomisch nicht ideal sein. Für klassische, verstellbare Monitor-Schwenkarme sind die großen Geräte zu schwer. Wenn der Schreibtisch an der Wand steht, könnte man eine neigbare Wandhalterung in der gewünschten Höhe montieren. Damit wäre das "Problem" vollständig gelöst. Alternativ könnte es helfen, den Fernseher etwas erhöht auf dem Schreibtisch aufzustellen, auf einem geeigneten stabilen Schreibtischaufsatz vielleicht.
  • Bild Der Fuß eines Fernsehgerät wie der Sony Bravia KD43XD8005 besitzt einen normalen, nicht neigbaren Fuß. Die Position des Bildschirms ist zudem etwas tiefer als bei einem Computer-Monitor. [Foto: Sony]

    Der Fuß eines Fernsehgerät wie der Sony Bravia KD43XD8005 besitzt einen normalen, nicht neigbaren Fuß. Die Position des Bildschirms ist zudem etwas tiefer als bei einem Computer-Monitor. [Foto: Sony]

  • Grafik-Schnittstellen  Fernseher haben praktisch immer nur im Bereich der Unterhaltungselektronik etablierte Schnittstellen. Das ist heute vor allem die HDMI-Schnittstelle, die auch in der Computerwelt genutzt wird. Andere computertypische Grafikschnittstellen, die eine hohe 4K-Auflösung unterstützen, wie die weit verbreitete DisplayPort-Schnittstelle (DP und MiniDP), findet man bei Fernsehern hingegen nicht. Schauen Sie deshalb einmal, was ihre Grafikkarte an Schnittstellen bietet. Notfalls gibt es Adapter/Konverter zu kaufen. Aber bei denen müssten Sie dann natürlich darauf achten, dass die wiederum 4K-tauglich sind. Ein Thema ist in dem Zusammenhang auch die Bildfrequenz, die Sie verwenden möchten. 30 oder 60 Hz sind gebräuchlich. Theoretisch sind natürlich 60 Hz wünschenswert, obwohl es dabei wirklich nur um die ruckelfreie Bildschirmdarstellung geht. Flimmern tun LCD-Monitore ja nicht, die Formel "Hohe Frequenz = flimmerfreies Bild" galt nur bei den alten Röhrenmonitoren. Insofern ist das Thema Bildfrequenz für Büroarbeiten und Bildbearbeitung nicht besonders wichtig. Für 4K mit 60 Hz bräuchte das Fernsehgerät eine Schnittstelle, die den Standard HDMI 2.0 unterstützt. Für 4K mit 30 Hz reicht HDMI 1.4. Alle aktuellen 4K-Fernsehgeräte (und auch die aus 2016) sollten sowieso HDMI 2.0 können. HDMI 2.0 ist aber auch für andere Sachen wichtig, darauf kommen wir in späteren Folgen unserer 4K-Fototipp-Serie noch zurück. Also kurz gesagt: Wenn Sie ein 4K-Fernsehgerät neu kaufen, egal wofür, achten Sie darauf, dass es HDMI 2.0 kann (was aber bei aktuellen Geräten immer der Fall ist). 
     
  • Bild Moderne Notebook-Computer haben oft ausschließlich USB-C-Anschlüsse. Externe Monitore lassen sich dann aber über (oft mitgelieferte) Adapter anschließen. Dabei sitzt die Elektronik ("Grafikkarte") im Rechner, nicht im Adapter. [Foto: MediaNord]

    Moderne Notebook-Computer haben oft ausschließlich USB-C-Anschlüsse. Externe Monitore lassen sich dann aber über (oft mitgelieferte) Adapter anschließen. Dabei sitzt die Elektronik ("Grafikkarte") im Rechner, nicht im Adapter. [Foto: MediaNord]

  • USB-Schnittstellen  Fernseher haben (im Gegensatz zu Computer-Monitore) nur normale USB-Anschlüsse, keinen eingebauten USB-Hub (Verteiler). Wenn Sie genug Anschlüsse z. B. für Maus, Tastatur und Kartenlesegerät am Rechner haben oder einen externen USB-Hub, dann ist das kein Problem.
     
  • Ton  Der Ton ist ein klares Plus für die Fernseher. Ein hochwertiger 43-Zoll-Fernseher wird in der Regel keine ganz schlechten Lautsprecher eingebaut haben. Besser als die grauenvoll schlechten Lautsprecher der von uns getesteten großen 4K-Büromonitore werden die Fernseher-Lautsprecher allemal sein. Sie sparen also ggf. das Geld für Zusatzlautsprecher und der Schreibtisch sieht aufgeräumter aus. Allerdings muss der Ton auch hineinkommen in den Fernseher. Das ist über HDMI gewährleistet. Wenn Sie mit irgendwelchen Adapterlösungen arbeiten müssen (siehe "Schnittstellen), dann werden Sie sicherlich keinen Ton vom Computer in den Fernseher bekommen und brauchen Zusatzlautsprecher, die Sie direkt an den Computer anschließen können.
     
  • Stromspar-Funktion  Ein Fernseher hat keine Stromsparfunktion wie ein Computermonitor. Letztere schalten in Standby, sobald kein Grafiksignal am Eingang anliegt. Und sie wachen wieder auf, sobald wieder ein Bildsignal kommt. Einen Fernseher werden Sie manuell einschalten und manuell ausschalten müssen. Das ist aber sicherlich kein großes Problem.

Mit diesen Eckwerten muss jeder für sich entscheiden, ob der 4K-Fernseher als Computer-Bildschirm Sinn macht. Meine Meinung dazu: Wenn der Doppelnutzen keine Rolle spielt, dann nicht, denn man spart ja bei einem hochwertigen Gerät kein Geld, man kann nur eben zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wenn Sie mit dem Schreibtisch-Fernseher auch Fernsehen gucken wollen (und Ihnen dann die Größe von 43 Zoll reicht) und wenn ihr Computer eine HDMI-Schnittstelle hat, spricht einiges für das Konzept. Beispielsweise in der Ferien- oder Zweitwohnung kann das eine super Lösung sein. Wenn Sie keinen direkten HDMI-Anschluss am PC haben und mit dem Schreibtisch-Fernseher sowieso nicht klassisch Fernsehen wollen, sollten Sie eher zu einem 4K-Monitor greifen.

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Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 53, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.