Rubrik: Bildbearbeitung

Bildrauschen nachträglich reduzieren

2003-12-29 Im Fototipp "Bildrauschen reduzieren und vermeiden" haben wir beschrieben, wodurch Bildrauschen entsteht und wie man es schon bei der Aufnahme durch Wahl einer niedrigen ISO-Zahl möglichst gering hält. Dort hatten wir auch eine Möglichkeit vorgestellt, Bildrauschen mit Photoshop oder Photoshop Elements nachträglich zu reduzieren. In diesem Tipp untersuchen wir die Möglichkeiten und Grenzen von drei weiteren Programmen gegen Bildrauschen.  (Jan-Markus Rupprecht)

  
  

Das Bildbearbeitungsprogramm FixFoto von Joachim Koopmann besitzt im Menü "Effekte" eine spezielle Funktion "Rauschunterdrückung", deren Bedienung kinderleicht ist. Nachdem man die Funktion aufgerufen hat, klickt man zunächst mit der rechten Maustaste in das Vorschaufenster, um die Darstellung auf 100 % zu bringen; nur so kann man das Bildrauschen überhaupt beurteilen. Der obere Schieber unterteilt das Vorschaubild in einen bearbeiteten und einen unbearbeiteten Bereich und sollte von der rechten Grundstellung etwas nach links gezogen werden. So kann man den durch den Rauschunterdrückungseffekt direkt im Vorschaubild mit einem unbearbeiteten Bildteil vergleichen. Der rechte Regler bestimmt die Stärke des Effekts und sollte soweit nach oben gezogen werden, bis man mit der Wirkung des Rauschunterdrückungsfilters zufrieden ist. Hierbei sollte man sich auf eine ziemlich dezente Filterwirkung beschränken, denn der Rauschunterdrückungsfilter von FixFoto greift auch auf kontrastreiche Bildbereiche über und zeichnet diese weich. Es besteht also die Gefahr, dass eine Menge Bildinformationen verloren gehen.

  
  

Eine richtige Mini-Bildoptimierungs-Software für Digitalkamera-Besitzer ist das englischsprachige Programm DCEnhance der Firma Mediachance aus den USA. Es ermöglicht mit insgesamt fünf Reglern die wichtigsten Bildparameter wie Farbbalance (Auto Balance), Farbintensität (Color), Helligkeit der Mitteltöne (Midtones) und Kantenschärfe (Enh. Details) zu beeinflussen. Für unseren Zweck interessant ist der Regler zur Rauschunterdrückung (De Noiser), der in seiner Wirkung noch über den Schalter Landscape/Mid Details/Close-up beeinflusst wird. Wir erzielten die besten Ergebnisse in der Einstellung "Mid Deteils", während "Close-up" zu brutal ans Werk geht und wir bei "Landscape" überhaupt keine Wirkung feststellen konnten. Nach dieser Vorwahl erfolgt die Feineinstellung mit dem Schieberegler. Ähnlich wie bei FixFoto sollte man auch bei DCEnhance eher dezent vorgehen und ggf. noch mit etwas Restrauschen leben, da andernfalls zu viele Bilddetails verloren gehen. Die gleichzeitig stattfindende Kantenschärfung gleicht dies teilweise aber wieder aus. Interessant an DCEnhance ist, dass sich damit mit einem einzigen kombinierten Bildbearbeitungsvorgang alle wichtigen Verbesserungen feinfühlig vornehmen lassen. Wenn man es dabei nicht übertreibt, ist das Ergebnis recht brauchbar. Die Speicherung erfolgt allerdings ausschließlich im JPEG-Format, wobei die EXIF-Informationen leider verloren gehen. Dafür ist das Programm kostenlos.

  
  

Das Profi-Tool zur Reduzierung von Bildrauschen ist das Windows-Programm Neat Image. Selbst die für privaten Gebrauch kostenlos nutzbare, so genannte Demo-Version bietet alle wichtigen Funktionen für Digitalkamera-Besitzer, mit Ausnahme des Erhalts der EXIF-Daten beim Speichern (dafür braucht man mindestens die Home-Edition). Die Verarbeitung erfolgt übersichtlich nacheinander auf vier Registerkarten. Dabei können individuelle Rausch-Profile für die eigene Kamera erstellt oder von der Neat Image Website herunter geladen werden. Das Programm arbeitet im YCC-Farbraum. Dutzende Regler ermöglichen präzises Fein-Tuning der Filterwirkung, was eine entsprechend intensive Auseinandersetzung mit dem Programm erforderlich macht. Dafür sind die Ergebnisse sehr ansehnlich. Grundsätzlich sollte man allerdings auch mit Neat Image das Bildrauschen nur soweit wie nötig entfernen, um möglichst wenig relevante Bildinformationen zu verlieren. Hilfreich sind dabei die Voreinstellungen (Filter Presets) "Retain natural image look" auf der Registerkarte "Noise Filter Settings". Das Programm eignet sich übrigens auch dazu, Moiré beispielsweise aus gescannten Zeitschriftenausschnitten zu entfernen oder Artefakte zu reduzieren, die durch starke oder wiederholte JPEG-Kompression entstanden sind. Bei den kostenpflichtigen Versionen lassen sich die einmal erstellen Profile automatisch (unbeaufsichtigt) auf eine Warteschlange von 10 (Home-Edition) oder unbegrenzt viele (Pro-Edition) Dateien anwenden. Für Anwender, die Neat Image häufig bzw. für viele Fotos einsetzen, lohnt sich deshalb der Kauf.

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 55, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.