Erste digitale Mittelformatkamera im "richtigen" Test

Fujifilm GFX100S mit GF 23, 50, 63 und 80 mm zum Test eingetroffen

2021-03-02 Bisher haben wir uns bei den digitalkamera.de-Tests vor allem auf populäre Kameras fokussiert und seltener auch mal auf besonders interessante Kameras, wozu manches teures "High-End"-Modell zählt. Allein aufgrund der Preise, der geringen Popularität und der "Nischigkeit" stand das digitale Mittelformat bisher weniger in unserem Fokus, sondern allenfalls unter interessierter Beobachtung, was darüber hinaus auch "historische" Gründe hat. Doch die Fujifilm GFX100S ist unserer Meinung nach in vielerlei Hinsicht ein "Game-Changer", den wir unbedingt testen wollen.  (Benjamin Kirchheim)

  • Bild Frisch zum Test eingetroffen (von Links nach Rechts): Fujinon GF 23 mm, Fujinon GF 63 mm, Fujifilm GFX100S mit Fujinon GF 50 mm und Fujinon GF 80 mm. [Foto: MediaNord]

    Frisch zum Test eingetroffen (von Links nach Rechts): Fujinon GF 23 mm, Fujinon GF 63 mm, Fujifilm GFX100S mit Fujinon GF 50 mm und Fujinon GF 80 mm. [Foto: MediaNord]

Wir haben uns auf digitalkamera.de seit jeher auf Kameras konzentriert, die mit Ausnahme des Wechselobjektivs "in einem Stück" gebaut sind. Das war beim Mittelformat früher nicht der Fall. Kamera und Rückteil waren einzelne Module, so dass man mit ein und derselben Kamera ein analoges Rückteil mit Film und ein digitales Rückteil mit Sensor verwenden konnte. Das passte bei uns überhaupt nicht ins gewachsene Raster. Doch mit der Pentax 645D und Leica S2 änderte sich das.

Dass der Markt für digitale Mittelformatkameras schwierig war, zeigten die Mamiya ZD, die praktisch kaum auf den deutschen Markt kam und auch die Pentax 645D, deren Entwicklung von den ersten Prototypen bis zur Markteinführung in Japan fünf und bis zur Markteinführung in Deutschland im Jahr 2011 sogar sechs Jahre in Anspruch nahm, woran jedoch nicht zuletzt auch Sparmaßnahmen und Firmenübernahmen ihren Anteil hatten. Leica nahm mit dem S-System und der über 18.000 Euro teuren S2 aus dem Jahr 2009 ohnehin eine Sonderstellung ein. Die Pentax 645D und auch ihr Nachfolgemodell 645Z sowie die Leica S2 sind jedoch große, klobige Spiegelreflex-Mittelformatkameras, die gegenüber dem Kleinbild kaum Vorteile ausspielen konnten. So haben wir einst die Pentax 645Z und die Kleinbild-DSLR Canon EOS 5DS R, beide mit 50 Megapixeln Sensorauflösung, einem Bildqualitäts-Vergleichstest unterzogen (siehe weiterführende Links).

Mit der Hasselblad X1D-50C und der Fujifilm GFX-50S wandelte sich der digitale Mittelformatmarkt jedoch in den Jahren 2016 und 2017 rasant, handelte es sich doch um die ersten spiegellosen digitalen Mittelformatkameras, die nicht nur deutlich kompakter und leichter ausfallen als die Spiegelreflexmodelle, sondern zudem weniger als 10.000 Euro kosteten. Immer noch sehr viel, aber doch deutlich weniger als beispielsweise eine Leica S2. Sowohl Fujifilm als auch Hasselblad haben seitdem ihre Systeme weiter ausgebaut, nicht zuletzt beeindruckte Fujifilm auf der Photokina 2018 mit der Vorstellung der GFX100, deren Markteinführung sich bis zum Sommer 2019 zog. Mit einem bildstabilisierten 100-Megapixel-Sensor konnte sie sich deutlich vom Kleinbildformat absetzen – leider aber auch preislich mit fast 11.000 Euro und größentechnisch.

Die GFX100S bringt den bildstabilisierten 100-Megapixel-Sensor in ein knapp 6000 Euro teures, deutlich kompakteres Gehäuse. Nun bekommt man also eine digitale Mittelformatkamera nicht nur mit größerem, sondern auch höher auflösendem Bildsensor zu einem günstigeren Preis als mancher Kleinbildbolide – in einem kompakteren Gehäuse als eine Profi-DSLR. Eine entsprechend hohe Menge an Vorbestellungen hat Fujifilm zu verzeichnen. Zusammen genommen sind das genug Gründe, die Fujifilm GFX100S als erste Mittelformatkamera ausführlich auf digitalkamera.de zu testen.

Zu einem Kameratest gehört aber auch ein Objektiv, im Falle des GFX-Systems haben wir uns für vier Festbrennweiten anstelle eines Zooms entschieden. Zwar sollen die GFX-Zooms Festbrennweitenniveau erreichen, aber wir denken, dass Festbrennweiten noch besser zu einer solchen Kamera passen. Aus unserer Sicht sind die folgenden drei Festbrennweiten im GFX-System aktuell am interessantesten, weshalb wir sie zum Test ausgesucht haben:

  1. Fujifilm GF 23 mm F4 R LM WR: Diese rund 2.700 Euro teure Festbrennweite ist das Objektiv mit dem größten Bildwinkel im GFX-System, mit einem diagonalen Bildwinkel von 100 Grad entspricht es einem 18mm-Kleinbildobjektiv.
  2. Fujifilm GF 50 mm F3.5 R LM WR: Dieses "Pancake" ist das mit Abstand kleinste und leichteste sowie mit einem Preis von knapp über 1.000 Euro auch günstigste Objektiv im GFX-System. Es wurde als kompaktes Standardobjektiv mit einem diagonalen Bildwinkel von 57 Grad (entspricht einem 40mm-Kleinbildobjektiv) für die besonders kompakte GFX50R entwickelt, die übrigens mit inzwischen nur noch rund 3.500 Euro ein ziemlich günstiger Einstieg ins GFX-System ist. Die GFX100S ist sogar einen Zentimeter schmaler als die GFX50R, dafür aber auch knapp einen Zentimeter höher (die GFX50R hat im Gegensatz zur GFX100S keinen Sucherbuckel) und zwei Zentimeter tiefer (die GFX100S hat im Gegensatz zur GFX50R einen ausgeprägten Handgriff). Die GFX100S ist also auch ziemlich kompakt und daher das GF 50 mm "Pancake" ein interessantes Objektiv für das leichte (ca. 1,25 kg) und kompakte Mittelformatbesteck.
  3. Fujifilm GF 80 mm F1.7 R WR: Dieser "Lichtriese" ist das lichtstärkste Mittelformatobjektiv, das man derzeit kaufen kann (Preis ca. 2.300 Euro). Weder Hasselblad (maximal F1,8), noch Leica (maximal F2) oder Pentax (maximal F2,8) bieten F1,7. Der diagonale Bildwinkel von 38 Grad entspricht einem 63mm-Kleinbildobjektiv. Rechnet man die Freistellfähigkeiten mit um, müsste man für denselben Effekt ein F1,3 lichtstarkes 63 mm Kleinbildobjektiv verwenden (dass es Kleinbildobjektive mit größerem Freistelleffekt gibt, ist uns durchaus bewusst). Allemal also ein sehr interessantes Objektiv.

Die Fujifilm GFX100S sowie die drei genannten Objektive und das GF 63 mm als "Standard-Testobjektiv" (entspricht einem 50mm-Kleinbild-Normalobjektiv) sind nun zum Test bei uns eingetroffen und durchlaufen die verschiedenen Stationen. Zuerst kommen sie auf den Fototisch, danach erfolgen die Labortests, die wir zeitnah als erstes veröffentlichen werden. Dann folgen die redaktionellen Praxistests mit den entsprechenden Kamera- und Objektiv-Testberichten, die innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen erscheinen.

Hersteller Fujifilm Fujifilm Fujifilm
Modell GF 23 mm F4 R LM WR GF 50 mm F3.5 R LM WR GF 80 mm F1.7 R WR
Unverbindliche Preisempfehlung 2.799,00 € 1.049,00 € 2.299,00 €
Bajonettanschluss Fujifilm G Fujifilm G Fujifilm G
Brennweite 23,0 mm 50,0 mm 80,0 mm
Lichtstärke (größte Blende) F4 F3,5 F1,7
Kleinste Blendenöffnung F32 F32 F22
KB-Vollformat nicht relevant nicht relevant nicht relevant
Linsensystem 15 Linsen in 12 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
9 Linsen in 6 Gruppen
inkl. asphärische Linse(n)
12 Linsen in 9 Gruppen
inkl. ED und asphärische Linsen
Anzahl Blendenlamellen 9 9 9
Naheinstellgrenze 380 mm 550 mm 700 mm
Bildstabilisator vorhanden nein nein nein
Autofokus vorhanden ja ja ja
Wasser-/Staubschutz ja ja ja
Filtergewinde 82 mm 62 mm 77 mm
Abmessungen (Durchmesser x Länge) 90 x 103 mm 84 x 48 mm 95 x 99 mm
Objektivgewicht 845 g 335 g 795 g

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 43, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.