Corona-Pandemie

Covid-19-Auswirkungen in der Fotobranche

2020-03-26 Stationäre Fotohändler müssen vorläufig schließen und nutzen die Zeit teilweise zur Renovierung ihrer Ladengeschäfte. Mitarbeiter der Hersteller arbeiten im Home-Office, aber nicht alles geht von dort. Fabriken schließen, während die Logistik überwiegend weiter funktioniert. Messen und Festivals sind abgesagt. Produkteinführungen verzögern sich. Auch die Fotobranche steckt derzeit voll drin in den Beschränkungen, die hoffentlich dafür sorgen werden, dass die Covid-19-Pandemie halbwegs beherrschbar bleibt.  (Jan-Markus Rupprecht)

  • Bild Making of RAW-FREI-HAUS. [Foto: RAW Projektbüro]

    Making of RAW-FREI-HAUS. [Foto: RAW Projektbüro]

Praktisch alle Foto-Events in den nächsten Wochen und Monaten sind abgesagt. Noch vor der Absage der Photokina durch die Koelnmesse AG hatte Zingst sein Horizonte Fotofestival für dieses Jahr gecancelt. Die RAW Phototriennale Worpswede wird dieses Jahr als RAW FREI HAUS virtuell erlebbar sein. Ein erstes Rundgang-Video ist bereits erschienen. Besonders die Familienporträts von Cosima Hanebeck gefallen mir außerordentlich gut. Neben den Rundgängen sollen auch einzelne Künstler und ihre Werkreihen vorgestellt und einige Künstlergespräche per Skype geführt werden.

Das Video habe ich gleich hier eingebunden (außerdem ist unten die Website verlinkt). Schalten Sie bitte unbedingt auf Vollbild um und die Auflösung auf die native Auflösung ihres Monitors (derzeit hat YouTube zur Bandbreiten-Entlastung die Standard-Auflösung auf SD gedrosselt, das ist bei einem Film über eine Fotoausstellung natürlich nicht hilfreich).

Besonders betroffen von den derzeitigen Begegnungsbeschränkungen ist natürlich auch der stationäre Fotohandel. Fotogeschäfte sind mittlerweile bundesweit geschlossen. "Home-Office" hilft da nur wenig, denn die Geschäfte leben davon, dass Kunden in den Laden kommen und kaufen. Manche Händler, wie die Zentrale der Foto-Gregor-Gruppe in Köln oder Foto Hamer (mit Gearflix) in Bochum, nutzen die Zeit ohne Kundenbesuche zur Renovierung ihrer Ladengeschäfte. Aber es ist wohl ganz klar: Das werden harte Wochen für die stationären Fotohändler.

Händler, die einen gut etablierten Webshop haben, sind natürlich in der aktuellen Situation vergleichsweise sehr gut aufgestellt. Viele lokale Händler bieten aber auch jetzt Beratung am Telefon und per E-Mail an und schicken die Ware per Kurier oder Paketdienst zum Kunden. Wenn Sie, lieber Leser, gerade Fotoequipment kaufen möchten, zögern Sie nicht und rufen Sie Ihren Stamm-Händler oder einen Fotohändler Ihres Vertrauens an, der Sie vermutlich gerne beraten wird. Und kaufen Sie in diesem Fall das Equipment mal nicht bei Amazon, sondern wenn schon online, dann bei einem der etablierten Foto-Online-Shops.

  • Bild "Als wir uns vor wenigen Wochen diesen Marketing-Spruch für unsere neuen Shirts ausgedacht haben, wussten wir noch nicht welche Bedeutung er für uns heute tragen wird." sagt Gearflix-Gründer Marius Hamer. [Foto: Gearflix]

    "Als wir uns vor wenigen Wochen diesen Marketing-Spruch für unsere neuen Shirts ausgedacht haben, wussten wir noch nicht welche Bedeutung er für uns heute tragen wird." sagt Gearflix-Gründer Marius Hamer. [Foto: Gearflix]

Noch ist übrigens die Warenverfügbarkeit gut. Anhaltspunkte, dass die Preise in nächster Zeit fallen werden, gibt es nicht. Im Gegenteil – die Gefahr, dass die neue Ware in nächster Zeit nicht so schnell nachgeliefert wird, wie man es gewohnt ist, ist groß. Dann gehen die Preise eher nach oben. Denn alle Hersteller haben heute eng abgestimmte Lieferketten. Da kann die Kamera ruhig Made in Japan sein. Das Akku kommt sicherlich aus China und das USB-Kabel vielleicht aus Vietnam, der Kameragurt vielleicht aus Malaysia oder Indien. Es braucht nur eine Komponente zu fehlen und das Paket ist nicht komplett und kann nicht verkauft werden. Wir hörten von Computermonitoren, bei denen schlicht und einfach das europäische Netzkabel fehlt, weil der Netzkabel-Lieferant gerade nicht liefern kann.

Ganz dramatisch ist es derzeit beim italienischen Stativhersteller Manfrotto, in dessen Werk unter anderem in Bassano del Grappa alle hochwertigen Produkte von Manfrotto und Gitzo produziert werden. Wie fast alle Fabriken in Italien ist das Manfrotto-Werk derzeit geschlossen. Noch merkt man davon wenig bis gar nichts, denn die Vertriebsmitarbeiter arbeiten jetzt im Home-Office und auch die sowieso ausgelagerte externe Logistik arbeitet weiter. Alle vorrätigen Artikel werden auf diese Weise nach wie vor innerhalb von ca. drei Tagen von Italien zu den Händlern nach Deutschland geliefert. Nur ist der Vorrat im Zentrallager natürlich endlich und die Produktionstermine von nicht vorrätiger Ware verzögern sich sowieso. Die Folgen der Werkspause wird man sicherlich in den nächsten Monaten spüren, selbst wenn dann die Fabriken wieder arbeiten.

Auch bei Olympus arbeiten von 5.700 in Europa arbeitenden Olympus-Mitarbeitern derzeit rund 4.000 vom Home-Office aus. Das klappt auch gut, flexible Arbeitsorte gehören bei Olympus ohnehin zur Unternehmenskultur. Aber einzelne Arbeitsabläufe sind dennoch stark eingeschränkt, so kann Olympus derzeit beispielsweise keine Testgeräte verschicken. Wo es geht, werden Testgeräte direkt von Redaktion zu Redaktion geschickt. Dasselbe bei GoPro: Mitarbeiter im Home-Office, derzeit kein Testgeräte-Versand möglich.

Für viele heißt Home-Office derzeit auch Kinderbetreuung. Da kann auch ich als digitalkamera.de-Herausgeber ein Lied von singen. Wenn beide Elternteile arbeiten müssen, die Kinder aber weder in der Kita noch in der Schule betreut sind, ist Flexibilität und Arbeitsteilung gefordert und man schafft sicherlich nicht das gewohnte 40-Stunden-Pensum. Davon abgesehen läuft zumindest in der digitalkamera.de-Redaktion fast alles wie gewohnt. Wir, das sind fünf feste Mitarbeiter, haben uns "auseinandergesetzt", jeder Mitarbeiter hat jetzt einen eigenen Büroraum (Platz hatten wir zum Glück genug, einer arbeitet sowieso permanent im Home-Office). Eine Redaktionssitzung haben wir am Montag einfach draußen gemacht mit reichlich Abstand zueinander. Viel Abstand halten wir auch im Büro ein, zudem arbeiten wir teilweise zeitversetzt und es wird mehr Heimarbeit als sonst gemacht. Labortests aber lassen sich beispielsweise nicht zuhause machen, sondern nur im Testlabor.

Wir werden Sie also auch in den nächsten Wochen weiter mit den gewohnten News und Tipps und Tests versorgen. Und das möchten wir auch tun. So normal wie möglich. Vielleicht mal mit dem einen oder anderen Thema, das Bezug auf die aktuelle Situation nimmt. Aber grundsätzlich möchten wir mit Ihnen, unseren Lesern, so positiv wie möglich durch diese für viele sehr schwere Zeit gehen. Man kann nicht den ganzen Tag nur die Corona-News in den Nachrichten verfolgen. Da wird man früher oder später depressiv. Wir wollen Ihnen zu den unerfreulichen Nachrichten einen Gegenpol und etwas Normalität bieten.

Wer digitalkamera.de besucht, Corona hin oder her, will sich über Fotoprodukte informieren, über deren Anwendung, steht oft vor einer Kaufentscheidung. Dabei möchten wir Sie unterstützen, so gut es geht. Deshalb werden wir uns nach Kräften bemühen, dass Sie digitalkamera.de in den nächsten Wochen so "normal" wie möglich erleben können. Fotografie ist eine wunderschöne Beschäftigung, ein wunderbares Hobby (und Beruf). Zumindest als Hobby kann man auch in seinen eigenen vier Wänden oder in deren unmittelbare Umgebung betreiben – im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, die derzeit gar nicht gehen. Nutzen Sie die Zeit so positiv, wie es Ihnen möglich ist. Und bleiben Sie vorsichtig und gesund!

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Autor

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht, 55, fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.