Spiegellose Systemkamera mit neuem Konzept

Testbericht: Yi Technology M1

Seite 2 von 3, vom 2016-12-22 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Ausstattung

Die Yi M1 verfügt sowohl über einen Vollautomatikmodus, der aber zumindest offenkundig keine Motiverkennung besitzt, als auch über neun wählbare Motivprogramme sowie die klassischen Belichtungsprogramme P, A, S und M. Man kann also auf Wunsch Blende und/oder Belichtungszeit manuell einstellen. Dabei beträgt die längste Belichtungszeit 60 Sekunden, einen Bulb-Langzeitbelichtungsmodus gibt es genauso wenig wie eine Programmshiftfunktion.

Etwas Besonderes und bisher einzigartiges sind die Motivvorlagen. Hier sind junge asiatische Frauen in neun verschiedenen Posen abgebildet, von denen man sich eine aussuchen kann. Auf dem Bildschirm werden dann die Umrisse angezeigt, um diese Pose mit einem Fotomodel nachstellen zu können. Das ist ein bisschen wie ein Malbuch, nur dass es nicht von Dreijährigen mit einem Buntstift ausgemalt wird, sondern vom Fotografen mit dem Motiv. Es ist schon kurios, dass man zwar diese Art der "Hilfslinien" in der Kamera findet, aber keine Gitterlinien (oder eine Wasserwaage), um die Kamera gerade an einem ganz gewöhnlichen Motiv auszurichten. Die meisten Motivvorlagen sind übrigens an ein Objektiv gebunden und funktionieren nur mit diesem. Die vorinstallierten Motivvorlagen sind vorwiegend für das 42,5 mm F1.8 gemacht. Mit einem Fremdobjektiv, etwa dem Olympus 45 mm F1.8, konnten wir gar keine der Motivvorlagen auswählen, auch wenn dieses dem 42,5 mm F1.8 von der Brennweite und Lichtstärke her eigentlich stark ähnelt. Neben der Pose geben die Modi übrigens beispielsweise auch die Blende und Belichtung vor. Mit der zu der Kamera gehörenden Smartphone-App lassen sich weitere Motiv-Vorlagen aus dem Internet laden und auf der Kamera speichern.

  • Bild Immerhin kann die Yi M1 mit einem Daumenrad sowie einem Programmwählrad aufwarten. Der Blitzschuh mit seinem Mittenkontakt wirk hingegen anachronistisch. [Foto: MediaNord]

    Immerhin kann die Yi M1 mit einem Daumenrad sowie einem Programmwählrad aufwarten. Der Blitzschuh mit seinem Mittenkontakt wirk hingegen anachronistisch. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde der Yi M1 sitzt leider außerhalb der optischen Achse. Dank USB-Dauerstromversorgung muss man den Akku aus dem auf dem Stativ blockierten Fach nicht entnehmen. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Yi M1 sitzt leider außerhalb der optischen Achse. Dank USB-Dauerstromversorgung muss man den Akku aus dem auf dem Stativ blockierten Fach nicht entnehmen. [Foto: MediaNord]

Eine moderne Schwenkpanoramafunktion ist in der Yi M1 ebenfalls zu finden. Sie arbeitet allerdings nur mit Horizontalschwenks von links nach rechts und löst vertikal lediglich 1.280 Pixel auf. Reihenaufnahmen unterstützt die Yi M1 wahlweise als Belichtungs- oder Weißabgleichsreihenaufnahme. Es sind jedoch nur maximal drei Bilder möglich, bei der Belichtungsreihe mit wahlweise 1/3, 2/3 oder 1 EV Belichtungsunterschied. Auch einen HDR-Modus gibt es, hier arbeitet die Yi M1 sogar lautlos mit einem elektronischen Verschluss, der sich sonst nicht aktivieren lässt. Besonders leise ist das Auslösegeräusch der Yi M1 nämlich nicht. Die Weißabgleichsfunktion ist übrigens wie vieles an der Yi M1 nur sehr spartanisch und orientiert sich eher an Smartphones als an richtigen Kameras. Neben dem automatischen Weißabgleich gibt es ein paar Voreinstellungen, für den manuellen Abgleich steht lediglich eine Kelvineingabe zur Verfügung. Die M1 erlaubt jedoch weder eine manuelle Weißabgleichsmessung, beispielsweise auf eine Graukarte, noch eine Weißabgleichs-Feinkorrektur.

Noch spartanischer als die Weißabgleichsfunktionen fällt die Blitzfähigkeit aus. Die Yi M1 kann nicht mit TTL-Messung blitzen. Sie besitzt weder einen eingebauten Blitz, noch einen TTL-Blitzschuh. Der Blitzschuh verfügt lediglich über einen Mittenkontakt. Man kann also Blitzgeräte auslösen, diese sollten aber entweder über eine eigene Automatik verfügen oder aber manuell eingestellt werden. Mit der Blitzsynchronzeit von 1/125 Sekunde lockt man ebenfalls niemanden hinter dem Ofen vor.

Zur Serienbildfunktion gibt es auch nicht viel Positives zu berichten. Sie erreicht knapp fünf Bilder pro Sekunde, allerdings bricht die Geschwindigkeit bereits nach sechs JPEG-Aufnahmen oder vier Raw-Aufnahmen auf kaum mehr als ein Bild pro Sekunde ein. Der Pufferspeicher ist also winzig. Apropos JPEG und Raw: Beides gleichzeitig kann nicht aufgezeichnet werden, aber immerhin kommt das universelle Rohdatenformat DNG zum Einsatz.

Vielleicht sieht es bei der Videofunktion besser aus? Immerhin filmt die Yi M1 maximal in 4K-Auflösung mit immerhin 30 Bildern pro Sekunde. In Full-HD sind sogar 60 Bilder pro Sekunde möglich, in VGA sogar 240. Wer möchte, kann in 4:3 statt 16:9 filmen, und das nicht nur in VGA-Auflösung (640 x 480), sondern auch in 2K (2.048 x 1.536). Ein elektronischer Bildstabilisator steht bis maximal zur 2K-Auflösung zur Verfügung, frisst jedoch einen Teil des Bildausschnitts. In 4K gehen, obwohl ohne Bildstabilisierung, ebenfalls nicht nur oben und unten, sondern auch rechts und links Bildteile verloren. Ohne Bildbeschnitt filmt man nur in 2K und VGA jeweils ohne Bildstabilisator, die 16:9-Auflösungen beschneiden ohne Bildstabilisator nur oben und unten das Bild (außer in 4K). Leider sieht man vor dem Beginn der Aufnahme nicht, wie das Bild beschnitten werden wird, so dass man hier lieber großzügig agieren sollte. Der AF-C funktioniert übrigens weniger gut, hier ist ein deutliches Rattern des Schrittmotors der Objektive zu vernehmen, besonders schnell arbeitet der C-AF im Video ohnehin nicht.

Als smarte Kamera bietet die Yi M1 neben WLAN auch Bluetooth an, jedoch fehlt NFC zur einfachen Verbindung. Um die 16 Megabyte große Android-App (es gibt auch eine App für iPhones) leichter finden zu können, blendet die M1 im Verbindungsmenü einen QR-Code ein. Nach dem Start der App kann diese per Bluetooth nach der Kamera suchen und sich automatisch verbinden, anschließend erfolgt auch die WLAN-Verbindung automatisch, ohne irgendwelche Daten eingeben zu müssen. Die App ist übrigens in der internationalen Einstellung gemischt Deutsch und Englisch, wer möchte, kann sie aber auch auf Chinesisch umschalten. Die App bietet zahlreiche weitere Motivvorlagen, die auf die Kamera übertragen werden können. Zudem lassen sich mit der App Fotos von der Kamera auf das Smartphone übertragen, jedoch nur, wenn diese in JPEG aufgenommen wurden. Weder Raw-Aufnahmen noch Videos können übertragen werden. Die Yi M1 erlaubt sogar Firmwareupdates via App. Bei der Verbindung wird automatisch geprüft, ob die Kamerafirmware aktuell ist. Es gibt jedoch weder eine GPS-Anbindung noch eine Fernsteuermöglichkeit der Kamera von der App aus. Hier liegt also durchaus noch einiges Potential brach.

Der Wiedergabemodus der Kamera ist wieder gewohnt spartanisch. Man kann die Bilder betrachten, per Wischgeste durch die Bilder blättern sowie eine Indexanzeige und sogar eine Informationsanzeige inklusive Helligkeitshistogramm aktivieren. Auch ein Zoomen in die Bilder ist möglich und sie werden je nach Kameraausrichtung gedreht. Es gibt jedoch keinerlei Bildbearbeitungsmöglichkeiten, nur ein Löschen ist möglich. Videos lassen sich selbstverständlich abspielen.

  • Bild Das 12-40 mm Setobjektiv der Yi M1 besitzt einen Einfahrmechanismus, wirklich kompakt wird es dadurch für den Trransport aber auch nicht. [Foto: MediaNord]

    Das 12-40 mm Setobjektiv der Yi M1 besitzt einen Einfahrmechanismus, wirklich kompakt wird es dadurch für den Trransport aber auch nicht. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Griff der Yi M1 ist nur relativ gering ausgeprägt, besitzt aber eine gummierte Belederung, die allerdings gerne etwas rutschfester sein dürfte. [Foto: MediaNord]

    Der Griff der Yi M1 ist nur relativ gering ausgeprägt, besitzt aber eine gummierte Belederung, die allerdings gerne etwas rutschfester sein dürfte. [Foto: MediaNord]

Fortsetzung auf Seite 3

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras