Spiegellose Systemkamera der Mittelklasse

Testbericht: Panasonic Lumix DMC-G81

Seite 2 von 3, vom 2016-10-26 (Autor: Benjamin Kirchheim)Zur Seite 1 wechseln

Ausstattung

Die Panasonic Lumix DMC-G81 bietet praktisch alles, was man braucht – und vieles, von dem man bisher gar nicht wusste, dass man es brauchen könnte. Vor den vielen Funktionen muss man sich aber keineswegs fürchten. Man kann das Programmwählrad einfach auf den "Eselmodus" iA stellen und schon übernimmt die Lumix alle Einstellungen selbstständig. Sie analysiert das Motiv, die Lichtbedingungen, die Bewegungen von Motiv und Fotograf und stimmt alle Aufnahmeparameter genau ab. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wer sich traut, wählt statt der Vollautomatik ein Motivprogramm selbst aus, hier verbergen sich auch einige kreative Effekte sowie der Schwenkpanoramamodus, der gerne höher auflösen dürfte (nur 1.920 Pixel vertikal). Immerhin arbeitet dieser mit der Serienbildfunktion und mechanischem Verschluss, auch das Stitching klappt selbst bei schwierigen Motiven gut.

Experten und Experimentierfreudigen stehen in den Kreativprogrammen P, A, S und M alle Möglichkeiten offen, um halbautomatisch oder manuell zu fotografieren. Zahlreiche Aufnahmereihen-Funktionen variieren auf Wunsch verschiedene Aufnahmeparameter wie den Fokus, die Blende, den Weißabgleich und natürlich die Belichtung. Bis zu sieben Aufnahmen mit einem Belichtungsunterschied von jeweils bis zu 1 EV bieten genügend Spielraum und eignen sich auch bestens für HDR-Aufnahmen. Wer dies ohne Computersoftware erledigen möchte, greift auf den eingebauten HDR-Modus zurück, der drei Bilder mit einem jeweiligen Belichtungsunterschied von bis zu drei Blendenstufen aufnehmen und automatisch zusammensetzen kann. Ob man den HDR-Bereich selbst wählen möchte oder dies der Automatik überlässt, ist einerlei. Auch eine Ausrichtung der Aufnahmen, falls man nicht mit einem Stativ arbeitet, bietet die Panasonic G81.

Einen echten Mehrwert stellt der Sensor-Shift-Bildstabilisator dar. Gemessen werden die Kippbewegungen der Kamera in der Horizontalen und Vertikalen, die Verschiebungen in der Horizontalen und Vertikalen, was insbesondere bei geringen Aufnahmedistanzen wichtig ist sowie die Rollbewegungen, was insbesondere bei längeren Belichtungszeiten zum Tragen kommt. Der beweglich gelagerte Sensor gleich alle fünf Arten der Verwackelung aus. Dabei ist ein leises Rauschen wahrnehmbar, das man von ähnlichen Systemen anderer Hersteller kennt. Auch dass der Bildsensor bei ausgeschalteter Kamera im Gehäuse klappert, braucht einen nicht zu beunruhigen. Da ein Sensor-Shift-Stabilisator bei sehr langen Telebrennweiten buchstäblich an seine Grenzen stößt, kann die G81 den Objektiv- mit dem Kamerabildstabilisator kombinieren (Dual-IS) und erreicht dadurch eine noch höhere Effektivität bei stärkeren Verwackelungen. Allerdings muss das Objektiv diesen Modus unterstützen. Bei 12-60mm Setobjektiv ist das der Fall.

Die Serienbildfunktion kann sich ebenfalls sehen lassen. Neun Serienbilder pro Sekunde verspricht Panasonic. Wir konnten sogar 9,6 Bilder pro Sekunde für 180 Aufnahmen in Folge messen, wenn JPEG als Dateiformat gewählt wurde. Mit Raw waren es allerdings nur noch 7,4 Bilder pro Sekunde für lediglich 18 Aufnahmen in Folge. Bei dieser Geschwindigkeit kann die G81 trotz den rasanten DFD-Autofokus die Schärfe jedoch nicht nachführen. Erst wenn man auf sechs Bilder pro Sekunde herunterschaltet, verfolgt der Autofokus sein Motiv. Im Einzelautofokusmodus dauert es übrigens lediglich 0,15 Sekunden vom Drücken des Auslösers bis zur eigentlichen Aufnahme. Davon gehen 0,09 Sekunde auf die Kappe des Autofokus und 0,06 Sekunde beansprucht die G81 auch ohne Fokussierung zum Auslösen. Mit dieser Geschwindigkeit kann keine DSLR mehr konkurrieren. Für die manuelle Fokussierung stehen Hilfen wie eine Fokuslupe sowie Fokuspeaking zur Verfügung.

Wenn sechs beziehungsweise neun Serienbilder pro Sekunde nicht reichen, um den richtigen Moment einzufangen, kann man auf den 4K-Foto-Modus zurückgreifen. Hier werden mit einer Einzelbildauflösung von immerhin 8,3 Megapixeln (mit wählbarem Seitenverhältnis, also nicht nur in 16:9) schnelle 30 Serienbilder pro Sekunde inklusive Autofokusnachführung als Video aufgenommen. Anschließend kann der Fotograf in Ruhe das richtige Einzelbild aus der Videodatei extrahieren. Statt die Schärfe nachzuführen, kann diese zudem den gesamten Bereich des Motivs durchlaufen, der Fotograf wählt einfach nach der Aufnahme (Post-Focus) das für ihn passend scharfe Bild aus. Neu ist die Möglichkeit des Focus-Stackings, hierbei wird durch Verrechnung der Einzelaufnahmen ein auswählbarer Bereich oder aber das gesamte Bild scharf gespeichert.

  • Bild Erstmals in der G-Serie kommt bei der Panasonic Lumix DMC-G81 ein beweglich gelagerter Bildsensor zur Bildstabilisierung auf gleich fünf Achsen zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

    Erstmals in der G-Serie kommt bei der Panasonic Lumix DMC-G81 ein beweglich gelagerter Bildsensor zur Bildstabilisierung auf gleich fünf Achsen zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Metallstativgewinde der Panasonic Lumix DMC-G81 sitzt etwas weit vorne, aber dafür in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Das Metallstativgewinde der Panasonic Lumix DMC-G81 sitzt etwas weit vorne, aber dafür in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

Der integrierte Blitz der Lumix G81 klappt mechanisch nach oben und kann nicht automatisch von der Kamera entriegelt werden. Einmal aufgeklappt bietet er alle Funktionen, die man sich nur wünschen kann. Automatische Belichtung, Langzeitsynchronisation, Blitzen am Ende der Belichtung, Blitzbelichtungskorrektur, manuelle Blitzleistungseinstellung ohne Messvorblitz sowie eine Drahtlossteuerfunktion für drei Gruppen auf vier Kanälen. Mit 1/160 Sekunde bietet die Panasonic nicht gerade die schnellste Blitzsynchronzeit. Mit aufgestecktem Systemblitz oder aber per Drahtlos-TTL ausgelöstem Systemblitz beherrscht die Lumix aber auch eine Highspeeds-Snchronisation. Mit einer gemessenen Blitzleitzahl von 6,4 bei ISO 100 ist der interne Blitz zwar nicht allzu leistungsstark, durch die Basis-ISO-Empfindlichkeit von 200 vergrößert sich aber die Reichweite durch die dann äquivalente Leitzahl von 9,1.

Auch mit den Videofunktionen geizt Panasonic bei der G81 nicht. Sie nimmt Filme maximal in 4K-Auflösung mit wahlweise 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde auf. Vorbei sind erfreulicherweise die Zeiten, in denen die Bildfrequenzauswahl bei den PAL- und NTSC-Modellen von Panasonic ab Werk unterschiedlich war. In Full-HD sind bis zu 60 Bilder pro Sekunde möglich. Die maximale Qualität liegt bei 100 Mbit/s. Gespeichert wird wahlweise als MP4 mit H.264-Kompression oder in AVCHD, was jedoch nur in Full-HD möglich ist. Die Lumix führt den Autofokus beim Videodreh genauso wie die Belichtung nach, auch der Bildstabilisator bleibt aktiv. Der Ton gelangt via integriertem oder extern angeschlossenem Stereomikrofon ins Video. Wer möchte, kann außerdem manuelle Einstellungen für den Videodreh vornehmen, wozu das Programmwählrad entsprechend eingestellt werden muss. Dank der dedizierten Videoaufnahmetaste auf der Kameraoberseite kann jedoch auch in jedem Modus spontan ein Video aufgezeichnet werden.

Im Wiedergabemodus können Videos in zwei separate Teile zerschnitten werden, mehr Möglichkeiten bieten sich aber für Fotos. Neben der Anzeige von allerlei Informationen bis hin zum Histogramm und einer Überbelichtungsanzeige können Fotos und Videos auch als Diashow inklusive Musik und Übergangseffekten wiedergegeben werden. Bearbeitungsfunktionen erlauben etwa den Beschnitt oder das Verkleinern von Fotos. Wer in Raw aufgenommen hat, kann zudem seine Fotos direkt in der Kamera inklusive vielen Einstellmöglichkeiten zu einem JPEG entwickeln. Für die Drahtloskommunikation steht WLAN zur Verfügung, die Verbindungseinstellung erfolgt manuell oder mittels eines Scans des auf dem Kamerabildschirm eingeblendeten QR-Codes. Mit Hilfe der entsprechenden App für Android und iOS lassen sich Fotos drahtlos an Tablets und Smartphones übertragen, aber auch eine Fernsteuerung der Kamera inklusive Livebildübertragung und der Einstellung vieler Parameter ist möglich. Details sind in unserem Fototipp in den weiterführenden Links zu finden.

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