Aufsteiger-DSLR

Testbericht: Nikon D5600

2017-03-14 Mit der D5600 stellte Nikon Ende letzten Jahres das Nachfolgemodell der D5500 vor. Viele Änderungen bei der gut ausgestatteten Hobby-DSLR, die sich oberhalb der kürzlich von uns getesteten D3400 einordnet, gibt es nicht. So unterstützt die D5600 nun die im letzten Jahr vorgestellte Snapbridge-Technologie von Nikon, die auf Bluetooth und WLAN basiert. Daneben bleibt es bei der grundsoliden Ausstattung, etwa mit dem 24 Megapixel auflösenden APS-C-Sensor oder dem 39-Punkt Autofokus sowie dem dreh- und schwenkbaren 8,1 Zentimeter großen Touchscreen mit Touchpad-Funktion. Im Test muss die Nikon D5600 nun zeigen, was sie taugt.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Das Gehäuse der 465 Gramm leichten Nikon D5600 besteht aus gut verarbeitetem Kunststoff (660 Gramm sind es mit dem Setobjektiv AF-P 18-55 VR). Die Verarbeitung macht mit nur kleinen, aber nicht immer gleichmäßigen Spaltmaßen, großzügigen Gummi-Belederungen und dem ausgeprägten Handgriff mit dem tiefen Eingriff zwischen Griffwulst und Bajonett insgesamt einen guten Eindruck. Auch bei beherztem Anpacken gibt das Gehäuse nicht nach und macht auch keine vertrauensmindernden Geräusche. Bei kleinen bis mittelgroßen Händen bietet der Handgriff zudem mit Ach und Krach sogar genug Platz für den kleinen Finger. Sehr gut bedienen lässt sich das Daumenrad, auf ein zweites Bedienrad verzichtet Nikon hingegen leider. Nimmt man den SLR-Sucher ins Auge, so weiß dieser zwar mit vielen Informationen inklusive Gittereinblendung zu gefallen, besonders groß ist er mit einer 0,55-fachen kleinbildäquivalenten Vergrößerung hingegen nicht. Die etwas zu kleine Austrittspupille sorgt bei Brillenträgern für eine leichte Abschattung in den Ecken, die Dioptrienkorrektur fällt etwas spärlich aus. Schade, ist doch der Sucher eines der zentralen Argumente für eine DSLR.

  • Bild Die D5600 richtet sich an Hobbyfotografen, die etwas mehr Ausstattung als in der Einsteigerklasse erwarten und auf das große Objektivangebot von Nikon zurückgreifen möchten. [Foto: MediaNord]

    Die D5600 richtet sich an Hobbyfotografen, die etwas mehr Ausstattung als in der Einsteigerklasse erwarten und auf das große Objektivangebot von Nikon zurückgreifen möchten. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der 8,1 Zentimeter große Touchscreen der Nikon D5600 lässt sich schwenken und drehen. Der charakteristische Spiegelreflexsucher hingegen fällt etwas mickrig aus. [Foto: MediaNord]

    Der 8,1 Zentimeter große Touchscreen der Nikon D5600 lässt sich schwenken und drehen. Der charakteristische Spiegelreflexsucher hingegen fällt etwas mickrig aus. [Foto: MediaNord]

Dafür weiß die D5600 mit ihrem 8,1 Zentimeter großen, dreh- und schwenkbaren Bildschirm zu überzeugen. Einmal am praktischen Live-View-Hebel gezogen, zeigt er ein klares, farbenfrohes und kontrastreiches Bild; ohne Live-View dient er als informative Statusanzeige. Der 39-Punkt-Autofokus ist mit dem im Test verwendeten AF-P 18-55 VR äußerst schnell, unabhängig von der gewählten Brennweite wird innerhalb von 0,17 Sekunden fokussiert und ausgelöst. Insbesondere, wenn man bedenkt, dass die Hälfte der Zeit für das Hochklappen des Spiegels, das Schließen der Blende sowie das Aufziehen des mechanischen Verschlusses draufgeht.

Dies gilt freilich nur beim Blick durch den Sucher, denn mit Live-View muss die D5600 auf den Kontrastautofokus zurückgreifen, weil der schnelle Autofokussensor, der eine DSLR neben dem Sucher und Wechselobjektivbajonett ausmacht, im Live-View durch den hochgeklappten Spiegel "blind" ist. Doch dank der Verbesserungen von Nikon und des auf den Kontrastautofokus optimierten Objektivs vergehen auch mit Live-View "nur" 0,7 bis 0,8 Sekunden, bis das Bild inklusive Scharfstellen im Kasten ist. Dabei hat die Auslöseverzögerung mit einer viertel Sekunde einen erheblichen Anteil. Damit ist die D5600 gegenüber früheren DSLRs im Live-View sehr flott geworden, echte Freude kommt dabei aber immer noch nicht auf. Für Action-Motive taugt das Live-View weiterhin nicht, bietet aber dank des beweglichen Bildschirms mehr Flexibilität.

Zurück zur Bedienung. Beim Display handelt es sich um einen Touchscreen, dessen Berührungsempfindlichkeit auch während des Blicks durch den Sucher aktiv ist. Dank des Näherungssensors oberhalb des Suchers schaltet sich die Bildschirmanzeige dabei automatisch ab. Während des Blicks durch den Sucher dient der Touchscreen wahlweise als einfacher riesiger Funktionsknopf oder aber als cleveres Autofokus-Touchpad, so dass man beim Blick durch den Sucher mit dem Finger auf dem Bildschirm den Fokuspunkt verschieben kann. Wer den Bildschirm an seiner DSLR nicht besonders mag, kann ihn bei der D5600 übrigens auch verkehrt herum anklappen, das schützt nebenbei den Bildschirm vor Kratzern. Darüber hinaus verfügt die D5600 über einige weitere, dedizierte Bedienelemente wie die Lupen-Tasten, eine Videoaufnahmetaste, die wichtige AE-L/AF-L-Taste und an der Bajonettseite drei weitere Tasten. Die Blitz-Taste entriegelt diesen übrigens nicht nur, sondern erlaubt bei erneuter Betätigung die Wahl des Blitzprogramms.

Leider nicht am Gehäuse zu finden sind spezifische Tasten, etwa zur Einstellung des Weißabgleichs oder der ISO-Empfindlichkeit. Insbesondere letzteres ist bedauerlich, wo doch die ISO-Empfindlichkeit bei modernen Kameras ein wichtiger Aufnahmeparameter neben der Belichtungszeit und Blende ist. Zum Glück gibt es nicht nur den Bildschirm als "Funktionstaste", sondern noch einen weiteren Funktionsknopf, der – die Ingenieure haben mitgedacht – mit der ISO-Empfindlichkeitseinstellung vorbelegt ist. Was jedoch definitiv fehlt und eigentlich zur Grundausstattung einer DSLR gehört, ist eine Abblendtaste, auch auf den Funktionsknopf lässt sich eine solche Funktion nicht programmieren. Dadurch hat der Fotograf keine Chance auf eine Vorschau der Schärfentiefe, ein wesentliches gestalterisches Mittel einer Kamera mit großem Bildsensor und lichtstarkem Objektiv. Für andere wichtige Aufnahmeparameter, die nicht über Tasten erreichbar sind, gibt es ein Schnellmenü, das wahlweise über die "i"-Taste oder aber die "i"-Schaltfläche auf dem Informationsbildschirm aufgerufen werden kann. Hier lassen sich weitere wichtige Aufnahmeparameter anpassen.

Auch mit Schnittstellen ist die D5600 durchaus reichlich ausgestattet. Auf der Griffseite befindet sich die Mini-HDMI-Buchse (Typ C) für eine Diashow am heimischen Flachbildfernseher. Auf der linken Gehäuseseite befindet sich eine Micro-USB-Schnittstelle, die jedoch nicht den Akku auflädt. Außerdem sind hier ein Stereo-Mikrofon- sowie ein Kabelfernauslöseanschluss zu finden. Einen Infrarotempfänger zum Fernauslösen gibt es hingegen nicht mehr! Der Lithium-Ionen-Akku befindet sich im Handgriff und kann von unten zum Laden im mitgelieferten Steckerladegerät entnommen werden. Für üppige 970 Aufnahmen gemäß CIPA-Standard reicht eine Akkuladung, und dass obwohl der mit einer Leitzahl von zwölf starke integrierte Blitz bei jeder zweiten Aufnahme gezündet wird. Nicht berücksichtigt sind jedoch das Live-View sowie die Drahtlosfunktionen, beides sind durchaus nicht zu verachtende Stromfresser, wobei sich das Bluetooth dank der Energiesparfunktionen noch gut zurückhält.

  • Bild Dank des ausgeprägten Griffs liegt die Nikon D5600 sehr gut in der Hand. [Foto: MediaNord]

    Dank des ausgeprägten Griffs liegt die Nikon D5600 sehr gut in der Hand. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Nikon AF-P 18-55 mm VR ist nicht nur kompakt gebaut, es liefert auch eine solide Bildqualität und besitzt einen rasanten Autofokus-Antrieb. [Foto: MediaNord]

    Das Nikon AF-P 18-55 mm VR ist nicht nur kompakt gebaut, es liefert auch eine solide Bildqualität und besitzt einen rasanten Autofokus-Antrieb. [Foto: MediaNord]

Die SD-Speicherkarte wird praktischerweise seitlich entnommen, so dass man auch auf dem Stativ an diese herankommt. Zudem sitzt das Stativgewinde in der optischen Achse und weit entfernt genug vom Akkufach, wodurch dieses von einer Schnellwechselplatte nicht blockiert wird. Bei der Speicherkarte lohnt sich der Griff zu einem schnellen UHS-I-Modell, denn wir konnten immerhin eine Schreibgeschwindigkeit von knapp über 72 MByte pro Sekunde ermitteln. Gerade angesichts des etwas kleinen Pufferspeichers lohnt sich eine schnelle Karte gleich doppelt.

Ausstattung

Die Nikon D5600 verfügt über ein Programmwählrad mit acht Positionen. Drei davon sind Anfänger-Automatikfunktionen vorbehalten, etwa die Vollautomatik, die 16 Motivprogramme sowie die Effektprogramme. Eine Panoramafunktion fehlt jedoch. Im Gegensatz zu den Automatiken hat der Fotograf in den klassischen Kreativprogrammen P, A, S und M mehr Einfluss auf die Aufnahmeparameter. So kann beispielsweise die Blende oder die Belichtungszeit oder wahlweise auch beides manuell vorgewählt werden. Wer gern die ISO-Automatik verwenden möchte, muss diese umständlich im Menü aktivieren. Hierbei verhält sich die D5600 durchaus verwirrend. Ist die ISO-Automatik in den Kreativprogrammen aktiviert, so kann man trotzdem die ISO-Empfindlichkeit einstellen. Dann verwendet die Kamera die jeweils höchste ISO-Empfindlichkeit. Stellt man also ISO 100 ein und die Automatik möchte ISO 400 ansteuern, gewinnt die Automatik. Stellt man ISO 800 ein und die Automatik möchte auf ISO 400 stellen, gewinnt die manuelle Vorgabe. Dies funktioniert auch bei manueller Belichtung, sogar mit Belichtungskorrektur, die jedoch in diesem Fall über das Schnellmenü eingestellt werden muss. Nur in den Motivprogrammen funktioniert es so, wie man es erwarten würde. Unterhalb von ISO 100 ist die Position für die ISO-Automatik, so dass man bequem mit dem auf ISO programmierten Funktionsknopf zwischen der Automatik und manuellen Vorgabe umschalten kann und nicht pokern muss, welche Einstellung "gewinnt".

Belichtungsreihen nimmt die D5600 mit maximal drei Bildern auf, wobei man die Abstufungen zwischen 1/3 und 2 EV fein wählen kann. Wer gerne HDR-Aufnahmen anfertigt, kann diese gleich von der Kamera erstellen lassen, die dafür zwei Fotos aufnimmt und automatisch verrechnet. Wie stark der HDR-Effekt ausfallen soll, kann man vorgeben oder die Wahl der Automatik überlassen. Keinen echten HDR-Effekt, wohl aber eine Bildverbesserung bei harten Kontrasten bietet die Active-D-Lighting-Funktion, die in wählbaren Stufen oder ebenfalls per Automatik die Schatten aufhellt und so mehr Details sichtbar macht.

Die Serienbildfunktion arbeitet mit lediglich fünf Bildern pro Sekunde. Was früher als schnell galt, ist im Zeitalter spiegelloser Systemkameras, die in dieser Klasse teilweise die doppelte Geschwindigkeit erreichen, fast schon langsam. Dabei besitzt die D5600 nur einen kleinen Pufferspeicher, der lediglich 9 Raw- oder 21 JPEG-Aufnahmen fasst. Damit lassen sich in JPEG durchaus einigermaßen lange Serien aufnehmen, zumal man mit schneller Speicherkarte auch bei vollem Puffer noch über vier Serienbilder pro Sekunde erreicht. Nach spätestens 100 Bildern am Stück ist allerdings Schluss, warum auch immer Nikon diese Grenze eingebaut hat. Wer im Rohdatenformat übrigens 14 Bit statt 12 Bit Farbtiefe wählt, muss sich mit vier statt fünf Serienbildern pro Sekunde begnügen. In jedem Fall ist der 39-Punkt-Autofokus in der Lage, mit Hilfe des AF-C einem sich bewegen Motiv problemlos zu folgen.

Eine Videofunktion darf bei einer modernen DSLR natürlich nicht fehlen. Trotz 24 Megapixel auflösendem Sensor beschränkt sich diese jedoch auf die Full-HD-Auflösung, aber immerhin mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Das integrierte Mikrofon nimmt in Stereo auf, auch der Pegel wird auf dem Display angezeigt. Auf Wunsch kann ein externes Stereomikrofon angeschlossen werden. Der kontinuierliche Autofokus (AF-F im Live-View) arbeitet bei Videoaufnahmen jedoch nur leidlich gut. Er reagiert etwas verzögert auf sich ändernde Aufnahmeentfernungen und stellt dann etwas pumpend die Schärfe nach. Manchmal fokussiert er auch nicht nach und filmt unscharf weiter. Eine Stärke ist die Videofunktion damit bei DSLRs weiterhin nicht, jedenfalls nicht für Automatikvideografen. Die Blendeneinstellung wirkt sich bei Videoaufnahmen übrigens nicht aus, dafür nimmt das integrierte Mikrofon Bediengeräusche nur allzu deutlich auf.

  • Bild Der APS-C große Bildsensor der Nikon D5600 liefert mit seinen 24 Megapixeln Auflösung bis ISO 1.600 eine sehr gute Bildqualität. [Foto: MediaNord]

    Der APS-C große Bildsensor der Nikon D5600 liefert mit seinen 24 Megapixeln Auflösung bis ISO 1.600 eine sehr gute Bildqualität. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Metallstativgewinde der Nikon D5600 sitzt in der optischen Achse, das weit entfernte Batteriefach lässt sich auch mit angesetzter Schnellwechselplatte problemlos öffnen. [Foto: MediaNord]

    Das Metallstativgewinde der Nikon D5600 sitzt in der optischen Achse, das weit entfernte Batteriefach lässt sich auch mit angesetzter Schnellwechselplatte problemlos öffnen. [Foto: MediaNord]

Das integrierte Blitzgerät klappt in den Motivprogrammen automatisch auf und bietet mit einer Leitzahl von zwölf auch eine gute Leistung. Zudem verfügt die D5600 über verschiedene Blitzmodi, etwa eine Langzeitsynchronisation oder ein Blitzen am Ende statt am Anfang der Belichtung. Die Blitzsynchronisationszeit von 1/200 Sekunde geht in Ordnung, auch eine Blitzbelichtungskorrektur lässt sich aktivieren. Die Rote-Augen-Reduktion wird mit Hilfe des weißen AF-Hilfslichts realisiert, die aufgenommene Personen vor der eigentlichen Aufnahme blendet, damit die Pupillen sich verengen und kein Blitzlicht in roter Farbe reflektieren. Dank des TTL-Systemblitzschuhs kann zudem Nikons gut ausgebautes Systemblitzprogramm verwendet werden. Eine drahtlose Steuerung externer Blitzgeräte mit dem integrierten Blitz ist jedoch nicht möglich, hierfür muss ein Systemblitzgerät auf die Kamera gesteckt werden.

Nikons Snapbridge-Funktion ist eine der größten Neuerungen der D5600. Bisher waren unsere Erfahrungen damit eher durchwachsen, was vor allem an der rudimentären, nicht besonders zuverlässigen App liegt. Daran hat sich leider nichts geändert. Die Bluetooth-Verbindung mit oder ohne NFC funktionierte bei der D5600 zuverlässig. Fotos mit zwei Megapixeln Auflösung wurden im Hintergrund auf das Smartphone übertragen, sofern die Funktion aktiviert war. Auch die Uhrzeitsynchronisation sowie die GPS-Funktion arbeiteten zuverlässig. Anders sah es mit der WLAN-Verbindung aus. Ein Sony Xperia XZ mit Android 7.0 konnten wir nicht dazu bewegen, sich per WLAN mit der Nikon zu verbinden, um hochauflösende Fotos zu übertragen oder die Kamera fernzusteuern. Ein billiges China-Smartphone mit Android 6.0 hingegen ließ sich problemlos koppeln. Die Fernbedienungsfunktion bleibt mit Live-View und lediglich einem aktivierbaren Selbstauslöser jedoch weiter hinter der Funktionalität ähnlicher Apps anderer Hersteller zurück, die eine umfangreiche Konfiguration der Aufnahmeparameter erlauben. Auch eine reine Fernauslösefunktion, für die die Bluetoothverbindung ausreichend wäre, gibt es leider nicht. Diese ist den Keymission-Actioncams von Nikon vorbehalten, für die Nikon einen kleinen Bluetooth-Handfernauslöser anbietet. Schade, das wäre ein adäquater Ersatz für die entfallene Infrarotschnittstelle gewesen.

Bildqualität

Gute Bildqualität ist weiterhin eine der Haupteigenschaften, die Menschen mit einer DSLR verbinden und häufig genau deswegen zu einer solchen Kamera greifen, selbst, wenn viele Käufer kaum Gebrauch von der Flexibilität der Wechselobjektive machen. Die Nikon D5600 besitzt mit einem 24 Megapixel auflösenden Sensor im APS-C-Format gute Voraussetzungen, die gesetzten Erwartungen auch zu erfüllen. Ob dies tatsächlich der Fall ist, haben wir nicht nur in der Praxis, sondern auch in unserem Testlabor geprüft. Der ausführliche Labortest mit allen detaillierten Diagrammen und Erklärtexten ist wie üblich gegen ein kleines Entgelt von 1,40 € im Einzelabruf oder ab umgerechnet 2,08 € im Rahmen einer Prepaid-Flatrate abrufbar (siehe weiterführende Links). Auch wer sich nicht für den Labortest interessiert, aber diesen kostenlosen Testbericht honorieren und damit die Arbeit unserer Redaktion unterstützen möchte, kann dies am besten mit dem Kauf eines Labortests tun.

Zu unserem Test ist die Nikon D5600 mit dem relativ neuen Setobjektiv AF-P 18-55 VR angetreten, das nicht nur eine kompakte Bauform, sondern auch einen sehr schnellen Autofokus, selbst im Live-View, besitzt (siehe dritter Absatz des Abschnitts "Ergonomie und Verarbeitung"). Es deckt mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 27 bis 83 Millimeter (Umrechnungsfaktor 1,5) einen alltäglichen Bereich ab. Auch die Bildqualität ist ordentlich. So löst das Objektiv bereits bei Offenblende hoch auf, abgeblendet steigert sich die Auflösung kaum noch. Bis zu 60 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent werden bei kurzer und mittlerer Brennweite im Bildzentrum erreicht, bei langer Brennweite ist es mit 57 lp/mm kaum weniger. Am Bildrand sind es jedoch bis zu 33 Prozent weniger Linienpaare, die aufgelöst werden. Beim Abblenden steigt die Randauflösung aber stärker an als im Bildzentrum, so dass man bei ca. F8 bis F11 mit recht gleichmäßiger Auflösung und hoher Randschärfe (50 bis 53 lp/mm) fotografieren kann. Weiter als bis F11 sollte man möglichst nicht abblenden, denn die Beugung setzt dann massiv ein und reduziert die Auflösung erheblich.

  • Bild Auf der linken Seite der Nikon D5600 sitzen wichtige Bedienknöpfe: Die frei belegbare Fn-Taste ist sinnvoll mit der ISO-Empfindlichkeit vorbelegt, mit der Taste ganz unten werden der Selbstauslöser oder die Serienbildfunktion aktiviert. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Seite der Nikon D5600 sitzen wichtige Bedienknöpfe: Die frei belegbare Fn-Taste ist sinnvoll mit der ISO-Empfindlichkeit vorbelegt, mit der Taste ganz unten werden der Selbstauslöser oder die Serienbildfunktion aktiviert. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die HDMI-Buchse sowie den NFC-Chip hat Nikon bei der D5600 auf der Handgriffseite untergebracht. [Foto: MediaNord]

    Die HDMI-Buchse sowie den NFC-Chip hat Nikon bei der D5600 auf der Handgriffseite untergebracht. [Foto: MediaNord]

Auch die Randabdunklung wird besser (also geringer), wenn man abblendet. Im Weitwinkel erreicht diese bei Offenblende 1,3 Blendenstufen, was 60 Prozent Lichtverlust in den Ecken entspricht. Doch nicht nur abblenden, auch zoomen verringert die Randabdunklung. Ebenfalls stark brennweitenabhängig ist die Verzeichnung, die naturgemäß im Weitwinkel am stärksten auftritt und dort mit 3,5 Prozent Tonnenform deutlich ins Auge fällt. Bei mittlerer und langer Brennweite bemerkt man die dann etwa 0,5-prozentige Verzeichnung hingegen kaum noch. Einen weiteren Kritikpunkt muss das Objektiv bei den chromatischen Aberrationen einstecken. Diese fallen im Mittel zwar kaum ins Gewicht, im Weitwinkel am Bildrand jedoch sind sie äußerst kräftig und nicht zu übersehen. Wie alle preiswerten Setobjektive zeigt das Nikon AF-P 18-55 VR also einige Schwachpunkte, vor allem am unteren Brennweitenende, insgesamt handelt es sich jedoch um ein recht ordentliches Setobjektiv.

Die Kamera selbst zeigt bis ISO 1.600 eine sehr gute Bildqualität. Der Signal-Rauschabstand macht zwar keine Höhenflüge, bewegt sich aber bis ISO 1.600 im akzeptablen Bereich von über 35 dB. Das feine Rauschkorn wird erst bei stark erhöhter ISO-Empfindlichkeit gröber. Helligkeitsrauschen wird ab ISO 3.200 leicht und ab ISO 12.800 stärker sichtbar, Farbrauschen hingegen spielt mit Ausnahme einer leichten Sichtbarkeit bei der höchsten Empfindlichkeitseinstellung von ISO 25.600 keine Rolle. Die Rauschunterdrückung arbeitet also gut, ohne aber bis ISO 800 feine Texturen sichtbar zu reduzieren. Erst bei ISO 1.600 werden feinste Strukturen etwas weicher, selbst bei ISO 3.200 sind aber noch ausreichend Details sichtbar. Darüber werden die Bilder jedoch unverkennbar weicher.

Der Dynamikumfang bewegt sich bis ISO 800 auf einem soliden Niveau von knapp über zehn Blendenstufen, bei ISO 1.600 sind es knapp unter zehn. Erst ab ISO 6.400 wird der Dynamikumfang deutlich schlechter, vor allem bei ISO 25.600. Die Tonwertkurve verläuft ausgewogen angesteilt, um für knackigere Kontraste vor allem in mittleren Helligkeiten zu sorgen. Auch die Scharfzeichnung ist gut abgestimmt, so dass die Schärfeartefakte mit maximal zehn Prozent nicht störend wirken, während die Bilder dadurch aber einen scharfen Eindruck vermitteln. Nicht ganz so gut schneidet die D5600 beim Ausgangs-Tonwertumfang ab. Hier sind insbesondere starke Unterschiede in den Farbkanälen auszumachen, das heißt in Grün werden wesentlich mehr Helligkeitsabstufungen wiedergegeben als in Rot, Blau liegt sogar noch darunter. Während der Helligkeitskanal bei ISO 100 sehr gut (über 224 von 256 möglichen Abstufungen) abschneidet und bis ISO 1.600 mit knapp 160 Abstufungen gerade noch gut ist, startet der Blaukanal bereits bei ISO 100 mit unter 160 Abstufungen im lediglich akzeptablen Bereich und unterschreitet bei ISO 1.600 sogar knapp die Marke von 128 Abstufungen, was gerade einmal die Hälfte der 256 möglichen ist. Kritisch wird es aber erst oberhalb von ISO 6.400, wo der Wert sogar unter 100 sinkt. In der Praxis bedeutet das, dass Farbverläufe, gerade wenn sie innerhalb eines Farbkanals verlaufen, mitunter etwas gestuft wirken können. Im Fall von Blau beispielsweise im Himmel.

  • Bild Nikon D5600 Speicherkartenfach und Akkufach. [Foto: MediaNord]

    Nikon D5600 Speicherkartenfach und Akkufach. [Foto: MediaNord]

Der Weißabgleich hingegen arbeitet gut, auch die Farbwiedergabe zeigt im Mittel nur geringe Abweichungen, mit jedoch einigen typischen Maxima wie einer stärkeren Sättigung von violetten und magenta Farbtönen oder ein leicht rotlastiges Orange oder blaulastiges Cyan. Insgesamt kann man das unter dem Begriff "Nikon-Farben" zusammenfassen und es sorgt letztlich zwar nicht für eine originalgetreue Farbreproduktion, wohl aber einen subjektiv schönen Farbeindruck. Diesen Eindruck kann man auf die gesamte Bildqualität übertragen. Die D5600 besitzt in JPEG eine ausgewogene Bildaufbereitung mit einer schönen Bildwiedergabe. Farben, Kontraste und Auflösung sind moderat für einen angenehmen Bildeindruck aufgewertet, ohne aber großartige Nachteile nach sich zu ziehen. Wer es exakter oder individueller mag, hat in JPEG zahlreiche Möglichkeiten, die entsprechenden Bildparameter in der Kamera anzupassen. Auch im Rohdatenformat kann die Nikon aufzeichnen, was dem Fotografen am PC ohnehin die volle Freiheit, angefangen bei der Wahl des Rohdatenkonverters bis hin zu allen einzelnen Bildparametern, lässt.

Fazit

In der Summe der Eigenschaften hinterlässt die Nikon D5600 einen positiven Eindruck. Das Gehäuse ist ordentlich verarbeitet und die Ausstattungsliste lässt kaum Wünsche übrig. Auch die Ergonomie ist gut; und das nicht nur beim Anfassen, sondern auch beim Bedienen. Vor allem bei der Bildqualität enttäuscht die APS-C-DSLR nicht und liefert das ab, was man von ihr erwartet, nämlich sehr gute Bildergebnisse hinauf bis zu ISO 1.600, aber auch bei ISO 3.200 sind die Bilder noch gut. Leichte Kritik muss sich die D5600 bei ihrem etwas mickrigen Sucher gefallen lassen, wohingegen sie mit dem dreh- und schwenkbaren Touchscreen punkten kann. Das Snapbridge funktioniert in Teilen sehr gut, etwa bei der Bluetoothverbindung und damit der GPS-Anbindung. Die Fernbedienungsfunktionen sind hingegen sehr rudimentär. Noch ärgerlicher sind die Verbindungsprobleme, die stark vom verwendeten Smartphonemodell abhängen. Beides spiegelt sich auch in den Nutzerbewertungen der Snapbridge-App wieder. Nichtsdestotrotz ist die Nikon D5600 ein guter Fotoapparat, der seine Hauptfunktion ohne gravierende Schwächen sehr gut erledigt.


Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief
HerstellerNikon
ModellD5600
SensorCMOS APS-C 23,6 x 15,8 mm (Cropfaktor 1,5)
24,8 Megapixel (physikalisch)
24,2 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,9 µm
Auflösung (max.)6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivNikon AF-P 18-55 mm 3.5-5.6G DX VR (Zoom-Objektiv)
SpiegelreflexsucherSpiegelsucher, 95 Prozent Bildfeldabdeckung, 0,82-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,55-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), 17 mm Augabstand, Dioptrienkorrektur von -1,7 bis 0,5 dpt, fest verbaute Mattscheibe
Monitor3,2" (8,1 cm)
  Auflösung1.037.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-AnschlussHDMI-Ausgang Mini (Typ C)
Vollautomatikja
Motivautomatik
Motivprogramme16
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionnein
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (2.016 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/4.000 s
Blitzeingebauter Blitz
  Synchronzeit1/200 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Nikon (ohne Nikon 1), Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFCja
GPSextern, dauerhafte Smartphone Verbindung|kabelgebunden oder Aufsteck-Empfänger
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I)
Empfindlichkeit
  automatischISO 100-25.600
  manuellISO 100-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabe
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder9 Kreuzsensoren
30 Liniensensoren
  GeschwindigkeitPhasen-Autofokus: 0,17 s
Live-View-Autofokus: 0,73 s bis 0,77 s
  AF-HilfslichtLED
Abmessungen124 x 97 x 70 mm
Gewicht (betriebsbereit)465 g (nur Gehäuse)
661 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellungmanuell am Objektiv
Akkulaufzeit970 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Gute Ergonomie mit ausgeprägtem Handgriff
  • Beweglicher Touchscreen mit AF-Touchpad- oder Fn-Funktion
  • Sehr schneller Autofokus
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 1.600
  • Kleiner Sucher
  • Keine Abblendfunktion (Schärfentiefevorschau)
  • Für heutige Verhältnisse betagte Serienbildfunktion (nur 5 fps für nur 9 Raw-Bilder)
  • Eigentlich gar nicht so langsamer Kontrastautofokus im Video gelegentlich überfordert