Spiegellose Flaggschiff-Systemkamera

Testbericht: Fujifilm X-T2

2017-02-02 Mit der X-Pro2 und X-T2 fährt Fujifilm eine Zwei-Flaggschiff-Strategie, wobei die X-T2 das "sportlichere" und modernere Modell ist. Die X-T2 bietet nicht nur eine höhere Serienbildleistung, erst Recht mit dem optionalen Batteriegriff, sie erlaubt mit 4K auch eine höhere Videoauflösung. Auch das Sucher- und Bildschirmkonzept ist bei der X-T2 ein gänzlich anderes, setzt sie doch auf einen rein elektronischen Sucher und einen klappbaren Bildschirm. Mit ihren vielen Bedienrädern, Hebeln und Tasten zeigt sich die X-T2 hingegen klassisch wie die X-Pro2. Im Test muss die X-T2 nun zeigen, was sie bei der Bildqualität und Performance leistet.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Die Fujifilm X-T2 kommt im klassischen SLR-Design der 80er-Jahre daher. Die ist mit ihrem gegen Spritzwasser und Staub abgedichteten Gehäuse grundsolide gebaut. Nicht knarzt oder knackt beim In-die-Hand-nehmen. Sucherbuckel und Handgriff fallen jedoch relativ klein aus. Dank der Daumenmulde auf der Rückseite sowie der großzügigen Gummiüberzüge des Gehäuses lässt es sich dennoch sicher halten. Für die relativ kompakten Abmessungen fällt das Gehäuse mit einem halben Kilogramm recht schwer aus, was den soliden Eindruck unterstreicht. Wer mehr Griffigkeit möchte, kann den optionalen Batteriegriff VPB-XT2 dazukaufen. Dieser nimmt nicht nur zwei zusätzliche Akkus auf, was die Laufzeit auf über 1.000 Bilder steigert, sondern bietet einen Hochformatgriff samt zusätzlichen Bedienelementen und Auslöser sowie eine Griffverstärkung für den Querformat-Handgriff. Als wäre das nicht schon genug, lässt sich am Griff ein Boost-Modus aktivieren, der die Leistungsfähigkeit der Kamera in vielerlei Belangen steigert. Zusätzlich gibt es einen Netzteilanschluss, über den auch die Akkus geladen werden können, sowie einen Kopfhöreranschluss. Die hohe Investition in den allerdings ohne Akkus ca. 270 bis 330 Euro teuren Griff plus ggf. rund 140 Euro für zwei Akkus lohnt sich also durchaus, immerhin ist auch das Netzteil im Lieferumfang.

  • Bild Die Fujifilm X-T2 besitzt ein spritzwassergeschütztes Metallgehäuse im Design der 80er Jahre. [Foto: MediaNord]

    Die Fujifilm X-T2 besitzt ein spritzwassergeschütztes Metallgehäuse im Design der 80er Jahre. [Foto: MediaNord]

  • Bild Unter dem großen elektronischen Sucher bietet die Fujifilm X-T2 auf der Rückseite einen nach oben und unten sowie zur Seite schwenkbaren Bildschirm. [Foto: MediaNord]

    Unter dem großen elektronischen Sucher bietet die Fujifilm X-T2 auf der Rückseite einen nach oben und unten sowie zur Seite schwenkbaren Bildschirm. [Foto: MediaNord]

Doch zurück zur Kamera: Auf der Handgriffseite sitzt der Speicherkartenslot, wobei beide SD-Fächer mit SDHC, SDXC sowie UHS-II kompatibel sind. Mit entsprechender Karte erreicht die X-T2 eine Datentransferrate von gut 117 MByte pro Sekunde. Damit werden UHS-II-Karten zwar nicht ausgeschöpft, den Spitzenplatz nimmt weiterhin die Olympus OM-D E-M1 Mark II mit 170 MByte/s ein, aber UHS-I-Karten deutlich übertroffen. Auf der linken Gehäuseseite verbergen sich hinter einer Kunststoffklappe die Schnittstellen: Neben dem 2,5mm-Klinken-Kabelfernauslöseanschluss gibt es eine Micro-HDMI-Schnittstelle, einen USB-3-Anschluss (leider kein Typ C) sowie eine 3,5mm-Stereoklinke für ein Mikrofon. Sogar einen klassischen Drahtauslöseanschluss bietet die X-T2, dieser befindet sich als Gewinde im Auslöser. Auf der Gehäuseunterseite sitzt das Metallstativgewinde in der optischen Achse, das weit genug vom Akkufach entfernt ist, um den Akku auch mit angesetzter Schnellwechselplatte herausnehmen zu können.

Sehr clever gelöst hat Fujifilm den Klappmechanismus des 7,5 Zentimeter großen Bildschirms, bei dem es sich allerdings leider nicht um einen Touchscreen handelt. Er lässt sich nicht nur um 90 Grad nach oben und 45 Grad nach unten klappen, sondern auch (nach Entriegelung) um 60 Grad nach rechts, was für Hochformatfotos praktisch sein kann. Dabei bleibt das mit einer Million Bildpunkten ausreichend fein aufgelöste Display stets hinter der Kamera und muss nicht störend seitlich neben die Kamera geschwenkt werden. Nur für Selfies eignet es sich dadurch nicht, was für die Zielgruppe verschmerzbar sein dürfte.

Der elektronische Sucher ist eine wahre Pracht. Mit seiner kleinbildäquivalenten 0,77-fachen Vergrößerung ist er so groß wie der Sucher einer Vollformatkamera. Die Bildwiederholrate ist mit wahlweise 60 oder 100 fps sehr flüssig und die Auflösung mit 2,36 Millionen Bildpunkten ausreichend hoch (auch wenn es inzwischen deutlich höher auflösende Sucher gibt). Einzig Brillenträger haben etwas Probleme, da man schon ohne Brille kaum bis in alle Ecken gleichzeitig blicken kann. Glück hat, für wen die Dioptrienkorrektur ausreicht. Übrigens schaltet sich der Sucher dank des Näherungssensors automatisch an und ab. Neben den Vorteilen wie digitalen Einblendungen, (abschaltbarer) Belichtungs- und Weißabgleichsvorschau sowie einem hellen Sucherbild auch in dunklen Umgebungen ist so ein elektronischer Sucher auch in hellen Umgebungen von Vorteil, da man in ihm selbstverständlich die aufgenommenen Fotos und Menüs sehen kann. Der Bildschirm ist aber auch ausreichend hell, vor allem für die Menüs selbst in hellstem Sonnenlicht. Für die Motivbeurteilung hat der Sucher gegenüber dem Bildschirm aber klare Auflösungs- und Dynamikvorteile.

Die Bedienung der X-T2 ist im Wesentlichen auf klassische Drehräder, Hebel und Tasten ausgelegt und erfreulich wenig menülastig. Einen Automatikmodus mit Motiverkennung sucht man vergeblich. ISO-Empfindlichkeit und Belichtungszeit werden über Drehräder auf der Kameraoberseite eingestellt, die Blende am Objektiv. Dank zweier universeller, obendrein drückbarer Bedienräder lassen sich die Werte aber auch wie bei modernen Kameras einstellen. Wer gerne Tasten frei belegen möchte, findet einen Fn-Knopf auf der Kameraoberseite, eine Taste an der Vorderseite sowie die Vierwegetasten, die sich nach Wunsch konfigurieren lassen. Zudem sorgt ein Quick-Menü dafür, dass man auch für weitergehende Aufnahmeeinstellungen nicht gleich ins große Menü muss. Letzteres ist aufgeteilt in einige Registerkarten mit jeweils teilweise längeren Untermenüs, was nicht immer ganz übersichtlich ist. Die X-T2 erlaubt vielfältige Anpassungsmöglichkeiten bis hin zum Verhalten des Autofokus, was einiges an Einarbeitungszeit benötigt, wenn man diese Funktionen nutzen möchte. Werksseitig kommt die X-T2 aber mit wohlüberlegten Voreinstellungen für die diversen Tasten, so dass man gleich loslegen kann.

  • Bild Der Handgriff der Fujifilm X-T2 fällt relativ klein aus, bietet jedoch aufgrund der guten Gummierung ausreichend Halt. Griffiger wird die X-T2 mit dem optionalen Batteriegriff, der auch den Handgriff vergrößert. [Foto: MediaNord]

    Der Handgriff der Fujifilm X-T2 fällt relativ klein aus, bietet jedoch aufgrund der guten Gummierung ausreichend Halt. Griffiger wird die X-T2 mit dem optionalen Batteriegriff, der auch den Handgriff vergrößert. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die wichtigsten Bedienelemente sitzen bei der Fujifilm X-T2 auf der Oberseite. Über Drehräder und Hebel werden ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Belichtungskorrektur, Aufnahmemodus und Belichtungsmessung gesteuert. [Foto: MediaNord]

    Die wichtigsten Bedienelemente sitzen bei der Fujifilm X-T2 auf der Oberseite. Über Drehräder und Hebel werden ISO-Empfindlichkeit, Belichtungszeit, Belichtungskorrektur, Aufnahmemodus und Belichtungsmessung gesteuert. [Foto: MediaNord]

Ausstattung

Wie eingangs erwähnt richtet sich die X-T2 an ambitionierte Fotografen, die den Umgang mit Blende und Belichtungszeit bereits kennen oder aber schnell erlernen wollen. Dennoch fehlen einige nützliche Automatikfunktionen nicht, wie etwa die Schwenk-Panoramafunktion, die wie der Serienbildmodus, die Belichtungsreihenfunktion, die Effektfilter und die Videofunktion über den Wahlhebel unterhalb des ISO-Rads zu erreichen ist. Was jedoch fehlt, ist eine HDR-Funktion, sodass man solche Aufnahmen nur mit Hilfe einer PC-Software erstellen kann. Auch die Belichtungsreihenfunktion ist mit maximal drei Bildern und +/- 2 EV Belichtungsabstand nur für leichte HDR-Aufnahmen brauchbar, aber nicht für stärkere HDR-Effekte. Immerhin erreicht die Belichtungskorrekturfunktion +/-5 EV, womit man der Belichtungsreihenfunktion manuell auf die Sprünge helfen kann (bspw. bei -5 EV, 0 EV und +5 EV jeweils eine Dreier-Belichtungsreihe anfertigen).

Zwar bietet die Fujifilm X-T2 keinen eingebauten Pop-Up-Blitz, verfügt jedoch über einen TTL-Blitzschuh sowie eine Blitzsynchronbuchse. Außerdem befindet sich ein gar nicht man so kleiner Aufsteckblitz im Lieferumfang, der schön hoch aufbaut. Die Stromversorgung übernimmt dabei die Kamera via Blitzschuh. Zum Blitzen stehen alle Standardoptionen wie eine Langzeitsynchronisation, das Blitzen am Ende der Belichtung sowie eine Blitzbelichtungstungskorrektur bereit. Außerdem beherrscht das Fujifilm-Blitzsystem inzwischen eine Drahtlosfunktion mit entsprechenden Systemblitzen, auch Drittanbieter wie Metz adaptieren es bereits. Die kürzeste Blitzsynchronzeit liegt bei 1/250 Sekunde, wobei die großen Systemblitze auch eine Highspeed-Synchronisation bieten. Der mechanische Schlitzverschluss ist ohne Blitz bis zu 1/8.000 Sekunde schnell, wer lautlos auslösen möchte, kann auf einen bis zu 1/32.000 Sekunde kurzen elektronischen Verschluss zurückgreifen.

Als besonders leistungsfähig preist Fujifilm den Autofokus der X-T2 an. Dieser arbeitet mit 169 auf dem Sensor sitzen Phasenmesssensoren sowie 273 Kontrastsensoren, die ein größeres Bildfeld abdecken. Zudem bietet das Kameramenü weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten für den AF-C, um die Motivverfolgung der Aufnahmeszene anzupassen. Mit diesen Einstellungen muss man sich etwas intensiver beschäftigen, um die maximale Leistungsfähigkeit aus dem AF-C herauszuholen. Überhaupt hat der Autofokus gewisse Macken, mit denen man umzugehen verstehen sollte. Bei der Messung der Autofokusgeschwindigkeit im Labor fiel uns auf, dass der AF-S werksseitig nicht auf Schärfepriorität stand, sondern wie beim AF-C üblich auf Auslösepriorität. Zur Messung stellten wir das entsprechend um und kamen auf eine unerwartet lange Auslöseverzögerung von 0,41 Sekunden beim Fokussieren von unendlich auf zwei Meter, und zwar unabhängig von der eingestellten Brennweite. Die reine Auslöseverzögerung hat etwa einen Anteil von 0,07 Sekunden. Für die manuelle Fokussierung stehen mit der Fokuslupe, der Schnittbildindikatorsimulation, dem Fokuspeaking sowie der Schärfeskala samt Schärfentiefeanzeige alle nur erdenklichen Hilfestellungen bereit, ein Druck auf die AF-On-Taste sorgt auch bei manuellem Fokusmodus für eine automatische Fokussierung.

Der AF-C kommt vor allem im Zusammenspiel mit der Serienbildfunktion zum Tragen. Hier erreicht die X-T2 auf dem Papier maximal acht Bilder pro Sekunde. In unserer Messung lag die Serienbildgeschwindigkeit mit 8,1 Bildern pro Sekunde für 47 komprimierte Raw-Bilder in Folge, in JPEG schreibt die Kamera sogar so schnell auf eine UHS-II-Karte, dass man diese mit 8,2 Bildern pro Sekunde komplett füllen kann. In Raw hingegen sinkt die dauerhafte Serienbildrate auf recht regelmäßige fünf Bilder pro Sekunde. Limitierender Faktor ist dabei das 117 MByte/s Dateninterface der X-T2, das gerne noch etwas schneller hätte ausfallen können. Mit der OM-D E-M1 Mark II von Olympus etwa erreichten wir im Test 170 MByte/s. Schnellere Serienbildraten erreicht man mit elektronischem Verschluss (14 Bilder/s mit AF-C) oder dem optionalen Batteriegriff (11 Bilder/s mit mechanischem Verschluss im Boost-Modus). Nutzt man jedoch den AF-C während der Serienbildaufnahmen, so wird die Serienbildrate auch bei 8 Bildern/s etwas unregelmäßig, denn die Auslösepriorität scheint nicht zu 100 Prozent zu greifen. Nichtsdestotrotz gehört die X-T2 definitiv zu den schnellsten Kameras bezüglich Serienbildrate und AF-C. Sie befindet sich zusammen mit der erwähnten Olympus sowie der Sony Alpha 6000, 6300 und 6500 auf einem sehr hohen Niveau, mit dem allenfalls noch die besten DSLRs konkurrieren können.

  • Bild Der APS-C-Sensor der Fujifilm X-T2 löst 24 Megapixel auf. Die X-Trans-Farbfiltermatrix vermeidet trotz fehlendem Tiefpassfilter Moirés, was für eine insgesamt hohe Auflösung mit scharfen Details sorgt. [Foto: MediaNord]

    Der APS-C-Sensor der Fujifilm X-T2 löst 24 Megapixel auf. Die X-Trans-Farbfiltermatrix vermeidet trotz fehlendem Tiefpassfilter Moirés, was für eine insgesamt hohe Auflösung mit scharfen Details sorgt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde auf der Unterseite der Fujifilm X-T2 sitzt in der optischen Achse. Das Akkufach ist ausreichend weit davon entfernt. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde auf der Unterseite der Fujifilm X-T2 sitzt in der optischen Achse. Das Akkufach ist ausreichend weit davon entfernt. [Foto: MediaNord]

Die Videoaufnahmefunktion versteckt sich bei der Fujifilm X-T2 etwas, sie ist ebenfalls über den Moduswahlhebel erreichbar. Eine Videoaufnahmetaste, die auch im Fotomodus aktiv ist, gibt es nicht, womit keine "Videoschnappschüsse" möglich sind. Beim Videomodus hat sich Fujifilm immerhin mit Videofilmern zusammengesetzt, um die benötigten Funktionen zu implementieren. So gibt es neben dem integrierten Stereomikrofon einen Anschluss für externe Mikrofone, den Kopfhöreranschluss bringt hingegen nur der Batteriegriff mit. Es gibt eine Pegelanzeige sowie eine Einstellung für die Mikrofonempfindlichkeit. In HD und Full-HD stehen Bildwiederholraten von 23,98, 24, 25, 29,97, 50 und 59,94 Bildern pro Sekunde zur Verfügung, in 4K-Auflösung fehlen die beiden schnellsten Bildwiederholraten. Der HDMI-Anschluss gibt auf Wunsch ein Signal ohne Bildschirmeinblendungen für externe Aufzeichnung aus und der im Video gut funktionierende Autofokus lässt sich ebenfalls steuern. Zudem stehen manuelle Einstellungen, die Filmsimulationen und noch einiges anderes für Videoaufnahmen zur Verfügung.

Im Wiedergabemodus stehen in JPEG einige grundlegende Bildbearbeitungsmöglichkeiten wie eine Rote-Augen-Korrektur, eine Beschnittfunktion sowie eine Auflösungsänderung bereit. Für Raw-Aufnahmen bietet die X-T2 einen integrierten Konverter, der viele Einstellmöglichkeiten inklusive der Filmsimulationsmodi (von denen uns der Classic Chrome immer wieder begeistert) bietet. Dank WLAN können die Aufnahmen zudem an Smartphones und Tablets sowie Instax-Drucker geschickt werden (siehe auch den Instax-Test in den weiterführenden Links). Sogar einen Fotobuch-Assistenten bietet die X-T2. Die WLAN-Funktion überträgt die Bilder erstaunlich schnell. Man kann im Wiedergabemodus mit einem Tastendruck Bild für Bild ans Smartphone schicken und sich dabei durch die Aufnahmen navigieren, was die Bildauswahl einfacher macht, als wenn kleine Thumbnails auf dem Smartphone angezeigt werden. Wer möchte, kann das Smartphone aber auch zur Fernsteuerung der Kamera nutzen. Sogar eine dauerhafte Verbindung zur Übertragung der Aufnahmeposition ist möglich, die mit der Kamera aufgenommenen Fotos werden dabei direkt mit den entsprechenden Metadaten versehen. Die nötige Smartphone-App läuft auch auf Tablets, sie ist jedoch nur für Android und iOS erhältlich. Weitere Details sind unserem Fototipp (siehe weiterführende Links) zu entnehmen.

Bildqualität

Die Güte einer Digitalkamera steht und fällt mit der Bildqualität. In der aktuellen Generation setzt Fujifilm auf einen 24 Megapixel auflösenden APS-C-Sensor, der in CMOS-Technik gebaut ist und über die spezielle X-Trans-Farbfiltermatrix von Fujifilm verfügt, die einen Tiefpassfilter überflüssig macht, ohne dass dadurch Moirés auftreten. Der Test in unserem Labor erfolgt für eine bessere Vergleichbarkeit wie immer in JPEG, auch, um die Bildqualität zu testen, die der Hersteller sich dabei gedacht hat und nicht die eines Raw-Konverters. Wer Bilder aufwändig bearbeiten möchte, sollte jedoch definitiv zum Raw-Format greifen, da dieses Format feinere Farb- und Helligkeitsabstufungen bietet und viel mehr Eingriffe in die Bildaufbereitung (Auflösung, Schärfe, Rauschen, Weißabgleich etc.) bietet. Wer sich für den ausführlichen Labortest mit allen Diagrammen und erläuternden Texten interessiert, kann diesen wie gewohnt über die weiterführenden Links kostenpflichtig abrufen. Die Kameratests kosten 1,40 €, Objektivtests 50 Cent, wobei wir für nahezu jedes Fujifilm-X-Objektiv einen Labortest bieten können. Auch wer diesen kostenlosen Testbericht finanziell honorieren möchte, kann dies einfach über den Kauf von Labortests machen.

  • Bild Auf der Handgriffseite der Fujifilm X-T2 sitzt die wasserdichte und mit einem Riegel gesicherte Speicherkartenklappe. [Foto: MediaNord]

    Auf der Handgriffseite der Fujifilm X-T2 sitzt die wasserdichte und mit einem Riegel gesicherte Speicherkartenklappe. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Schnittstellen (USB 3, Kabelfernauslösebuchse, Micro-HDMI und 3,5mm Stereoklinkenmikrofon) verbergen sich bei der Fujifilm X-T2 hinter einer Plastikklappe. [Foto: MediaNord]

    Die Schnittstellen (USB 3, Kabelfernauslösebuchse, Micro-HDMI und 3,5mm Stereoklinkenmikrofon) verbergen sich bei der Fujifilm X-T2 hinter einer Plastikklappe. [Foto: MediaNord]

Im Labortest kam das XF 18-55 mm F2.0-4 R LM OIS zum Einsatz. Anders, als der Brennweitenbereich vermuten lässt, denn dieser kommt auch bei billigsten Setobjektiven anderer Hersteller zum Einsatz, handelt es sich beim XF 18-55 um ein hochwertiges Objektiv, das zudem eine gute Lichtstärke bietet. Vor allem stimmt aber auch, wie bei praktisch allen XF-Objektiven, die Bildqualität. Das liegt nicht zuletzt auch am werksseitig und damit auch beim Labortest aktiven Lens Modulation Optimizer (LMO), der optische Fehler des Objektivs bis hin zur Beugung bestmöglich korrigiert. So verwundert es nicht weiter, dass Verzeichnung, Vignettierung und Farbsäume sehr gering ausfallen.

Darüber hinaus glänzt das 18-55 mit einer hohen Auflösung von bis zu 63 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Kleinbildäquivalent. Bei jeder Brennweite werden bis zu 58 lp/mm im Bildzentrum erreicht. Am höchsten löst das Objektiv bei mittlerer Brennweite auf, aber selbst die längste Brennweite erreicht sehr hohe Auflösungswerte, hier fallen Objektive nämlich normalerweise oft etwas in der Auflösungsleistung ab. Zum Bildrand hin fällt die Auflösung um bis zu 30 Prozent ab, was sehr brennweiten-. und blendenabhängig ist. Im Weitwinkel arbeitet man am besten bei Offenblende oder bei F11, weil dort jeweils die höchsten Auflösungen mit dem geringsten Randabfall erreicht werden. Allgemein fällt bei F16 die Auflösung leicht und bei F22 etwas stärker ab, jedoch hält der LMO die Auswirkungen in Grenzen. Bei mittlerer sowie langer Brennweite sind F8 und F11 zu empfehlen, hier gibt es bei guter Zentrumsauflösung nur einen minimalen bis gar keinen Auflösungsabfall zum Bildrand. Ist die Randauflösung nicht so entscheidend, verwendet man bei mittlerer und langer Brennweite am besten die Offenblende, da die die höchsten Auflösungsleistungen erzielt werden.

Auch der 24-Megapixel-Sensor glänzt überwiegend mit guten bis sehr guten Leistungen. Bis ISO 400 bewegt sich der Signal-Rauschabstand mit über 40 dB auf sehr hohen Niveau, erst bei ISO 3.200 wird der kritische Wert von 35 dB leicht, bei höheren Empfindlichkeiten stärker unterschritten. Während Fujifilm bei der X-T2 das Farbrauschen sehr gut unterdrückt, lässt der japanische Hersteller bei Empfindlichkeiten von mehr als ISO 3.200 Helligkeitsrauschen zu. Dieses zeigt sich jedoch sehr feinkörnig und gibt ein angenehmes Bild ab, denn die zurückhaltende Rauschunterdrückung sorgt für einen guten Detailerhalt und einen natürlichen Bildeindruck. Vor allem bis ISO 1.600 ist praktisch kein Detailverlust erkennbar. Ab ISO 3.200 sinkt der Detailgrad zwar spürbar, ist aber selbst bei ISO 6.400 auch noch akzeptablen Niveau. Darüber nimmt der Detailverlust weiter ab, so dass feine Strukturen untergehen. Da sie dies aber nicht in aquarellartig glatten Flächen, sondern eher mit Helligkeitsrauschen einhergeht, kann man auch ISO 12.800 noch gut einsetzen. Bei ISO 25.600 und 51.200 nimmt die Bildqualität jedoch auch visuell sehr stark ab, da hier auch andere Messwerte deutlich einbrechen.

  • Bild Akku und Speicherkarten lassen sich bei der Fujifilm X-T2 getrennt voneinander entnehmen. Beide Steckplätze unterstützen UHS II und erreichen bis zu 117 MB/s Schreibgeschwindigkeit. [Foto: MediaNord]

    Akku und Speicherkarten lassen sich bei der Fujifilm X-T2 getrennt voneinander entnehmen. Beide Steckplätze unterstützen UHS II und erreichen bis zu 117 MB/s Schreibgeschwindigkeit. [Foto: MediaNord]

Etwas enttäuschend ist die gemessene Eingangsdynamik, die nicht einmal an der Marke von zehn Blendenstufen kratzt. Bis einschließlich ISO 3.200 bewegt sie sich aber mit neun und mehr Blendenstufen immerhin auf einem guten Niveau. Die Tonwertkurve verläuft angesteilt (aber nicht zu stark) für knackige Mittenkontraste und einen schönen Bildeindruck. Der Ausgangs-Tonwertumfang zeigt sehr differenzierte Werte. Der Helligkeits- sowie der Grünkanal zeigen die feinsten Abstufungen, wohingegen der Rot- und vor allem der Blaukanal deutlich abfallen. Bis ISO 1.600 erreicht der Helligkeitskanal mindestens 160 Abstufungen, der Rotkanal nur bis ISO 800 und der Blaukanal sogar nur bis ISO 400. Die Farbtreue der X-T2 ist im Mittel gerade noch gut, wobei jedoch einige Farbtöne stärkere Abweichungen aufweisen. Vor allem zeigt sich dabei eine stärkere Sättigung der warmtönigen Farben, die größte Abweichung vom eigentlichen Farbton zeigt Cyan, das stark Richtung Blau geht. Insgesamt sorgt das aber für subjektiv schöne "Fujifilm"-Farben, die sich zudem mit den verschiedenen Filmsimulationsmodi und weiteren Einstellungen dem eigenen Geschmack anpassen lassen. Der Weißabgleich jedenfalls arbeitet in den meisten Situationen gut und die gemessene Farbtiefe ist bis in hohe Empfindlichkeiten sehr gut. Bis ISO 3.200 werden über vier Millionen Farben differenziert, erst oberhalb von ISO 6.400 bricht der Wert stärker ein. Im Optimalfall, bei ISO 100 und 200, werden fast acht Millionen Farbnuancen differenziert.

Fazit

Mit 1.700 Euro ohne Objektiv beziehungsweise 2.000 mit dem getesteten Setobjektiv ist die Fujifilm X-T2 zwar kein Preiskracher, aber jeden Cent wert. Die Verarbeitung ist auf höchstem Niveau und die vielen Räder und Knöpfe sind bei der Bedienung eine wahre Freude. Dabei bietet die X-T2 eine gute Balance aus Größe und Gewicht. Die Leistungsfähigkeit der X-T2 bewegt sich im spiegellosen Segment auf höchsten Niveau und braucht sich hinter DSLRs wahrlich nicht zu verstecken, wobei Actionfotografen praktisch nicht am Batteriegriff vorbeikommen, der neben der Griffigkeit und Akkulaufzeit auch die Leistungsparameter spürbar erhöht. Bei der Bildqualität muss der Dynamikumfang die größte Kritik einstecken. Ansonsten spielt die Bildqualität auf höchstem Niveau. Das Setobjektiv löst hoch auf und weist kaum optische Fehler auf, bis ISO 1.600 bekommt man einwandfreie Bilder. Selbst bis ISO 6.400 lässt sich die X-T2, mit leichten Abstrichen, noch sehr gut verwenden. Vor allem sorgt die Fujifilm für subjektiv ansehnliche Bilder, deren Look sich in der Kamera individuell anpassen lässt. Die Fujifilm X-T2 ist für ambitionierte Fotografen ein echter Leckerbissen, Einsteiger hingegen dürften überfordert sein. Eingefleischte Videografen bekommen, trotz Verbesserungen seitens Fujifilm, bei manch anderem Hersteller mehr geboten. Für Alltagszwecke und gelegentliche ambitionierte Videoprojekte hat die X-T2 aber auch durchaus einiges zu bieten.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief
Hersteller Fujifilm
Modell X-T2
Sensor CMOS APS-C 23,6 x 15,8 mm (Cropfaktor 1,5)
24,3 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch 3,9 µm
Auflösung (max.) 6.000 x 4.000 (3:2)
Video (max.) 3.840 x 2.160 30p
Objektiv Fujifilm XF 18-55 mm F2.8-4 R LM OIS (Zoom-Objektiv)
Videosucher EVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.360.000 Bildpunkte Auflösung, 1,16-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,77-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor 3,0" (7,6 cm)
  Auflösung 1.040.000 Bildpunkte
  kippbar ja
  drehbar
  schwenkbar ja
  Touchscreen
AV-Anschluss HDMI-Ausgang Micro (Typ D)
Vollautomatik
Motivautomatik
Programmautomatik ja
Programmshift ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
Manuell ja
Bulb-Langzeitbelichtung ja
HDR-Funktion
Panoramafunktion ja, Schwenkpanorama
Belichtungsmessung Matrix/Mehrfeld-Messung (256 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit 1/8.000 s
Blitz mitgelieferter Aufsteckblitz
  Synchronzeit 1/250 s
  Blitzanschluss Blitzschuh: Fujifilm, Standard-Mittenkontakt
WLAN ja
NFC
GPS extern, dauerhafte Smartphone Verbindung
Fernauslöser ja, Kabelauslöser, Drahtauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahme ja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
  Slot 2
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 200-12.800
  manuell ISO 100-51.200
Weißabgleich
  automatisch ja
  manuelle Messung ja
  Kelvin-Eingabe ja
  Feinkorrektur ja
Autofokus ja
  Anzahl Messfelder 169 Phasensensoren
273 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit 0,41 s
  AF-Hilfslicht LED
Abmessungen 133 x 92 x 49 mm
Gewicht (betriebsbereit) 500 g (nur Gehäuse)
807 g (mit Objektiv)
Stativgewinde in optischer Achse
Zoom
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Akkulaufzeit 340 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Sehr robustes Gehäuse
  • Großer Ausstattungsumfang mit vielen Direkt-Bedienelementen
  • Hervorragender elektronischer Sucher
  • Cleverer Monitor-Klappmechanismus
  • Mit Ausnahme des etwas mauen Dynamikumfangs sehr gute Bildqualität bis ISO 1.600 und gute bis ISO 6.400
  • Kein Touchscreen
  • UHS-II-Schreibgeschwindigkeit wird nicht voll ausgeschöpft
  • Volle Leistungsfähigkeit nur mit Zusatzgriff