Testbericht

Sony NEX-6

2012-09-15, aktualisiert 2012-11-20 Mit der NEX-6 setzt Sony ein neues Modell genau zwischen die NEX-5R und NEX-7. Damit kommt der Hersteller dem Wunsch vieler Anwender nach, die zwar das robuste Gehäuse und den elektronischen Sucher sowie den eingebauten Blitz der NEX-7 wünschen, die aber andererseits nicht so viel Geld ausgeben wollen und denen die rund 16 Megapixel Auflösung der NEX-5R reichen. Zudem besitzt die NEX-6 wie die NEX-5R ein eingebautes WLAN-Modul ebenso lassen sich die Kamerafunktionen mittels Apps erweitern. Im digitalkamera.de-Test musste die NEX-6 zeigen, wie sie sich in der Praxis schlägt, und die Bildqualität musste sie im Testlabor unter Beweis stellen.  (Benjamin Kirchheim)

Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die Sony NEX-6 besitzt ein schlankes Gehäuse aus hochwertigem Kunststoff. Markant stehen auf der Vorderseite das Bajonett und der gummierte Handgriff hervor, mit letzterem lässt sich die Kamera trotz der geringen Abmessungen gut halten. Das Metallstativgewinde auf der Unterseite sitzt in der optischen Achse und weit genug vom Akku- und Speicherkartenfach entfernt, so dass dieses auf einem Stativ montiert weiterhin zugänglich bleibt. Das Speicherkartenfach besitzt einen Steckplatz, der zu SD, SDHC, SDXC und zum MemoryStick Duo kompatibel ist. Das Gehäuse sieht der NEX-7 verdammt ähnlich, weist aber Abweichungen im Detail auf, vor allem ist es ein wenig kompakter.

Ein weiteres Bauteil dieser schicken, schlanken Systemkamera sticht hervor: Der elektronische Sucher links oben auf der Kamerarückseite. Die große Augenmuschel bietet guten Schutz gegen seitlich einfallendes Streulicht, kann aber auch abgenommen werden. Der OLED-Sucher besitzt ein kontrastreiches, helles Bild bei einer sehr hohen Auflösung von 2,36 Millionen Bildpunkten, was 1.024 x 768 Pixeln entspricht. Allerdings ist der Einblick für Brillenträger nicht optimal, da die Austrittspupille zu weit vorne liegt, um den gesamten Sucher überblicken zu können. Es empfiehlt sich, den Dioptrienausgleich von -4 bis +1 dpt. zu nutzen. Die Helligkeit des Suchers lässt sich nur einstellen, wenn man ihn am Auge hat, die Tasten muss man also blind bedienen. Leider gibt es nur drei Helligkeitsstufen, die sich zudem nicht allzu stark unterscheiden. Praktisch ist hingegen der Näherungssensor, so dass die NEX-6 automatisch auf den elektronischen Sucher umschaltet, sobald man ihn ans Auge nimmt.

Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Durch die geringe Größe der Kamera wirkt der rückwärtige Bildschirm mit seinen drei Zoll Bilddiagonale (rund 7,5 Zentimeter) recht groß. Was auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, weil der Bildschirm so schön in die Rückseite eingelassen ist: Man kann ihn um 90 Grad nach oben und etwa 45 Grad nach unten klappen, was bodennahe sowie Über-Kopf-Aufnahmen vereinfacht. Drehbar ist der Bildschirm hingegen leider nicht, man sieht sich also bei Selbstporträts nicht. Der 921.000 Bildpunkte auflösende Monitor bietet ein kontrastreiches und ausgesprochen helles Bild, zudem lässt sich die Helligkeit in den Einstellung nochmals deutlich steigern, so dass es kaum noch Situationen gibt, in denen man nichts mehr auf dem Bildschirm erkennt.

Sowohl auf dem Monitor als auch im Sucher sind zahlreiche Einstellungen einblendbar, hinzu kommen eine elektronische Wasserwaage und ein Gitternetz. Das Bedienkonzept der NEX-6 ist anders als bei der NEX-5R auch auf fortgeschrittene Anwender ausgelegt, die gerne mehr Einstellungen direkt vornehmen. Dazu gehört ein zweites Einstellrad. Eines ist unter dem Programmwählrad angeordnet, das andere ist in der Vierwegewippe integriert. Leider setzt Sony die beiden Bedienräder noch nicht konsequent genug unabhängig voneinander ein, so dass jedes der Räder oft dieselbe Funktion verstellt, statt den Einstellumfang zu erweitern (beispielsweise Blitzfunktion auf dem einen, Blitzbelichtungskorrektur auf dem anderen Rad, wenn man im Blitzmenü ist).

Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Hinzu kommen eine Fn-Taste sowie zwei unbeschriftete Tasten, deren Funktion jeweils auf dem Bildschirm angezeigt wird. Vor allem für "alte Hasen" wirkt das Menü auf den ersten Blick etwas undurchsichtig. Dass man Weißabgleich und ISO-Einstellung im Menü "Helligkeit und Farbe" findet, ist zumindest ungewohnt. Neulinge hingegen werden diese Einstellungen vermutlich hier am ehesten suchen. Die einzelnen Menüs scrollen vertikal, vor allem das Systemmenü wird dadurch recht unübersichtlich, da die Suche einer Einstellung in langem Scrollen endet. Immerhin kann sich die Kamera optional den zuletzt verwendeten Menüpunkt merken und springt wieder dorthin zurück, sobald man ins Menü einsteigt.

Ausstattung Die Sony NEX-6 bietet eine intelligente Vollautomatik, die dem Anwender jegliche Einstellungsarbeit abnimmt. Sie erkennt automatisch das Motiv und stellt das richtige Motivprogramm ein, etwa Makro, Landschaft, Sport oder Porträt. Zudem werden Gesichter erkannt. Die intelligente "Automatik plus" schließt Spezialprogramme zur Verwackelungsreduzierung und Rauschreduzierung mittels Mehrfachaufnahmen mit ein. Vor allem aber lässt sich die NEX-6 auch sehr bequem individuell an die Aufnahmesituation anpassen, indem man das jeweilige Programm vorwählt. Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik und der manuelle Belichtungsmodus sind sehr prominent auf dem Programmwählrad vertreten. Dank der zwei Einstellräder lassen sich die Parameter auch jeweils sehr einfach einstellen. Die ISO-Empfindlichkeit besitzt eine eigene Position auf der Vierwegewippe und ist daher ebenfalls direkt zugänglich. Wer seine NEX-6 fernauslösen möchte, kann dies mittels Infrarotfernbedienung tun. Zusätzlich bietet die NEX-6 Spezialprogramme wie etwa den Panoramamodus, der durch einfaches Schwenken hochauflösende Panoramen erstellt.

Videos zeichnet die NEX-6 in Full-HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln auf. Die Bildwiederholrate liegt wahlweise bei 50 oder 25 Vollbildern pro Sekunde (50p beziehungsweise 25p), wer möchte kann auch 50 Halbbilder (50i) einstellen. Das setzt allerdings voraus, dass man AVCHD Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]als Speicherformat wählt, denn beim alternativen MP4-Format sinkt die Auflösung auf 1.440 x 1.080 Pixel bei 25 Bildern pro Sekunde, alternativ kann man VGA einstellen. HD-Ready mit 720p steht als Auflösung leider gar nicht zur Verfügung. Die Tonaufzeichnung erfolgt über das eingebaute Stereomikrofon, es lässt sich aber auch ein externes anschließen (siehe unten).

Interessant sind die Möglichkeiten, die sich durch das WLAN-Modul ergeben. Über das Menü werden die WLAN-Verbindungsparameter eingegeben, was mangels Touchscreen schon etwas mühsam sein kann. Ist man verbunden, so lassen sich beispielsweise Bilder per E-Mail verschicken, auf den PC kopieren oder bei Facebook posten. Hat man auf seinem Smartphone eine spezielle App installiert, kann man die NEX-6 von diesem aus steuern, so sieht man das Livebild und kann auslösen.

Dinge wie das Posten bei Facebook oder die Fernbedienungsfunktion sind aber nicht etwa fester Bestandteil der NEX-6, sondern sie werden per Kamera-Apps nachgerüstet, die man bei Sony PlayMemories erhält. Einige dieser Apps sind kostenlos wie etwa die Remotefunktion, andere sollen Geld kosten, wie etwa die Profi-Bracketing-Funktion. Preise stehen zwar noch nicht fest, sollen sich aber um fünf Euro je App bewegen. Die Bracketing-App bringt der NEX-6 interessante Reihenaufnahmefunktionen bei, wie etwa eine Fokusreihe oder eine Blendenreihe. So kann man Aufnahmen mit verschieden großer Schärfentiefe oder verschiedener Fokuslage aufnehmen. Traditionelle Belichtungsreihen gehören hingegen zum Standard-Repertoire, die drei Bilder können jeweils von 1/3 bis zu 3 EV auseinander liegen. Sogar HDR-Aufnahmen kann die NEX-6 direkt anfertigen und die Einzelaufnahmen verrechnen, was sehr zuverlässig funktioniert und dennoch einen natürlichen Bildeindruck bewahrt. Serienbilder nimmt die NEX-6 übrigens äußerst flott mit 9 Bildern pro Sekunde auf. Die Anzahl liegt je nach Speicherformat bei bis zu 11 Bildern, so dass actionreiche Szenen gut eingefangen werden können. Außerdem speichert sie einerseits im Hintergrund und andererseits sehr flott, so dass sie stets aufnahmebereit ist.

Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Auch die sonst bei Sony eher sparsamen Bildbearbeitungsfunktionen werden per PlayMemories-Apps erweitert. Eine App bietet etwa kreative Filter wie Colorkey, Miniatureffekt, Retrofoto etc. Eine andere App besitzt Retuschefunktionen wie etwa den automatischen Beschnitt von Porträts, damit diese vom Bildaufbau harmonischer wirken. Auch Farbe, Sättigung, Bildgröße etc. lassen sich mit dieser App ändern. Leider ist PlayMemories nicht für fremde Entwickler offen, das heißt vorerst wird es nur Apps von Sony selbst geben.

Der Blitz der NEX-6 muss mittels Tastendruck aufgeklappt werden, springt aber sehr hoch hinaus. Er besitzt eine recht kleine Leitzahl von knapp 6 und bietet alle üblichen Funktionen wie eine Automatik, Aufhellblitz, Vorblitz zur Reduzierung roter Augen, eine Langzeitsynchronisation sowie das Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang. Hinzu kommt eine Blitzbelichtungskorrektur. Letztere ist allerdings separat im Menü "Helligkeit und Farbe" versteckt. Über den Systemblitzschuh lässt sich ein externer Blitz anschließen. Ein aufgesteckter Sony-Systemblitz kann andere Sony-Systemblitzgeräte drahtlos auslösen. Sony-Kenner werden bemerken, dass Sony nun den ISO-Schuh statt des herstellerspezifischen verwendet. Das bietet Vorteile bei anderem Zubehör, das man nun direkt auf den Schuh stecken kann. Einen Adapter zum alten Sony-/Minolta-Anschluss gehört zum Lieferumfang der Kamera. Der Blitzschuh besitzt neben dem Mittenkontakt vorne eine Reihe von elektronischen Anschlüssen, die andere Hersteller unter dem Blitzschuh platzieren. Hierüber ist Zubehör wie etwa elektronische Sucher, Audioadapter etc. anschließbar. Eine sehr smarte Lösung.

Objektiv Die NEX-6 besitzt den Sony E-Bajonettanschluss, wofür es inzwischen schon eine einigermaßen gute Objektivauswahl gibt. Zusammen mit der NEX-6 hat Sony drei neue Objektive für das NEX-System angekündigt, darunter das neue Setobjektiv SEL-P1650, ein besonders kompaktes Standardzoomobjektiv mit einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 24 bis 75 Millimeter sowie einer Lichtstärke von F3,5-5,6. Das Objektiv ist äußerst kompakt und mit einem hochwertig wirkenden Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Metallgehäuse versehen. Zudem weist es keinen manuellen Zoom auf, gezoomt wird elektronisch. Ein Hebel sowie ein Ring befinden sich als Bedienelemente am Objektiv. Beim Einschalten der Kamera fährt es innerhalb von gut zwei Sekunden in Aufnahmeposition, der herausfahrende Tubus besteht aus Kunststoff und hat nur leichtes Spiel. Dank 40,5 Millimeter großem Filtergewinde lässt sich optisches Zubehör anschließen. Da der Tubus beziehungsweise die Frontlinse nicht mit drehen, sind auch Polfilter bequem nutzbar. Einen Anschluss für eine Streulichtblende gibt es hingegen nicht.

Schlau gelöst ist die Funktion der beiden Steuerelemente: Der Hebel steuert die Zoomstellung, jedoch bietet er nur eine Geschwindigkeit, arbeitet also nicht progressiv. Schade, denn so hätte man mittels geringem Drücken langsam zoomen und mit stärkerem schneller zoomen können. Praktisch ist der Zoomhebel vor allem im Videomodus, um gleichmäßige Zoomfahrten zu ermöglichen. Der breite, geriffelte und griffige Ring steuert ebenfalls das Motorzoom. Schaltet man hingegen auf manuellen Fokus um, so wird mit diesem Ring die Schärfeebene bestimmt. Hierbei bietet die NEX-6 neben einer beim Drehen des Rings automatisch eingeblendeten Fokuslupe auch die Peaking-Funktion an, die scharfe Kanten farbig hervor hebt, was die Platzierung der Schärfeebene vereinfacht. Die Fokuslupe lässt sich über den Bildschirm verschieben und in ihrer Vergrößerung auf 4,8- oder 9,6-fach einstellen.

Der Autofokus arbeitet recht schnell und vor allem zielgerichtet. Das Hybridsystem von Sony funktioniert also offensichtlich sehr gut. 99 Phasen-Sensoren sind direkt auf dem Bildsensor integriert und übernehmen die grobe Vorfokussierung und Richtungsbestimmung, während der Kontrastmodus mit 25 Messpunkten die Feineinstellung erledigt. Dadurch pumpt der Autofokus weniger, was sich vor allem in der Videofunktion positiv bemerkbar macht. Außerdem ist es problemlos möglich, die Kamera auf ein plötzlich auftauchendes Motiv zu richten und ohne große Verzögerung auszulösen, der Fokus sitzt. In dunklen Umgebungen wird der Autofokus von einem orangen LED-Hilfslicht unterstützt. Im Weitwinkel ist der Autofokus mit etwa 0,4 Sekunden recht flott, in Telestellung braucht er hingegen 0,6 Sekunden und ist damit nur noch Mittelmaß. Hervorragend kurz zeigt sich hingegen die Auslöseverzögerung, sie beträgt lediglich 0,02 Sekunden.

Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Bildqualität Zusammen mit dem Setobjektiv SEL-P1650 musste die Sony NEX-6 ihre Bildqualität im digitalkamera.de-Testlabor unter Beweis stellen. Wer sich für die ausführlichen Diagramme und Messergebnisse interessiert, findet diese wie üblich visuell verständlich aufbereitet und mit jeweiligen Erklärungen gegen ein kleines Entgelt über die weiterführenden Links am Ende des Tests. Der APS-C große CMOS-Sensor löst mit seinen 16 Megapixeln für heutige Verhältnisse, in denen oft schon 24-Megapixel-Sensoren zum Einsatz kommen, eher modert auf. Dies kommt dem Signal-Rauschabstand zu Gute, der bis einschließlich ISO 400 bei sehr guten über 40 dB liegt. Bis ISO 6.400 bleibt er im akzeptablen Bereich, bevor er unter die Grenze von 35 dB sinkt. Farbrauschen spielt praktisch keine Rolle und wird allenfalls bei der höchsten Empfindlichkeitsstufe von ISO 25.600 leicht sichtbar. Ähnlich sieht es beim Helligkeitsrauschen aus, das erst bei hohen ISO 6.400 langsam zum Vorschein kommt. Dass die Rauschunterdrückung zu einer mittelgroben Körnigkeit von 2-3 Pixeln führt, fällt daher kaum auf, zumal diese Korngröße bei 16 Megapixeln Auflösung auf einem 20 x 30 Zentimeter großen Abzug ohnehin kaum auffällt. Auch der Dynamikumfang ist mit knapp zehn Blendenstufen (EV) bis ISO 3.200 auf einem guten Niveau, sinkt darüber leicht ab und beträgt bei ISO 12.800 und 25.600 nur noch mittelmäßige 8,5 Blendenstufen. Die Rauschunterdrückung der NEX-6 führt also insgesamt zu einem gleichmäßigen und guten bis sehr guten Bildergebnis über einen großen Empfindlichkeitsbereich. Dabei bleiben feinste Texturen bis einschließlich ISO 800 äußerst scharf, darüber aber sinkt die Texturschärfe spürbar ab. Bei ISO 1.600 ist sie gerade noch gut, ab ISO 3.200 aber werden feine Details weicher und sind bei ISO 6.400 und 25.600 sichtbar unscharf. Interessanterweise schafft es die Kamerabldaufbereitung bei ISO 12.800 noch einmal, die Texturen auf das leicht weich wirkende Niveau von ISO 3.200 anzuheben, um dann bei ISO 25.600 wieder stark einzubrechen.

Sony NEX-6 [Foto: MediaNord]Die weiteren Messwerte der Bildabstimmung zeigen eindeutig, dass die NEX-6 in JPEG auf subjektiv ansehnliche Bilder getrimmt ist, man für die anspruchsvolle Bildbearbeitung also eher in Raw fotografieren sollte. Die Farben sind insgesamt recht gesättigt, was insbesondere auf die warmen Rot- und Orangetöne zutrifft. Die Tonwertkurve verläuft steil, Mittenkontraste sind stark angehoben. Einzig bei den Schärfeartefakten hält sich die NEX-6 angenehm zurück. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 3.200 gut, die tatsächliche Farbtiefe sogar bis ISO 12.800. Die NEX-6 differenziert also feine Helligkeits- und Farbabstufungen über einen großen ISO-Bereich recht fein. Der manuelle Weißabgleich arbeitet wie bei den meisten Kameras so präzise, dass eine Abweichung nur noch messtechnisch, aber nicht mehr visuell wahrgenommen werden kann. Insgesamt kann sich die NEX-6 also bis ISO 800 mit einer sehr guten und bei ISO 1.600 mit einer guten Bildqualität rühmen, während bei ISO 3.200 einige wichtige Messwerte schon stärker in den Keller gehen. Schade, dass die ISO-Automatik bis zu genau diesem Wert arbeitet und sich nicht auf ISO 1.600 begrenzen lässt.

Das 16-50-Millimeter-Objektiv gab im Testlabor auch ein insgesamt guten Bild ab, doch auch hier gibt es ein paar Einschränkungen. Die Auflösung bleibt im Maximum knapp unter der Marke von 40 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm), wobei man aber die sehr zurückhaltende Nachschärfung der NEX-6 berücksichtigen sollte, so dass dieser Auflösungswert sehr ehrlich und wenig geschönt ist. Die beste Blende liegt bei F8, die beste Brennweite ist 28 Millimeter (beziehungsweise 42 Millimeter Kleinbildäquivalent). In Telestellung liegt die Auflösung leicht hinter der mittleren Brennweite. Bei 28 und 50 Millimeter fällt die Auflösung am Bildrand nur leicht ab. Die Achillesferse des Objektivs liegt im Weitwinkel. Zwar löst das Bildzentrum quasi genauso hoch auf wie bei 28 Millimeter, aber der Auflösungsverlust am Bildrand beträgt rund 50 Prozent. Eine mögliche Erklärung dafür ist die Kompensation der Verzeichnung. Diese ist messtechnisch sehr gering, manchmal erhascht man aber auf dem Livebild beim Einschalten der Kamera einen Blick auf das unkorrigierte Bild und sieht, was die Kompensation hier am Bildrand leisten muss. Eine so kompakte Bauweise ist leider auch kompromissbehaftet. Immerhin fallen diese Randunschärfen nur bei sehr Sony NEX-6 Speicherkartenfach und Akkufach [Foto: MediaNord]großen Ausdrucken deutlich über 20 x 30 Zentimeter auf. Neben der Verzeichnung sind auch die Randabdunklung (maximal 0,7 Blendenstufen) und chromatische Aberrationen gering. Letztere liegen im Durchschnitt deutlich unter 0,5 Pixeln, im Maximum erreichen sie gerade Mal ein Pixel. Aber auch diese Werte sind von der Kamera bereits korrigiert.

In der freien Wildbahn bietet die NEX-6 eine sehr gute Bildqualität mit einem anständigen Dynamikumfang und niedrigem Rauschen. Das 16-50-Millimeter-Objektiv weist nur sehr geringe Farbsäume auf und liefert eine hohe Bildschärfe, dessen Auflösungsverlust im Weitwinkel zum Bildrand hin in der Praxis weniger stört als es der Labortest suggeriert. Der Weißabgleich arbeitete im Praxiseinsatz zuverlässig, auch Farben gibt die NEX-6 angenehm und leicht geschönt wieder, ohne einzelne Farbtöne in Bonbon-Manier zu sehr zu betonen.

Fazit Die Sony NEX-6 ist eine äußerst gelungene spiegellose Systemkamera, die die Lücke zwischen der NEX-5R und NEX-7 optimal ausfüllt. Sie bietet kompakte Abmessungen bei einer hervorragenden Verarbeitung und Ergonomie, die in einigen Details allerdings durchaus noch verbessert werden könnte. Hervorragend ist der äußerst hoch auflösende OLED-Sucher, der sich zudem perfekt ins Gehäuse integriert. Der neue Autofokus mit auf den Sensor integrierten Phasensensoren überzeugt vor allem bei Videos durch das deutlich verringerte Pumpen, könnte aber bei Fotos gerade im Telebereich gerne schneller sein. Auch die Bildqualität bewegt sich auf einem gewohnt hohen Niveau. Das neue 16-50-Millimeter-Setobjektiv ist nicht nur kompakt und ebenfalls sehr gut verarbeitet, sondern hat auch eine anständige Bildqualität mit geringen Farbsäumen, niedriger Verzeichnung und guter Auflösung, die allerdings im Weitwinkel zum Bildrand hin stark abfällt.

Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell NEX-6
Preis ca. 950 EUR**
Sensor Auflösung 16,1 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.912 x 3.264
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv 16-50 mm 3.5-5.6 OSS PZ
Filtergewinde 40,5 mm
Sucher elektronisch
  Sichtfeld 100 %
  Vergrößerung
1,09-fach
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich -4 bis +1 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 921.600
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 5
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 5,8 (Messung)
  Blitzanschluss Standard-Systemblitzschuh
Fernauslöser Infrarot (optional)
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MemoryStick
Videomodus
  Format AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  Bildfrequenz (max.) 50p
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 100-3.200
  manuell ISO 100-25.600
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
25 bzw. 99
  AF-Hilfslicht orange
  Geschwindigkeit ca. 0,4-0,6 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit 2 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 340 g (nur Gehäuse)
ca. 460 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 11 (JPEG)
9 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
9,1 (JPEG)
9,0 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
2,3 (JPEG)
1,1 (RAW)
  mit Blitz ja
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele 1,8 s
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 1,2 s (6,5 MByte)
  RAW 2,0 s (16,1 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 360 Bilder (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Sony 16 GByte 94 MB/s Class 10 SDHC Speicherkarte
** mit Objektiv Sony 16-50 mm 3.5-5.6 OSS PZ

Kurzbewertung

  • Hoch auflösender Sucher mit hellem Bild
  • Zahlreiche Spezialfunktionen mit Erweiterungsmöglichkeiten durch WLAN und Apps
  • Hervorragende Verarbeitung bei kompakten Abmessungen und guter Ergonomie
  • Klappbarer, heller Bildschirm
  • Augenscheinlich gute Bildqualität
  • Die zwei Bedienräder werden nicht konsequent unabhängig genutzt
  • Teilweise gewöhnungsbedürftige und etwas unübersichtliche Menüs
  • Videofunktion mit nur eingeschränkten Auflösungseinstellungen

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 93 %
Ausstattung 12,5 % 97 %
Handhabung 12,5 % 92 %
Geschwindigkeit 12,5 % 91 %
Bildqualität 50,0 % 92 %
Gesamtnote 93 %