Testbericht

Sony Cyber-shot DSC-RX100 II

2013-08-20 Klein, aber oho – das galt bereits für die Sony RX100, der jetzt die RX100 II folgt. Am Grundkonzept hat Sony nichts geändert: Im schicken Gehäuse werkelt ein vergleichsweise üppig dimensionierter 1-Zoll-Sensor, das 3,6fach-Zoom ist zumindest bei Anfangsbrennweite sehr lichtstark. Neu hinzugekommen sind bei der RX100 II unter anderem ein klappbares Display sowie ein multifunktionaler Blitzschuh. Auch unter der Haube hat sich einiges getan: Der Sensor ist nun in lichtempfindlicher BSI-Technologie ausgeführt, zudem kommuniziert die RX100 II via WiFi mit einem Smartphone oder anderem Gerät im Netzwerk. Wie sich die derart aufgewertete RX100 II in der Praxis sowie im Testlabor von digitalkamera.de schlägt, klärt unser ausführlicher Testbericht.  (Martin Vieten)

Sony DSC-RX100 II [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Ein Hersteller, der derzeit noch erfolgreich Kompaktkameras verkaufen möchte, muss schon etwas Besonderes bieten. Zu groß ist heute die Konkurrenz durch Smartphones, die in nahezu jeder Hosen- oder Handtasche stecken und stets für eine Fotoaufnahme zu Diensten stehen. Das Besondere an der RX100 II: Unter ihrer mattschwarzen Metallhülle nimmt ein für ihre Verhältnisse üppig dimensionierter 1-Zoll-Sensor Fotos und Videos auf (mehr dazu im Abschnitt Bildqualität). Geblieben ist es weitgehend bei dem edlen Metallgehäuse, das die RX100 II rund 280 Gramm schwer macht. Eine kleine Neuerung fällt indes bereits beim Auspacken auf: Die RX100 II trägt nun einen kleinen Buckel auf der Oberseite, ihn bildet der neue Multi-Interface-Zubehörschuh. Ganz so schnörkellos glatt wie noch ihre Vorgängerin ist die RX100 II also nicht mehr. Zudem ist sie um ein paar Millimeter dicker geworden. Den Grund dafür liefert das Display: Es ist mit einem Doppelscharnier angeschlagen, an dem es sich um fast 90 Grad nach oben und um annähernd 45 Grad nach unten klappen lässt. Die Vorteile dieses Klappmechanismus wiegen den damit einhergehenden Größenzuwachs mehr als auf. Nicht nur, dass mit der RX100 II auch Aufnahmen über Kopf oder mit der Kamera in Bodennähe ohne mühevolle Verrenkungen möglich werden – das Display lässt sich stets in eine Lage bringen, in der es nicht das helle Sony DSC-RX100 II  [Foto: MediaNord]T-Shirt des Fotografen widerspiegelt. Diese Gefahr besteht indes nur bei wirklichem sehr hellem Umgebungslicht, ansonsten passt die RX100 II die Displayhelligkeit sehr gut automatisch an die Lichtverhältnisse an. Überhaupt macht das Display einen guten Eindruck, es löst mit rund 1,23 Millionen Bildpunkten ausgesprochen fein auf. Für beste Aufnahmeergebnisse lassen sich diverse Hilfsmittel einblenden, etwa ein Gitternetz, eine elektronisch Wasserwaage oder ein Live-Histogramm. Wer partout nicht mit dem Blick aufs Display fotografieren will, bekommt mit der RX100 II nun eine Alternative: In ihren Zubehörschuh lässt sich unter anderem der hervorragende elektronische Sucher EV1MK aufstecken – die RX100 II wächst also auf Wunsch mit den Ansprüchen des Fotografen.

So angenehm klein und handlich die RX100 II ist – am Kameragehäuse fanden naturgemäß nur wenige und arg kleine Bedienelemente Platz. Dennoch lässt sich die Kamera im Wesentlichen flott bedienen. Dazu trägt zunächst einmal der Moduswähler bei, der schnell mit dem Daumen in die gewünschte Stellung gedreht ist. Zudem hat Sony die RX100 II mit einem Sony DSC-RX100 II  [Foto: MediaNord]frei konfigurierbaren Schnellmenü ausgestattet. Es nimmt bis zu sieben Funktionen aus einer Liste mit 17 Parametern auf – von ISO-Einstellung über SoftSkin-Effekt bis hin zum AF-Modus. Ganz ähnlich lassen sich weitere Knöpfe und Taster an der RX100 II mit den bevorzugten Funktionen belegen. Erleichtert wird die Bedienung zudem durch ein feinfühlig rastendes Wählrad auf der Rückseite, das gleichzeitig als Vierwegewippe fungiert. Doch damit nicht genug, die RX100 II wartet mit einem zweiten Einstellring auf, der das Objektiv an der Wurzel umschließt. Auch dieser Objektivring kann vielfältige Funktionen übernehmen, etwa die Belichtungskorrektur, die manuelle Entfernungseinstellung oder – und das ist neu – zum Zoomen in fünf festen Stufen dienen. Dabei arbeitet der Ring selber stufenlos, eine taktile Rückmeldung über die geänderten Werte liefert er leider nicht. Bis zu drei besonders häufig benötigte Kamerakonfigurationen lassen sich im Benutzerspeicher der RX100 II ablegen und schnell über das Moduswählrad abrufen. Hat man die Kamera erst einmal passend zu seinen Bedürfnissen eingerichtet, wird nur noch selten der Weg ins Hauptmenü nötig. Falls doch einmal, findet man sich darin gut zurecht. Wie von Sony nicht anders gewöhnt, ist das Menü gut strukturiert, statt ellenlanger Listen gibt es übersichtliche Register.

Sony DSC-RX100 II  [Foto: MediaNord]Rechts am Gehäuse verbergen sich unter zwei fest schließenden Plastikklappen ein Multi-USB-Anschluss sowie der HDMI-Ausgang. Die USB-Buchse dient nicht nur zur Datenübertragung, sie nimmt auch die optionale Kabelfernbedienung RM-VPR1 auf. Die Klappen schließen zumindest bei unserem Testmodell derart stramm, dass sie etwas mühsam zu öffnen sind. Akku und Speicherkarten nimmt ein Fach auf, das von der Unterseite her zugänglich ist. Es wird von einer Klappe verschlossen, der Sony ein ordentliches Metallscharnier nebst Feder spendiert hat. Der Akku liefert Energie für maximal 350 Aufnahmen (gemessen nach CIPA-Standard). Aufgeladen wird er via USB-Buchse in der Kamera, was keine so gute Idee ist. Wer die RX100 II intensiv nutzt, sollte ihr besser ein externes Ladegerät zur Seite stellen – dann kann ein leerer Akku aufgeladen werden, während ein frischer Zweitakku die Kamera schon wieder bereit für neue Aufnahmen macht.

Sony DSC-RX100 II – Live-View [Foto: Martin Vieten]
Sony DSC-RX100 II – Aufnahmemodus [Foto: Martin Vieten]
Sony DSC-RX100 II – Belichtungsreiheneinstellung [Foto: Martin Vieten]
Sony DSC-RX100 II – Funktionseinstellung der Display-Taste [Foto: Martin Vieten]
Sony DSC-RX100 II – ISO-Einstellung [Foto: Martin Vieten]
Sony DSC-RX100 II – Benutzerspeicher [Foto: Martin Vieten]
Sony DSC-RX100 II – Dynamikbereichsoptimierung (DRO) [Foto: Martin Vieten]
Ausstattung Schon der Blick auf den Moduswähler verrät, dass die RX100 durchaus auch ambitionierte Fotografen im Visier hat, die auch einmal mit der Programmautomatik oder gar manueller Belichtung fotografieren möchten. Dennoch hält die edle Kompaktkamera alles bereit, was Gelegenheitsfotografen das Leben leichter macht. Dazu zählen gleich zwei Vollautomatiken, die passend zur Situation das geeignete Motivprogramm wählen. Die Über-Automatik iAUTO+ greift dabei auch auf Programme zurück, die die Bildqualität durch Mehrfachaufnahmen verbessern – dazu gleich noch mehr. Schön ist, dass sich die Vollautomatiken bei Bedarf übersteuern lassen – der Fotograf kann Blende, Belichtung, Farbtemperatur und -sättigung anpassen. Diese Möglichkeit fehlt leider, wenn man gezielt eines der 14 Motivprogramme vorgibt. Ebenfalls an Bord hat die RX100 II eine Schwenkpanorama-Funktion, die ein komplettes Breitwandbild aufzeichnet, während die Kamera über die Szenerie geschwenkt wird.

Personenaufnahmen erleichtert die RX100 II mit einer Gesichtserkennung beziehungsweise Gesichtswiederkennung. Ist letztere aktiviert, fokussiert die Kamera bevorzugt auf bekannte Gesichter – bis zu acht Konterfeis lassen sich im internen Speicher ablegen, das Verfahren dazu ist indes etwas umständlich. Praktisch ist dagegen, dass die Gesichtserkennung nicht nur im Zusammenspiel mit den Automatiken funktioniert, sondern auch im PASM-Modus. Das gilt auch für die Sonderfunktionen per Mehrfachaufnahmen: Die HDR-Funktion kombiniert drei unterschiedlich belichtete Aufnahmen zu einem Bild mit perfekt durchgezeichneten Lichtern und Tiefen, die Multiframe-Rauschunterdrückung verschmilzt gleich sechs Aufnahmen derart, dass Bildrauschen besonders effektiv unterdrückt wird. Es liegt auf der Hand, dass sich beide Funktionen nur für statische Motive eignen. Dann aber liefern sie beeindruckende Ergebnisse: Mit der Multiframe-Rauschunterdrückung gewinnt man mindestens eine ISO-Stufe, die HDR-Funktion meistert auch sehr kontrastreiche Gegenlichtsituationen souverän. Wer lieber Belichtungsreihen aufnimmt und die Einzelbilder dann per HDR-Software weiterverarbeitet, wird von der RX100 II allerdings recht stiefmütterlich behandelt: Gerade einmal 0,7 EV beträgt die maximale Spreizung beim Bracketing, das stets auf drei Aufnahmen beschränkt ist. Dabei geht die RX100 II doch flott zur Sache, wenn Serienaufnahmen gefordert sind: In JPEG zeichnet sie rund sieben Fotos pro Sekunde (fps) auf, in RAW sind es immerhin noch gut 4 fps.

Der übrige Funktionsumfang der RX100 II würde auch einer Einsteiger-DSLR gut zu Gesichte stehen: Die Ober- und Untergrenze der ISO-Automatik können frei gewählt werden, die RX100 II wartet mit einer Reihe anpassbarer Bildstile (und den unvermeidlichen Kreativ-Effekten) auf und bei Bedarf zeichnet sie auch im RAW-Format auf – um nur einige Beispiele zu nennen. Äußerst sparsam zeigt sich Sony hingegen auch bei der RX100 II mit Bearbeitungsfunktionen im Wiedergabemodus. Im Prinzip gilt: Was bei der Aufnahme nicht vorgegeben war, lässt sich auch nachträglich nicht mehr auf die Fotos anwenden. Dafür bietet die RX100 II nun professionelle Funktionen zur Blitzbelichtung. Nicht dass ihre Vorgängerin hier schlecht ausgestattet gewesen wäre, aber die Neue ist ihr einen entscheidenden Schritt voraus: Sie bietet den neuen Multi-Interface-Zubehörschuh, den Sony im letzten Herbst eingeführt hat. Mechanisch und elektrisch entspricht er einem ISO-Schuh, er ist jedoch ferner mit über 30 zusätzlichen Mikrokontakten ausgestattet. Dieser Zubehörschuh nimmt nun jedes Systemblitzgerät von Sony auf (via Adapter auch ältere Geräte, die noch mit dem sogenannten Minolta-Schuh ausgestattet sind). Wenn also einmal das integrierte Bordblitzchen der RX100 II mit seiner bescheidenen Leitzahl 5,2 nicht genügend Licht liefern sollte, lässt sich die RX100 II einfach aufrüsten. Sie unterstützt sogar die Steuerung drahtlos angebundener Blitzgeräte, allerdings kann der Bordblitz dabei nicht als Master dienen. Dafür wartet das Blitzsystem der RX100 II mit einem anderen Schmankerl auf: Ein externes Blitzgerät lässt sich mit jeder Belichtungszeit bis herab zu 1/2.000 s synchronisieren – der Zentralverschluss der Kamera macht’s möglich.

Die Video-Funktion der RX100 II lassen kaum Wünsche offen: Die Kamera filmt in Full-HD-Auflösung mit einer hohen Bildrate von 50 Vollbildern/Sekunde, aufgezeichnet wird im zukunftsweisenden AVCHD-Format. Den Ton nimmt sie in Stereo auf. Wer erhöhte Ansprüche an die Tonqualität stellt, kann über den Multi-Interface-Schuh das externe Stereomikrophon ECM-XYST1M anschließen. Bei Filmaufnahmen stellt die RX100 II nahezu alle Funktionen zur Verfügung, die sie auch für Fotoaufnahmen bietet – also beispielsweise sämtliche Belichtungsmodi. Den Fokus führt die Kamera zwar etwas gemächlich aber ohne lästiges Pumpen nach. Zoomfahrten sind ebenfalls möglich, wobei der Brennweitenbereich bei Filmaufnahmen langsamer durchfahren wird. Wer während der Videoaufzeichnung ein Foto benötigt, drückt einfach den Auslöser – die RX100 II nimmt dann ein Bild in voller Auflösung auf, allerdings im Seitenformat 16:9.

Ebenfalls neu bei der RX100 II: Die Kamera lässt sich via WiFi mit einem Smartphone verbinden, ebenso mit einem Computer oder DLNA-fähigen TV-Gerät im Drahtlos-Netzwerk. Besonders praktisch dabei ist, dass die RX100 II NFC beherrscht – damit wird die Kontaktaufnahme zwischen Kamera und Smartphone zum Kinderspiel: Einfach beide Geräte aneinander halten, und schon werden die zuvor ausgewählten Aufnahmen übertragen. Noch mehr Möglichkeiten gibt es, wenn die kostenlose App PlayMemories Mobile (für Android und iOS) auf dem Smartphone installiert ist. Dann lässt sich die RX100 II vom Smartphone aus fernsteuern und überträgt auf Wunsch jede neue Aufnahme aufs Mobilgerät.

Objektiv Das Objektiv übernimmt die RX100 II unverändert von ihrer Vorgängerin. Bezogen auf das Kleinbildformat zoomt es von 28 bis 100 Millimeter, noch näher holt das Digitalzoom der RX100 weit Entferntes heran. Beeindruckend ist die Lichtstärke des Carl-Zeiss-Objektivs – zumindest im Weitwinkel: Sie reicht von F1,8 bis F4,9. Das ermöglicht in vielen Situationen verwacklungsfreie Verschlusszeiten beziehungsweise rauscharme ISO-Werte, das Freistellpotential ist indes begrenzt: Bedingt durch den relativ kleinen Bildsensor liefert Blende F4.9 bei 100 Millimeter Brennweite eine Schärfentiefe wie ca. F13 am Kleinbild-Sensor. Von Vorteil wäre die bereits bei kleiner Blendenzahl große Schärfentiefe bei Makro-Aufnahmen. Dem steht indes entgegen, dass die Naheinstellgrenze bei 100 Millimeter Brennweite rund 50 Zentimeter beträgt – daraus ergibt sich ein maximaler Abbildungsmaßstab von ca. 1:4. Bei kürzester Brennweite steigt der Abbildungsmaßstab dank der dann sehr kurzen Naheinstellgrenze auf fast 1:1 – doch wer möchte schon Makros mit einem Sony DSC-RX100 II [Foto: MediaNord]Weitwinkel aufnehmen?

Der Autofokus stellt das Objektiv nahezu lautlos auf die geeignete Aufnahmeentfernung ein, dabei erwies er sich mit 0,4 Sekunden im Testlabor als für eine Kompaktkamera recht flott. Im Schummerlicht eines bayrischen Wirtshauses verlängert sich die Fokuszeit indes spürbar, obwohl die RX100 II unter derart widrigen Lichtbedingungen ein oranges AF-Hilfslicht zuschaltet. In der Betriebsart „Flexible Spot“ unterteilt die RX100 II den Bildausschnitt in 181 Messfelder, jedes lässt sich einzeln anwählen. Aber mit der RX100 II lässt sich auch manuell fokussieren, sogar recht komfortabel. Die Entfernung wird dazu am Objektivring eingestellt, die Kamera unterstützt einen dabei mit einer Fokuslupe sowie mit Fokus-Peaking. Diese Funktion hebt Kontrastkanten in der Schärfeebene farbig hervor. Schade nur, dass Fokus-Peaking nicht in der Lupenansicht funktioniert. Dennoch lässt sich mit der RX100 II flott und bequem von Hand scharf stellen. Auf ein Filtergewinde am Objektiv verzichtet die RX100 II weiterhin, es lässt sich aber über einen neuen Adapter nachrüsten.

Bildqualität Wie bereits bei der Vorgängerin setzt Sony bei der RX100 II weiterhin auf einen Bildsensor im 1-Zoll-Format (13,2 x 8,8 Millimeter, 15,9 Millimeter diagonal), der mit rund 20 Megapixeln sehr hoch auflöst. Ungeachtet der hohen Pixeldichte löste bereits die Bildqualität die RX100 helle Begeisterung aus – vor allem auch in ISO-Sphären, die üblicherweise für Sony DSC-RX100 II  [Foto: MediaNord]Kompaktkameras unerreichbar sind. Bei der neuen RX100 II hat Sony das Sensordesign nochmals verbessert: Der Bildwandler ist nun in BSI-Technologie ausgeführt, die Verdrahtung liegt hier nicht vor den lichtempfindlichen Zellen, sondern dahinter. Laut Sony nimmt dadurch die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors bei der RX100 II um ca. 40 Prozent zu. Als maximale Empfindlichkeit kann nun ISO 12.800 gewählt werden, bei der Vorgängerin war dagegen bei ISO 6.400 Schluss. Ob diese Neuerung die Bildqualität der RX100 II steigern kann? Dieser Frage und wie es ganz allgemein um die Bildqualität der Kamera bestellt ist, sind wir im Testlabor von digitalkamera.de nachgegangen. Wie stets kann das detaillierte und ausführlich kommentierte Testprotokoll gegen ein kleines Entgelt eingesehen und als PDF-Datei heruntergeladen werden (siehe weiterführende Links am Ende dieses Testberichts).

Bereits die Durchsicht der ersten Aufnahmen aus der täglichen Fotopraxis lässt einen kaum glauben, dass diese Bilder lediglich mit einer Kompaktkamera entstanden sind: Die Fotos sind sehr detailreich, zeigen praktisch keine Störungen und gefallen mit ihrer weitgehend neutralen Farbwiedergabe sowie einem großen Tonwertreichtum. Auch der Laborbericht scheint eher von einer ausgewachsenen DSLR zu stammen – doch der Reihe nach: Bildrauschen hat die RX100 II bis hinauf zu ISO 6.400 derart gut im Griff, dass etwaige Zweifel über die hohe Pixeldichte sofort ausgeräumt sind. Der Signal-Rauschabstand beträgt bis ISO 800 gute 40 dB oder mehr. Er fällt mit steigender ISO-Zahl nur sehr schwach ab, die kritische Grenze von 35 dB wird nicht einmal bei maximalen ISO 12.800 erreicht, geschweige denn gar unterschritten. Das besonders lästige Farbrauschen bleibt über den gesamten Sony DSC-RX100 II [Foto: MediaNord]Empfindlichkeitsbereich kaum sichtbar, Luminanzrauschen nimmt erst ab ISO 3.200 etwas stärker zu, bleibt aber bis hinauf zur Maximal-Empfindlichkeit von ISO 12.800 stets im grünen Bereich. Wenn überhaupt, lässt die RX100 II nur ein überaus feines Rauschen zu, das visuell nicht im Geringsten auffällt oder gar stört. Dieses exzellente Rauschverhalten ist indes nicht zum Nulltarif zu haben, es geht etwas zu Lasten der Texturschärfe. Sie ist bis ISO 800 hervorragend, bis ISO 3.200 immer noch befriedigend. Bei noch höheren ISO-Werten wirken die Fotos dann sichtbar weich und büßen Details ein. Im Vergleich zur Vorgängerin spielt der neue BSI-Sensor der RX100 II seine Stärken vor allem bei Empfindlichkeiten jenseits der ISO 1.600 aus, wo er in Sachen Rauschen und Detailwiedergabe um rund eine ISO-Stufe besser ist.

Bis hinauf zu ISO 6.400 verarbeitet die RX100 II einen Motivkontrast von 9,5 bis 10 Blendenstufen (EV) – keine Spitzenleistung, aber unterm Strich doch eine mehr als ordentliche Eingangsdynamik. Auf Top-Niveau liegt dagegen die Ausgabedynamik: Der Tonwertumfang bleibt bis ISO 800 bei rund 7,75 Bit /Kanal, die kritische Grenze von 7 Bit/Kanal wird nicht einmal bei Maximalempfindlichkeit erreicht. Wenn es überhaupt etwas an der Bildaufbereitung der RX100 II zu kritisieren gibt, dann am ehesten noch bei der Farbtreue: Cyantöne verschiebt sie leicht Richtung Magenta, Orangetöne werden einen Tick zu kräftig gesättigt. Puristen werden sich zudem noch etwas weniger Schärfeartefakte wünschen, obgleich es die RX100 II beim Nachschärfen keineswegs übertreibt. Doch wer es ganz genau nimmt, kann mit der RX100 II ja auch im RAW-Format aufnehmen. Dann stehen einer Schärfe und Rauschunterdrückung nach Maß sowie einer exakten Farbreproduktion nichts mehr im Wege – zumal der Weißabgleich der Kamera sehr genau arbeitet.

Sony DSC-RX100 II Speicherkartenfach und Akkufach [Foto: MediaNord]Der Bildwandler und BIONZ-Prozessor zur Bildaufbereitung der RX100 II liefern Ergebnisse ab, die für eine Kompaktkamera überragend sind – ohne Wenn und Aber! Kann da die Abbildungsleistung des Objektivs mithalten? Auf alle Fälle tadellos gibt sich das Zoomobjektiv von Zeiss in Sachen Verzeichnung, die Abweichungen vom Original liegen nahe der Messgrenze. Völlig unkritisch ist auch die Randabdunklung, das Objektiv vignettiert mit maximal 0,5 EV zwar messbar, jedoch keineswegs sichtbar. Ebenso gibt es keine Probleme mit chromatischen Aberrationen – zumindest nicht bei kürzester und mittlerer Brennweite. Lediglich im Telebereich können am Bildrand Farbsäume sichtbar werden, ihr Umfang bleibt indes so gerade noch unter der kritischen Größe von zwei Pixeln.

In der wichtigsten Disziplin, der Auflösung, muss das Carl-Zeiss-Objektiv dann aber ein paar Federn lassen. Im Bildzentrum löst die Optik über den gesamten Brennweitenbereich hinweg mit mehr als 40 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) noch hoch auf, an den Bildrändern schwächelt sie jedoch etwas. Der Auflösungsverlust zu den Randzonen hin beträgt im Mittel gut 20 Prozent und ist insbesondere im Weitwinkelbereich bei kleiner Blende ausgeprägt. Die ausgewogenste Auflösung erzielt die RX100 II bei 28 Millimeter mit F2.8, bei 100 Millimeter mit F8. Weiter sollte man auf keinen Fall abblenden, weil dann das Auflösungsvermögen aufgrund von Beugungseffekten deutlich abnimmt.

Fazit Schon der RX100 haben wir mit Fug und Recht den Titel „König unter den Kompaktkameras“ zugesprochen, doch die Kaiserkrone gebührt unangefochten der neuen RX100 II. Mag die eine oder andere Kamera ihrer Klasse in dieser oder jener Disziplin vielleicht noch einen Tick besser sein – in der Summe der Eigenschaften kann keine der RX100 II das Wasser reichen. Ihre Bildqualität ist absolut betrachtet bis ISO 3.200 sehr hoch und praktisch auf DSLR-Niveau, für eine Kompaktkamera ist sie überragend. Der neue Multi-Interface-Zubehörschuh sowie das jetzt klappbare Display räumen mit den wichtigsten Kritikpunkten an der Vorgängerin auf und haben sich in der Praxis als sehr wertvolle Bereicherung erwiesen. Punkten kann die RX100 II zudem mit ihrer WiFi-Konnektivität inklusive kinderleicht zu handhabendem NFC. Dem Fotografen schmeichelt die RX100 II nicht nur mit ihrem schicken Design, sie verwöhnt ihn auch mit einem sehr großen Funktionsumfang – letzteres gilt ausdrücklich auch für Videoaufnahmen. Dabei ist sie trotz ihrer wenigen und kleinen Bedienelemente relativ gut zu handhaben, auch weil sie sich sehr flexibel an die eigenen Bedürfnisse und Vorlieben anpassen lässt. Wer mit dem etwas eingeschränkten Zoombereich des Objektivs leben kann, findet derzeit zur RX100 II kaum eine Alternative. Einziges Manko: Für die RX100 II muss man tief in die Tasche greifen, zu ihrem Preis gibt es bereits eine ordentliche Systemkamera oder DSLR. Wer auf die neuen Features der RX100 II verzichten kann, findet derzeit noch in der Vorgängerin eine deutlich günstigere Alternative – bis auf weiteres bleibt die RX100 im Lieferprogramm von Sony.


Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell DSC-RX100 II
Preis ca. 730 EUR
Sensor Auflösung 20,2 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.472 x 3.648
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv F1,8-4,9/28-100mm
Filtergewinde optional
Sucher optional (EVF)
  Dioptrienkorrektur
  Auflösung
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.229.000
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher k. A.
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 9
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 5,2 (Messung)
  Blitzanschluss Multi-Interface-Zubehörschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC oder MemoryStick Pro Duo
Videomodus
  Format AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 50p
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 100-12.800
(Unter- und Obergrenze einstellbar)
  erweitert ISO 25.600 (mit Multishot-NR)
  manuell ISO 100-12.800 (ISO 25.600 mit Multishot-NR)
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Wahl der Farbtemperatur, Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
181
  AF-Hilfslicht Rot-orange
  Geschwindigkeit 0,4-0,5 s
Sprachen Deutsch
  weitere 15
Einschaltzeit 2,9 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
ja
Gewicht
(betriebsbereit)
281 g
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl
15 (JPEG)
13 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
6,8 (JPEG)
4,1 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,5 (JPEG)
0,7 (RAW)
  mit Blitz ja
Zoom
  Zoomverstellung motorisch über Ringwippe
  Zoomstufen stufenlos, optional 5
  Zeit WW bis Tele 1,8 s
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 0,3 s (7,2 MByte)
  RAW 0,9 s (19,9 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 350 Bilder (gem. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit 8 GByte Sony Class 10 SDHC Speicherkarte

Kurzbewertung

  • Dank Multi-Interface-Schuh sehr gut zu erweitern
  • Trotz kleiner Bedienelemente noch gute Ergonomie
  • Hervorragend verarbeitetes, schickes Gehäuse
  • Überragende Bildqualität (für eine Kompaktkamera)
  • Eingeschränkte Bracketing-Funktion
  • Keine Bildbearbeitungsfunktionen im Wiedergabemodus
  • Akku kann (mit Zubehör aus dem Lieferumfang) nur in der Kamera geladen werden (externes Ladegerät lediglich optional erhältlich)
  • Etwas eingeschränkter Zoombereich

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 96 %
Handhabung 12,5 % 94 %
Geschwindigkeit 12,5 % 90 %
Bildqualität 50,0 % 97 %
Gesamtnote 95 %