Kompakttest

Sony Cyber-shot DSC-HX1

2009-06-29 So massiv die Sony Cyber-shot DSC-HX1 rein äußerlich wirkt, so viele Funktionen verstecken sich in ihrem Inneren, allen voran das optische 20fach-Zoom, das eine umgerechnete Brennweite von 28 bis 560 mm erreicht. Vorteile für ambitionierte Hobbyfotografen sind die manuelle Steuerung und die üppigen weiteren Einstellungsmöglichkeiten. Im Labortest war die Sony für eher ungewöhnliche Ergebnisse gut. Einer ihrer Pluspunkte ist die Geschwindigkeit, darunter auch der High-Speed-Modus, der zehn Bilder pro Sekunde möglich macht. Dass mehr zu einer hervorragenden Kamera gehört als eine exzellente Ausstattung, musste die Sony HX1 in unserem Test beweisen.  (Daniela Schmid)

Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Rein äußerlich betrachtet, kann man die HX1 kaum als designtechnische Meisterleistung loben. Gerade der solide Griff auf der rechten Seite trägt zu einem klobigen Erscheinungsbild bei, hilft aber, die Kamera immer gut festhalten zu können. Man muss allerdings aufpassen, das AF-Hilfslicht dabei nicht zu überdecken. Der Griff bietet auf seiner Oberseite Platz für Bedienelemente wie das Moduswahlrad, die Fokus- und die High-Speed-Taste sowie den Auslöser mit Zoomring. Auch der Ein- und Ausschalter ist oben, ebenso wie der Umschalter von LCD auf den elektronischen Sucher. Hinter dem Klappblitz, der auch Langzeitsynchronisation ermöglicht, befindet sich das Stereomikrophon, auf der Rückseite die Menütaste und die Kippschalter für die Navigation. Auf der Schräge der Kamera zwischen Ober- und Rückseite sind die Wiedergabe- und die C-Taste für Anpassungen angeordnet. Abgerundet werden die Bedienelemente durch ein Jog-Einstellrad rechts neben diesen Tasten, das gut mit dem Daumen bedienbar ist.

Ein Highlight der HX1 ist sicher der 3,0 Zoll große Monitor auf der Rückseite. Er löst zwar nur 230.000 Bildpunkte auf, kann aber herausgeklappt und nach oben und unten geschwenkt werden. Die Seitwärtsbewegung fehlt leider, aber für ungewöhnliche Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]Perspektiven über Kopf oder aus Bodennähe reicht es. Die Helligkeit des Displays lässt sich an das Umgebungslicht anpassen. Alternativ dazu gibt es einen elektronischen Sucher, der einen ordentlichen Eindruck macht und auch eine Dioptrienkorrektur bietet. Ein Histogramm kann man zusammen mit anderen Informationen oder Gitterlinien sowohl im Sucher als auch auf dem Bildschirm ein- oder ausblenden.

Die Klappe für Speicherkarten des Typs Memory Stick Duo oder Pro Duo und den Akku befindet sich an der Unterseite des Griffs, das Stativgewinde knapp daneben. Besitzer eines HDMI-Kabels können Filme und Fotos am Fernseher betrachten. Wer innerhalb des Systems Sony bleibt – sprich einen Bravia-Full-HD-Fernseher besitzt – der kann mit dessen Fernbedienung auch die Kamera steuern. Der Multi- und DC-IN-Anschluss sind an der linken Kameraseite platziert. Die Schutzklappen sitzen relativ stramm, und man muss beim Öffnen aufpassen. Insgesamt wirkt die HX1 jedoch sehr solide verarbeitet. Auch das Bedienkonzept ist einleuchtend.

Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]Ausstattung Kernstück der Kamera ist der 9,1 Megapixel auflösende CMOS-Sensor, der in Zusammenarbeit mit dem Prozessor einige Besonderheiten möglich macht. Da wäre zum einen die Panoramafunktion – ein echter Leckerbissen. Selten war es einfacher, entsprechende Panoramen auf die Speicherkarte zu bannen. Das Einzige, was man tun muss, ist, das Moduswahlrad auf Panorama zu stellen, auszulösen und die Kamera in der entsprechenden Richtung zu schwenken. Das funktioniert horizontal und vertikal, wobei die jeweilige Bewegungsrichtung festgelegt werden kann. Einzig die Gesamtauflösung der Panoramen lässt zu wünschen übrig. Zu den weiteren großen Pluspunkten der HX1 zählt ihre Hochgeschwindigkeitsfunktion. Es sind wahlweise zehn, fünf oder zwei Bilder in einer Sekunde möglich. Nach zehn Aufnahmen allerdings muss die HX1 die Bilder auf die Speicherkarte schreiben. Das dauert, und in dieser Zeit sind keine weiteren Aufnahmen möglich. Die Speicherung benötigt auch nicht wesentlich weniger Zeit, wenn nur zwei von zehn Bildern ausgelöst werden. Die Hochgeschwindigkeitsfunktion kommt noch bei drei weiteren Anwendungen zum Tragen. Stellt man auf Bracketing, nimmt die HX1 rasch drei Bilder hintereinander auf: ein normal Belichtetes und jeweils Eines mit nach oben und unten korrigierter Belichtung. Die Belichtungsstufen sind individuell in Drittelstufen im Bereich von +/- 2 EV einstellbar.

Wird es dunkel und das Stativ ist nicht zur Hand, bietet das Moduswahlrad die Einstellung "Handgehalten bei Dämmerung". Die Kamera löst hier gleich sechsmal hintereinander aus und verbindet diese Bilder zu Einem. Das hat den Vorteil, dass Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]Bildrauschen reduziert werden kann. Das gleiche Prinzip kommt bei "Anti-Bewegunsunschärfe" zur Anwendung. Allerdings rechnet der Prozessor hier nicht ein rauscharmes, sondern ein möglichst scharfes Bild zusammen. Die weiteren Motivprogramme entsprechen dem Standard, wobei Sony sich auf die nötigsten beschränkt. Das ist im Test nicht negativ aufgefallen, da die Kamera über genügend andere Einstellungsmöglichkeiten verfügt. Gesichtserkennung mit Lächelautomatik ist dabei selbstverständlich. Im Menü der Halb- und Programmautomatik sowie im manuellen Modus kann man außerdem das Seitenverhältnis und die Bildgröße festlegen, Weißabgleich und Messmethode bestimmen, die Blitzintensität verändern, rote Augen reduzieren, die Lichtkompensation für Schattenbereiche festlegen, Farbmodus, Farbsättigung und Farbfilter bestimmen und die Rauschreduzierung und Schärferegulierung anpassen.

High-ISO ergänzt die Bildstabilisierung des Sensors (Steady Shot), die entweder dauerhaft gewählt werden kann oder erst durch das halbe Herunterdrücken des Auslösers gestartet wird. Die Einstellung für den ISO-Wert wird über das Jog-Wahlrad angesteuert, mit dem auch Blende, Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]Verschlusszeit und Belichtungskorrektur in den Modi P, S, A und M festgelegt werden. Man muss das erst einmal herausfinden bzw. nachlesen, dann ist die Methode aber sehr schnell bedienbar. Auch für die Fokussierung gibt es eine eigene Taste, mit der fünf verschiedene Arten der Scharfstellung gewählt werden können, u. a. eine manuelle und halbmanuelle. Wer sich mit all den Einstellungen überfordert fühlt, der kann auf die Modi Easy und intelligente Vollautomatik zurückgreifen.

Die HX1 taugt nicht nur für Fotos, sondern auch für qualitativ hochwertige Videofilme in voller High-Definition-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde. Das optische Zoom ist voll einsatzfähig und bewegt sich im Gegensatz zum Fotomodus sehr schön langsam und getragen. Bei Standbildern ist es oft sehr schnell und sprunghaft, auch wenn die kontrollierte Steuerung durch nur geringes Bewegen des Zoomrings möglich sein soll. Ein High-Sensitivity-Mode für ungünstige Lichtverhältnisse und Steady Shot stehen übrigens auch im Videomodus zur Verfügung. Im Wiedergabemodus bietet die Kamera diverse Bearbeitungs-, Sortier- und Filtermöglichkeiten an. So lassen sich z. B. alle Babybilder oder Fotos mit lächelnden Personen herausfiltern. Videos können wie bei einem Camcorder abgespielt werden und langsam und schnell vorgespult oder in Zeitlupe betrachtet werden. Bei Serienbildern kann man alle oder nur das Hauptbild ansehen, was die Fülle der Bilder reduziert.

Bildqualität Im Labor war die HX1 für einige Überraschungen gut. So ist sie z. B. im Vergleich zu anderen Superzoom-Kameras ungewöhnlich schnell. Das betrifft die Auslöseverzögerung mit und ohne Vorfokussierung. Mehr als 0,39 Sekunden benötigt die HX1 nie. Im Vergleich: Die ähnlich gut ausgestattete Canon Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]SX200 IS weist Zeiten bis 0,56 Sekunden auf. Diese Geschwindigkeit ist u. a. auf die gute Kombination von CMOS-Sensor und Bildverarbeitungsprozessor zurückzuführen. Obwohl der Sensor für heutige Verhältnisse mit 9 Megapixeln nicht eben zur hochauflösenden Spitze zählt, so eröffnet er doch neue Möglichkeiten wie die High-Speed-Serien, das Bracketing oder die Übereinanderlagerung von Bildern für bessere Schärfe oder verringertes Farbrauschen. Dieses hält sich zwar ohnehin in Grenzen, dafür tritt ab ISO 400 eine deutliche und unangenehme Texturbildung auf. Bis zu diesem Wert sind Eingangsdynamik und Rauschen wie bei den meisten Kameras dieser Klasse gut, erreichen bei der HX1 aber nie das Niveau der analogen Fotografie. Die Sony bewegt sich zwischen 5,9 (ISO 3.200) und 8,4 (ISO 125).

Die Auflösung in den Schattenbereichen wird durch die Rauschunterdrückung zu stark reduziert, die Messkurve verläuft nicht gleichmäßig und flach genug. Das zeigt sich auch bei der Signalübertragung. Die Kurve läuft am Ende sehr lang und flach aus, was matschige Schatten und zu kontrastreiche Mitten zur Folge hat. Aber die Kamera hat andere Qualitäten. Bestnoten erzielt sie hinsichtlich Verzeichnung, Höhe der Randabdunklung und Wahrnehmbarkeit der Randabdunklung. Das ist aber eher auf eine gute kamerainterne Korrektur als auf ein "Wunderobjektiv" zurück zu führen. Die Kurve der Auflösung von der Bildmitte Sony Cyber-shot DSC-HX1 [Foto: MediaNord]zum Bildrand hin verläuft sehr flach, fällt nie unter den Wirkungsgrad von 60 Prozent und spricht für ein allgemein gutes Auflösungsverhalten. Das ist vermutlich auf die hochwertige Optik der G-Serie zurückzuführen, die im DSLR-Sektor von Sony für die hochwertigsten Objektive steht. Dabei kommen u. a. ED-Glaselemente zum Einsatz, die die gute Bildqualität ermöglichen. Hinsichtlich der Scharfzeichnung und der Artefaktbildung verhält sich die HX1 durchschnittlich und fällt weder negativ noch besonders positiv auf.

Der jeweilige situationsbedingte Weißabgleich hat recht gut funktioniert, die Automatik war bei wechselnden Lichtverhältnissen (Sonne/Wolken/Sonne) manchmal überfordert. Bei Bildern draußen wirkt Grün manchmal leicht bläulich. Mit verschiedenen Lichtsituationen geht die Kamera generell gut um. Es kann allerdings vorkommen, dass beispielsweise Personen in weißen T-Shirts vor dunkleren Hintergründen leicht überbelichtet werden. Dies häuft sich im Sport- bzw. High-Speed-Modus. Gegenlicht verarbeitet die HX1 in der Regel ebenfalls sehr gut. In extrem hellen Bereichen stellt sie Strukturen (z. B. die Zweige eines Busches) gelegentlich etwas ausgefressen dar, hier macht sich die begrenzte Eingangsdynamik bemerkbar.

Fazit Die Sony HX1 eignet sich dank ihrer Automatikprogramme theoretisch für alle Fotografen vom Einsteiger bis zum ambitionierten Amateur. Mehr Spaß und kreativen Spielraum beim Fotografieren haben aber definitiv diejenigen, die sich mit den manuellen Einstellungen auskennen und die Möglichkeiten der HX1 voll ausreizen können. Und da wird einiges geboten, angefangen beim optischen 20fach-Zoom über die High-Speed-Optionen zu zahlreichen Einstell- und Korrekturmöglichkeiten. Highlights wie der Panoramamodus tun ein Übriges. Einzig die Bildqualität lässt in manchen Bereichen wie Texturbildung bei höheren ISO-Werten noch Spielraum für Verbesserungen.


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Autor

Daniela Schmid

Daniela Schmid hat in Augsburg Sprachen studiert, bevor sie nach einem halben Jahr in einer PR-Agentur für IT-Firmen in die Verlagsbranche wechselte. Ab 2004 war sie als festangestellte Redakteurin für die Magazine Computerfoto und digifoto zuständig. Während eines dreijährigen Auslandsaufenthaltes in der Nähe von New York berichtete sie als freie Autorin für digitalkamera.de von der PMA, CES und der PhotoPlus Expo aus Las Vegas und New York und übernahm die Zuständigkeit für die Rubrik Zubehör. Seit 2009 testet sie auch regelmäßig Kameras.

Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Cyber-shot DSC-HX1
Preis ca. 530 EUR
Sensor Auflösung 9,1 Megapixel
Max. Bildauflösung 3.456 x 2.592
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv F2,7-5,2/28-560mm
Filtergewinde optional 58 mm
Sucher elektronisch
  Dioptrienkorrektur ja
LCD-Monitor 3,0"
  Auflösung 230.400
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 7
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss
Fernauslöser
Intervallaufnahme ja
Speichermedium Memory Stick Duo, Memory Stick Pro Duo
Videomodus
  Format AVI
  Codec Motion-JPEG
  Auflösung (max.) 1.440 x 1.080
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 125-800
(Obergrenze einstellbar)
  erweitert ISO 125-3.200
  manuell ISO 125-800
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja (3)
  Glühlampe ja
  Sonstiges Blitz
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
k. A.
  AF-Hilfslicht ja
  Geschwindigkeit 0,23 - 0,39 s
Sprachen Deutsch
  weitere 17
Gewicht
(Betriebsbereit)
490 g
Zoom
  Zoomverstellung motorisch über Ringwippe
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
ja
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
Akkulaufzeit ca. 390 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Optisches 20fach-Zoom
  • Sehr gute Video- und Panoramafunktion
  • Zahlreiche Einstellmöglichkeiten, auch manuell
  • Klappbares 3,0“-Display
  • High-Speed-Modus für 10 Bilder pro Sekunde
  • Zoom oft zu schnell
  • Klobiges Erscheinungsbild
  • Akzeptiert nur Memory Stick (Pro) Duo

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 87 %
Ausstattung 12,5 % 94 %
Handhabung 12,5 % 89 %
Geschwindigkeit 12,5 % 89 %
Bildqualität 50,0 % 80 %
Gesamtnote 85 %