Testbericht

Sony Alpha SLT-A77 II

2014-06-03, aktualisiert 2014-08-01 Nachdem Sony in den letzten Jahren ein wahres Feuerwerk an neuen DSLR- und SLT-Kameras abgebrannt hat, war es in dieser Kameraklasse zuletzt ziemlich ruhig geworden. Doch jetzt meldet sich der Elektronik-Riese aus Tokio mit der Alpha 77 II zurück. Mag die Typenbezeichnung auch suggerieren, dass es sich bei der Mark II lediglich um ein kleines Facelift handelt, so lehrt einen der Blick in die Ausstattungsliste eines Besseren: Die A77 II hat ein völlig neuartiges AF-Modul spendiert bekommen, das selbst bei rasanten 12 Bildern/Sekunde die Schärfe nachführen kann. Hinzu kommen eine Reihe von Features, die bislang dem Spitzenmodell A99 vorbehalten waren sowie der neue Bionz-X-Prozessor für eine abermals verbesserte Bildqualität und schnellere Datenverarbeitung. digitalkamera.de hatte eines der ersten in Deutschland verfügbaren Modelle für ein paar Tage zum Praxistest, für einen ausführlichen Labortest stand uns ein Serienmodell der A77 II zur Verfügung.  (Martin Vieten)

  • Bild Bei der Alpha SLT-A77 II handelt es sich um das APS-C-Flaggschiff von Sony. [Foto: MediaNord]

    Bei der Alpha SLT-A77 II handelt es sich um das APS-C-Flaggschiff von Sony. [Foto: MediaNord]

  • Bild Als hochwertiges Standardzoom kam beim Test der Sony Alpha SLT-A77 II das 2.8/16-50 SSM zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

    Als hochwertiges Standardzoom kam beim Test der Sony Alpha SLT-A77 II das 2.8/16-50 SSM zum Einsatz. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der APS-C-Sensor der Sony Alpha SLT-A77 II löst rund 24 Megapixel auf. [Foto: MediaNord]

    Der APS-C-Sensor der Sony Alpha SLT-A77 II löst rund 24 Megapixel auf. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der rückwärtige Bildschirm der Sony Alpha SLT-A77 II ist in alle Richtungen dreh- und schwenkbar. [Foto: MediaNord]

    Der rückwärtige Bildschirm der Sony Alpha SLT-A77 II ist in alle Richtungen dreh- und schwenkbar. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der Oberseite der Sony Alpha SLT-A77 II zeigt ein informatives Display die wichtigsten Einstellungen an. [Foto: MediaNord]

    Auf der Oberseite der Sony Alpha SLT-A77 II zeigt ein informatives Display die wichtigsten Einstellungen an. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Metallstativgewinde der Sony Alpha SLT-A77 II sitzt ordnungsgemäß in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Das Metallstativgewinde der Sony Alpha SLT-A77 II sitzt ordnungsgemäß in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der linken Gehäuseseite der Sony Alpha SLT-A77 II sitzen hinter Gummiklappen zahlreiche Schnittstellen. [Foto: MediaNord]

    Auf der linken Gehäuseseite der Sony Alpha SLT-A77 II sitzen hinter Gummiklappen zahlreiche Schnittstellen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der rechten Seite der Sony Alpha SLT-A77 II lässt sich bequem die SD-Speicherkarte entnehmen. [Foto: MediaNord]

    Auf der rechten Seite der Sony Alpha SLT-A77 II lässt sich bequem die SD-Speicherkarte entnehmen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Akku und Speicherkarte kommen bei der Sony Alpha SLT-A77 II in zwei verschiedenen Fächern unter. [Foto: MediaNord]

    Akku und Speicherkarte kommen bei der Sony Alpha SLT-A77 II in zwei verschiedenen Fächern unter. [Foto: MediaNord]

Ergonomie und Verarbeitung Äußerlich gleicht die Alpha 77 II ihrer Vorgängerin wie ein Ei dem anderen. Man muss schon sehr genau hinsehen, um Unterschiede bei dem rundlich geformten Gehäuse auszumachen. So verzichtet die neue A77 II auf ein Autofokushilfslicht, die rote LED an der Front fehlt ihr. Dass Sony darauf verzichtet hat, die Alpha 77 II neu einzukleiden, muss kein Nachteil sein. Das weitgehend aus Aluminium-Druckguss gefertigte Gehäuse liegt hervorragend in der Hand – da gab es einfach nichts mehr zu verbessern. Und weil die A77 II das Gehäuse im Großen und Ganzen von ihrer Vorgängerin übernimmt, passt weiterhin der Vertikalgriff VG-C77AM, der für die A77 eingeführt wurde. Laut Sony ist die Alpha 77 II übrigens gegen Staub und Feuchtigkeit gewappnet, jedoch nicht spritzwassergeschützt.

Die A77 II mag zwar aussehen wie eine klassische DSLR, sie folgt jedoch dem von Sony bereits vor einigen Jahren eingeführten SLT-Konzept. Es verzichtet auf einen klassischen optischen Sucher, stattdessen zeigt die Kamera ständig ein Live-View-Bild im elektronischen Sucher (EVF). So kann die Alpha 77 II ohne Schwingspiegel auskommen, eine hauchdünne, teilverspiegelte Folie im Strahlengang zweigt etwa 30 Prozent des einfallenden Lichts zum völlig neu entwickelten Autofokus-Modul ab (mehr dazu im Abschnitt „Objektiv“). Mit 2,36 Millionen Bildpunkten löst der EVF sehr hoch auf, das Sucherbild ist detailliert und brillant. Gegenüber der Vorgängerin hat Sony deutlich die Farb- und Kontrastwiedergabe des Sucherbilds verbessert; insgesamt wirkt die Darstellung sehr natürlich, bei schnellen Schwenks verschmiert sie nicht. Der rückwärtige 7,5-cm-Bildschirm ist wie gehabt mit zwei Scharnieren und einem Drehgelenk äußerst flexibel angeschlagen und löst mit 1,23 Millionen dots ebenfalls sehr fein auf.

Bei der Bedienung hat sich im Vergleich zur Vorgängerin ebenfalls wenig getan. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, gleich drei individuelle Kamerafunktionen über das verriegelbare Programmwählrad abrufen zu können. Durch die Menüs navigiert man mit einem kleinen Joystick, dessen Druckpunkte gerne genauer definiert sein dürften. Dieser etwas schwammige Controller provoziert anfangs Fehleingaben, er will gefühlvoll verwendet werden. Für die wichtigsten Einstellungen wie Bildfolgemodus, ISO-Empfindlichkeit oder Weißabgleich hat Sony die A77 II mit dedizierten Knöpfchen versehen, bei Bedarf lassen sie sich mit Funktionen nach Wahl belegen. Auf weitere besonders häufig benötigte Funktionen greift man über ein Schnellmenü mit zwölf Speicherplätzen zu – auch diese lassen sich individuell konfigurieren. Wie schon ihre Vorgängerin bietet auch die Alpha 77 II die Möglichkeit, das Display von der Sucherbildanzeige auf eine ausführliche Informationsdarstellung umzuschalten, die dort dargestellten Werte lassen sich dann direkt ändern. Da sieht man Sony gerne nach, dass die A77 II auf ein Touchdisplay verzichtet, die Kamera lässt sich auch so rasch bedienen. Ein weiteres Statusdisplay gibt es auf der Oberseite, auf Knopfdruck wird es beleuchtet.

Sony hat die A77 II reichhaltig mit Schnittstellen versehen, die unter etwas fummeligen Hartgummi-Stöpseln an der linken Seite verschwinden. Das Speicherkartenfach rechts wird von einer robusten Klappe verschlossen, die mit einem Federscharnier angeschlagen ist. Der Akku wird von unten in den großzügigen Handgriff eingeschoben. Eine Akkuladung reicht mit maximal 480 Aufnahmen nicht sonderlich weit. Immerhin liegt das korrekt in der optischen Achse angeordnete Stativgewinde weit genug vom Akkuschacht entfernt, sodass sich der Energiespender auch bei angesetzter Schnellwechselplatte wechseln lässt.

Ausstattung Traditionell sind die Systemkameras von Sony sehr weitreichend mit Aufnahmefunktionen ausgestattet, bei den Möglichkeiten im Wiedergabemodus geben sie sich dagegen zurückhaltend. Da macht auch die Alpha 77 II zunächst keine Ausnahme. Einsteigern und Umsteigern von einer Kompaktkamera mögen zwar die lediglich acht Motivprogramme etwas spärlich vorkommen, doch die Kamera wartet ja noch mit den Sony-typischen Assistenten auf. Etwa mit der wirklich brauchbaren Panorama-Automatik oder der praxisgerechten HDR-Funktion. Zudem gibt es gleich zwei Vollautomatiken, eine davon wählt bei Bedarf sogenannte „Multi-Shot-Programme“, die das Bildergebnis durch Mehraufnahmen verbessern.

In erster Linie richtet sich die Alpha 77 II jedoch an anspruchsvolle Fotografen, und denen hat sie einiges zu bieten. Zunächst einmal nimmt keine andere Kamera im APS-C-Oberhaus schnellere Bildserien auf als die A77 II. Ganz gleich, ob man JPEG oder Raw als Aufzeichnungsformat wählt, Sonys neuester Streich sprintet mit fast schon atemberaubenden 12 Bildern/s los und hält das hohe Tempo auch noch beachtlich lange durch: Erst nach 53 JPEG- oder 26 Raw-Aufnahmen geht der Kamera die Puste aus. Dann aber lässt sie es sehr gemächlich angehen, im Dauerlauf kommt sie gerade noch auf 0,8 JPEG- bzw. 1,8 Raw-Aufnahmen. Dennoch: Im Sprint kann es die A77 II fast schon mit Sportboliden wie der Canon EOS 1Dx oder Nikon D4S aufnehmen, zumal auch die Alpha 77 II den Fokus bei der Schussfahrt nachführen kann (mehr dazu im Abschnitt „Objektiv“). Doch in einem Punkt ist die Alpha 77 II den professionellen Sport- und Action-Kameras unterlegen: ihr Speicherbus ist recht langsam. Um einen 12fps-Burst mit rund 50 JPEGs auf die Speicherkarte zu übertragen, benötigt die A77 II bestückt mit einer UHS-1-Karte fast eine halbe Minute. Glücklicherweise blockiert die A77 II jedoch nicht komplett, während sie speichert. Das Hauptmenü lässt sich zwar nicht aufrufen, solange die Speicherzugriffskontrolle leuchtet, aber das Schnellmenü steht weiterhin zur Verfügung. Weitere Aufnahmen sind währenddessen ebenfalls möglich, lediglich die Bildwiedergabe bleibt naturgemäß gesperrt.

Für den Hausgebrauch (und darüber hinaus) bietet die Alpha 77 II also mehr als ausreichende Geschwindigkeitsreserven. Es müssen übrigens nicht unbedingt 12 Bilder/s sein, 8 Bilder/s und 3 Bilder/s stehen ebenfalls zur Wahl. Von Vorteil ist die extrem hohe Serienbildrate zudem bei allen Reihen- oder Multi-Shot-Aufnahmen. Und diesen Vorteil spielt die A77 II durchaus auch aus. Etwa bei der „Multi-Shot-Rauschminderung“. Wurden dazu bisher sechs Aufnahmen so miteinander verrechnet, dass sich Bildrauschen minimiert, stehen bei der A77 II jetzt vier oder zwölf zu Auswahl. Und Belichtungsreihen sind nun endlich auch bei einer Spreizung von 1 EV und mehr mit fünf Aufnahmen möglich – bislang gestattete Sony hier nur wenig praxisgerechte drei Aufnahmen. In der Praxis hat sich ferner als sehr nützlich erwiesen, dass sich die manuelle Belichtungssteuerung bei der A77 II mit der ISO-Automatik koppeln lässt.

Eine kleine Verbesserung gibt es auch beim Blitzsystem der Alpha 77 II: Sie erhält die bereits von der Alpha 99 bekannte FEL-Funktion, mit der sich die Blitzbelichtung speichern lässt. Ansonsten bietet das Blitzsystem von Sony alles, was man von einer anspruchsvollen Kamera erwartet, für den Notfall hat die A77 II zudem einen integrierten Blitz an Bord. Weggefallen ist bei der A77 II der GPS-Empfänger zur Standortbestimmung der jeweiligen Aufnahmen. Dafür wartet die Kamera jetzt mit WiFi inklusive NFC als Pairing-Hilfe auf. Eine Möglichkeit, den Funktionsumfang der A77 II via Camera Apps erweitern zu können, entsteht dadurch aber nicht.

Wenn es um Video-Aufnahmen geht, war das SLT-Konzept von Sony einer klassischen DSLR schon immer voraus – insbesondere beim Autofokus. Und so kann auch die A77 II die Schärfe beim Videodreh blitzschnell und ohne Pumpen nachführen. Ferner stehen beim Filmen alle Möglichkeiten zur Belichtungssteuerung bereit, die es auch für Foto-Aufnahmen gibt. Der Stereoton lässt sich bei Bedarf manuell aussteuern, eine Klinkenbuchse zum Anschluss eines externen Mikrofons hat die Alpha 77 II ebenfalls an Bord. Und noch mehr: Über den neuen Multi-Interface-Zubehörschuh lassen sich nicht nur Blitzgeräte anschließen, sondern auch Mikrofone oder Videoleuchten aus dem Zubehörprogramm von Sony. Da ist fast schade, dass die A77 II nur in AVCHD mit einer maximalen Datenrate von 28 Mbit pro Sekunde aufzeichnet – das bessere XAVC-S-Format oder gar 4K-Auflösung bleiben ihr versagt.

Objektiv Sony bietet die Alpha 77 II zusammen mit dem Objektiv DT 16-50 mm F2.8 SSM als Kit an. Das Dreifachzoom deckt bezogen auf Kleinbild einen Brennweitenbereich von 24 bis 70 Millimeter ab, seine Naheinstellgrenze liegt bei 30 Zentimeter. Das Objektiv wiegt rund 580 Gramm und ist damit kein Leichtgewicht. Wie bei Sony üblich, verzichtet es auf einen optischen Bildstabilisator, stattdessen ist der Sensor in der A77 II stabilisiert. Neu ist dabei, dass der „Sensor-Shift“-Stabilisator bereits seine Arbeit aufnimmt, sobald man den Auslöser antippt – und nicht erst im Moment der Aufnahme. Damit ist die A77 II derzeit die einzige SLT-Kamera von Sony, bei der auch das Sucherbild stabilisiert wird.

Ein großer Vorteil des SLT-Konzepts von Sony ist es, dass die Autofokus-Sensoren permanent mit Informationen versorgt werden, kein Schwingspiegel hemmt den Informationsfluss. Doch bislang hat Sony diesen Vorteil nicht so richtig ausgeschöpft, die AF-Geschwindigkeit war mittelmäßig, bei höchster Serienbildrate vermochte die A77 den Fokus gar nicht erst nachzuführen. Hinzu kam, dass die AF-Sensoren lediglich einen recht begrenzten Bereich im Bildzentrum abdeckten. Da war ein völlig neues AF-Modul längst überfällig, mit der Alpha 77 II liefert es Sony nun endlich. Und was für eines! Bereits die technischen Daten lassen den Connaisseur mit der Zunge schnalzen: Gleich 79 Phasenvergleichssensoren hat die Alpha 77 II zu bieten. Sie decken rund 40 Prozent des Bildfelds ab, mehr als die doppelte Fläche bei der A77 und reichen bis weit an die Ränder. 15 dieser Sensoren sind als Kreuzsensoren ausgeführt, um auch vertikale Strukturen perfekt erfassen zu können. Damit überflügelt das AF-Modul AF79 der A77 II zumindest auf dem Papier sogar die Sportboliden Canon EOS 1Dx und Nikon D4S.

Doch was zählt, ist auf dem Platz. Inzwischen konnte die Alpha 77 II ihre AF-Leistung sowohl im Testlabor von digitalkamera.de wie auch in der Praxis unter Beweis stellen. Und da überzeugt die A77 II nicht nur mit einer AF-Leistung, die gefühlt weit über Klassendurchschnitt liegt, der leistungsfähige Autofokus ist zudem kinderleicht zu konfigurieren und zu handhaben. Das gilt insbesondere für den Lock-On-AF, dessen Einrichtung bei professionellen Sportkameras oftmals wie eine Geheimwissenschaft anmutet. Bei der A77 II genügt es anzugeben, mit welchem AF-Messfeld die Fokusnachführung beginnen soll. Wem auch das noch zu kompliziert ist, lässt den Autofokus das Action-Motiv einfach selber erkennen.

Hat der Autofokus ein Action-Objekt einmal gepackt, lässt er es so schnell nicht mehr los. Selbst ein Fußballer oder ein Hund, die im Höchsttempo direkt auf die Kamera zu rennen, brachten die für diesen Test mit dem Objektiv Sony G 70-200/F2.8 SSM bestückte A77 II nicht aus der Ruhe. Auch ein Laternenmast, der beim Mitziehen durchs Bild wanderte, konnte den Lock-On-AF nicht stören. Für derartige Situationen lässt sich übrigens in fünf Stufen einstellen, ob die AF-Priorität auf dem initial gewählten Objekt verbleiben soll oder sich der Autofokus schneller einem neu ins Bild gekommenen Objekt zuwendet. Zudem übernimmt die A77 II von der A99 einen elektronischen Fokuslimiter, mit dem sich der Arbeitsbereich des AF einschränken lässt. Auf diese Weise lässt sich leicht verhindern, dass die Kamera auf den Maschendrahtzaun im Vordergrund scharf stellt und nicht auf den weiter entfernten Löwen.

Bildqualität 24 Megapixel löst der APS-C-Sensor der A77 II auf – also exakt so hoch wie bei der Vorgängerin. Aber in der A77 II hat Sony den Bionz-X-Prozessor eingepflanzt, er soll die Bildqualität deutlich verbessern. Dazu werden die Bilddaten zum Beispiel abhängig von der Blendenzahl bei der Aufnahme geschärft, um so durch Beugungseffekten entstehenden Auflösungsverlusten entgegenzuwirken. Oder die Rauschunterdrückung packt in gleichmäßigen Flächen deutlich kräftiger zu als an Kontrastkanten und schützt auf diese Weise Bilddetails. Doch reichen diese und weitere Maßnahmen, um der Alpha 77 II eine mess- und sichtbar bessere Bildqualität zu entlocken als bei der Vorgängerin? Dieser Frage sind wir im harten Praxiseinsatz aber auch im intensiven Labortest nachgegangen. Wie immer kann das detaillierte und ausführlich kommentierte Laborprotokoll gegen ein kleines Entgelt eingesehen und als PDF-Datei heruntergeladen werden (siehe weiterführende Links am Ende des Beitrags).

Bewähren musste sich die A77 II im Testlabor von digitalkamera.de mit dem Objektiv DT 16-50 mm F2.8 SSM (SAL-1650F28). Das lichtstarke 3fach-Zoom überrascht mit einer ausgesprochen hohen Auflösung, die bei optimaler Blende F5.6 im Bildzentrum mit 65 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) fast das Niveau einer Vollformatkamera erreicht. Erfreulich gering ist zudem der Auflösungsverlust zu den Rändern hin – zumindest im Weitwinkelbereich. Bei kürzester Brennweite verzeichnet das Laborprotokoll in den Bildrändern und -ecken immer noch gute 51,5 lp/mm. Bei mittlerer und längster Brennweite sind die Randzonen allerdings deutlich schlechter aufgelöst, was sich gerade im Telebereich indes leichter verschmerzen lässt. Sony versucht übrigens nicht, diesen kleinen Makel durch übertriebenes Nachschärfen der Randbereiche auszugleichen – die Messung der Schärfeartefakte verzeichnet keine unangenehmen Auffälligkeiten, die Werte bleiben insgesamt erfreulich niedrig. Chromatische Aberrationen sind beim Set-Objektiv der A77 II nur schwach ausgeprägt, auch hier zeigt sich wieder die Weitwinkelstellung des Zooms die beste Leistung. Zum Geheimtipp für Landschafts- oder Architekturfotografen avanciert das SAL-1650F28 dennoch nicht – denn ausgerechnet am kurzen Ende verzeichnet es kräftig tonnenförmig. Für ein Zoom geht das so gerade noch in Ordnung, zumal das Objektiv bei mittlerer und längster Brennweite nahezu verzeichnungsfrei abbildet. Das Set-Objektiv der A77 II kann unterm Strich auf alle Fälle überzeugen und überflügelt in so mancher Testdisziplin sogar das Zeiss 24-70/2.8 an der A99.

Wie aber sieht es mit der Leistung der Kamera aus? Kann die APS-C-Kamera A77 II vielleicht ebenfalls mit einer Kleinbildkamera vom Schlage einer A99 mithalten? Sie kann – zwar nicht in allen Bereichen, aber in den meisten. In Sachen Signal-Rauschabstand etwa. Er ist zwar nur bis ISO 400 sehr gut mit Werten über 40 dB, fällt aber andererseits erst jenseits der ISO 12.800 unter die kritische Grenze von 35 dB. Zu diesem sehr guten Ergebnis trägt wohl vor allem die Rauschunterdrückung bei. Sie greift ab ISO 400 ins Geschehen ein und lässt die Texturschärfe mit jeder weiteren ISO-Stufe etwas weiter zurückgehen. Kritisch wird der dadurch hervorgerufene Detailverlust jedoch erst ab ISO 6.400. Bei noch höheren ISO-Stufen lässt Sony lieber etwas mehr Rauschen zu, anstatt noch gnadenloser Details zu opfern. Messtechnisch nicht ganz optimal ist eine recht große Korngröße im Rotkanal, die jedoch beim Betrachten der Prints nicht weiter auffällt. Davon abgesehen ist das Korn der A77 II sehr fein und stört im Ausdruck nicht.

Eindrucksvoll hoch ist der Dynamikumfang, den die A77 II bewältigt. Die Eingangsdynamik erreicht etwas überraschend erst bei ISO 800 seinen Spitzenwert von eindrucksvollen 10,8 EV, beträgt aber selbst bei ISO 6.400 noch sehr gute 10,4 EV. So ganz kann die A77 II diese sehr guten Messwerte jedoch nicht in entsprechende Bildqualität ummünzen, denn die Ausgangsdynamik bricht bereits bei mehr als ISO 400 ein. Jedoch keineswegs dramatisch, unter die kritische Grenze 160 Tonwertstufen je Farb-/Helligkeitskanal sinkt der nutzbare Dynamikumfang erst jenseits der ISO 3.200. Wenn es jedoch auf höchste Farb- und Helligkeitsdifferenzierung ankommt, spielt der A77 II nur bei ISO 50 und ISO 100 in der Vollformat-Liga mit.

Etwas Kritik einstecken muss die A77 II in Sachen Farbtreue. In den Standardeinstellung sättigt sie Orangetöne zu kräftig, Cyantöne verschiebt sie Richtung Magenta. Letzteres gibt den Aufnahmen einen leicht kühlen Unterton, was sich indes problemlos nachträglich oder bereits entsprechenden Kameraeinstellungen korrigieren lässt. Der Weißabgleich arbeitet dagegen bis in höchste ISO-Sphären zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Unterm Strich weis die Bildqualität der A77 II jedenfalls voll und ganz zu überzeugen. Das Auflösungsvermögen in Kombination mit dem Set-Objektiv beeindruckt, Rauschverhalten und Dynamik sind bei niedrigen ISO-Stufen auf Vollformat-Niveau. Für Prints bis DIN A4-Größe liefert die Kamera noch bei ISO 6.400 gute Ergebnisse.

Fazit Schon nach wenigen Tagen Praxiseinsatz waren wir in unserem Vorabtest zu dem Fazit gekommen, dass Sony mit der A77 II eine rundum gelungene Weiterentwicklung der Alpha 77 gelungen ist. Das gilt umso mehr, nachdem die Kamera auch das Testlabor von digitalkamera.de durchlaufen hat. Rauschverhalten, Dynamikumfang und Auflösungsvermögen sind bis ISO 400 auf Vollformat-Niveau, bis ISO 6.400 ist die A77 II auch für großformatige Prints gut geeignet. Abgerundet wird der positive Eindruck von der Bildqualität des hochauflösenden Objektivs DT 16-50 mm F2.8 SSM, mit dem Sony die Kamera auch im Set anbietet. Einzigartig in ihrer Klasse ist das Autofokus-System der A77 II. Der rasant schnelle und sichere Lock-On-AF gepaart mit der sehr hohen Serienbildgeschwindigkeit könnten die A77 II fast zu einer ernstzunehmenden Konkurrentin für Sportboliden der 6000-Euro-Klasse machen – wenn nur ihr Speicherbus nicht so trödeln würde. Ansonsten gibt es am APS-C-Spitzenmodell von Sony wenig auszusetzen: Der Funktionsumfang ist sehr hoch und schließt endlich die eine oder andere Lücke, die sich bislang in der Alpha-Familie noch fand. Auch beim Handling gibt es nichts meckern, sieht man einmal vom schwammigen Joystick ab. Dass die Alpha 77 II einen elektronischen Sucher hat, fällt höchstens noch im direkten Vergleich mit einer DSLR auf – nach einiger Zeit hat man sich jedoch an dessen wenige Nachteile gewöhnt und will seine vielen Vorteile nicht mehr missen. Wer Wert auf eine Kamera mit GPS legt, dem zeigt die A77 II allerdings die kalte Schulter, dafür versteht sich die Mark II nun auf WiFi. Unterm Strich liefert Sony mit der A77 II die derzeit wohl beste APS-C-Kamera.

  • Bild Live-View der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

    Live-View der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

  • Bild Informationsdisplayanzeige der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

    Informationsdisplayanzeige der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

  • Bild Schnellmenü der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

    Schnellmenü der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

  • Bild Aufnahmemenü 5 der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

    Aufnahmemenü 5 der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

  • Bild Einstellung der HDR-Funktion bei der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]

    Einstellung der HDR-Funktion bei der Sony Alpha SLT-A77 II. [Foto: MediaNord]


Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Alpha SLT-A77 II
Preis ca. 1.800 EUR* (UVP)
Sensor Auflösung 24,7 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.000 x 4.000
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Sony DT 16-50 mm 2.8 SSM
Filtergewinde 72 mm
Sucher elektronisch
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich -4 bis +3 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1,23 Mio
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 12 (Messung))
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme optional via Camera App
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MemoryStick Pro Duo
Videomodus  
  Format AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  Bildfrequenz (max.) 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 100-25.600 (Ober- und Untergrenze einstellbar)
  manuell ISO 50-25.600 (bis 51.600 mit Multiframe-NR)
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
79
  AF-Hilfslicht
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit ca. 1 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 724 g (nur Gehäuse)
ca. 1.303 g (mit Objektiv*)
Serienbildfunktion**  
  Serienbildanzahl 51 (JPEG)
26 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
11,9 (JPEG)
12,0 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
0,8 (JPEG)
1,8 (RAW)
  mit Blitz ja
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten**
 
  JPEG 1,2 s (10 MByte)
  RAW 1,6 s (24 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit
ca. 410 Bilder (EVF)
ca. 480 Bilder (TFT)
(jeweils lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Sony DT 16-50 mm 2.8 SSM
** mit Speicherkarte Sony SDHC 94 MB/s

Kurzbewertung

  • Hervorragende Bildqualität, auch mit Set-Objektiv
  • Stabilisiertes Sucherbild
  • Extrem hohe Serienbildrate gepaart mit großem Pufferspeicher
  • Leistungsstarker Autofokus mit weiter Bildfeldabdeckung
  • Schwammiger Multicontroller
  • GPS entfallen
  • Etwas langsamer Speicherbus

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 95 %
Ausstattung 12,5 % 100 %
Handhabung 12,5 % 92 %
Geschwindigkeit 12,5 % 92 %
Bildqualität 50,0 % 92 %
Gesamtnote 93 %