Testbericht

Sony Alpha 7S

2014-10-08 Mit der Alpha 7S beschert Sony der A7-Familie ein drittes Modell, das mit zwölf Megapixeln äußerst zurückhaltend auflöst. Dafür lässt sich die ISO-Empfindlichkeit in schwindelerregende Höhen hochschrauben. Und damit nicht genug: die Alpha 7S wartet mit Ausstattungsmerkmalen auf, die bislang professionellen Videokameras vorbehalten waren. Damit könnte sich die spiegellose Vollformatkamera als eierlegende Wollmilchsau erweisen, wenn gleichermaßen Videos und Fotos aufgenommen werden sollen und eine hohe Auflösung nicht so wichtig ist. Ob die Alpha 7S tatsächlich derart flexibel ist und gar als Nachtsichtgerät taugt, haben wir in der Praxis ausprobiert sowie im Testlabor von digitalkamera.de geprüft.  (Martin Vieten)

Ergonomie und Verarbeitung Sony macht es sich leicht. Anstatt seinem jüngsten, spiegellosen Spross ein eigenständiges Gehäuse zu spendieren, packen die Ingenieure die neue Technik einfach in das Kleid der Alpha 7R – und fertig ist die Alpha 7S. Gut, etwas überarbeitet hat Sony das Gehäuse der Alpha 7S schon, es ist mit einem Leergewicht von 446 Gramm rund 40 Gramm schwerer als das der Alpha 7R. Verantwortlich für die Gewichtszunahme ist eine stärkere Frontpartie sowie ein stabileres Bajonett – beides soll dafür sorgen, dass ein schwergewichtiges (Video-) Objektiv das schlanke Gehäuse der Alpha 7S nicht aus der Form bringt. Dafür sorgt übrigens auch das Material, die Kamera ist weitgehend aus einer äußerst zähen aber leichten Magnesium-Aluminium-Legierung gefertigt.

  • Bild Für eine Vollformatkamera äußerst kompakt und dennoch ergonomisch griffig fällt Sony Alpha 7S aus. [Foto: MediaNord]

    Für eine Vollformatkamera äußerst kompakt und dennoch ergonomisch griffig fällt Sony Alpha 7S aus. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Sony Alpha 7S besitzt ein in der Front verstärktes Magnesium-Aluminium-Gehäuse, damit auch große und schwere Videoobjektive die Kamera nicht verformen. [Foto: MediaNord]

    Die Sony Alpha 7S besitzt ein in der Front verstärktes Magnesium-Aluminium-Gehäuse, damit auch große und schwere Videoobjektive die Kamera nicht verformen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Sony Alpha 7S wartet mit einem drei Zoll großen Klappbildschirm auf. [Foto: MediaNord]

    Die Sony Alpha 7S wartet mit einem drei Zoll großen Klappbildschirm auf. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auch wenn die Sony Alpha 7S vor allem für eine Vollformatkamera sehr kompakt ausfällt, ist sie aufgrund der klobigen Vollformatobjektive, hier das lichtschwache Standardzoom mit 28-70 mm, nicht wirklich jackentaschentauglich. [Foto: MediaNord]

    Auch wenn die Sony Alpha 7S vor allem für eine Vollformatkamera sehr kompakt ausfällt, ist sie aufgrund der klobigen Vollformatobjektive, hier das lichtschwache Standardzoom mit 28-70 mm, nicht wirklich jackentaschentauglich. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde der Sony Alpha 7S ist aus Metall und sitzt ordnungsgemäß in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Sony Alpha 7S ist aus Metall und sitzt ordnungsgemäß in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

Nichts Neues im Vergleich zur Alpha 7 und Alpha 7R gibt es dagegen von der Bedienung zu berichten. Sony setzt das bewährte Konzept bei der Alpha 7S konsequent fort. Dazu gehört ein Einstellrad nur für die Belichtungskorrektur ebenso wie ein Schnellmenü, das sich komplett an die eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Ferner gibt es eine Reihe von Drehreglern und Knöpfen, die ebenfalls weitgehend frei konfigurierbar sind. Die Grundkonfiguration stellt man schnell über ein Moduswählrad ein. Hier finden sich auch zwei Speicherplätze für individuelle Kamerakonfigurationen. Hat man die vielen Knöpfe und Regler sowie die Slots im Schnellmenü erst einmal mit den besonders häufig benötigten Funktionen belegt, muss man das Hauptmenu der Kamera nur noch selten aufsuchen. Falls doch einmal, findet man sich darin schnell zurecht. Sony hat das Menü fein säuberlich in Register strukturiert, ellenlange Listen, in denen man sich verirren könnte, gibt es nicht.

Obwohl die Alpha 7S für eine Kleinbildkamera geradezu zierlich ist, liegt sie gut in der Hand. Dafür sorgen unter anderem eine breite, gut ausgeformte Griffwulst sowie eine griffige Daumenauflage auf der Rückseite – und natürlich das vergleichsweise geringe Gewicht der Kamera. Front- und Daumenrad sowie einige weitere Bedienelemente lassen sich gut vom Zeigefinger beziehungsweise Daumen erreichen, das Einstellrad auf dem Rücken hat Sony allerdings arg tief angeordnet. Für besonders groß geratene Fotografenhände mag die Alpha 7S vielleicht ein wenig zierlich sein – aber dann gibt es ja noch den Vertikalgriff VG-C1EM, er verleiht nicht nur zusätzlichen Halt sondern nimmt auch noch einen zweiten Akku auf.

Wie schon ihre Schwestern Alpha 7 und Alpha 7R begeistert auch die Alpha 7S mit einem großen, klaren Sucherbild, bei dem man meist vergisst, dass es elektronisch erzeugt wird. Bei Tageslicht reagiert der elektronische Sucher schnell und unmittelbar, fast schon so direkt wie ein optischer Sucher, jedoch mit dem Vorteil, dass er Fehleinstellungen der Kamera sichtbar macht. Im Dunkeln ruckelt das Sucherbild zwar wahrnehmbar, verrauscht oder gar grieselig wirkt es jedoch nicht. Alternativ zeigt die Alpha 7S das Sucherbild auf dem rückwärtigen Display. Dabei schaltet sie automatisch vom EVF aufs Display um, sobald die Kamera vom Auge genommen wird. Der Monitor ist mit einer Diagonalen von drei Zoll angenehm groß und löst mit nahezu einer Million Bildpunkten zeitgemäß hoch auf. Er lässt sich nach oben und unten klappen, jedoch nicht zur Seite schwenken.

Die Anschlüsse für USB und HDMI sowie Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen hat Sony links an der Kamera unter ordentlich schließenden Klappen verborgen. An der rechten Kameraseite, ebenfalls unter einer robusten Klappe, sitzt das Speicherkartenfach. Es nimmt wahlweise eine SD/SDHC/SDXC-Karte oder einen MemoryStick auf. Der Lithium-Ionen-Akku wird an der Unterseite eingelegt, seine Reichweite ist mit maximal 380 Aufnahmen etwas knapp. Immerhin legt Sony der Alpha 7S eine ordentliche Ladeschale bei. Mit der kann man – anders als bei einem USB-Netzteil – einen Akku laden, während ein zweiter bereits wieder in der Kamera seinen Dienst verrichtet. Schön auch, dass das Akkufach selbst bei angesetzter Schnellwechselplatte zugänglich bleibt und dass Sony das Stativgewinde sauber in der optischen Achse angeordnet hat.

Ausstattung Das Äußere der Alpha 7S unterscheidet sich praktisch nicht von dem der Alpha 7R und der Alpha 7. Doch beim Funktionsumfang hat die Alpha 7S einiges mehr zu bieten – vor allem wenn es um Videoaufnahmen geht (dazu gleich mehr). Zunächst einmal bringt sie aber im Großen und Ganzen alle Funktionen mit, die ihre beiden älteren Schwestern auch zu bieten haben. Dazu zählt etwa eine intelligente Vollautomatik, die einem praktisch jegliche Einstellarbeit abnimmt. Man kann die Alpha 7S also ruhigen Gewissens auch einmal weniger versierten Fotografen in die Hand drücken. Hinzu kommen die inzwischen bei Sony üblichen Assistenten, mit deren Hilfe Panorama-Aufnahmen oder HDR-Fotos fast von alleine entstehen. Ebenfalls an Bord ist ein ganzer Strauß an Effektoptionen, ohne die heute offenbar selbst eine Kamera mit dem professionellen Anstrich einer Alpha 7S nicht auskommen kann.

Was die Alpha 7S mehr kann, verrät sie erst bei intensiver Erkundung des Hauptmenüs. Etwa bei der ISO-Einstellung: Die Empfindlichkeit lässt sich bei ihr auf eine schwindelerregende Höhe von ISO 409.600 hochschrauben. Ob eine derart hohe ISO-Empfindlichkeit noch brauchbare Ergebnisse liefert, steht auf einem anderen Blatt (mehr dazu im Abschnitt „Bildqualität“). Die ISO-Automatik erlaubt jedenfalls die Wahl der allerhöchsten Stufe, lässt jedoch auch auf einen Höchst- und Mindestwert begrenzen. Etwas schade ist da, dass sich nicht alternativ eine Verschlusszeit vorgegeben lässt, die die Kamera nicht unterschreiten darf – so mancher Sport- und Actionfotograf würde sich eine derartige Funktion vielleicht wünschen. Anderseits: Eine Actionkamera ist die Alpha 7S sowieso nicht. Trotz ihrer recht geringen Auflösung und der damit verbundenen überschaubaren Datenrate, schafft sie im Serienbildmodus gerade einmal rund 5 Bilder pro Sekunde (fps) – unabhängig davon, ob im Raw- oder im JPEG-Format aufgezeichnet wird. Wenigstens beschert die geringe Datenmenge der Alpha 7S einen langen Atem: Es bedarf schon 99 JPEG-Aufnahmen, bis sie vom schnellen Spurt in den Dauerlauf mit rund 3 fps fällt – bei Raw-Aufnahmen ist jedoch bereits nach 25 Serienbildern Schluss mit dem „Sprint“.

Den mechanischen Verschluss hat die Alpha 7S offenbar von der 7R geerbt. Jedenfalls rumst es ordentlich, wenn man eine Aufnahme auslöst – das schlanke Gehäuse der Kamera hat dem Verschluss eben nur wenig dämpfende Masse entgegenzusetzen. Wen das stört, der findet jedoch bei der Alpha 7S eine Alternative zum Heavy Metal: Als erste Systemkamera von Sony bietet sie einen vollelektronischen Verschluss, der absolut erschütterungsfrei und lautlos auslöst. Das macht nicht nur sehr dezentes Fotografieren möglich, sondern lässt auch eventuell störende Schwingungen gar nicht erst aufkommen. Allerdings sperrt der „silent shutter“ einige Funktionen, so sind mit ihm keine Blitzlichtaufnahmen möglich, die Multiframe-Rauschminderung oder HDR-Automatik arbeiten ebenfalls nicht mit dem vollelektronischen Verschluss zusammen.

Sieht man einmal von der Panasonic GH4 ab, ist derzeit wohl kaum eine andere Digitalkamera derart auf die Aufnahme professioneller Videos ausgerichtet, wie die Sony Alpha 7S. Beide zeichnen sie Videos maximal in 4K-Auflösung auf, die Alpha 7S allerdings nur auf ein externes Aufnahmegerät. Den professionellen Videofilmer mag das nicht weiter stören, dem anspruchsvollen Fotografen nimmt diese Beschränkung allerdings eine wichtige Möglichkeit: einfach einen kurzen Clip aufzuzeichnen und daraus dann Standbilder mit gut acht Megapixel Auflösung zu extrahieren. Sony hat den Vollformat-Sensor der Alpha 7S so ausgelegt, dass bei Filmaufnahmen jede Zeile auf dem Bildwandler komplett ausgelesen wird. Dieses „full pixel red-out“ ohne „line skipping“ oder „pixel binning“ verbessert die Bilddarstellung und minimiert den „rolling shutter effect“. Video-Profis wird zudem freuen, dass die Alpha 7S Timecodes aufzeichnet, wahlweise im Modus „Record Run“ oder „Free Run“.

  • Bild Der Vollformat-Bildsensor der Sony Alpha 7S löst lediglich 12 Megapixel auf. [Foto: MediaNord]

    Der Vollformat-Bildsensor der Sony Alpha 7S löst lediglich 12 Megapixel auf. [Foto: MediaNord]

  • Bild Schlank und rank: die Sony Alpha 7S. [Foto: MediaNord]

    Schlank und rank: die Sony Alpha 7S. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Speicherkartenfach der Sony Alpha 7S öffnet seitlich. Hier kann wahlweise eine SD/SDHC/SDXC-Karte oder ein MemoryStick eingesetzt werden. [Foto: MediaNord]

    Das Speicherkartenfach der Sony Alpha 7S öffnet seitlich. Hier kann wahlweise eine SD/SDHC/SDXC-Karte oder ein MemoryStick eingesetzt werden. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Lithium-Ionen-Akku der Sony Alpha 7S wird unten entnommen, er reicht lediglich für gut 380 Aufnahmen. [Foto: MediaNord]

    Der Lithium-Ionen-Akku der Sony Alpha 7S wird unten entnommen, er reicht lediglich für gut 380 Aufnahmen. [Foto: MediaNord]

Dass Sony bei der Entwicklung der Alpha 7S vor allem den anspruchsvollen Videofilmer im Visier hatte, zeigt sich an einer ganzen Reihe weiterer Funktionen, die bei filmenden Digitalkameras bislang unüblich oder gar völlig unbekannt sind. So bringt die Alpha 7S sieben Speicherplätze für Bildprofile mit. Diese Bildprofile haben wenig mit den aus der Digitalfotografie bekannten „Bildstilen“ zu tun. Sie erlauben vielmehr sehr differenzierte Eingriffe in die Gammakurve, die Detailwiedergabe, die Bildsättigung etc. Pro Bildprofil lassen sich neun Parameter von Farbmodus über Gamma bis zum Schwarzpegel einstellen. Die Einstellungen gelten übrigens auch für Foto-Aufnahmen, sodass parallel zum Film aufgezeichnete Stills eine identische Farb- und Kontrastanmutung erhalten. Sony hat die sieben Speicherplätze mit verschiedenen Einstellungen vorkonfiguriert, das spart dem Videofilmer in der Regel einige Einstellzeit.

Verzichten muss man bei der Alpha 7S auf ein integriertes Blitzlicht, einen Blitzschuh hat sie aber natürlich an Bord. Wird sie über ihn mit einem externen Blitzgerät ausgestattet, lässt das Blitzsystem kaum Wünsche offen. Die Alpha 7S versteht sich zum Beispiel auf Langzeit-Synchronisation und kann entfesselte Systemblitzgeräte drahtlos steuern. Die kürzest mögliche Synchronzeit beträgt 1/250 Sekunde, mit entsprechenden Blitzgeräten stellt Sony aber auch einen HSS-Modus mit wesentlich kürzerer Blitzsynchronzeit bereit. Wie bei Sony üblich ist auch die Alpha 7S nur sehr mager mit Bearbeitungsmöglichkeiten im Wiedergabemodus ausgestattet. Immerhin lässt sich der Funktionsumfang der Kamera im Wiedergabe- und Aufnahmemodus mit Kamera-Apps erweitern. Wifi hat die Alpha 7S ebenfalls an Bord, darüber lässt sie sich via Smartphone oder Tablet fernsteuern.

Objektiv Wie bei professionellen Kameras durchaus üblich, bietet Sony die Alpha 7S nicht im Set mit einem Objektiv an. Wir haben sie im Praxistest vorwiegend mit dem FE 28-70/3.5-5.6 OSS eingesetzt, mit diesem Objektiv durchlief die Kamera auch das Testlabor. Wie schon beim Test der Alpha 7 (siehe weiterführende Links) erwies sich das Standardzoom als sehr ausgewogener Kompromiss aus Brennweitenbereich, Lichtstärke und Gewicht. Im Praxistest kam noch das recht neue Telezoom FE 70-200/4 G OSS hinzu. Anders als im A-Mount, bei denen der Bildsensor stabilisiert ist, weisen diese E-Mount-Objektive einen optischen Bildstabilisator auf. Er sorgt für ein stabilisiertes Sucherbild, sobald man den Auslöser halb durchdrückt. Schade nur, dass nicht alle E-Mount-Objektive stabilisiert sind, bei den bislang erhältlichen Festbrennweiten muss man darauf verzichten.

Der Autofokus der Alpha 7S unterscheidet sich zunächst einmal nur wenig von dem der Alpha 7R. Er arbeitet ausschließlich per Kontrastmessung, zusätzliche Phasenvergleichssensoren auf dem Bildwandler bleiben der A7 vorbehalten. Sony betont, dass die FE-Mount-Objektive nur eine geringe Linsenmasse zum Fokussieren bewegen müssen und so für die prinzipiell etwas langsame Kontrastmessung optimiert sind. Derart gerüstet stellt die Alpha 7S innerhalb von 0,3 Sekunden scharf und löst aus – ein guter Wert. Soll sie allerdings bei Serienbildern den Fokus nachführen, sinkt die Bildrate auf maximal 2,5 fps – eine Sportkamera ist die A7S also nicht. Dafür arbeitet der Autofokus auch noch unter Lichtbedingungen, bei denen die meisten anderen Kameras die Segel streichen: Ein Lichtwert von -4 EV reicht der Alpha 7S, um die Entfernung automatisch einzustellen. In der Praxis kommt der Autofokus in stockfinsterer Nacht durchaus mit dem Licht einer Gartenlaterne aus, um ein Portrait sicher scharf zu stellen. Allerdings nahm er sich dazu viel Zeit, verzichtet aber anderseits auf lästiges Fokuspumpen. Auf Wunsch assistiert ein oranges Hilfslicht dem AF in dunkler Umgebung, um zumindest auf Motive in der Nähe rascher zu fokussieren.

Bildqualität Keine aktuelle Kleinbildkamera bietet mit lediglich zwölf Megapixeln eine derart geringe Auflösung wie die Alpha 7S. Dadurch sind andererseits die einzelnen Sensorzellen entsprechend groß und lichtempfindlich. Das wiederum bedeutet zumindest in der Theorie, dass der Bildsensor der Alpha 7S sehr rauscharm ist und auch bei hohen ISO-Werten noch einen sehr großen Dynamikumfang liefert. Sony jedenfalls scheint der Alpha 7S in dieser Hinsicht viel zuzutrauen und gestattet ihr eine maximale Empfindlichkeit von ISO 409.600. Ob die Alpha 7S das in sie gesetzte Vertrauen erfüllt und wie es ganz allgemein um ihre Bildqualität bestellt ist, musste sie im Testlabor von digitalkamera.de sowie im ausgedehnten Praxiseinsatz zeigen. Das detaillierte und ausführlich kommentierte Laborprotokoll gibt es wie immer kostenpflichtig zum Einzelabruf, und es kann als PDF-Datei heruntergeladen werden (siehe weiterführende Links am Ende dieses Beitrags).

Dass die Ausgabeauflösung der Alpha 7S bei nur zwölf Megapixeln Sensorauflösung keine schwindelerregenden Höhen erklimmt, ist zu erwarten. Mit maximal rund 42 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) bleibt sie jedoch deutlich hinter den Auflösungswerten zurück, die man heute von einer Vollformatkamera gewohnt ist. Am Objektiv, dem FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS liegt’s übrigens nicht – das knackt an der A7 mit 24 Megapixeln locker die Grenze von 60 lp/mm. Mag die Maximal-Auflösung etwas gering sein, so gefällt das SEL-2870 an der Alpha 7S andererseits mit sehr gleichmäßigen Werten über das gesamte Bildfeld. Abgeblendet auf F8 beträgt die Auflösungsverlust zu den Bildrändern im schlimmsten Fall lediglich 15 Prozent – ein sehr gutes Ergebnis! Hervorragend hat Sony überdies chromatische Aberrationen des Standardzooms korrigiert, Farbsäume an Kontrastkanten spielen bei allen Brennweiten keine Rolle. Wie aus dem Lehrbuch präsentieren sich ferner die Messwerte für die Verzeichnung, das FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS bildet praktisch verzeichnungsfrei ab. Hier hilft Sony indes kräftig nach, indem die bei Raw-Aufnahmen durchaus sichtbaren Verzeichnungen direkt in der Kamera digital auskorrigiert werden. Glücklicherweise geht das nicht zu Lasten der Bildschärfe, auch Schärfeartefakte bleiben bei allen Brennweiten und Blenden äußerst gering.

Die Auflösung der Alpha 7S ist also bescheiden. Kann sie als Ausgleich dafür wenigstens mit bahnbrechenden High-ISO-Fähigkeiten punkten? Zunächst sieht es nicht danach aus: Der Signal-Rauschabstand ist nur bis ISO 800 wirklich gut, er sinkt bereits bei ISO 12.800 unter die kritische Marke von 35 dB. Geschuldet ist dieses auf den ersten Blick enttäuschende Ergebnis sicherlich auch einer sehr zurückhaltenden Rauschunterdrückung. Sie lässt Korn mit einer ungewöhnlich hohen Größe zu und dämpft das lästige Farbrauschen so gerade noch hinreichend stark. Diese sanfte Rauschunterdrückung hat indes auch ihre erfreulichen Seiten: Die Texturschärfe bleibt bis ISO 25.600 sehr hoch und sinkt selbst beim Maximalwert von ISO 409.600 nicht kritisch weit ab. Vollends zum Überflieger wird die Alpha 7S dann, wenn es um die Eingangsdynamik geht. Nicht nur, dass sie einen Kontrastumfang von rund elf Blendenstufen (EV) verarbeiten kann, sie hält dieses hohe Niveau auch noch bis hinauf zu ISO 12.800 durch. Aber selbst wenn die ISO-Zahlen noch weiter hochgeschraubt werden, dröselt die Alpha 7S Helligkeitsunterschiede verblüffend gut auf: Bei ISO 51.200 verarbeitet sie noch Kontraste von 10,0 EV, bei ISO 102.400 sind es immer noch gute 9,4 EV. Ähnlich gut verhält sich die Alpha 7S bei der Farbtreue. Sie könnte zwar insgesamt noch etwas genauer sein, lässt sich aber ebenfalls nicht durch hohe ISO-Werte beeindrucken und bleibt bis ISO 51.200 gleichmäßig gut.

  • Bild Das Live-View-Bild der Sony Alpha 7S zeigt alle wichtigen Aufnahmeparameter an. [Foto: Martin Vieten]

    Das Live-View-Bild der Sony Alpha 7S zeigt alle wichtigen Aufnahmeparameter an. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Auswahl des Fotoprofils im Menü der Sony Alpha 7S. [Foto: Martin Vieten]

    Auswahl des Fotoprofils im Menü der Sony Alpha 7S. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Bei der Konfiguration des Fotoprofils lässt die Sony Alpha 7S speziell auf Video zugeschnittene Parameter zu, die aber auch bei Fotoaufnahmen wirken. [Foto: Martin Vieten]

    Bei der Konfiguration des Fotoprofils lässt die Sony Alpha 7S speziell auf Video zugeschnittene Parameter zu, die aber auch bei Fotoaufnahmen wirken. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild In der Großansicht der Bildwiedergabe zeigt die Sony Alpha 7S die wichtigsten Aufnahmeparameter an. [Foto: Martin Vieten]

    In der Großansicht der Bildwiedergabe zeigt die Sony Alpha 7S die wichtigsten Aufnahmeparameter an. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Sowohl weitere Aufnahmeparameter als auch RGB- und Helligkeitshistogramme lassen sich in der Bildwiedergabe der Sony Alpha 7S ebenfalls anzeigen. [Foto: Martin Vieten]

    Sowohl weitere Aufnahmeparameter als auch RGB- und Helligkeitshistogramme lassen sich in der Bildwiedergabe der Sony Alpha 7S ebenfalls anzeigen. [Foto: Martin Vieten]

Sony hat die Alpha 7S also weniger auf Rauscharmut getrimmt, sondern ihr vielmehr eine überragende Eingangsdynamik anerzogen sowie bis hinauf in hohe ISO-Sphären für eine differenzierte Detail- und Farbwiedergabe gesorgt. Während höher auflösende Vollformatkameras bis etwa ISO 6.400 brauchbare Ergebnisse liefern, kann man der Alpha 7S getrost auch ISO 51.200 zumuten – das ist immerhin ein Gewinn von drei Blendenstufen! Spätestens ab ISO 102.400 werden Fotografen aber nicht mehr glücklich mit dem, was die Alpha 7S abliefert. Anders sieht es hingegen bei Filmaufnahmen aus, bei denen Korn weit weniger stört und die maximale Auflösung eine eher untergeordnete Rolle spielt. Hier glänzt die Alpha 7S dann mit ihrem weiterhin sehr guten Dynamikumfang und einer immer noch akzeptablen Farbdifferenzierung.

Fazit Die Alpha 7S ist eine sehr spezielle Kamera mit ausgeprägten Stärken aber auch einigen Schwächen. Herausragend sind ihre High-ISO-Fähigkeiten – nicht unbedingt bei der Rauscharmut, jedoch beim Dynamikumfang und der Detailwiedergabe. Erkauft werden diese Eigenschaften indes mit einer nur moderaten Auflösung. Zweifelsohne stark sind überdies die Video-Fähigkeiten der Alpha 7S. Sie ist die erste Kleinbildkamera, die in UItra-HD aufzeichnet (allerdings nur auf einem externen Gerät) und bringt eine Reihe professioneller Video-Features mit, die so bei Digitalkameras bislang unbekannt waren – und das zu einem Preis, der deutlich unter dem von Ultra-HD-Camcordern liegt. Fotografen erhalten mit der Alpha 7S eine der derzeit leichtesten und kompaktesten Kleinbildkameras mit einem hervorragenden elektronischen Sucher und guter Ausstattung. Für eine spiegellose Systemkamera wartet die Alpha 7S mit einem fixen Autofokus auf, die Serienbildrate ist allerdings lahm – insbesondere wenn der Fokus nachgeführt werden soll. Dafür arbeitet der Autofokus auch in nahezu vollkommener Dunkelheit noch und unterstreicht damit abermals die Low-Light-Ambitionen der Kamera. Wem es in erster Linie auf diese ankommt, findet derzeit zur Alpha 7S kaum eine Alternative. Als Allround-Kamera ist die Alpha 7S mit ihrer niedrigen Auflösung und der geringen Bildrate hingegen weniger gut geeignet – da gibt es bessere und zudem noch günstigere Alternativen wie etwa das Schwestermodell Alpha 7 oder die Nikon D610 oder Canon EOS 6D.


Weiterführende Links


Meldung die auf diese Meldung verweist

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Alpha 7S
Preis ca. 2.550 EUR*
Sensor Auflösung 12,4 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.240 x 2.832
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Sony FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS
Filtergewinde 55 mm
Sucher elektronisch
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 921.600
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MemoryStick Pro Duo
Videomodus  
  Format XAVC-S, AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 3.840 x 2.160 via HDMI
1.920 x 1.080 auf Speicherkarte
  bei Bildfrequenz 50p
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 100-409.600 (Ober- und Untergrenze einstellbar)
  manuell ISO 50-409.600
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
25 (Kontrast-AF)
  AF-Hilfslicht rot-orange
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit ca. 1,7 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 489 g (nur Gehäuse)
ca. 784 g (mit Objektiv*)
Serienbildfunktion**  
  Serienbildanzahl 99 (JPEG)
25 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
5,0 (JPEG)
5,1 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
3,0 (JPEG)
2,2 (RAW)
  mit Blitz
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten**
 
  JPEG 1,9 s (6,4 MByte)
  RAW 2,6 s (12,5 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit
ca. 320 Bilder (EVF)
ca. 380 Bilder (TFT)
(jeweils lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Sony FE 28-70 mm F3.5-5.6 OSS
** mit Speicherkarte Panasonic SDHC Class 10

Kurzbewertung

  • Bahnbrechende Low-Light-Fähigkeiten
  • Professionelle Videofunktionen inklusive Ultra-HD
  • Hochwertiges und kompaktes Gehäuse
  • Lautloser vollelektronischer Verschluss
  • Geringe Auflösung
  • Niedrige Serienbildrate, insbesondere mit AF-C
  • Kein Bordblitz
  • Keine 4K-Videoaufnahme auf die Speicherkarte, lediglich extern per HDMI

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 99 %
Ausstattung 12,5 % 96 %
Handhabung 12,5 % 95 %
Geschwindigkeit 12,5 % 87 %
Bildqualität 50,0 % 96 %
Gesamtnote 95 %