Testbericht

Sony Alpha 7

2013-10-24, aktualisiert 2013-12-03 Mit der Alpha 7 und Alpha 7R (kurz A7 bzw. A7R) läutet Sony eine neue Ära bei den spiegellosen Systemkameras ein. Beide Zwillingsschwestern sind mit einem Sensor im Kleinbildformat ausgestattet, bei der A7 löst er 24 Megapixel auf, bei der A7R sind es gar 36 Megapixel. Nahezu zeitgleich mit den Kameras kommen fünf E-Mount-Objektive, die für das Vollformat geeignet sind. Aber auch Objektive mit A-Bajonett lassen sich an die die A7/A7R adaptieren. Jetzt hatte digitalkamera.de die Gelegenheit, die Alpha 7 in der Praxis sowie im Labor eingehend zu testen.  (Martin Vieten)

Sony Alpha 7 mit FE 28-70 mm [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Mit der A7 und der A7R bringt Sony frischen Wind in die Welt der spiegellosen Systemkameras. Derzeit gibt es keine Kamera mit Sensor im Kleinbildformat, die kleiner und leichter ist als die A7 beziehungsweise A7R. Gerade einmal knapp 500 Gramm wiegen sie beide – betriebsbereit, aber ohne Objektiv. Auch wenn man das Objektiv FE 28-70/3.5-5.6 an die Alpha 7 ansetzt, bleibt sie mit einem Gesamtgewicht von gut 750 Gramm ein echtes Fliegengewicht in der Vollformat-Klasse. Aber die A7 ist nicht nur ausgesprochen leicht, sie ist auch kompakt. In die Hosentasche passt sie zwar nicht, bestückt mit einem kleinen Objektiv (etwa dem FE 35/2.8) gleitet sie indes mühelos in jede Manteltasche. Eine Edel-Kompakte vom Schlage einer Nikon P7800 transportiert sich auch nicht angenehmer.

Neben den kompakten Gehäusemaßen sorgt vor allem die leichte aber sehr widerstandsfähige Magnesium-Aluminium-Legierung gepaart mit hochwertigem Kunststoff für das Leichtgewicht. Sony hat die Alpha 7 übrigens gegen Witterungseinflüsse gewappnet, ihr Gehäuse ist übersteht eine hohe Luftfeuchtigkeit oder eine Staubwolke klaglos. Einmal in die Hand genommen, wirkt die A7 im positiven Sinne unauffällig. Am gut ausgeformten Handgriff lässt sie sich auch mit nur einer Hand mühelos halten. Das Gehäuse ist hervorragend verarbeitet und lässt selbst kräftiges Zupacken mit stoischer Ruhe über sich ergehen. Wem die A7 zu klein ist, für den gibt es übrigens einen Hochformatgriff, der zudem die Akkuleistung verdoppelt.

Sony Alpha 7 mit FE 28-70 mm [Foto: MediaNord]Obwohl Sony die Alpha 7 dermaßen kompakt und leichtgewichtig konstruiert hat, spart sie keineswegs mit Bedienelementen – ganz im Gegenteil. Als erstes sticht ein ganz klassisches Rad zur Belichtungskorrektur ins Auge, das es ähnlich bereits bei der RX1 gab. Von der NEX-7 (die als legitime Vorgängerin der A7 angesehen werden kann) übernimmt die Alpha 7 zwei Wahlräder, die sich nahezu völlig frei konfigurieren lassen. Insgesamt sind es neun Bedienelemente, denen der Fotograf eine von 46 Funktionen ganz nach seinem Gusto zuweisen kann. Sony hat übrigens jedes Wählrad und fast alle Knöpfe individuell gestaltet – auf diese Weise lassen sie sich blind ertasten, die Kamera muss nur sehr selten vom Auge genommen werden. Die frei konfigurierbaren Einstellräder lassen sich zwar leicht versehentlich verstellen, auf Wunsch können sie jedoch mit einer Sperre versehen werden – eine Funktion, die sich in der Praxis als sehr nützlich herausgestellt hat.

Als weitere Einstellhilfe wartet die Alpha 7 mit einem Schnellmenü auf, das die wichtigsten Funktionen mit nur einem Knopfdruck auf den Schirm bringt – auch die Einträge hierinnen sind nicht fest vorgegeben. Etwas Einarbeitungszeit bedarf es natürlich schon, bis man die Kamera ganz persönlich eingerichtet hat. Dann aber geht die Bedienung flüssig und flott von der Hand. Im täglichen Gebrauch wird man nur sehr selten ins Hauptmenü abtauchen müssen. Falls doch einmal, findet man sich hier dank seiner klaren Gliederung leicht zurecht. Das Menü bricht übrigens radikal mit dem Weg, den Sony vormals mit der Sony Alpha 7 [Foto: MediaNord]NEX-Serie eingeschlagen hat. Anstelle von quietschbunter Disney-Atmosphäre herrscht in den Menüs der A7 nüchterne Sachlichkeit – wie bei den SLT-Kameras und der RX-Serie. Doch ganz verschwunden sind die bebilderten Menüs der NEX nicht, auf Wunsch lässt sich in diese Darstellung umschalten.

Dass Sony das Gehäuse der Alpha 7 nicht ganz so kompakt wie bei der NEX-Familie gestaltet hat, geht aufs Konto des fest eingebauten elektronischen Suchers. Er thront sozusagen in der optischen Achse oben auf der Kamera und verleiht ihr damit ein klassisches Antlitz. Im Wesentlichen übernimmt die A7 diesen EVF vom Top-Modell Alpha 99, seine Kontrastdarstellung wurde laut Sony jedoch nochmals drastisch verbessert. Er löst sehr fein auf und – was fast noch wichtiger ist – besticht durch seinen guten Dynamikumfang. In diesem EVF kann man sehr gut erkennen, ob die Tiefen durchgezeichnet werden oder die Aufnahme vielleicht doch zu dunkel gerät. Im Gegensatz zu vielen anderen elektronischen Suchern, lässt sich der EVF auch von Brillenträgern mühelos überblicken. Seine Austrittspupille ist nämlich auf einen großzügigen Augenabstand von 23 Millimeter berechnet. Im Praxiseinsatz hat er sich bestens bewährt, der EVF gefällt mit einer sehr natürlichen und dennoch kräftigen Farbwiedergabe, schliert bei schnellen Schwenks kaum nach und löst derart fein auf, dass es eine wahre Freude ist.

Sony Alpha 7 mit FE 28-70 mm [Foto: MediaNord]Man kann mit der Alpha 7 aber auch wie mit einer Kompaktkamera fotografieren, also mit der Kamera am ausgetreckten Arm. Dann dient das rückwärtige Display zur Sucherbildkontrolle. Es löst ebenfalls sehr fein auf, lässt sich um knapp 90 Grad nach oben klappen und um rund 45 Grad nach unten. Sony verzichtet auf ein Touchdisplay, was bei einer derart anspruchsvollen Kamera durchaus in Ordnung geht. Zumal es die Möglichkeit gibt, eine sehr ausführliche Statusanzeige aufs Display zu legen, die interaktiv ist. Das bedeutet, praktisch jeder Parameter lässt sich mit zwei, drei Tastendrücken direkt anwählen und ändern.

Die Schnittstellen nebst Speicherkarteneinschub hat Sony alle auf der rechten Seite der A7 untergebracht. Sie werden von ordentlichen Klappen fest verschlossen, eine kräftige Feder hält sie zu. Ein Stativgewinde fehlt ebenfalls nicht, es sitzt brav in der optischen Achse. Der Akku findet seinen Platz in einem Fach, das von der Unterseite her zugänglich ist. Kleiner Wermutstropfen: Die Akkukapazität reicht nur für ca. 270 Aufnahmen, wenn ausschließlich der EVF benutzt wird. Ist der EVF abgehschaltet, verlängert sich die Akkureichweite auf rund 340 Aufnahmen – was immer noch recht schwach ist.

Ausstattung Wie es sich für eine Kamera mit professionellem Anspruch gehört, wartet die A7 mit einer ellenlangen Ausstattungsliste auf. Dabei hat Sony aber nicht nur den erfahrenen Fotografen im Blick, die A7 bietet auch für Novizen zahlreiche sinnvolle Automatikfunktionen. Dazu gehört etwa ein Programm, das Mehrfachaufnahmen zu einem Bild mit deutlich verringertem Rauschen vereint. Oder eine HDR-Automatik, die auch Motive mit sehr hohem Kontrastumfang meistert. Sogar 13 Bildeffekte von „Spielzeugkamera“ bis zu „Wasserfarbe“ hat sie an Bord. Ebenso neun Motivprogramme – ausreichend viele, um die Kamera schnell auf die jeweilige Motivsituation einzustellen.

Sony Alpha 7 – Live-View [Foto: Martin Vieten]
Sony Alpha 7 – Infobildschirm [Foto: Martin Vieten]
Sony Alpha 7 – Schnellmenü [Foto: Martin Vieten]
Sony Alpha 7 – Einstellung des Weißabgleichs [Foto: Martin Vieten]
Sony Alpha 7 – Einstellung des Crop-Modus im Hauptmenü [Foto: Martin Vieten]

Ambitionierte Fotografen werden ebenfalls kaum eine Funktion vermissen. Die interne Bildaufbereitung lässt sich sehr weit an die persönlichen Vorlieben anpassen – oder man zeichnet gleich im Raw-Format mit 14-Bit Wortbreite auf. Um Lücken in der Ausstattung aufzuspüren, muss man schon sehr genau hinsehen. Etwa auf die Bracketing-Funktion: Sie nimmt nämlich bei Belichtungsreihen in 1EV- und 2EV-Schritten nur drei Fotos auf. Eine etwas lästige Beschränkung für alle, die HDR-Bilder gerne individuell erzeugen – zumal die Alpha 7 bei Belichtungsreihen mit kleineren Abständen durchaus fünf Einzelaufnahmen kennt.

In der Testzeit haben wir bei der Alpha 7 vor allem einen kleinen Bordblitz etwas vermisst – zum Beispiel um auf die Schnelle ein Portrait aufzuhellen. Für ihn fand Sony offenbar keinen Platz mehr im sehr kompakten Gehäuse der Kamera. So ist man auf ein externes Blitzgerät angewiesen, das sich über den ISO-kompatiblen „Multi-Interface-Zubehörschuh“ leicht anschließen lässt. Hat man einen Systemblitz aufgesteckt, eröffnet einem die Alpha 7 jedoch nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Dazu gehören auch eine sehr kurze Blitzsynchronzeit von 1/250 Sekunde (1/160 Sekunde bei der A7R) sowie die Option zur drahtlosen Steuerung gleich mehrerer externer Blitzgeräte. Der Multi-Interface-Zubehörschuh nimmt indes nicht nur Blitzgeräte auf, es passt auch eine Reihe weiteres Zubehör hinein. Etwa eine Videoleuchte oder ein Stereomikrofon – was Videofilmer eben so brauchen. Sogar eine PC-Buchse zum Anschluss einer Studioblitzanlage lässt sich über den Zubehörschuh nachrüsten.

Dass Sony ein Herz für Videofilmer hat, unterstreicht die Alpha 7 eindrucksvoll. Nicht nur, dass sie in Full-HD mit 50 Bildern pro Sekunde aufzeichnet (1.920 x 1.080 Pixel, 50 fps) – die A7 gibt Videos auf Wunsch auch unkomprimiert via HDMI an ein externes Aufzeichnungsgerät aus. Und der Ton zum Film lässt sich manuell aussteuern – das bietet in dieser Kameraklasse kaum ein Apparat. Wem die Qualität des internen Stereomikrofons nicht ausreicht, kann die A7 mittels Adapter zum Anschluss zweier XLR-Profi-Mikrofone erweitern. Da scheint es fast schon selbstverständlich zu sein, dass die Alpha 7 bei der Filmaufnahme fast alle Möglichkeiten bietet, die sie auch für die Fotoaufzeichnung zur Verfügung stellt – inklusive der Option zur manuellen Belichtungssteuerung.

Deutlich zurückhaltender gibt sich die A7 hingegen bei den nachträglichen Bearbeitungsfunktionen – hier stellt sie nur das absolut Notwendige zur Verfügung. Dagegen ist sie in Sachen Konnektivität und Erweiterbarkeit per App absolut auf der Höhe der Zeit. Wird ein Smartphone oder anderes Mobilgerät mit der Gratis-App PlayMemories Mobile ausgestattet, lässt sich die Alpha 7 via WiFi fernsteuern und überträgt auf Wunsch auch die Aufnahmen direkt aufs Mobilgerät. Zudem lässt sich der Funktionsumfang der A7 mithilfe von Camera Apps erweitern. Diese Apps gibt es zum Teil kostenlos, andere sind für kleines Geld erhältlich.

Objektiv Mit der Alpha 7 (und der Alpha 7R) betritt Sony wahres Neuland – sie ist die erste Vollformat-Kamera mit E-Bajonett. Um die gesamte Fläche des Kleinbild-Sensors der Alpha 7 ausleuchten zu können, braucht es allerdings geeignet Objektive. Sony hat sie zeitgleich mit der Kamera vorgestellt. Wir hatten vornehmlich das neue FE 28-70/3.5-5.6 an der A7 im Einsatz – eine Kombination, die so auch im Set angeboten wird. Dieses Set-Objektiv macht zwar nicht unbedingt den Eindruck, wie für die Ewigkeit gebaut zu sein – passt aber mit seinem geringen Gewicht von nicht einmal 300 Gramm und seinen handlichen Maßen perfekt zur kompakten Alpha 7. Die Abbildungsleistung des Set-Objektivs geht auf den ersten Blick schwer in Ordnung, mehr dazu im Abschnitt Bildqualität.

Anders als die Alpha-SLT-Serie von Sony verzichtet die A7 auf einen In-Body-Bildstabilisator. Im Rahmen der Kamera-Vorstellung deutete Mr. Kimio Maki, Senior General Manager Digital Imaging Business Group Sony Corporation indes an, dass es zukünftig nicht dabei bleiben muss. Aktuell gibt es einen Verwacklungsschutz jedenfalls nur, wenn das Objektiv mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet ist; dem FE 28-70 hat Sony glücklicherweise einen Stabilisator mit auf den Weg gegeben.

Für gestiegene und allerhöchste Ansprüche hat Sony noch weitere Objektive im Angebot, beziehungsweise wird sie in den nächsten Monaten auf den Markt bringen. Sie tragen den Suffix „FE“ in der Bezeichnung (für Fullframe E-Mount).  Intensiv ausprobieren konnten wir das FE 55/1.8 ZA, das für ein 50er recht lang ist, aber angenehm leicht bleibt. Wie alle Zoom und Festbrennweiten verfügt es über einen flüsterleisen Ultraschall-Antrieb, verzichtet jedoch auf einen optischen Bildstabilisator. Das verlangt insbesondere an der A7R mit ihrem 36-Megapixel-Sensor große Sorgfalt bei der Aufnahme, um verwackelte Fotos zu vermeiden.

Sony Alpha 7 mit FE 28-70 mm [Foto: MediaNord]Die A7 hat der größeren A7R ein erweitertes AF-System voraus. Auf ihrem 24-Megapixel-Sensor hat Sony 117 Messzellen für einen Phasenvergleichs-Autofokus untergebracht. Sie unterstützen das Fokussieren per Kontrastmessung und sollen dadurch die AF-Geschwindigkeit deutlich erhöhen. In der Praxis hat sich der AF durchaus als flott erwiesen, jedenfalls spürbar schneller als ein herkömmlicher Live-View-AF in DSLRs. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass Sony mit der A7 einen neuen Hauptprozessor einführt. Dieser „Bionz X“-Prozessor verarbeitet auch AF-bezogene Daten sehr flott. Und so vergehen nicht einmal 0,3 Sekunden, bis die Alpha 7 im Testlabor von digitalkamera.de scharf gestellt und ausgelöst hat. Bei sehr schwierigen Lichtverhältnissen, etwa bei nächtlichen Stadtszenen, taumelt der Autofokus indes bisweilen und braucht dann mehrere Anläufe, bis er sein Ziel gefunden hat.

Neue AF-Funktionen führt Sony mit der Alpha 7 ebenfalls ein. So gibt es jetzt einen Eye-AF, der Pupillen erkennt und damit die Schärfe zuverlässig aufs Auge legt. Hat der Eye-AF eine Pupille registriert, hält er sie zuverlässig im Fokus, auch wenn sich das Gesicht einmal wegdreht oder kurz aus dem Sucherausschnitt wandert. Eine weitere Neuerung: In der Betriebsart „Flexible Spot“ lässt sich jetzt die Größe des AF-Feldes in drei Stufen wählen. Das soll zum Beispiel bei Makro-Aufnahmen helfen, die Schärfe noch exakter auf den gewünschten Punkt legen zu können.

Auch wenn die Alpha 7 auf dem E-Mount basiert, das Sony mit der NEX-Linie eingeführt hat, so benötigt sie doch Objektive, die deren Bildkreis des Sensors im Kleinbildformat ausleuchten. Zwar lassen sich auch DT-Objektive mit APS-C-Bildkreis an die A7 adaptieren, dann lässt sich jedoch standardmäßig nur ein Ausschnitt aus der Aufnahme verwenden. Sony bietet indes bei der A7 Sony Alpha 7 mit FE 28-70 mm [Foto: MediaNord]und A7R die Möglichkeit, den automatischen Zuschnitt bei Verwendung von DT-Objektiven abschalten zu können. Das erlaubt es einem, die in der Regel stark vignettierten Aufnahmen nachträglich auf den gewünschten Ausschnitt zuschneiden zu können.

Neue E-Mount-Objektive für das Kleinbildformat müssen also her – und da sieht es im Moment noch etwas dünn aus (siehe weiterführende Links am Ende des Beitrags). Sony hat indes zusammen mit der Alpha 7 gleich zwei Adapter vorgestellt, über die sich Objektive mit A-Bajonett an die Kamera anschließen lassen. Beim Spitzenmodell LA-EA4 bleiben dabei alle Funktionen erhalten, auch der Autofokus. Der Adapter LA-EA4 weist ein eigenes Phasen-AF-Modul auf, mit ihm wird die A7 quasi zur SLT-Kamera. Beim handlicheren LA-EA3 bleiben hingegen nur die mechanischen und elektronischen Funktionen der angesetzten A-Mount-Objektive erhalten – etwa die Blendesteuerung – auf einen Autofokus muss man hier verzichten. Da die A7 aber mit einer wirklich gut funktionierenden Focus-Peaking-Funktion aufwartet, lässt sich die Kamera auch schnell und zuverlässig manuell scharf stellen.

Bildqualität Die Alpha 7 erbt im Wesentlichen den Bildwandler, den Sony bereits in der SLT-A99 einsetzt. Dieser Sensor im Kleinbildformat löst mit 24 Megapixeln recht hoch auf. Anderseits jedoch noch nicht so hoch, dass nur noch besonders hochwertige Objektive das Auflösungspotenzial des Sensors auch gänzlich ausschöpfen können. Bei der Alpha 99 gab der Bildwandler eine insgesamt ordentliche Figur ab, konnte aber nicht in allen Belangen restlos überzeugen. Wie macht sich dieser etwas betagte Bildsensor nun in der Alpha 7? Sie hat ja gegenüber der SLT-Technik der A99 den Vorteil, dass hier keine Folie Sony Alpha 7 mit FE 28-70 mm [Foto: MediaNord]im Strahlengang die Lichtstärke dämpft. Zudem hat Sony mit der A7-Reihe den deutlich leistungsfähigeren Bildprozessor „Bionz X“ eingeführt, der eine sichtbar gesteigerte Bildqualität verspricht. In der Praxis und im Testlabor von digitalkamera.de musste die Alpha 7 nun zeigen, ob sie alle diese Versprechungen halten kann. Das ausführliche und gut kommentierte Testprotokoll kann gegen ein kleines Entgelt eingesehen und als PDF-Datei heruntergeladen werden – siehe Links am Ende des Beitrags.

Ausgestattet war unser Testmodell mit dem Zoomobjektiv Sony FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS (SEL-2870), das bislang einzig im Set mit der Alpha 7 (ILCE-7) erhältlich ist. Gemeinhin genießen die Set-Objektive bei Sony (aber nicht nur da!) keinen allzu guten Ruf, die Erwartungen des Testers waren also nicht sehr hoch. Doch das SEL-2870 wischt etwaige Vorbehalte schnell vom Tisch: Es bleibt über den gesamten Brennweitenbereich hinweg gänzlich verzeichnungsfrei – eine reife Leistung! Auch das Auflösungsvermögen ist beachtlich: Im Bildzentrum gibt es sehr gute 60 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) wieder, zu den Bildrändern hin nimmt die Auflösung um nicht einmal 20 Prozent ab. Ausgenommen davon ist lediglich der Weitwinkelbereich bei Offenblende, wo die Auflösung in den Bildecken auf inakzeptable 28 lp/mm abstürzt. Doch abgeblendet auf F8 ist die Welt wieder in Ordnung, jetzt eignet sich das SEL 2870 durchaus auch für Landschafts- oder Architekturaufnahmen.

Ähnlich makellos zeigt sich das SEL 2870 in Sachen „chromatischer Aberration“, Farbsäume an Kontrastkanten bleiben selbst im schlimmsten Fall kleiner als 0,5 Pixel und damit unsichtbar. Derart gute und vor allem über das gesamte Bildfeld gleichmäßige Abbildungseigenschaften sind oftmals ein klarer Hinweis darauf, dass hier elektronisch nachgeholfen wird. Das schlägt sich dann meist in der Messung der Schärfeartefakte nieder – jedoch nicht beim preisgünstigen Set-Objektiv der Alpha 7: Sony Alpha 7 [Foto: MediaNord]Hier sind die Schärfeartefakte in den Bildrändern deutlich schwächer ausgeprägt als im Zentrum – ein klarer Beleg dafür, dass der neue Bionz-X-Prozessor nicht versucht, fehlende Details durch kräftiges Nachschärfen zu kaschieren. Insgesamt ist die Artefaktrate noch gut, indes für allerhöchste Ansprüche vielleicht schon etwas zu hoch.

Das FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS entpuppt sich also als ein kleiner Star an der Alpha 7. Gilt das auch für die Kamera selber – also, wenn es um die Leistung von Bildsensor und -prozessor geht? Schon beim Betrachten der ersten Aufnahmen wusste die Bildqualität zu gefallen. Dieser erste Eindruck wird nun vom unbestechlichen Labortest untermauert: Die Alpha 7 liefert bis hinauf zu ISO 6.400 eine sehr gute Bildqualität, Kritikpunkte finden sich allenfalls im Detail. Etwa bei der Rauschunterdrückung, die ab ISO 3.200 etwas grobkörniges Rauschen im Rotkanal durchgehen lässt. Das war es dann aber auch schon, die übrigen Messkurven sehen fast aus wie aus dem Lehrbuch: Das Luminanzrauschen bleibt bis zur maximalen Empfindlichkeit von ISO 25.600 im grünen Bereich, das gilt ebenso für die Korngröße der Helligkeitsstörungen. Ganz kritische Geister könnten zudem bemängeln, dass die Texturschärfe im Low-ISO-Bereich mit fast 1,2 etwas zu hoch ist, die Kamera also zu herzhaft nachschärft. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Alpha 7 dieses hohe Niveau bis ISO 800 hält und die Aufnahmen erst jenseits der ISO 6.400 sichtbar weich werden. Zu diesem hervorragenden Ergebnis trägt sicherlich der Bionz-X-Prozessor ebenfalls sein Scherflein bei, er unterdrückt das Rauschen in flächigen Bereichen nämlich deutlich stärker als an Kontrastkanten.

Sony Alpha 7 Speicherkartenfach und Akkufach [Foto: MediaNord]Kameras von Sony glänzten schon immer mit einer sehr guten Eingangsdynamik. Das gilt ohne Wenn und Aber auch für die Alpha 7: Sie verarbeitet bis hinauf zu ISO 3.200 Motivkontraste von ca. elf Blendenstufen (EV), selbst bei ISO 12.800 sind es noch 10,2 EV. Damit stößt die Eingangsdynamik der Alpha 7 bereits in Bereiche vor, die bislang dem digitalen Mittelformat vorbehalten waren. Aber nicht nur die Eingangsdynamik ist exzellent, die Alpha 7 kann sie vielmehr auch in einen entsprechenden Tonwertreichtum ummünzen. Die Ausgabedynamik liegt bis hinauf zu ISO 400 beim theoretischen Maximum von 256 Stufen pro Helligkeits- beziehungsweise Farbkanal; unter die kritische Grenze von 160 Werten sinkt sie über den gesamten ISO-Bereich nicht.

Damit empfiehlt sich die kleine Alpha 7 durchaus für Fotografen mit allerhöchsten Ansprüchen, etwa im Studio. Doch gilt das auch für die Farbwiedergabe? Leider nicht ganz – ausgerechnet in dieser Disziplin patzt die Alpha 7 ein wenig. Zwar sind die Farbabweichungen im Mittel noch gering, in der Spitze aber eindeutig zu hoch. Zur Ehrenrettung sei indes gesagt, dass es die Alpha 7 vor allem mit der Sättigung zu gut meint, Farbverfälschungen sind kaum ein Problem. So bleibt unter dem Strich, dass die Alpha 7 mit einer hervorragenden Bildqualität punktet, und zwar nicht nur bei niedriger ISO-Empfindlichkeit. Das gilt – mit ganz kleinen Abstrichen – ausdrücklich auch für das Set-Objektiv.

Fazit Klein, leicht, stark – so nüchtern könnte man die Sony Alpha 7 auf den Punkt bringen. Sie ist die derzeit leichteste und kompakteste Vollformatkamera, selbst mit dem Objektiv FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS wiegt sie weniger als ein vergleichbarer DSLR-Body ohne Objektiv. Das Handling der Kamera ist ausgezeichnet, ihr leichtes Gewicht und die geringe Größe können in der Praxis restlos überzeugen. Das gilt auch für das Bedienkonzept, kaum eine andere Kamera kann der Fotograf so auf seine Erfordernisse und Wünsche zuschneiden wie die Alpha 7. Ihr elektronischer Sucher steht auf einer derart hohen Entwicklungsstufe, dass nur noch in den seltensten Fällen der Wunsch nach einem klassischen optischen Sucher aufkeimt. Schade nur, dass Sony keinen Platz mehr für einen Bordblitz im kleinen Gehäuse gefunden hat. Doch darüber sieht man angesichts der hervorragenden Bildqualität der Alpha 7 gerne hinweg, zumal sich die Kamera leicht mit einem externen Blitzgerät ausstatten lässt. Das größte Pfund der kleinen Vollformatkamera ist indes ihre Bildqualität: Sie begeistert mit einem hohen Auflösungsvermögen (selbst mit dem preisoptimierten Set-Objektiv), einem Rauschverhalten wie aus dem Lehrbuch sowie einer überragenden Eingangsdynamik. Etwas Federn lassen muss die Alpha 7 dagegen bei der Serienbildrate und insbesondere dem Nachführ-AF, für Action-Motive eignen sich andere Modelle besser. Wem es darauf aber nicht so sehr ankommt, der bekommt mit dem A7-Kit ein hervorragendes Paket mit einem exzellenten Preis-/Leistungsverhältnis.


Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Sony
Modell Alpha 7
Preis ca. 1.800 EUR*
Sensor Auflösung 24,7 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.000 x 4.000
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Sony FE 28-70 mm 3.5-5.6 OSS
Filtergewinde 55 mm
Sucher elektronisch
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 921.600
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MemoryStick Pro Duo
Videomodus  
  Format AVCHD oder MP4
  Codec H.264/AVC
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 50p
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 100-25.600 (Ober- und Untergrenze einstellbar)
  manuell ISO 50-25.600
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
323 (Kontrast-AF)
102 (Phasen-AF auf dem Sensor)
  AF-Hilfslicht rot-orange
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 16
Einschaltzeit ca. 1,5 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
ca. 474 g (nur Gehäuse)
ca. 769 g (mit Objektiv*)
Serienbildfunktion**  
  Serienbildanzahl 53 (JPEG)
22 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
5,1 (JPEG)
6,2 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,3 (JPEG)
0,5 (RAW)
  mit Blitz
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten**
 
  JPEG 1,7 s (6,6 MByte)
  RAW 3,9 s (23,8 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit
ca. 270 Bilder (EVF)
ca. 340 Bilder (TFT)
(jeweils lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Sony FE 28-70 mm F3.5-5.6 OSS
** mit Speicherkarte Sony SDHC 25 MB/s

Kurzbewertung

  • Exakter Autofokus mit Pupillen-Erkennung
  • Durchdachtes Bedienkonzept
  • Äußerst handliche Kleinbildkamera zum attraktiven Preis
  • Hervorragende Bildqualität (auch mit Set-Objektiv)
  • Nachführ-Autofokus etwas langsam
  • Aktuell sehr eingeschränktes Angebot an FE-Objektiven
  • Kein Bordblitz

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 98 %
Ausstattung 12,5 % 98 %
Handhabung 12,5 % 95 %
Geschwindigkeit 12,5 % 89 %
Bildqualität 50,0 % 96 %
Gesamtnote 96 %