Kompakttest

Sony Alpha 5100

2014-12-06 Dem Aussehen und der Modellbezeichnung nach könnte die Sony Alpha 5100 ein Nachfolger der Alpha 5000 sein. Das trifft aber nicht zu. Vielmehr folgt die Alpha 5100 der NEX-5T nach und soll die Lücke zwischen der A5000 und der A6000 schließen. Sie ist also die größere Schwester und kein Zwilling. Dass das so ist, zeigen die inneren Werte: die Auflösung klettert um 4 Megapixel, der Bildschirm hat eine höhere Auflösung und ist berührungsempfindlich und – besonders interessant – die Alpha 5100 verfügt über 179 Phasenkontrastdetektoren, die insbesondere den kontinuierlichen Fokus auf bewegte Objekte verbessern sollen. Was das neue Modell kann und ob es den Aufpreis wert ist, zeigt dieser Test.  (Stefan Meißner)

Ergonomie und Verarbeitung Bis auf die Narbung der Gummierung und den nun in Schwarz statt in Chrom gehaltenen Bajonettring sind auf den ersten Blick keinerlei Unterschiede zwischen der Alpha 5000 und der Alpha 5100 zu erkennen. Das Gehäusematerial ist nach wie vor aus hochwertigem Kunststoff sauber gefertigt und wiegt daher mit 265 Gramm auch nahezu das gleiche. Die Ziegelform wird durch den gut geformten Griffbuckel recht handlich, wenngleich auch nicht gerade super ergonomisch. Insbesondere Personen mit großen Händen werden nicht alle Finger bequem auf dem Gehäuse unterbringen. Klein und gleichzeitig prankentauglich geht eben nicht. Der Kompromiss zwischen Größe und Ergonomie kann aber durchaus als gelungen bezeichnet werden.

  • Bild Mit der Alpha 5100 will Sony die Lücke zwischen der Alpha 5000 und Alpha 6000 schließen. [Foto: MediaNord]

    Mit der Alpha 5100 will Sony die Lücke zwischen der Alpha 5000 und Alpha 6000 schließen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der große 16:9-Touchscreen der Sony Alpha 5100 lässt sich um bis zu 180 Grad nach oben klappen, was Selbstportraits erleichtert. [Foto: MediaNord]

    Der große 16:9-Touchscreen der Sony Alpha 5100 lässt sich um bis zu 180 Grad nach oben klappen, was Selbstportraits erleichtert. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Lithium-Ionen-Akku der Sony Alpha 5100 spendet für immerhin 420 Aufnahmen nach CIPA-Standard Energie. [Foto: MediaNord]

    Der Lithium-Ionen-Akku der Sony Alpha 5100 spendet für immerhin 420 Aufnahmen nach CIPA-Standard Energie. [Foto: MediaNord]

Ein großer Vorteil der Sony Alpha 5100 ist die dank Zoomhebel am Auslöser mögliche Einhand-Bedienung, insbesondere, wenn man bedenkt, dass ein Sensor im APS-C-Format zum Einsatz kommt. Genau wie bei einer Kompaktkamera lässt sich mit dem Motorzoom der Sony einigermaßen feinfühlig der Bildausschnitt einstellen. Damit aber nicht genug: gleich zwei weitere Zoomhebel bietet das von uns getestete 16-50 mm Kit-Objektiv. Mit dem scheinbar manuellen Zoomring kann entweder sehr schnell der gesamte Brennweitenbereich überstrichen oder die Brennweite auch sehr präzise angepasst werden. Eine dritte Möglichkeit bietet der Zoom-Schieber, der aber nicht ganz so bequem zu erreichen ist. In der Praxis gefiel uns der Hebel am Auslöser am besten, wenn das kleine Powerzoom montiert war. Das an der Alpha 5100 überdimensionale Sony E 18-105 mm F4 G OSS PZ hingegen zoomt mit dem Zoomhebel so langsam, dass der eher für Videoaufnahmen geeignet ist. Aufgrund seiner Größe muss es sowieso zweihändig gehalten werden, so dass die Verwendung des Zoomrings nahe liegt. Dieser läuft so geschmeidig, dass er kaum von einem mechanischen Antrieb unterschieden werden kann.

Der schon von der Alpha 5000 bekannte Klappmechanismus des Monitors ist dank des oben angeschlagenen und um 180 Grad klappbaren Scharniers für bodennahe Aufnahmen und Selbstportraits gut geeignet, für Fotos mit über den Kopf gehaltener Kamera taugt er aber nicht. Immerhin ist die Auflösung nun auf zeitgemäße 921.000 Bildpunkte gestiegen und dank der Touch-Funktion ergeben sich auch einige Neuerungen bei der Bedienung. Das Display ist angenehm hell und klar, scharf sowieso und recht winkelunabhängig. Dennoch wünscht man sich nicht nur in heller Umgebung den Sucher der Alpha 6000, der aber dem teureren Modell vorbehalten bleibt und auch nicht nachgerüstet werden kann. Ansonsten bietet das Display alles, was das Herz begehrt. Es lassen sich verschiedene Gitter, jegliche Aufnahmeparameter und ein Histogramm einblenden. Das Stativgewinde besteht aus Stahl, ist exakt in der optischen Achse positioniert und weit genug vom Scharnier der soliden Akkuklappe entfernt, so dass sich keine Konflikte mit einer Schnellwechselplatte ergeben. Das ist insbesondere bei einem so kleinen Gehäuse lobenswert. Auch die Abdeckung von Anschlüssen und Speicherkarte geht in Ordnung, wenngleich sie einen etwas weniger soliden Eindruck hinterlässt. Lästig, dass über den Micro-USB-Anschluss auch der Akku geladen werden muss, denn ein externes Ladegerät kann nur als Zubehör erworben werden.

Die wenigen Schalter sind übersichtlich auf der Rückseite neben dem Display angeordnet und gut mit dem Daumen zu erreichen. Das Hauptbedienelement besteht aus einer Kombination aus Kreuzwippe und Drehring, in dessen Mitte ein weiterer Taster angebracht ist. Ein ausgewiesenes Programmwählrad gibt es nicht, dieses wird aber auf dem Display simuliert, sobald eben dieser zentrale Taster betätigt wird. Mit dem kleinen Ring sind dann alle grundlegenden Funktionen schnell gewählt. Im Prinzip geht das fast schneller als mit einem echten Programmwähler, so dass man nach kurzer Gewöhnung prima damit zurechtkommt. Störend ist aber, dass zum Einstellen der Aufnahmeparameter nur der Kreuzwippen-Ring zur Verfügung steht. Mit ihm lassen sich je nach gewählter Kamerafunktion direkt Blende, Zeit und Szeneprogramme einstellen. Mit den vier Richtungstasten können Belichtungskorrekturen, Verschlusssteuerung und ISO-Empfindlichkeit beziehungsweise die Informationsfülle auf dem Display eingestellt werden. Alle weiteren Funktionen sind leider nur über das Menü zu erreichen, denn mehr direkten Zugriff auf Funktionen gibt es mangels Tasten nicht. Schön ist allerdings, dass drei Richtungs- und zwei weiteren Tasten nahezu jede beliebige Kamerafunktion zugewiesen werden können. Wem fünf direkt anzuwählende Funktionen genügen, kommt also mit den wenigen Tasten durchaus zurecht.

Das Menü erscheint zunächst in der sogenannten Kachelansicht, bei der sich die sechs Hauptseiten bildschirmfüllend präsentieren. Das schreit natürlich geradezu nach Fingerbedienung, was aber unverständlicherweise nicht vorgesehen ist. Die Touch-Funktion der Alpha 5100 beschränkt Sony auf das Scharfstellen und Auslösen. Um eine Stufe tiefer ins Menü vorzudringen muss daher die gewünschte Kachel zunächst mit dem Ring oder Steuerkreuz ausgewählt und dann mit dem Taster aufgerufen werden. Erst danach gelangt der Fotograf eine Ebene tiefer ins Menü und kann Optionen wählen. Wer das als unnötigen Umweg empfindet, kann die Kachelansicht abschalten und gelangt sofort ans Ziel. Hier offenbart sich eine gewaltige Funktionsfülle, die für Sony-Neulinge leider etwas unübersichtlich sortiert ist. Auch die nur mäßig aufbereitete Bedienungsanleitung hilft da kaum. Man muss schon ganz schön durch die Menüs blättern, um wirklich alle Geheimnisse der Alpha 5100 zu lüften. Aber dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Ausstattung Aufgrund der wenigen Tasten neigt man zunächst zu der Ansicht, mit der Sony Alpha 5100 eine im Funktionsumfang eher einfache Kamera in den Händen zu halten. Weit gefehlt! In den Tiefen des Menüs gibt es nahezu nichts, was es nicht gibt. Alle Standardfunktionen sind selbstverständlich an Bord, sogar gleich zwei Vollautomatiken. Die „überlegene Automatik“ schaltet bei Bedarf in den Serienmodus, um bei extremen Kontrasten ein HDR-Foto aufzunehmen oder bei wenig Licht aus mehreren Aufnahmen eine rauschärmere errechnen zu können. Das funktioniert ganz ordentlich, allerdings gehen mit der Unterdrückung von Rauschen auch hier Details verloren. Besonders lobenswert ist, dass der Fotograf trotz Vollautomatik bei Bedarf eingreifen darf. Zwar gibt es keine klassische Belichtungs- oder Farbkorrektur, dafür ein paar für Laien besser verständliche Regler für Helligkeit, Farbstimmung oder Schärfentiefe. Zusätzlich können Bildeffekte wie Spielzeugkamera, poppige Farben und einiges mehr eingestellt werden. Ein weites Feld zum Experimentieren auch im Vollkasko-Modus.

Um kontrastreiche Szenen zu bändigen, kann der Fotograf HDR und DRO auch manuell zuschalten. DRO hellt in fünf Stärke-Stufen dunkle Bildstellen auf. Bei HDR werden drei Fotos mit bis zu 6 Blendenstufen Differenz zu einer Aufnahme mit ausgeglichenen Kontrasten kombiniert. Dabei wird die Normalbelichtung zum Vergleich zusätzlich gespeichert, toll! Prinzipbedingt sollte es bei der Serie keine Bewegung zwischen den Aufnahmen geben, ansonsten entstehen – manchmal durchaus reizvolle – Geisterbilder. Beide Funktionen arbeiten vorzüglich und führen selbst in der stärksten Stufe zu natürlich wirkenden Fotos mit guter Lichter und Tiefenzeichnung.

Im Szenemodus wählt der Fotograf die zur geplanten Aufnahme passende Automatik wie zum Beispiel Sport, Porträt und Makro oder „Nachtszene ohne Stativ“, bei der die Kamera versucht, aus einer Dreierserie ein optimiertes Bild mit geringerer Verwacklung zu errechnen. Ein Bildstabilisator im Objektiv unterstützt dabei erfolgreich.

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