Testbericht

Samsung NX1

2014-12-17 Mit der NX1 bringt Samsung eine spiegellose Systemkamera, die der Konkurrenz gleich in mehrerlei Hinsicht davoneilen will: Ihr Bildsensor weist mit 28 Megapixel die höchste Auflösung in der APS-C-Klasse auf, soll aber dank BSI-Technik auch bei hohen ISO-Zahlen eine gute Bildqualität liefern. Zudem verspricht die NX1 auf dem Papier 15 Serienbilder pro Sekunde, bei denen sie auch noch den Fokus nachführen kann. Hat die NX1 wirklich das Zeug, dem etablierten Wettbewerb das Fürchten zu lehren? Oder ist sie nur ein Papiertiger? digitalkamera.de klärt diese Fragen im aufwändigen Labor- und Praxistest.  (Martin Vieten)

Ergonomie und Verarbeitung Das soll eine spiegellose Systemkamera sein? Selbst auf den zweiten Blick wirkt die Samsung NX1 eher wie eine ausgewachsene DSLR, mit Sucherbuckel und ergonomisch günstig ausgeformten Handgriff. Mit 637 Gramm ist sie zwar kein reines Leichtgewicht, wiegt aber etwas weniger als eine vergleichbare DSLR. Dabei macht die Kamera einen sehr robusten Eindruck. Kein Wunder, besteht das Gehäusechassis doch aus einer sehr stabilen Magnesiumlegierung. Zudem hat Samsung alle Klappen, Tasten und Einstellräder mit Gummidichtungen versehen, die für ausreichenden Staub- und Spritzwasserschutz sorgen.

  • Bild Die Samsung NX1 wird unter anderem im Set mit dem sehr lichtstarken Standardzoom 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction angeboten. [Foto: MediaNord]

    Die Samsung NX1 wird unter anderem im Set mit dem sehr lichtstarken Standardzoom 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction angeboten. [Foto: MediaNord]

  • Bild Sowohl das Display als auch der elektronische Sucher der NX1 überzeugten im Test mit einer sehr detaillierten Darstellung. [Foto: MediaNord]

    Sowohl das Display als auch der elektronische Sucher der NX1 überzeugten im Test mit einer sehr detaillierten Darstellung. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der rechten Schulter sitzt ein kleines Statusdisplay, das fast überflüssig ist, denn die NX1 blendet auf Knopfdruck eine Fülle an Informationen direkt ins Sucherbild ein. [Foto: MediaNord]

    Auf der rechten Schulter sitzt ein kleines Statusdisplay, das fast überflüssig ist, denn die NX1 blendet auf Knopfdruck eine Fülle an Informationen direkt ins Sucherbild ein. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der APS-C-Sensor der NX1 löst brutto rund 30 Megapixel auf. Um bei dieser hohen Integration die Lichtausbeute zu erhöhen, führt Samsung ihn in BSI-Technik aus. [Foto: MediaNord]

    Der APS-C-Sensor der NX1 löst brutto rund 30 Megapixel auf. Um bei dieser hohen Integration die Lichtausbeute zu erhöhen, führt Samsung ihn in BSI-Technik aus. [Foto: MediaNord]

  • Bild Leider legt Samsung der NX1 nur ein USB-Ladegerät für den Akku bei. So muss dieser in der Kamera verbleiben, wenn er aufgeladen wird. [Foto: MediaNord]

    Leider legt Samsung der NX1 nur ein USB-Ladegerät für den Akku bei. So muss dieser in der Kamera verbleiben, wenn er aufgeladen wird. [Foto: MediaNord]

Nimmt man die NX1 erstmals in die Hand, findet man sich auf Anhieb gut zurecht. Alle Bedienelemente sind dort, wo man sie erwarten kann. Auf der linken Schulter sitzt ein griffiger Einstellring, mit dem sich Modi wie Einzelbild, Serienbilder oder Selbstauslöser einstellen lassen. Im Zentrum des Rings hat Samsung vier Knöpfe für weitere häufig benötigte Einstellungen, etwa für den Weißabgleich oder die ISO-Zahl angeordnet. Rechts vom Sucher folgt ein verriegelbares Programmwählrad, direkt daneben informiert die NX1 mit einem beleuchtbaren Schulterdisplay über die aktuellen Einstellungen. Zudem wartet die Kamera mit einem Front- und einem Daumenrad auf, die beide indes ruhig etwas schwerer gehen dürften, um versehentliches Verstellen zu vermeiden. Hinzu gesellt sich noch ein Einstellring auf der Rückseite, in den eine Kreuzwippe integriert ist. Diese weist einen guten Druckpunkt auf, macht aber mit Geräuschen wie ein Knackfrosch auf sich aufmerksam.

Mit dedizierten Bedienelementen hat Samsung die NX1 also üppig ausgestattet. Dabei benötigt man die gar nicht unbedingt. Die Kamera wartet nämlich zudem mit einem berührungsempfindlichen Display auf, über das sie sich mit ein paar Fingertippern zügig konfigurieren lässt. Auch das etwa unübersichtliche Hauptmenü reagiert auf Berührung, das ist wirklich große Klasse! Und dann gibt es ja noch die Samsung-typische iFunction. Hierbei zaubert ein entsprechender Knopf am Objektiv ein weiteres Schnellmenü standardmäßig für Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert und Weißabgleich auf die Anzeige, das sich dann ebenfalls per Fingergesten bedienen lässt, alternativ auch mit dem Fokusring. Der 3-Zoll-Monitor ist übrigens nach oben und unten klappbar, zur Seite schwenken lässt er sich nicht. Dafür beeindruckt das AMOLED-Display mit seiner kräftigen Farbwiedergabe und der standesgemäßen Auflösung von gut einer Million Bildpunkten.

Noch eindrucksvoller ist jedoch der Blick in den elektronischen Sucher. Er löst mit 2,36 Millionen Bildpunkten sehr fein auf, sein OLED-Display reproduziert einen ausgesprochen hohen Kontrastumfang und begeistert ebenfalls mit einer guten Farbwiedergabe. In der Werksauslieferung wirkt das Sucherbild zwar etwas kühl, die Farbdarstellung lässt sich jedoch sehr fein anpassen – übrigens auch für den Monitor. Der EVF weist bezogen auf das Kleinbildformat eine Sucherbildvergrößerung von 0,69 auf – das Sucherbild ist also für eine APS-C-Kamera ungewöhnlich groß. Schön auch, dass der EVF selbst in dunkler Umgebung nicht schliert, wenn die NX1 geschwenkt wird. Als einzige Störung erlaubt er sich dann verstärktes Rauschen, das aber selbst in einer spärlich erhellten Stube nicht lästig wurde. Ein Näherungssensor am EVF lässt die NX1 automatisch zwischen diesem und dem Display wechseln, es gibt aber auch einen griffgünstig angebrachten manuellen Umschalter.

Das umfangreiche Schnittstellen-Panel der NX1 verbirgt sich an der linken Seite unter zwei stramm schließenden Gummiklappen. Auf der rechten Seite verschwindet eine SD-/SDHC-/SDXC-Speicherkarte im Kartenfach, das leider nur Platz für einen Datenträger bietet. Der Akku wird von unten in den Handgriff eingesetzt, eine Ladung reicht für ca. 500 Aufnahmen. Eine Ladeschale legt Samsung der NX1 nicht bei, man muss sich mit einem einfachen USB-Ladegerät begnügen, mit dessen Hilfe der Akku in der Kamera aufgefrischt wird. Das ist nicht so glücklich gelöst, weil dadurch die NX1 blockiert ist, während der Akku lädt. Ebenfalls an der Unterseite befindet sich ein Anschlussfeld, das von einer Gummiabdeckung geschützt wird. Hierüber tritt die NX1 mit dem optionalen Hochformatgriff ED-VGNX01 (ca. 250 Euro) in Kontakt. Das Stativgewinde hat Samsung korrekt in der optischen Achse angeordnet.

Ausstattung Obwohl die NX1 eine Reihe professioneller Funktionen an Bord hat, bringt sie auch für den schnellen Schnappschuss eine Reihe von Hilfen mit. Da ist zunächst einmal eine intelligente Vollautomatik, die einem jegliche Einstellarbeit abnimmt. Alternativ bietet die die NX1 einen Smart-Modus, in dem man direkt das gewünschte Motivprogramm oder einen der Assistenten für spezielle Zwecke wählt. Unter diesen Assistenten findet sich zum Beispiel eine Panorama-Automatik, bei der die Kamera einfach mit gedrücktem Auslöser über die Szenerie geschwenkt wird. Ähnlich einfach funktioniert die HDR-Automatik, die zwar keine Einstellmöglichkeiten bietet, in der Praxis aber auch so mit ausgewogenen Ergebnissen überzeugt. Der Bordblitz funktioniert bei den Automatiken allerdings nur, wenn er zuvor ausgeklappt wurde.

Selbstredend, dass die NX1 auch die üblichen PASM-Modi an Bord hat. Keine Selbstverständlichkeit ist hingegen, dass die NX1 im Modus M die Belichtung per ISO-Automatik steuern kann – eine praktische Sache, wenn man auf eine feste Zeit-/Blendenkombination angewiesen ist. Gut ist ferner, dass sich bei der NX1 die Belichtung gezielt auf die Bildpartie unter dem aktiven AF-Feld ausrichten lässt. Die ISO-Automatik gibt sich ebenfalls konfigurationsfreudig: Sie erlaubt sowohl die Vorgabe einer maximalen ISO-Empfindlichkeit als auch die Angabe der längsten erlaubten Verschlusszeit. Gerade für Action-Fotografen ist das wichtig, denn dann ist oftmals ein verrauschtes Foto weniger problematisch, als eines, bei dem das Hauptmotiv in Bewegungsunschärfe zerfließt. Bildpartien, in denen Überbelichtung droht, schraffiert die NX1 auf Wunsch im Sucherbild – auch diese Funktion hat sich in der Praxis als hilfreich erwiesen. Bei schwierigen Belichtungssituationen kann die NX1 die Lichter dämpfen oder gleich HDR-Aufnahmen in drei unterschiedlichen Stärken aufzeichnen.

Kaum eine Blöße gibt sich das Blitzsystem der NX1. Bestenfalls könnte man der Kamera ankreiden, dass ihr eine PC-Synchronbuchse fehlt; drahtgebundene Studioblitzanlagen kann sie nicht ansteuern. Ansonsten ist alles dabei, was man sich nur wünschen kann: Die NX1 beherrscht die Langzeitsynchronisation, wahlweise auch auf den zweiten Vorhang und bietet eine Funktion zur Unterdrückung rotgeblitzter Augen. Via Systemblitzschuh lässt sie sich mit einem externen Gerät aufrüsten; der Systemblitz SEF580A kann auch drahtlos angesteuert werden, wobei der Bordblitz als Master fungieren kann.

Wie es sich für eine anspruchsvolle Kamera gehört, sind die Eingriffsmöglichkeiten in die Bildaufbereitung der NX1 hoch. Es lassen sich nicht nur wie üblich Sättigung, Kontrast und Schärfe anpassen, sondern auch noch die Farbbalance und der Farbton. Um bei den vielen Konfigurationsmöglichkeiten nicht den Überblick zu verlieren, erlaubt die NX1, zwei Individual-Konfigurationen zu speichern – diese lassen sich dann bequem über das Programmwählrad abrufen.

Wenn Serienaufnahmen gefordert sind, verspricht die NX1 sogar ausgewiesene Sportboliden wie die Nikon D4s oder Canon 1D X abzuhängen. Um es vorwegzunehmen: Samsung nimmt den Mund keineswegs zu voll. Wird in JPEG aufgezeichnet, schießt die NX1 atemberaubende 15,1 Fotos pro Sekunde (fps); in Raw sind es immerhin noch 14,4 fps. Schneller ist derzeit keine andere Kamera mit APS-C- oder Kleinbildsensor! Bei JPEG-Aufnahmen hält sie das extrem hohe Tempo zudem für gut 80 Fotos (oder 5,5 Sekunden) durch; bei Raw-Fotos geht ihr allerdings schon nach ca. 20 Aufnahmen die Puste aus. Im Dauerlauf schafft sie dann immerhin noch ordentliche 4,3 fps bei JPEG-Aufnahmen, jedoch nur noch 2 fps in Raw. Positiv ist hingegen, dass Samsung dieses Ergebnis nicht nur mit einem großen Pufferspeicher erzielt, sondern auch mit einer sehr schnellen Signalverarbeitung. Selbst nach 30 Sekunden Dauerfeuer hat die NX1 die Daten im Nu weggeschrieben und ist wieder aufnahmebereit – das ist längst noch nicht bei allen Kameras so.

Auch wenn es um Videoaufnahmen geht, macht der NX1 so schnell keine andere Kamera etwas vor. Aus der Masse sticht sie vor allem dadurch hervor, dass die NX1 UHD-Videos in den Formaten 4.096 x 2.160 (19:10) und 3.840 x 2.160 (16:9) aufzeichnen kann. Das Beste daran: Dank des sehr effizienten H.265-Codecs speichert sie UHD-Videos auch intern auf einer Speicherkarte, ein kostspieliges externes Aufzeichnungsgerät ist also nicht nötig. Für höchste Bild- und Tonqualität kann die NX1 das unkomprimierte Signal jedoch auch via HDMI ausgeben. Daneben besteht die Möglichkeit zur Aufzeichnung mit geringeren Auflösungen, wobei die NX1 dann bis zu 60 Vollbilder je Sekunde aufnimmt. Der Stereoton lässt sich manuell aussteuern, wer Wert auf eine besonders hohe Tonqualität wert, kann ein externes Mikrofon sowie einen Kopfhöherer zum Mithören an die Kamera anschließen.

  • Bild Auf Wunsch blendet die Samsung NX1 eine Fülle an Informationen ins Sucherbild ein. Hier ist unten die Entfernungsskala zu sehen, mit deren Hilfe sich auch der AF-Bereich (Fokuslimiter) vorgeben lässt. [Foto: Martin Vieten]

    Auf Wunsch blendet die Samsung NX1 eine Fülle an Informationen ins Sucherbild ein. Hier ist unten die Entfernungsskala zu sehen, mit deren Hilfe sich auch der AF-Bereich (Fokuslimiter) vorgeben lässt. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Eine elektronische Wasserwaage ermöglicht es, die Samsung NX1 exakt auszurichten. [Foto: Martin Vieten]

    Eine elektronische Wasserwaage ermöglicht es, die Samsung NX1 exakt auszurichten. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Mithilfe der cleveren iFunction-Funktion steuert man die wichtigsten Parameter über den Einstellring am Objektiv der Samsung NX1. Praktisch, wenn man zum Einstellen weiterhin in den Sucher blicken möchte. [Foto: Martin Vieten]

    Mithilfe der cleveren iFunction-Funktion steuert man die wichtigsten Parameter über den Einstellring am Objektiv der Samsung NX1. Praktisch, wenn man zum Einstellen weiterhin in den Sucher blicken möchte. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Auch via Schnellmenü lässt sich die Samsung NX1 bequem konfigurieren. Insbesondere da das berührungsempfindliche Display Kommandos auch per Fintertipper und -gesten entgegennimmt. [Foto: Martin Vieten]

    Auch via Schnellmenü lässt sich die Samsung NX1 bequem konfigurieren. Insbesondere da das berührungsempfindliche Display Kommandos auch per Fintertipper und -gesten entgegennimmt. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Das Hauptmenü der Samsung NX1 ist recht übersichtlich und lässt sich ebenfalls per Touch-Gesten bedienen. [Foto: Martin Vieten]

    Das Hauptmenü der Samsung NX1 ist recht übersichtlich und lässt sich ebenfalls per Touch-Gesten bedienen. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Im Wiedergabemodus blendet die Samsung NX1 bei Bedarf eine Vielzahl an Informationen ein. [Foto: Martin Vieten]

    Im Wiedergabemodus blendet die Samsung NX1 bei Bedarf eine Vielzahl an Informationen ein. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Die Samsung NX1 kann Videos in 4K-Auflösung aufzeichnen und dank des hocheffizienten H.265-Codecs direkt auf SD-Karten speichern. [Foto: Martin Vieten]

    Die Samsung NX1 kann Videos in 4K-Auflösung aufzeichnen und dank des hocheffizienten H.265-Codecs direkt auf SD-Karten speichern. [Foto: Martin Vieten]

In der Videopraxis besticht die NX1 vor allem durch ihren sehr schnellen und treffsicheren Autofokus (mehr dazu im Abschnitt „Objektiv“). Er führt bei Schwenks die Schärfe absolut treffsicher und ohne jegliches Pumpen nach. Schön ist ferner, dass die NX1 Zeitraffer und Zeitlupen aufzeichnen kann und optional jedes Video über Schwarz ein- beziehungsweise ausblendet.

In Sachen Konnektivität zwischen Kamera und Mobilgerät zählt Samsung zu den Pionieren. Kein Wunder also, dass auch die NX1 hier einiges zu bieten hat. Alles, was man dazu benötigt, ist die App „Samsung Camera Manager“ (für Android und iOS erhältlich) auf dem Mobilgerät. Besitzer eines Android-Handys sind dabei fein raus, denn zu diesen Geräten stellt die NX1 eine Verbindung via NFC her. Steht die Verbindung, lässt sich die NX1 vom Mobilgerät aus fernsteuern, überträgt die Aufnahmen nahtlos und zeigt das Sucherbild auf dem Display des Smartphones oder Tablets an. Sogar als GPS-Logger kann das Mobilgerät dienen, dazu braucht man es lediglich via Bluetooth mit der Kamera zu verbinden.

Großzügig gibt sich die Samsung NX1 im Wiedergabemodus. Hier stehen nicht nur die üblichen Funktionen wie Bilder drehen oder löschen zu Verfügung, die Kamera bietet darüber hinaus eine Vielzahl an Bearbeitungsfunktionen zur Anpassung von Helligkeit, Kontrast, Farbanmutung etc. Hinzu kommt die Möglichkeit, Raw-Dateien als JPEG-Kopien speichern zu können.

Objektiv Hierzulande wird die Samsung NX1 derzeit im Set mit verschiedenen Objektiven angeboten. Wir haben die Kamera mit dem 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction getestet, das brandneue Telezoom 50-150 mm 2.8 S ED OIS kam ebenfalls zum Einsatz. Das „S“ in der Typenbezeichnung beider Objektive weist darauf hin, dass sie staub- und spritzwassergeschützt sind. OIS kennzeichnet den optischen Bildstabilisator, der Sensor der Kamera ist nicht stabilisiert. Das sehr lichtstarke Standardzoom 16-50/F2-2.8 deckt bezogen auf Kleinbild an der NX1 einen Brennweitenbereich von 24 bis 75 Millimeter ab. Es ist aufwändig konstruiert, sowohl mechanisch wie auch optisch. Die Optik besteht aus 18 Linsen (davon einige ED- und Asphärische-Linsen) in zwölf Gruppen, neun Blendenlamellen sorgen für ein weiches Bokeh.

In der Praxis machte die Samsung NX1 sowohl mit dem Standard- wie auch mit dem Telezoom durch ihren rasanten Autofokus auf sich aufmerksam. Bei 24 Millimeter Brennweite (bezogen auf Kleinbild) brauchte sie lediglich 0,25 Sekunden, um von unendlich auf zwei Meter Entfernung zu fokussieren. Am langen Ende des Standardzooms war der AF mit 0,29 Sekunden kaum langsamer. Derart schnell stellen heute indes viele Systemkameras auf statische Motive scharf. Wie aber verhält es sich, wenn die NX1 mit ihrer atemberaubenden Serienbildrate die Fokus bei Reihenaufnahmen nachführen soll?

Samsung setzt bei der NX1 auf einen Hybrid-AF, bei dem die Entfernungsermittlung per Kontrastmessung durch gleich 205 Phasen-AF-Sensoren auf dem Bildwandler unterstützt wird. Deren Aufgabe ist es, die Bewegungsrichtung des Motivs zu bestimmen – was Systemen, die rein auf Kontrastmessung basieren, nicht möglich ist. 153 der Phasen-AF-Sensoren sind übrigens als besonders empfindliche Kreuzsensoren ausgeführt. Ganz gleich wie Samsung die Technik aufbaut – sie funktioniert. Einen Hund, der schnell auf die Kamera zuläuft, hält sie selbst bei höchster Serienbildrate zuverlässig im Fokus. Ist der Nachführ-AF auf „Fokuspriorität“ gestellt, löst die NX1 einfach solange nicht aus, bis sie das Motiv wieder „gepackt“ hat.

Um dem AF-System die Arbeit zu erleichtern, ist die NX1 mit einem programmierbaren Fokuslimiter ausgestattet, der sich beim Objektiv 50-150 mm 2.8 S ED OIS besonders einfach einrichten lässt. Dabei legt man den Entfernungsbereich fest, innerhalb dessen die NX1 scharf stellen soll. Drängelt sich dann zum Beispiel ein Passant in den Bildvordergrund, ignoriert die NX1 diesen einfach – eine Funktion, die man schnell nicht mehr missen mag. Ob der AF bei Serienaufnahmen bevorzugt auf einem erstmals gespeicherten Motiv verweilen soll oder sich eher einem neuen Motiv zuwendet, lässt sich jedoch bei der NX1 nicht vorgeben.

Praktisch ist hingegen, dass die NX1 einen Fokusmodus AF-A bietet, bei dem sie selbständig entscheidet, ob eine einmal ermittelte Entfernungseinstellung beibehalten wird (AF-S) oder der Fokus mit dem Motiv nachgeführt werden soll (AF-C). Selbstredend, dass die NX1 eine elektronische Gesichtserkennung an Bord hat, die dem AF ebenfalls assistiert. Praktische Assistenten gibt es auch fürs manuelle Fokussieren. Zum einen kann die NX1 Kontrastkanten, die in der Fokusebene liegen, farbig markieren (Fokuspeaking). Und zum anderen bietet sie eine einstellbare Fokuslupe, die automatisch anspringt, sobald der Fokusring am Objektiv gedreht wird.

Bildqualität Herzstück der Samsung NX1 ist ein Bildwandler im APS-C-Format, der mit einer Bruttoauflösung von 30,7 Megapixel sehr hoch integriert ist. Daraus ergibt sich ein Pixelpitch von lediglich 3,5 µm, die einzelnen Sensorzellen sind entsprechend unempfindlich. Um die Lichtausbeute zu erhöhen, führt Samsung den Sensor in BSI-Technologie aus. Dabei liegt die Verdrahtung nicht wie üblich vor der lichtempfindlichen Schicht, sondern dahinter. Doch grau ist alle Theorie, am Ende zählt nur das Ergebnis. Wie es um die Bildqualität der NX1 bestellt ist, hat digitalkamera.de im hauseigenen Testlabor ermittelt. Das detaillierte und ausführlich erklärte Laborprotokoll gibt es wie stets gegen ein kleines Entgelt zur Einsicht und als PDF-Download (siehe weiterführende Links am Ende dieses Testberichts).

Dass die BSI-Technik keine Wunder vollbringen kann, zeigt die Messung des Signal-Rauschabstands. Er nimmt ab der Basisempfindlichkeit ISO 100 kontinuierlich ab und unterschreitet bereits bei ISO 1.600 die kritische Grenze von 35 dB. Das Luminanzrauschen bleibt bis etwa ISO 6.400 unkritisch, ab ISO 12.800 nimmt es dann sprunghaft zu. Das meist besonders lästige Farbrauschen bleibt hingegen über den gesamten Empfindlichkeitsbereich unauffällig. Ein wenig schade ist, dass die Rauschunterdrückung der NX1 in den Standardvorgaben sehr engagiert zupackt und so mit dem Rauschen auch unnötig viele Details wegbügelt. Glücklicherweise lässt sich die Rauschreduzierung anpassen – oder man zeichnet gleich im Raw-Format auf und entrauscht nachträglich im Raw-Konverter. Nicht wegdiskutieren lässt sich allerdings, dass die Eingangsdynamik der NX1 mit knapp 11 Lichtwertstufen (EV) nur bis ISO 800 hervorragend ist. Mit jeder höheren ISO-Stufe geht sie dann um 0,5 bis 1 EV zurück, bei ISO 6.400 differenziert sie lediglich gerade noch akzeptable 8,8 EV. Das schlägt sich übrigens auch beim Ausgabe-Tonwertumfang nieder, der bis ISO 200 exzellent ist, zwischen ISO 1.600 und ISO 6.400 aber nur noch befriedigend. Verbesserungspotential gibt es ferner bei der Farbtreue. Im Mittel ist die Farbabweichung so gerade noch gut, in der Spitze jedoch unter Durchschnitt. In der Praxis bereitete zudem der automatische Weißabgleich unter Kunstlicht Probleme, weil ein zu starkes Faible für Rot zeigte.

  • Bild Das Gehäuse der NX1 besteht aus einer leichten aber robusten Magnesiumlegierung ... [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der NX1 besteht aus einer leichten aber robusten Magnesiumlegierung ... [Foto: MediaNord]

  • Bild ... dennoch drückt die Kamera bestückt mit dem Objektiv 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction gut 1,2 Kilo auf die Waage. [Foto: MediaNord]

    ... dennoch drückt die Kamera bestückt mit dem Objektiv 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction gut 1,2 Kilo auf die Waage. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Anfassqualität der NX1 ist hervorragend, auch das Objektiv wirkt wie für die Ewigkeit gebaut. [Foto: MediaNord]

    Die Anfassqualität der NX1 ist hervorragend, auch das Objektiv wirkt wie für die Ewigkeit gebaut. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Anschlussterminal der Samsung NX1 verbirgt sich auf der linken Seite unter spritzwassergeschützten Klappen. [Foto: MediaNord]

    Das Anschlussterminal der Samsung NX1 verbirgt sich auf der linken Seite unter spritzwassergeschützten Klappen. [Foto: MediaNord]

Sieht man einmal davon ab, dass die Dynamik der NX1 jenseits der ISO 1.600 sichtbar einbricht, ist die Kamera für DIN-A4-Prints bis ISO 6.400 gut zu gebrauchen. Bei dieser Ausgabegröße wird nur eine Auflösung von rund 8,5 Megapixel benötigt, was mögliche Probleme durch Bildrauschen oder Detailverlust dank der immensen Sensorauflösung der NX1 sicher aus dem Weg räumt. Wer jedoch die hohe Auflösung (bei niedrigen ISO-Werten) möglichst ausschöpfen möchte, ist auch auf eine entsprechende Leistung des Objektivs angewiesen. Ist das 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS ein adäquater Partner für die NX1? Sehr gut korrigiert hat Samsung dessen Randabdunklung, sie ist praktisch nicht messbar. Auch bei der Messung der Verzeichnung gibt sich das Standardzoom keine Blöße, sieht man einmal von einer etwas stark ausgeprägten Tonnenform am Weitwinkelende ab. Doch auch bei der wichtigen Auflösungsmessung macht das 16-50 mm eine gute Figur. Im Bildzentrum löst es bei allen Brennweiten bis Blende F11 mindestens 50 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) auf. Das ist angesichts der hohen Sensorauflösung zwar keine Spitzenleistung, insgesamt aber beachtlich. Dass bei noch kleineren Blenden die Auflösung rapide sinkt, ist Beugungseffekten geschuldet, die sich nun einmal nicht vermeiden lassen.  Für das Objektiv spricht auch, dass zwischen F5.6 und F11 der Auflösungsverlust zu den Bildrändern hin im Rahmen bleibt. Stark ausgeprägt sind hingegen in den Bildecken Farbsäume, die durch chromatische Aberration hervorgerufen werden. Glücklicherweise können heutige Raw-Konverter derartige Fehler sicher beheben, in der Praxis trat er zudem nur bei geringen bis mittleren Fokusentfernungen störend in Erscheinung.

Fazit Atemberaubende Serienbildraten und ein blitzschneller Autofokus – mit der NX1 legt Samsung eine echte Sportskanone vor. Von der sehr schnellen Signalverarbeitung profitieren auch Videofilmer; und natürlich davon, dass die NX1 bei Bedarf sogar 4K-Videos dreht. Sehr gelungen ist zudem das Bedienkonzept, egal, ob man die Kamera bevorzugt über Fingergesten oder klassisch mit den vielen Schaltern und Einstellrädern bedient. Die Bildqualität ist bis ISO 1.600 gut, A4-Prints sehen aber auch bei ISO 6.400 noch ansehnlich aus. Überdurchschnittlich sind Anfass- und Verarbeitungsqualität – das gilt auch für die „S“-Objektive. Bei der NX1 hat Samsung also nicht gekleckert, sondern geklotzt – das gilt ausdrücklich auch für den formidablen EVF. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Masse und Gewicht der NX1 näher bei einer DSLR als bei einer spiegellosen Systemkamera liegen. Wen das nicht stört, bekommt mit der NX1 eine Kamera, die wenige Wünsche übrig lässt. Bleibt nur zu hoffen, dass Samsung das Angebot an Objektiven und Systemzubehör rasch weiter ausbaut.


Weiterführende Links


Meldung die auf diese Meldung verweist

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Samsung
Modell NX1
Preis ca. 2.600 EUR**
Sensor Auflösung 30,7 Megapixel
Max. Bildauflösung 6.480 x 4.320
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv NX Lens 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction
Filtergewinde 72 mm
Sucher elektronisch (OLED)
  Sichtfeld 100%
  Vergrößerung 1,04-fach
  Auflösung 2,36 Mio
  Dioptrienausgleich -4 bis +2 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.040.000
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 8
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 10,5 (Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel, WLAN
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus ja
  Format AVI oder MP4
  Codec Motion-JPEG oder H.265
  Auflösung (max.) 4.096 x 2.160
  bei Bildfrequenz 60p
Empfindlichkeit  
  automatisch 125-25.600 (Obergrenze einstellbar)
  manuell ISO 100-51.200
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
209
  AF-Hilfslicht grüne LED
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 29
Einschaltzeit < 0,2 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
637 g (nur Gehäuse)
1.277 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*  
  Serienbildanzahl 84 (JPEG)
19 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
15,1 (JPEG)
14,4 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
4,3 (JPEG)
2,0 (RAW)
  mit Blitz ja (bei verringerter Bildfrequenz)
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*
 
  JPEG 0,2 s (9,7 MByte)
  RAW 0,4 s (38,2 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 500 Bilder (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit SanDisk 16 GB Class 10 UHS U3 SDHC-Speicherkarte
** mit Objektiv Samsung NX Lens 16-50 mm F2-2.8 S ED OIS iFunction

Kurzbewertung

  • Extrem hohe Serienbildrate, auch bei Nachführ-AF
  • Wertiges und stabiles Kameragehäuse
  • Hervorragendes (Touch-) Bedienkonzept
  • Hohe Sensorauflösung mit ordentlicher Bildqualität
  • Etwas wenige Konfigurationsmöglichkeiten des AF-Systems
  • Bildqualität bricht bei hohen ISO-Stufen ein
  • Groß und schwer (für eine spiegellose Systemkamera)
  • Einige Bedienelemente zu leichtgängig

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 99 %
Handhabung 12,5 % 94 %
Geschwindigkeit 12,5 % 95 %
Bildqualität 50,0 % 90 %
Gesamtnote 93 %