Kompakttest

Pentax K-S1

2014-11-06 Kleinere Hersteller müssen mit besonderen Kameras punkten. Das macht Pentax auch als Marke von Ricoh geradezu vorbildlich mit gut ausgestatteten Modellen. Insbesondere die Spiegelreflexkameras überzeugten mit pfiffigen Funktionen und solider Verarbeitung zum vernünftigen Preis. Mit der Pentax K-S1 stellt Ricoh nun wieder eine Innovation vor: Das Design ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, das Besondere aber sind die LED-Lichter im Handgriff, die verschiedene Betriebszustände anzeigen können. Ob diese Lämpchen wirklich eine lohnende Innovation sind, hat uns natürlich genauso interessiert wie die originären Funktionen und selbstverständlich die Bildqualität. Sowohl in der Praxis als auch im Labor musste Die K-S1 zeigen, was in ihr steckt.  (Stefan Meißner)

Ergonomie und Verarbeitung Das farbige Spektrum der meisten Spiegelreflexkameras erschöpft sich in der Variante Schwarz, manchmal Silber und seltener in einer dritten Farbe. Pentax beziehungsweise Ricoh bietet da schon einiges mehr. Wem die schwarz-graue Variante zu trist erscheint, der kann die Pentax K-S1 auch in einer Reihe anderer Farbstellungen ordern: Auf der Ricoh-Hompage stellt der Farbenkonfigurator elf nach Themen geordnete Varianten vor und ab Mitte November sollen drei weitere folgen: In der Grundfarbe Weiß wird die K-S1 mit leuchtend roten, gelbgrünen oder himmelblauen Applikationen geschmückt. Wer die Wahl hat, hat die Qual; wir hatten sie nicht und testeten die schwarze Variante.

  • Bild Mit der Pentax K-S1 zeigt Ricoh ein mutiges Design und will damit neue Käuferschichten erschließen. Die insgesamt 15 erhältlichen Gehäusefarben machen die Entscheidung nicht gerade einfach. [Foto: MediaNord]

    Mit der Pentax K-S1 zeigt Ricoh ein mutiges Design und will damit neue Käuferschichten erschließen. Die insgesamt 15 erhältlichen Gehäusefarben machen die Entscheidung nicht gerade einfach. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Programmwählrad befindet sich bei der Pentax K-S1 hinten und ist ebenfalls beleuchtet. Der große Bildschirm ist fest verbaut und der Spiegelreflexsucher deutlich über Klassendurchschnitt. [Foto: MediaNord]

    Das Programmwählrad befindet sich bei der Pentax K-S1 hinten und ist ebenfalls beleuchtet. Der große Bildschirm ist fest verbaut und der Spiegelreflexsucher deutlich über Klassendurchschnitt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Je nach Modus leuchtet der Auslöseknopf der Pentax K-S1 grün (für Fotos) oder Rot (für Videos). Zwischen den Modi umgeschaltet wird mittels des Ringschalters am Auslöser. [Foto: MediaNord]

    Je nach Modus leuchtet der Auslöseknopf der Pentax K-S1 grün (für Fotos) oder Rot (für Videos). Zwischen den Modi umgeschaltet wird mittels des Ringschalters am Auslöser. [Foto: MediaNord]

Die schwarze Pentax K-S1 wirkt etwas kantig, wofür insbesondere das Design des Handgriffs verantwortlich ist. Dessen silbergraue Flanke wird in einer schmalen Zierleiste über die Kameraoberseite weitergeführt und setzt sich dadurch scharf vom ansonsten strukturlos mattschwarzen Körper ab. Der verspiegelte Streifen an der Vorderseite des Griffes, hinter dem sich fünf grüne LEDs verbergen, betont ebenfalls die scharfe Linienführung. Etwas störend ist diese Kantigkeit an der Innenseite des Handgriffs, der zumindest für lange Finger nicht groß genug ist und ruhig ein wenig runder hätte ausfallen können. Immerhin ist das Gehäuse dort leicht gummiert und auch der Daumen findet auf der Rückseite rutschfesten Halt an einer Gummiapplikation. Die K-S1 klebt zwar nicht gerade an der Hand, kann aber dennoch ordentlich gehalten werden.

Das Gehäuse besteht bis auf Bajonett und Stativgewinde vollständig aus Kunststoff. Die Kamera wirkt dadurch etwas billig, was aber nicht auf die Verarbeitungsqualität zutrifft. Das Gehäuse ist durchaus stabil, nichts knarzt – selbst bei kräftigem Zupacken nicht. Die Akku- und Speicherkartenklappe besteht ebenfalls aus Kunststoff, rastet aber sicher ein und schützt ausreichend vor eindringendem Staub. Deren Scharnier sitzt weit genug vom vorbildlich in der optischen Achse angebrachten Stativgewinde entfernt, so dass ein Wechsel von Akku und SD-Karte bei montierter (schmaler) Schnellwechselplatte möglich ist. Etwas mickrig ist die Gummiabdeckung von HDMI und USB-Anschluss ausgefallen, sie erfüllt aber ihren Zweck.

Auch wenn das Gehäuse etwas „preisoptimiert“ wirkt, überzeugen die Schalter und Rädchen durchaus. Der auf der Rückseite angebrachte Moduswahlring rastet sauber ein und lässt sich gut mit dem Daumen bedienen, ohne aber versehentlich verstellt werden zu können. Das ist allein aufgrund der flachen Bauweise nahezu ausgeschlossen. Das Daumenrädchen ist ebenfalls gut erreichbar, alle Taster ebenso wie der Auslöser haben einen präzisen Druckpunkt. Unglücklich eng sind vielleicht die Pfeiltasten für ISO, Weißabgleich, Blitz- und Verschlussteuerung im Inneren des Modusringes angebracht, insbesondere dann, wenn der Fotograf etwas kräftigere Daumen hat. Abgesehen davon ist die Bedienung der Pentax K-S1 aber typisch für viele Spiegelreflexkameras und gibt auch Anfängern kaum Rätsel auf.

Mit dem Wahlring wird die gewünschte Funktion eingestellt, Blende, Zeit und andere Parameter können dann mit den Pfeiltasten und dem Daumenrad angepasst werden. Tiefere Eingriffe ins Geschehen ermöglicht ein Druck auf die Info-Taste, mit der ein Schnellmenü aufgerufen werden kann. Dort können abhängig vom eingestellten Modus alle notwendigen Parameter beeinflusst werden. Schön wäre hierfür ein berührungsempfindliches Display, aber mit Hilfe der Pfeiltasten und des Daumenrädchens lassen sich alle Einstellungen auch ohne Touchscreen schnell vornehmen. Die wichtigsten Tasten sind übrigens beleuchtet und daher auch bei Dunkelheit gut zu bedienen. Damit die Beleuchtung nicht bei der Aufnahme stört, erlischt sie bei halb gedrücktem Auslöser. Das ist so komfortabel, dass man es sich auch bei anderen Kameras wünscht.

Das umfangreiche Kameramenü ist in 14 Karteikarten unterteilt und zeigt auf jeder Karte maximal sieben Einstelloptionen, die sich aber teilweise in weitere Untergruppen verzweigen. Ein wenig Forscherdrang und Ausprobieren ist daher schon angesagt, will man die Möglichkeiten vollständig ausreizen. Insbesondere die Belegung einiger Tasten kann hier individuellen Vorlieben angepasst werden. Eine Besonderheit der Pentax sei noch erwähnt: Da es keinen Videoauslöser gibt, muss mit dem Hauptschalter am Auslöser zunächst in den Videomodus geschaltet und dann mit dem Foto-Auslöser die Videoaufnahme gestartet und beendet werden. Die Beleuchtung des Auslösers wechselt dabei von Grün auf Rot.

Das Display ist leider fest verbaut, zeigt aber ein helles, kontrastreiches und klares Bild, selbst bei schrägem Einblick. Im Live-View können auf Wunsch verschiedene Gitter, Überbelichtungswarnung und Histogramm eingeblendet werden. Im Spiegelreflex-Sucher ist die Informationsfülle prinzipbedingt deutlich geringer, nichtsdestotrotz macht der Blick hindurch Freude: für eine Kamera der Einsteigerklasse ist der Sucher recht groß und hell und mit seiner Bildabdeckung von 100 Prozent deutlich über dem Durchschnitt; sogar die Suchermattscheiben lassen sich wechseln.

Ausstattung Auch die Ausstattung der Pentax K-S1 liegt über dem Durchschnitt einer Einsteigerkamera. Es ist so gut wie alles an Bord, was der Fotograf braucht oder gebrauchen könnte. Von der „drück Du den Knopf, ich mach den Rest“-Automatik bis zur vollständigen Kontrolle durch den Fotografen ist alles dabei. Eine Einladung zum Spielen sind die zehn Effekte, von denen uns insbesondere die beiden Schwarz-Weiß-Modi gefallen haben. Aber auch im Szene-Modus können Effektfilter zugeschaltet und deren Wirkung obendrein modifiziert werden. Viel Spielraum für Experimente direkt aus der Kamera also, was insbesondere Computermuffel freuen dürfte. Jede Menge Helferlein für das fehlerfreie Bild direkt aus der Kamera machen ebenfalls deren Korrektur am PC überflüssig: Spitzlichter, Schatten, Verzeichnungen, Randabdunklung und chromatische Aberration werden auf Wunsch automatisch korrigiert, auf ein auflösungsminderndes AA-Filter verzichtet die K-S1. Sollte deshalb störendes Moiré auftauchen, kann es mit Hilfe von zwei digitalen Filtern oder einer Mehrfachbelichtung vermindert werden. Alle Effekte können auch nachträglich auf die Fotos angewendet werden, ebenso ist die Raw-Entwicklung der wahlweise im Pentax-Format PEF oder im DNG-Format von Adobe gespeicherten Bilder möglich. Das Ergebnis lässt sich jeweils als neue JPG-Datei speichern. Die Pentax K-S1 ist eine echte Bildverarbeitungsmaschine, die den Computer weitgehend überflüssig macht.

Für diese Kameraklasse ebenfalls überraschend ist der ins Gehäuse eingebaute Bildstabilisator. Dadurch ist jedes Objektiv mit einem Verwackelschutz ausgestattet. Prinzipbedingt wird leider nicht das Bild des optischen Suchers stabilisiert. Nur im Live-View kann man dem Stabi bei der Arbeit zusehen, die er zuverlässig verrichtet. Überhaupt läuft die Pentax erst im Live-View zur Höchstform auf: Histogramm, Überbelichtungswarnung und Belichtungsvorschau gibt es naturgemäß nur dort, ebenso die digitale Sucherlupe, die auf Knopfdruck zugeschaltet werden kann, Fokuspeaking und Gesichtserkennung. Dabei ist der Kontrastautofokus mit knapp 0,8 Sekunden bis zum Schuss zwar im Vergleich mit den meisten spiegellosen Systemkameras (die das zum Teil in nur 0,2 Sekunden schaffen) langsam, aber deutlich schneller als jede bisher in unserem Labor gemessene DSLR.

  • Bild Die fünf Leuchtdioden am Griff der Pentax K-S1 zeigen entweder die Zahl der erkannten Gesichter an oder zählen die letzten fünf Sekunden des Selbstauslösers visuell herunter. [Foto: MediaNord]

    Die fünf Leuchtdioden am Griff der Pentax K-S1 zeigen entweder die Zahl der erkannten Gesichter an oder zählen die letzten fünf Sekunden des Selbstauslösers visuell herunter. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde der Pentax K-S1 ist auf Metall und sitzt vorbildlich in der optischen Achse. Für kleine Stativwechselplatten bleibt sogar genügend Abstand zum Speicherkarten- und Akkuschacht. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Pentax K-S1 ist auf Metall und sitzt vorbildlich in der optischen Achse. Für kleine Stativwechselplatten bleibt sogar genügend Abstand zum Speicherkarten- und Akkuschacht. [Foto: MediaNord]

  • Bild Lithium-Ionen-Akku und SD-Speicherkarte werden bei der Pentax K-S1 an der Unterseite entnommen. Ein optionaler Akkudummy mit Netzkabel erlaubt eine externe Stromversorgung. [Foto: MediaNord]

    Lithium-Ionen-Akku und SD-Speicherkarte werden bei der Pentax K-S1 an der Unterseite entnommen. Ein optionaler Akkudummy mit Netzkabel erlaubt eine externe Stromversorgung. [Foto: MediaNord]

Der normale Spiegelreflex-AF (Phasendifferenz-Autofokus) ist mit elf Messfeldern durchschnittlich ausgestattet. Die Wahl der Felder kann der Kamera überlassen oder vom Fotografen mittels der Pfeiltasten vorgenommen werden. Leider konzentrieren sich die Fokusfelder sehr auf die Bildmitte, so dass Randbereiche nur durch Verschwenken der Kamera zu erreichen sind. Der Autofokus ist bei guten Lichtverhältnissen mit 0,2 bis 0,3 Sekunden durchaus schnell und treffsicher, macht aber mit dem 18-55 mm Kit-Zoom etwas Krach. Bei wenig Licht unterstützt eine grellgrüne Leuchtdiode, dennoch findet dann die Kamera die Schärfe manchmal nicht. Allerdings kann einiges getan werden, um den Autofokus an eigene Bedürfnisse anzupassen bis hin zur Fokusjustage bei Front- oder Backfokus. Pfiffig ist zum Beispiel die Option, den gewählten Fokuspunkt bei der Belichtungsmessung besonders zu berücksichtigen. Vielversprechend bei der Verwendung von nur manuell zu fokussierenden Objektiven ist die Funktion „Catch-in Fokus“. Sie löst die Kamera aus, sobald ein Motiv in den Schärfebereich des manuellen Objektives gelangt. Leider konnten wir diese Funktion mangels geeigneter Optik nicht ausprobieren.

Im Videobetrieb wird nur die Startposition automatisch scharfgestellt, was die Kamera mit einem deutlichen Spiegelschlag zu Beginn der Aufnahme kund tut. Dann bleibt der Fokus fest beziehungsweise muss per Hand nachgeführt werden. Abgesehen davon ist der Videomodus recht gut ausgestattet. In Full-HD (1.920 x 1.080 Pixel) wird mit 24, 25 oder 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen, die Belichtung erfolgt mit Zeit- oder Programmautomatik oder manuell – und es sind sogar einige Digitalfilter während der Filmaufnahme möglich. Obwohl es mangels Autofokus keine Geräusche vom Fokusmotor auf der Tonspur gibt, sind doch die Handgeräusche zu vernehmen. Empfehlenswert ist auf jeden Fall, von vornherein auf manuellen Fokus umzuschalten. Dadurch wird der im Kameragehäuse untergebrachte Fokusmotor vom Objektiv getrennt, was den Kraftaufwand und die Geräusche beim manuellen Scharfstellen enorm vermindert.

Um das Maximum bei der Serienbildgeschwindigkeit aus der K-S1 herauszukitzeln, sind ein paar Maßnahmen notwendig: Wenn alle Bildkorrekturen abgeschaltet werden, auf Nachführ-Autofokus (AF-C) verzichtet wird und die Pentax nur JPG-Dateien speichern muss, sind knapp 5 Bilder pro Sekunde möglich. Das hält sie allerdings nur für 13 Fotos durch, danach bricht sie auf ein Bild alle 2,5 Sekunden ein. Vermutlich ist sowohl das Karteninterface als auch der Bildprozessor dafür verantwortlich, denn nach einer Serie benötigt die Pentax fast 40 Sekunden zum Verarbeiten und Speichern der Daten. Immerhin kann trotz leuchtenden Speicherlämpchens weiter fotografiert werden. Wenig problematisch ist dieser Flaschenhals bei Belichtungsreihen zum Beispiel für die HDR-Funktion, denn drei Aufnahmen schafft die K-S1 auf jeden Fall in voller Geschwindigkeit. Dabei kann der Fotograf sowohl die Belichtungsschritte zwischen einer und drei Blendenstufen festlegen, als auch drei verschiedene HDR-Varianten und eine automatische Stufe einstellen. HDR3 wirkt allerdings deutlich übertrieben und ist eher ein Effekt als eine Dynamikerweiterung.

Eine elektronische Wasserwaage hat die Pentax leider nicht, der Lagesensor speichert aber die Information über Hoch- beziehungsweise Querformat und richtet die Fotos automatisch aus. Der eingebaute Blitz muss bei Bedarf von Hand ausgeklappt werden, versteht sich aber auf alle üblichen Funktionen wie Vorblitz zur Vermeidung roter Augen, Langzeitsynchronisation auch auf den zweiten Verschlussvorhang und manuellem Betrieb mit regelbarer Blitzleistung. Am kurzen Ende des Kit-Zooms leuchtet er nicht ganz bis in die Ecken, der Lichtverlust beträgt über zwei Blendenstufen, was bei kritischen Motiven sichtbar ist. Abhilfe geschaffen werden kann mit einem externen Lichtspender, der im Zubehörschuh Platz findet.

Und was hat es nun mit den fünf Leuchtdioden im Handgriff auf sich? Zunächst einmal ist die Pentax K-S1 dadurch ziemlich einzigartig und ein Hingucker, wenn die Lämpchen beim Einschalten in Aktion treten und nach kurzer Zeit wieder erlöschen. Wirklich nützlich sind die Signale eigentlich nur bei Fotos mit Selbstauslöser, denn die letzten fünf Sekunden zählt die Lichtleiste herunter. Auf Wunsch können die Lämpchen auch die Anzahl der erkannten Gesichter melden. Allerdings sieht das natürlich nicht der Fotograf, was auch vermutlich nicht Sinn der Sache ist. Gebrauchen kann man diese Rückmeldung eventuell bei Selbstportraits und Gruppenfotos mit Selbstauslöser, wenn man vor der Aufnahme wissen möchte, ob alle Gesichter von der Kamera erfasst werden. Für alle, die das als unnötige Spielerei ansehen, sind die Lämpchen abschaltbar.

Bildqualität Wie immer bei unseren Tests musste die Kandidatin auch im Labor zeigen, was in ihr steckt. Wir haben die Pentax K-S1 mit dem zugehörigen Kit-Objektiv SMC Pentax-DAL 1:3,5-5,6 18-55 mm AL gemessenen und bieten die ausführlichen Ergebnisse und Diagramme, auf denen die folgenden Betrachtungen hauptsächlich beruhen, gegen ein geringes Entgelt über den Link am Ende dieses Berichts zum Herunterladen an.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Kit-Zoom reizt die Möglichkeiten des 20 Megapixel Sensors der K-S1 bei weitem nicht aus. Die Auflösung erreicht selbst bei optimaler Blenden zwischen F5,6 und F8 keine 40 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm). Am kurzen Ende und offener Blende werden am Bildrand nicht einmal die 30 lp/mm geknackt. Hätte die Labormessung eine geringe Verzeichnung ergeben, läge die niedrige Auflösung vermutlich an der digitalen Entzerrung, aber die Messwerte zeigen eine deutliche Tonne, was dieser These widerspricht. Hinzu kommt ein nicht unerheblicher Farbquerfehler, der sich trotz digitaler Korrektur in der Kamera insbesondere im Weitwinkel als Farbsaum mit bis zu zwei Pixeln Breite zeigt. Fotos wirken daher etwas weich, feinste Details vermatschen. Dass Pentax bessere Objektive bauen kann, zeigt eindrucksvoll das an der K-3 gemessene 35 mm Macro Limited, das an dieser spielend die 50 lp/mm knackt. Lobenswert ist, dass Pentax nicht mit übertriebener Nachschärfung versucht, Auflösung vorzugaukeln, wodurch Schärfungsartefakte kaum ein Thema sind. Die Texturschärfe zeigt bis ISO 1.600 gute Werte und sowohl Korngröße und Farbrauschen halten sich bis in hohe ISO-Regionen in Grenzen. Das weniger störende Helligkeitsrauschen ist bis ISO 1.600 gering und wird erst ab ISO 25.600 deutlich störend. Dazwischen wird das Rauschen zwar sichtbar stärker, ist aber durchaus erträglich. Auch der Signal-Rauschabstand unterschreitet erst jenseits der 1.600er Marke die kritische 35-dB-Grenze. Die Eingangsdynamik ist erfreulich hoch, über 10 Blendenstufen bewältigt die K-S1 ebenfalls bis ISO 1.600, darüber fällt der Wert je Empfindlichkeitsschritt um etwa eine halbe Blende. Kameraseitig kann die Pentax K-S1 also bedenkenlos bis ISO 1.600 eingesetzt werden, mit leichten Abstrichen auch ein oder zwei Stufen höher, die beiden höchsten Stufen sollten aber gemieden werden.

  • Bild Der CMOS-Sensor in APS-C-Größe löst bei der Pentax K-S1 20 Megapixel auf. [Foto: MediaNord]

    Der CMOS-Sensor in APS-C-Größe löst bei der Pentax K-S1 20 Megapixel auf. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Handgriff der Pentax K-S1 ist etwas kantig und dürfte gerne stärker ausgeprägt sein, wirkt durch die Gummierung aber recht griffig. [Foto: MediaNord]

    Der Handgriff der Pentax K-S1 ist etwas kantig und dürfte gerne stärker ausgeprägt sein, wirkt durch die Gummierung aber recht griffig. [Foto: MediaNord]

  • Bild An der Seite bietet die Pentax K-S1 einen AF/MF-Schalter. [Foto: MediaNord]

    An der Seite bietet die Pentax K-S1 einen AF/MF-Schalter. [Foto: MediaNord]

Bei der Farbwiedergabe geht die K-S1 recht bunt zur Sache. Alle warmen Farben werden mit deutlich höherer Sättigung wiedergegeben, Grün und Türkistöne etwas zu blau. Das liegt daran, dass Pentax im Auslieferungszustand „leuchtend“ als Bildmodus eingestellt hat. Wer es bunt mag, erfreut sich an dieser Einstellung, allen anderen sei der Modus „neutral“ ans Herz gelegt. Im Gegensatz zur deutlichen Farbigkeit geht Pentax bei der Tonwertübertragung eher moderat vor. Das führt zunächst zu etwas flaueren Mitteltönen, die aber am Computer problemlos aufgesteilt werden können. Abhilfe schafft auch ein Bildmodus mit höherem Kontrast. Hier setzt die K-S1 dem Fotografen kaum Grenzen.

Fazit Für eine Einsteigerkamera hat die Pentax K-S1 einen ambitionierten Preis, ist aber auch recht gut ausgestattet. Der Bildstabilisator im Gehäuse verrichtet ausgezeichnet seinen Dienst, für eine DSLR hat sie einen schnellen Kontrast-Autofokus im Live-View und dazu kommen die ausgesprochen umfangreichen Bearbeitungsmöglichkeiten in der Kamera. Auf der anderen Seite schwächelt die K-S1 bei der Haptik, das Gehäuse wirkt etwas billig, wenngleich die Verarbeitung in Ordnung geht. Und das Design ist zumindest gewöhnungsbedürftig. Gespart hat man am internen Puffer für Serienaufnahmen und dem Bildprozessor, denn die Verarbeitungsgeschwindigkeit der großen Datenmenge insbesondere von Serienaufnahmen bremsen die Pentax aus. Auch das Kit-Objektiv ist preisoptimiert, da hat die K-S1 sicherlich Besseres verdient. Das stark beworbene Lichterspiel des Handgriffes ist ein nettes Gimmick, das nicht stört und gelegentlich sogar nützliche Informationen liefert. Wesentlich sinnvoller sind da die beleuchteten Tasten. Alles in allem ist die Pentax K-S1 eine solide Einsteiger-DSLR mit gehobener Ausstattung, deren Marktpreis noch auf einen angemessenen Betrag fallen dürfte.


Weiterführende Links


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Pentax
Modell K-S1
Preis ca. 700 EUR*
Sensor Auflösung 20 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.472 x 3.648
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv DAL F3,5-5,6 18-55 mm AL
Filtergewinde 52 mm
Sucher Pentaprisma
  Vergrößerung 0,95-fach
  Bildfeldabdeckung 100 %
  Dioptrienausgleich -2,5 bis + 1,5 dpt.
LCD-Monitor 3" (7,6 cm)
  Auflösung 921.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 14
Belichtungsmessung   Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss ja
Fernauslöser Infrarot
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus  
  Format AVI
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1080
  bei Bildfrequenz 30 Bilder/s
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 100-51.200 (Obergrenze einstellbar)
  erweitert
  manuell ISO 100-51.2000
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Blitz, CTE, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
11
  AF-Hilfslicht grüne LED
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 19
Gewicht
(Betriebsbereit)
760 g
Zoom  
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Einhanbedienung
(Zoom und Auslöser)
Auslösung während d. Speicherns mögl. ja
Akkulaufzeit ca. 410 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

*mit Objektiv SMC Pentax DAL 1:3,5-5,6 18-55 mm AL

Kurzbewertung

  • Umfangreiche Bildbearbeitungsmöglichkeiten in der Kamera
  • Bildstabilisator in der Kamera
  • Für eine DSLR schneller Autofokus auch im Live-View
  • Teilweise beleuchtete Tasten
  • Kantiges, billig wirkendes Gehäuse
  • Kein Klappdisplay
  • Kit-Zoom von mäßiger Bildqualität
  • Relativ lange Speicherzeiten

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 86 %
Ausstattung 12,5 % 95 %
Handhabung 12,5 % 89 %
Geschwindigkeit 12,5 % 87 %
Bildqualität 50,0 % 88 %
Gesamtnote 89 %