Kompakttest

Panasonic Lumix DMC-GM1

2013-12-23 Als extrem kleine Systemkamera kündigte Panasonic die Lumix GM1 an. Wie klein diese ist, vermitteln Einzelfotos der Kamera nicht, denn die Proportionen sind gewohnt. Alles wurde maßstabsgerecht geschrumpft, im Volumen insgesamt um rund 40 Prozent – sogar das zugehörige Objektiv. Nur der Bildsensor nicht, denn bei dem gilt: größer ist besser. Es ist derselbe wie im derzeitigen Panasonic Top-Modell Lumix GX7. Im Test berichten wir ausführlich über unsere Erfahrungen mit der GM1 im Testlabor sowie in der Praxis.  (Jan-Markus Rupprecht, Benjamin Kirchheim)

Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 12-32 mm [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die winzige Größe der Panasonic Lumix DMC-GM1 und des dazu passend entwickelten 12-32-mm-Objektivs hat die digitalkamera.de-Tester überrascht. Kaum zu glauben, dass der Hersteller es geschafft hat, einerseits die Kamera, andererseits das Objektiv um das etablierte Micro-Four-Thirds-Bajonett herum derart zu schrumpfen! Denn dessen Durchmesser steht ja fest und gibt die Rahmenbedingungen vor. Bei der GM1 heißt das: Die Kamera ist nur exakt so hoch, wie der Außendurchmesser des Bajonetts. Dieses Design verfolgen auch andere Hersteller (Sony, Samsung), nur ist deren Bajonett, und damit die Kamerahöhe, aufgrund des größeren Sensors deutlich größer. Auch einen anderen Design-Trick kennt man ursprünglich von Sony: Das Bajonett springt ein Stück aus dem Gehäuse hervor und bildet scheinbar eine Einheit mit dem Objektiv, statt mit der Kamera. Hierdurch kann das eigentliche Kameragehäuse deutlich flacher gestaltet werden, als es das Auflagemaß (der Abstand der Bajonettfläche zum Sensor) eigentlich zulässt.

Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 12-32 mm [Foto: MediaNord]Das winzige Zoom-Objektiv ist eine völlige Neuentwicklung. Bislang setze Panasonic bei besonders kleinen Objektiven auf eine möglichst geringe Bautiefe. So entstand vor einigen Jahren das Lumix G X Vario PZ 12-42-mm-Objektiv mit Motorzoom, das allerdings sehr groß im Durchmesser ist, deutlich größer als das Bajonett. Für die GM1 musste ein Objektiv entwickelt werden, das genau den Durchmesser des Bajonetts einhält – eine völlig neue Design-Anforderung! Und eine geringe Tiefe sollte es auch haben. Herausgekommen ist das winzige Pancake-Zoom mit der Typenbezeichnung H-FS120332. Ähnlich wie schon seit längerem bei den Micro-Four-Thirds-Objektiven von Olympus wird hier zum Fotografieren erst einmal das Objektiv „entfaltet“: Ein Dreh am sehr griffigen Zoomring fährt einen zweiteiligen Objektiv-Tubus aus. Das eben noch flache Pancake wächst dann auf die doppelte Bautiefe an. Auch das weitere Zoomen erfolgt stufenlos und feinfühlig mechanisch. Das gefällt uns viel besser als ein motorisches Zoom! Zudem fühlt sich das Objektiv richtig gut und edel an. Da wurde nicht nur am Bajonett Metall verbaut. Keine Spur von billigem Kit-Objektiv -- die Haptik des 12-32 mm ist vorbildlich. Einen Fokus-Ring zum manuellen Scharfstellen hat das kleine Objektiv nicht, stattdessen muss man bei Bedarf auf die Bedienelemente der Kamera zurückgreifen.

Panasonic Lumix DMC-GM1 [Foto: MediaNord]Die Breite der Kamera wird bestimmt durch das Display (diagonal knapp drei Zoll im 3:2-Format) und die daneben liegenden Panasonic-typischen Bedienelemente. Platz zum Anfassen bleibt da kaum. Eine winzige Daumenauflage ist mit demselben griffigen Kunstleder beklebt wie die Front. Beim Test passierte es oft, dass der leichtgängige Dreh-Drück-Ring an der Rückseite versehentlich gedrückt und gedreht und dabei Kameraparameter ungewollt verstellt wurden (mag eigentlich irgendjemand diese Dreh/Drück-Dinger wirklich?). Alle anderen Tasten sind zum Glück etwas versenkt eingebaut. Bei den Bedienelementen an der Oberseite ist eine versehentliche Bedienung nicht zu befürchten, denn diese erfordern einige Kraft und haben dafür wenig „Angriffsfläche“. Der Ein-Aus-Schalter ist um den Auslöser herum angeordnet, links daneben gibt es noch einen markanten Umschalter für den Autofokus (einzeln, kontinuierlich oder aus) und darin eine Funktionstaste (F1, standardmäßig Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 12-32 mm [Foto: MediaNord]WiFi, aber frei belegbar). Einerseits ist es schön, dass Panasonic bei allen seinen Kameras die gleiche Systematik der Bedienelemente einsetzt, so fühlt sich ein Panasonic-Umsteiger gleich zuhause. Andererseits könnte die GM1 noch einiges ergonomischer sein, wenn Panasonic hier über seinen eigenen Schatten springen könnte.

Dass die Kamera den Anwender nach dem Einschalten mit dem Hinweis „Zoomring drehen, um Objektiv auszufahren“ begrüßt, wäre vermeidbar, wenn dieser gleichzeitig als Ein- und Ausschalter für die Kamera dienen würde. Das würde bei jedem Ein- und Ausschalten einen Handgriff sparen. Dazu wäre dann aber ein Ein-Ausschalter an der Kamera als Taster und nicht als Drehhebel sinnvoll. Und der schöne Schalter für den Autofokus; mal Hand aufs Herz: Wie oft wird man mit dem Objektiv ohne Fokus-Ring wirklich manuell scharf stellen oder wie oft schaltet man wirklich zwischen Einzelautofokus auf kontinuierlichen Autofokus um? Wie schön wäre es, wenn dies der Drive-Schalter wäre, mit dem man schnell zwischen Einzel- und Serienbild, Belichtungsreihen, Auto-HDR und Selbstauslöser umschalten könnte (das sind ja die Sachen, die man mal eben für ein einzelnes Bild umstellen möchte).

Panasonic Lumix DMC-GM1 [Foto: MediaNord]In dem Mini-Gehäuse der Lumix GM1 haben die Entwickler sogar einen kleinen Blitz untergebracht der mit einer Leitzahl von 4 zur Schattenaufhellung oder Motivbeleuchtung im Nahbereich reicht. Der Blitz wird mechanisch über einen kleinen Hebel ausgeschnappt und dann schnellt eine abenteuerliche Hebel-Hub-Schwenk-Konstruktion mit dem Blitz ein gutes Stück weit nach oben und vorne. Auf diese Weise werden Abschattungen des Objektivs vermieden – gar keine einfache Aufgabe bei einem so kleinen Gehäuse (manch anderer Hersteller „löst“ das Problem, indem er gar keinen Blitz einbaut!). Die Schwenkkonstruktion lässt sich auch gut für indirektes Blitzen zweckentfremden, indem man den federnd gelagerten Blitzkopf beim Fotografieren ganz zurückzieht, so dass er die Decke anblitzt. Das mag nicht im Sinne des Erfinders sein, funktioniert aber bestens. Zurück ins Gehäuse befördert man die Konstruktion mit einem beherzten Fingerdruck. Dabei keine Angst! Was sich biegt, bricht nicht! Und tief hineindrücken; erst dann schnappt der zweite der beiden Sicherungshebel ein und der Blitz sitzt wieder wirklich bündig im Gehäuse.

Trotz Mini-Gehäuse haben die Panasonic-Ingenieure es geschafft, ein solides Metallgewinde mittig zum Objektiv im Gehäuse zu platzieren. Mit angesetzter Schnellwechselplatte lässt sich die Batteriefach-Klappe, in der auch die Speicherkarte steckt, aber natürlich nicht öffnen, dazu ist das winzige Gehäuse viel zu klein. Die gesamte Verarbeitung, das klang wohl schon durch, ist vorbildlich für eine derart kleine Kamera. Das Gehäuse und alle Bedienelemente auf der Oberseite sind aus Metall. Auch wenn wir Panasonic Lumix DMC-GM1 [Foto: Panasonic]für Kamera und Objektiv mit Akku und Speicherkarte gerade einmal 273 Gramm gewogen haben, hat man angesichts der geringen Abmessungen doch ordentlich was in der Hand. Die Kamera gibt es in ganz Schwarz (mit schwarzem Objektiv), klassisch in Silber-Schwarz oder peppig in Orange-Schwarz (jeweils mit silbernem Objektiv). Optional gibt es einen Handgriff in Silber.

Der Touch-Screen-Monitor mit mehr als einer Million Bildpunkten hat einen sehr breiten Betrachtungswinkel und ist etwas kleiner, als die Abdeckung suggeriert (7,5 cm Bilddiagonale). Bei sehr hellem Sonnenlicht ist die Sichtbarkeit des Motivs eingeschränkt, zur Wahl des Bildausschnitts reicht es noch. Das 3:2-Format ist ein guter Kompromiss. Fotografiert man im 4:3-Seitenverhältnis (natives Seitenverhältnis des Sensors) oder im 16:9-Format (dann bleiben noch 12 von den 16 Megapixeln übrig) wird das Bild nicht allzu viel kleiner. Sehr gelungen ist mittlerweile auch die Touch-Screen-Benutzeroberfläche. Damit lässt sich eigentlich alles viel bequemer und schneller einstellen als mit der Cursor-Wippe. Durch deren Anwesenheit muss man sich jedoch immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass man da einen Touch-Screen vor sich hat und jede Auswahl, die man sieht, auch mit nur einem einzigen Fingertipp ausgewählt werden kann, statt viel mühsamer per Cursor- und Enter-Tasten.

Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 12-32 mm [Foto: MediaNord]Ausstattung Das Aufnahmeprogramm wird bei der GM1 ganz klassisch über das stramm und satt rastende Programmwählrad auf der Kameraoberseite eingestellt. Sehr praktisch ist dabei die intelligente Automatik, die sämtliche Kameraparameter vom Motivprogramm über den Bildstabilisator bis hin zur ISO-Empfindlichkeit automatisch einstellt, der Anwender braucht also nur noch den Bildausschnitt zu wählen und abzudrücken. Dabei ist man der Automatik aber nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert: Sowohl die Belichtungshelligkeit als auch die Blende zwecks Schärfentiefe lassen sich auf Wunsch anpassen. Selbst eine Weißabgleichskorrektur (kühlere oder wärmere Farben) ist möglich. Wählt der Fotograf das Motivprogramm hingegen selbst aus, kann er die Blende nicht mehr beeinflussen, wohl aber die Belichtungskorrektur. Beim Weißabgleich kann sogar eine der Voreinstellungen gewählt werden. Weitergehende Kontrolle erhält der Anwender in den klassischen Programmen P, A, S Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 14-140 mm [Foto: MediaNord]und M. In letzterem bietet die manuelle Kontrolle von Verschlusszeit und Blende die volle Kontrolle über die Belichtung. Zusätzlich erlauben zwei Benutzerspeicher die Belegung mit individuellen Voreinstellungen.

Videos nimmt die GM1 jederzeit über die dedizierte Videoaufnahmetaste am Rande der Daumenmulde auf. Hierbei stehen sowohl das AVCHD- als auch das MP4-Format zur Auswahl. In AVCHD stehen bei Full-HD-Auflösung 50i, 25p und 24p zur Auswahl sowie in HD-Auflösung 50p. Beim Speichern im MP4-Format gibt es sogar drei Auflösungsstufen: Full-HD, HD und VGA. Die Bildwiederholrate beträgt dabei immer 25p. Das MP4-Format ist besonders praktisch zur Übertragung auf Smartphones oder zum Hochladen ins Internet, was dank eingebautem WLAN sogar von der Kamera direkt aus möglich ist. Der Videoton gelangt durch das eingebaute Stereomikrofon auf die Speicherkarte. Während der Aufnahme für die Kamera den Autofokus zielgenau und ohne großes Pumpen nach, allerdings ist zumindest bei 12-32-mm-Standardzoom ein ganz leises Rattern zu vernehmen. Beim Start der Videoaufnahme wird das Bild oben und unten beschnitten, was die Kamera leider vorher nicht anzeigt. Dies geschieht nur, wenn man per Programmwählrad auf den Videomodus wechselt. Dann erlaubt die GM1 auch manuelle Belichtung und die Verwendung des Auslösers statt der Videoaufnahmetaste zum Starten und Stoppen der Videoaufzeichnung.

Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 12-32 mm [Foto: MediaNord]Zwar bietet die kleine Lumix einige Aufnahmefilter, jedoch lassen sich Fotos nachträglich nicht damit bearbeiten. Eine HDR-Aufnahmefunktion hat Panasonic hingegen verbaut. Sie nimmt drei Fotos mit bis zu 3 EV Belichtungsunterschied auf und richtet diese Fotos beim Verrechnen optional sogar aus, so dass man mit der GM1 auch Freihand-HDR-Aufnahmen anfertigen kann. Eine Rohdaten-Entwicklungsfunktion fehlt jedoch genauso wie ein Panoramamodus. Immerhin können Bilder zugeschnitten oder mit einem Titel versehen werden, Videos lassen sich sogar schneiden. Dank des Tochscreens können Bilder per Wischgeste durchgeblättert werden, mit einer Zweifingergeste ist sogar das Zoomen ins Bild möglich. Die GM1 kümmert es nicht einmal, mit welcher Kamera die Bilder auf der Speicherkarte aufgenommen wurden, anschauen und zoomen kann man trotzdem. Sehr praktisch ist auch das eingebaute WLAN, so lassen sich Bilder an Mobilgeräte übertragen und das Fernsteuern der Kamera via Smartphone inklusive Livebild-Übertragung erlaubt die GM1 ebenfalls. Insbesondere der Funktionsumfang der App begeistert, davon könnte sich mancher Konkurrent eine Scheibe abschneiden. Die Kamera lässt sich sehr umfangreich via Smartphone konfigurieren.

Panasonic Lumix DMC-GM1 [Foto: MediaNord]Die Blitzfunktionen sind leider etwas eingeschränkt. Die GM1 bietet nur den internen Blitz, der nicht einmal externe Blitzgeräte fernsteuern kann. Mit Aufhellblitz, Anti-Rote-Augen-Vorblitz und Langzeitsynchronisation sind immerhin die Standardfunktionen vorhanden, außerdem lassen sich die Blitzsynchronisation am Anfang oder Ende der Belichtung sowie eine Blitzbelichtungskorrektur wählen. Größtes Manko ist jedoch die lange Blitzsynchronzeit von 1/50 Sekunde, kürzere Verschlusszeiten erlaubt die GM1 nicht. Dadurch wird es mit dem leistungsarmen Blitz nahezu unmöglich, bei Tageslicht unter freiem Himmel noch sinnvoll zum Aufhellen zu Blitzen. Schuld an der Misere ist die neue Verschlusseinheit, die immerhin 80 Prozent kleiner ausfällt als noch bei der GX7. Statt wie bei einem herkömmlichen Schlitzverschluss wird der Sensor am Anfang der Belichtung rein elektrisch "dunkel" gesetzt, der Verschluss schließt bei Belichtungszeit von 1/500 Sekunde und länger nur zum Ende der Belichtung, damit der Sensor ohne Störeinflüsse ausgelesen werden kann. Der Verschluss besitzt nur noch zwei Lamellen und arbeitet nicht schnell genug, um kürzere Blitzsynchronzeiten als 1/50 Sekunde zuzulassen. Zwar bietet die GM;1 auch einen völlig lautlosen, rein elektronischen Verschluss mit einer bis zu 1/16.000 Sekunde kurzen Verschlusszeit, kann dann aber leider nicht blitzen.

Bildqualität Die Panasonic Lumix DMC-GM1 besitzt denselben 16 Megapixel auflösenden Live-MOS-Sensor wie die GX7 und sollte dementsprechend grundsätzlich dieselbe gute Bildqualität liefern. Er misst wie bei Micro-Four-Thirds üblich etwa 17,3 x 13 Millimeter, in der Diagonale entspricht das exakt der Hälfte eines Kleinbildsensors, womit sich die Brennweite scheinbar verdoppelt (Crop-Faktor 2). Doch nicht nur der Bildsensor samt Bildaufbereitung ist entscheidend für die Bildqualität, sondern Panasonic Lumix DMC-GM1 Speicherkartenfach und Akkufach [Foto: MediaNord]auch die Güte des Objektivs. Wir haben die GM1 samt 12-32 eingehend in unserem hauseigenen Labor gemessen, alle Labortestergebnisse mit zahlreichen Diagrammen, auf denen die folgenden Betrachtungen beruhen, sind wie üblich gegen ein kleines Entgelt zum Ansehen, herunterladen und Ausdrucken erhältlich.

In der Tat schlägt sich die GM1 von den Messwerten her sehr ähnlich wie die GX7. Der Signal-Rauschabstand startet bei ISO 125 im gerade noch guten Bereich von knapp 40 db und fällt ab ISO 1.600 unter die kritische Grenze von 35 dB. Während das Farbrauschen praktisch keine Rolle spielt, wird Helligkeitsrauschen ab ISO 3.200 sichtbar und verstärkt sich bis zur höchsten Empfindlichkeit von ISO 25.600. Dabei bleibt es allerdings mit unter zwei Pixeln feinkörnig genug, um auf rund A4 großen Bildern nicht aufzufallen. Feinste Details gibt die GM1 sogar noch schärfer wieder als die GX7, was allerdings an der aggressiveren Bildaufbereitung beziehungsweise Nachschärfung liegt. Hier ist eindeutig abzulesen, dass die GM1 sich an Fotografen richtet, die ihre Bilder zumindest in JPEG nicht nachbearbeiten wollen, sondern sehr knackige Ergebnisse erwarten. So sinkt dann durch die Rauschunterdrückung die Detailtreue etwas langsamer ab als bei der GX7 und bescheinigt der GM1 selbst bei ISO 6.400 noch eine gute Detailtreue. Darüber allerdings werden die Bilder sichtbar weicher.

Panasonic Lumix DMC-GM1 mit 12-32 mm [Foto: MediaNord]Die Eingangsdynamik liegt über den gesamten ISO-Bereich bei guten zehn bis elf Blendenstufen, der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 1.600 gut. Darüber werden die Helligkeitsabstufungen zunehmend gröber. Feinste Farbnuancen gibt die GM1 sogar bis ISO 6.400 sehr gut wieder, wobei die Kamera Rot- bis Violetttöne stärker gesättigt anzeigt als in der Realität, Cyan ist zudem Richtung Blau verschoben. Beides sorgt jedoch für subjektiv angenehm leuchtende Farben mit schönem Himmelsblau, das nicht so ausgewaschen wirkt.

Zur Bildqualität trägt allerdings auch das Objektiv einen wesentlichen Teil bei. Bezogen auf A4 zeigt das 12-32 mm keine unscharfen Bildränder, die Auflösungsmessung jedoch offenbart einen recht hohen Randabfall vor allem im Weitwinkel. Hier sinkt die Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast von 45 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Zentrum auf 25 lp/mm am Bildrand. Auch Abblenden bringt keine wesentliche Verbesserung. Mit 10-15 lp/mm Randabfall bei mittlerer und langer Brennweite schlägt sich die Auflösung hier zwar besser, als tadellos kann man das aber auch nicht bezeichnen. Ein weiteres Problem des 12-32 ist die starke Verzeichnung von zwei Prozent im Weitwinkel, das kann bei kritischen Motiven, etwa Architekturaufnahmen, schon störend wirken. Bei mittlerer und langer Brennweite hingegen gibt es praktisch keine Verzeichnung. Auch Farbsäume treten kaum auf, selbst die Randabdunklung gibt keinen Anlass zur Kritik.

Fazit Panasonic hat es mit der Lumix GM1 geschafft, eine Systemkamera zu entwickeln, die trotz großem Sensor und Wechselobjektiv winzig klein ist und auf den ersten Blick sicherlich leicht für eine Kompaktkamera gehalten wird. Zwar lassen sich alle Micro Four-Thirds-Objektive an dem kleinen Gehäuse betreiben, aber das mitgelieferte kleine Weitwinkelzoom ist das einzige Objektiv, das vom Design her wirklich zu dem kleinen Schmuckstück passt. So wird man wohl nur selten jemals ein anderes Objektiv an der GM1 sehen. Aber mit dem serienmäßigen Objektiv lässt sich auch sehr gut leben, wenn man nicht viel Telebrennweite braucht. In Weitwinkelstellung lässt die Bildqualität zum Rand hin nach, ein Kompromiss angesichts der kleinen Baugröße. Insgesamt schlägt sich dieser Edel-Mini hervorragend und leistet sich nirgendwo wirkliche Schwächen. Die einzige Einschränkung scheint der eigenwillige Verschluss zu sein, der nur sehr lange Blitzsynchronzeiten zulässt.


Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Autoren

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

 

Jan-Markus Rupprecht

Jan-Markus Rupprecht fotografiert mit Digitalkameras seit 1995, zunächst beruflich für die Technische Dokumentation. Aus Begeisterung für die damals neue Technik gründete er 1997 digitalkamera.de, das Online-Portal zur Digitalfotografie, von dem er bis heute Chefredakteur und Herausgeber ist. 2013 startete er digitalEyes.de als weiteres Online-Magazin, das den Bogen der digitalen Bildaufzeichnung noch weiter spannt.

Steckbrief
Hersteller Panasonic
Modell Lumix DMC-GM1
Preis ca. 700 EUR
Sensor Auflösung 16 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.592 x 3.448
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv Lumix G Vario 1:3,5-5,6/12-32mm Asph. OIS
Filtergewinde 37 mm
Sucher
  Dioptrienausgleich
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.040.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang HDMI
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro
  Sport/Action ja
  weitere 19
Belichtungsmessung   Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss
Fernauslöser
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus  
  Format AVCHD/MP4
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 50i
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 200-12.800 (Obergrenze einstellbar)
  erweitert ISO 200-25.600
  manuell ISO 125-25.600
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, Feinabstimmung
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
23
  AF-Hilfslicht rot-orange
  Geschwindigkeit ca. 0,2 s
Sprachen Deutsch
  weitere 15
Gewicht
(Betriebsbereit)

203 g (nur Gehäuse)
273 g (mit Objektiv*)

Zoom  
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Einhanbedienung
(Zoom und Auslöser)
Auslösung während d. Speicherns mögl. ja
Akkulaufzeit ca. 220 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* Panasonic Lumix G Vario 1:3,5-5,6/12-32mm Asph. OIS

Kurzbewertung

  • Edle Haptik und Verarbeitung
  • Für die Sensorgröße extrem kleines Gehäuse
  • Gute Bedienbarkeit über Touch-Screen
  • Umfangreiche Ausstattung (inklusive WiFi)
  • Trotz kompaktem Gehäuse eine gute Bildqualität wie eine ausgewachsene Kamera
  • Die meisten MFT-Objektive haben einen zu großen Durchmesser für die kleine Kamera
  • Mit 1/50 s zu lange kürzeste Blitzsynchronzeit
  • Setobjektiv mit schwacher Auflösung am Bildrand

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 92 %
Ausstattung 12,5 % 90 %
Handhabung 12,5 % 90 %
Geschwindigkeit 12,5 % 88 %
Bildqualität 50,0 % 89 %
Gesamtnote 90 %