Testbericht

Panasonic Lumix DMC-G6

2013-07-12 Mit der Lumix G6 möchte Panasonic die Mittelklasse der eigenen Systemkamerafamilie auffrischen, ohne sie sogleich komplett zu revolutionieren. So wurden im Vergleich zur Vorgängerin vor allem Details verbessert, dies aber durchaus nicht zu knapp. Geblieben ist es dagegen beim 16-Megapixel-Sensor, dem Panasonic indes jetzt eine höhere Maximalempfindlichkeit zutraut. Völlig neu hinzugekommen ist die WiFi-Fähigkeit der G6 inklusive Near Field Communcation (NFC) zur schnellen Vernetzung der Kamera mit einem Partnergerät. Wie sehr die vielen kleinen Änderungen und Neuerungen die Kamera verbessert haben, musste die Lumix G6 im ausgedehnten Praxiseinsatz unter Beweis stellen. Im Testlabor von digitalkamera.de wurde zudem ihre Bildqualität auf Herz und Nieren geprüft.  (Martin Vieten)

Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die spiegellosen Systemkameras der G-Serie von Panasonic kamen schon immer im Gewand einer DSLR daher – sind aber kleiner und leichter. Die neue G6 drückt betriebsbereit (aber ohne Objektiv) keine 400 Gramm auf die Waage – so leicht ist keine DSLR. Da sieht man dann auch großzügig darüber hinweg, dass Panasonic der Kamera sicht- und spürbar ein Kleid aus Kunststoff auf den Leib geschneidert hat. Zumal die G6 dank ihres wohlproportionierten Handgriffs einen sicheren Halt bietet. Allzu fest sollte man indes nicht zupacken – nicht etwa, weil dann das Gehäuse knisternd und knarzend protestieren würde; nein, es übersteht auch einen festen Griff mit stoischer Ruhe. Vielmehr drücken dann Daumen und Handballen unweigerlich auf einen oder gleich mehrere der Funktionsknöpfe rechts auf dem Kamerarücken. Insbesondere die Display-Taste hat Panasonic derart unglücklich unter dem Daumen angeordnet, dass sie nahezu ständig unbeabsichtigt betätigt wird. Verschärft wird dieses Problem sicherlich auch dadurch, dass die winzigen Taster schon auf den leisesten Druck reagieren. Das ist wirklich schade, denn Panasonic hat die G6 gleich mit fünf frei programmierbaren Funktionstasten (für fast 40 Funktionen!) geradezu üppig ausgestattet. Die Programmierung mit der gewünschten Funktion hat Panasonic übrigens sehr clever gelöst: Die G6 blendet dazu eine Grafik ein, in welcher Legenden die aktuelle Belegung der Fn-Tasten anzeigen. Ein Fingertipper auf eine Legende genügt, um die Belegung der jeweiligen Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]Funktionstaste zu ändern. Wem die Vielfalt der Fn-Tasten noch nicht reicht, kann zudem zwei verschiedene Kamera-Setups speichern – sie lassen sich bequem über das großzügige Moduswählrad abrufen.

Einen zwiespältigen Eindruck hinterließ auch das Daumenrad. Es läuft zwar schön stramm und lässt sich zudem drücken, um die Funktion zu wechseln. Aber es liegt eben auch recht tief auf dem Kamerarücken, sodass sich der Daumen schon ordentlich verrenken muss, um es zu erreichen. Durch die clevere Doppelbelegung spart Panasonic ein zweites Wählrad für den Zeigefinger ein. An seine Stelle tritt eine Zoomwippe, sie verstellt in der Tat die Brennweite, wie man es von einer Kompaktkamera gewohnt ist – allerdings muss dazu ein Powerzoom-Objektiv an die G6 angesetzt sein. Wird die G6 dagegen mit einem herkömmlichen Zoomobjektiv ohne Motorantrieb ausgestattet, steuert die Wippe die Belichtungskorrektur. Dabei reagiert sie wie schon die Tasten auf der Rückseite viel zu empfindlich – eine Reihe fehlbelichteter Aufnahmen in den ersten Testtagen war die Folge. Immerhin lässt sich die Wippe fest mit der Zoomfunktion belegen, die Belichtungskompensation bleibt dann dem Daumenrad vorbehalten.

Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]Das Hauptmenü hat Panasonic in fünf lange Listen unterteilt, in denen man sich mühsam zum gewünschten Befehl durchblättern muss. Glücklicherweise wird ein Ausflug in dieses Hauptmenü selten nötig, denn die G6 bietet ein Schnellmenü für die wichtigsten Einstellungen. Und dieses lässt sich wirklich zügig bedienen, kann doch die Lumix G6 wie schon ihre Vorgängerinnen mit einem Touchscreen aufwarten – und zwar jetzt mit einem kapazitiven Touchscreen. Diese Technik reagiert bereits auf leichte Berührung und erlaubt zudem Gestensteuerung. Auf der anderen Seite lässt sich ein kapazitiver Touchscreen nicht mit Handschuhen bedienen – was aber meistens verschmerzbar sein sollte. In der Praxis hat sich die Bedienung via Touchscreen jedenfalls bewährt – sogar der Fokuspunkt lässt sich mit einem Fingertipper festlegen. Setzt man das Drei-Zoll-Display zur Bildkontrolle vor oder nach der Aufnahme ein, überzeugt es mit seiner sehr hohen Auflösung von über einer Million Bildpunkten, einer natürlich Farbwiedergabe sowie einer ordentlichen Maximalhelligkeit. Das Display ist wie schon seit Langem in der G-Serie üblich links am Gehäuse dreh- und schwenkbar angeschlagen. Alternativ bietet die G6 einen elektronischen Sucher (EVF), der jetzt auf OLED-Technik basiert und so merklich verbessert wurde. Er löst ebenfalls sehr fein auf (1,44 Millionen Bildpunkte) und stellt Bewegungen flüssig dar – etwa wenn die Kamera geschwenkt wird. Letzteres gilt indes nur unter guten Lichtverhältnissen. Im Schummerlicht reagiert der EVF sehr zäh auf Bewegungen, die dann Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]abgehackt erscheinen. Immerhin rauscht der Sucher auch unter widrigen Lichtverhältnissen kaum und überzeugt stets mit einer neutralen Farbwiedergabe.

Das Anschlussterminal der G6 verbirgt sich unter einer Kunststoffklappe, die lediglich von einer Plastiklasche gehalten wird. Es besteht aus einem HDMI- und analogen Mikrofonanschluss sowie einer multifunktionalen USB-Buchse. Über letztere gibt die G6 auch herkömmliche AV-Signale aus und nimmt Kontakt mit einer Kabelfernbedienung auf. Speicherkarte und Akku werden von unten zugeführt, deren Abdeckung liegt allerdings so nah am Stativgewinde, dass das Fach bei angesetzter Stativplatte nicht mehr zugänglich ist. Dafür liegt das Stativgewinde in der optischen Achse, was die G6 für Panoramafotos prädestiniert. Die Kapazität des Akkus reicht für rund 350 Fotoaufnahmen (gemessen nach CIPA-Standard), für längere Fototouren sollte man also besser einen frischen Ersatzakku dabei haben. Dieser lässt sich übrigens problemlos aufladen, während die Kamera unterwegs ist – Panasonic legt der Lumix G6 nämlich ein ordentliches Ladegerät bei.

Panasonic Lumix DMC-G6 – Infobildschirm [Foto: Martin Vieten]
Panasonic Lumix DMC-G6 – Schnellmenü [Foto: Martin Vieten]
Panasonic Lumix DMC-G6 – Menüauswahl [Foto: Martin Vieten]
Panasonic Lumix DMC-G6 – Haupmenü [Foto: Martin Vieten]
Panasonic Lumix DMC-G6 – Bildwiedergabe [Foto: Martin Vieten]
Panasonic Lumix DMC-G6 – Bildwiedergabe mit RGB-Histogramm [Foto: Martin Vieten]
Ausstattung Beim Funktionsumfang der Lumix-G-Serie hat Panasonic noch nie geknausert – die G6 bleibt dieser Linie treu. Wer einfach unbeschwert drauflos fotografieren möchte, findet in der G6 gleich zwei intelligente Vollautomatiken. Die „Intelligente Automatik“ nimmt dem Fotografen jedwede Entscheidung ab, die „Intelligente Automatik Plus“ erlaubt es, Belichtung, Weißabgleich und Schärfentiefe anzupassen. Dazu gibt es weit über 20 Motivprogramme, sodass sich die G6 auch auf spezielle Wünsche wie „Weiches Bild einer Blume“, „Leckeres Dessert“ oder „Gegenlicht weich“ mit nur einem Handgriff einstellen lässt. Hinzu kommen noch 18 Verfremdungsmöglichkeiten von „Retro“ über „Impressiv“ bis hin zum unvermeidlichen „Miniatur“-Effekt. Ferner gibt es ein paar Spezialprogramme für besondere Aufnahmesituationen. Dazu zählt ein Panoramamodus, bei dem die Kamera ein Breitbild aufzeichnet, während sie über die Szenerie geschwenkt wird. Oder eine HDR-Automatik, die bei kontrastreichen Szenen mehrere unterschiedlich belichtete Aufnahmen zu einem Bild mit guter Dynamik vereint. Allerdings erwies sich im Test die HDR-Funktion als nicht ganz so wirkungsvoll wie etwa bei Kameras von Sony. Zwar verbessert auch Panasonic die Durchzeichnung in den Lichterpartien, die Tiefen könnten aber durchaus noch feiner ausdifferenziert werden.

Wer die Lumix G6 lieber selbst ganz nach seinen Wünschen konfigurieren möchte, findet dazu praktisch alle Einstellmöglichkeiten, die man sich vorstellen kann. So fällt es leichter aufzuzählen, was sie nicht kann. Wenn die G6 etwas knausert, dann vielleicht bei den Blitzfunktionen. Hier fehlt die Möglichkeit zum Blitzen auf den zweiten Vorhang, auf die Kurzeitsynchronisation versteht sich die Kamera ebenfalls nicht.

Wesentlich eindrucksvoller ist da doch, welche neuen Funktionen Panasonic der G6 mit auf den Weg gegeben hat. Hier sticht vor allem die WiFi-Konnektivität hervor. Die G6 kann sich in ein Drahtlos-Netzwerk einklinken und dann neue Aufnahmen direkt an ein anderes Gerät im Netz senden, etwa an ein Smartphone aber auch an ein kompatibles TV-Gerät. Dazu ist auf dem Mobile-Device die kostenlose „Panasonic Image App“ nötig, die es für Android und iOS gibt. Doch die App kann noch mehr: Sie erlaubt es, die G6 fernzusteuern, wobei sich beispielsweise auch ISO-Zahl oder Belichtungskorrektur via Mobilgerät vorgeben lassen. Zudem übernimmt eine mit dem Smartphone verbundene G6 die GPS-Daten aus dem Handy in die Aufnahmen – da sieht man Panasonic gerne nach, dass die Kamera auf ein eigenes, energiehungriges GPS-Modul verzichtet. Besonders praktisch wird die WiFi-Funktion der G6 dadurch, dass die Kamera auch „Near Field Communication“ (NFC) beherrscht. Ist das Partnergerät ebenfalls mit NFC ausgestattet, reicht es zur Kontaktaufnahme, beide Geräte aneinanderzuhalten – die umständliche Eingabe von SSID und Passwort in der Kamera entfällt dann.

Doch zurück zu den fotografischen Funktionen der G6, die wie gesagt durchaus üppig sind. Beispielsweise die Belichtungskorrektur: Sie weist einen sehr großen Regelbereich von +/- 5 EV auf. Und bei Belichtungsreihen zeichnet die Lumix G6 bis zu sieben Bilder mit einer maximalen Spreizung von 1 EV auf – auch das ist deutlich mehr als üblich. Rasant geht es zu, wenn die G6 Serienfotos aufnimmt: 7,3 Foto pro Sekunde (fps) schafft sie bei JPEG-Aufnahmen, in RAW sind es immerhin noch 6,5 fps. Allerdings hält sie dieses hohe Tempo nur für 13 JPEG- und sieben RAW-Aufnahmen durch, dann geht es äußerst gemächlich weiter: Im Dauerlauf bringt es die G6 nur noch auf magere 1,4 fps (JPEG) bzw. 0,7 fps (RAW). Wird mit der höchsten Serienbildrate fotografiert, zeigt der Sucher anstelle des Live-Bildes kurz die letzte Aufnahme – bei Mitziehern wandert da leicht das Motiv aus dem Bildausschnitt. Bei reduzierter Serienbildrate erscheint zwar das Live-View-Bild im Sucher, allerdings mit ausgeprägten Dunkelphasen zwischen den Aufnahmen.

Ganz auf der Höhe der Zeit sind die Video-Funktionen der G6. Sie filmt in Full-HD-Auflösung (1.920 x 1.080 Pixel) mit einer maximalen Rate von 50 Vollbildern pro Sekunde (50p). Gespeichert wird entweder im komprimierten AVCHD-Format, wahlweise auch als MP4. Den Ton zeichnet die G6 mit ihrem integrierten Stereomikrofon auf, sie bietet aber auch eine Klinkenbuchse zum Anschluss eines externen Mikrofons. Die Kamera führt den Fokus während der Videoaufnahme nach, wahlweise vollautomatisch oder erst auf Anforderung, wenn der Auslöser angetippt wird. Schön auch, dass während des Videodrehs weiterhin Fotoaufnahmen möglich sind, allerdings nur in verminderter Auflösung. Wird mit einem Powerzoom gefilmt – etwa dem Vario PZ 14-42 mm F 3,5-5,6 ASPH oder dem PZ 45-175 mm / F 4,0-5,6 ASPH –, verstellt der Zoomhebel der G6 die Brennweite besonders feinfühlig.

Eine auf den ersten Blick pfiffige Retusche-Funktion hat Panasonic im Wiedergabemodus der G6 hinzugefügt: Um störende Bildelemente zu entfernen, reicht es im Prinzip, sie auf dem Touchscreen auszuwählen. In der Praxis krankt die Retusche aber daran, dass sich nur sehr kleine Bildbereiche markieren lassen. So verschwinden zwar die Stromdrähte aus einer Landschaftsaufnahme, nicht aber ein Tourist, der sich ins Bild gemogelt hat. Ansonsten wartet die G6 mit reichlichen Wiedergabe- und Bearbeitungsfunktionen auf, lediglich die Möglichkeit zur Entwicklung von RAW-Aufnahmen sucht man vergebens.

Objektiv Im praktischen Einsatz hatten wir die Lumix G6 mit den Zoomobjektiven Vario 14-42mm F 3,5-5,6 ASPH. O.I.S. sowie Vario 45-150mm 1:4,0-5,6 O.I.S. Bezogen auf Kleinbild deckt dieses Duo einen Brennweitenbereich von 28 bis 300 Millimeter ab, ohne dabei (mitsamt Kamera) viel Platz in der Fototasche zu beanspruchen. Mit beiden Objektiven wird die G6 im Doppel-Kit angeboten, es gibt sie aber auch im Set nur mit dem 14-42. Ausgestattet mit diesem Objektiv musste die Kamera Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]sich dem Labortest von digitalkamera.de stellen (mehr dazu im Abschnitt „Bildqualität“). Das Objektiv ist stabilisiert, es hilft also verwackelte Aufnahmen zu vermeiden und sorgt für ein angenehm ruhiges Sucherbild. Es ist aus zwölf Linsenelementen in neun Gruppen aufgebaut und weist sieben Blendenlamellen auf. Die Naheinstellgrenze liegt bei 30 Zentimetern.

Obgleich die Eckdaten des Set-Objektivs keine herausragenden Eigenschaften verheißen, macht es in der Praxis an der G6 eine ordentliche Figur: Die Kamera stellt damit in rund 0,3 Sekunden scharf und löst aus – und erweis sich damit als ebenso flott wie eine gute DSLR. Dabei hilft ihr sicherlich auch ein kleiner Trick: Der AF ist permanent in Betrieb und stellt die Schärfe grob ein. Wird der Auslöser angetippt oder gar ganz durchgedrückt, muss die G6 den Fokus nur noch feinjustieren. Auf Wunsch lässt sich die Schärfe aber auch manuell einstellen, wobei der Fokusring am Objektiv lediglich Steuersignale überträgt (focus by wire). Das funktioniert dennoch überraschend gut. Zum einen blendet die G6 beim manuellen Scharfstellen eine Entfernungsskala auf dem Display oder im Sucher ein. Ferner gibt es eine Fokuslupe, die sehr einfach einzurichten ist. So lässt sich der vergrößerte Bildausschnitt leicht mit der Vier-Wege-Wippe verschieben, den Vergrößerungsfaktor steuert man mit dem hinteren Einstellrad. Gekrönt wird dies Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]alles aber von der Fokus-Peaking-Funktion: Sie markiert Kontrastkanten in der Fokusebene cyanfarben – in Verbindung mit der Fokuslupe lässt sich so die Schärfe auch von Hand punktgenau, vor allem zügig und bequem auf die gewünschte Bildpartie legen.

Wer das Scharfstellen lieber der Kamera überlässt, findet bei der Lumix G6 reichhaltige Optionen. So lässt sich der Fokus auf eine von 23 Zonen im Bild legen, besonders bequem geht’s per Fingertipper auf das Touchdisplay. Zudem bietet die Kamera einen Nachführ-AF der überraschend gut funktioniert. Im kurzen Test war bei einem Kameraschwenk von nah auf fern mit mittlerer Serienbildgeschwindigkeit lediglich eine der Aufnahmen in der Ferne nicht ganz scharf, bevor der AF sein Ziel gefunden hatte. Falls das Umgebungslicht nicht reicht, assistiert ein oranges Hilfslicht dem Autofokus, der dann aber spürbar länger braucht. Immerhin ist der AF jetzt deutlich lichtempfindlicher als noch bei der Vorgängerin, sein Empfindlichkeitsbereich reicht nun von -3 EV bis 18 EV.

Bildqualität Was den Sensor betrifft, hat Panasonic bei der G6 alles beim Alten gelassen. Es bleibt also bei einem Bildwandler im Four-Thirds-Format, der 18 Megapixel auflöst, wovon effektiv jedoch nur rund 16 Megapixel genutzt werden. Damit ist die Pixeldichte bereits recht hoch, schließlich weist der Sensor nur ein Viertel der Fläche eines Kleinbildfilms auf (bei APS-C sind es immerhin noch 44 Prozent). Dennoch hat Panasonic die ISO-Empfindlichkeit gegenüber der Vorgänger um eine ganze Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]Blendenstufe erhöht, sie reicht bei der G6 jetzt bis hinauf zu ISO 25.600. Im Testlabor von digitalkamera.de aber auch im praktischen Einsatz sind wir indes nicht nur der Frage nachgegangen, ob die Kamera einen derart hohen ISO-Wert verkraftet. Wie immer kann das detaillierte und ausführlich kommentierte Testprotokoll gegen ein kleines Entgelt eingesehen und als PDF-Datei heruntergeladen werden (siehe weiterführende Links am Ende dieses Testberichts).

Es verwundert kaum, dass das preisoptimierte Set-Objektiv Lumix G Vario 14-42 mm 3.5-5.6 Asph. OIS nicht ganz das Potential des hochauflösenden Sensors ausschöpfen kann. So bildet es mit maximal 43,2 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) nur mäßig detailreich ab. Seine maximale Auflösung erzielt das Objektiv bereits bei F5.6 in Weitwinkelstellung, bedingt durch den relativ kleinen Sensor lassen Beugungseffekte bei kleinerer Blende die Auflösung bereits abnehmen. In Telestellung erweist es sich als detailärmer, mit maximal 37 lp/mm bei F8. Wie fast alle preisoptimierten Zoomobjektive ist zudem die Auflösungsleistung am Bildrand deutlich schlechter als im Zentrum, teilweise sinkt die Auflösung um mehr als 20 Prozent. Etwas stark ausgeprägt ist auch die Randabdunklung bei Offenblende im Weitwinkelbereich, abgeblendet auf F5.6 fällt die Vignettierung jedoch über den gesamten Brennweitenbereich hinweg kaum noch auf. Auch die Verzeichnung geht noch in Ordnung, lediglich an den äußersten Bildecken werden in Natura gerade Linien soeben sichtbar verbogen. Farbsäume an Kontrastkanten bleiben ebenfalls im Rahmen, chromatische Aberrationen hat Panasonic ganz gut im Griff.

Panasonic Lumix DMC-G6 Speicherkartenfach und Akkufach [Foto: MediaNord]Dass die Aufnahmen mit der G6 nicht ganz so detailarm wirken, wie es die schieren Messwerte scheinen lassen, liegt zum Teil auch an der etwas forschen Bildaufbereitung. Die Kamera schärft kräftig nach, wodurch Schärfeartefakte etwas stark ausgeprägt sind. Solange die Aufnahmen ohne weitere Bearbeitung gedruckt werden sollen, geht das in Ordnung – wer seine Fotos jedoch noch optimieren möchte, sollte besser in RAW aufzeichnen. Das RAW-Format bietet überdies die Möglichkeit, Rauschunterdrückung und Detailreichtum noch besser aufeinander abzustimmen als die interne Bildaufbereitung der Lumix G6. Denn diese erkauft sich einen bis ISO 3.200 vorbildlich hohen Signal-Rauschabstand von mehr als 35 dB mit einem bereits ab ISO 200 zunehmenden Verlust an Texturschärfe. Immerhin bleiben so Farb- wie Luminanzrauschen bis hinauf zu ISO 3.200 auf einem erfreulich niedrigen Niveau, um danach jedoch kräftig in die Höhe zu schnellen. Aber nicht nur aus diesem Grund sollte man der G6 keine höheren ISO-Werte zumuten, falls die Aufnahmen nicht nur in Postkartengröße benötigt werden. Denn auch die Eingangsdynamik ist bei ISO 3.200 mit 8,8 EV bereits etwas eingeschränkt, die Aufnahmen wirken flach und kontrastarm. Überhaupt ist die G6 kein Dynamikwunder, wobei sich sie mit Panasonic Lumix DMC-G6 [Foto: MediaNord]einer Eingangsdynamik von knapp 10 EV bis ISO 800 jedoch durchaus sehen lassen kann.

Ein wenig freimütig geht die G6 mit der Farbreproduktion um. Cyantöne verschiebt sie etwas Richtung Magenta, Orange wird kräftig gesättigt. So wirken die Aufnahmen eher warm als kühl, was an sich noch kein Nachteil sein muss. Insgesamt zeigt die Messung der Farbabweichung etwas hohe Werte, zu wahrnehmbaren Farbverfälschungen kommt es jedoch nicht. Der Weißabgleich arbeitet hingegen sehr genau, die tatsächliche Farbtiefe ist bis ISO 3.200 sehr hoch. So bleibt unterm Strich, dass die Bildqualität der Panasonic Lumix G6 bis hinauf zu ISO 3.200 sehr in Ordnung geht. Die jetzt möglichen ISO 25.600 sollte man ihr aber wirklich nur im äußersten Notfall zumuten, denn mit der Maximal-Empfindlichkeit ist die Kamera messtechnisch wie auch nach Augenschein der Fotos überfordert.

Fazit Mit der Lumix G6 präsentiert Panasonic eine Nachfolgerin der G5, die in vielen Details verbessert wurde und einige neue interessante Funktionen erhalten hat. Einen guten Eindruck hinterließ im praktischen Einsatz der OLED-Sucher, auch das jetzt multitouch-fähige Display wusste zu gefallen. Trotz des großen Funktionsumfangs lässt sich die G6 zügig bedienen, dem Touchscreen und gleich fünf frei konfigurierbaren Funktionstasten sei es gedankt. Allerdings hat Panasonic einige der Tasten derart unglücklich auf dem Kamerarücken angeordnet, dass es immer wieder zu ungewollter Fehlbedienung kam – hier sollte das nächste Modell dringend nachgebessert werden. Neu ist auch die Möglichkeit, die G6 via WiFi in ein lokales Netzwerk einzubinden, dank NFC gelingt die Kontaktaufnahme zum Partnergerät besonders einfach. Die Bildqualität der G6 ist auf der Höhe der Zeit, ihr 18-Megapixel-Sensor im Micro-Four-Thirds-Format liefert bis ISO 3.200 ordentliche Ergebnisse ab. Auch die Abbildungsleistung des Set-Objektivs geht in Ordnung, nur dessen Auflösungsvermögen ist etwas schwach. Die G6 empfiehlt sich als kleine und leichte Alternative zu einer DSLR, der sie in Sachen AF-Geschwindigkeit nicht nachsteht, bei Videoaufnahmen sogar überflügelt.


Weiterführende Links

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Panasonic
Modell Lumix DMC-G6
Preis ca. 700 EUR*
Sensor Auflösung 18,3 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.608 x 3.456
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv Lumix G Vario 1:3,5-5,6/14-42mm Asph. OIS
Filtergewinde 52 mm
Sucher OLED EVF
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 1.440.000
  Vergrößerung 0,7-fach
  Dioptrienausgleich -4 bis +4 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.036.000
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang AV und HDMI (je PAL und NTSC)
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 20
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 8,3 (Herstellerangabe)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus ja
  Format MP4 oder AVCHD
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz
50p
Empfindlichkeit
  automatisch 160-12.800
(Obergrenze einstellbar)
  manuell ISO 160-25.600
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
23
  AF-Hilfslicht LED, orange
  Geschwindigkeit ca. 0,3 s
Sprachen Deutsch
  weitere 15
Einschaltzeit ca. 0,3 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
ja (nur mit PZ-Objektiv)
Gewicht
(betriebsbereit)
390 g (nur Gehäuse)
485 g (mit Objektiv*)
Serienbildfunktion**
  Serienbildanzahl
13 (JPEG)
7 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
7,3 (JPEG)
6,5 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,4 (JPEG)
0,7 (RAW)
  mit Blitz
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 0,4 s (6,5 MByte)
  RAW 1,8 s (18,8 MByte)
Akkulaufzeit ca. 350 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Lumix G Vario 1:3,5-5,6/14-42mm Asph. OIS
** mit Transcend 16 GByte Class 10 SDHC Speicherkarte

Kurzbewertung

  • Guter EVF auf OLED-Basis
  • Sehr gut manuell zu fokussieren (u. a. Fokuspeaking)
  • Ordentliche Bildqualität (bis ISO 3.200)
  • Viele Möglichkeiten zu Individualisierung
  • Hohe Gefahr der Fehlbedienung durch leichtgängige, schlecht angeordnete Tasten
  • Etwas eingeschränkte Blitzfunktionen
  • Bildqualität bricht jenseits ISO 3.200 ein
  • Wenig wirksame HDR-Funktion

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 88 %
Ausstattung 12,5 % 99 %
Handhabung 12,5 % 90 %
Geschwindigkeit 12,5 % 90 %
Bildqualität 50,0 % 88 %
Gesamtnote 90 %