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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


Steckbrief
Hersteller Panasonic
Modell Lumix DMC-G1
Preis ca. 700 EUR**
Sensor Auflösung 12 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.000 x 3.000
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv Lumix G Vario 1:3,5-5,6/14-45mm Asph. OIS
Filtergewinde 52 mm
Sucher LCOS EVF
  Auflösung 1.440.000
  Sichtfeld 100%
  Vergrößerung 0,7-fach
  Dioptrienausgleich -4 bis +4 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 460.000
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC,
HDMI (component)
  als Sucher
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 4
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 11,2 (Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC, MMC
Videomodus
  Format
  Codec
  Auflösung (max.)
  Bildfrequenz (max.)
Empfindlichkeit
  automatisch 100-1.600
(einstellbar)
  manuell ISO 100-3.200
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja (2 Speicher)
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
23
  AF-Hilfslicht rot-orange
  Geschwindigkeit < 0,3-0,4 s
Sprachen Deutsch
  weitere 14
Einschaltzeit 0,4 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
430 g (nur Gehäuse)
620 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 170 (JPEG)
5 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
3,2 (JPEG)
3,1 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,8 (JPEG)
0,6 (RAW)
  mit Blitz
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 0,7 s (4,1 MByte)
  RAW 1,8 s (13,9 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 450 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Panasonic 4 GB Class 6 SDHC Speicherkarte
** mit Objektiv Lumix G Vario 1:3,5-5,6/14-45mm Asph. OIS

Kurzbewertung

  • Schneller Autofokus
  • Für einen elektronischen Sucher überragende Qualität
  • Hohe Verarbeitungsqualität
  • Flexibler Monitor
  • Zu rutschiges und schwergängiges Einstellrad
  • Aktuell geringe Auswahl an kompatiblem Objektiven (bzw. teurer FourThirds-Adapter und nur wenige Live-AF-kompatible Objektive)
  • Ab ISO 1.600 hohes Rauschen
  • Nur akzeptable Eingangsdynamik, Ausgangsdynamik mit zu hohem Schwarzwert

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 95 %
Ausstattung 12,5 % 99 %
Handhabung 12,5 % 96 %
Geschwindigkeit 12,5 % 94 %
Bildqualität 50,0 % 75 %
Gesamtnote 85 %

Preisvergleich

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Panasonic Lumix G Vario 45-200 mm 4.0-5.6



Testbericht

Panasonic Lumix DMC-G1

2008-12-11 Mit der Vorstellung der Lumix DMC-G1 sorgte Panasonic für viel Aufsehen, begründet sie als "EVIL-Kamera" doch ein völlig neues Systemkonzept. EVIL steht für Electronic Viewfinder interchangeable Lens, was auf Deutsch elektronische Sucherkamera mit Wechselobjektiven bedeutet. Die aktuelle Technik macht endlich möglich, wovon viele Anwender schon lange geträumt haben: eine kompakte Kamera, Flexibilität durch Wechselobjektive, eine genaue und schnelle Fokussierung direkt auf dem Sensor und ein hoch auflösender, elektronischer Sucher, der wirklich zeigt, was man aufnimmt – und nicht nur den Bildausschnitt wie ein klassischer Spiegelreflexsucher. Wir haben uns die Kamera im Test sehr genau daraufhin angesehen, ob sie technisch, bei der Bedienung, Geschwindigkeit und Bildqualität überzeugen kann.  (Benjamin Kirchheim)

Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: MediaNord] Ergonomie und Verarbeitung Die Lumix G1 orientiert sich weitgehend am klassischen und praktischen Design einer Systemkamera mit Handgriff und "Blitzbuckel". Panasonic setzt dabei wohl proportionierte und moderne Akzente. Die Kamera kommt sehr geradlinig mit einigen Rundungen und gekonnter Schlichtheit daher. Sie ist gerade so breit (124 mm) und hoch (83,6 mm), dass der 3" (7,7 cm) große Klapp- und Schwenkmonitor, der elektronische Sucher, die Bedienknöpfe und die Daumenauflage genügend Platz auf der Rückseite finden. Das Gehäuse selbst fällt aufgrund des geringen Auflagemaßes des Objektivbajonetts von 20 mm relativ flach aus (45,2 mm). Nach vorne stehen nur der Handgriff und der Blitz hervor – das jedoch nur so weit, wie es unbedingt nötig ist. Flache Pancake-Objektive – von einem zeigte Panasonic auf der vergangenen Photokina bereits einen Prototypen – würden hervorragend zur Kamera passen. Durch das flache Grundgehäuse ist der Handgriff auch ausreichend groß, um die Kamera sicher zu halten – nur wer äußerst große Pranken hat, wird vielleicht kein Freund der mit Kitobjektiv 620 g leichten G1 (Gehäusegewicht: 430 g).

Als Gehäusematerial setzt Panasonic hochwertigen Kunststoff ein. Er fühlt sich solide und zugleich geschmeidig an, als sei das Gehäuse mit einer Art angerautem Silikon oder Gummi behandelt. Die Daumenauflage ist zusätzlich mit einem Gummi abgesetzt, das keine genarbte Struktur aufweist und sich damit gut in das restliche, schnörkellose Kameradesign einfügt. Neben Schwarz gibt es die Kamera auch in dunklem Rot oder Blau. Besonders bei den farbigen Varianten fällt allerdings auf, dass die Schutzkappen der Anschlüsse aus einem anderen Kunststoff gefertigt sind. Der ist nicht nur leicht anders gefärbt, sondern im Gegensatz zum Material der Kamera auch äußerst kratzempfindlich. Das stört leider den sonst hochwertigen Eindruck. Mit den Farben wie mit dem Kamerakonzept generell spricht Panasonic ein neues Zielpublikum an: Umsteiger von Kompakt- und Bridgekameras, die sich vor einer großen und schweren DSLR scheuen, aber auch Frauen, die sonst eher Kompaktkameras bevorzugen. Aber auch der eine oder andere Besitzer einer DSLR wird sicher einen interessierten Blick auf die "schnuckelige" G1 werfen.

Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: MediaNord] Von der Ausstattung mit Schnittstellen gibt sich die G1 fast wie eine DSLR: Das Stativgewinde auf der Kameraunterseite ist aus Metall und in der optischen Achse angeordnet. Allerdings muss die Stativplatte schon zu den kleineren gehören, um den Zugang zum Akkufach nicht zu verdecken. Hierin verbirgt sich ein recht klobiger Lithium-Ionen-Akku, der aber mit 7,2 V und 1.250 mAh immerhin über eine Leistung von 9 Wh verfügt. Das führt zu einer akzeptablen Laufzeit von 450 Bildern laut CIPA-Standardmessverfahren. Durch seine Bauform ist übrigens ein falsches Einlegen des Akkus ausgeschlossen; er rastet dann schlicht nicht ein. Für die Stativverwendung im Studio wurde kein Stromversorgungsanschluss vorgesehen, stattdessen gibt es einen optionalen Akkudummy. Auf der linken Kameraseite befinden gleich zwei Schnittstellenklappen: Hinter einer verbirgt sich ein Klinkenanschluss für eine (teure) Kabelfernbedienung, hinter der anderen sind die Anschlüsse für USB bzw. AV-Out und HDMI versteckt. Letzterer ist sehr praktisch für hoch auflösende Diashows, die FullHD-Auflösung von 1080p wird unterstützt. Auf der rechten Kameraseite befindet sich der SD-Karteneinschub, der selbstverständlich auch SDHC-Karten bis zu 32 GBytes Kapazität schluckt.

Die Bedienknöpfe sind ebenfalls denen einer DSLR ähnlich: Zahlreiche Rädchen und satt schmatzende, mechanische Schalter machen richtig Freude. Nicht ganz so gelungen ist dagegen das vordere Bedienrad am Handgriff. Es ist etwas schwergängig und wirkt ein wenig billig. Hinzu kommt, dass es zu glatt und damit für den Finger wenig griffig ist. Pfiffig ist die Möglichkeit, das Rad wie eine Taste auch drücken zu können. Durch Drehen am Rad wird beispielsweise die Verschlusszeit verstellt, drückt man einmal drauf, kann man anschließend die Blende verstellen. Die insgesamt zwölf Tasten auf der Kamerarück- und Oberseite sind sehr gut bedienbar.

Den meisten Platz auf der Kamerarückseite nimmt der 3" große Monitor ein, der ein Seitenverhältnis von 3:2 aufweist. Er ist sehr blickwinkelstabil, hell (mit automatischer Helligkeitsanpassung oder manueller Helligkeitswahl), löst mit 460.000 Bildpunkten ausreichend fein auf und zeigt ein brillantes Bild. Das Beste an dem Monitor ist aber sein Schwenk- und Klappmechanismus: Durch diesen spielt die Kamera ihre Vorteile des LiveViews erst so richtig aus. Bodennahe Aufnahmen oder Fotos über Menschenmengen hinweg sind so problemlos und ohne große Verrenkungen möglich. Zahlreiche Einblendungen LCOS Sucher Funktionsprinzip in der Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: Panasonic] informieren den Fotografen über wichtige Einstellungen, aber auch ein Histogramm oder verschiedene Gitter können eingeblendet werden und erleichtern die Bildkomposition. Zum Schutz vor Kratzern kann der Monitor mit der Innenseite zur Kamera hin angeklappt werden, was sich auch anbietet, wenn man den elektronischen Sucher bevorzugt.

Den Sucher der Panasonic Lumix DMC-G1 sollten auch Skeptiker des elektronischen Sucherprinzips einmal gesehen haben: Er löst 1,44 Millionen Bildpunkte auf – das ist die sechsfache Auflösung der sonst üblichen elektronischen Sucher. Umgerechnet entspricht das einer Auflösung von 800 x 600 Echtfarbpixeln. Und eigentlich handelt es sich auch um solche. Die G1 verwendet eine Suchertechnik aus dem Broadcastbereich (professionelle Fernsehkameras): Eine LED wechselt in schneller Folge die Farbe von Rot nach Blau nach Grün. Das erzeugte Licht wird an einer teildurchlässigen Scheibe auf einen LCD reflektiert. Die Reflexion jedes der 800 x 600 LCD-Pixel kann in seiner Stärke gesteuert werden. In genauso schneller Folge wie die Umschaltung der Lichtquellenfarbe wechselt auch das LCD sein Pixelmuster, wodurch nacheinander ein rotes, blaues und grünes Bild erzeugt und vom menschlichen Auge als Echtfarbbild wahrgenommen werden (siehe Illustration). Der Sucher kann dabei flüssige 60 Bilder pro Sekunde erzeugen und deckt den vollen NTSC-Farbraum ab. Ein weiterer Vorteil dieser Suchertechnik ist, dass man das übliche Gitter zwischen den Pixeln nicht mehr sieht.

Von der Größe entspricht der Sucher einem Vollformatsucher einer DSLR, der 0,7-fach vergrößert. Zwar kann der Sucher vom Schärfeeindruck nicht gegen einen Vollformat-DSLR-Sucher "anstinken", wohl aber gegen die recht kleinen Sucher diverser Einsteiger-DSLRs. Der Bildeindruck ist ein anderer, aber man sieht, was man gerade aufnimmt (Belichtungsvorschau, Histogramm, Gittereinblendung, Weißabgleich, 100 % Bildausschnitt auch im 3:2- oder 16:9-Format), muss das Auge auch zur Bedienung der Menüs nicht vom Sucher nehmen und kann sogar die aufgenommenen Bilder im Sucher betrachten. Auch die manuelle Scharfstellung ist pixelgenau möglich. Dabei hilft eine Lupe, deren Vergrößerung einstellbar ist. Etwas störend wirkt dabei allein das Bildrauschen bei dunkleren Lichtverhältnissen, die Verzögerung des Sucherbildes gegenüber dem Realbild beträgt nur rund 30 Millisekunden. Menschen mit einer Fehlsichtigkeit kommt der große Einstellbereich des Suchers von -4 bis +4 dpt entgegen. Sehr praktisch ist dabei der (abschaltbare) Augsensor, der den EVF bei Annäherung aktiviert.

Ausstattung Panasonic setzt eine neue Generation der Venus Engine ein, um den hohen Leistungsanforderungen aller Komponenten entsprechen zu können. Dabei handelt es sich um einen Dualprozessor, wie man ihn von Computern her schon länger kennt. Dadurch steht die nötige Rechenpower für Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: MediaNord] Autofokus, hochauflösendes LiveView und selbstverständlich die vielen intelligenten Automatikfunktionen bereit, die eine moderne Lumix so bietet. Dazu gehören Gesichtserkennung, Motiverkennung, Bewegungserkennung, Kontrastoptimierung etc., so dass die Kamera alle Aufnahmeparameter optimal einstellen kann. Denn eine möglichst einfache Bedienung steht im Vordergrund dieser Kamera, die auch für qualitätsbewusste Käufer, die sich nicht mit der Technik auseinandersetzen wollen, vor keine Probleme stellen sollte. Dazu gehört auch der Orientierungssensor, der die Bilder automatisch dreht.

Dem Anwender stehen aber auch einige Motivprogramme zur Verfügung, falls er sich nicht auf die zuverlässige Automatik verlassen möchte. Neben der "Grobauswahl" auf dem Programmwählrad kann auch eine "Feinauswahl" im Menü erfolgen. Bei jedem der Programme Porträt, Landschaft, Makro, Sport und Nachtaufnahme kann man die Aufnahmesituation weiter spezifizieren, beispielsweise Porträt innen, Porträt außen, mit schöner Haut oder kreativ, bei Makro dagegen hat man die Auswahl zwischen Blumen, Speisen, Gegenständen oder einem Kreativmodus. Zwar scheint die Schachtelung auf den ersten Blick etwas übersichtlicher als 30 hintereinander aufgelistete Motivprogramme. Ob eine so feine Auswahl dem unbedarften Anwender aber eher hilft oder ihn verwirrt, sei dahin gestellt.

Der erfahrene Hobbyfotograf hat hingegen alle Einstellmöglichkeiten, die er auch von Spiegelreflexkameras gewohnt ist. Dazu gehört neben Halbautomatiken und manuellem Modus auch ein Zeigefingerrad am Handgriff, um wichtige Kameraparameter schnell verstellen zu können. Darüber hinaus bietet das Programmwählrad eine programmierbare Einstellung, mit der sich der Anwender seine bevorzugten Einstellungen speichern und jederzeit abrufen kann. Weitere Individualisierungsmöglichkeiten bietet die Kamera mittels der programmierbaren Fn-Taste auf der Kamerarückseite, einem Favoritenmenü, wo man seine bevorzugten Menüpunkte speichern und schneller abrufen kann, und generell den vielen Verstellmöglichkeiten im Menü. Der Benutzer kann beispielsweise wählen, wo die Informationsanzeigen im Sucher und auf dem Display dargestellt werden: nur unten oder oben und unten.

Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: MediaNord] Flexibel gestaltet sich die Einstellung der Empfindlichkeit über die dedizierte Taste. Neben der intelligenten Automatik, die sowohl Kameraverwackelungen als auch Motivbewegungen erkennt und berücksichtigt, kann man die Automatik auf einen Maximalwert begrenzen. Hier bietet sich ISO 800 an, denn darüber nimmt das Rauschen deutlich zu (siehe Abschnitt Bildqualität). Aber auch eine manuelle Wahl für die volle Empfindlichkeitskontrolle ist möglich. Hier steht die G1 anderen Kameras in nichts nach, sogar eine 1/3 EV feine Abstufung ist möglich.

Interessant ist die Taste "Film Mode" auf der Kameraoberseite. Dahinter verbirgt sich nicht etwa eine Funktion zur Aufnahme von Bewegtbildern (die G1 hat keine Videofunktion), sondern die Möglichkeit, die Kamera auf verschiedene Filmprofile wie Natürlich, Farbenfroh, Schwarzweiß, Sepia etc. einzustellen. Wer gerne in dieser Richtung kreativ wird, findet vielfältige Einstellungsmöglichkeiten bis hin zur Definition eigener Filmprofile. Jeder Modus ist dabei individuell parametrisierbar. Konservative Naturen werden diese Taste vielleicht für überflüssig halten, aber das Q.Menü, das ebenfalls über eine Taste auf der Kameraoberseite aufgerufen werden kann, wird sicher jeder Anwender nützlich finden. Drückt man diese, kann man mittels der Pfeiltaste durch alle auf dem Bildschirm eingeblendeten Parameter wechseln und diese ohne Ausflüge ins Menü verstellen – selbst das Histogramm, sofern es aktiviert ist, lässt sich frei auf dem Bildschirm platzieren.

Auf diese Weise kommt man auch am schnellsten zu den Blitzeinstellungen. Hier bleiben kaum Wünsche offen. Damit der Blitz (mit einer von uns gemessenen Leitzahl 11,2) überhaupt zünden kann, muss er allerdings zuerst per Hand entriegelt werden – automatisch poppt er nicht auf. Neben einer Automatik kann man einen Aufhellblitz zuschalten oder eine Langzeitsynchronisation aktivieren. Darüber hinaus gibt es einen Vorblitz gegen rote Augen; besser wirkt allerdings die digitale Entfernung, die die Kamera ebenfalls beherrscht. Kreative Blitzer werden sich nicht nur über die Blitzbelichtungskorrektur freuen, sondern auch über die Möglichkeit, auf den zweiten Verschlussvorhang, also zum Ende der Belichtung, zu blitzen. Selbstverständlich gehört zu einer Systemkamera auch ein Systemblitzschuh, der sowohl Olympus- als auch Panasonic-TTL-Blitze (FL220, FL360 und FL500) aufnimmt. Die kürzeste Blitzsynchronzeit liegt generell bei 1/160 Sekunde. Das ist etwas schade, liegt aber daran, dass die Kamera noch über einen mechanischen Verschluss verfügt (näheres siehe Abschnitt Objektiv).

Die Serienbildfunktion ist hauptsächlich aufgrund der schnellen Schreibgeschwindigkeit auf die SD-Speicherkarte recht leistungsfähig – eine entsprechend schnelle SD-Karte vorausgesetzt. Im JPEG-Modus nimmt die Kamera locker 170 Aufnahmen am Stück bei 3,2 Bildern pro Sekunde auf – danach bricht die Geschwindigkeit auf immer noch respektable 1,8 Bilder pro Sekunde ein. Bei RAW-Aufnahmen ist hingegen schon nach fünf Bildern Schluss mit der "Geschwindigkeitsorgie" – danach bleiben nur noch klägliche 0,6 Bilder pro Sekunde, bis die Speicherkarte voll ist. Wer noch mehr Bilder mit konstanter Geschwindigkeit aufnehmen möchte, aber weniger als drei Bilder pro Sekunde braucht, kann die Geschwindigkeit im Menü drosseln.

Panasonic Lumix DMC-G1 – Wiedergabemenü [Foto: MediaNord]
Panasonic Lumix DMC-G1 – Manuelle Fokussierung mit Lupe [Foto: MediaNord]
Panasonic Lumix DMC-G1 – Infobildschirm [Foto: MediaNord]
Panasonic Lumix DMC-G1 – Gittereinblendung [Foto: MediaNord]
Panasonic Lumix DMC-G1 – Wiedergabemodus [Foto: MediaNord]
Objektiv Die Lumix G1 ist die erste Umsetzung des Micro FourThirds-Systems, das zwar ähnlich wie "klassische" digitale Spiegelreflexkameras auf Wechselobjektive setzt, aber im Konzept keinen Schwingspiegel vorsieht. Dadurch konnte das Auflagemaß (Flange Back), das den Abstand vom Sensor zum Objektiv angibt, deutlich von den sonst üblichen rund 40 mm auf 20 mm schrumpfen. Das erlaubt nicht nur kompaktere (flachere) Kameras, sondern vor allem auch kompaktere Objektive, was insbesondere im Weitwinkelbereich auffällt – hier sind normalerweise äußerst klobige und teure Retrofokus-Konstruktionen vonnöten. Dem 14-45mm-Kitobjektiv merkt man die Größenersparnis an, dem 45-200mm-Telezoom hingegen kaum.

Befindet sich kein Objektiv an der Kamera, ist der direkte Blick auf den Sensor frei. Das täuscht vor, die G1 hätte keinen mechanischen Verschlussvorhang mehr, was allerdings nicht zutrifft; standardmäßig ist er aber offen. Das führt zum einen zu der recht langen Blitzsynchronzeit von 1/160 Sekunde (ohne wäre der gesamte Verschlusszeitenbereich bis 1/4.000 Sekunde möglich), zum anderen aber auch zu einem deutlichen Auslösegeräusch, was man von einer Kamera ohne Schwingspiegel nicht erwarten würde. Gleich viermal muss sich der Verschluss bei jedem Auslösevorgang bewegen: Erst geht er zu, um den Sensor abzudunkeln und auf "Null" zu setzen, dann geht er für die Belichtung auf, zum Ende der Belichtung wieder zu und anschließend wieder auf, um den Sensor für die Livebildfunktion freizugeben. Für die Lebensdauer des Verschlusses kann das nichts Gutes bedeuten, sie wird dadurch halbiert. Man kann nur hoffen, dass Panasonic hier einen sehr hochwertigen Verschluss verbaut hat, um das zu kompensieren.

Durch das neue Bajonett ist die Auswahl an Objektiven äußerst dünn gesät. Neben dem 14-45mm-Kitobjektiv gibt es nur noch ein 45-200mm-Telezoom – auf weitere Objektive wird man noch etwas warten müssen. Für recht teure 230 EUR gibt es zwar einen mechanischen Adapter auf FourThirds-Objektive, diese müssen aber bis auf wenige Ausnahmen manuell fokussiert werden – nicht gerade ein Kaufargument für Besitzer eines FourThirds-Systems. Wer dagegen gerne manuell fokussiert, sollte einen Blick auf Novoflex werfen: Diese Firma bietet nämlich inzwischen einen Micro FourThirds-Adapter für Leica-M-Objektive an. Hier können also alte Schätze mit manueller Fokussierung zu neuer Form auflaufen. Prinzipiell lassen sich – rein mechanisch – auch Adapter für sämtliche andere Bajonette bauen, die aktuell noch am Markt vertreten sind. Das größte Problem dürfte allerdings die Blendensteuerung moderner Objektive sein. Auch wenn das Objektivprogramm aktuell noch recht dünn gesät ist, kann man auf die Zukunft bauen, denn Panasonic plant einen systematischen Ausbau des Systems. Interessanterweise tragen die beiden Kit-Zooms kein Leica-Label. Der verbaute optische Bildstabilisator kann dabei schon als Selbstverständlichkeit angesehen werden.

Der Autofokus der Panasonic Lumix DMC-G1 setzt dagegen neue Maßstäbe. Er ist mit rund 0,3-0,4 Sekunden rattenschnell und flüsterleise – auch wenn die Objektive laut Panasonic keinen Ultraschallantrieb besitzen. Die G1 muss sich wahrlich vor keiner Einsteiger-DSLR verstecken. Doch der Live-Autofokus hat noch ganz andere Vorteile: Praktisch stufenlos kann man den Autofokuspunkt auf dem Monitor umher schieben, Motivteile können erkannt und anhand ihrer Struktur verfolgt werden. Gesichter werden identifiziert, und maximal 23 Autofokusfelder gleichzeitig ausgelesen. Klassische DSLRs sind hingegen auf bestimmte Autofokuspunkte festgelegt, die nichts anderes können als Schärfe messen. Und um dies zu können, bedarf es bei einer SLR vieler mechanischer Tricks: Das Bild muss mit halbdurchlässigen Spiegeln kompliziert getrennt und umgelenkt werden, schließlich sitzen die AF-Sensoren im Boden. So ergeben sich höhere mechanische Toleranzen, die auch die Zuverlässigkeit des Autofokus negativ beeinflussen – all das fällt bei der G1 weg. Auch mit lichtstarken Objektiven arbeitet der Autofokus höchst genau, und je lichtstärker die Objektive sind, desto größer ist der Genauigkeitsgewinn der G1. Selbst bei wenig Licht soll der Autofokus noch arbeiten, Panasonic gibt einen Bereich von immerhin 0-18 EV bei ISO 100 an. Ist es noch dunkler, schaltet sich optional ein oranges LED-Hilflicht zu, das allerdings recht grell leuchtet.

Bildqualität Bei all den Highlights gerät die Sensorauflösung fast ins Hintertreffen, doch auch hier gibt es eine Weiterentwicklung zu vermelden. Zwar bleibt die Auflösung mit 12,1 Megapixeln (physikalisch 13,1 Mio.) relativ bescheiden, auch wenn die Auflösung des 4/3-Sensors damit um 2 Megapixel steigt (z. B. gegenüber der Panasonic L10 oder Olympus E-3/420/520), aber bei einem Vollformatsensor entspräche das einer Auflösung von gut 50 Megapixeln bei entsprechender Pixeldichte. Bewährt und wieder eingesetzt wird dabei Panasonics Live-MOS-Technik, die Vorteile verschiedener Techniken in sich vereint und zu hoher Bildqualität fähig ist, wie man beispielsweise bei einer Olympus E-3 sehen kann. Dank der MOS-Technik spielen Smear-Effekte im LiveView – im Gegensatz zur CCD-Technik – auch keinerlei Rolle. Somit kommt es im LiveView-Modus bei Spitzlichtern (Reflexionen oder der Sonne im Bild) nicht zu durchgehenden, senkrechten Linien in Magenta oder anderen Farben. Um die Bildqualität zu testen, haben wir die G1 mit insgesamt drei Objektiven ins DCTau-Bildqualititäts-Testlabor geschickt. Die ausführlichen Ergebnisse mit Diagrammen, Ausschnitten aus Testbildern, Testnoten und Testerkommentar sind über die weiterführenden Links abrufbar. Die folgenden Ausführungen stützen sich auf die Ergebnisse mit dem 14-45mm-Kitobjektiv.

Die Auflösung des Objektivs an der G1 ist bei allen Brennweiten in der Bildmitte gut, zeigt aber einen Randabfall bei kurzer und mittlerer Brennweite. Dabei spielt die verwendete Blende kaum eine Rolle – sowohl auf- als auch abgeblendet zeigt sich der Randabfall, ein Auflösungsunterschied zwischen den Blenden ist nicht zu erkennen. Somit kann das Objektiv als offenblendtauglich bezeichnet werden – für ein Kitobjektiv eine außerordentlich gute Leistung. Bei der Aufbereitung feiner Bilddetails geht Panasonic nicht gerade zaghaft zu Werke. Vor allem an Diagonalen zeigen sich deutliche Aliasing- und Moiréeffekte, wobei die Farbmoirés dominieren. Das kann bei der Wiedergabe bestimmter Strukturen durchaus störend wirken. Dieses Phänomen zeigt sich allerdings bei fast allen Kameras mehr oder minder stark. Sehr gut hingegen ist die Scharfzeichnung, die zwar nicht zurückhaltend ist, aber auch keine Artefakte, Doppellinien oder Schwarz/Weißclipping erzeugt.

Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: MediaNord] Neben der Offenblendtauglichkeit kann das Objektiv auch in Sachen Verzeichnung überzeugen. Zwar liegt bei kurzer und mittlerer Brennweite eine tonnenförmige Verzeichnung vor, diese ist aber vor allem am Weitwinkelende für die Brennweite erstaunlich gering. Die minimale tonnenförmige Verzeichnung in Telestellung hingegen kann man vernachlässigen. Damit gehört das Kitobjektiv in Sachen Verzeichnung zu den Allerbesten, sofern die Korrektur nicht durch kamerainterne Bildbearbeitung erfolgt ist. In einer anderen wichtigen Disziplin des Objektivs ergibt sich ein gemischtes Bild. Die Vignettierung ist im Weitwinkel bei Offenblende am stärksten und zeigt hier – wie auch am Teleende – einen leichten spontanen Vignettierungsanteil, was die Randabdunklung stärker sichtbar macht. Abgeblendet kann sie hingegen bei allen Brennweiten vernachlässigt werden.

Gespannt waren wir auf das Rauschverhalten des Sensors. Bis ISO 800 ist es erstaunlich gering. Es zeigt sich ein ganz leichtes Farbrauschen und ein wenig aggressives Helligkeitsrauschen. Ab ISO 1.600 hingegen steigt das Rauschen sprunghaft an. Zwar bleibt das Farbrauschen niedrig, das Helligkeitsrauschen hingegen zeigt aggressive Salz & Pfeffer-Anteile. Man muss Panasonic an dieser Stelle allerdings zu Gute halten, das nicht versucht wird, die Ergebnisse durch eine starke Schattenrauschunterdrückung zu schönen. Bei anderen Herstellern ist dies längst Gang und Gebe, was zwar zu Lasten der Detailzeichnung in den Schatten geht, aber den Signal-Rauschabstand in den Schatten und die Eingangsdynamik schönt. Da Panasonic dies nicht tut, bricht auch die gemessene Eingangsdynamik ab ISO 1.600 deutlich ein. Darunter gehört sie mit rund 8,2 Blendenstufen allerdings auch eher zur unteren Klasse. Das gemischte Bild setzt sich bei der Panasonic Lumix DMC-G1 [Foto: MediaNord] Ausgangsdynamik fort. Diese ist erstaunlich neutral und vor allem in den Lichtern sehr linear. In den Schatten ist sie etwas weicher, verschenkt aber vor allem die Ausnutzung der wirklich tief schwarzen Tonwerte, wodurch die Schatten unnötig an Brillanz verlieren. Dem kann in der Bildbearbeitung glücklicherweise leicht abgeholfen werden.

Gespeichert werden die Bilder im RAW- oder JPEG-Format mit jeweils zwei Kompressionsstufen. Die geringere JPEG-Komprimierung arbeitet dabei visuell verlustfrei. Bei der höheren Komprimierung passen zwar rund 2½-mal so viele Bilder auf die Speicherkarte, man muss allerdings auch mit ein paar Detailverlusten durch Komprimierungsartefakte leben. Alternativ kann auch die Auflösung – in allen drei Seitenverhältnissen (4:3, 3:2 und 16:9) – auf die Hälfte oder ein Viertel herabgesetzt werden, um Speicherplatz zu sparen. Souverän arbeitet die Belichtungsmessung der G1, die neben Mehrfeld je nach Motiverfordernissen auch auf mittenbetont Integral oder eine Spotmessung umgestellt werden kann. Der automatische Weißabgleich hingen arbeitet nicht bei allen Lichtverhältnissen optimal. Zwar ist er bei natürlichem Licht sehr zuverlässig, aber bei Leuchtstofflampenlicht schleicht sich gerne mal ein leichter Grünstich ein, wohingegen bei Glühlampenlicht ein Orangefarbstich auftritt. Die Weißabgleichsvoreinstellungen helfen bei diesen Problemen wenig, denn es gibt nur eine Kunstlichteinstellung, wo andere Kamerahersteller Glühlampenlicht plus drei Leuchtstofflampenfarbtöne anbieten. Da bleibt dem Fotografen nur der Griff zum manuellen Weißabgleich, der mit zwei Speicherplätzen daherkommt, oder der manuellen Farbtemperaturwahl. Die kann auch in anderen Lichtsituationen sinnvoll sein, z. B. wenn man die Farbtemperatur der Lampen im Studio kennt. Wem die Weißabgleichsvoreinstellungen nicht zusagen, kann sie zusätzlich per flexibler Feinkorrektur anpassen.

Fazit Die Lumix DMC-G1 ist ein klasse Einstieg von Panasonic in dieses neu geschaffene Marktsegment. Praktisch alles an vorhandener, modernster Technik ist in der Kamera verbaut, auch haptisch überzeugt sie vollauf. Die G1 ist faktisch die Weiterentwicklung der anachronistischen DSLR. Man hat regelrecht das Gefühl, dass Panasonic schon lange eine solche Kamera bauen wollte, es bisher lediglich am Konzept (Micro FourThirds) und der Technik (Sucher, Bildsensor, Prozessorgeschwindigkeit) gemangelt hat. Insgesamt überzeugt die Bildqualität bis ISO 800, die Auflösung stimmt, und das Objektiv ist – trotz fehlendem Leica-Schriftzug – im Vergleich zu anderen Kitobjektiven geradezu herausragend. Bei der Eingangsdynamik und dem Schwarzwert sollte Panasonic aber nochmal seine Hausaufgaben machen. Wer Spaß an Fotografie, Einfachheit und moderner Technik hat, wird sich jedenfalls für diese Kamera begeistern können.


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