Kompakttest

Olympus Pen E-PL7

2014-09-01 Die Olympus Pen Lite E-PL7 bringt als große Schwester der E-PL5 und E-PL6 mit Ausnahme des Suchers praktisch die gesamte Ausstattung der OM-D E-M10 in die Pen-Serie mit. Zudem hat sie beim hochwertiger gestalteten Gehäuse Anleihen von der Pen E-P5 genommen, beim Preis hingegen orientiert sie sich an der bisher kleinsten Pen Mini E-PM2. Da bleibt praktisch kein Platz mehr für eine E-PM3, und so hat Olympus die Pen Mini Serie bereits eingestellt und ausverkauft. Die Pen E-PL7 ist also mit ihrer edlen Verarbeitung und gehobenen Ausstattung zum niedrigen Preis eine Kampfansage an die Konkurrenz im Einsteigersegment. Bereits vier Wochen vor Markteinführung konnten wir ein Serienmodell testen.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung Schon beim ersten Blick auf die Olympus Pen E-PL7 im Vergleich zur Pen E-PL5 und E-P5 ist klar: Die Pen Lite-Serie, deren sechstes Modell die E-PL7 ist (die 4 wurde ausgelassen), hat optisch mehr Anleihen bei der größeren Schwester E-P5 genommen. Das Gehäuse besteht zum größten Teil aus Metall, sogar die Rückplatte, die bei der OM-D E-M10 aus Kunststoff besteht, ist hier aus Metall gefertigt. Außerdem hat Olympus die E-PL7 großflächig und mit viel Liebe zum Detail mit einer lederartigen Textur beklebt. Selbst der Knopf zum Entriegeln des Objektivs ist innen beledert. Olympus bietet die Pen E-PL7 wahlweise in Schwarz, Silber-Schwarz oder Weiß an. Die schwarze Version, die uns zum Test vorlag, ist dabei noch die zurückhaltendste, was den Retro-Look betrifft. Die weiße Pen Lite mit dem beigen Griff sieht eher nach einer Lifestyle-Kamera aus und die silber-schwarze Version spielt den Retro-Trumpf voll aus, womit diese Variante auch sehr sympathisch wirkt und nicht so sehr den Aspekt der ernsthaften Kamera mit technisch hochwertiger Ausstattung und guter Bildqualität in den Vordergrund stellt. Die erste Frage lautet eher: Kann die auch digital oder ist die analog?

  • Bild Beim edlen Design nimmt die Olympus Pen E-PL7 große Anleihen bei der Pen E-P5. [Foto: MediaNord]

    Beim edlen Design nimmt die Olympus Pen E-PL7 große Anleihen bei der Pen E-P5. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Gehäuse der Olympus Pen E-PL7 besteht großteils aus Metall und wird mit großflächig verklebter Belederung veredelt. [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der Olympus Pen E-PL7 besteht großteils aus Metall und wird mit großflächig verklebter Belederung veredelt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der Rückseite der Olympus Pen E-PL7 findet der Daumen sicheren Halt, auch die Bedienelemente sind gut erreichbar. Der 7,5 Zentimeter große Bildschirm ist klappbar. [Foto: MediaNord]

    Auf der Rückseite der Olympus Pen E-PL7 findet der Daumen sicheren Halt, auch die Bedienelemente sind gut erreichbar. Der 7,5 Zentimeter große Bildschirm ist klappbar. [Foto: MediaNord]

  • Bild Für Selbstporträts, heutzutage unter dem Begriff

    Für Selbstporträts, heutzutage unter dem Begriff "Selfies" bekannt, lässt sich das Display der Olympus Pen E-PL7 nach vorne klappen. Zum Auslösen werden extra Bedienelemente eingeblendet. [Foto: MediaNord]

Anders als bei der Pen E-PL5 ist der kleine Handgriff nicht mehr abnehmbar, denn hierunter sitzt die WLAN-Antenne. Die Kamera fasst sich angesichts dessen, dass ihr ein voluminöser Handgriff fehlt, gut an, eignet sich aber weniger für den einhändigen Betrieb. Dies ist bei einer Wechselobjektivkamera sowieso selten der Fall, die zweite Hand stützt die Kamera in der Regel am Objektiv, alleine schon um Zoom- und Fokusring zu bedienen. Die Bedienelemente der Kamera hingegen werden allesamt mit der rechten Hand bedient. Auf der Oberseite sitzen zwei Räder, die wahlweise vom Daumen oder Zeigefinger oder beiden zusammen gedreht werden können. Im Gegensatz zur E-PL5, deren Programmwählrad im Test als zu leichtgängig negativ auffiel, hat Olympus bei der E-PL7 nachgebessert, das Rad läuft schön stramm, so dass es sich kaum versehentlich verstellt. Hierüber erreicht man die Automatik, den Videomodus, die Motivprogramme sowie die Kreativprogramme P, A, S und M. Das andere Einstellrad ist von der Rückseite auf die Oberseite gewandert und umschließt wie bei der OM-D E-M10 den Auslöser. Das Rad läuft deutlich leichter als das Programmwählrad, rastet aber gut spürbar ein und lässt sich, genauso wie der mit zwei guten Druckpunkten versehene Auslöser, hervorragend bedienen.

Der Daumen findet auf der Rückseite einen sicheren Platz, ohne versehentlich die recht klein geratenen Tasten zu bedienen. Obwohl sie filigran aussehen, lassen sie sich auch mit dem Daumen gut drücken und besitzen einen vernünftigen Druckpunkt. Sehr praktisch ist, dass sich viele der Tasten individuell belegen lassen, etwa die Fn-Taste, die Lupentaste und sogar die Videotaste. So kann man sich beispielsweise die AEL-Funktion auf die Fn-Taste legen, die ISO-Empfindlichkeit auf die Lupentaste und den Weißabgleich auf die Videotaste. Schaltet man auf den Filmmodus um, so nimmt die Videotaste wieder ihre ursprüngliche Funktion an. Zudem lassen sich die Kameraeinstellungen auf vier Presets abspeichern, um die Kamera schnell verschiedenen Aufnahmesituationen anzupassen.

Der USB-Anschluss sowie die Micro-HDMI-Schnittstelle verbergen sich hinter einer kleinen Kunststoffklappe auf der rechten Kameraseite, in den USB-Anschluss kann auch ein Fernauslösekabel gesteckt werden. Erstmalig bei einer Olympus Pen sitzt das Metallstativgewinde endlich in der optischen Achse. Es ist allerdings wie bei der OM-D E-M10 sehr nah ans Objektiv gerückt, was für die Balance zwar gut ist, bei voluminöseren Objektiven aber auch zu Konflikten zwischen Stativplatte und Objektiv führen kann. Bei der OM-D E-M10 bietet der Zusatzgriff Abhilfe, diese Option hat man bei der E-PL7 nicht. Ein betroffenes Objektiv ist etwa das Panasonic Leica DG Nocticron 42,5 mm 1.2 Asph Power-OIS. Einen weiteren Konflikt kann es mit dem Zugang zum Akku- und Speicherkartenfach geben, nur mit kleineren Stativplatten bleibt das Fach zugänglich. Beim Lithium-Ionen-Akku handelt es sich mit dem BLS-50 um ein neues Modell, das 60 mAh mehr Kapazität als der äußerlich baugleiche BLS-5 bietet. Die Akkus sind voll kompatibel, auch der ältere BLS-1 kann eingesetzt werden. Da die E-PL7 aber etwas stromhungriger ist, sinkt die Akkulaufzeit dennoch auf 350 Bilder nach CIPA-Standard. Geladen werden die Akkus extern im mitgelieferten Ladegerät.

Eine weitere Besonderheit der E-PL7 ist ihr drei Zoll (etwa 7,5 Zentimeter) großer Touchscreen, das sich für Selbstporträts über die Unterseite nach vorne klappen lässt. Bei Selbstporträts aus der Hand ist das genial, weil ein aufgesteckter Sucher oder Blitz im Gegensatz zur E-PL5, bei der das Display noch über die Oberseite nach vorne klappte, nicht mehr das Display verdeckt. Auf dem Stativ hingegen ist das für Selbstporträts nun eher nachteilig, hier hilft aber beispielsweise die Steuerung der Kamera per WLAN mit Livebildübertragung auf das Smartphone. Das Display ist aber auch normal nach unten und oben klappbar, so dass auch Aufnahmen aus bodennahen oder Über-Kopf-Perspektiven problemlos gelingen. Ebenfalls vorteilhaft ist die mit 1,04 Millionen Bildpunkten höhere Displayauflösung sowie das 3:2-Seitenverhältnis, das dem 4:3-Sensorformat näher kommt als das 16:9-Display der E-PL5, die dadurch bei 4:3 zum Mäusekino verkam. Weiterhin problematisch weil etwas unübersichtlich und mit vielen in der Kamerahilfe nicht erklärten Abkürzungen ist das Menü. Man kann Olympus allerdings zu Gute halten, dass die Kamera sehr weitreichend konfigurierbar ist. So lassen sich beispielsweise selbst die drei Belichtungsmessarten oder etwa der Akkulevel korrigieren beziehungsweise an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Praktisch ist zudem das Schnellmenü, mit dem sich alle fotowichtigen Parameter ohne Gang ins Hauptmenü schnell überblicken und einstellen lassen.

Im Gegensatz zur OM-D-Serie besitzt die Pen-Serie keinen eingebauten elektronischen Sucher, stattdessen muss dieser separat gekauft und auf den Blitzschuh gesteckt werden. Da die E-PL7 keinen eingebauten Blitz besitzt (ein aufsteckbarer wird mitgeliefert), kann man also nur entweder den Blitz oder den Sucher nutzen. Immerhin unterstützt die E-PL7 die vollen 2,36 Millionen Bildpunkte Auflösung des Aufstecksuchers VF-4, was bei der E-PL5 noch nicht der Fall war. Ein weiterer Vorteil des Aufstecksuchers: Er ist für bodennahe Perspektiven um 90 Grad nach oben klappbar.

Ausstattung Olympus will bei der Pen E-PL7 der Spagat zwischen einer Einsteigerkamera und einer für fortgeschrittene Fotografen gelingen, was auch größtenteils gut funktioniert. So bietet sie etwa eine intelligente Automatik, die Motivsituationen selbstständig erkennt und die Kameraparameter darauf einstellt. Wer möchte, kann die Motivprogramme aber auch manuell wählen. Die Zahl der Art-Filter klettert mit der E-PL7 auf stattliche 14, wobei sich jeder Filter noch an die eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Pop-Art, Wasserfarben, weiches Licht, Dramatischer Effekt, Zartes Sepia, Crossentwicklung, Diorama (Miniatureffekt), Monochrom Film, Lochkamera etc. sind weiterhin vertreten, mit Vintage und Partielle Farbe kommen zwei weitere interessante Effekte hinzu. Ersterer passt perfekt zum Retrolook der Kamera, letzterer erlaubt interessante Effekte, da nicht nur eine spezielle Farbe, sondern ganze Farbbereiche mit verschiedenen Methoden ausgewählt werden können. Im Übrigen lassen sich alle Art-Filter auch in den Kreativprogrammen P, A, S und M verwenden und beschränken sich somit nicht auf die reine Vollautomatik. Und wer sich nicht für einen Art-Filter entscheiden kann, stellt einfach Art-Bracketing ein, wo gleich mehrere Filter angewendet und als einzelne Bilder gespeichert werden. Gut konfigurierbar ist auch die ISO-Automatik, hier lassen sich sowohl die Unter- als auch die Obergrenze festlegen. Wenn die ISO-Automatik auch bei manueller Belichtung arbeiten soll, muss man dies erst im Zahnradmenü freischalten.

Des Weiteren bietet die Pen Lite einen HDR-Modus, wahlweise werden hier mehrere Bilder in zwei Stärkestufen automatisch verschmolzen oder aber die Kamera fertigt eine konfigurierbar gespreizte Belichtungsreihe an, deren Bilder man hinterher am PC zusammen setzt. Unglücklich ist aber, dass dieser Effekt nicht etwa bei den Belichtungsreihen sitzt, sondern speziell im Menü angewählt werden muss. Neu ist ein Motivprogramm speziell für Mitziehaufnahmen. Die Kamera misst die Mitziehgeschwindigkeit und passt die Belichtungszeit so an, dass das Hauptmotiv scharf und der Hintergrund verwischt ist. Nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist hingegen der Panoramamodus, den Olympus dringend modernisieren sollte. Dieser blendet lediglich ein paar Hilfsmarkierungen ein, aber weder werden die Bilder in der Kamera zusammengesetzt, noch blendet sie einen Teil des vorigen Bildes transparent ein, um die Anschlüsse möglichst gut hinzubekommen. Mit einem Schwenkpanoramamodus, wie ihn inzwischen viele Wettbewerber bieten, kann die E-PL7 hingegen nicht aufwarten, obwohl ihre Serienbildgeschwindigkeit von 8 Bildern pro Sekunde dafür prädestiniert wäre. Wer übrigens den Fokus bei Serienbildern nachführen lassen möchte, muss sich auf magere 3,5 Bilder pro Sekunde beschränken. Und dass, obwohl der Einzel-Autofokus der Pen mit rund 0,2 Sekunden inklusive 0,05 Sekunden Auslöseverzögerung äußerst schnell arbeitet, obwohl er auf ganze 81 Fokuspunkte zurückgreift. Praktisch ist auch der eingebaute, äußerst effektive Bildstabilisator, der etwa drei bis vier EV-Stufen längere Belichtungszeiten mit jedem angesetzten Objektiv erlaubt. Der Bildstabilisator ist am Rauschen bei halbgedrücktem Auslöser hörbar.

Über das eingebaute WLAN können die Aufnahmen an Smartphones oder Tablets mit iOS oder Android geschickt werden, wofür die kostenlose App OI.Share benötigt wird. Es gibt mit Camera Control aber auch ein privat nachprogrammiertes PC-Programm, mit dem die E-PL7 gesteuert werden kann (siehe Fototipp in den weiterführenden Links). Offiziell von Olympus gibt es hingegen keine PC-Anwendung. Über die App beziehungsweise das PC-Programm lässt sich die E-PL7 auch fernsteuern. Neu ist dabei die Möglichkeit, Serienbilder mit dem Selbstauslöser per WLAN aufzunehmen, endlich lassen sich auch Videoaufnahmen mit der App starten. Ob Camera Control entsprechend vom Programmierer erweitert wird, bleibt abzuwarten. Wer die Bilder vor dem Übertragen noch bearbeiten möchte, findet in der Kamerawiedergabe zahlreiche Möglichkeiten, etwa eine Gegenlichtkorrektur oder einen SW- oder Sepia-Modus, nur die Art-Filter stehen für JPEG-Aufnahmen nicht zur Verfügung. Doch auch Raw-Bilder können in der Kamera entwickelt werden, wahlweise mit den aktuellen Parametern oder mit individuellen Einstellungen, hier ist dann auch die Anwendung von Art-Filtern möglich, sogar als Art-Filter-Bracketing. Man muss also nicht unbedingt in Raw+JPEG aufnehmen, um noch in der Kamera ein JPEG zum Raw zu bekommen. An dieser Stelle ein Tipp: Die höchste JPEG-Qualität "Super Fine", abgekürzt "SF", ist in den Werkseinstellungen zunächst nicht auswählbar, man muss diese zuerst im Zahnradmenü G unter dem Punkt "Einstellen" auf einen der vier Qualitätsmodi legen, aus denen man dann die Bildqualität für Aufnahmen wählen kann. Ein kleines Beispiel, dass die Menüführung bei Olympus nicht immer optimal ist. In SF jedenfalls ist die Bildqualität nochmal sichtbar besser als in "F", da weniger Komprimierungs-Artefakte auftreten.

  • Bild Die Olympus Pen E-PL7 besitzt einen Four Thirds Sensor, der auf 17,3 x 13 mm Fläche effektiv 16 Megapixel unterbringt. [Foto: MediaNord]

    Die Olympus Pen E-PL7 besitzt einen Four Thirds Sensor, der auf 17,3 x 13 mm Fläche effektiv 16 Megapixel unterbringt. [Foto: MediaNord]

  • Bild Auf der Oberseite besitzt die Olympus Pen E-PL7 nicht nur Auslöser und Programmwählrad, sondern auch ein gut bedienbares Einstellrad. [Foto: MediaNord]

    Auf der Oberseite besitzt die Olympus Pen E-PL7 nicht nur Auslöser und Programmwählrad, sondern auch ein gut bedienbares Einstellrad. [Foto: MediaNord]

  • Bild In Silber versprüht die Olympus Pen E-PL7 besonders viel Retro-Charme. [Foto: Olympus]

    In Silber versprüht die Olympus Pen E-PL7 besonders viel Retro-Charme. [Foto: Olympus]

  • Bild Die weiße Olympus Pen E-PL7 wirkt dagegen etwas stylischer, hier mit dem mitgelieferten Aufsteckblitz FL-LM1. [Foto: Olympus]

    Die weiße Olympus Pen E-PL7 wirkt dagegen etwas stylischer, hier mit dem mitgelieferten Aufsteckblitz FL-LM1. [Foto: Olympus]

Ein weiteres Highlight der Pen E-PL7 ist Live Bulb beziehungsweise Live Time. Während einer Langzeitbelichtung wird dabei der aktuelle Belichtungsstand auf dem Display angezeigt, wenn das Foto hell genug ist, beendet man die Belichtung. Auch die innovative Funktion Live Composite, die Olympus mit der OM-D E-M10 einführte, hat die E-PL7 geerbt. Damit wird es möglich, beispielsweise Sternenspuren oder ziehende Wolken aufzunehmen, ohne den Rest des Bildes überzubelichten. Bei der E-PL7 wird dabei nun auch die Gesamtbelichtungszeit in den EXIF-Daten vermerkt, was bei der E-M10 noch fehlte. Auch die HDR-Funktion schlägt sich nun auf die Meta-Daten nieder, so dass man es später nachvollziehen kann.

Die Videofunktion ist neben dem Panoramamodus die zweite Funktion, die Olympus etwas stiefmütterlich behandelt. Die Full-HD-Auflösung, der Stereoton mittels eingebautem oder aufgestecktem Mikrofon und das MOV-Format mit H.264-Komprimierung gehen noch völlig in Ordnung, die Bild- und Tonqualität sind gut. Hervorragend arbeitet sogar der Bildstabilisator, wobei die elektronische Stabilisierung die mechanische unterstützt, was für noch ruhigere Aufnahmen sorgt. Die Bilderwiederholrate ist im Videomodus allerdings auf 30 Bilder pro Sekunde festgenagelt, 60, 50, 25 und 24 Bilder pro Sekunde bietet die E-PL7 nicht an. Auch der C-AF ist im Videomodus nicht so gut zu gebrauchen, da er sichtbar pumpt. Fokus-Peaking für manuelle Fokussierung steht nur in den Fotoprogrammen zur Verfügung, nicht jedoch während einer Videoaufnahme. Immerhin wird das Fokuspeaking nun mit 30 Bildern pro Sekunde dreimal so schnell aktualisiert, wodurch man manuell feiner und schneller fokussieren kann.

Einen eingebauten Blitz bietet die Olympus Pen E-PL7 leider nicht, dafür aber einen Blitzschuh, außerdem wird ein kleiner Aufsteckblitz mitgeliefert. Vom Blitzen zum Ende der Belichtung über eine Langzeitsynchronisation und Blitzbelichtungskorrektur bis hin zum Drahtlosblitzen in mehreren Gruppen und Kanälen sowie manuelle Blitzleistungsteuerung bietet das Olympus-System eigentlich alles, was man sich wünschen kann. Eigentlich, denn einen großen, leistungsstarken Aufsteckblitz gibt es derzeit nicht direkt von Olympus. Der FL-600R ist ein Nachfolgemodell des FL-36R, der stärkere FL-50R hat hingegen keinen aktuellen Nachfolger bekommen. Es lassen sich aber genauso die Blitze von Panasonic, auch mit drahtlos-TTL, sowie von Metz und noch einigen anderen Herstellern verwenden.

Bildqualität Wie jede andere Kamera musste sich auch die Olympus Pen E-PL7 im Labortest beweisen, wo zusammen mit dem Setobjektiv M.Zuiko digital ED 14-42mm 1:3.5-5.6 EZ die Bildqualität gemessen wurde. Der Labortest ist wie immer gegen ein kleines Entgelt einsehbar. Freigeschaltet werden dann alle Diagramme mit entsprechenden Erläuterungen, neben der Online-Ansicht (siehe weiterführende Links) gibt es auch ein PDF zum Herunterladen, Archivieren und Drucken. Die E-PL7 besitzt wie die OM-D E-M10 und Pen E-PL5 einen effektiv 16 Megapixel auflösenden Bildsensor im Four Thirds Format, das bedeutet 17,3 x 13 Millimeter Größe und ein Bildseitenverhältnis von 4:3. Der gegenüber dem Kleinbildformat ein Viertel so große Sensor sorgt somit für einen halbierten Bildwinkel, die Brennweiten sind für den Vergleich mit Kleinbild mit dem Faktor Zwei zu multiplizieren. Die Pixeldichte des Sensors entspricht etwa der eines aktuellen 24 Megapixel auflösenden APS-C-Sensors.

Der Signal-Rauschabstand startet bei ISO 100, das ISO Low bei der E-PL7 heißt, bei einem sehr guten Wert von 45 dB und bleibt bis einschließlich ISO 400 im guten Bereich von über 40 dB. Bis hinauf zu hohen ISO 3.200 hält er sich im akzeptablen Bereich von über 35 dB, erst darüber fängt das Rauschen an, das Nutzsignal zu überlagern. Die Rauschunterdrückung hält das Farbrauschen über alle ISO-Stufen im Zaum, das Helligkeitsrauschen beginnt ab ISO 6.400 sichtbar zu werden, bleibt aber selbst bei der höchsten Empfindlichkeitsstufe von ISO 25.600 knapp unter dem kritischen Bereich. Dabei bleibt das Rauschen mit einer Korngröße von etwa zwei Pixeln fein genug. Bis ISO 800 ist kein Verlust an feinen Bilddetails durch die Rauschunterdrückung auszumachen. Zwar sinkt der Detailgrad von ISO-Stufe zu ISO-Stufe, aber selbst bei ISO 3.200 zeigt die E-PL7 noch genügend feine Details. Erst ab ISO 6.400 fangen etwa einzelne schwarze Haare an, sich zu einem Brei zu vermengen oder vor einem grauen Hintergrund aufzulösen.

Sehr gut schlägt sich die Olympus Pen aber auch bei der Eingangsdynamik. Von ISO 200, was die Grundempfindlichkeit darstellt, bis hinauf zu ISO 3.200 liegt sie im hohen Bereich von 11,2 bis 11,4 Blendenstufen, bei ISO 100 und ISO 6.400 sind es immer noch gute 10,7 bis 10,8 Blendenstufen. Selbst über die 10 Blendenstufen bei ISO 6.400 kann man sich wahrlich nicht beklagen und die 9 Blendenstufen bei ISO 25.600 liegen im absolut akzeptablen Bereich. Die Tonwertkurve ist stark angesteilt und die Nachschärfung knackig, in JPEG sind die Bilder ohne Nachbearbeitung drucktauglich. Wer die Bilder bearbeiten will, sollte aber die Bildparameter in der Kamera etwas runter schrauben oder besser gleich auf das Raw-Format zurück greifen, das für eine Nachbearbeitung prädestiniert ist. Trotz der steilen Tonwertkurve gibt die E-PL7 bis ISO 400 sehr feine Helligkeitsabstufungen (224 und mehr der maximal möglichen 256 Stufen) in allen Farbkanälen wieder, selbst bis ISO 3.200 ist der Wert mit 160 Helligkeitsstufen noch gut. Obwohl die Olympus Pen E-PL7 mit einer offensiven Bildbearbeitung druckreife Bilder liefert, besitzt sie eine erstaunlich präzise Farbwiedergabe. Die durchschnittliche Farbabweichung ist gering, selbst die Maximalausschläge reichen kaum in den Bereich der deutlich sichtbaren Abweichung. Ebenfalls formidabel arbeitet der Weißabgleich, wer allerdings bei warmen Lichtquellen eine ebenso warmtonige und keine neutrale Farbwiedergabe möchte, sollte dies im Zahnradmenü entsprechend einstellen, die Pen bietet dort eine Option für warme Farbtöne. Die gute Farbwiedergabe spiegelt sich übrigens auch in einer feinen Farbnuancierung vor allem bis ISO 3.200 wieder, bis hierhin unterscheidet die E-PL7 mindestens vier Millionen Farben, wobei der Wert beginnend von acht Millionen bei ISO 100 langsam auf eben vier Millionen bei ISO 3.200 fällt. Darüber fällt die Messkurve steiler ab, zwei Millionen Farben bei ISO 6.400 sind gerade noch gut, eine Millionen bei den höchsten beiden ISO-Empfindlichkeiten nur noch akzeptabel.

Keine Bildqualität ohne Objektiv, und hier bietet das Micro-Four-Thirds-System eine sehr große Auswahl, vor allem Olympus hat sich auf viele lichtstarke und dennoch kompakte Festbrennweiten konzentriert. Das preiswerte 45 mm 1.8 kann man jedem Festbrennweiten-Einsteiger nur ans Herz legen, aber auch das 25 mm 1.8 ist sehr gut, das 75 mm 1.8 hingegen ist schon deutlich teurer, setzt bei der Bildqualität aber noch einen drauf. Für den Einstieg und universellen Einsatz darf es aber gerne etwas kompakter, lichtschwächer und universeller sein. Gleich zwei Standardzooms mit 14-42 mm bietet Olympus im Set mit der Pen E-PL7 an. Uns stand zum Test das kompaktere aber auch im Aufpreis im Vergleich zum normalen 14-42mm mit 200 Euro doppelt so teure Motorzoom 14-42 mm EZ zur Verfügung. Bestückt mit diesem Objektiv verschwindet die Pen problemlos in einer Jacken- oder Handtasche. Trotzdem bietet es für ein Setobjektiv eine gute Bildqualität. Bezogen auf einen 20 x 30 Zentimeter großen Ausdruck ist die Bildschärfe bei allen Brennweiten und Blenden von der Bildmitte bis zum Bildrand tadellos. Die Randabdunklung verläuft weich zum Bildrand und beträgt maximal eine Blendenstufe, was 50 Prozent Lichtverlust bedeutet. Jeweils abgeblendet um eine Stufe sinkt die Randabdunklung um die Hälfte. Die Verzeichnung ist gut auskorrigiert und bei mittlerer und langer Brennweite praktisch nicht vorhanden. Im Weitwinkel zeigt sich eine leichte tonnenförmige Verzeichnung, die aber mit maximal 1,2 Prozent im unkritischen Bereich liegt und subjektiv kaum wahrgenommen wird. Auch die Farbsäume in Form von chromatischen Aberrationen sind im Durchschnitt mit unter einem halben Pixel gering, lediglich die Maximalausschläge mit bis zu 1,5 Pixel können vor allem im Weitwinkel in den äußeren Bildbereichen leicht sichtbar werden.

  • Bild Anders als noch bei der E-PL5 sitzt das Stativgewinde der Olympus Pen E-PL7 in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

    Anders als noch bei der E-PL5 sitzt das Stativgewinde der Olympus Pen E-PL7 in der optischen Achse. [Foto: MediaNord]

  • Bild Mit dem M.Zuiko digital ED 14-42 mm 1:3.5-5.6 EZ, hier im ausgefahrenen, betriebsbereiten Zustand, ist die Olympus Pen E-PL7 besonders kompakt. [Foto: MediaNord]

    Mit dem M.Zuiko digital ED 14-42 mm 1:3.5-5.6 EZ, hier im ausgefahrenen, betriebsbereiten Zustand, ist die Olympus Pen E-PL7 besonders kompakt. [Foto: MediaNord]

  • Bild An der Seite verstecken sich bei der Olympus Pen E-PL7 hinter einer Klappe die Anschlüsse für USB und Mini-HDMI. [Foto: MediaNord]

    An der Seite verstecken sich bei der Olympus Pen E-PL7 hinter einer Klappe die Anschlüsse für USB und Mini-HDMI. [Foto: MediaNord]

  • Bild Sowohl der Akku als auch die SD-Speicherkartte werden an der Unterseite der Olympus Pen E-PL7 eingesetzt. Der neue BLS-50 bietet mit 1.210 mAh 60 mAh mehr Kapazität als der äußerlich baugleiche BLS-5. Er reicht für 350 Aufnahmen. [Foto: MediaNord]

    Sowohl der Akku als auch die SD-Speicherkartte werden an der Unterseite der Olympus Pen E-PL7 eingesetzt. Der neue BLS-50 bietet mit 1.210 mAh 60 mAh mehr Kapazität als der äußerlich baugleiche BLS-5. Er reicht für 350 Aufnahmen. [Foto: MediaNord]

Ebenfalls gut schneidet das Objektiv bei der Auflösung bei 50 Prozent Kantenkontrast ab. Sein Maximum erreicht es im Weitwinkel bei Offenblende mit etwa 49 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) im Bildzentrum. Zum Vergleich: Selbst die besten Festbrennweiten kommen an dem 16 Megapixel Sensor kaum über die 55 lp/mm hinaus. Beim Abblenden sinkt die Auflösung kontinuierlich, bleibt aber bis F11 über 40 lp/mm im Zentrum. Am Bildrand ist die Auflösung im Weitwinkel deutlich geringer als im Bildzentrum, liegt aber mit rund 35 lp/mm auf gutem Niveau, der Auflösungsverlust beträgt also maximal 30 Prozent. Bei mittlerer Brennweite von 25 Millimeter (50 mm KB) hingegen kann man das Objektiv gerne auf F8 abblenden, wo es sein Auflösungsmaximum mit 45 lp/mm im Zentrum und 42 lp/mm am Bildrand erreicht, bei Offenblende F4,6 sind es "nur" 40 und 36 lp/mm. Vor allem mit der Gleichmäßigkeit der Auflösung über das Bildfeld kann das Objektiv bei dieser Brennweite punkten. In Telestellung ist die Gleichmäßigkeit der Auflösung sogar noch besser, hier werden bis zu 44 lp/mm im Zentrum wie am Rand erreicht, wobei zwischen F5,6, F8 und F11 praktisch keine Unterschiede bestehen. Ab F16 setzt im Micro Four Thirds System deutlich sichtbar die Beugung ein, die Auflösung sinkt kräftig, erst recht bei F22. Die E-PL7 versucht dem mit einer stärkeren Nachschärfung zu begegnen, was ihr teilweise auch gelingt. Die Schärfeartefakte steigen dadurch zwar bei F16 und F22, die Auflösung bricht dafür nicht ganz so stark ein. Insgesamt ist das 14-42mm EZ angesichts seines Preises und seiner Größe ein gutes Allroundobjektiv, das sich einzustecken lohnt.

Fazit Die Olympus Pen E-PL7 könnte man fast als Geniestreich bezeichnen, leistet die Kamera sich doch beinahe keine Schwächen. Zum günstigen Preis von gerade einmal knapp 400 Euro für das Gehäuse bietet sie eine hochwertige Verarbeitung mit einem Gehäuse größtenteils aus Metall, das mit viel Liebe zum Detail designt und mit einer genarbten Textur im Lederlook überzogen wurde. Die Ausstattungsliste lässt quasi keine Lücken, vom Selfie-Klappbildschirm mit Touchbedienung über Automatikprogramme, zahlreiche konfigurierbare Bildeffekte, halbautomatische und manuelle Einstellmöglichkeiten bis hin zu WLAN mit Bildübertragung und Kamerafernsteuerung vermisst man praktisch nichts. Selbst bedienen lässt sie sich, abgesehen vom manchmal etwas unübersichtlichen und kryptischen Menü, gut. Einzig der Panoramamodus erscheint ohne automatisches Stitching arg veraltet und die Videofunktion könnte bezüglich der Bildwiederholraten und des C-AF ein Update vertragen. Die Kamera ist schnell und schlägt bei der Einzelbildfokussierung jede DSLR, die Serienbildrate ist mit 8 Fotos pro Sekunde ebenfalls sehr schnell, nur die Fokusnachführung bis lediglich 3,5 Bilder pro Sekunde gehört nicht zur schnellsten. Auch in der wichtigsten Disziplin einer Digitalkamera, der Bildqualität, weiß die Olympus Pen E-PL7 vor allem bis ISO 1.600 zu überzeugen, bietet aber selbst bei ISO 3.200 noch eine gute und bis ISO 6.400 eine akzeptable Bildqualität.


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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


Steckbrief
Hersteller Olympus
Modell Pen E-PL7
Preis ca. 600 EUR*
Sensor Auflösung 16,2 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.608 x 3.456
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv M.Zuiko Digital ED 14-42mm F3,5-5,6 EZ
Filtergewinde 37 mm
Sucher optional (elektronisch)
  Vergrößerung 0,74-fach
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 2,36 Mio
(1.024 x 768 Pixel)
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.037.000
  drehbar
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang AV und HDMI (je PAL/NTSC)
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 19
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja (aufsteckbar)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel, WLAN
Intervallaufnahme ja
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus ja
  Format MOV oder AVI
  Codec H.264 oder Motion-JPEG
  Auflösung (max.)
1.920 x 1.080 (MOV)
1.280 x 720 (AVI)
  bei Bildfrequenz
30 Bilder/s
Empfindlichkeit  
  automatisch 200-25.600
(Ober- und Untergrenze einstellbar)
  manuell ISO 100-25.600
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Unterwasser, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
81
  AF-Hilfslicht Orange
  Geschwindigkeit ca. 0,2 s
Sprachen Deutsch
  weitere 33
Gewicht
(Betriebsbereit)
355 g (nur Gehäuse)
446 g (mit Objektiv*)
Zoom  
  Zoomverstellung am Objektiv
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 350 Bilder (gem. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv M.Zuiko Digital ED 14-42mm F3,5-5,6 EZ

Kurzbewertung

  • Hochwertig verarbeitetes, edel designtes Gehäuse
  • Großer Ausstattungsumfang
  • Hochauflösender, großer, klappbarer elektronischer Sucher als optionales Zubehör
  • Sehr gute Bildqualität bis ISO 1.600, gute bis ISO 3.200
  • Klappbarer (auch für Selfies), hochauflösender Touchscreen
  • Veraltete Panoramafunktion ohne Stitching in der Kamera
  • Keine Einstellung der Bildwiederholrate im Videomodus
  • Blitzgerät muss aufgesteckt werden und besetzt damit den Zubehörschuh

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 97 %
Handhabung 12,5 % 90 %
Geschwindigkeit 12,5 % 90 %
Bildqualität 50,0 % 92 %
Gesamtnote 93 %