Kompakttest

Olympus Pen E-P2

2010-03-22 Bei der E-P2 handelt es sich im Prinzip um eine "gepimpte" (erweiterte) Olympus Pen E-P1. Auffälligste Unterschiede: schwarzes Gehäuse (statt Silber oder Weiß) und ein aufsteckbarer elektronischer Sucher. Ob sich auch "unter der Haube" der kompakten, spiegellosen Systemkamera mit relativ großem Sensor etwas getan hat, soll der digitalkamera.de-Test zeigen. Aufgrund der großen Ähnlichkeit zur E-P1 empfiehlt sich auch die Lektüre deren Tests (siehe weiterführende Links), denn in diesem Test der E-P2 stehen die Besonderheiten und Unterschiede im Vordergrund.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Das kompakte Gehäuse der Olympus Pen E-P2 besitzt eine Metallschale und wirkt dadurch sehr solide, was durch das in Anbetracht der Größe (ca. 12 x 7,5 x 3,5 cm) ordentliche Gewicht von ca. 380 g (ohne Objektiv) noch unterstrichen wird. Das Retrodesign kommt durch die schwarze Gehäusefarbe nicht ganz so zur Geltung wie bei der silbernen E-P1, die E-P2 wirkt dadurch edler. Trotz fehlendem Handgriff liegt die Kamera gut in der Hand, auf der Rückseite findet der Daumen auf dem Lautsprecher seine Ruheposition. Das Metallstativgewinde auf der Kameraunterseite liegt nicht in der optischen Achse, was den kompakten Abmessungen geschuldet ist. Bei Stativbetrieb wird das Akku- und Speicherkartenfach blockiert, einen Netzteilanschluss gibt es nicht. Der Akku reicht für nur etwa 300 Aufnahmen. Hinter der Klappe an der rechten Gehäuseseite finden ein HDTV-Fernseher über HDMI, ein normaler Fernseher über AV, ein Computer per USB oder ein Fernauslöser Anschluss.

Die Bedienknöpfe auf der Rück- und Oberseite sind schlicht, aber gut handhabbar, besonders edel wirken das versenkte Programmwählrad sowie das Daumenrad. Die 4-Wege-Wippe hingegen ist Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]etwas klein geraten, besonders der Drehring am Rand ist sehr fipsig und rutschig, so dass man schon mal das Steuerkreuz betätigt statt am Rad zu drehen, das als zweites Einstellrad dient. Das Hauptmenü hingegen ist (typisch für Olympus) sehr umfangreich, aber dadurch auch unübersichtlich. Für manch wichtige Funktion, wie etwa die Aufnahme einer Belichtungsreihe, muss man zu tief ins Menü, als dass das noch ergonomisch ist. Das Direktwahlmenü hingegen hat Olympus modernisiert, hier sind andere wichtige Einstellungen abrufbar.

Der entspiegelte (aber nicht matte) Bildschirm misst 3" (7,6 cm) in der Diagonale, löst jedoch nur magere 230.000 Bildpunkte auf, was für ein recht grobkörniges Bild sorgt. Erstaunlich gut ist hingegen die Darstellung selbst in sehr hellen Umgebungen, was die geringe Olympus Pen E-P2 mit elektronischem Sucher VF-2 [Foto: Olympus]Auflösung verschmerzbar macht. Richtig edel und von allerhöchster Güte ist der elektronische Aufstecksucher, der bei der E-P2 zum Lieferumfang gehört. Sein bulliges Äußeres will zwar gar nicht zur E-P2 passen, die optischen und inneren Werte aber überzeugen. 800 x 600 Pixel – das sind 1,44 Millionen Bildpunkte – bieten ein glasklares und feines Bild, zudem ist der Sucher um 90° nach oben kippbar, was zumindest für bodennahe Querformataufnahmen einen Winkelsucher überflüssig macht. Der Sucher der E-P2 ist der beste momentan Verfügbare und schlägt den ebenso hoch auflösenden Panasonic-Sucher vor allem im Kontrast, der Farbbrillanz und beeindruckt mit einem ruhigeren Bild, da die drei Subfarben Rot, Grün und Blau gleichzeitig und nicht nacheinander dargestellt werden wie beim Sucher von Panasonic. Man sollte allerdings acht geben, den Sucher nicht zu verlieren; er sitzt zwar recht stramm, verfügt aber über keine mechanische Arretierung.

Dank LiveView können sowohl auf dem Bildschirm als auch im Sucher Live-Histogramm, 3D-Wasserwaage, Hilfslinien, Belichtungsparameter, Menü, Wiedergabeanzeige, Fokuslupe, Weißabgleichsvorschau etc. dargestellt werden, was sich im Praxiseinsatz als sehr wertvoll erweist.

Ausstattung Egal ob man die Pen E-P2 individualisieren oder nur ein bisschen mit ihr "spielen" möchte – es gibt fast nichts, was nicht geht. Seien es die Art-Filter, mit denen das Experimentieren und "Kreativsein" viel Spaß macht, zahlreiche Motivprogramme oder doch die Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]Halbautomatiken oder die manuelle Belichtung – der Anwender entscheidet, worüber er Kontrolle haben möchte. Wer sich lieber auf das Motiv als die Einstellungen konzentrieren möchte, den braucht nicht einmal das komplexe Menü zu interessieren – einfach "iAuto" einschalten, und die Kamera sucht sich das passende Motivprogramm wie etwa Landschaft, Porträt oder Makro. In den Tiefen der Menüs sind fast alle Funktionen der Kamera individualisierbar, z. B. der Arbeitsbereich der ISO-Automatik (die aber leider erst bei ISO 200 beginnt) oder die Kalibrierung der Belichtung, des Weißabgleichs oder der Akkukapazitätsanzeige. Sehr nützlich ist die 3D-Wasserwaage, die nicht nur anzeigt, ob man die Kamera schief hält, sondern auch, ob man sie nach oben oder unten kippt – das hilft, stürzende Linien zu Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]vermeiden.

Zahlreich sind auch die Möglichkeiten der Fokuseinstellung. Neben einer Gesichtserkennung hat die E-P2 elf AF-Messfelder, von denen jedes einzeln angewählt werden kann. Der Autofokus kennt auch eine Nachführfunktion und sogar ein Objekttracking, d. h. der Fokus kann sich an ein Motivdetail, etwa einen Hund, "anheften" und stellt sich ständig nach, egal wohin der Hund im Bildfeld rennt oder es sogar mal kurz verlässt. Anlass zur Kritik gibt hingegen die Autofokusgeschwindigkeit: Eine Sekunde ist einfach zu langsam, auch wenn die E-P2 etwas schneller reagiert als noch die E-P1. Der Schuldige ist aber schnell ausgemacht: das Objektiv! Sowohl das 14-42mm-Setzoom, das durch den Einfahrmechanismus beim Transport besonders kompakt ist, als auch das 17mm-Pancake fokussieren zu Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]langsam. Setzt man hingegen bspw. das 20mm-Pancake oder das 14-42mm von Panasonic an die E-P2, fokussiert sie in ca. 0,3 s, was auf dem Niveau einer Panasonic G1/GH1/GF1 oder etwa einer Einsteiger-DSLR ist. Man kann nur hoffen, dass Olympus bei den neuen 14-150mm- und 9-18mm-Objektiven einen schnelleren Motor einbaut.

Möchte man manuell fokussieren, macht sich der ständige LiveView positiv bemerkbar: Man kann den Fokuspunkt frei auf dem Bildfeld bewegen und dort eine Lupe aktivieren. Nutzt man den hoch auflösenden Sucher, kommt man oft sogar ohne diese aus. Problematisch sind zu dunkle Umgebungen, denn die E-P2 hat kein Autofokushilfslicht und kann auch nicht dasjenige eines Aufsteckblitzes nutzen, für die manuelle Fokussierung rauscht das Sucherbild zu stark. Am besten hilft hier ein lichtstarkes Objektiv. Einen eingebauten Blitz gibt es bei der E-P2 leider nicht. Dieser wäre nicht nur zum Aufhellen wünschenswert, sondern auch zur Drahtlossteuerung von externen Blitzgeräten. So muss man den Systemblitzschuh nutzen, um überhaupt das Motiv künstlich ausleuchten zu können – auf den Aufstecksucher muss man dann allerdings verzichten. Die E-P2 verfügt über einen Bildstabilisator für alle angesetzten Objektive und zeichnet Videos auf; hier hat sich gegenüber der E-P1 nichts geändert, es empfiehlt sich die Lektüre des entsprechenden Tests (siehe weiterführende Links).

Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]Bildqualität Zum Bildqualitätstest haben wir die E-P2 ins DCTau-Testlabor geschickt. Während die Ergebnisse hier auf dem 14-42mm-Setobjektiv beruhen, können in den ausführlichen Protokollen nicht nur die Messkurven im Detail eingesehen werden, sondern auch die Ergebnisse mit anderen Objektiven wie dem adaptierten und an der E-P2 voll funktionsfähigen 50mm-Four-Thirds-Makro sowie dem Leica 45mm-Makro von Panasonic. Inhaber einer Labortestflatrate (ab 4,16 EUR monatlich) haben ohne weitere Kosten Zugriff, alle anderen zahlen 1,40 EUR pro Protokoll.

Die Auflösung des 14-42mm ist nicht nur in Anbetracht dessen, dass es sich um ein Setobjektiv handelt, sehr gut. Zwar zeigt sich vor allem im Weitwinkel ein sichtbarer Randabfall der Auflösung, diese ist aber in jedem Fall noch hoch genug. Bei mittlerer und langer Brennweite ist die Auflösung konstant. Abblenden sorgt für eine insgesamt gleichmäßigere, aber bei den Brennweitenextremen auch etwas niedrigere Auflösung. Die offensive Aufbereitung von Bilddetails führt zwar zu Artefakten, diese sind jedoch eher "schwarzweiß" als unangenehm auffällig farbig. Die Scharfzeichnung führt zu einem ganz leichten Weißclipping, was aber, wie auch die Artefakte an feinen Strukturen, nur selten und bei hohen Vergrößerungen unangenehm auffällt.

Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]
Die Randabdunklung des Setobjektivs ist zwar messbar, aber gering und sehr gleichmäßig, so dass sie nicht auffällt. Auch eine Verzeichnung ist zwar vorhanden, im Weitwinkel mit 1,6 % auch sichtbar, aber doch verhältnismäßig gering und vertretbar. Allenfalls bei Architekturfotografie könnte das im Weitwinkel stören. Bei mittlerer und langer Brennweite ist die Verzeichnung höchstens noch mess-, aber nicht mehr sichtbar.

Der in der E-P2 verwendete LiveMOS-Sensor ist zwar deutlich größer als derjenige in Kompaktkameras, aber doch kleiner als etwa APS-C-Sensoren in DSLRs. Dennoch ist das Rauschen erstaunlich gering, bis ISO 800 ist die E-P2 sehr gut verwendbar, der Auflösungsverlust hält sich in Grenzen. Bei ISO 1.600 steigt das Rauschen minimal an, hier kann es bei detailreichen Motiven aber auch schon zu sichtbareren Detailverlusten kommen. Bei ISO 3.200 und 6.400 wird das Rauschen deutlich sichtbar, es bleibt aber beim relativ natürlichen Helligkeitsrauschen ähnlich Filmkorn, Farbrauschen tritt nicht auf. Problematischer bei diesem Sensor ist schon die Eingangsdynamik, die kaum über 8 Blendenstufen hinauskommt. Ab ISO 1.600 wird sie deutlich geringer und erreicht bei ISO 6.400 nur noch magere 6,2 Blendenstufen – das ist nichts für kontrastreiche Motive.

Olympus Pen E-P2 [Foto: MediaNord]Schlecht ist hingegen – und damit der einzige wirkliche Kritikpunkt – der Schwarzwert der Ausgangsdynamik. Von den 256 in JPEG zur Verfügung stehenden Helligkeitsstufen werden nur maximal die Stufen 9-254 genutzt, bei mehr als ISO 100 liegt der Schwarzwert sogar im Bereich von 15-21, was deutlich zu hell ist. Tiefschwarz gibt die Kamera so nicht wieder, dafür muss man schon den Schwarzwert in der Bildbearbeitung korrigieren oder den Tiefenkontrast erhöhen. Das kann man umgehen, indem man gleich in RAW aufnimmt, was aber den Bildbearbeitungsaufwand generell deutlich erhöht.

Bei der Belichtung und dem Weißabgleich zeigen sich keine großartigen Schwächen, wobei die E-P2 generell gerne etwas dunkler belichtet. Daher sollte man von der generellen Belichtungsjustage Gebrauch machen, wenn man es gern etwas heller hat – Olympus wollte wohl unbedingt das Ausreißen von Lichtern vermeiden.

Fazit Wer bei der E-P1 noch gezögert hatte, sollte bei der Olympus Pen E-P2 zuschlagen. Das solide Gehäuse, die Kompaktheit, Ausstattung und Ergonomie geben kaum Anlass zur Kritik. Mit den etwas unübersichtlichen Menüs bei einer Olympus muss man wohl leben, aber immerhin ist der Schnellzugriff viel moderner geworden. Der Aufstecksucher ist eine wahre Augenweide und sucht seinesgleichen. Er ist der Beste am Markt und überbietet den ebenfalls 800 x 600 Pixel auflösenden der Panasonic G1/GH1/G2 in Sachen Kontrast sowie Brillanz und bietet das ruhigere Bild. Auch die Bildqualität ist hervorragend, Bildaufbereitung und Rauschunterdrückung sind sehr ausgewogen und gehören zur absoluten Spitzenklasse im Systemkamerabereich, nur oberhalb ISO 800 haben einige APS-C-DSLRs noch die Nase vorn. Schade, dass Olympus (bisher) die wohl langsamsten Autofokusobjektive baut, mit einem Panasonic-Objektiv aber braucht sich die E-P2 weder hinter einer Micro-Four-Thirds-Kamera von Panasonic noch hinter Einsteiger-DSLRs aller Hersteller zu verstecken. Bleibt zu hoffen, dass die neu angekündigten Objektive von Olympus schneller sind.


Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief
Hersteller Olympus
Modell Pen E-P2
Preis ca. 900 EUR*
Sensor Auflösung 12 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.032 x 3.024
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv M.Zuiko Digital 14-42mm F3,5-5,6 ED
Filtergewinde 40,5 mm
Sucher elektronisch (aufsteckbar)
  Sichtfeld 100 %
  Auflösung 1,44 Mio
(800 x 600 Pixel)
  Dioptrienausgleich ja
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 230.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher
Videoausgang PAL/NTSC, HDMI
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 14
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC
Videomodus ja
  Format AVI
  Codec Motion-JPEG
  Auflösung (max.) 1.280 x 720
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch 200-6.400
(einstellbar)
  manuell ISO 100-6.400
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
25
  AF-Hilfslicht
  Geschwindigkeit 0,97-1,06 s
Sprachen Deutsch
  weitere 33
Gewicht
(Betriebsbereit)
382 g (nur Gehäuse)
532 g (mit Objektiv*)
563 g (mit Objektiv* und Sucher VF-2)
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 300 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv M.Zuiko Digital 14-42mm F3,5-5,6 ED

Kurzbewertung

  • Hervorragender elektronischer Sucher im Lieferumfang
  • Kompaktes, sehr gut verarbeitetes Gehäuse
  • Ausgewogene Bildqualität mit guter Balance aus Detailaufbereitung und Rauschreduzierung
  • Enormer Ausstattungsumfang inkl. Sensor-Shift-Bildstabilisator
  • Relativ geringe Akkulaufzeit
  • Kein integriertes Blitzgerät
  • Fehlendes Autofokushilfslicht
  • Mit Setobjektiv langsamer Autofokus (aber sehr schnell mit Panasonic-Objektiven)

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 95 %
Handhabung 12,5 % 94 %
Geschwindigkeit 12,5 % 80 %
Bildqualität 50,0 % 89 %
Gesamtnote 90 %