Testbericht

Olympus Pen-F

2016-02-12 Die neue Olympus Pen-F ist nicht nur nostalgisch gestaltet, sondern auch technisch das neue Pen-Spitzenmodell. Mit ihrem 20-Megapixel-Sensor überflügelt sie sogar vorerst die OM-D-Reihe. Dank des eingebauten Suchers könnte die Pen aber auch für manchen OM-D-Fotografen zur echten Alternative werden. Eigentlich zielt Olympus jedoch vor allem auf Fotografen ab, die gerne alles an der Kamera einstellen, inklusive diverser Filtereffekte, die ein eigenes Einstellrad spendiert bekommen haben. Im ausführlichen Test musste die Pen-F nun bereits vor der offiziellen Markteinführung zeigen, was in ihr steckt und welche Bildqualität der neue 20-Megapixel-Sensor liefert.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Das Gehäuse der Olympus Pen-F wirkt äußerst hochwertig und besteht teilweise aus einer Magnesiumlegierung. Das Gewicht von gut 420 Gramm trägt im Verhältnis zu den kompakten Abmessungen zur gefühlten Hochwertigkeit bei. Tatsächlich bestehen die Deckel- sowie die Bodenplatte aus Metall, während im mittleren Segment mindestens auf der Rückseite Kunststoff zum Einsatz kommt. Vor der Vorderseite lässt sich das nicht mit Bestimmtheit sagen, denn sie ist komplett mit einem griffig genarbten Gummi überzogen. Sogar im Objektiventriegelungsknopf befindet sich diese Applikation. Die Pen-F wird sowohl im besonders nostalgisch wirkenden Silber-Schwarz als auch mit einem dezenter wirkenden komplett schwarzen Gehäuse verkauft. Ist der rückwärtige Bildschirm verkehrt herum an die Kamera gepklappt, so zeigt auch dieser seine genarbt-gummierte Rückseite, womit die Pen-F tatsächlich auf den ersten flüchtigen Blick eine klassische Spiegelreflexkamera sein könnte. Mit ihrem Äußeren, besonders in der silbernen Variante, weckt sie beim fotografierten Gegenüber Sympathien, ganz im Gegensatz zu einer riesigen DSLR. Genau da ist die Pen-F auch zuhause: Bei der sympathischen Fotografie, bei der es nicht darauf ankommt, besonders professionell zu wirken, sondern eher Unauffälligkeit und Sympathie zählen.

  • Bild Das Gehäuse der Olympus Pen-F ist mit viel Liebe zum Detail komplett auf Retro getrimmt gestaltet. Es besteht zum Teil aus einer Magnesiumlegierung und wirkt sehr hochwertig verarbeitet. [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der Olympus Pen-F ist mit viel Liebe zum Detail komplett auf Retro getrimmt gestaltet. Es besteht zum Teil aus einer Magnesiumlegierung und wirkt sehr hochwertig verarbeitet. [Foto: MediaNord]

Dabei erfüllt die Pen-F von den Einstelloptionen und den Bedienmöglichkeiten durchaus professionelle Ansprüche, wenn es darum geht, möglichst viele Funktionen direkt an der Kamera mit Knöpfchen und Rädchen einzustellen. Ohne einen richtig ausgeprägten Handgriff liegt die Pen-F freilich nicht so satt in der Hand wie eine ausgeprägt DSLR, das muss man also schon mögen. Der optionale und nicht gerade preisgünstige Zusatzgriff ist auch eher Geschmackssache. Weder bietet er deutlich besseren Halt, noch fügt er sich gut ins Retrodesign ein. Ob der optionale Leder-Taschenbody eine ergonomische Verbesserung bringt, konnten wir leider nicht ausprobieren. Mit der guten Daumenauflage und der griffigen Gummierung ist das Handling aber zumindest keine Katastrophe, sondern allenfalls etwas gewöhnungsbedürftig.

Tatsächlich ist die Pen-F eher eine zweihändige als eine einhändige Kamera. Zwar weniger, was die Bedienelemente angeht, denn die sind vorwiegend mit der rechten Hand zu bedienen, sondern vielmehr weil einerseits der etwas verspielte Dreh-Einschaltknopf praktisch nur mit links zu bedienen ist wie auch der Klappbildschirm. Erstmals in einer Pen kommt der Klapp-Drehmechanismus zum Einsatz. Das erlaubt praktisch beliebige Freiheitsgrade und wird alle erfreuen, die gerne im Hochformat fotografieren. Das Klappen indes gestaltet sich etwas fummelig, da das Display nicht gut zu greifen ist und recht fest in der angeklappten Position einrastet. Mal eben schnell ein Querformatbild in Bodennähe oder am nach oben gestreckten Arm für eine höhere Perspektive aufzunehmen, gelingt mit einer Kamera mit reinem Klappmonitor deutlich besser. Das mit 1,04 Millionen Bildpunkten fein auflösende Display verschenkt mit seinem 3:2-Seitenverhältnis zudem etwas Platz an den Seiten, wenn man im nativen Sensorformat 4:3 fotografiert. Das 3:2-Seitenverhältnis ist aber ein guter Kompromiss, schließlich kann die Kamera auch auf 3:2 und 16:9 umgeschaltet werden, unter entsprechendem Verlust von Bildwinkel und Auflösung versteht sich. Wer möchte, schaltet die Pen-F sogar ins 1:1-Format oder ins etwas überflüssig erscheinende klassische 3:4-Hochformat. Die analoge Pen F (ohne Bindestrich) fotografierte tatsächlich im 3:4-Hochformat, denn sie nahm genau die Hälfte des Kleinbildformats auf, wodurch nicht nur die Objektive kompakter waren, sondern auch auf einen 36er Film etwa die doppelte Menge an Aufnahmen passten. Die Pen-F indes sollte man dann lieber ins Hochformat drehen, anstatt die hohe Auflösung zu verschenken. Dank der Touchfunktion jedenfalls lässt sich das Display gut verwenden, auch zur unauffälligen Fotografie mittels Touch-Auslöser. Wahlweise kann die Touchfunktion auch ganz abgeschaltet werden oder einzig zur Fokussierung auf ein angetipptes Motivdetail dienen.

Letzteres klappt sogar bei der Verwendung des elektronischen Suchers. Als erste Pen verfügt die Pen-F über einen solchen. Es handelt sich um den im Kleinbildäquivalent 0,62-fach vergrößernden, 2,36 Millionen Bildpunkte auflösenden OLED-Sucher aus der OM-D E-M10 Mark II. Der Sucher löst sehr fein auf und bietet ein ruckelfreies Bild. Sehr helle Bereiche können indes ein leichtes Flimmern zeigen, wie es für die aktuelle OLED-Suchergeneration typisch ist. Dies dürfte aber vor allem flimmerempfindlichen Menschen auffallen, nicht jede unserer Testpersonen konnte es überhaupt wahrnehmen. Brillenträger dürfte indes die etwas geringe Austrittspupille stören, wodurch die Ecken leicht vignettieren. Immerhin bietet der Sucher mit -4 bis +2 dpt. einen recht großen Bereich zur Dioptrienkorrektur. Schade nur, dass sich der Sucher nicht wie bei der Panasonic GX7 und GX8 nach oben klappen lässt. Der Sucher zeigt wie der Bildschirm alle Aufnahmeinformationen inklusive Live-Histogramm, Belichtungs- und Weißabgleichsvorschau, elektronischer Wasserwaage und einblendbarem Gitterraster. Auf Wunsch lässt sich der Sucher auf einen Modus umschalten, der eine noch bessere Dynamikdarstellung mit mehr Tiefenzeichnung bietet. Dieser Modus soll einem optischen Sucher noch näher kommen, bietet allerdings keine Belichtungsvorschau mehr. Wer Blitzgeräte verwendet, wird diesen Modus ohnehin bevorzugen, da hier eine Belichtungsvorschau nicht sinnvoll möglich ist.

Neben den zwei Einstellrädern für Blende/Zeit beziehungsweise ISO/Weißabgleich gibt es ein eigenes Rad für die Belichtungskorrektur. Praktischerweise greift diese damit auch im manuellen Modus bei Verwendung der ISO-Automatik. Diese Möglichkeit der Belichtungskorrektur in M fehlte bisher bei Olympus. Räder und Funktionstasten lassen sich per Menü individuell belegen, das Programmwählrad sieht zudem vier Speicherplätze für bevorzugte Einstellungssets vor. Dem Programm C3 lässt sich in den Tiefen den Menüs die Fotostory zuweisen, dem Programm C4 die Motivprogramme. Apropos Menü: Dieses benötigt einiges an Einarbeitungszeit. Man kann an der Olympus sehr viel konfigurieren bis hin zur Justage der Akkuanzeige, der Belichtung oder des Weißabgleichs. Hat man allerdings einmal seine bevorzugten Einstellungen vorgenommen, so kann man meistens einen Bogen um das große Zahnradmenü machen. Leider etwas versteckt in den Tiefen der Menüs (Zahnradmenü G) findet sich die Einstellung für die beste JPEG-Qualität "SF" (Superfine). Die sollte man aber unbedingt vornehmen, denn bei "F" (Fine) gibt es leichte Artefakte. Wichtige Aufnahmeeinstellungen, die nicht mehr auf die Direktwahltasten passen, lassen sich übrigens über das Schnellmenü abrufen.

  • Bild Als erstes Pen-Modell bietet die Olympus Pen-F einen eingebauten elektronischen Sucher. Schade, dass er nicht wie bei der Panasonic GX7/GX8 nach oben klappbar ist. [Foto: MediaNord]

    Als erstes Pen-Modell bietet die Olympus Pen-F einen eingebauten elektronischen Sucher. Schade, dass er nicht wie bei der Panasonic GX7/GX8 nach oben klappbar ist. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der für 330 Aufnahmen reichende Akku sowie die Speicherkarte (SDHC-, SDXC- und UHS-II-kompatibel) befinden sich bei der Olympus Pen-F in einem gemeinsamen Fach an der Kameraunterseite. [Foto: MediaNord]

    Der für 330 Aufnahmen reichende Akku sowie die Speicherkarte (SDHC-, SDXC- und UHS-II-kompatibel) befinden sich bei der Olympus Pen-F in einem gemeinsamen Fach an der Kameraunterseite. [Foto: MediaNord]

  • Bild Erstmals bei einer Olympus bietet die Pen-F ein Belichtungskorrekturrad, das sogar in M bei Auto-ISO eine Belichtungskorrektur erlaubt. In den Auslöser lässt sich tatsächlich ein Draht-Fernauslöser einschrauben. [Foto: MediaNord]

    Erstmals bei einer Olympus bietet die Pen-F ein Belichtungskorrekturrad, das sogar in M bei Auto-ISO eine Belichtungskorrektur erlaubt. In den Auslöser lässt sich tatsächlich ein Draht-Fernauslöser einschrauben. [Foto: MediaNord]

Hinter der Schnittstellenklappe auf der Handgriffseite verbergen sich lediglich ein herstellerspezifischer USB-Anschluss sowie eine Micro-HDMI-Schnittstelle. Einen Mikrofonanschluss sucht man leider vergeblich. In die USB-Schnittstelle lässt sich indes auch ein optionaler Kabelfernauslöser einstecken. Wer mag, kann sogar einen Drahtfernauslöser in das Gewinde des Auslösers einschrauben, Nostalgie ist bei der Olympus Pen-F Programm. SD-Speicherkarte und Akku werden im Fach an der Kameraunterseite entnommen. Es handelt sich um denselben Akku wie in der Pen E-P5, OM-D E-M5 und E-M1: BLN-1. Er reicht bei der Pen-F für gut 330 Aufnahmen. Das SD-Kartenfach schluckt auch SDHC- und SDXC-Speicherkarten und ist sogar zum schnellen UHS-II-Standard kompatibel. Das Stativgewinde befindet sich in der optischen Achse, wenn auch etwas weit vorne. Der Balance tut das aber gut und kleinere Stativwechselplatten blockieren nicht einmal das Akku- und Speicherkartenfach.

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.