Testbericht

Olympus Pen-F

2016-02-12 Die neue Olympus Pen-F ist nicht nur nostalgisch gestaltet, sondern auch technisch das neue Pen-Spitzenmodell. Mit ihrem 20-Megapixel-Sensor überflügelt sie sogar vorerst die OM-D-Reihe. Dank des eingebauten Suchers könnte die Pen aber auch für manchen OM-D-Fotografen zur echten Alternative werden. Eigentlich zielt Olympus jedoch vor allem auf Fotografen ab, die gerne alles an der Kamera einstellen, inklusive diverser Filtereffekte, die ein eigenes Einstellrad spendiert bekommen haben. Im ausführlichen Test musste die Pen-F nun bereits vor der offiziellen Markteinführung zeigen, was in ihr steckt und welche Bildqualität der neue 20-Megapixel-Sensor liefert.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Das Gehäuse der Olympus Pen-F wirkt äußerst hochwertig und besteht teilweise aus einer Magnesiumlegierung. Das Gewicht von gut 420 Gramm trägt im Verhältnis zu den kompakten Abmessungen zur gefühlten Hochwertigkeit bei. Tatsächlich bestehen die Deckel- sowie die Bodenplatte aus Metall, während im mittleren Segment mindestens auf der Rückseite Kunststoff zum Einsatz kommt. Vor der Vorderseite lässt sich das nicht mit Bestimmtheit sagen, denn sie ist komplett mit einem griffig genarbten Gummi überzogen. Sogar im Objektiventriegelungsknopf befindet sich diese Applikation. Die Pen-F wird sowohl im besonders nostalgisch wirkenden Silber-Schwarz als auch mit einem dezenter wirkenden komplett schwarzen Gehäuse verkauft. Ist der rückwärtige Bildschirm verkehrt herum an die Kamera gepklappt, so zeigt auch dieser seine genarbt-gummierte Rückseite, womit die Pen-F tatsächlich auf den ersten flüchtigen Blick eine klassische Spiegelreflexkamera sein könnte. Mit ihrem Äußeren, besonders in der silbernen Variante, weckt sie beim fotografierten Gegenüber Sympathien, ganz im Gegensatz zu einer riesigen DSLR. Genau da ist die Pen-F auch zuhause: Bei der sympathischen Fotografie, bei der es nicht darauf ankommt, besonders professionell zu wirken, sondern eher Unauffälligkeit und Sympathie zählen.

  • Bild Das Gehäuse der Olympus Pen-F ist mit viel Liebe zum Detail komplett auf Retro getrimmt gestaltet. Es besteht zum Teil aus einer Magnesiumlegierung und wirkt sehr hochwertig verarbeitet. [Foto: MediaNord]

    Das Gehäuse der Olympus Pen-F ist mit viel Liebe zum Detail komplett auf Retro getrimmt gestaltet. Es besteht zum Teil aus einer Magnesiumlegierung und wirkt sehr hochwertig verarbeitet. [Foto: MediaNord]

Dabei erfüllt die Pen-F von den Einstelloptionen und den Bedienmöglichkeiten durchaus professionelle Ansprüche, wenn es darum geht, möglichst viele Funktionen direkt an der Kamera mit Knöpfchen und Rädchen einzustellen. Ohne einen richtig ausgeprägten Handgriff liegt die Pen-F freilich nicht so satt in der Hand wie eine ausgeprägt DSLR, das muss man also schon mögen. Der optionale und nicht gerade preisgünstige Zusatzgriff ist auch eher Geschmackssache. Weder bietet er deutlich besseren Halt, noch fügt er sich gut ins Retrodesign ein. Ob der optionale Leder-Taschenbody eine ergonomische Verbesserung bringt, konnten wir leider nicht ausprobieren. Mit der guten Daumenauflage und der griffigen Gummierung ist das Handling aber zumindest keine Katastrophe, sondern allenfalls etwas gewöhnungsbedürftig.

Tatsächlich ist die Pen-F eher eine zweihändige als eine einhändige Kamera. Zwar weniger, was die Bedienelemente angeht, denn die sind vorwiegend mit der rechten Hand zu bedienen, sondern vielmehr weil einerseits der etwas verspielte Dreh-Einschaltknopf praktisch nur mit links zu bedienen ist wie auch der Klappbildschirm. Erstmals in einer Pen kommt der Klapp-Drehmechanismus zum Einsatz. Das erlaubt praktisch beliebige Freiheitsgrade und wird alle erfreuen, die gerne im Hochformat fotografieren. Das Klappen indes gestaltet sich etwas fummelig, da das Display nicht gut zu greifen ist und recht fest in der angeklappten Position einrastet. Mal eben schnell ein Querformatbild in Bodennähe oder am nach oben gestreckten Arm für eine höhere Perspektive aufzunehmen, gelingt mit einer Kamera mit reinem Klappmonitor deutlich besser. Das mit 1,04 Millionen Bildpunkten fein auflösende Display verschenkt mit seinem 3:2-Seitenverhältnis zudem etwas Platz an den Seiten, wenn man im nativen Sensorformat 4:3 fotografiert. Das 3:2-Seitenverhältnis ist aber ein guter Kompromiss, schließlich kann die Kamera auch auf 3:2 und 16:9 umgeschaltet werden, unter entsprechendem Verlust von Bildwinkel und Auflösung versteht sich. Wer möchte, schaltet die Pen-F sogar ins 1:1-Format oder ins etwas überflüssig erscheinende klassische 3:4-Hochformat. Die analoge Pen F (ohne Bindestrich) fotografierte tatsächlich im 3:4-Hochformat, denn sie nahm genau die Hälfte des Kleinbildformats auf, wodurch nicht nur die Objektive kompakter waren, sondern auch auf einen 36er Film etwa die doppelte Menge an Aufnahmen passten. Die Pen-F indes sollte man dann lieber ins Hochformat drehen, anstatt die hohe Auflösung zu verschenken. Dank der Touchfunktion jedenfalls lässt sich das Display gut verwenden, auch zur unauffälligen Fotografie mittels Touch-Auslöser. Wahlweise kann die Touchfunktion auch ganz abgeschaltet werden oder einzig zur Fokussierung auf ein angetipptes Motivdetail dienen.

Letzteres klappt sogar bei der Verwendung des elektronischen Suchers. Als erste Pen verfügt die Pen-F über einen solchen. Es handelt sich um den im Kleinbildäquivalent 0,62-fach vergrößernden, 2,36 Millionen Bildpunkte auflösenden OLED-Sucher aus der OM-D E-M10 Mark II. Der Sucher löst sehr fein auf und bietet ein ruckelfreies Bild. Sehr helle Bereiche können indes ein leichtes Flimmern zeigen, wie es für die aktuelle OLED-Suchergeneration typisch ist. Dies dürfte aber vor allem flimmerempfindlichen Menschen auffallen, nicht jede unserer Testpersonen konnte es überhaupt wahrnehmen. Brillenträger dürfte indes die etwas geringe Austrittspupille stören, wodurch die Ecken leicht vignettieren. Immerhin bietet der Sucher mit -4 bis +2 dpt. einen recht großen Bereich zur Dioptrienkorrektur. Schade nur, dass sich der Sucher nicht wie bei der Panasonic GX7 und GX8 nach oben klappen lässt. Der Sucher zeigt wie der Bildschirm alle Aufnahmeinformationen inklusive Live-Histogramm, Belichtungs- und Weißabgleichsvorschau, elektronischer Wasserwaage und einblendbarem Gitterraster. Auf Wunsch lässt sich der Sucher auf einen Modus umschalten, der eine noch bessere Dynamikdarstellung mit mehr Tiefenzeichnung bietet. Dieser Modus soll einem optischen Sucher noch näher kommen, bietet allerdings keine Belichtungsvorschau mehr. Wer Blitzgeräte verwendet, wird diesen Modus ohnehin bevorzugen, da hier eine Belichtungsvorschau nicht sinnvoll möglich ist.

Neben den zwei Einstellrädern für Blende/Zeit beziehungsweise ISO/Weißabgleich gibt es ein eigenes Rad für die Belichtungskorrektur. Praktischerweise greift diese damit auch im manuellen Modus bei Verwendung der ISO-Automatik. Diese Möglichkeit der Belichtungskorrektur in M fehlte bisher bei Olympus. Räder und Funktionstasten lassen sich per Menü individuell belegen, das Programmwählrad sieht zudem vier Speicherplätze für bevorzugte Einstellungssets vor. Dem Programm C3 lässt sich in den Tiefen den Menüs die Fotostory zuweisen, dem Programm C4 die Motivprogramme. Apropos Menü: Dieses benötigt einiges an Einarbeitungszeit. Man kann an der Olympus sehr viel konfigurieren bis hin zur Justage der Akkuanzeige, der Belichtung oder des Weißabgleichs. Hat man allerdings einmal seine bevorzugten Einstellungen vorgenommen, so kann man meistens einen Bogen um das große Zahnradmenü machen. Leider etwas versteckt in den Tiefen der Menüs (Zahnradmenü G) findet sich die Einstellung für die beste JPEG-Qualität "SF" (Superfine). Die sollte man aber unbedingt vornehmen, denn bei "F" (Fine) gibt es leichte Artefakte. Wichtige Aufnahmeeinstellungen, die nicht mehr auf die Direktwahltasten passen, lassen sich übrigens über das Schnellmenü abrufen.

  • Bild Als erstes Pen-Modell bietet die Olympus Pen-F einen eingebauten elektronischen Sucher. Schade, dass er nicht wie bei der Panasonic GX7/GX8 nach oben klappbar ist. [Foto: MediaNord]

    Als erstes Pen-Modell bietet die Olympus Pen-F einen eingebauten elektronischen Sucher. Schade, dass er nicht wie bei der Panasonic GX7/GX8 nach oben klappbar ist. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der für 330 Aufnahmen reichende Akku sowie die Speicherkarte (SDHC-, SDXC- und UHS-II-kompatibel) befinden sich bei der Olympus Pen-F in einem gemeinsamen Fach an der Kameraunterseite. [Foto: MediaNord]

    Der für 330 Aufnahmen reichende Akku sowie die Speicherkarte (SDHC-, SDXC- und UHS-II-kompatibel) befinden sich bei der Olympus Pen-F in einem gemeinsamen Fach an der Kameraunterseite. [Foto: MediaNord]

  • Bild Erstmals bei einer Olympus bietet die Pen-F ein Belichtungskorrekturrad, das sogar in M bei Auto-ISO eine Belichtungskorrektur erlaubt. In den Auslöser lässt sich tatsächlich ein Draht-Fernauslöser einschrauben. [Foto: MediaNord]

    Erstmals bei einer Olympus bietet die Pen-F ein Belichtungskorrekturrad, das sogar in M bei Auto-ISO eine Belichtungskorrektur erlaubt. In den Auslöser lässt sich tatsächlich ein Draht-Fernauslöser einschrauben. [Foto: MediaNord]

Hinter der Schnittstellenklappe auf der Handgriffseite verbergen sich lediglich ein herstellerspezifischer USB-Anschluss sowie eine Micro-HDMI-Schnittstelle. Einen Mikrofonanschluss sucht man leider vergeblich. In die USB-Schnittstelle lässt sich indes auch ein optionaler Kabelfernauslöser einstecken. Wer mag, kann sogar einen Drahtfernauslöser in das Gewinde des Auslösers einschrauben, Nostalgie ist bei der Olympus Pen-F Programm. SD-Speicherkarte und Akku werden im Fach an der Kameraunterseite entnommen. Es handelt sich um denselben Akku wie in der Pen E-P5, OM-D E-M5 und E-M1: BLN-1. Er reicht bei der Pen-F für gut 330 Aufnahmen. Das SD-Kartenfach schluckt auch SDHC- und SDXC-Speicherkarten und ist sogar zum schnellen UHS-II-Standard kompatibel. Das Stativgewinde befindet sich in der optischen Achse, wenn auch etwas weit vorne. Der Balance tut das aber gut und kleinere Stativwechselplatten blockieren nicht einmal das Akku- und Speicherkartenfach.

Ausstattung

Zwar richtet sich die Pen-F eher an Fotografen, die viel an der Kamera einstellen wollen, doch auch Fotografen, die sich nicht mit der Technik auseinandersetzen mögen, kommen auf ihre Kosten. Stellt man die Pen-F auf iAuto, so nimmt sie sämtliche Einstellungen automatisch vor, inklusive Motiverkennung. Weder das Belichtungskorrekturrad noch das Kreativrad haben dann Auswirkungen. Praktisch ist das auch, falls man mal schnell einen Schnappschuss mit normalen Einstellungen aufnehmen möchte. In der Programmautomatik kommen auch Automatikfotografen in den Genuss des Kreativrads. Die Kamera stellt die Belichtung automatisch ein, aber das Belichtungskorrekturrad funktioniert dann selbstverständlich. Es rastet sehr fest, so dass es sich zum Glück nicht so leicht verstellt. Mit den Kreativfiltern lassen sich in den Aufnahmeprogrammen P, A, S und M über 18,5 Millionen verschiedene Filtereffekte erstellen. Das ist mehr, als im Kameraleben fotografiert wird. Der Vorteil gegenüber einer nachträglichen Bearbeitung am PC ist zum einen die Authentizität, zum anderen sieht man die Auswirkungen direkt am Motiv und kann dadurch Kreativfilter und Motiv optimal aufeinander abstimmen.

Das Kreativrad bietet vier Modi. Hierin enthalten sind die 14 Artfilter (ART). Im Gegensatz zu früheren Olympus-Kameras wird das Titelbild des Artfilters nur noch in einer Leiste unterhalb des Livebilds angezeigt, das Livebild zeigt direkt die Auswirkungen auf das Motiv. Die Leiste enthält alle Unterfilterarten und bietet damit 28 Filtereinstellungen, die sich teilweise weiter parametrisieren lassen, etwa die partielle Farbe. Ebenfalls altbekannt ist der Color Creator (CRT), der eine Farbtonung des Bildes in zwölf Farbtönen sowie eine Sättigungseinstellung bietet. Neu ist der viel mächtigere Colorfilter (Color), der die Sättigungseinstellung für alle zwölf Farbtöne einzeln erlaubt. Damit lassen sich ganz individuelle Looks erstellen. Der mächtigste Filter ist aber der Monochrom-Filter (Mono). Hier lassen sich ähnlich dem Color Creator zwölf Farbfilter auf das Bild legen, wobei die Intensität eingestellt werden kann. Dabei wird aber nicht das Bild farbig, sondern dies wirkt sich so aus, als hätte man einen Farbfilter vor das Objektiv einer Schwarzweißkamera geschraubt. Dadurch lässt sich beispielsweise beeinflussen, ob Rot eher dunkel oder hell wiedergegeben wird. Das Monochrombild selber lässt sich wiederum in eine Sepia-, Blau-, Violett- oder Grüntönung verwandeln. Zusätzlich gibt es einen Vignettierungsfilter, wobei die Vignettierung sowohl hell als auch dunkel sein kann und selbstverständlich ebenfalls einstellbar ist. Auch an einen Filmkorneffekt hat Olympus gedacht. Bei allen Filtermodi, also auch den Art-Filter, beim Color Creator und beim Color-Filter kommt noch eine einstellbare Tonwertkurve hinzu, bei der sich Schatten, Mittentöne und Lichter anpassen lassen. Hier kann man sich also endlos kreativ austoben.

Doch die Pen-F hat noch mehr zu bieten. Sie erlaubt etwa Intervall- beziehungsweise Zeitrafferaufnahmen, die sich optional zu einem 4K-Video zusammensetzen lassen. Neben normalen Belichtungsreihen gibt es auch HDR-Belichtungsreihen mit extra weiter Belichtungsspreizung. Diese lassen sich wiederum automatisch zu einem HDR-Bild zusammensetzen, wahlweise mit natürlichem oder dramatischerem Effekt. Ebenfalls tolle Möglichkeiten eröffnen die Fokus-Aufnahmereihen mit bis zu 399 Bildern. Das vereinfacht beispielsweise Focus-Stacking, wobei hierfür eine Software auf dem Bildbearbeitungsrechner benötigt wird. Drei weitere Besonderheiten sind Live-Bulb, Live-Time und Live-Composite. Diese mächtigen Aufnahmefunktionen erläutern wir in einem Fototipp, der über die weiterführenden Links zu finden ist.

  • Bild Das kleine Rad an der Vorderseite der Olympus Pen-F hat es in sich: Hier lassen sich individuelle Filter definieren, theoretisch sind über 18,5 Millionen verschiedene Filtereffekte möglich. [Foto: MediaNord]

    Das kleine Rad an der Vorderseite der Olympus Pen-F hat es in sich: Hier lassen sich individuelle Filter definieren, theoretisch sind über 18,5 Millionen verschiedene Filtereffekte möglich. [Foto: MediaNord]

  • Bild Klappt man den Touchscreen der Olympus Pen-F verkehrt herum an, dann sieht sie fast wie eine alte Spiegelreflexkameras aus. [Foto: MediaNord]

    Klappt man den Touchscreen der Olympus Pen-F verkehrt herum an, dann sieht sie fast wie eine alte Spiegelreflexkameras aus. [Foto: MediaNord]

Die Pen-F verfügt über einen schnellen Verschluss, der bis zu 1/8.000 Sekunde kurze Belichtungszeiten erlaubt. Der recht leise Verschluss klingt übrigens sehr angenehm "warm" und "analog". Auch die Auslöseverzögerung von 0,07 Sekunden sowie die Fokusgeschwindigkeit von 0,12 Sekunden können sich sehen lassen. Die Serienbildfunktion soll bis zu zehn Bilder pro Sekunde ermöglichen, gemessen haben wir 8,6 Serienbilder prto Sekunde für über 40 Aufnahmen in Raw oder JPEG. Dank der Unterstützung des schnellen UHS-II-Standards für SDHC/SDXC-Speicherkarten klappt das Speichern recht flott, wobei die möglichen Schreibgeschwindigkeiten von der Kamera letztlich gar nicht voll ausgeschöpft werden, sonst würde sie locker bei dauerhaft zehn Bildern pro Sekunde die Speicherkarte komplett füllen können. Praktisch sind es aber nur knapp fünf Bilder pro Sekunde, die man dauerhaft aufnehmen kann. Ein Wert, von dem man vor ein paar Jahren nur träumen konnte. Dank des elektronischen Verschlusses lässt sich sogar mit bis zu 1/16.000 kurzen Verschlusszeiten lautlos auslösen.

Zwar besitzt die Pen-F keinen eingebauten Blitz, aber der innovative Aufsteckblitz FL-LM3 wird mitgeliefert. Wir maßen eine Leitzahl von fast zehn. Sollte die bescheidene Leistung nicht reichen, können auch größere Systemblitze eingesetzt werden. Der Blitz FL-LM3 lässt sich wie ein echter großer Systemblitz drehen und schwenken, womit er auch indirektes Blitzen oder etwa die Verwendung kleiner Bouncer ermöglicht. Die kürzeste Blitzsynchronzeit beträgt 1/250 Sekunde mit mechanischem Verschluss. Neu ist die Möglichkeit, auch mit elektronischem Verschluss zu blitzen. Die kürzeste Blitzsynchronzeit beträgt dann allerdings lediglich 1/60 Sekunde. Selbstverständlich lässt sich die Blitzleistung korrigieren, auf den zweiten Verschlussvorhang blitzen, eine Langzeitsynchronisation einstellen und sogar eine manuelle Blitzleistungsregelung erlaubt die Pen-F.

Videos nimmt die Olympus weiterhin maximal in Full-HD-Auflösung auf, wobei dies mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde sehr flüssig geschieht. Besonders beeindruckend arbeitet dabei der mechanische Bildstabilisator, der den Bildsensor im Gehäuse entgegen den Verwacklungen verschiebt. Man hat den Eindruck, mit einer Steadycam zu filmen. Bei Fotos ermöglicht der Stabilisator übrigens verwackelungsfrei bis zu fünf Blendenstufen längere Belichtungszeiten als ohne. Sämtliche Belichtungseinstellung können auch bei Videoaufnahmen manuell vorgenommen werden, selbst die Mikrofonverstärkung. Allerdings werden Videofilmer schmerzlich einen externen Mikrofoneingang vermissen.

Zu den Bildbearbeitungsfunktionen in der Kamera gehört etwa die Entwicklung von Raw-Aufnahmen inklusive vieler Einstellungen wie einer Belichtungskorrektur oder einem Weißabgleich. Auch JPEGs lassen sich bearbeiten, beispielsweise mit einem Sepiafilter oder einer digitalen Rote-Augen-Korrektur. Das eingebaute WLAN-Modul erlaubt die Verbindung mit einem Smartphone oder Tablet, um Bilder drahtlos zu übertragen. Mit Hilfe der entsprechenden App, die es für iOS und Android gibt, lässt sich die Pen-F sogar fernsteuern. Dabei wird nicht nur das Livebild auf dem Smartgerät angezeigt, sondern auch viele Kameraeinstellungen lassen sich fernsteuern. Wer die Einstellungen hingegen lieber direkt an der Kamera vornimmt, der kann die WLAN-Verbindung auch als reinen Funkfernauslöser verwenden.

Bildqualität

Als erste Micro-Four-Thirds-Kamera von Olympus nutzt die Pen-F einen neuen 20 statt 16 Megapixel auflösenden Bildsensor. Für eine möglichst hohe Auflösung verzichtet Olympus auf einen Tiefpassfilter. Der Sensor ist dem der Panasonic GX8 recht ähnlich, Olympus betont aber, dass er von Sony nach den Vorgaben von Olympus produziert wird. Die Pen-F wird sowohl ohne Objektiv als auch im Set wahlweise mit dem 14-42 EZ oder einer F1,8 lichtstarken 17mm-Festbrennweite angeboten. Zum Test diente das günstigere Set mit dem 14-42 EZ als Referenzobjektiv, immerhin wurden jüngst einige Kameratests (OM-D E-M10 und Mark II sowie Pen E-PL7) damit durchgeführt und auch die Panasonic GX8 mit einem 14-42mm (freilich dem von Panasonic angebotenen) gemessen.

  • Bild Hinter der Schnittstellenklappe der Olympus Pen-F verbergen sich lediglich ein USB- sowie ein Micro-HDMI-Anschluss. Die USB-Buchse dient auch für den Anschluss eines optional erhältlichen Kabelfernauslösers. [Foto: MediaNord]

    Hinter der Schnittstellenklappe der Olympus Pen-F verbergen sich lediglich ein USB- sowie ein Micro-HDMI-Anschluss. Die USB-Buchse dient auch für den Anschluss eines optional erhältlichen Kabelfernauslösers. [Foto: MediaNord]

  • Bild Hier hätte Olympus der Pen-F gerne einen Mikrofonanschluss spendieren können. [Foto: MediaNord]

    Hier hätte Olympus der Pen-F gerne einen Mikrofonanschluss spendieren können. [Foto: MediaNord]

Die Pen-F holt aus dem 14-42 EZ tatsächlich die bisher beste Auflösung heraus und erreicht damit bis zu 54 Linienpaare pro Millimeter (lp/mm) bezogen auf Kleinbild bei 50 Prozent Kontrast (MTF50). Das sind acht Prozent mehr als die bisher maximal erreichten 50 lp/mm und sechs Prozent mehr als die Panasonic GX8 mit dem Panasonic 14-42mm. Mit einem besseren Objektiv sollte sich sogar die Marke von 60 lp/mm knacken lassen, schließlich erreichte schon die E-M5 Mark II mit dem sehr guten 12-40 mm 2.8 fast 59 lp/mm. Die hohe Auflösung erreicht das 14-42 EZ allerdings nur bei kurzer und mittlerer Brennweite jeweils im Bildzentrum. Bereits beim Abblenden auf F5,6 geht die Auflösung leicht zurück. Bei langer Brennweite erreicht das Objektiv ohnehin maximal 45 lp/mm. Der Randabfall der Auflösung ist im Weitwinkel und bei mittlerer Brennweite mit bis zu 37 Prozent am höchsten, diese wird jeweils bei Offenblende erreicht. Im Weitwinkel steigert sich die Randauflösung von 34 lp/mm bei Offenblende auf bis zu 37 lp/mm bei F5,6. Bei mittlerer Brennweite startet die Randauflösung mit 36 lp/mm bei F4,6 und steigert sich auf immerhin bis zu 41 lp/mm bei F11. In Telestellung ist der Randabfall der Auflösung nur gering und liegt maximal bei knapp über zehn Prozent. Bei F11 werden sowohl im Zentrum als auch am Bildrand 44 lp/mm erreicht.

Die Randabdunklung des 14-42 beträgt maximal 1,1 Blendenstufen und minimal 0,4 Blendenstufen und liegt damit im guten Mittelfeld. Die Verzeichnung ist indes recht gering. Während im Weitwinkel etwa 1,3 Prozent Tonnenform erreicht werden, ist das Objektiv bei mittlerer und langer Brennweite praktisch verzeichnungsfrei. Die Farbsäume sind im Mittel gering, können aber vor allem im Weitwinkel zum Bildrand hin durchaus auch mal über zwei Pixel reichen. Insgesamt ist das 14-42 EZ also kein besonders schlechtes, aber auch kein besonders gutes Setobjektiv.

Der Signal-Rauschabstand startet bei ISO 80 (ISO Low in der Pen-F) bei sehr guten 45 dB. Bis ISO 400 bleibt er im guten Bereich von über 40 dB und erst bei ISO 3.200 fällt er unter die kritische Marke von 35 dB. Damit liegt dieser insgesamt auf dem Niveau des 16-Megapixel-Sensors und ist in niedrigen ISO-Bereichen bis 400 besser als bei der Panasonic GX8. Farbrauschen tritt bei der Pen-F kaum auf, Helligkeitsrauschen hingegen wird ab ISO 6.400 leicht sichtbar. Auch hier ist das Verhalten ähnlich dem 16-Megapixel-Sensor der OM-D E-M10 Mark II. Die Panasonic GX8 unterdrückt das Rauschen etwas stärker, so dass Helligkeitsrauschen erst ab ISO 12.800 leicht sichtbar wird. Die Texturschärfe ist bei der Pen-F bis ISO 800 sehr gut und bis ISO 3.200 gut, erst darüber wirken die Bilder zunehmen detailärmer, weil feine Details von der Rauschunterdrückung ebenfalls beseitigt werden. Auch hier ist die Pen-F ähnlich dem 16-Megapixel-Sensor einzuordnen. Trotz dem etwas geringeren Rauschen ist die Panasonic GX8 in dieser Disziplin nicht schlechter.

Bei der Eingangsdynamik hängt die Pen-F sowohl die Panasonic GX8 als auch die OM-D E-M10 Mark II ab. Bei ISO 80 bis 6.400 werden mindestens elf Blendenstufen erreicht, bei ISO 200 bis 800 sogar über zwölf, wobei das Maximum sogar bei 12,6 Blendenstufen liegt. Mit Ausnahme von ISO 80 verläuft die Tonwertkurve der Pen-F sehr steil, die Bilder wirken dadurch sehr knackig, sind in JPEG aber nicht so ideal zur Weiterverarbeitung. Wer seine Bilder nachbearbeiten möchte, sollte aber nicht nur aus diesem Grund zum Raw-Format greifen, denn es bietet einfach das bessere Nachbearbeitungspotential. Der Ausgangs-Tonwertumfang ist bis ISO 400 sehr gut, bei ISO 80 und 200 werden sogar fast alle der 256 möglichen Helligkeitsabstufungen genutzt. Bis ISO 1.600 bleibt die Pen-F im guten Bereich von 160 und mehr Helligkeitsstufen. Erst bei ISO 6.400 fällt der Wert unter 7 Bit (128 Stufen) ab.

Der Weißabgleich der Pen-F arbeitet genau und auch Farben gibt sie im Mittel detailgetreu wieder. Nur beim etwas blaueren Cyan und etwas stärker gesättigten Rottönen "schummelt" die Pen-F zu Gunsten einer schöneren Farbwiedergabe etwas. Wie auch immer, die Pen-F vermag jedenfalls besonders viele Farbabstufungen wiederzugeben, bis ISO 200 sind es über acht Millionen Farbtöne und bis ISO 800 über vier Millionen. Erst oberhalb von ISO 3.200 sinkt die Farbtiefe stark ab und sinkt bei den höchsten ISO-Stufen auf rund eine Million.

  • Bild Der 20-Megapixel-Sensor der Olympus Pen-F bietet dasselbe Rauschverhalten wie die bisherigen 16-Megapixel-Modelle, löst aber höher auf und besitzt eine höhere Eingangsdynamik. [Foto: MediaNord]

    Der 20-Megapixel-Sensor der Olympus Pen-F bietet dasselbe Rauschverhalten wie die bisherigen 16-Megapixel-Modelle, löst aber höher auf und besitzt eine höhere Eingangsdynamik. [Foto: MediaNord]

  • Bild Das Stativgewinde der Olympus Pen-F sitzt in der optischen Achse. Dass es so weit vorne liegt, sorgt mit Objektiv sogar für eine bessere Balance. [Foto: MediaNord]

    Das Stativgewinde der Olympus Pen-F sitzt in der optischen Achse. Dass es so weit vorne liegt, sorgt mit Objektiv sogar für eine bessere Balance. [Foto: MediaNord]

Fazit

Olympus bezeichnet die Pen-F zu Recht als Meisterwerk. Sie ist die bisher beste Pen und stellt selbst die kleinste OM-D in den Schatten. Das hochwertig und sauber verarbeitete, mit Liebe zum Detail gestaltete Gehäuse überzeugt, auch wenn der Pen-F der in dieser Preisklasse eigentlich obligatorische Spritzwasserschutz fehlt. Ein etwas besserer Handgriff wurde dem Design geopfert, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Endlich bietet eine Pen einen eingebauten Sucher und der Touchscreen besitzt dank seines Schwenk- und Drehmechanismus maximale Flexibilität. Die vielen Einstellräder und Knöpfe geben nur eine Vorahnung dessen, womit diese spiegellose Systemkamera ausgestattet ist. Die Pen-F lädt vor allem mit ihrem Kreativrad mit den über 18,5 Millionen möglichen Filtern zur spielerischen Fotografie ein. Phänomenal effektiv arbeitet der Bildstabilisator und der 20-Megapixel-Sensor bietet bei denselben Rauschwerten wie der 16-Megapixler sogar eine höhere Dynamik und Auflösung. Will man letztere nutzen, sollte man allerdings eher zu hochwertigen Zooms oder den kleinen F1,8-Festbrennweiten des MFT-Systems greifen als zum 14-42 EZ.


Weiterführende Links

Kamera-Tests Auswahl

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Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.


Steckbrief
HerstellerOlympus
ModellPen-F
SensorCMOS 4/3" 17,3 x 13,0 mm (Cropfaktor 2,0)
21,8 Megapixel (physikalisch)
20,3 Megapixel (effektiv)
Pixelpitch3,3 µm
Auflösung (max.)5.184 x 3.888 (4:3)
Video (max.)1.920 x 1.080 60p
ObjektivOlympus 14-42 mm 3.5-5.6 ED EZ (EZ-M1442EZ) (Zoom-Objektiv)
VideosucherEVF, 100 % Bildfeldabdeckung, 2.360.000 Bildpunkte Auflösung, 1,23-fache Vergrößerung (Sensor-bezogen), 0,62-fache Vergrößerung (KB-Äquiv.), Dioptrienausgleich (-4,0 bis 2,0 dpt)
Monitor3,0" (7,6 cm)
  Auflösung1.037.000 Bildpunkte
  kippbar
  drehbarja
  schwenkbarja
  Touchscreenja
AV-Anschlüsse
PAL/NTSC-Videoausgang (umschaltbar)(HDMI-Ausgang Micro (Typ D))
Vollautomatikja
Motivautomatikja
Motivprogramme24
Programmautomatikja
Programmshiftja
Blendenautomatikja
Zeitautomatikja
Manuellja
Bulb-Langzeitbelichtungja
HDR-Funktionja
Panoramafunktionja, Stich-Panorama-Assistent (zum extern zusammenfügen)
BelichtungsmessungMatrix/Mehrfeld-Messung (324 Felder), Mittenbetonte Integralmessung, Spotmessung
kürzeste Verschlusszeit1/8.000 s
Blitzmitgelieferter Aufsteckblitz
  Synchronzeit1/250 s
  BlitzanschlussBlitzschuh: Olympus/Panasonic (auch Leica-Kompaktkamera), Standard-Mittenkontakt
WLANja
NFC
GPSextern
Fernauslöserja, Kabelauslöser, Drahtauslöser, Fernsteuerung über Smartphone/Tablet
Intervallaufnahmeja
Speichermedium
SD (SDHC, SDXC, UHS I, UHS II)
Empfindlichkeit
  automatischISO 80-25.600
  manuellISO 80-25.600
Weißabgleich
  automatischja
  manuelle Messungja
  Kelvin-Eingabeja
  Feinkorrekturja
Autofokusja
  Anzahl Messfelder81 Kontrastsensoren
  Geschwindigkeit0,18 s bis 0,19 s
  AF-Hilfslichtja
Abmessungen125 x 72 x 37 mm
Gewicht (betriebsbereit)420 g (nur Gehäuse)
514 g (mit Objektiv)
Stativgewindein optischer Achse
Zoom
  ZoomverstellungObjektivring (motorisch)
Akkulaufzeit330 (gem. CIPA-Standard)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Hochwertiges, durchdesigntes Gehäuse
  • Trotz kompaktem Gehäuse eingebauter elektronischer Sucher
  • Dreh- und schwenkbarer Touchscreen, Touch-AF auch mit Sucher
  • Äußerst effektiver Bildstabilisator
  • Durch fehlenden Handgriff nicht optimal zu halten
  • Aufgrund der vielen Einstelloptionen überfrachtet wirkende Kamera
  • Fehlender Mikrofonanschluss
  • In der Preisklasse wäre ein Spritzwasser- und Staubschutz gut gewesen