Testbericht

Olympus E-3

2007-12-25 Es sind jetzt knapp zwei Monate vergangen, seit wir Olympus neues Flagschiff, die E-3, zum ersten Mal und exklusiv einem First-Look unterziehen konnten. Vier Wochen später war die Kamera wieder in der Redaktion zum Test – dieses Mal mit finaler Firmware. Auch der Verkauf läuft bereits auf Hochtouren. Im ausführlichen Test kann die E-3 nun zeigen, was in ihr steckt. Sie war nicht nur zur Bildqualitätsprüfung im DCTau-Testlabor, sondern wurde auch von einigen Redakteuren in der Praxis erprobt. In einem Punkt waren sich alle einig: Olympus kann hervorragende Kameras bauen. Und bis zur Nachfolgerin sollen dieses Mal keine vier Jahre vergehen, sagt Olympus.  (Benjamin Kirchheim)

Olympus E-3 [Foto: MediaNord] Ergonomie und Verarbeitung Die Olympus E-3 begeistert gleich auf den ersten Blick bzw. beim ersten Anfassen. Die Kamera ist grundsolide gebaut und sehr gut verarbeitet. Das dreiteilige Metallgehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung, und der wohlgeformte Handgriff schmiegt sich geradezu in mittelgroße Hände. Das Kameragewicht ist mit knapp 900 g ohne Objektiv schon ganz stattlich, und sie lässt sich vor allem mit Objektiv sicherer halten, wenn man beide Hände verwendet. Sowohl der Handgriff als auch die Rückseite sind teilweise mit einer aufgerauten, rutschfesten Gummioberfläche versehen, so dass man weder den Halt verliert noch direkt mit dem kalten Metallgehäuse in Berührung kommt. Es stören auch keine vorstehenden Ösen zur Anbringung eines Kameragurtes, denn die sind vorbildlich eingelassen. An Batterie- und Speicherkartenfach kann man sehr gut die butterweichen Gummidichtungen sehen, auch die Kameraknöpfe fühlen sich richtig gut an. Beim Drücken knacken sie nicht, sondern sie haben viel Hub und drücken sich butterweich – man hat regelrecht das Gefühl, die Dichtungen zu spüren. Man will die Kamera also am liebsten nicht mehr aus der Hand geben – "Klebefaktor" nennt sich das im Olympus-Jargon. Auch an Stativliebhaber hat Olympus gedacht: Das Metallstativgewinde befindet sich nicht nur in der optischen Achse, sondern eine angebrachte Wechselplatte normaler Größe blockiert das Akkufach nicht, so dass man bei Energiemangel nicht schrauben muss.

Die Bedienelemente verteilen sich fast ausschließlich auf die Kameraober- und Rückseite. Auf der Oberseite links neben dem Blitz befinden sich drei Tasten, eine Weitere ist links am Blitz, die ihn mechanisch aufklappen lässt. Keiner dieser drei Knöpfe funktioniert alleine, sie legen beim Drücken lediglich bestimmte Funktionen auf Daumen- und Zeigefingerrad, die sich mit der rechten Hand bedienen lassen. So kann man Blitzmodus, Blitzbelichtungskorrektur, Belichtungsreihenfunktion (mit zwei Tasten gleichzeitig), Fokus- und Belichtungsmessmethode sowie das Aufnahmeprogramm einstellen. Anders als bei vielen anderen Kameras gibt es bei der E-3 nämlich kein Programmwählrad, was mit Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik, manuellem Modus und der Bulb-Langzeitbelichtung aber auch nicht gut ausgenutzt gewesen wäre. Rechts vom Blitz setzen sich die Tasten fort, hier befinden sich noch Einstelltasten für Weißabgleich, Belichtungskorrektur und Empfindlichkeit in 1/3 EV-Schritten. Auf ein großes LC-Display hat Olympus nicht verzichtet, es hat sogar eine eigene Beleuchtungstaste und zeigt den Status der wichtigsten Aufnahmeeinstellungen an.

Olympus E-3 [Foto: MediaNord] Auf der Kamerarückseite gibt es 14 weitere Knöpfe sowie den Betriebsschalter und das Daumenrad. Alle Elemente sind unter oder rechts vom Display angeordnet. Es sind zwar keine Tasten mehrfach belegt, man kann aber einige im Menü tauschen oder frei programmieren, so dass man sich nicht immer auf die Beschriftungen verlassen kann. Das tut aber der Anpassbarkeit gut, und so wird der versierte Anwender sowieso nicht auf die Beschriftungen achten, sondern weiß einfach, welche Taste eine bestimmte Funktion auslöst. Die umfangreichen Individualisierungsfunktionen reichen von einer frei belegbaren Fn-Taste über den Tausch mit der AEL-Taste bis hin zu frei belegbaren Einstellrädern und Einstellbarkeit der Grenzen für die automatische Empfindlichkeitsanpassung. Nicht neu für Olympus ist die LiveView-Taste unterhalb des Displays, sie lässt den Spiegel hoch klappen, den Verschluss öffnen und zeigt ein Livebild auf dem 2,5 Zoll großen Monitor an, der gute Farben und Schärfe zeigt. Er verfügt über eine Auflösung von 230.000 Bildpunkten und die Olympus HyperChrystal-Technologie, die die Ablesbarkeit im Sonnenlicht durch eine Teilreflexion des Umgebungslichts verbessert. Neu hingegen ist die Möglichkeit, den Monitor abzuklappen und frei schwenken zu können – so sind auch Selbstportraits oder ungewöhnliche Perspektiven über dem Kopf oder in Bodennähe ohne Verrenkungen realisierbar. Beim Einschalten des LiveViews erscheint sogar ein Hinweis auf dem Bildschirm, doch bitte den Sucherverschluss zu schließen, damit die Kamera hier nicht von Fremdlicht beeinflusst wird.

Das Livebild ist eine wahre Wonne. Auch an eine Lupe für manuelles Fokussieren wurde gedacht, sie vergrößert maximal 10-fach und eignet sich nicht nur für Stativverwendung. Der Ausschnitt lässt sich selbstverständlich auch frei festlegen. Es gibt weitere Annehmlichkeiten des Livebildes: Man kann ein Histogramm oder Gitterlinien einblenden, sehen, wie eine Änderung der Belichtung sich auswirkt, und schließlich beurteilen, ob der Weißabgleich stimmt. Nur eine Funktion ist nicht verfügbar – der Autofokus. Eine Kontrastmessung über den Bildsensor bietet die E-3 nicht an – das ist sehr schade, auch wenn das vielleicht eine recht langsame Messung wäre. Noch langsamer bzw. störender ist es jedoch, wenn zum Auslösen erst einmal der Spiegel runter klappen muss, die Kamera fokussiert, nur um den Spiegel anschließend für das Foto wieder hochzuklappen. Schnappschüsse sind so im LiveView-Modus nicht möglich. Übrigens hat Olympus nach eigenen Angaben sogar Soundingenieure beauftragt, die dafür sorgen sollten, dass der der Spiegelschlag der Kamera angenehm klingt. Dies ist gut gelungen: Der Spiegelschlag klingt satt und keineswegs blechern.

Olympus E-3 [Foto: MediaNord] Der Sucher behält nicht nur wegen des fehlenden Kontrastautofokus seine Daseinberechtigung. Olympus hat Wert darauf gelegt, diesen möglichst groß und hell zu konstruieren. Ein großes Dachkantenprisma ziert die E-3, die dadurch sehr markant wirkt. Der Sucher bietet nicht nur eine 100% Bildfeldabdeckung, sondern er vergrößert auch 1,15-fach – allerdings bezogen auf das kleine 4/3-Format. Verglichen mit den üblichen APS-C-DSLRs anderer Hersteller ist der Sucher minimal größer – braucht sich also nicht zu verstecken. Olympus hat sozusagen schon eine Sucherlupe eingebaut. Und damit kommt auch der Nachteil der starken Vergrößerung ins Spiel: Der Augabstand ist recht gering, Brillenträger haben Probleme, den Sucher bis in die Ecken zu überblicken, ohne die Kamera vor dem Auge zu bewegen. Das ist aber auch der einzige Nachteil des Suchers, über den sich verhältnismäßig gut manuell fokussieren lässt. Unterhalb des Sucherbildes werden zudem sehr gut lesbar zahlreiche Aufnahmeinformationen eingeblendet – so sind viele Einstellungen möglich, ohne die Kamera vom Auge nehmen zu müssen.

Es gibt aber auch Dinge, für die man ins Menü einsteigen muss, das nicht ganz so übersichtlich gestaltet ist. Am linken Rand befinden sich fünf Hauptreiter, die in verschiedene Menüs verzweigen. Diese Menüs sind mehrseitig, so dass man sich mit den Reitern einen Überblick über die jeweils ersten Seiten verschaffen kann. Zwei Aufnahmemenüs, ein Wiedergabemenü und zwei Einstellungsmenüs kann man über die Reiter erreichen. Übrigens sind die Menüs schwarz-gelb gehalten – ein Schelm, wer dabei an Nikon denkt. Neben dem üblichen Menü gibt es noch die Olympus-typische Besonderheit, dass man im Aufnahmemodus mit der Info-Taste zahlreiche Aufnahmeeinstellungen übersichtlich auf dem Bildschirm präsentiert bekommt und die Parameter nach Auswahl mit dem Steuerkreuz gleich anpassen kann.

Auch Leute, die den LiveView nicht mögen, weil sie lieber klassisch mit dem Sucher fotografieren, werden den Klappmonitor zu schätzen lernen. Denn er lässt sich auch mit der Displayseite zum Kameragehäuse hin klappen, so dass es vor Kratzern geschützt ist. Doch nicht nur das, jetzt verwandelt sich die Kamera auf fast wundersame Weise: Durch die Deaktivierung des Bildschirms verlieren einige Knöpfe ihre Funktion gänzlich, während die anderen nur reagieren, wenn man sie drückt und gleichzeitig an den Rädchen dreht. Man bekommt eine robuste Kamera, die sich nicht mal eben von alleine verstellt, weil sich im rauen Alltagseinsatz Tasten unbeabsichtigt betätigen. Man kommt tatsächlich ohne Monitor aus und kann trotzdem alle aufnahmerelevanten Parameter mit visueller Kontrolle über das Infodisplay oder die Sucheranzeigen verstellen.

Ausstattung Die Individualisierbarkeit der Kamera hört bei der Tastenbelegung noch lange nicht auf. Die Bildparameter wie Kontrast, Sättigung und Schärfe lassen sich im JPEG-Modus in je fünf Stufen anpassen, hinzu kommen Bildmoduseinstellungen wie Vivid für besonders kräftige Farben oder eine auf Porträts spezialisierte Farbwiedergabe. Auch die automatische Empfindlichkeit lässt sich sowohl in der Ober- als auch Untergrenze zumindest in 1- EV-Schritten anpassen. Bei der Bildaufnahme und -Wiedergabe aktiv ist der eingebaute Orientierungssensor, der nicht nur speichert, ob ein Bild im Hoch- oder Querformat aufgenommen wurde, sondern die Wiedergabeanzeige auch entsprechend der Kamerahaltung dreht – allerdings werden eingeblendete Beschriftungen und das Menü nicht mit gedreht.

Olympus E-3 [Foto: MediaNord] Beim Ausklappen des eingebauten Blitzgeräts, das mit einer Leitzahl von 13 (die wir mit unserer eigenen Messung bestätigen können) für ein integriertes Blitzgerät ganz gut Licht macht, spürt man ebenfalls die gute Verarbeitung der Kamera. Zudem klappt es recht weit hoch, so dass eine gute Ausleuchtung mit minimiertem Rote-Augen-Effekt möglich ist. Neu ist der Drahtlosmodus, mit dem eine Steuerung von Blitzgeräten in einer Entfernung von bis zu zehn Metern möglich ist. Dabei kann auf einem von vier Kanälen gearbeitet werden, damit sich E-3-Benutzer nicht gegenseitig stören. Die Blitzgeräte selber lassen sich dabei in maximal drei Gruppen einteilen, so dass eine individuelle Ausleuchtung des Motivs möglich ist. Die Leistungsabgabe der Gruppen ist dabei von der Kamera aus steuerbar. Die Blitzeinstellungen des internen Blitzes lassen ebenfalls kaum Wünsche offen. Im Drahtlosmodus kann man wählen, ob der Blitz nur die externen Blitzgeräte steuert oder auch selber zur Belichtung als Frontaufheller beiträgt. Zwar muss der Blitz manuell hoch geklappt werden, verfügt dann aber neben einer Automatik auch über eine Aufhellfunktion, eine Langzeitsynchronisation wahlweise auf den ersten oder zweiten Verschlussvorhang sowie eine manuelle Leistungsregelung von 1/1, 1/4, 1/16 und 1/64. Ein Vorblitz zur Vermeidung roter Augen ist ebenfalls möglich. Selbstverständlich lässt sich die Blitzleistung auch korrigieren, und das sogar in einem Bereich von +/- 3 EV. Wen bisher die vorgegebene lange Synchronzeit im Automatikmodus gestört hat, findet selbst das nun im Menü unter "Zeit-Limit" einstellbar von 1/250 s bis zu 1/30 s.

Eine weitere Besonderheit ist der Speicherkartenslot, der nicht nur große und schnelle CompactFlash Speicherkarten (und Microdrives) aufnimmt, sondern auch xD Picture-Karten. Das ist vielleicht für Anwender interessant, die zusätzlich noch eine Kompaktkamera von Olympus (oder Fujifilm) haben. Zwischen den Speicherkarten kann man per Menü umschalten, allerdings ist hier keine Automatik bei voller Speicherkarte vorgesehen. Auch ein Kopieren zwischen den Karten ist nicht möglich, was auch auf eine Parallelspeicherung wie z. B. JPEG auf der xD-Karte und RAW auf der CF-Karte zutrifft. Allerdings ist der Einsatz von xD-Karten nur für den Notfall sinnvoll, denn sie sind sehr langsam. Mit einer M-Type Karte von Olympus erreichten wir nur 1/7 der Geschwindigkeit einer Lexar 300x CF-Karte.

Die aufgenommenen Fotos landen wahlweise als JPEG oder RAW oder parallel in beiden Formaten auf der Speicherkarte. Die RAW-Dateien der 10-Megapixel-Kamera sind auf immerhin nur ca. 10,3 MBytes komprimiert. War der Datenfluss der Vorserien-Testkamera trotz schneller Speicherkarten und UDMA-Unterstützung mit unter 10 MBytes/s noch etwas zäh, hat sich wie vermutet bis zur Serienreife noch einiges bei der Geschwindigkeit getan. Im Serienbildmodus werden beinahe 20 MBytes/s auf die Karte geschrieben. Fünf Bilder pro Sekunde soll die E-3 angeblich schaffen, wir kamen bei der Messung auf etwa 4,6 Bilder pro Sekunde bei JPEG und 4,3 Bilder/s bei RAW. Immerhin wird diese Geschwindigkeit bei JPEG für 38 und bei RAW für 18 Bilder durchgehalten, bevor die Frequenz der Auslösung auf die Geschwindigkeit sinkt, mit der die Bilder auf die Speicherkarte geschrieben werden. Im Klartext sind das bei RAW dann 1,9 Bilder/s und bei JPEG 3,3 – wohlgemerkt bei geringster Komprimierung. Stellt man diese hoch, ist auch eine höhere Geschwindigkeit möglich, bis die Speicherkartenkapazität erschöpft ist. Trotz der hohen Serienbildrate schafft es der Autofokus der E-3, dem Motiv weiter zu folgen. Wem fünf Bilder pro Sekunde zu schnell sind, kann auf eine einstellbare weitere Serienbildgeschwindigkeit mit vier, drei, zwei oder einem Bild(ern) pro Sekunde zurück greifen.

Olympus E-3 [Foto: MediaNord] Objektiv Das neue Standardzoom zur E-3 ist das knapp 1.000 EUR teure F2,8-4/12-60 mm SWD. Es hat nicht nur einen sehr universellen Brennweitenbereich, der bei Kleinbild 24-120 mm entspräche, sondern soll an der E-3 über den schnellsten Autofokus weltweit verfügen – zumindest laut Olympus-Messmethode. Diesen Wert können wir insoweit bestätigen, dass die E-3 z. B. schneller ist als eine Nikon D300. Um den Autofokus möglichst schnell zu machen, setzt Olympus auf einen neuen Ultraschallantrieb direkt im Objektiv, der bei Olympus Supersonic Wave Drive (SWD) heißt. So soll der Fokusmotor nicht nur verzögerungsfrei anfahren, sondern vor allem auch abrupt ohne Nachlauf stoppen können. Dieses schnelle Bremsen soll das entscheidende "Mehr" an Autofokus-Geschwindigkeit bringen. Einzig beim Durchfahren des gesamten Fokusbereichs sollte man keine Wunder erwarten. Doch nicht nur die Geschwindigkeit des Autofokus ist hervorragend, sondern auch seine Empfindlichkeit. Praktisch fast ohne Licht findet er noch sicher und zügig in Situationen sein Ziel, wo an manuelles Fokussieren über die Mattscheibe gar nicht mehr zu denken ist. Der Autofokus arbeitet bei derartig wenig Licht, wo der Belichtungsmesser schon längst außerhalb des Arbeitsbereichs ist. Im Sucher werden die elf Autofokuspunkte angezeigt. Olympus hat eigenen Angaben nach das AF-System völlig neu entwickelt. Jeder der elf Kreuzsensoren besteht aus zwei leicht versetzten Kreuzsensoren. Sie arbeiten mit vier Datenpunkten und acht Datenlinien, zur Erhöhung der Empfindlichkeit lassen sich die Punkte zusammenschalten. Zwar verfügt die E-3 über ein AF-Hilfslicht, es ist aber über den ungeliebten weil störenden Stroboskopblitz realisiert – glücklicherweise kann es kaum so dunkel sein, dass dieses überhaupt benötigt wird.

Wird der Autofokus einmal doch abgeschaltet, gibt es eine manuelle Einstellmöglichkeit mit zahlreichen Hilfen. Man kann sich sogar die Drehrichtung des Fokusrings individualisieren (rechts oder links herum). Über den Sucher funktioniert die manuelle Fokussierung noch klassisch, mit aktiviertem LiveView jedoch kann er neue Stärken ausspielen. Mittels frei verschiebbarer Lupe mit 5-, 7- oder 10-fachem Vergrößerungsfaktor kann punktgenau auf dem Sensor scharf gestellt werden. Einzig die Aktivierung der Lupe ist etwas versteckt – man muss die Info-Taste so oft drücken, bis ein gelber Rahmen im LiveView-Modus auf dem Monitor erscheint – dieser stellt den Vergrößerungsrahmen dar.

  Olympus E-3 - Menü [Foto: MediaNord]
  Olympus E-3 - LiveView mit Histogramm [Foto: MediaNord]
  Olympus E-3 - Einstellungen direkt auf dem Info-Display [Foto: MediaNord]
Verbessert wurde der eingebaute Bildstabilisator. Dieser arbeitet mit allen Objektiven zusammen, weil der Bildsensor gegen die Kameraverwackelungen bewegt wird. Gemessen wird die Kamerabewegung mittels hoch empfindlicher Gyro-Sensoren, der Bildsensor wird mit Ultraschallmotoren äußerst präzise und schnell bewegt. So gibt Olympus an, dass man um bis zu fünf Blendenstufen länger belichten kann – also z. B. statt 1/500 s auch 1/15 s ausreichend ist. Andere Hersteller versprechen gerade einmal drei oder höchstens vier Blendenstufen. Der Test eines Bildstabilisators gestaltet sich allerdings sehr schwierig, denn jeder Mensch wackelt anders stark. So entstand im Test bei 120 mm kleinbildäquivalenter Brennweite und 1/4 s Belichtungszeit kein scharfes Bild. Erst bei 1/8 Sekunde waren die Bilder recht scharf, bei 1/15 Sekunde noch besser. Drei Blendenstufen schaffte die Kamera also beim Test sehr gut, bei vier Blendenstufen fing es an kritisch zu werden – das sind aber immer noch sehr gute Werte. Für Freunde des Mitzieheffekts lässt sich der Bildstabilisator auf vertikale Korrekturen beschränken, das nennt sich dann "IS Mode 2" im Gegensatz zu "IS Mode 1" für horizontale und vertikale Korrekturen. Warum sich Olympus für diese Einstellung keine besser verständlichen Namen ausgedacht hat, ist ein Rätsel – offensichtlich wurde das von einem anderen namhaften Hersteller abgeguckt.

Bildqualität Einerseits ist Olympus durch den relativ kleinen FourThirds-Sensor in der Bildqualität benachteiligt, weil die einzelnen Pixel bei entsprechend hoher Auflösung kleiner ausfallen als bei gleich auflösenden, größeren Sensoren. Dass kleinere Pixel das Rauschen negativ beeinflussen, ist nicht erst seit der 6-Megapixel-Initiative bekannt. Ausgeglichen wird dies zum Teil durch besonders lichtstarke Objektive, aber FourThirds hat auch andere Vorteile wie konsequent auf digitale Aufnahmesensoren abgestimmte Objektive bis hin zu der Möglichkeit, Verzeichnung oder Vignettierung bereits in der Kamera zu korrigieren. Offensichtlich wird davon aber (noch) kein Gebrauch gemacht, denn das 12-60mm-Objektiv vignettiert in den Bildecken, insbesondere bei 12 mm, um gut eine Blendenstufe. Was für andere Systeme nichts Ungewöhnliches ist, fällt bei Olympus schon ins Auge. Hinzu kommt eine sichtbare, tonnenförmige Verzeichnung bei 12 mm, so dass man dieses Brennweitenende des Zoomobjektivs als das Schwächere bezeichnen kann. Ab 25 mm spielt die Verzeichnung kaum noch eine Rolle und ist ab hier bis zu 60 mm leicht kissenförmig.

Interessant ist das Rauschverhalten des kleinen Sensors. Olympus hat sich für eine professionelle Abstimmung mit nur geringer Rauschunterdrückung entschieden, was der Auflösung und den Details zugute kommt. Das Rauschen wirkt dabei sehr natürlich und tritt ausschließlich in Form von Helligkeitsrauschen auf – unangenehmes Farbrauschen spielt dagegen keine Rolle, auch Rauschartefakte sind nicht auszumachen. Im gesamten Brennweitenbereich zeigt sich eine gute Auflösung, die zwar zu den Bildecken hin abfällt, was sich aber sogar bei dem großen Bildwinkel bei 12 mm in Grenzen hält. Auch der Wirkungsgrad ist sehr gut, am stärksten ist das Objektiv bei ca. 25 mm Brennweite. Das hat jedoch auch Nachteile, so führt die aggressive Aufbereitung feiner Bilddetails auch zu diversen Artefakten wie Helligkeits- und Farbmoirés sowie zu Aliasingeffekten an diagonalen Strukturen.

Die Farbwiedergabe der Olympus E-3 ist sehr angenehm und gut differenziert, neigt aber zu einer etwas wärmeren Wiedergabe. Der automatische Weißabgleich arbeitet genauso wie die Weißabgleichsvoreinstellungen mit einer Ausnahme hervorragend: Bei Glühlampenlicht gibt es einen grünlich-orangen Farbstich, der am besten durch eine manuelle Korrektur behoben werden kann. Darüber hinaus kann die im Alltagseinsatz sehr angenehme Farbwiedergabe individuell beeinflusst werden. War die E-1 noch auf Portraits abgestimmt, ist die E-3 mehr auf den Alltagseinsatz im Freien sowie im Studio zugeschnitten – eine angenehmere Hauttonwiedergabe lässt sich aber für Porträts einstellen.

Olympus E-3 [Foto: MediaNord] Bei der Eingangs- und Ausgangsdynamik schwächelt die Kamera etwas, zumindest wenn man hohe Ansprüche stellt. 8,3 Blendenstufen sind zwar gut, aber einige Konkurrentinnen können es besser. Man kann der Kamera aber die sehr zuverlässige Belichtungsmessung zugute halten, die das Motiv auch bei schwierigen Lichtverhältnissen bestmöglich abbildet. Bei der Ausgangsdynamik ist hingegen der Schwarzwert zu bemängeln, der mit 11 zu hoch ausfällt. Die Tonwertkurve richtet sich dabei mehr an professionell-neutrale Wiedergabe, weniger an eine visuell angenehme Darstellung. Sie ist sehr neutral und wird erst in den Schatten etwas weicher, die für geschönte Wiedergabe typische Invers-S-Form findet man bei der E-3 nicht. Die Scharfzeichnung hingegen ist wieder weniger professionell abgestimmt, geht aber noch in Ordnung. Allerdings zeigt sich eine leichte Dominanz an der helleren Bildkante, so dass es hier zu Weißclipping kommen kann.

Speichert man die Bilder als JPEG auf die Speicherkarte, stehen je Auflösungsstufe zwei Kompressionsstufen zur Auswahl. Bei höchster Auflösung ist die geringstmögliche Komprimierung verlustfrei, während bei der höheren Komprimierung, die etwa doppelt so viele Bilder auf der Speicherkarte erlaubt, mit Artefakten zu rechnen ist. Schaltet man die Auflösung aber herunter, entspricht die bestmögliche Kompressionsqualität der schlechteren der höheren Auflösung – so ist keine visuell verlustfreie Speicherung möglich.

Insgesamt ist die Bildqualität der Kamera zwar sehr gut abgestimmt, einige Details sind allerdings etwas widersprüchlich – mal richtet sich die Abstimmung an professionelle Fotografie wie bei der Tonwertkurve oder dem Rauschverhalten, mal ist die Aufbereitung aggressiver wie bei der Schärfung oder der Bildung von Artefakten. Ein möglicher Mittelweg wäre gewesen, die Kamera bei RAW professionell abzustimmen und bei JPEG konsequent auf visuelle Gefälligkeit bzw. schnelle Fotografie – denn jeweils dafür sind diese Bildformate am besten geeignet, insbesondere wenn die Kamera beide Möglichkeiten bietet.

Fazit Die Olympus E-3 ist eine Kamera, die wahrlich zum Fotografieren gebaut wurde. Durchdacht bis in viele Details, robust für den harten Alltagseinsatz gebaut und mit einer Ausstattung, die kaum Wünsche offen lässt. Nicht nur die Performance, insbesondere der Autofokus, überzeugt in allen Belangen, auch die Bildqualität kann überzeugen, selbst wenn sie nicht perfekt ist. Zwar ist die Kamera keine "Nachteule", liefert aber insbesondere bei niedrigen Empfindlichkeiten eine hohe Auflösung und eine angenehme Farbwiedergabe. Diese vielen positiven, in einer Kamera vereinigten Eigenschaften haben aber auch ihren stolzen Preis.


Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief
Hersteller Olympus
Modell E-3
Preis ca. 1.750 EUR
Sensor Auflösung 10 Megapixel
Max. Bildauflösung
(Seitenverhältnis)
3.648 x 2.736
(4:3)
Objektiv Olympus Zuiko Digital ED 12-60mm 1:2,8-4,0 SWD
Filtergewinde 72 mm
Sucher
Sichtfeld
Vergrößerung
  Dioptrienausgleich
Pentaprisma
100%
1,15-fach
-3 bis +1 dpt
LCD-Monitor
  Auflösung
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher
2,5"
230.000
ja
ja
ja
Videoausgang
  als Sucher
Composite
ja
Programmautomatik  ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
ja
Motivprogramme
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere






Belichtungs-
messung
Mehrfeld
Integral
Selektiv
Spot
Lichter
Schatten
Blitz
  Leitzahl
  Blitzanschluss
ja
13
Systemblitzschuh, Synchronbuchse
Fernauslöser ja
Intervallaufnahme
Speichermedium CF I und II, Microdrive
xD PictureCard
Videomodus
  Format
  Codec
  Auflösung (max.)
  Bildfrequenz (max.)  




Empfindlichkeit
  automatisch


  manuell

abh. v. Belichtungsmodus
ISO 100-3.200
ISO 100-3.200
Weißabgleich
  Automatik
  Sonne
  Wolken
  Leuchtstofflampe
  Glühlampe
  Sonstiges
  Manuell

ja
ja
ja
ja(3)
ja
Schatten, Blitz
ja(4 Speicher)
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
  AF-Hilfslicht
  Geschwindigkeit

11 (Biaxial)

Stroboskopblitz
<0,2 s
Sprachen Deutsch
17 weitere
Einschaltzeit 0,1 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
 –
Gewicht
(Betriebsbereit)
900 g (nur Gehäuse)
1.413 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion
  Serienbildanzahl

  Frequenz
    (Bilder/s)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
  mit Blitz

38 (JPEG)
18 (RAW)
4,6 (JPEG)
4,2 (RAW)
3,3 (JPEG)
1,9 (RAW)
ja
Zoom
  Zoomverstellung
  Zoomstufen
  Zeit WW bis Tele

am Objektiv
stufenlos
Speicher-
geschwindigkeiten*
  JPEG
  RAW


0,7 s (4,6 MByte)
0,8 s (10,3 MByte)
Auslösung während des Speicherns möglich ja
Akkulaufzeit ca. 400 Bilder

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit 4 GByte Lexar Professional UDMA 300x CF Speicherkarte
** Zuiko Digital ED 12-60mm 1:2,8-4,0 SWD

Kurzbewertung

  • Hervorragende Verarbeitung und Robustheit
  • Hohe Performance, insbesondere beim Autofokus
  • LiveView kombiniert mit einem flexiblen Monitor
  • Großer und heller Sucher
  • Hohe Auflösung und angenehme Farbwiedergabe
  • Autofokus im LiveView-Modus nur mit Spiegelklappen
  • Etwas unübersichtliches Menü
  • Schwächen in der Eingangs- und Ausgangsdynamik

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 95 %
Ausstattung 12,5 % 88 %
Handhabung 12,5 % 90 %
Geschwindigkeit 12,5 % 90 %
Bildqualität 50,0 % 85 %
Gesamtnote 88 %