Testbericht

Nikon D2Xs

2006-08-14 Ein bisschen "Prestige" muss manchmal sein. Wurde auf digitalkamera.de aus rein rationellen Gründen bisher noch nie eine digitale Spiegelreflexkamera der Profiklasse getestet (wie viele Leser kaufen schon eine solche Kamera?!?), ist alleine die Faszination, die diese reinrassigen Profi-Werkzeuge auf die Leser ausüben schon Grund genug, irgendwann mal den "gesunden Menschenverstand" auszuschalten und eines dieser Traumobjekte einem kompletten Test zu unterziehen. In diesem konkreten Falle und als absoluter Erstfall: die Nikon D2Xs.  (Yvan Boeres)

Nikon D2Xs [Foto: MediaNord]Ob sie für den Leser dieses Testberichtes ein Traum bleibt oder nicht: die Nikon D2Xs darf jetzt zeigen, aus welchem Stoff die (Kamera-)Träume sind. Der ausführliche digitalkamera.de-Test spricht dabei nicht nur schwärmende Amateurfotografen an, sondern z. T. auch professionelle Fotografen, die tatsächlich den Kauf dieser Kamera beabsichtigen. Was die Nikon D2Xs für ihr Geld zu bieten hat, können interessierte Leser jedenfalls sowohl im nachfolgenden Text als auch im nebenstehenden Steckbrief, in der Tabelle "Messwerte" am Ende des Tests und in einer aktualisierten Version unseres digitalkamera.de-Datenblattes zu dieser Kamera nachlesen. Als hilfreiche Ergänzung dazu bieten wir das DCTau-Testprotokoll zum kostenpflichtigen Abruf (bzw. im Abo) an, das diesem Test bei der Beurteilung der Bildqualität zugrunde lag.

Ergonomie/Verarbeitung: Auf jeden anderen Menschen würden das kolossale Gewicht und die imposante Statur der D2Xs beeindruckend bis abschreckend wirken, aber für Profis stellt der 1,3-Kilo-"Koloss" genau das richtige Gegengewicht zu den schweren Tele-Objektiven dar, die sie auf manchen Veranstaltungen manchmal stundenlang "im Anschlag" halten müssen. Natürlich ist bei der D2Xs die ergonomische Studie perfekt. Giugiaros Designkonzept geht z. T. schon auf die analoge F4 aus dem Jahre 1988 zurück und wurde im Laufe der Zeit ständig weiter verfeinert. Wie es sich für eine Profikamera gehört, liegt die D2Xs de facto nicht in der Hand, sondern schmiegt sich dieser förmlich an. Der fest angebaute Hochformatgriff verleiht auch größeren Fotografenhänden einen guten Halt; die rutschfeste, aber im Dauereinsatz nicht besonders langlebige Gummierung sorgt dafür, dass auch feuchte bzw. schwitzige Hände die Kamera fest im Griff behalten. Auch wenn während der Jahre das eine oder andere Bedienelement neu hinzugekommen ist oder den Platz gewechselt hat, ist die Bedienung der Profi-DSLRs von Nikon seit einigen Kameragenerationen schon sehr einheitlich. Die Anpassungs- bzw. Umgewöhnungsphase fällt kurz aus, und man findet die meisten Knöpfe, Schalter und Rädchen an den gewohnten Stellen wieder.

Nikon D2Xs [Foto: MediaNord]Einige Beispiele für das exemplarische Bedienkonzept der D2Xs und Vorgänger sind u. a. der Belichtungsmessartschalter und das Dioptrienrädchen an der rechten Seite des Sucherprismas, die mit dem ringförmigen Betriebsschalter rund um den Auslöser zu betätigende LCD-Hintergrundbeleuchtung, die Multifunktions-"Krone" an der linken Gehäuseoberseite sowie die Einstellungen für Lichtempfindlichkeit, Weißabgleich und Bildqualität, denen nicht nur eigene Knöpfe, sondern auch noch eine eigene Flüssigkristallanzeige gewidmet sind. Über so genannte "Shortcuts" bzw. Tastenkombinationen kann man sicher und schnell grundlegende Operationen wie die Speicherkartenformatierung und die Rückstellung auf den Auslieferungszustand ausführen; eine versehentliche Verstellung wichtiger Einstellungen wie z. B. der Bildfrequenz oder der AF-Messfeldwahl ist dank Sperren und Entriegelungstasten kaum zu befürchten.

Eine weitere Beschreibung aller Bedienelemente der D2Xs sparen wir uns hier, weil der mit diesem Test angesprochene Profi eigentlich wissen sollte, welche Bedienelemente welchen Zweck erfüllen. Kurz erwähnt werden sollte aber die erweiterte Funktionalität bei Verwendung der Funktionstaste in Kombination mit dem hinteren Einstellrad. Unter anderem kann man jetzt durch gleichzeitiges Betätigen der Func.-Taste (an der Kamerafront gleich unter der Abblendtaste gelegen) und Drehen des hinteren Einstellrades schnell und bequem in den Highspeed-Bildausschnitt-Modus (schnellere Bildserien durch Teilnutzung der Sensorfläche) umschalten; weitere Konfigurationsmöglichkeiten für die Funktionstaste (entweder einzeln oder in Verbindung mit dem Einstellrad) sind bei den Individualfunktionen im Kameramenü zu finden.

Die D2Xs gibt ihrem Besitzer über die zahlreichen Anzeigen permanent und augenblicklich Auskunft über alle wichtigen Einstellungen. Auf der großen bzw. breitflächigen Flüssigkristallanzeige auf der Kameraoberseite kann man z. B. nicht nur die geschätzte Anzahl der verbleibenden Aufnahmen, sondern auch die bereits gemachte Aufnahmezahl ablesen; im Sucher wird – und das ist beileibe nicht bei jeder DSLR der Fall – unter anderem auch das eingestellte Lichtempfindlichkeitsstufenäquivalent (ISO-Zahl) angezeigt. Am Komfort des Suchers ändert sich nichts. Es wird weiterhin der volle Bildausschnitt (Bildfeldabdeckung: 100%) angezeigt, und das Sucherbild bleibt angenehm groß (0,86-Sucherbildvergrößerung bei 50mm/F1,4-Objektiv, Fokussierung auf Unendlich und -1 dpt.). Dank großzügiger Austrittspupille von 19,9 mm (bei -1 dpt.) und optimal angepasster Augenmuschel (bei Bedarf durch andere Modelle ersetzbar) haben auch Brillenträger das ganze Sucherfeld gut im Blick. Selbstverständlich sind bei der D2Xs die Suchermattscheiben wechselbar. Ein Gitternetz wie bei den Einsteiger- und Mittelklassemodellen lässt sich nicht in den Sucher einblenden, aber die D2Xs macht von derselben, in der Mattscheibe eingebetteten Flüssigkristalltechnik (Polymer Network Liquid Crystal) Gebrauch, um im Highspeed-Modus die ungenutzten Bildbereiche (die Bildfeldabdeckung beträgt dann "nur" noch 97%) "schattiert" darzustellen. Die Lichtstreuung wird dabei in der Einstellscheibe so geregelt, dass die Lichtdurchlässigkeit im abgedunkelten Teil nur noch ca. 20 Prozent beträgt; der Fotograf wird – anders als noch bei der D2X – nicht mehr durch die rahmenförmige "Demarkationslinie" und überflüssige Bildteile abgelenkt.

Nikon D2Xs [Foto: MediaNord]Nahezu legendär ist die Robustheit der Profi-Bodies von Nikon. Wurde der F3 schon nachgesagt, mit ihr könne man Nägel einschlagen, sieht man auf so mancher Presseveranstaltung auch professionelle F- und D-Modelle von Nikon, die in einem desolaten Zustand (Schrammen, Beulen, Risse usw.) sind und ihrem Besitzer immer noch treue Dienste erweisen. Bei der D2Xs besteht fast das gesamte Gehäusechassis aus einer Magnesiumlegierung (dank moderner Metall-Spritzgussverfahren wie dem Thixomolding oder Thixocasting können selbst komplexeste Formen aus leichten und stabilen Materialien wie eben Aluminiumlegierungen nachgebildet werden), und praktisch jeder Spalt, jede Verbindungsstelle und jede Ritze ist mit speziellen Gummidichtungen ausgelegt, so das Spritzwasser und Staub nicht zur empfindlichen Kameraelektronik vordringen können. Die D2Xs hält laut Nikon Umgebungstemperaturen von 0 bis 40 °C und einen Luftfeuchtigkeitsanteil von bis zu 85% aus; tropisches Klima ist also für den Profi-Boliden kein Problem, während arktische Temperaturen auch nur für die LCDs der Kamera problematisch werden können. So verwundert es einen auch nicht, dass der Speicherkartensteckplatz und das Akkufach vorm Wechsel des Akkus bzw. der Speicherkarte entriegelt werden müssen – das Sicherheitskonzept greift eben auch hier.

Neu ist bei der D2Xs der Verriegelungsmechanismus für den USB-Stecker. Eine Firewire-Schnittstelle sucht man zwar immer noch vergebens, aber der USB-2.0-Highspeed-Anschluss ist mit einer von uns ermittelten Datenübertragungsrate von ca. 3,55 MBytes/s schnell genug, um auch größere Datenmengen (wie sie z. B. bei der Übertragung von RAW/NEF-Daten anfallen) einigermaßen zügig auf den Rechner zu befördern. Schneller geht es nur mit Cardbus- bzw. Expresscard-Adaptern im Notebook und mit einigen wenigen USB-2.0-Highspeed- oder Firewire-Kartenlaufwerken – ganz Eilige verschicken ihre Bilder mit dem optional erhältlichen Wireless-LAN-Adapter WT-2/2a (der etwas betagtere WT-1/1a ist aufgrund seiner verhältnismäßig geringen Datendurchsatzes von max. 11 Mbit bzw. 1,37 MByte pro Sekunde nicht mehr zu empfehlen) drahtlos mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 54 Mbit/s (= 6,75 MByte/s) über den Äther.

Nikon D2Xs Individualfunktionsmenü [Foto: MediaNord]   
Nikon D2Xs manuelle Objektivdaten Eingabe [Foto: MediaNord]
Nikon D2Xs Intervallaufnahme Menü [Foto: MediaNord]
Nikon D2Xs Bildmontagenfunktion [Foto: MediaNord]
Nikon D2Xs Farbhistogramm [Foto: MediaNord]
Nikon D2Xs Übersicht der letzten Einstellungen [Foto: MediaNord]
Bei der D2Xs ist es zur Abwechslung mal nicht ein Einsteiger- oder Mittelklassemodell, das ein Ausstattungsmerkmal der Profi-Kameras erbt, sondern umgekehrt. Der neue LC-Bildschirm der D2Xs stammt aus der gleichen Produktion wie der LCD der D200 – nur mit dem Unterschied, dass die LCDs für die D2Xs ab Werk farbkalibriert sind. Die Farben werden auf dem D2Xs-Bildschirm gleich dargestellt und wer mehrere D2xs-Bodies besitzt, braucht sich beim Kamerawechsel nicht mehr an die charakteristische Farbwiedergabe des jeweiligen Bildschirms zu gewöhnen. Charakteristisch ist für den neuen Monitor auch sein extrem großer Betrachtungswinkel (170° sowohl horizontal als auch vertikal); eine Eigenschaft, die beim LCD des D2Xs-Vorgängermodells D2X nicht ganz so ausgeprägt war. Die Bildschirmgröße und die Bildschirmauflösung bleiben mit einer Diagonale von 2,5" und einer Auflösung von 235.000 Pixel unverändert gut. Ebenfalls von der D200 mit übernommen wurde die "grafische Benutzeroberfläche". An der Struktur der Kameramenüs hat sich nicht viel geändert, aber die von der D2X her bekannte Hervorhebung der einzelnen Menüpunkte (Weiße Schrift auf dunkelblauem Hintergrund, schwarze Schrift auf türkisfarbenem Hintergrund) weicht einer etwas weniger farbenfrohen, aber deutlich augenfreundlicheren Menügliederung (siehe Screenshots aus diesem Test). Sie besitzt nicht nur den Vorteil, durch eine kontrastreichere Darstellung (weiße Schrift auf grauem Hintergrund) selbst bei grellem Licht besser ablesbar zu sein, sondern ist bei allen neueren DSLRs von Nikon gleich. Durch die einheitliche Menüdarstellung fällt die Ein- bzw. Umgewöhnungsphase bei der Verwendung unterschiedlicher Modelle der D-Serie sehr kurz aus; geblieben ist natürlich die Möglichkeit, durch Drücken der Hilfe-Taste (mit einem Schlüssel bzw. Fragezeichen gekennzeichnet) eine kleine Erklärung zum jeweiligen Menüpunkt auf dem Bildschirm eingeblendet zu bekommen.

Das Menü der D2Xs setzt sich aus fünf Hauptrubriken (Wiedergabe, Aufnahme, Individualfunktionen, System, Letzte Einstellungen) mit insgesamt 68 Menüpunkten zusammen. Wie schon bei der D2X werden in der letzten Hauptrubrik mit der Bezeichnung "Letzte Einstellungen" die letzten vorgenommenen Einstellungen aufgelistet bzw. die letzten acht Menüpunkte angezeigt, an deren Einstellungen man etwas verändert hat. Neu ist jedoch die Möglichkeit, dieses Menü zu fixieren. Statt dass die zuletzt getätigten Einstellungen in zyklischer Reihenfolge (eine Einstellung verdrängt die andere nach oben) aufgelistet werden, kann man auch die acht Menüpunkt-Bänke mit Einstellungen seiner Wahl fest belegen. Bei den Individualfunktionen gibt es kaum Neuerungen. Im Vergleich zur D2X ist nur eine Individualfunktion hinzugekommen, welche die in diesem Testabschnitt weiter oben beschriebene Konfigurierung der Funktionstaste (in Verbindung mit den Einstellrädern) erlaubt. Damit wächst die Zahl der Individualfunktionen auf insgesamt 42 Einstellungen, die weiterhin in sechs Hauptgruppen (Autofokus, Belichtungsmessung/Belichtung, Timer/Tastenbelegung, Aufnahme/Wiedergabe, Bracketing/Blitz, Bedienelemente) aufgeteilt und auch farblich gekennzeichnet sind. Für all diejenigen, die im ganzen Einstellungswirrwarr den Überblick verloren haben, hält Nikon bei der D2Xs eine neu- und in dieser Form einzigartige Funktion zur Speicherung der aktuellen Kameraeinstellungen auf eine Speicherkarte parat. So braucht man nicht mehr zu befürchten, seine Einstellungen zu verlieren, wenn man einmal die im Laufe der Monate oder Jahre gefundenen optimalen Einstellungen für seine Kamera gefunden hat. Die Daten werden einfach auf der Speicherkarte in einer ca. 12 KBytes kleinen, nummerierten Konfigurationsdatei (z. B. NCSETUP1.BIN) gespeichert und können so mit der Karte überall hin mitgenommen werden. Bei versehentlichem Löschen der Einstellungen oder Verstellen der Kamera (was u. a. dann vorkommen kann, wenn man seine Kamera in einem Gerätepool mit anderen Fotografen teilt) braucht man nur seine Speicherkarte in die Kamera zu stecken und über den Menüpunkt "Einstellungen laden" die persönlichen Einstellungen wieder herzustellen. Der Vorteil gegenüber Lexars Active Memory System (AMS) besteht darin, dass das nicht nur mit entsprechend kompatiblen Lexar-Karten funktioniert; die AMS-Technologie behält ihrerseits den theoretischen Vorteil (weil noch nicht in der Praxis umgesetzt), dass die Einstellungsdaten in einem geschützten Speicherbereich aufbewahrt werden und so z. B. bei einer Kartenformatierung nicht mitgelöscht werden.

Optik: Jemandem, der sich aus beruflichen oder aus privaten Gründen eine D2Xs kaufen will, werden wir wohl nicht zu erklären brauchen, was es so alles für Objektive für die D2Xs gibt. Der Profi und der anspruchsvolle Amateurfotograf haben meistens schon eine komplette Objektivsammlung, die sie einfach an ihrer neuen Kamera weiterverwenden wollen, und wenn noch der Kauf eines neuen Objektivs bevorsteht, dann wissen sie in der Regel schon genau, was sie wollen. Verallgemeinernd kann man sagen, dass – mit Ausnahme der Nikon-IX-Objektive aus der wenig glorreichen APS-Ära und einigen "Exoten" (z. B. manche älteren Spiegelobjektive von Nikon) – nahezu jede Linse mit Nikon-F-Bajonett an der D2Xs verwendet werden kann.

Sehr erfreulich für Besitzer älterer Nikkore ist die Tatsache, dass die D2Xs die volle Kompatibilität zu den Objektiven der Ai- und Ai-S-Serie (Non-Ai-Objektive können u. U. auf Ai umgebaut werden) und zu Objektiven ohne Prozessorsteuerung gewährleistet. Denn die D2Xs ist mit einem Blendenabnehmer ausgerüstet, der eine mechanische Übertragung der am Objektiv eingestellten Blende an die Kamera ermöglicht. Sofern man im Aufnahmemenü unter dem Menüpunkt "Objektivdaten" die Lichtstärke und/oder die Brennweite des Objektivs eingegeben hat, funktionieren sogar die Color-Matrixmessung, die Anpassung des Zoomreflektors externer Blitzgeräte, die Anzeige des Blendenwertes an der Kamera (LC-Statusdisplay, Sucher) und in den Bilddaten sowie die Anpassung der Blitzleistung bei Änderung der Blende. Nur die Programmautomatik und die Blendenautomatik fallen weg, da die Blendenübertragung logischerweise nur in einer Richtung (vom Objektiv zur Kamera) geht. Scharf gestellt wird bei Non-AF-Objektiven dann per Hand.

INikon D2Xs [Foto: MediaNord]n den meisten Fällen wird man aber moderne Autofokus-Objektive an der D2Xs verwenden – und zwar bevorzugt solche mit Ultraschallmotorisierung, die eine flüsterleise, extrem präzise (da quasi ohne Nachlaufzeit) und vor allem sehr schnelle Fokussierung ermöglichen. Auf die Gefahr hin, von manchen Lesern jetzt unterstellt zu bekommen, dass wir zu freundlich zu den Originalherstellern wären, wagen wir es zu behaupten, dass die besten Fokussierzeiten mit den original Nikon-Objektiven mit Silent-Wave-Ultraschallmotor erreicht werden bzw. diese Objektive das Geschwindigkeitspotential des Autofokussystems von der D2Xs am besten ausreizen. Herzstück dieses Systems ist das AF-Modul Multi-CAM2000 mit seinen 11 AF-Messfeldern (davon nicht weniger als 9 Kreuzsensoren). Durch die vielen Kreuzsensoren arbeitet der Autofokus der D2Xs bei Hoch- und Querformataufnahmen gleichermaßen gut. In der Praxis – und das können Profi-Fotografen auch bestätigen – stellen die Kameras der D2-Serie (D2H, D2Hs, D2X, D2Xs) selbst unter grenzwertigen Lichtbedingungen wie z. B. in spärlich beleuchteten Sälen schnell und zuverlässig scharf. Die Empfindlichkeit der Kreuzsensoren reicht bis auf -1 LW herunter, und man muss schon lichtschwache Objektive (F5,6 oder schwächer) auf die Kamera montieren, damit der Autofokus anfängt, zögerlicher zu arbeiten.

Die AF-Geschwindigkeit hängt von unterschiedlichsten Kriterien (u. a. Motivkontrast, Anzahl der verwendeten Messfelder, AF-Betriebsart) ab. Man kann aber sagen, dass der Autofokus der D2Xs im Einzelbildmodus (S-AF) atemberaubende Geschwindigkeitswerte erreicht, die z. T. unterhalb der Grenze des von uns derzeit Messbaren (siehe Messwerttabelle) liegen. Bei eingeschalteter Schärfenachführung kann der AF der D2Xs bis zu ca. 50 km/h schnellen Personen oder Objekten quasi im Gleichtakt mit dem Serienbildmodus problemlos folgen, und bei temporeicheren Motiven stellt er immer noch schneller scharf als alles, was wir bisher getestet haben. Vermutlich kann dies nur eine Profi-EOS von Canon übertrumpfen – wenn überhaupt. Laut Nikon ist die Autofokusleistung der D2Xs in Punkto Motiverkennung und Schärfenachführung im Vergleich zur D2X verbessert worden. Mangels Erfahrungswerten mit der D2X müssen wir das Nikon auch einfach so abkaufen. Die dynamische Messfeld- und Messfeldgruppen-Steuerung scheint aber mindestens genauso gut, wenn nicht besser als bei der D200 zu funktionieren; dass die Nikon-Kameras bei wechselndem AF-Messfeld das aktive Feld nicht im Sucher anzeigen, gehört bei Nikon wohl zur Firmenphilosophie und wird bei Amateuren und Profis – je nach Geschmack – unterschiedlich bewertet. Wer gerne das aktive Messfeld angezeigt bekommen möchte, wechselt zu Canon und wer das eher als ablenkend empfindet, bleibt bei oder geht zu Nikon.

Blitz: Weniger eine Frage der Philosophie (auch Profifotografen hätten u. U. Verwendung dafür) als eine Folge technischer Zwänge ist das Fehlen eines eingebauten Miniaturblitzes bei der D2Xs. Bei der Aufstellung des "Lastenhefts" für eine Kamera müssen sich die Hersteller zwischen maximalem Sucherkomfort und Integrierung eines Bordblitzes entscheiden – und bei Profikameras fällt die Entscheidung eindeutig zugunsten eines komfortablen Suchers. Wer mit der D2Xs blitzen will, muss zwangsläufig auf externe Lösungen zurückgreifen. Dabei entscheidet das Anwendungsgebiet, wo man das Blitzgerät an der D2Xs anschließt.

Nikon D2Xs [Foto: MediaNord]Im Studio wird man vorzugsweise auf die PC-Synchronbuchse an der Kameravorderseite zurückgreifen, wo man eine Studioblitzanlage anschließen kann. Bei der Newsfotografie oder anderen Einsätzen, wo man auf die Schnelle und ohne größere Einstellungen möglichst gute Bilder braucht, wird man sich wohl eher für die Benutzung eines dedizierten Systemblitzes entscheiden und diesen auf dem TTL-Blitzschuh der Kamera montieren, wobei man bei der D2Xs sowohl von den neueren iTTL-Blitzen als auch von älteren D-TTL-Geräten Gebrauch machen kann. Ein halbautomatischer Blitzbetrieb im Computerblenden- bzw. A-Modus und ein manueller Betrieb (auf Wunsch mit Teilleistungsstufen) sind für weniger eilige Fotografennaturen natürlich auch möglich. Wer noch keine iTTL-kompatiblen Blitzgeräte zu seiner Ausrüstung zählt, sollte sich die Investition in ein solches zumindest einmal überlegen. Nicht nur dass die iTTL-Belichtungsmessung und -steuerung im vollautomatischen Betrieb die natürliche Lichtstimmung beim Blitzen besser erhält (dank Verwendung derselben 3D-Farbmatrix-Messzelle für das Blitzlicht und das Umgebungslicht können beide Lichtquellen präziser aufeinander abgestimmt werden), aber mit der iTTL-Technologie hält auch das drahtlose TTL-Blitzen Einzug in das Nikon-System. Vor allem mit dem neuen Makroblitzsystem R1C1 bzw. dem Verbund aus Blitzfernsteuerungseinheit SU-800 und Makroblitzgerät(en) SB-R200 eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten der Lichtgestaltung; alternativ oder ergänzend dazu kann man auch noch die Systemblitzgeräte SB-800 und SB-600 in das drahtlose TTL-Blitzsystem mit einbinden.

Geblitzt wird bei der D2Xs mit einer Blitzsynchronzeit von bis zu 1/250 s. Blitz-Sonderfunktionen (die z. T. nur im iTTL-Betrieb verfügbar sind) bietet der Profi-Bolide in Form der Farbtemperaturübertragung, der Blitzbelichtungs-Messwertspeicherung, der automatischen FP-Kurzzeitsynchronisation (für Synchronzeiten von bis zu 1/8.000s bei leicht verringerter Blitzleistung), einer Modellierlicht-Funktion, automatischen Blitzbelichtungsreihen, der Synchronisation auf den 1. oder 2. Verschlussvorhang, einer Blitzbelichtungskorrekturfunktion, einer AF-Hilfslicht-Funktion (bei Verwendung des im Blitzgerät integrierten Rotlicht-Strahlers) und einer automatischen Zoomreflektoranpassung an die eingestellte Brennweite an. Abgerundet wird das Ganze durch die Einteilung der Blitzgeräte in verschiedene Gruppen im drahtlosen iTTL-Betrieb (auf Wunsch auch mit verschiedenen Leistungseinstellungen); der Blitzleistungskorrekturwert kann sogar während des Betriebs für jede Gruppe individuell geändert werden. Die vier verfügbaren Kanäle für die Slave-Steuerung ermöglichen dabei den gleichzeitigen kabellosen iTTL-Blitzbetrieb für mehrere Fotografen am selben Ort – auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass plötzlich noch andere Kollegen ein drahtloses iTTL-Blitzsystem an der gleichen Location aufstellen, doch ziemlich gering ist.

Bildqualität: Wer von einer D2X zu einer D2Xs wechselt, wird beim Betrachten der damit gemachten Bilder seine Kamera u. U. nicht mehr wiedererkennen. Zwar kommen bei der D2Xs derselbe 12,4-Megapixel-Sensor mit 4 Datenkanälen (zum schnelleren "Abtransport" der Bilddaten) und allgemein dieselbe Signalverarbeitungselektronik mit paralleler Bilddatenverarbeitung zum Einsatz, doch Nikon hat die D2Xs im Bezug auf die interne Bildaufbereitung ganz neu abgestimmt. Die Aufbereitung feiner Bilddetails ist deutlich aggressiver Nikon D2Xs [Foto: MediaNord]geworden; u. a. wohl mit dem Ziel, aus älteren Objektiven (die noch für Film gerechnet wurden und in den Fototaschen vieler Profis schlummern) mehr heraus zu holen. Solchen Linsen und auch preisgünstigen Einsteigerobjektiven mit verhältnismäßig (im Vergleich zu hochpreisigen und -wertigen Objektiven) bescheidenen Abbildungsleistungen bekommt das gut, doch bei Objektiven, die schon "von Natur aus" sehr gut sind, können die kameraseitigen Eingriffe in das Bildresultat manchmal zuviel des Guten sein.

So zum Beispiel auch bei der von unserem Testlabor verwendeten Kamera-/Objektivkombination. Zusammen mit dem AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f/2.8G IF-ED erzeugt die D2Xs etwas zu stark aufbereitete Bilder, die sich für eine spätere Nachbearbeitung am Computer nicht mehr so gut eignen. Bei äußerst feinen senkrechten Strukturen zeigen sich zum Beispiel durch eine zu geringe Tiefpassfilterung deutliche Farbartefakte. Bei geneigten Strukturen nahezu jeder Ausrichtung gibt es ausgeprägte Helligkeitsmoirés, während diagonale Strukturen durch das Demosaicing sichtbare Aliasingeffekte und Farbmoirés zeigen. Auf der anderen Seite leisten das Objektiv und der Elektronik/Software-Verbund solch eine konzentrierte Arbeit, dass die Bilder auflösungstechnisch eine hervorragende Homogenität aufweisen. Der Auflösungsverlust von der Bildmitte zu den Bildrändern hin beträgt gerade einmal 2%; auch bei der – allgemein guten bis mittleren – Richtungsabhängigkeit der Auflösung ist die Konstanz der Messwerte von einem Farbkanal zum anderen absolut beeindruckend.

So intensiv wie die Kamera sich feinen Bilddetails "widmet", umso zurückhaltender geht sie an die Bildkanten heran. Zumindest dann, wenn man die Scharfzeichnungsautomatik ausschaltet. In der Neutralstellung (Bildschärfeeinstellung auf "Normal") zeigen die Bilder nahezu keine Scharfzeichnung; Kanten werden relativ weich wiedergegeben. Die Scharfzeichnung ist in allen Kantenausrichtungen gleichmäßig niedrig, wobei an den Kanten teilweise merkliche Farbsäume und eine leichte Überstrahlung auftreten. Pressefotografen, die möglichst gebrauchsfertige Bilder (die direkt in den Druck bzw. ins Layout gehen) abliefern sollen, werden die Schärfeparameter im Menü lieber etwas höher einstellen.

Sehr gering bis extrem gering sind die Vignettierungs- und Verzeichnungswerte bei der D2Xs in Kombination mit dem AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f/2.8G IF-ED. Dadurch, dass das Objektiv auch für den Einsatz an Kleinbildkameras bzw. an zukünftige "Vollformat"-DSLRs (falls die Zukunft bei Nikon doch noch eine solche bringen sollte) konzipiert wurde, nutzt der verhältnismäßig kleine Bildsensor der D2Xs nur das "beste Stück" des Bildkreises, sowie durch die Tatsache, dass das Testobjektiv kein Zoom ist und brennweitenmäßig auch noch im Tele-Bereich angesiedelt ist, erklären sich überwiegend auch die guten Resultate. Abgeblendet ist die Vignettierung praktisch gleich Null (max. 0,02 Blendenwerte Lichtverlust), und die kaum sichtbare Verzeichnung (-0,2% tonnenförmig) macht das Objektiv beinahe reprotauglich.

Nikon D2Xs [Foto: MediaNord]Dass Nikon an der Bildqualität herumgefeilt hat, zeigt sich auch beim Rauschverhalten. Gegenüber ihrer Vorgängerin rauscht die D2Xs bei ISO 100 noch ein gutes Stück weniger, und die Kamera zeigt ein hervorragend niedriges und gleichmäßiges Ergebnis. Es lässt sich noch ein geringes Helligkeitsrauschen feststellen; Farbrauschen liegt hingegen praktisch nicht mehr vor. Praktisch ist die Möglichkeit, bei der D2Xs im höheren Empfindlichkeitsbereich (zwischen ISO 800 und 1.600) die ISO-Werte in Schritten von wahlweise 1/2 oder 1/3 LW einstellen zu können. Da bei Digitalkameras allgemein das Bildrauschen manchmal von Empfindlichkeitsstufe zu Empfindlichkeitsstufe schlagartig ansteigen kann, kann man u. U. durch die wesentlich feinere Empfindlichkeitseinstellung (im Vergleich zur D2X) einen ISO-Wert einstellen, der ein günstigeres Verhältnis zwischen Lichtempfindlichkeit und Bildrauschen bietet. Unverändert bleiben die Werte für die sehr gute Eingangsdynamik (8,7 Blendenstufen) und die gute Ausgangsdynamik (250 Helligkeitsstufen). Die Tonwertwiedergabe ist in den hellen bis mittleren Bildpartien etwas kontrastreicher und in den mittleren bis dunkleren Bildpartien etwas weicher. Wem die (auf eine korrekte Objektwiedergabe abgestimmte und für die anspruchsvolle Bildbearbeitung gut geeignete) Tonwertwiedergabe nicht gefällt, konnte schon bei der D2X eine individuelle Tonwertkurve auf dem Computer erstellen und sie in der Kamera speichern. Bei der D2Xs stehen jetzt gleich drei Speicherplätze dafür zur Verfügung, so dass man sogar im laufenden Betrieb zwischen verschiedenen Tonwertkurven umschalten kann.

Auch bei anderen Parametern, die mehr oder weniger direkten Einfluss auf die Bildqualität haben, kann man durch entsprechende Personalisierungsmöglichkeiten die Werkseinstellung übergehen. Sind zum Beispiel die drei Komprimierungsstufen pro Auflösungseinstellung etwas hoch abgestuft, kann man durch die nützliche Option der Dateigrößenfixierung oder der Qualitätsfixierung den Komprimierungsgrad beeinflussen. Mehr Einstellmöglichkeiten als bei der D2X gibt es bei der D2Xs auf einem anderen Gebiet: So kann man jetzt die AdobeRGB-Farbraumeinstellung mit den 3 Farbmodi (I für Porträtaufnahmen, II für die Nachbearbeitung, III für Natur- u. Landschaftsaufnahmen) kombinieren, während man in der Vergangenheit in dieser Einstellung nur den Farbmodus II auswählen konnte. Die D2Xs gibt Farben allgemein sehr gut differenziert, neutral bzw. originalgetreu wieder.

Noch ein Wort zum AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm f/2.8G IF-ED: Dass es rein messtechnisch nicht ganz so gute Abbildungsleistungen erreicht wie sein Vorgänger ohne Bildstabilisator, hat weniger etwas mit der neuartigen Nanokristallvergütung als mit der für die Bildstabilisation zuständigen "schwebenden" Linsengruppe zu tun. Bei optischen Bildstabilisatoren allgemein (egal ob fest in der Kamera eingebaut oder in einem Wechselobjektiv integriert) erkauft man sich das Vorhandensein einer Stabilisierungseinheit mit leichten Abstrichen in der Abbildungsleistung. Das Ausschalten des Stabilisators bewirkt da auch keine nennenswerte Verbesserung; nur wenn die Kamera auf einem Stativ montiert ist, sollte man – wie von Nikon empfohlen – den Bildstabilisator ausschalten, da es im Stabilisatorbetrieb zu erheblichen Verschiebungen des Bildausschnitts kommt. Und das kann vor allem bei Teilbildern für Panorama-Aufnahmen oder bei Einzelaufnahmen für HDR-Bilder ziemlich kontraproduktiv sein!

Sonstiges/besondere Funktionen: Es erübrigt sich wohl zu schreiben, dass die D2Xs alle wichtigen Funktionen anbietet, die man von einer (digitalen) Spiegelreflexkamera erwarten kann. Selbstverständlich kann man zum Beispiel auf eine Belichtungsreihenautomatik zurückgreifen, über eine Abblendtaste die Schärfentiefe visuell prüfen, eine Spiegelvorauslösungsfunktion einschalten, die Kamera aus der Ferne auslösen, das Okular bei Langzeitbelichtungsaufnahmen verschließen, die Hintergrundbeleuchtung der LCDs aktivieren, die Kamera vom PC (Win/Mac) aus steuern – und die D2Xs bis ins letzte kleine Detail (wie z. B. die Größe des zentralen Messkreises bei der mittenbetonten Integralmessung) parametrieren. Die D2Xs gehört auch zu den wenigen digitalen Spiegelreflexkameras mit eingebautem Mikrofon für Sprachnotizen; natürlich kann man auch alphanumerische Bildkommentare über eine virtuelle Tastatur eingegeben, die Kamera um eine WLAN/WiFi-Bildsendeeinheit (WT-1/1A und WT-2/2A) erweitern und ein GPS-Gerät zur Aufzeichnung der Koordinaten des Aufnahmeortes anschließen.

Neu ist in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, bei der D2Xs die GPS-Daten mit noch präziseren Koordinatendaten (Sekundenanzeige mit bis zu 3 Dezimalstellen) zu speichern und durch Aufzeichnung der Kompassdaten auch noch die Ausrichtung der Kamera bei der Aufnahme mit zu protokollieren. Im Zuge des Generationswechsels hat die D2Xs noch eine Vielzahl weiterer neuer Funktionen mit auf dem Weg bekommen, die bei der D2X noch nicht zu finden waren. Dazu gehören u. a. eine Bildbeschneidungs- bzw. Crop-Funktion, ein Schwarz-Weiß-Modus, eine Erschöpfungsanzeige für den Akku bei eingeschalteter Spiegelvorauslösung Nikon D2Xs [Foto: MediaNord](eine blinkende Selbstauslöser-LED signalisiert, dass die Akkukapazität u. U. nicht für eine Langzeitbelichtung ausreicht) oder noch eine Bildauthentifikationsfunktion. Eine komplette Beschreibung aller neuen Funktionen und Änderungen (im Vergleich zur D2X) finden interessierte Leser in einer ausführlichen digitalkamera.de-Meldung, die sich speziell den Neuerungen widmet (siehe weiterführende Links).

Bildserien kann die D2Xs – wie schon ihre Vorgängerin – mit einer news- bzw. sportkameratauglichen Bildfrequenz von 5 bzw. 8 Bildern pro Sekunde (beides im CH-Modus) aufnehmen. Die Geschwindigkeit ist dabei von der Auflösung bzw. dem verwendeten Bildausschnitt abhängig; nachdem die maximale Bidfolgezahl (siehe Angaben in der Messwerttabelle) erreicht ist, erfolgt keine Zwangspause, sondern löst die Kamera mit mehr oder weniger starkem Einbruch der Bildfrequenz (maßgebend sind die Schnelligkeit der Speicherkarte und die Auslastung des Pufferspeichers) munter weiter. Die höhere Bildfolgerate von 8 Bildern/s wird im so genannten "Highspeed-Bildformat" dadurch erreicht, dass die Bilder in einer geringeren Auflösung (ca. 6,8 Megapixel) aufgenommen werden, indem nur ein Teil der Sensorfläche ausgelesen wird. Der entsprechende Bildausschnitt wird im Sucher angezeigt, wobei die Nutzfläche deutlicher als zuvor bei der D2X vom unbenutzten Bereich "abgetrennt" wird (siehe Testabschnitt "Ergonomie/Verarbeitung"). Mit der D2Xs wird neuerdings auch der Messbereich der 3D-Colormatrixmessung II der genutzten Sensorfläche angepasst. Das war bei der D2X nicht der Fall (der Messbereich entsprach selbst im Highspeed-Bildformat dem vollem Bildausschnitt), so dass der ungenutzte Bildbereich auch in die Belichtungsmessung mit einbezogen wurde und es u. U. zu Fehlbelichtungen kam. Auch wird die D2Xs bei Serienaufnahmen allgemein nicht mehr von einer eingeschalteten Langzeitbelichtungs-Rauschunterdrückung ausgebremst – eine Verbesserung im Vergleich zur D2X, die Profis sicherlich begrüßen werden.

Bei der D2Xs kann man weiterhin über die Individualfunktion d2 festlegen, wie lang eine Bildserie maximal sein darf. Allerdings wurde der einstellbare Maximalwert jetzt von 35 Bildern (D2X) auf 60 Bilder angehoben, so dass man bei Bedarf auch längere Bildserien schießen kann. Was wurde denn noch so bei der D2Xs im Vergleich zur D2X erhöht? Das wäre zuerst einmal die Länge der im Systemmenü einzugebenden Text-Kommentare (von 18 auf 36 Zeichen), die Anzahl der bei der Bildwiedergabe und in den EXIF-Feldern der Bilddatei angezeigten Kameraeinstellungen (u. a. VR, GPS-Daten, individuelle Programmkurve), die Anzahl der Vorgabemöglichkeiten bzw. Grenzwerteinstellungen bei der Belichtung (jetzt mit Verschlusszeitengrenze oder ISO-Lichtempfindlichkeitsstufengrenze) sowie – last but not least – die Kapazität des mitgelieferten Akkus. Letzterer trägt jetzt die Bezeichnung EN-EL4a und besitzt mit 2.500 mAh etwas mehr Reserven als die 1.900 mAh des D2X-Akkus (EN-EL4). Beide Akkus (neu und alt) sind ohne Einschränkungen untereinander austauschbar; ein EN-EL4 von einer D2X kann genauso problemlos in einer D2Xs verwendet werden, wie der EN-EL4a aus der D2Xs auch in einer alten D2X zum Einsatz kommen kann. Selbst die Akkudiagnose funktioniert mit beiden Akkus, wobei natürlich der neue Akku alleine schon wegen der höheren Bildausbeute (zwischen 1.150 und 3.800 Auslösungen je nach Testkonfiguration) einen bevorzugten Platz in der D2Xs finden sollte.

Fazit: Ist es schon schwer genug, irgendwelche Kritikpunkte an einer absoluten Profikamera zu finden, gerät dies bei der zweiten Generation derselben Kamera schon fast zur Unmöglichkeit. Die Nikon D2Xs besitzt de facto auch keine richtigen Schwächen, sondern nur Eigenschaften bzw. Merkmale, die zwar nicht dringend verbesserungsbedürftig sind, aber bei anderen Kameras oder einer imaginären Idealkamera noch perfekter gelöst wären. Die D2Xs beweist jedenfalls, dass man in der "First Class" der Digitalkameras fast alles bekommen kann, was man sich mit entsprechend hohem finanziellen Einsatz wünschen kann; es entscheiden also nicht nur die Ansprüche, sondern auch das Portemonnaie darüber, ob einem eine D2Xs in die Fototasche kommt, oder ob man sich eventuell auch mit einem rangniedrigeren Modell (bei Nikon z. B. der semi-professionellen D200) zufrieden gibt.

Messwerttabelle
Einschaltzeit 0 s (keine wahrnehmbare Einschaltverzögerung)
Brennweitenverstellung
Anzahl Stufen
Zeit Weitwinkel bis Tele
manuell am Objektiv

Autofokus-Geschwindigkeit min. < 0,1 s / ca. 0,15 s / max. 0,3 s (abhängig von Motiv und Aufnahmebedingungen)
Auslöseverzögerung <0,1 s(Herstellerangabe: 37 ms)
Blitz
Leitzahl

Batterielaufzeit > 1.000 Aufnahmen (Herstellerangabe: 1.150 bis 3.800 Aufnahmen)
Speicherzeiten
RAW
JPEG
TIFF

2,1 s (19,3 MByte)
0,4 s (3,0 MByte)
32,7 s (36,5 MByte)
Auslösung während der Speicherung möglich
Serienbilder
Verwendete Auflösung
Geschwindigkeit

Anzahl



mit Blitz

4.288 x 2.848 (3.216 x 2.136 im Highspeed-Bildformat)
bis ca. 5,7 Bilder/s* (Herstellerangabe: ca. 5 B./s) im Standardmodus
bis ca. 8,5 Bilder/s* (Herstellerangabe: ca. 8 B./s) im Highspeed-Bildformat
16-17 Bilder bei RAW/NEF-Aufnahmen im Standardmodus*
22 Bilder bei JPEG/Fine-Aufnahmen im Standardmodus*
28-29 Bilder bei RAW/NEF-Aufnahmen im Highspeed-Bildformat*
38 Bilder bei JPEG/Fine-Aufnahmen im Highspeed-Bildformat*
ja (bei verlangsamter Bildfolgezahl)
* siehe Abschnitt "Sonstiges/besondere Funktionen"
 


Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell D2Xs
Preis ca. 5.070 EUR
Auflösung CCD-
Sensor
12,4 Mio. Pixel
Max. Bildgröße
(Seitenverhältnis)
4.288 x 2.848
3.216 x 2.136
2.400 x 1.600
(HS-Modus)
2.144 x 1.424
1.600 x 1.064
(HS-Modus)
Videoaufnahme
  Auflösungsstufen
  mit Ton
  Videoformat  
  Bildfrequenz
  Aufnahmedauer





Tonaufnahmen
  bei Video
  Sprachnotiz
 

ja (max. 60s)
optischer Sucher
   Dioptrienausgleich
ja
ja
Spiegelreflex ja
LCD-Monitor
  Auflösung
  drehbar
  schwenkbar  
  als Sucher
  verzögerungsfrei

232.000 Pixel



ja
Lichtmessung
  Matrix/Mehrfeld-
 
  Messung
  mittenbetonte 
  Integralmessung
  Spot 
  Multi-Spot
  Messwertspeicher
  (AE-Lock)
 
ja
 
ja
ja

ja
Anzeige der
Belichtungswerte
Sucher,
LC-Statusdisplay
Programmautomatik ja
Blendenautomatik 1/8.000 bis 30 s
in 55 Stufen
Zeitautomatik Blenden-einstellungen abhängig
vom Objektiv
manuelle Belichtung
  Blende
  
 
 
  Verschlusszeit
  
  BULB-Langzeit-
  belichtung

Blenden-einstellungen
abhängig vom Objektiv
1/8.000 bis 30 s
in 55 Stufen
ja
Motivprogramme   –
Automatische
Belichtungsreihen
3, 5, 7 oder 9 Aufnahmen

1/3, 2/3 oder 1 LW
Empfindlichkeit
  automatisch
  
  manuell
 
ISO 100-800

ISO 100, 125,
160, 200, 250,
320, 400, 500,
640, 800,
H0.3 (entspr. ISO 1.000),
H0.5 (entspr. ISO1.100)
H0.7 (entspr. ISO1.250)
H1 (entspr. ISO 1.600)
H2 (entspr. ISO 3.200)
Weißabgleich
  Automatik
  Voreinstellungen
 
 
 
  
  
 
 manuell
 (Weißpunkt-
 speicherung)
 sonstiges
 
ja
Tageslicht sonnig, Tageslicht bewölkt, Schatten,  
Glühlampenlicht, Leuchtstoff-lampenlicht,
Blitzlicht

ja

autom. Weißabgleich-reihen, manuelle Farbtemperatur-eingabe, Weißabgleich-Feinkorrektur
Brennweite
  real
  Kleinbild-äquivalent
  Zoomfaktor
objektivabhängig


Lichtstärke
(Weitwinkel bis Tele)
objektivabhängig
Digitalzoom
Autofokus
  Anzahl Messfelder
  Messfeld-Wahl
  
  Einzel-AF
  kontinuierlicher AF
  AF-Hilfslicht
ja
11
automatisch
und manuell

ja
ja (prädiktiv)
Naheinstellgrenze objektivabhängig
Filtergewinde objektivabhängig
Weitwinkelkonverter*
Telekonverter*
Blitzmodi
  Automatik
  manuell an
  Rote-Augen-Korrektur
  Langzeitsynchron.
  auf 2. Ver-
  schlussvorhang
  Blitzbelichtungs-
 
korrekturfunktion
  
  Slave-Funktion
 
ja
ja
ja
ja
ja
 
+ 1 LW bis -3 LW
in 1/2 oder 1/3 Stufen
drahtlose iTTL-Blitzsteuerung*
Blitzanschluss
  Blitzschuh
 
 
  
  Synchronbuchse
  int. u. ext. Blitz
  gemeins. auslösbar

TTL-Blitzschuh mit Mittenkontakt
und herstellerspez. Kontakten

ja

 
PC-Übertragung
  USB 2.0-Schnitt-
  stelle
  
  USB-Mass Storage   Class-Kompatibilität
  Firewire-Schnittstelle
 
Mini-B-Buchse
(High-Speed-Klasse)

ja

Kompatibilität
  PTP-Bildüber-
tragungsprotokoll
 
ja
Video-Ausgang
   
  PAL
  NTSC
Video-Out-Klinken-
buchse
ja
ja
Akku EN-EL4a
Lithiumionenakku (11,1 V, 2.500 mAh)
Ladezeit: ca. 145 min.,
Aufladung außerhalb der Kamera
Standardbatterien
einsetzbar
Netzeingang 13,5 V
Speichertyp
  CompactFlash
 
Microdrive-
  kompatibel  
 
ja
ja
Selbstauslöser 2, 5, 10, 20 s
Fernauslöser optional
Intervall-Aufnahmen ja
Bildfeineinstellung
  Scharfzeichnung
  Bildkontrast
 
  Farbsättigung

6 Stufen
3 Stufen + 3 eigene Gradationskurven
3 Stufen
Menüsprachen de, en, es, fr, it, nl,
pt, ru, se, jp, cn, ko
Wiedergabe-
funktionen
Index, Diaschau, mehrstufiges Wiedergabe-
zoom, Histogramm-
anzeige, Anzeige der EXIF-Aufnahme-
daten, Anzeige der Lichter und Schatten u.v.m.
Bildeffekte
  Graustufen
  Sepia
  Schwarzweiß
  (2 Bit)
 
ja

Druckfunktionen
  DPOF
  PictBridge
  EXIF 2.2/Print
  Epson Print Image
  Matching II/III
 
ja
ja
ja
k. A.
Rückstellung auf Werkseinstellung ja
Firmware-Update
durch Benutzer
ja
Einschaltzeit 0 s
Einhandbedienung
(Zoom + Auslöser)
Gewicht
(betriebsbereit)
1.328 g
(ohne Objektiv)
 
– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

* optionales Zubehör erforderlich, vom Kamerahersteller angeboten

Kurzbewertung

  • gelungene Modellpflege (umfangreiche Verbesserungen)
  • bis ins letzte Detail durchdachte Bedienung
  • ausgeprägte Robustheit, Tropenschutz
  • fortgeschrittene Erweiterungsmöglichkeiten (GPS, WLAN, Sucherzubehör usw.)
  • höchstes Technologie- und Ausstattungsniveau (markenspezifisch und z. T. auch markenübergreifend)
  • erweiterte Rückwärtskompatibilität zu manuellen Objektiven (Ai, AiS) und älteren Blitzgeräten (TTL, D-TTL)
  • weitreichende Parametrierungs- und Personalisierungs-möglichkeiten
  • nochmals verbesserte Zuverlässigkeit der Systeme für Belichtungsmessung, Blitzsteuerung, Autofokus und Weißabgleich
  • optimiertes Rauschverhalten (im Vergleich zur D2X)
  • sehr schnelle Reaktionszeiten (AF, Auslösung, Einschaltzeit, Serienbilder, Datentransfer usw.) 
  • z. T. redundante Detailaufbereitung (bei Verwendung abbildungsstarker Objektive)
  • zusätzliche Firewire-800-Schnittstelle wünschenswert
  • zusätzlicher SD-Card-Steckplatz wünschenswert
  • z. T. verschlüsselte Weißabgleich-Daten (in NEF/RAW-Dateien)
  • AA/Mignon-Zellen nicht verwendbar (z. B. als Nothilfe)
  • Anbindung der WLAN/WiFi-Sendeeinheit könnte "sauberer" gelöst sein (ohne herausragende Kabel)
  • rudimentärer Lieferumfang (Zubehör + Software)