Praxistest

Nikon D1H und Nikon D1X

2001-04-27 Am 14. Februar hatten wir die neuen Varianten D1X und D1H der digitalen Spiegelreflexkamera Nikon D1 bereits vorgestellt. Jetzt hatte wir die Gelegenheit ein erstes, sehr vielversprechendes Vorserienmodell im praktischen Betrieb auszuprobieren.  (Christopher Adolph)

   Nikon D1X [Foto: Nikon]
 
Als die ursprüngliche Nikon D1 im September 1999 verfügbar war, brachte Sie viel Unruhe in den bis dahin hauptsächlich von Kodak beherrschten Profi-Spiegelreflex-Digitalkameramarkt. Mit knapp 12.000 DM kostete das Basiskit knapp die Hälfte der Konkurrenzmodelle aus dem Hause Kodak, die daraufhin ebenfalls drastisch im Preis gesenkt wurden. Dem Erfolg der Nikon D1 konnte dies aber nichts anhaben. Zwar zeigten sich auch einige Mängel, wie eine leicht flaue Farbwiedergabe sowie Belichtungsausreißer bei Blitzlichtaufnahmen mit dem hauseigenen Systemblitz SB 28 DX, dies war jedoch nur selten ein Grund für die D1-Besitzer, sich von ihrer Kamera wieder zu trennen. Das könnte sich jetzt ändern. Mit den beiden D1-Nachfolgern D1H und D1X hat Nikon zwei Modelle angekündigt, die sicherlich manchen D1-Besitzer schwach werden lassen.

Die H-Version der D1 sucht ihre Zielgruppe im Bereich der Pressefotografie. Sie hat die Auflösung von 2,74 Millionen Pixel beibehalten, steigerte ihre Bildaufnahmefrequenz aber von bisher 3,5 auf jetzt 5 Bilder die Sekunde und kann diese Schussfrequenz sogar 8 Sekunden aufrechterhalten. Erst nach 40 Bildern muss sie also ihren internen Speicher leeren. Im 1/2-RAW-Modus (verlustfrei komprimierte Rohdaten) mit 3,8 MByte großen Bilddateien kann sie immerhin noch 26 Bilder in Folge verkraften. Eine solche Bilddatei benötigt rund zwei Sekunden, um abgespeichert zu werden. Aus ihren physikalischen 2.012 x 1.324 CCD-Senosor-Pixeln resultieren dann 2.000 x 1.312 Pixel Bildauflösung.

Gemeinsamkeiten von D1H und D1X

Sowohl die D1H als auch die D1X bekamen eine digitale 3D-Matrixmessung verpasst, die ihren Ursprung in der Farbmatrixmessung der analogen F5 hat und nun in der digitalen Variante in der Lage ist, einen TTL-Weißabgleich und eine Tonwertkorrektur der Bilddatei vorzunehmen. Das bisher besonders im Schärfungsmodus unangenehme "streifige Rauschen" der mit der D1 bei höheren Nennempfindlichkeiten aufgenommenen Bilder wurde nun ebenfalls behoben. Der oft bemängelten Farbwiedergabe der D1 begegnen die neuen Modelle nun mit einem einstellbaren sRGB-Farbraum, der gerade dann gewählt werden sollte, wenn mehr Toleranz bei variierenden Lichtverhältnissen gefordert ist und/oder kein Farbmanagement vorhanden ist. Weiterhin kann der etwas größere AdobeRGB-1998-Farbraum benutzt werden, der sich besonders anbietet, wenn zur Weiterverarbeitung ein Farbmanagement zur Verfügung steht. Erste Probeaufnahmen mit der D1X zeigten eine deutlich verbesserte Farbwiedergabe.

Digitalkameras sagt man ja gemeinhin eine gewisse Auslöseverzögerung nach, den D1-Modellen mit der derzeit kürzesten Auslöseverzögerung von 58 Millisekunden kann dieser Makel allerdings kaum mehr nachgesagt werden. Mit diesem Wert sind sie nur 0,6 Millisekunden langsamer als ihr analoger Kollege Nikon F5. Der Blitzsteuerung schenkte man aufgrund vieler Praxisprobleme noch einmal besondere Aufmerksamkeit: Neben fünf verschiedenen Blitzsynchronisationen kann dieser zusätzlich in sieben Stufen manuell dosiert werden. Ein Digital-Kleinbildnovum bleiben die 1/500 Sekunde als kürzeste Blitzsynchronisationszeit. Die kürzeste Verschlusszeit liegt bei 1/16.000 Sekunde und ist ein Novum dieser Kameras. Möglich wird sie durch die Kombination aus elektronischem Verschluss und mechanischem Verschlussvorhang.

Auch seitens der Bedienung und Hardware wurden sinnvolle und logische Verbesserungen vorgenommen. Der neue LCD-Monitor besitzt 130.000 Pixel (D1: 114.000 Pixel), zeigt eine 100-Prozent-Bilddeckung und erlaubt das Vergrößern von beliebigen Bildbereichen, womit endlich ein gewisses Maß an Bildschärfekontrolle möglich wird. Dem allgemeinen Problem des kontrastarmen Wiedergabedisplays, das bei starkem Lichteinfall keine Bildbeurteilung mehr zulässt, wurde mit einer weißen LED- Hintergrundbeleuchtung zu Leibe gerückt. Auch eine direkte Bildwiedergabe mittels einer neubelegten Taste im unteren hinteren Bereich der Kamera lässt nun eine Bildindex-Wiedergabe von 4 oder 9 Bildern zu. Dem kleinen unteren LC-Display kann man nun per Individualfunktionen (Custom-Settings) statt der ISO Anzeige auch die Aufgabe des Bildzählwerks zukommen lassen. War es bisher bei der D1 möglich, nach einer kurzen Voransicht bei Einzelaufnahmen das Bild noch vor dem eigentlichen Abspeichern zu löschen, wurde diese Funktion aufgrund von Aussagen vieler Fotografen weggelassen. Eine weitere Bedienungserleichterung hat Nikon nach Muster der Fujifilm FinePix S1 Pro eingebaut: Das Antippen des Auslöseknopfs bringt sie in jeder Bediensituation wieder zurück in den Aufnahmemodus.

Neben der IEE1394-Übertragungsschnittstelle (Firewire) ist nun auch der daneben eingebaute serielle RS232c-Anschluss freigeschaltet. Nun kann man beispielsweise einen GPS Empfänger anschließen und seine Werte in das Dateiprotokoll mit einbinden. Die RAW-Dateien können nun auch von Photoshop aus geöffnet werden, die Bearbeitung bleibt aber weiterhin der neuen Nikon Software Capture 2.0 vorbehalten. Nach einer Verbesserung der Microdrivetechnik bei den 512-MByte- und 1-GByte-Modelle gibt Nikon nun auch diese beiden Typen für die neuen D1-Varianten frei. Ausgeschlossen sind aufgrund ihres höheren Stromverbrauchs aber weiterhin die 340-MB-Modelle älterer Bauart mit höherer Umdrehungszahl und höherer Stromaufnahme.

D1X mit hoher Auflösung

Das "X" stand im Hause Nikon schon immer für eine Verbesserung, ob nun im analogen Bereich mit der F90 zur F90X oder wie hier mit der D1 zur D1X. Durch das kleinere Formates (15,6 x 23,7 mm) gegenüber eines 35 mm Kleinbildformats (24 x 36 mm) ergibt sich nach wie vor eine 1,5-fache Brennweitenverlängerung. Die vertikalen CCD-Elemente wurden von 2.012 auf 4.024 verdoppelt, die horizontale Zeilenanzahl aber blieb mit 1.324 identisch. Das Seitenverhältnis der gesamten lichtempfindlichen Fläche der CCD beträgt weiterhin 3:2, durch die rechteckige Form im Seitenverhältnis 2:1 der einzelnen Pixel des CCD-Elements entsteht ein Ungleichgewicht zwischen der vertikalen und horizontalen Auflösung. Um dieses Missverhältnis wieder zu korrigieren, haben sich die Nikon-Ingenieure entschlossen, den Bildprozessor und seine Anti-Alaising-Alogrithmen so auszulegen, das er die horizontalen die Auflösung auf 3.009 Pixel (Faktor 0,75) umzuskalieren und gleichzeitig die vertikale Auflösung auf 1.960 Pixel (Faktor 1,5) zu erweitern. Resultat dieser Methode ist wieder eine ausgewogene Ausgabebilddatei mit 3.008 x 1.960 Pixeln (Seitenverhältnis 3:2). Dadurch erhält man aber eine Bilddatei mit einer Ausgabeauflösung von 5,9 Megapixeln. Eine Interpolation im klassischen Sinne stellt dies nicht dar, dies aber gänzlich zu beweisen würde in die höhere Mathematik führen und mindestens zwei weitere DIN A4-Seiten füllen. Tatsache ist: Es funktioniert! Die so errechnete Auflösung ist vergleichbar mit einem konventionellen Bildsensor mit rund 3.000 x 2.000 "normalen" quadratischen Pixeln.

Da diese Auslesung der CCD-Elemente in vertikaler Richtung erfolgt, konnte die Auslesegeschwindigkeit der D1-CCD beibehalten werden (Auslesezyklen bleiben identisch). Einzig die Bildfrequenz leidet etwas unter der größeren Datenmenge. Die D1X kann immerhin noch 3 Bilder pro Sekunde aufzeichnen und hält dies im JPG-Format drei Sekunden, im 1/2-RAW-Format zwei Sekunden lang durch. In letzterem Fall sind es dann aber immerhin 45,6 MByte, die der interne Speicher zu verschieben hat, denn ein Bild im Rohdatenformat hat eine Größe von 7,6 MByte. Durch die Teilung der CCD-Elemente und damit verbundene Halbierung der lichtempfindlichen Fläche halbierte sich auch die maximale Nennempfindlichkeit von ISO 1600 auf ISO 800. Bei der D1X lassen sich nun die Empfindlichkeiten von ISO 125 bis ISO 800 mittels Knopfdruck auf der Oberseite und gleichzeitigem drehen am Einstellrad in 1/3, 1/2 und ganzen LW-Schritten einstellen.

Da es sich bei dem uns vorliegenden Gerät noch um ein Vorserienmodell handelt, ist es für letztendliche Farbaussagen und Aufnahmen von Testtafeln noch zu früh. Am Handling und an den Qualitätsaussagen zur Auflösung wird sich jedoch bis zum endgültigen Serienprodukt nichts Wesentliches mehr ändern. Die 5,47 bzw. 5,9 Megapixel der D1X erlauben nun auch DIN A3-Ausdrucke mit 200 dpi. Damit ist eine Qualitätsstufe erreicht, die bei geeigneter Weiterverarbeitung einen Großteil der bislang analogen Fotoarbeiten ersetzt. Nikons Techniker haben im zweiten Anlauf eine sinnvolle Evolution hinsichtlich der Bedienung und fast schon eine Revolution in puncto Qualität erreicht. Wenn Sie möchten, schauen Sie sich unsere Beispielbilder an. Diese wurden zur Verringerung der Dateigröße mit Adobe Photoshop 6.0.1 als JPEG in Qualitätsstufe 8 komprimiert, sind sonst aber unbearbeitet.


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