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Steckbrief
Hersteller Nikon
Modell Coolpix S9100
Preis ca. 270 EUR
Sensor Auflösung 12,1 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.000 x 3.000
(Seitenverhältnis) 4:3
Objektiv F3,5-5,9/25-450mm
Filtergewinde
Sucher
  Dioptrienausgleich
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 921.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang AV und HDMI, je PAL/NTSC
Programmautomatik ja
Blendenautomatik
Zeitautomatik
manuelle Belichtung
  BULB-Langzeit-
  belichtung
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 11
Belichtungsmessung   Mehrfeld, mittenbetont Integral
Blitz ja
  Blitzanschluss
Fernauslöser
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MMC
Videomodus
  Format MOV
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz
30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 160-3.200
  erweitert
  manuell ISO 160-3.200
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Blitz
  Manuell
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
9
  AF-Hilfslicht ja
  Geschwindigkeit ca. 0,2-0,9 s
Sprachen Deutsch
  weitere 25
Gewicht
(Betriebsbereit)
215 g
Zoom
  Zoomverstellung Wippe
Einhanbedienung
(Zoom und Auslöser)
ja
Auslösung während d. Speicherns mögl.
Akkulaufzeit ca. 270 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Riesiger Zoombereich
  • Brillantes Display
  • Gute Verarbeitung
  • Sehr kompakte Abmessungen
  • Langsamer Autofokus im Telebereich
  • Sichtbare Unschärfe im Telebereich
  • Lange Startverzögerung bei Videoaufnahmen

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 90 %
Ausstattung 12,5 % 87 %
Handhabung 12,5 % 88 %
Geschwindigkeit 12,5 % 81 %
Bildqualität 50,0 % 81 %
Gesamtnote 83 %


Kompakttest

Nikon Coolpix S9100

2011-07-12 Die Symbiose aus Superzoom- und Kompaktkamera hat zur Gattung der Reisezoomkamera geführt. Mit der Coolpix S9100 bringt Nikon eine Kamera dieser Art auf den Markt. Sie bietet mit 18-fachem Brennweitenbereich mehr als genug Spielraum und ist dabei äußerst kompakt. Die Coolpix soll vor allem trendy und einfach zu bedienen sein. Deshalb gibt es sie sogar in einem knalligen Rot, verzichtet weitgehend auf manuelle Funktionen und erledigt alle Einstellungen selber. Ob sie auch mit der Bildqualität überzeugen kann untersuchen wir in diesem Test.  (Stefan Meißner)

Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung  Die Farbe der von uns getesteten S9100 ist schon sehr auffällig. Vom Kameragehäuse bis hin zum Objektivtubus ist die Coolpix nahtlos in ein leicht changierendes Rot mit Tendenz ins Pinke gekleidet. Natürlich gibt es auch dezentere Farben (Anthrazit und Schwarz), aber das Besondere ist die rote Variante. Das flache Gehäuse passt bequem in eine Handfläche und hat fast keine hervorstehenden Elemente. An der dicksten Stelle, dem Objektivansatz, ist die Nikon etwa 33 Millimeter, ansonsten nur 25 Millimeter dick. Der rechten Hand gibt eine kleine Kante auf der Vorderseite etwas Halt, der Daumen stützt sich derweilen auf eine genoppte Fläche auf der Rückseite. In direkter Nachbarschaft der Noppenfläche sitzt der Auslöser für Videoaufnahmen. Da dieser Auslöser etwas versenkt wurde, ist versehentliches Starten der Aufnahme nahezu ausgeschlossen.

Fast dreiviertel der Rückseite belegt das 7,5 Zentimeter  große Display, das zwar fest verbaut ist, aber mit 921.000 Bildpunkten Systemkameraniveau liefert. Bei sehr schrägem Einblick ist ein leichter Helligkeitsabfall zu bemerken, ansonsten zeichnet das Display aber sehr detailliert und brillant. Es gehört ohne Zweifel zu den Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]besten in der Kompaktkamera-Klasse. Ein daumenbreiter Streifen rechts neben dem Display genügt, um die Vier-Wege-Wippe mit Drehring und die weiteren Tasten unterzubringen. Direkt darüber, auf der Oberseite der Kamera, befindet sich der Moduswähler mit acht Positionen. Alle Taster sind deswegen sehr gut mit dem Daumen zu erreichen und die Bedienung geht fix von der Hand. Die Menüs der Coolpix sind gut lesbar und enthalten nur diejenigen Einträge, die bei der aktuell gewählten Betriebsart notwendig sind. Daher sind sie nie zu lang und auch für Einsteiger gut überschaubar.

Über das mit einer Metallschale verkleidete Gehäuse sind drei Klappen verteilt: An der rechten Seite gibt es eine einfache Abdeckung aus Kunststoff für die HDMI-Buchse und in gleicher Qualität auf der Unterseite eine für den kombinierten USB/AV-Anschluss. Dem Akku- und Speicherkartenfach aber hat Nikon eine korrekt mit einem Scharnier befestigte und ordentlich verriegelte Abdeckung spendiert. Das Stativgewinde aus Metall ist deutlich neben der optischen Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]Achse an der linken Außenkante angebracht. Das hat aber nicht nur Nachteile, denn so können Akku und Speicherkarte selbst mit angesetzter Schnellwechselplatte  gewechselt werden.

Neben dem Moduswähler auf der Oberseite liegt griffgünstig für den Zeigefinger der zweistufige Auslöser für Fotos und der gegen versehentliches Betätigen versenkte Hauptschalter. Kurz gedrückt fährt das Objektiv in Position und die Kamera ist binnen zwei Sekunden aufnahmebereit. Mit dem Zoomhebel lässt sich die Brennweite recht feinfühlig in zwei Geschwindigkeiten einstellen, allerdings nicht ganz verzögerungsfrei. Das kann im Fotoalltag etwas lästig sein, wenn man den richtige Ausschnitt exakt einstellen will.

Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]Die S9100 ist weitgehend automatisiert, dennoch muss das Blitzgerät mit einem kleinen Schieber an der linken Gehäuseseite manuell ausgeklappt werden. Das durchbricht leider unnötig das Konzept des Vollautomaten, zumal das Blitzerchen trotz Klappmechanismus sehr eng am Objektiv sitzt. Zum Glück befindet es sich aber an der linken Seite, so dass es nie Gefahr läuft, von Fingern verdeckt zu werden. Insgesamt macht die Nikon einen hochwertig verarbeiteten Eindruck, so dass auch bei festem Zupacken nichts knarzt oder wackelt.

Ausstattung Die Coolpix S9100 ist für die bequeme vollautomatische Fotografie konstruiert. Ein Gerät, das alles Notwendige für unbeschwerten Fotospaß enthält und möglichst unter allen Bedingungen von Technik unbelastete Bilder ermöglichen soll. So ist es nicht verwunderlich, dass Nikon konsequent jede manuelle Einstellung weggelassen hat. Der Moduswähler enthält acht Positionen, die alle Varianten der Automatik abdecken. Neben der Voll- und Szeneautomatik auch solche, die bei anderen Kameras umständlich über das Menü eingestellt werden müssen. Dazu gehört zum Beispiel die High Speed Funktion, bei der im Menü die Bildfrequenz (bei verminderter Auflösung) auf 120 oder 60 Bilder pro Sekunde eingestellt werden kann. Außerdem gibt es eine "Preshot" genannte Funktion, die schon bei der ersten Auslösestufe Bilder aufzeichnet und Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]dadurch dem Auslösefinger ein paar Aufnahmen voraus eilt. Der Fotograf verpasst auf diese Weise seltener den richtigen Moment. Ähnlich funktioniert die Einstellung "Best Shot", bei der die Kamera aus einer Serie dasjenige Foto aussucht, das am gelungensten ist. Natürlich entscheidet die Kamera nur anhand technischer Aspekte wie Schärfe, Verwacklung und Belichtung. Die gestalterische Komponente obliegt zum Glück nach wie vor dem Fotografen. Eine andere Position stellt die Kamera im Nu auf Nachtaufnahme oder Nachtportrait ein. Nicht ganz konsequent ist, dass hierbei der Fotograf bei Bedarf selbst an das Zuschalten des Blitzes denken muss. Immerhin weist eine Displaymeldung darauf hin.

Der Autofokus arbeitet in Weitwinkelstellung recht flott und sicher, im Telebereich sucht er zuweilen etwas länger nach dem Schärfepunkt. Bei zusätzlich schlechten Lichtverhältnissen wird das noch schwieriger. Dann ist ein ständiges Zirpen vernehmbar, als ob der AF nie zur Ruhe kommt. Ein kleines Ausstattungsmanko ist die fehlende Spotmessung. Zwar kann von Mehrfeld- auf Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]mittenbetonte Messung umgeschaltet werden, allerdings reicht das für manche Motive nicht aus. Will man zum Beispiel den Mond fotografieren, hat die S9100 nicht nur Schwierigkeiten die Schärfe zu finden, sondern auch die korrekte Belichtung wird zum Glückstreffer. Allerdings wäre für die anvisierte Zielgruppe eine Spotmessung vielleicht auch verfehlt.

Im Videomodus bietet die Nikon nicht nur Aufnahmen in FullHD, sondern auch eine ganze Reihe weiterer Videomodi. Besonders interessant ist die Möglichkeit, Hochgeschwindigkeitsaufnahmen mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde zu schießen. Bei einer Auflösung von 320 x 240 Bildpunkten erhält man eine etwa achtfache Zeitdehnung. Bei höherer Auflösung verlangsamt sich die Aufnahmefrequenz allerdings. In normaler Geschwindigkeit, das heißt bei 30 Bilder pro Sekunde, zeichnet die Nikon in 1.920 x 1.080 Pixel auf. Das Bild wird im Gegensatz zu Fotos nur elektronisch stabilisiert, was aber recht ordentlich funktioniert. Dabei steht der gesamte Zoombereich zur Verfügung, wobei die Zoomgeschwindigkeit reduziert wird. Der Autofokusmotor arbeitet genauso geräuscharm wie der Zoommotor, so dass kaum Störgeräusche auf der Aufnahme zu erwarten sind. Allerdings plagen das AF-Modul dieselben Probleme wie bei Fotos, denn in den langen Brennweiten findet es die Schärfe nur zögerlich. Einen kleinen Wermutstropfen liefert der Videoauslöser: Es vergeht nach dem Drücken eine sehr lange Sekunde, bis die Aufnahme startet. Das Sucherbild ist in dieser Zeit schwarz, was dazu führen kann, dass der Bildausschnitt verloren geht. Alles in allem ist die Nikon Coolpix S9100 aber für das Video zwischendurch gut geeignet.

Bildqualität Die Nikon Coolpix S9100 durfte sich im neuen digitalkamera.de-Testlabor bewähren. Die ausführlichen Ergebnisse mit verständlichen, detailreichen Diagrammen sind gegen eine kleine Gebühr erhältlich (siehe weiterführende Links). Der riesige Zoombereich von umgerechnet 25 mm bis 450 mm fordert seinen Tribut. Geht die Auflösung im Weitwinkel und leichtem Tele noch in Ordnung, so sackt sie am langen Ende bedenklich ab. Besonders der Schärfeverlust zu den Rändern hin ist deutlich. Von 45 Linienpaaren pro Millimeter (LP/mm, verglichen mit einem Kleinbildsensor) geht die Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]Auflösung auch bei der kurzen Brennweite zum Rand hin auf gut die Hälfte herunter. Bei maximaler Brennweite ist selbst die Bildmitte nur für 29 LP/mm gut, wobei der Rand auf 20 LP/mm sinkt. Teleaufnahmen wirken daher in der Praxis deutlich weichgezeichnet. Was Portraits womöglich zugute kommt ist bei Landschafts- und Architekturaufnahmen hingegen sehr störend.

Die Randabdunklung und die Verzeichnung hingegen hat Nikon ausgezeichnet in den Griff bekommen. Nahezu über das gesamte Bildfeld und den gesamten Brennweitenbereich sind kaum Fehler dieser Art feststellbar. Allerdings hat Nikon zumindest die Verzeichnung per Software ausgeschaltet, denn im Videobetrieb sind deutlich kissenförmige Rundungen erkennbar. Offenbar ist der verbaute Prozessor nicht in der Lage, seine Arbeit 30 Mal in der Sekunde zu erledigen. Besonders störend ist das aber im bewegten Bild nicht. Düster sieht es wieder bei der chromatischen Aberration, also den Farbsäumen aus. Hier ist der Fehler ebenfalls besonders an den Rändern und im Telebereich auffällig. Auch das führt sicherlich zum mäßigen Schärfeeindruck, den die Fotos machen.

Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]Das Rauschen geht bei der S9100 bis ISO 400 voll in Ordnung, darüber wird es mit jeder Stufe deutlicher. Das besonders störende Farbrauschen jedoch hat Nikon bis in die hohen ISO-Werte gut in den Griff bekommen. Auch bei der Eingangsdynamik gibt es nichts zu meckern, fast zehn Blendenstufen bis zu ISO 800 sind gute Werte. Aber auch In den höchsten Empfindlichkeiten bleibt der Dynamikumfang bei deutlich über acht Blenden. Die Farbwiedergabe ist ebenfalls gut gelungen. Zwar neigt die Coolpix etwas zur Übertreibung, stellt Farben also etwas bunter dar als sie sind. Das kommt aber dem breiten Geschmack sehr entgegen. Der Weißabgleich ist ausgezeichnet und gibt keinen Anlass zur Kritik.

Bei der Auslöseverzögerung spaltet sich das Bild. Im Weitwinkel schafft die S9100 schnappschusstaugliche 0,23 Sekunden inklusive Fokussieren, im Tele allerdings gönnt sie sich fast eine Sekunde. Viel zu lang für schnelle Schüsse. Was die Praxis schon ahnen ließ (siehe weiter oben im Text) wird durch unsere Labormessung bestätigt: Es ist nicht der Verschluss, der für die Verzögerung sorgt, sondern der Autofokus. Vorfokussiert erreicht die Nikon Coolpix S9100 [Foto: MediaNord]Nikon nämlich gleich kurze Werte in beiden gemessenen Brennweiten.

Wider alle Erwartung leistet der kleine Ausklappblitz erstaunliches: Der Belichtungsverlust zum Rand hin hält sich in Grenzen, nur in den äußersten Ecken sind über eine Blende Lichtverlust zu beklagen. In der Praxis dürfte das kaum auffallen. Die Bildqualität ist für eine Kamera mit einem derart großen Brennweitenbereich so, wie man sie erwartet. Allzu tief hineinzoomen in die Fotos sollte man am Bildschirm nicht und Vergrößerungen über 20 x 30 cm sollten aus entsprechend vergrößertem Abstand betrachtet werden. Beachtet man diese Einschränkungen, kann die S9100 als Reisebegleiter mit riesigem Brennweitenbereich überzeugen.

Fazit Für Fotografen, die sich nicht oder nur gelegentlich um die technischen Aspekte der Fotografie kümmern wollen, ist die Nikon Coollpix S9100 recht gelungen. Alle Automatiken funktionieren problemlos, die Bilder sind auf dem hervorragenden Display gut anzuschauen und der extreme Zoombereich lässt keine Wünsche offen. Auch im Videobetrieb macht die Nikon eine brauchbare Figur, wäre da nur nicht die lästige Startverzögerung. Zu Wünschen übrig lässt der Autofokus im Telebereich. Fast eine Sekunde bis zum Schuss sind einfach für Schnappschüsse zu lang. Wer hingegen auf Reisen eine ultrakompakte, zoomstarke Automatikkamera dabei haben will und auf spitzen Bildqualität verzichten kann erhält eine gut verarbeitete Kamera in schickem Design.


Weiterführende Links