Kompakttest

Leica X Vario

2014-04-30 Die X-Serie von Leica hat mit der X Vario Zuwachs bekommen. Die Zutaten fest verbautes Objektiv, APS-C großer Sensor mit angemessenen 16 Millionen Pixeln und äußerst solides Gehäuse sind geblieben. Wie der Name schon andeutet, hat Leica der X Vario allerdings ein Zoomobjektiv spendiert, das den am häufigsten benutzten Brennweitenbereich von verglichen mit Kleinbild 28 bis 70 Millimeter abdeckt. Da das Objektiv fest verbaut ist, handelt es sich eigentlich um eine Kompaktkamera, allerdings ist die neue Leica alles andere als kompakt. Was in ihr steckt haben wir gründlich in der Praxis und in unserem Testlabor untersucht.  (Stefan Meißner)

Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die Leica X Vario ist für eine Kompaktkamera ein echter Klotz. Schon beim Herausschälen aus der sehr gediegenen Verpackung überraschen das hohe Gewicht und die beachtliche Größe. Da sind etliche Systemkameras kompakter. Das sehr schlichte und zurückhaltende Äußere erinnert stark an das Design der M-Leicas, nur dass die Front ohne Bedienelemente und natürlich auch ohne den Messsucher vollkommen glatt daher kommt. Aufgrund der Größe bietet sie auch einer kräftigen Männerhand genügend Grifffläche und auf der Rückseite gerät kein Schalter in Gefahr, vom breiten Daumen versehentlich gedrückt zu werden. Dennoch ist die Haltung wegen der fehlenden Griffwulst ein wenig verkrampft, denn immerhin müssen aufnahmebereit 640 Gramm festgeklammert werden. Die Leica X Vario will also ordentlich angepackt werden und das kann man auch ohne Reue tun. Nichts knarzt oder knackt, die Belederung ist recht rutschsicher und fühlt sich gut an, und die Drehschalter wirken solide und rasten sicher.

Ein wenig Kritik gibt es trotzdem: Die Kreuzwippe rechts neben dem Display ist aus billig wirkendem Kunststoff und deren Mikroschalter machen ebenfalls einen minderwertigen Eindruck. Das ist einer Leica unwürdig. Die Schalter auf der linken Seite hingegen sind immerhin normaler Standard und auch die Mechanik des kleinen Ausklappblitzes kann überzeugen. Der Auslöser hat vielleicht einen etwas zu langen Weg bis zum ersten Druckpunkt, was sich aber nach kurzer Eingewöhnung als unproblematisch erweist. Der Videoauslöser ist das genaue Gegenteil. Er versteckt sich zwischen Fotoauslöser und dem Blendenrädchen und hat einen sehr kurzen Auslöseweg. Aber auch das ist nur eine Frage der Gewöhnung. Angenehm solide fallen die Klappen aus, auch wenn sie nicht besonders gegen Schmutz und Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]Spritzwasser schützten. Die Abdeckung von USB- und HDMI-Buchse auf der rechten Seite wird von einer Feder geschlossen gehalten, die Akku- beziehungsweise Speicherkartenabdeckung ist mit einem Hebel gesichert. Leider sitzt das Stativgewinde nicht in der optischen Achse und außerdem direkt am Scharnier des Akkufachs, so dass auf dem Stativ kein Zugang zu Akku und Speicherkarte möglich ist. Bei dieser Gehäusegröße ist das schon etwas verwunderlich. Das Gehäuse der X Vario und deren Verarbeitung kann in der Summe aber voll überzeugen.

Der Hauptschalter am Fotoauslöser aktiviert in der ersten Position den Einzelbildmodus, in der zweiten den Serienbildmodus. Das Ganze ist etwas leichtgängig, so dass man versehentlich häufig den Serienmodus erwischt. Ansonsten ist die Bedienung denkbar unkompliziert: Mit zwei Drehschaltern auf der Oberseite werden Blende und Zeit eingestellt. Beide Schalter haben eine Automatikposition. Auf diese Weise kann der Fotograf entweder beide oder jeweils einen Parameter der Kamera überlassen, oder beide Werte selber einstellen. Logischer, einfacher und selbsterklärender kann man Programm-, Blenden-, Zeitautomatik und manuelle Bedienung kaum kombinieren. Ebenso funktioniert auch die Entfernungseinstellung: Der Schärfering beginnt bei 30 Zentimeter und lässt sich feinfühlig und geschmeidig bis Unendlich drehen. Einen kleinen „Knacks“ weiter gedreht gibt es auch hier eine A-Position, die den Autofokus aktiviert. Das Prinzip „entweder automatisch oder manuell“ hat hier allerdings einen großen Nachteil, denn der Fotograf kann nicht manuell in den Autofokus eingreifen. Leica hat damit eine tolle Chance vertan, die bei Kameras für erfahrene Fotografen eigentlich selbstverständlich ist. Immerhin ist das Prinzip konsequent: Alle Rädchen auf A ergibt den Vollautomaten, über den der Fotograf je nach Vorlieben und Bedarf Stück für Stück die Kontrolle zurück erobern kann.

Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]Das Verschlusszeitenrädchen lässt in ganzen Blendenstufen rastend Zeiten von einer Zweitausendstel Sekunde bis zu einer Sekunde zu. Für längere Belichtungszeiten kann die Sekunden-Position mit Hilfe eines kleinen Daumenrädchens ebenfalls in ganzen Blendenstufen auf bis zu 30 Sekunden verlängert werden. Leider vergisst die Kamera längere Zeiten sowohl beim Verstellen des Zeitenrades als auch beim Ausschalten, so dass man immer wieder bei einer Sekunde startet. Macht nichts, denn bei diesen Zeiten ist man sowieso mit Bedacht und Stativ unterwegs. Der Verschluss sitzt als Zentralverschluss im Objektiv und kann deshalb den Blitz mit jeder Zeit synchronisieren. Er ist obendrein theatertauglich leise und erschütterungsarm. Das Blendenrädchen rastet in Drittelstufen wie es sich gehört. Die fünf Bedienknöpfe links vom Display sind schnell erklärt: Wiedergabe, Löschen, Weißabgleich, Empfindlichkeit und Menü haben jeweils eine eigene Taste, mit der Löschtaste kann im Aufnahmebetrieb das Fokusfeld eingestellt werden. Das Menü ist recht übersichtlich, was nicht zuletzt an der Beschränkung auf die wichtigsten Funktionen liegt. Auf insgesamt fünf Bildschirmseiten mit je acht Einträgen können alle notwendigen Einstellungen vorgenommen werden. Ein Schnellmenü gibt es nicht, das ist aber bei den wenigen Funktionen auch nicht unbedingt notwendig. Dafür lassen sich über die Kreuzwippe Selbstauslöser, Belichtungskorrektur und Blitzfunktionen direkt einstellen.

Das fest verbaute Display wirkt am breiten Rücken der Leica nicht übermäßig groß, obwohl es mit seiner Diagonale von fast acht Zentimetern und über 900.000 Bildpunkten zum gehobenen Segment gehört. Es ist hell, brillant und scharf, aber nicht berührungsempfindlich (kein Touch-Display). Es zeigt das Motiv etwas blass an aber durchaus so, wie es auch in der Datei gespeichert wird. Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]Einblenden lassen sich ein Histogramm, verschiedene Gitter und natürlich alle wichtigen Belichtungsparameter. Für Fotografen, die lieber mit einem Sucher arbeiten, gibt es als Zubehör einen elektronischen Sucher, der zum stolzen Preis von rund 400 Euro 1,4 Millionen Bildpunkte auflöst. Dieser ist technisch baugleich mit dem Aufsteck-Videosucher von Olympus, der zu den Besten seiner Art gehört.

Im praktischen Einsatz erwies sich die Leica X Vario als etwas träge. Zwar ist die Kamera zügig aufnahmebereit, der Autofokus benötigt aber schon deutlich länger als in dieser Kameraklasse üblich. Etwas nervig wird es dann bei der Wiedergabe: Beim Blättern zwischen gespeicherten Bildern vergeht fast ein Sekunde, bis das Foto angezeigt wird.

Ausstattung Die Vario-Leica ist eine Fotografiermaschine für Puristen. Vergeblich sucht man deshalb nach Motivprogrammen oder gar Effekten. Programm-, Blenden- oder Zeitautomatik und manuelle Einstellung sind möglich – mehr nicht. Die von der Programmautomatik vorgeschlagene Blenden-Zeit-Kombination kann mit dem kleinen Daumenrädchen verschoben werden und selbstverständlich kann man jederzeit in die Belichtung eingreifen. Ein Druck auf die Belichtungskorrektur der Kreuzwippe und ein Dreh am Daumenrädchen, und schon können Korrekturen von bis zu 3 Blenden in beide Richtungen eingestellt werden, was auch auf dem Display sofort sichtbar wird. Mit mehrmaligem Druck schaltet man zwischen Belichtungskorrektur, Belichtungsreihe und Blitzkorrektur um. Belichtungsreihen sind in drittel Stufen mit ebenfalls +/- 3 Lichtwerten möglich. Das dürfte selbst für die meisten HDRs ausreichen. Allerdings müssen diese am Computer nachträglich zusammengesetzt werden, denn die Leica bietet keine HDR-Automatik. Auch eine Panorama-Automatik sucht man vergebens, ebenso wie die bei neuen Kameras unvermeidbare WiFi- und GPS-Funktionalität. Kein Problem, denn wer diese Kamera kauft, hat mit solchen Spielereien sowieso nichts im Sinn. Immerhin kann das Bildergebnis in Schärfe, Kontrast und Farbsättigung vielfältig nach persönlichen Vorlieben beeinflusst und zusammen mit weiteren Aufnahmeparametern in vier Benutzerprofilen abgelegt werden. Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]So kann der Fotograf seine oft genutzten Einstellungen bequem abrufen. Leider kann man Fotos nicht nachträglich in der Kamera bearbeiten, außer Löschen und Sperren von Aufnahmen bietet die Leica X Vario nichts.

Die ISO-Automatik regelt auf Wunsch die Empfindlichkeit in Abhängigkeit einer Belichtungszeitgrenze, die der Fotograf zwischen 1/8 und 1/30 Sekunde wählen kann. Dabei reicht die automatische Empfindlichkeit bis ISO 6.400, manuell geht es noch knapp eine Stufe höher auf ISO 12.500. Reicht das Licht dennoch nicht, kann der eingebaute Blitz von Hand ausgeklappt werden. Er ermöglicht alle gängigen Modi wie Automatik, Aufhellblitz, beides mit und ohne Vorblitz, Aufhellblitz mit langer Belichtung und eine hochtrabend „Studio“ genannte Funktion, mit der Sklavenblitze eines Fotostudios kabellos gezündet werden können. Das darf allerdings nicht mit einer echten Fernsteuerung verwechselt werden, die andere Kameras für ihre Systemblitze bieten. Der Bordblitz ist etwas schwach auf der Brust, Leica gibt Leitzahl 5 bei ISO 100 an. Immerhin ist die Ausleuchtung bis in die Ecken recht ordentlich. Wem das nicht reicht, kann selbstverständlich über den Zubehörschuh einen externen Blitzer anschließen.

Der Autofokus der Leica X Vario gehört nicht zu den schnellsten. Bei unserer Labormessung vergingen am langen Ende fast 0,7 Sekunden bis zum Schuss. Auch in der Praxis fiel der Autofokus durch häufiges Pumpen auf. Insbesondere bei etwas schlechteren Lichtverhältnissen schlug die Scharfeinstellung fehl, was die Kamera mit einem Tonsignal und rotem Fokusfeld quittierte. Ein manuelles Nachregeln würde diesen Mangel schnell vergessen machen. Leider muss, wie im Abschnitt „Ergonomie“ schon beschrieben, zum Nachregeln die Automatikposition verlassen werden. Dadurch beginnt man beim Scharfstellen immer bei Unendlich, was insbesondere bei Nahaufnahmen sehr störend ist. Die insgesamt 11 Fokusfelder können in Gruppen von bis zu neun Feldern automatisch ein scharf zu stellendes Objekt finden. Leider konzentrieren sie sich zu sehr auf die Bildmitte. Sollen Objekte am Bildrand fokussiert werden, wird besser auf Einzel-AF umgestellt. Etwas umständlich kann nach einem langen Druck auf die Fokustaste mit Hilfe der Kreuzwippe das Feld fast an den Rand verschoben werden. Wenn ein kleines Objekt exakt fokussiert werden soll, ist die Spot-AF-Funktion hilfreich, die ein sehr kleines Fokusfeld bietet. Auf Wunsch kann auch eine Gesichtserkennung aktiviert werden, die am besten frontal funktioniert. Bei wenig Licht hilft ein oranges Hilfslicht dem AF auf die Sprünge.

Der Leica-Fotograf stellt aber wahrscheinlich sowieso lieber manuell scharf, und da hat die X Vario unbestreitbar Vorteile: Der Schärfering läuft sehr geschmeidig und überträgt die Steuerdaten, als wäre er mechanisch. Auf Wunsch hilft eine elektronische Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]Lupe, die einen Ausschnitt des Sucherbildes rund sechsfach vergrößert. So verliert man nie den Überblick und hat dennoch die Schärfe unter Kontrolle. Der vergrößerte Ausschnitt kann zudem mit den Pfeiltasten frei verschoben werden, das ist vorbildlich!

Im Videobetrieb funktioniert der Autofokus recht ordentlich. Die Schärfe wird zwar etwas verzögert aber treffsicher nachgeführt, Pumpen war nicht zu beobachten. Auch sind die Geräusche des Fokusantriebs nur sehr unterschwellig zu vernehmen, obwohl das Mikrofon sehr empfindlich ist und den Stereoton in guter Qualität aufnimmt. Alle Fokus- und Belichtungsmessmethoden sind möglich, allerdings erfolgt die Belichtungssteuerung unabhängig von der Einstellung ausschließlich mit Blendenautomatik. Die Belichtungszeit ist je nach Videoformat auf 1/50 oder 1/60 Sekunde festgelegt, was Aufnahmen mit flüssigen Bewegungen ermöglicht. Aufgezeichnet wird in FullHD mit 30 Bildern je Sekunde.

Wie schon erwähnt ist die Vario nicht besonders schnell. Das gilt auch für die Serienbildgeschwindigkeit. Die maximal fünf Bilder pro Sekunde hält sie gerade einmal für fünf Aufnahmen durch, dann fällt sie in einen gemächlichen Dauerlauf mit einem Bild alle eineinhalb Sekunden. Offenbar ist der Pufferspeicher nicht besonders groß. Die Schärfe wird dabei auf den Wert des ersten Fotos eingefroren.

Eine Mini-Serie verwendet Leica für eine Art Bildstabilisierung: Bei bestimmten Belichtungszeiten schießt die X Vario zwei Bilder hintereinander und errechnet daraus ein Bild mit besserer Schärfe. In der Praxis konnten allerdings keine besonders auffälligen Unterschiede mit und ohne diese Technik festgestellt werden. Ebenso unauffällig verhält es sich im Videobetrieb, bei dem offenbar eine elektronische Stabilisierung zum Einsatz kommt. Die Stabilisierung reicht gerade einmal aus, um das leichte Zittern einer Freihandaufnahme zu mildern.

Das Zoomobjektiv trägt auf der Brennweitenskala stolz die Werte, die einem für das Kleinbildformat gerechneten Objektiv entsprächen. Das ist verständlich für eine Leica, deren Vorgänger einst dieses Format etabliert haben. Der Zoombereich erstreckt sich demnach vom 28 mm Weitwinkel bis zum 70 mm Tele und deckt damit die am häufigsten genutzten Brennweiten ab. Leider ist es nicht besonders Lichtstark. Die Offenblende 3,5 am kurzen Ende fällt zur maximalen Brennweite auf F6,4 ab, das ist keine Meisterleistung.

Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]Die etwas schmale Ausstattung wird bei den Leica-X-Modellen traditionell dadurch kompensiert, dass eine Vollversion von Adobes Lightroom zur Kamera gehört. Allerdings muss man sich zunächst auf der Leica-Homepage registrieren und kann dann die Software herunterladen. Zuletzt sei lobend bemerkt, dass Leica zur Kamera ein gutes, gedrucktes Handbuch beilegt.

Bildqualität Von einer Kamera dieser Marke und dieses Preises (2.450 EUR) erwartet man natürlich eine besonders hohe Bildqualität. Wir haben diesem Abschnitt daher wie immer den gründlichen Labortest zugrunde gelegt und praktische Erfahrungen jenseits der reinen Zahlen einfließen lassen. Die exakten Messungen und anschaulichen Diagramme können über den Link am Ende des Berichts gegen ein geringes Entgelt heruntergeladen werden.

Zunächst fallen die verglichen mit anderen Kameras etwas blassen Farben auf, die die Leica X Vario produziert. In der Labormessung offenbart sich dieser Eindruck aber als Täuschung, denn die Leica gibt Farben recht unverfälscht und neutral wieder. Den meisten anderen Kameras wäre dagegen eher eine zu bunte Darstellung anzulasten. Allerdings wird dieses „bunter“ vom Betrachter oft als angenehm empfunden. Wem die recht korrekte Farbdarstellung der Vario daher zu blass ist, sollte die Sättigung im Menü erhöhen.

Beim Rauschverhalten kann die Leica ebenfalls punkten. Bis ISO 800 ist von Rauschen keine Spur, darüber steigt die Korngröße sanft, das Helligkeitsrauschen stärker. Auffällig wird es erst ab ISO 1.600, wirklich störend über 3.200. Problematischer ist der Signal-Rauschabstand, der schon ab ISO 800 die kritische 35 dB-Marke erreicht. Die Texturschärfe bleibt aber dennoch bis in höchste ISO-Regionen erstaunlich hoch. Da liegt der Verdacht auf softwareseitige Unterstützung nahe, wobei sich Schärfungsartefakte aber kaum negativ auswirken. Farbrauschen ist nie ein Thema, das hat Leica wunderbar im Griff. Auch bei der Eingangsdynamik gibt es nichts zu meckern: durchgängig rund zehn Blendenstufen bis ISO 1.600, eine knappe Stufe Leica X Vario (Typ 107) [Foto: MediaNord]weniger bei ISO 3.200 und erst darüber geht es steil bergab. Aus den praktischen Erfahrungen, die durch den Labortest bestätigt werden, kann man zusammenfassend sagen, dass die Leica X Vario bis ISO 1.600 problemlos gute Bilder liefert, mit Abstrichen darf auch ruhig eine Stufe höher riskiert werden.

Die Tonwertkurven zeigen einen recht flachen Verlauf, der Bilder mit weichen Übergängen insbesondere in dunklen Bereich erzeugt. Freunde knackiger Bilder müssen daher Hand anlegen. Ein Vorteil dieser weichen Wiedergabe ist aber, dass mehr Tonwertabstufungen in dunklen Bereichen des Bildes erhalten bleiben und bei Bedarf ein besseres Bearbeitungspotenzial vorhanden ist.

Das Objektiv macht insgesamt ebenfalls eine gute Figur: Farbsäume, Randabdunklung und Verzeichnung sind kein Thema und die Auflösung ist bis in die Ecken gleichmäßig. Nur die Höhe der Auflösung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Erst bei Blende 8 erreicht sie etwa 40 Linienpaare pro Millimeter über den gesamten Bereich. Das wirkt sich visuell in einer etwas weichen Wiedergabe feiner Details aus.

Fazit Die Leica X Vario ist eine Kompaktkamera, die nicht kompakt ist, für deren Preis von 2.450 Euro man auch in der Oberliga der System- und Spiegelreflexkameras fündig wird, die aber in der Ausstattung bewusst nur das absolute Minimum bietet. So ist sie sicherlich keine Kamera für die breite Masse, aber Leica-Enthusiasten und Menschen, die sich an erlesener Technik erfreuen möchten. Auf der Habenseite stehen eine (bis auf wenige Details) hervorragend verarbeitete Kamera, eine sehr ausgewogene und rundum gute Bildqualität, die Adobe Lightroom Lizenz und nicht zuletzt verspricht der rote Punkt ein gutes Stück Exklusivität. Aber das ist nicht alles, denn in der Beschränkung auf das Wesentliche wird Fotografieren wieder zu einem Erlebnis. Insbesondere wer mit Bedacht und viel Zeit alles manuell einstellen kann und möchte, ist mit der Leica X Vario gut bedient. Natürlich kann man das auch mit deutlich preiswerterem Gerät und sogar ohne Abstriche in der Qualität, aber bei weitem nicht so edel.


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Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras


Steckbrief
Hersteller Leica
Modell X Vario
Preis ca. 2450 EUR
Sensor Auflösung 16 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.928 x 3.264
(Seitenverhältnis) 3:2
Objektiv F3,5-6,4/28-70 mm
Filtergewinde 43 mm
Sucher
  Dioptrienausgleich
LCD-Monitor 3" / 7,5 cm
  Auflösung 920.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
Motivprogramme  
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere
Belichtungsmessung   Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser
Intervallaufnahme
Speichermedium SD, SDHC, SDXC
Videomodus  
  Format MP4
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 30 Bilder/s
Empfindlichkeit  
  automatisch ISO 100-6.400 (Obergrenze einstellbar)
  erweitert
  manuell ISO 100-12.500
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
11
  AF-Hilfslicht orange
  Geschwindigkeit ca. 0,4-0,7 s
Sprachen Deutsch
  weitere 9
Gewicht
(Betriebsbereit)
630 g
Zoom  
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Einhanbedienung
(Zoom und Auslöser)
Auslösung während d. Speicherns mögl. ja
Akkulaufzeit ca. 400 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Hochwertig verarbeitetes Gehäuse
  • Einfache Bedienbarkeit auch manuell
  • Ausgewogene und gute Bildqualität
  • Adobe Lightroom im Lieferumfang
  • Langsamer Autofokus
  • Wegen des kleinen Pufferspeichers nur kurze Serien möglich
  • Geringer Ausstattungsumfang
  • Lichtschwaches Objektiv

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 97 %
Ausstattung 12,5 % 83 %
Handhabung 12,5 % 90 %
Geschwindigkeit 12,5 % 81 %
Bildqualität 50,0 % 94 %
Gesamtnote 91 %