Testbericht

Fujifilm X-Pro2

2016-05-23 Mit der X-Pro2 als Nachfolgemodell der X-Pro1 ließ Fujifilm sich mit fast vier Jahren eine Menge Zeit. Doch dafür bietet das Spitzenmodell des Systems wieder eine Menge aktuelle Technik. So führt sie als erstes einen 24 Megapixel auflösenden APS-C-Sensor in das X-System ein. Der moderne Mehrkernprozessor bietet zudem einen hohen Datendurchsatz. Andere Eckpunkte wie die Sucher- und Monitorauflösung wurden auf den aktuellen Stand gebracht und das Gehäuse ist nun wie die X-T1 spritzwassergeschützt. Im digitalkamera.de-Test muss die X-Pro2 nun zeigen, ob sie als Spitzenmodell tatsächlich führend ist und wie es um die Bildqualität des neuen Sensors bestellt ist.  (Benjamin Kirchheim)

Ergonomie und Verarbeitung

Die X-Pro2 bleibt dem Design der X-Pro1 treu, aber nicht ohne Verbesserungen im Detail. Das Gehäuse besteht weiterhin aus robustem Leichtmetall und macht einen absolut hochwertigen, langlebigen Eindruck. Neu sind die Dichtungen zum Schutz vor Spritzwasser und Staub, die sich auch am Akkufach sowie am Doppel-Speicherkartenfach wiederfinden, womit die X-Pro2 in Punkto Robustheit zur X-T1 aufschließt. Das beinhaltet den Frostschutz bis -10 °C. Leicht verbessert wurde zudem der Handgriff, auch wenn dieser nur minimal besser ausgeprägt ist. Die mit gut 485 Gramm recht schwere Systemkamera liegt damit aufgrund ihres hohen Gewichts etwas verkrampft in der Hand. Stützt die linke Hand das Objektiv, lässt sie sich wesentlich entspannter halten.

  • Bild Fujifilm bleibt mit dem Gehäuse der X-Pro2 dem alten Design treu, verbessert aber die Robustheit des Metallgehäuses mit Dichtungen, die das Innere vor dem Eindringen von Staub und Spritzwasser schützen. [Foto: MediaNord]

    Fujifilm bleibt mit dem Gehäuse der X-Pro2 dem alten Design treu, verbessert aber die Robustheit des Metallgehäuses mit Dichtungen, die das Innere vor dem Eindringen von Staub und Spritzwasser schützen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der rückwärtige 7,6cm-Bildschirm der Fujifilm X-Pro2 löst mit 1,6 Millionen Bildpunkten sehr fein auf, das Highlight ist jedoch der optisch-elektronische Hybridsucher. [Foto: MediaNord]

    Der rückwärtige 7,6cm-Bildschirm der Fujifilm X-Pro2 löst mit 1,6 Millionen Bildpunkten sehr fein auf, das Highlight ist jedoch der optisch-elektronische Hybridsucher. [Foto: MediaNord]

Die größte Besonderheit der X-Pro-Serie bleibt der optisch-elektronische Hybridsucher. Der optische Sucher bietet einen unverfälschten Blick auf das Motiv, bringt allerdings auch einige Nachteile mit sich. So kann man die Schärfe nicht direkt erkennen, zudem ragt manches verwendete Objektiv in den Sucher hinein. Dank der automatischen Umschaltung der Vergrößerung eignet sich der Sucher immerhin auch für leichte Tele-Brennweiten noch ganz gut. Dank der Hybridtechnologie lassen sich elektronische Anzeigen ins optische Sucherbild einblenden. So kann beispielsweise eine digitale Fokusvergrößerung eingeblendet werden. Zudem zeigt ein Leuchtrahmen den ungefähren Bildausschnitt an und Aufnahmeeinstellungen werden am unteren Rand eingeblendet.

Schaltet man auf den elektronischen Sucher um, so gibt es eine bessere und störungsfreie Vorschau auf den tatsächlichen Bildausschnitt, zudem sieht man nun eine Weißabgleichs- und Schärfevorschau. Je nach Umgebung fällt das elektronische Sucherbild mal heller und mal dunkler aus als das echte. Bei hellem Sonnenschein beispielsweise kann der elektronische Sucher nicht ganz so hell leuchten wie der optische Sucher, dafür bietet der elektronische bei wenig Licht die bessere Restlichtverstärkung. Bei der X-Pro2 jedenfalls werden beide Fan-Lager bedient und sogar solche Fotografen, die mal den einen und mal den anderen Sucher bevorzugen.

Mit 2,36 Millionen Bildpunkten löst der elektronische Sucher fein auf, dank des Einsatzes eines LC-Displays tritt auch kein Flimmern wie bei OLED-Suchern auf. Mit 85 Bildern pro Sekunde reagiert das elektronische Sucherbild zudem sehr schnell. Mit einer 0,59-fachen kleinbildäquivalenten Vergrößerung gehört der elektronische Sucher jedoch nicht zu den größten, ein Tribut an die Hybridtechnologie. Auch die Austrittspupille ist recht klein, so dass Brillenträger den Sucher nicht komplett überblicken können. Wer kann, wird deshalb sicherlich auf die Dioptrienkorrektur zurückgreifen. Zusätzlich zum Sucher bietet die X-Pro2 einen 7,6 Zentimeter großen rückwärtigen Bildschirm, der sehr feine 1,6 Millionen Bildpunkte auflöst. Allerdings ist dieser weder beweglich noch handelt es sich um einen Touchscreen.

Bei der Bedienung stehen mechanische Bedienelemente im Vordergrund. So wird die Blende bei den höherwertigen Objektiven am Blendenring des Objektivs eingestellt. Die Belichtungszeit sowie die ISO-Empfindlichkeit werden über ein gemeinsames Rad auf der Kameraoberseite geregelt. Für die Einstellung der Empfindlichkeit muss man den äußeren Ring nach oben ziehen, für die Einstellung der Belichtungszeit hingen den mittleren Knopf gedrückt halten. Das macht Spaß und verstellt sich nicht von alleine, das Fenster der ISO-Empfindlichkeit wandert jedoch je nach Belichtungszeit und etwas fummelig gestaltet sich die Einstellung durchaus. Zudem lässt sich über das Rad nicht zwischen ISO 25.600 und 51.200 umschalten, auch wenn man dies sicherlich nur selten brauchen wird. Einen Vorteil bieten die mechanischen Räder noch: Der eingestellte Wert lässt sich auch bei ausgeschalteter Kamera ablesen.

  • Bild Zwar hat Fujifilm bei der X-Pro2 den Handgriff verbessert, richtig griffig wird die klobige Kamera mit ihrem Ziegelsteinformat dadurch aber nicht. [Foto: MediaNord]

    Zwar hat Fujifilm bei der X-Pro2 den Handgriff verbessert, richtig griffig wird die klobige Kamera mit ihrem Ziegelsteinformat dadurch aber nicht. [Foto: MediaNord]

  • Bild Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit werden bei der Fujifilm X-Pro2 mit einem pfiffigen Kombirad eingestellt. Das Belichtungskorrekturrad hingegen dreht sich etwas zu leicht. [Foto: MediaNord]

    Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit werden bei der Fujifilm X-Pro2 mit einem pfiffigen Kombirad eingestellt. Das Belichtungskorrekturrad hingegen dreht sich etwas zu leicht. [Foto: MediaNord]

Auf der Vorderseite bietet die X-Pro2 jedoch auch ein klickbares Einstellrad, das die Einstellung der Blende bei Objektiven ohne Blendeneinstellung übernehmen kann und zudem eine feinere Einstellung der Belichtungszeit erlaubt. Stellt man das Belichtungszeitenrad auf "T", so lässt sich mit dem zweiten Rad sogar der gesamten Belichtungszeitenbereich durchfahren und nicht nur der vorgewählte Wert nachkorrigieren. Ein weiteres Rad ist für die Belichtungskorrektur zuständig. Dieses liegt jedoch recht exponiert und dreht sich zu leicht, es kann also versehentlich verstellt werden. Die restliche Bedienung läuft über viele Tasten ab, fünf davon sind unbeschriftet und frei konfigurierbar. Für die Wahl des Autofokusfelds hat Fujifilm an einen dafür vorgesehenen Joystick gedacht. Weitere Einstellungen können über das umfangreiche, programmierbare Quick-Menü erreicht werden. Das Hauptmenü selbst ist durch die vertikalen Scrolllisten leidlich übersichtlich, auch wenn die Seiten durchnummeriert sind. Dank des My-Menüs lassen sich jedoch bevorzugte Menüpunkte hierhin verfrachten und damit schneller aufrufen. Zudem lassen sich einige bevorzugte Einstellungen in einem von sieben Benutzerspeichern ablegen.

Dem Lithium-Ionen-Akku NP-W126 bleibt Fujifilm treu, dieser wird in gewohnter Manier extern geladen, bietet allerdings mit 250 Aufnahmen nach CIPA-Standard keine allzu lange Laufzeit. Das Akkufach auf der Kameraunterseite liegt zudem zumindest für kleinere Stativwechselplatten weit genug weg vom in der optischen Achse angeordneten Stativgewinde. Braucht es einmal länger Strom, etwa für die Intervallfunktion, so kann über einen Akku-Dummy ein Netzgerät angeschlossen werden. Die Speicherkarten werden in einem eigenen Fach auf der Handgriffseite entnommen. Insbesondere Schacht 1 ist zu beachten, denn nur dieser ist UHS-II-kompatibel und erreicht damit Speicherraten von über 100 MByte pro Sekunde. Schacht 2 ist "nur" UHS-I-kompatibel. Auf der gegenüberliegenden Seite bietet die X-Pro2 insgesamt vier Schnittstellen. Die Blitzsynchronbuchse ist mit einer eigenen Schraubkappe gesichert, während die Anschlüsse Micro-HDMI, Micro-USB und die 2,5mm-Klinkenbuchse hinter einer größeren Klappe sitzen. Die Klinkenbuchse nimmt wahlweise ein Stereomikrofon oder aber eine Kabelfernbedienung auf. Als Retrokamera bietet die X-Pro2 aber sogar ein echtes Drahtauslösergewinde im Auslöser.

Ausstattung

Die Fujifilm X-Pro2 ist wahrlich keine Kamera für Automatikfotografen. Zwar lassen sich Blendenring, Belichtungszeitenrad und ISO-Rad auf eine rot markierte Automatikstellung bringen, aber das Belichtungskorrekturrad bleibt beispielsweise weiterhin wie auch alle anderen manuell gewählten Einstellungen aktiv. Eine "idiotensichere" Automatik bietet die X-Pro2 also genauso wenig wie Motivprogramme, ein Programmwählrad fehlt ohnehin. Die X-Pro2 richtet sich vielmehr an Fotografen, die gerne halbautomatisch oder manuell fotografieren und lädt mit ihren Bedienelementen dazu ein. Dennoch fehlt es ihr nicht an elektronischen Effekten, etwa den Fujifilm-typischen Filmsimulationen. Neu ist dabei der Film "Acros", eine in vielen Parametern einstellbare Schwarzweißsimulation, die Liebhabern von Schwarzweißaufnahmen tolle Ergebnisse direkt aus der Kamera liefert. Wer zusätzlich im Rohdatenformat speichert, beispielsweise auf der zweiten Speicherkarte, geht auf Nummer Sicher und hat stets ein originales Rohdatenbild zur Verfügung.

Eine HDR- oder eine Panoramafunktion bietet die Fujifilm nicht, dafür aber beispielsweise jede Menge Reihenbelichtungsfunktionen. Diese beinhalten nicht nur die klassische Belichtungsreihe, sondern auch Weißabgleichsreihen, Dynamikreihen, Filmsimulationsreihen etc. lassen sich aufnehmen. Auch wenn man es der X-Pro2 nicht ansieht, so bietet diese spiegellose Systemkamera eine hervorragende Performance. Der Autofokus etwa arbeitet als Hybrid mit Phasen- und Kontrastautofokus und stellt inklusive Auslösung innerhalb von 0,15 bis 0,25 Sekunden von unendlich auf zwei Meter scharf. Wer eine manuelle Fokussierung bevorzugt, erhält nicht nur von einer Fokuslupe Unterstützung, sondern auf Wunsch auch von Fokuspeaking oder einer Schnittbildsimulation.

  • Bild Das Metallstativgewinde der Fujifilm X-Pro2 sitzt selbstverständlich in der optischen Achse. Kleine Stativwechselplatten lassen sogar den Zugang zum Akkufach frei. [Foto: Fujifilm]

    Das Metallstativgewinde der Fujifilm X-Pro2 sitzt selbstverständlich in der optischen Achse. Kleine Stativwechselplatten lassen sogar den Zugang zum Akkufach frei. [Foto: Fujifilm]

  • Bild Mit dem bewährten Lithium-Ionen-Akku NP-W126 schafft die Fujifilm X-Pro2 lediglich 250 Aufnahmen. Ein Zweitakku sollte also bei längeren Fototouren unbedingt dabei sein. [Foto: MediaNord]

    Mit dem bewährten Lithium-Ionen-Akku NP-W126 schafft die Fujifilm X-Pro2 lediglich 250 Aufnahmen. Ein Zweitakku sollte also bei längeren Fototouren unbedingt dabei sein. [Foto: MediaNord]

Auch bei der Serienbildfunktion geht es heiß her. Über acht Serienbilder pro Sekunde inklusive Autofokus-Nachführung sprechen für sich, zumal die X-Pro2 diese Geschwindigkeit für 30 Raw- oder sogar für über 140 JPEG-Aufnahmen durchhält. Voraussetzung ist eine schnelle SDXC-UHS-II-Speicherkarte in Kartenschacht 1. Doch auch wenn der Zwischenspeicher voll ist, nimmt die X-Pro2 6,4 JPEGs oder 3,8 Raws pro Sekunde auf, bis die Speicherkarte voll ist. Das entspricht einer Schreibrate von über 100 MByte pro Sekunde. Die im Test verwendete Transcend SDHC-Speicherkarte indes könnte mit einer Schreibrate von bis zu 180 MByte pro Sekunde sogar noch mehr. Der mechanische Verschluss mit 1/8.000 Sekunde kürzesten Belichtungszeit steht der hohen Performance in Nichts nach. Wer möchte, kann sogar bis zu 1/32.000 Sekunde kurz belichten, dann allerdings nur mit elektronischem Verschluss und je nach Motiv sichtbaren Nebenwirkungen wie dem Rolling-Shutter-Effekt (zeilenweise Belichtung).

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Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.