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Fujifilm FinePix S2 Pro

2002-10-09 Kaum zwei Kameras sind sich so ähnlich, aber in einigen Punkten so verschieden wie die Nikon D100 und die Fujifilm FinePix S2 Pro. Beide bauen nämlich auf der gleichen Kamera, der Kleinbild-Spiegelreflexkamera F80 von Nikon, auf. Die Umsetzung des Kamerakonzeptes wurde aber teilweise bei Nikon und Fujifilm ganz unterschiedlich gehandhabt. Nachdem wir vor einiger Zeit unsere Eindrücke über die Nikon D100 geschildert haben, setzen wir uns in diesem Erfahrungsbericht ausführlich mit dem "ungleichen Zwilling" Fujifilm FinePix S2 Pro auseinander.  (Yvan Boeres)

   Fujifilm FinePix S2 Pro mit Objektiv AF Nikkor 50mm F1.8 D [Foto: MediaNord]
 
Bereits beim ersten Blick auf das Gehäuse der Fujifilm FinePix S2 Pro fällt auf, dass es viele Gemeinsamkeiten, aber auch viele Unterschiede mit der Nikon D100 gibt. In den groben Zügen können weder die D100, noch die S2 Pro ihre Verwandtschaft mit der Nikon F80 leugnen. Das augenfälligste gemeinsame Merkmal ist wohl der Auslöser, der in der Mitte mit einem Schraubgewinde zum Anschluss eines mechanischen Kabelfernauslösers versehen ist. Solche Kabelfernauslöser schlummern noch bei manchem "alten Hasen" in einer Schublade oder in der Fototasche und entdecken so im digitalen Zeitalter eine neue Anwendung, wo doch eigentlich längst alles elektrisch gesteuert wird. Auch an der Kameraoberseite halten sich die Unterschiede zwischen der Fuji und der Nikon noch in Grenzen. Ganz anders sieht es dagegen an der Kamerarückseite aus. Fujifilm hat natürlich auch hier auf bewährte Bedienelemente wie eine – leider ohne spürbaren Druckpunkt versehene – Steuerwippe und auf einen LCD-Farbbildschirm (1,8" mit 117.600 Bildpunkten) zurückgegriffen, doch ein weiteres Bedienelement kennzeichnet die FinePix S2 Pro eindeutig als Fujifilm-Kamera. Unmittelbar über dem Farbmonitor findet man nämlich vier Bedienknöpfen, wobei jedem Knopf eine bestimmte Funktion auf dem darüber liegenden, länglichen LC-Monochrom-Display zugewiesen ist. Wurde die daneben liegende "Func"-Taste nicht betätigt, zeigt das Funktionsdisplay die Zusammenfassung der wichtigsten Kameraeinstellungen wie Blende, Verschlusszeit, Empfindlichkeitsstufe, Bildnummer, Batteriestatus und Speicherkartentyp an. Wurde die Taste betätigt, kann man in einem Menü von jeweils vier Funktionen/Einstellungen (eine pro zugewiesener Taste) blättern. So kann man im Aufnahmemodus mit nur wenigen Tastendrücken den Weißabgleich, die AF-Betriebsart (Einzel-AF, dynamischer AF mit Schärfenachführung), die Kompressionsstufe (unkomprimiert TIFF/RAW, geringer JPEG-Kompression, normale JPEG-Kompression), die Auflösung und viele andere Parameter einstellen – und das ohne den Strom fressenden Farbmonitor einschalten zu müssen und ohne unübersichtliche mechanische Doppel- und Dreifach-Belegungen von Bedienelementen. Fujifilm FinePix S2 Pro - Rückseite [Foto: MediaNord]Im Wiedergabemodus oder im Schnellwiedergabemodus ruft man auf die gleiche Art und Weise entsprechende Wiedergabe-Funktionen auf. Dieses Bedienkonzept ist äußerst komfortabel und übersichtlich und stellt die FinePix S2 Pro in puncto Bedienungsfreundlichkeit auf den ersten Platz des Siegertreppchens; dicht gefolgt von der Canon EOS D60 und mit etwas größerem Abstand zur Nikon D100.

Was die grundlegenden Kamerafunktionen betrifft, bedient man die FinePix S2 Pro wie eine Nikon D100 oder eine Nikon F80. So findet man an der Kameraoberseite ein drittes LC-Display zur Anzeige der eingestellten Kamerafunktionen, ein Programmwählrad zur Auswahl des Belichtungsprogrammes (Programmautomatik, Blenden- und Zeitenautomatik, Manuell), der Empfindlichkeit (ISO 100 bis 1.600) und der Benutzerfunktionen-Einstellung sowie diverse andere Knöpfe, Schalter und Tasten (u. a. zur Wahl des Belichtungsmessart, der Belichtungsreihenautomatik oder der Blitzfunktionen). Jeweils ein Kodierrad an der Vorder- und Hinterseite des Handgriffes erlaubt die Eingabe von Verschlusszeit (1/4.000 bis 30 Sekunden in halben Stufen) und Blende (in halben Stufen) und dient parallel dazu auch der Veränderung gewisser Parameter/Einstellungen. Von letzteren hat die FinePix S2 Pro viele; allein fünfzehn Individualfunktionen hat die S2 Pro zu bieten.

Eigentlich besitzt die FinePix S2 Pro sogar noch ein viertes Display. Denn im Sucher bekommt man ja schließlich auch noch die wichtigsten Aufnahmedaten wie die Fokussier-Bestätigung (der altbekannte "grüne Punkt"), die Belichtungsmessart, die Verschlusszeit, die Blende, das Belichtungsprogramm, die Abweichungen zur kameraseitig ermittelten Belichtung (über eine Skala), etwaige Belichtungskorrekturen, die Bildzahl und die Blitzbereitschaft in einem kleinen LCD-Feld unterhalb der Sucher-Mattscheibe angezeigt. Letztere ist – wie bei den meisten SLR-Kameras – besonders hell und detailreich. Der Sucher der FinePix S2 Pro bietet eine Sucherbild-Abdeckung von 93 % und kann mittels einer Dioptrieneinstellung (-1,8 bis +0,8 Dioptrien) an die jeweilige Augenstärke seines Benutzers angepasst werden. Ein Blick auf die Sucher-Mattscheibe bringt fünf AF-Felder und den Messkreis für den mittenbetonten Bereich der Integralmessung zum Vorschein; das jeweils aktive AF-Feld wird schwarz hervorgehoben. Im Gegensatz zur Canon EOS D60 und genau wie bei der Nikon D100 geschieht dies aber nur bei manueller Auswahl des Feldes. Überlässt man der Kameraautomatik die Wahl des AF-Feldes, zeigt die Kamera nicht an, auf welchem Punkt die Scharfeinstellung erfolgt ist. Sehr praktisch hingegen ist die Möglichkeit, über eine Sonderfunktion einen Gitterrahmen auf der Mattscheibe einzublenden. Das tröstet zum Teil darüber hinweg, dass die Mattscheiben nicht auswechselbar sind. Wie jede SLR-Kamera, die etwas auf sich hält, besitzt die FinePix S2 Pro eine Abblendtaste. Ein Druck auf diese Taste schließt die Blende auf den eingestellten Wert und man kann im Sucher die Schärfentiefe beurteilen. Der Umgang mit der Abblendtaste will allerdings gelernt sein, da beim Abblenden der Sucher so abgedunkelt wird, dass es für einen Ungeübten schwer ist, überhaupt noch etwas im Sucher zu erkennen. Der Spiegelreflexsucher ist übrigens bei der FinePix S2 Pro – wie bei den meisten anderen digitalen SLR-Kameras auch – die einzige Möglichkeit, das Bild während der Aufnahme zu betrachten. Fujifilm FinePix S2 Pro mit Objektiv AF Nikkor 50mm F1.8 D - linke Kameraseite [Foto: MediaNord]Wegen des Schwingspiegels, der nicht teildurchlässig wie bei der Olympus E10 oder E20 ist, und erst beim Auslösen hochklappt, kann der LCD-Farbbildschirm nicht als Sucher benutzt werden. Ein Live-Histogramm ist deshalb ebenfalls nicht realisierbar.

Im Sucher sieht man das vom Objektiv eingefangene Bild. Dank Nikon-Wechselobjektiv-Bajonett steht einem ein riesiger Objektivpark aus der Nikon- bzw. Nikkor-Produktlinie zur Auswahl. Rein theoretisch bzw. mechanisch gesehen könnte die FinePix S2 Pro alle Nikkor-Objektive mit Nikon F-Bajonett aufnehmen. Praktisch wird man aber aufgrund elektronischer Teil-Inkompatibilitäten bzw. Einschränkungen nur neuere AF-D-Objektive benutzen. Das sind trotzdem noch eine ganze Menge Objektive für jeden erdenklichen Zweck und dann sind immer noch nicht die Nikon-kompatiblen Objektive der Fremdhersteller (u. a. Sigma, Tamron und Tokina) hinzu gerechnet. Je nachdem, für welches Objektiv man sich entscheidet, treibt das die Rechnung und das Gesamtgewicht der Ausrüstung mehr oder weniger schlagartig in die Höhe. Bei unserem Test stand uns ein AF Nikkor 50 mm/F1.8 D zur Verfügung. Dieses Objektiv bietet zwar nicht den gleichen Komfort wie ein Zoomobjektiv, aber bei einem Preis von nur rund 150 EUR und einer Lichtstärke von F1.8 bietet das Objektiv ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis und ist als Festbrennweite qualitativ "unverdächtig" (d. h. objektivbedingte Abbildungsschwächen sind nicht zu erwarten). Auf der FinePix S2 Pro montiert, verwandelt sich das 50 mm-Objektiv praktisch in ein 75 mm-Objektiv, eignet sich damit also beispielsweise sehr gut für die Portraitfotografie. Wegen des unterschiedlichen Größenverhältnisses zwischen den SuperCCD der FinePix S2 Pro und einem Kleinbild-Film muss die nominale Brennweite des Objektivs stets mit dem Faktor 1,5 multipliziert werden. Genau genommen wird eigentlich nicht die Brennweite verlängert, sondern der Bildwinkel verengt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Fotograf im Sucher letztendlich das sieht, was er bei einem Objektiv mit verlängerter Brennweite sehen würde.

Im Prismengehäuse des Suchers der FinePix S2 Pro ist ein kleiner Miniaturblitz eingebaut. Dieser kleine Behelfsblitz mit einer von uns gemessenen Leitzahl von 12 bei ISO 100 (was sich genau mit der Herstellerangabe deckt) springt auf Knopfdruck aus seiner "Lauerstellung" im Prismengehäuse heraus. Für Blitzbilder aus geringer Entfernung oder zum Aufhellen von Schattenpartien sollte die Leistung des kleinen Lichtspenders allemal reichen. Für größere Herausforderungen muss ein externes Blitzgerät her. Dank Nikon-Systemblitzschuh mit vier elektrischen Kontakten (ein Mittenkontakt plus drei herstellerspezifische Kontakte) kann die FinePix S2 Pro beim Blitzen im TTL-Betrieb arbeiten – vorausgesetzt, der Zusatzblitz ist Nikon-TTL-kompatibel. Wenn nicht, sollte das Blitzgerät zumindest über eine Eigenautomatik verfügen; dann muss man allerdings in Kauf nehmen, dass nicht mehr alle Einstellungen vollautomatisch erfolgen. Im TTL-Betrieb unterstützt die FinePix S2 Pro sämtliche Funktionen des jeweiligen Blitzgerätes. Das können solche grundlegenden Funktionen wie die motorische Anpassung des Zoomreflektors an die am Objektiv eingestellte Brennweite und die Zuschaltung des AF-Hilflichtes am Blitzgerät bei schwachen Lichtverhältnissen bzw. geringem Motivkontrast sein, aber auch solche Sonderfunktionen wie die drahtlose TTL-Blitzsteuerung oder die High Speed-Blitzsynchronisation sein, die einige Blitzgeräte (hauptsächlich die Original-SB-Systemblitzgeräte von Nikon) bieten. Das AF-Hilfslicht am Blitzgerät funktioniert übrigens nur dann, wenn der AF-Betriebsmodus auf Einzelbild (S) gestellt ist. Bei eingestellter Schärfenachführung (C) muss man auf das AF-Hilfslicht verzichten. Sowohl der eingebaute als auch der externe Blitz lassen sich in der Leistung wahlweise drosseln oder steigern und synchronisieren auch mit langen Verschlusszeiten. Die Blitzsynchronzeit liegt übrigens bei der FinePix S2 Pro bei 1/125 Sekunden. Diese Verschlusszeit darf zwar länger (z. B. 1/60 s), aber auf keinen Fall kürzer (z. B. 1/200 s) ausfallen. Ganz eigenartig verhält sich zumindest der interne Blitz bei manueller Belichtungssteuerung. Während bei anderen Kameras (auch bei der Nikon D100 und der Canon EOS D60) im manuellen Belichtungsmodus die TTL-Blitzsteuerung abgeschaltet wird, so dass der Blitz ebenfalls manuell arbeitet, bleibt bei der FinePix S2 Pro die TTL-Blitzsteuerung aktiv. Für ungeübte Fotografen mag das zwar nützlich sein, Profis aber werden sich schon die Möglichkeit wünschen, den internen Blitz auch manuell abzufeuern. Das ist ganz besonders dann nützlich, wenn man mit dem eingebauten Blitz kabellos Studioblitzanlagen auslösen möchte. Fujifilm FinePix S2 Pro mit Objektiv AF Nikkor 50mm F1.8 D [Foto: MediaNord]Bei der FinePix S2 Pro wird man im Studioblitz-Betrieb also eher auf eine Kabelanbindung zurückgreifen. Zu diesem Zweck verfügt die FinePix S2 Pro – im Gegensatz zur Nikon D100 – über eine PC-Synchronbuchse. Was die Bildresultate beim Blitzen mit dem eingebauten und mit externen TTL-Blitzgeräten betrifft, sind die Bilder sauber ausgeleuchtet. Merkwürdigerweise ist die von uns bei der Nikon D100 beobachtete Neigung zu unterbelichteten Blitzbildern bei der bauähnlichen Fujifilm FinePix S2 Pro nicht wieder zu finden. Kann es sein, dass die – eigentlich fortschrittlichere – D-TTL-Blitzmessung der Nikon D100, die bei der Fujifilm FinePix S2 Pro nicht vorhanden ist, im Zusammenspiel mit der D100 ein Handicap darstellt?

Bei der Belichtung unter Tageslicht liefert die FinePix S2 Pro ebenfalls sehr gute Ergebnisse. Die Belichtungsmesszelle für das Dauerlicht ist in zehn Felder unterteilt und berücksichtigt sowohl die Helligkeit und den Kontrast des Motivs als auch die Entfernung und die Stelle, an der sich das Motiv im Bild befindet (so genannte 3D-Matrixmessung). Dabei wird die Entfernung zum Hauptmotiv vom Objektiv übertragen (sofern dieses ein AF-D-Typ ist); die Position des Hauptmotivs im Bild bestimmt das aktive Autofokus-Messfeld. All diese Daten werden mit rund 30.000 vorprogrammierten Szenen in der Kamera verglichen – genauer kann die Belichtungsmessung kaum sein. Alternativ stehen natürlich die altbewährte Spotmessung und eine mittenbetonte Integralmessung zur Verfügung; Möglichkeiten die Belichtung zu kompensieren und/oder mittels Belichtungsreihen einzukreisen, gibt es auch. Die S2 Pro neigt zwar auch, wie die Canon EOS D60 oder die Nikon D100, zu knapper Belichtung. Das scheint aber so von den Herstellern gewollt zu sein, denn Digitalkameras haben ihre Probleme mit den Lichtern (d. h. den ganz hellen Bildteilen), so dass man bewusst leicht unterbelichtet, um Überstrahlungseffekte zu verhindern. Hier verhalten sich Digitalkameras wie professionelle Kleinbild-Spiegelreflexkameras, die meistens auch etwa 1/3 Blende knapper belichten, da sie hauptsächlich auf Diafilm ausgelegt sind. Die leichte Unterbelichtung bei der FinePix S2 Pro fällt dabei nicht so stark auf wie bei der Canon EOS D60 und wie bei der Nikon D100. Insofern bietet die FinePix S2 Pro die sauberste Belichtung von allen drei professionellen Digi-SLRs. Die FinePix S2 Pro hat auch die höchste Auflösung im Digi-SLR-"Triumvirat". Auch wenn der SuperCCD-Bildwandler der FinePix S2 Pro wie beim CMOS-Sensor der Canon EOS D60 und beim CCD-Sensor der Nikon D100 sechs Millionen Pixel besitzt, ist der Detailreichtum bei den Fuji-Bildern am größten. Die FinePix S2 Pro liefert in der Grundeinstellung Bilder mit 4.256 x 2.848 Bildpunkten; was auch der Auflösung entspricht, die im RAW-Modus (darauf kommen wir später zurück) herauskommt. Bei der FinePix S2 Pro werden also mehr Pixel ausgelesen als der Sensor tatsächlich besitzt, was mit der speziellen Konstruktion des SuperCCD-Sensors zu tun hat. Niedrigere Auflösungen wie die – eigentlich dem 6-Megapixel-Sensor gerechtere –Auflösung von 3.024 x 2.016 Bildpunkten erreicht die FinePix S2 Pro, indem sie die Auflösung wieder herunterrechnet. Neben vier Auflösungsstufen hält die FinePix S2 Pro auch drei Qualitätsstufen parat. Im so genannten "High"-Modus werden die Bilder unkomprimiert im RAW- oder TIFF-Bilddatenformat gespeichert; im "Fine"- und "Normal"-Modus wird im JPEG-Format mit unterschiedlichen Kompressionsstufen geschrieben. Das Fujifilm-RAW-Rohdatenformat erzeugt 4.256 x 2.848 Pixel große Bilddateien, die mit der Dateiendung .RAF (hat nichts zu tun mit der Royal Air Force oder der Roten Armee Fraktion) enden und durchschnittlich 12,6 MByte an Speicherplatz beanspruchen. Zirka 8,3 Sekunden brauchte die FinePix S2 Pro, um solch ein Bild auf unserer SanDisk-Ultra-Speicherkarte zu speichern. Das ist wesentlich kürzer als die 24 Sekunden, die die Kamera benötigt, um ein fettes 34,7 MByte-Bild im TIFF-Format abzuspeichern. Da die FinePix S2 Pro bei der Wiedergabe von TIFF-Bildern eine ganze Minute braucht, um ein einziges Bild auf dem LCD-Monitor anzuzeigen und sich dieser Vorgang nicht abbrechen lässt, sollte man die Bilder vorzugsweise im RAW/RAF- oder JPEG-Format aufnehmen. Ein JPEG-Bild im Fine-Modus belegt übrigens durchschnittlich 4,3 MByte und ist in rund drei Sekunden auf der Speicherkarte abgelegt.

Fujifilm FinePix S2 Pro - Einschub für Speicherkarten [Foto: MediaNord]Das Speichern der Bilder verläuft natürlich, wie man es von einer professionellen Kamera erwarten kann, im Hintergrund. Demnach braucht man nicht zu warten, bis das Bild seinen Weg auf die Speicherkarte gefunden hat, um weiter zu fotografieren. Ein schneller und ausreichend dimensionierter Pufferspeicher nimmt die geschossenen Bilder auf und blockiert erst den Auslöser, wenn der Puffer voll ist. Der Pufferspeicher ist groß genug, um auch bei Serienbildern sieben bis acht Bilder (je nach Dateiformat) in schneller Folge zwischenspeichern zu können, bevor eine "Zwangspause" eingelegt werden muss. Bei unseren Tests erreichte die FinePix S2 Pro im Serienbildmodus und unabhängig vom Dateiformat eine Bildfrequenz von zwei Bildern pro Sekunde. Bei der FinePix S2 Pro hat man übrigens die Wahl des Datenspeichers. Denn die Kamera besitzt sowohl einen Steckplatz für SmartMedia- als auch für CompactFlash-Wechselspeicherkarten. Die Kamera erkennt automatisch, welche Karte eingelegt wurde. Sind beide Kartentypen gleichzeitig in Verwendung, kann man im Setup-Menü der Kamera festlegen, welcher Kartentyp verwendet werden soll. Ein Umkopieren der Bilder von einer Karte zur anderen ist leider nicht möglich. Ziemlich "zickig" zeigt sich die FinePix S2 Pro – wie schon die kleine Schwester FinePix S602 Zoom – im Umgang mit CompactFlash-Karten. Fujifilm weist im Handbuch darauf hin, dass es "bei einigen CompactFlash-Karten mit der FinePix S602 Zoom zu Problemen kommen kann". So wollte sich die FinePix S2 Pro pauschal nicht mit einer Karte der Firma Delkin vertragen. Zuerst wollte die Kamera die Karte formatieren (obwohl die Karte schon formatiert war und Bilddaten aus anderen Kameras enthielt). Bereits der Versuch, die Karte zu formatieren, artete in viel Ärger aus. Bis die Kamera endlich das entsprechende Menü freigeben wollte, musste man mehrere Versuche starten die passende Tastenkombination zu drücken. Als wir es dann endlich geschafft hatten, die Karte zu formatieren, akzeptierte die FinePix S2 Pro die Delkin-Karte immer noch nicht und quittierte das mit einer Fehlermeldung. Bei einer Optosys-Karte wiederholte sich das gleiche Szenario; mit dem einzigen Unterschied, dass nach dem Formatieren die Karte angenommen wurde. Unsere SanDisk Ultra-Karte mochte die FinePix S2 Pro immerhin auf Anhieb. Fujifilm begründet die Zickigkeit ihrer Kamera mit Karten, die sich nicht streng an die CF-Spezifikationen halten und nennt den Controller verschiedener Karten als potentiellen Verursacher des Konfliktes. Digitalkameras anderer Hersteller sind allerdings viel weniger wählerisch als die FinePix S2 Pro und es wäre begrüßenswert, wenn Fujifilm das Speicherkartendilemma so löst, dass man sich nicht nur – wie von Fujifilm empfohlen – auf Microdrive-Miniaturfestplatten beschränken muss. Fujifilm FinePix S2 Pro mit Objektiv AF Nikkor 50mm F1.8 D - rechte Kameraseite [Foto: MediaNord]Weder einem Amateur noch einem Profi ist zuzumuten, dass dieser vor dem Kauf einer Speicherkarte diese auf ihre Kompatibilität prüft und/oder nur auf Microdrives angewiesen ist.

Vorbildlich ist die FinePix S2 Pro hingegen bei der Datenübertragung von der Kamera zum Computer. Denn während die Canon EOS D60 und die Nikon D100 eine schnelle Firewire-Schnittstelle vermissen lassen, ist die Fuji damit ausgerüstet und verfügt zusätzlich noch über eine klassische USB-Schnittstelle, so dass auch Besitzer von Rechnern ohne Firewire-Anschluss nicht außen vor bleiben. Über Firewire mit dem Computer (Windows-PC/Mac) verbunden, kann die FinePix S2 Pro mit der optional erhältlichen "Camera Shooting"-Software ferngesteuert werden. Besonders Studio-Fotografen werden diese Möglichkeit zu schätzen wissen. Allerdings muss man für diese Funktionalität rund 220 EUR auf den Tisch blättern, was einen schon schlucken lässt. Das ist auch der Preis, den man bezahlen muss, wenn man die RAW/RAF-Bilddateien manipulieren möchte. Denn die "Camera Shooting"-Software und der dafür benötigte RAW File Converter EX werden zusammen im Paket als "Hyper Utility"-Software verkauft. Der im Lieferumfang der FinePix S2 Pro enthaltene RAW File Converter LE ist eine abgespeckte Version des RAW File Converters EX und kann einzig und allein die RAW/RAF-Bilddateien in TIFF-Dateien umwandeln. Weitere serienmäßige Software ist in Form der von vielen Fuji-Kameras bekannten FinePix Viewer-Software vorhanden. Man wird aber nicht unbedingt den RAW File Converter EX benötigen, da die FinePix S2 Pro nicht nur sauber belichtete und detailreiche Bilder liefert, die keiner weiteren Manipulation bedürfen, sondern auch bei der Farbwiedergabe und beim Weißabgleich kaum etwas zu wünschen übrig lässt. Das gilt genauso für das Blooming- und Rauschverhalten, das, Digi-SLR-typisch, sehr gering und meistens auch nur unter Extremsituationen ausfällt.

Gegen Extremsituationen gewappnet ist die FinePix S2 Pro auch von der Auslöse- und Fokussiergeschwindigkeit her. Und auch in Sachen Einschaltzeit. Vom Einschalten bis in den betriebsbereiten Zustand braucht die FinePix S2 Pro gerade mal 0,7 Sekunden – der Wert kann, je nach verwendeter Speicherkarte, unterschiedlich lang/kurz ausfallen. Nach abgeschlossener Fokussierung liegt die Auslöseverzögerung bei etwas mehr als 0,1 Sekunden. Rechnet man die Fokussierzeit von durchschnittlich 0,6 Sekunden dazu, kommt man auf eine gesamte Verzögerung von 0,7 Sekunden. Dabei kann die Fokussierzeit unter Umständen noch viel geringer ausfallen. Denn unsere Testaufnahmen wurden in Innenräumen gemacht und das uns zur Verfügung stehende 50 mm-Objektiv verfügt auch nicht über die Ultraschall-Motorisierung anderer Objektive. Verwendet man ein solches Ultraschall-Objektiv wie z. B. ein Nikon-Objektiv mit so genannter Silent Wave-Technik oder ein Sigma-Objektiv mit HSM-Technik (Hyper Sonic Motor), gewinnt man noch ein paar Bruchteile einer Sekunde an Fokussiergeschwindigkeit. Etwas AF-Tempo kann man auch gewinnen, wenn man mit optimalen Lichtbedingungen bzw. starken Motivkontrasten zu tun hat. Doch der Nikon MultiCAM-900-AF-Sensor, der in der FinePix S2 Pro seinen Dienst verrichtet, fühlt sich auch unter schwachen Lichtverhältnissen wohl, da er bereits bei -1 IL anspricht. Dieser AF-Sensor ist vom MultiCAM-1300-Sensor der Nikon F5 bzw. seines digitalen Pendants Nikon D1 abgeleitet und verrichtet bereits in der analogen Nikon F80 und Nikon F65 gute Dienste. Wie die Nikon D100 und im Gegensatz zur direkten Konkurrentin von Canon, der EOS D60, kann die FinePix S2 Pro auch auf nicht-mittige Motive scharf stellen, wenn man Bilder im Hochformat aufnimmt. Denn zu dem mittleren, dem rechten und dem linken AF-Feld gesellen sich noch ein oberes und unteres AF-Feld. Die Wahl des AF-Feldes erfolgt – wie schon am Anfang dieses Berichtes erwähnt – sowohl automatisch als auch manuell. Automatisch scharf gestellt wird entweder jedes Mal in dem Moment, in dem der Auslöser halb nieder oder kontinuierlich gedrückt wird. Sollte das Licht bzw. die Motivkontraste so schwach werden, dass selbst die exzellente Empfindlichkeit des MultiCAM-900-Sensors nicht mehr ausreicht, leuchtet an der FinePix S2 Pro das weiß-grelle AF-Hilfslicht auf, das auch den Zweck einer Rote-Augen-Korrekturlampe erfüllt. Bei aufgesetztem Zusatzblitz bedient sich die Kamera des wesentlich diskreteren, roten AF-Hilfslichtes des Blitzgerätes.

Fujifilm FinePix S2 Pro mit Objektiv AF Nikkor 50mm F1.8 D - unten [Foto: MediaNord]Wenn man die FinePix S2 Pro noch weiter mit den Konkurrenzmodellen Canon EOS D60 und Nikon D100 vergleicht, muss man auch die Fähigkeit der S2 Pro erwähnen, Ton aufzunehmen. Während die Canon EOS D60 ganz "taub" ist und die Nikon D100 nur mit dem rund 400 EUR teureren Batteriegriff MB-D100 ein "offenes Ohr" für seinen Besitzer bekommt, ist bei der FinePix S2 Pro die serienmäßige Möglichkeit vorhanden, Sprachnotizen von bis zu 30 Sekunden pro Bild aufzunehmen. Eine Aufrüstung mittels eines Batteriegriffes ist auch bei der FinePix S2 Pro gar nicht möglich, da bei der S2 Pro der Batteriegriff sozusagen schon integraler Bestandteil der Kamera ist. Bei der FinePix S2 Pro wird – wie schon beim Vorgängermodell S1 Pro – auf zwei verschiedene Batterietypen zurückgegriffen. Im Handgriff der Kamera nehmen zwei CR123A-Lithium-Einwegzellen Platz; in einer "Schublade" im Kameraboden werden noch vier handelsübliche AA/Mignon-Zellen eingesetzt. Diese "Mischversorgung" deutet auf eine etwas weniger elegant umgesetzte Umwandlung des analogen Nikon F80-Bodys zu einer Digitalkamera. Angenehmer Nebeneffekt: Zumindest die AA/Mignon-Zellen (Einweg-Batterien oder Akkus) lassen sich – im Gegensatz zu den proprietären Lithiumionen-Akkus der Canon EOS D60 und der Nikon D100 – überall (sogar in Tankstellen) finden und sind günstig in der Anschaffung. Das ist leider nicht der Fall für die CR123A-Lithiumzellen, die nicht nur zu unverschämten Preisen ausschließlich im Foto-Fachhandel zu bekommen sind, sondern auch nicht wieder aufladbar sind. Glücklicherweise halten die Lithiumzellen unter normaler Betriebstemperatur etwa 1.400 Aufnahmen aus, bevor sie schlapp machen, so dass die Betriebskosten sich in dieser Hinsicht in Grenzen halten. Die AA/Mignon-Zellen haben ihrerseits eine Autonomie von ca. 500 Bildern (mit 1.850 mAh-NiMH-Akkus, ohne Microdrive und mit gelegentlicher Benutzung von LCD-Bildschirm und eingebautem Blitz). Da bei digitalen Spiegelreflexkameras der größte Stromverbraucher, nämlich der LCD-Farbbildschirm, im Aufnahmemodus nicht in Betrieb ist und die Brennweitenverstellung nicht elektrisch, sondern manuell über einen Drehring erfolgt, begnügen sich die digitalen SLRs mit verhältnismäßig wenig Energie. Nichtsdestotrotz kommt die FinePix S2 Pro nicht auf solch hohe Batterielaufzeiten wie bei der Canon EOS D60 oder die Nikon D100, aber dafür braucht man sich bei der FinePix S2 Pro auch keinen optionalen Batteriegriff zu kaufen. Es ist übrigens möglich, die FinePix S2 Pro allein mit den AA/Mignon-Batterien zu betreiben und auf die CR123A-Zellen zu verzichten. Dies geht allerdings auf Kosten einer drastisch verkürzten Batterielaufzeit und mit der Einschränkung, dass man den eingebauten Blitz nicht mehr benutzen kann. Trotz fehlender Möglichkeit, ein Zusatzbatteriefach an der FinePix S2 Pro zu montieren, liegt die Kamera ziemlich gut in der Hand; schließlich ist ja die S2 Pro wegen der Batterie-Schublade im Kameraboden auch um einige Zentimeter höher als eine Nikon D100 oder eine Canon EOS D60 (allerdings hätte Fujifilm der S2 Pro noch einen zusätzlichen Auslöser für Hochformat-Aufnahmen spendieren können). Fujifilm FinePix S2 Pro mit Objektiv AF Nikkor 50mm F1.8 D - oben [Foto: MediaNord]Bleibt noch zu erwähnen, dass die FinePix S2 Pro über einen umschaltbaren PAL/NTSC-Videoausgang verfügt, die Vorlaufzeit des Selbstauslösers sich einstellen lässt (2, 5, 10 oder 20 Sekunden), beim Fokussieren der Vorrang dem am nächsten gelegenen Motiv gegeben werden kann und die Kamera auch zu Testzwecken ohne eingelegte Speicherkarte auslöst und das aufgenommene Bild auf dem LCD-Monitor anzeigt.

Fazit: Fujifilm ist es gelungen, mit den gleichen "Grundzutaten" (nämlich einem Nikon F80-Body) wie bei der Nikon D100, eine Kamera nach "Art des Hauses" zu entwickeln. Die FinePix S2 Pro ist kein D100-Klon, sondern eine digitale Spiegelreflexkamera mit eigener Persönlichkeit. Durch Verwendung eigener Konzepte beim Aufnahmeelement (SuperCCD-Technologie), bei der Bedienung und bei der Stromversorgung hat Fujifilm die FinePix S2 Pro zu einer echten Alternative zur Nikon D100 gemacht. In manchen Punkten, wie unter anderem bei der Auflösung, ist die FinePix S2 Pro sogar der teilweise baugleichen Nikon D100 überlegen. Und das auch in manch anderer Hinsicht, so dass die FinePix S2 Pro der D100 das Fürchten lernen könnte. Viele potentielle Käufer der D100 (insbesondere solche Kunden, die schon Nikon/Nikkor-Objektive besitzen) werden sich jedenfalls fragen, ob sie mit der FinePix S2 Pro nicht genauso gut – oder sogar besser – bedient sein könnten. Schlussendlich wird diese Entscheidung hauptsächlich eine Frage des Geschmackes bzw. der ganz spezifischen Ansprüche sein. Wer Canon Objektive sein Eigen nennt und auf digital umsteigen möchte, wird sowieso eher zur EOS D60 greifen, weil diese auch viele Vorzüge (z. B. ein besseres Rauschverhalten) zu bieten hat. Wenn überhaupt etwas an der FinePix S2 Pro kritisierbar ist, dann ist das die schlechte Unterstützung von CompactFlash-Speicherkarten und eventuell auch die "hybride" Stromversorgung. Ansonsten zeigt die FinePix S2 Pro, dass im professionellen Bereich neben den Traditionsmarken Canon und Nikon auch Platz für Firmen wie Kodak, Sigma und eben Fujifilm ist.


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