Kompakttest

Casio Exilim EX-H15

2010-03-16 Wie groß muss eine Kamera eigentlich sein, um damit ansehnliche Fotos bei so ziemlich jeder Gelegenheit aufnehmen zu können? Größer als die Casio Exilim EX-H15 auf jeden Fall nicht. Dabei wartet der äußerst handliche Apparat mit einem 10fach-Zoom auf, hat einen 14-Megapixel-Sensor an Bord und zeichnet auf Wunsch Filme in HD-Auflösung auf. Unser Test geht der Frage nach, ob man mit dem Handschmeichler nur "knipsen" oder auch fotografieren kann, und klärt ausführlich, wie es mit der Bildqualität der EX-H15 bestellt ist.  (Martin Vieten)

Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]Ergonomie und Verarbeitung: Die Casio EX-H15 ist kaum größer als eine Zigarettenschachtel und wiegt betriebsbereit gerade einmal so viel wie zwei Tafeln Schokolade (208 Gramm). So verschwindet sie fast unbemerkt in jeder Handtasche, trägt aber auch in der Hosentasche kaum mehr auf als ein Handy. Das recht flache Gehäuse wirkt ein wenig zerklüftet, der angedeutete "Handgriff" auf der Vorderseite ist zu klein, um seinen Zweck zu erfüllen, einhändig lässt sich die Casio Exilim EX-H15 nicht bedienen. Bei unserem silberfarbenen Testexemplar trägt zudem die Verwendung von mattem und glänzendem Material dazu bei, dass die Kamera nicht gerade wie aus einem Guss wirkt. Aber es gibt sie ja auch noch in durchgängigem, mattem Schwarz sowie ganz modisch in Pink. Verarbeitet ist das Gehäuse der kleinen Kamera auf alle Fälle recht ordentlich. Es besteht weitgehend aus Metall und knarzt auch beim beherzten Zugreifen nicht. Das handliche Gehäuse fordert allerdings seinen Tribut in Form von sehr kleinen Funktionstasten. Dabei sind die meisten Tasten rechts angeordnet, dort wo man automatisch hingreift, wenn man die Kamera anfasst – das führt leider etwas schnell zum ungewollten Auslösen der einen oder anderen Funktion. Für Videoaufnahmen bietet die EX-H15 einen dedizierten Schalter, der jedoch kaum größer als ein Stecknadelkopf ist. Immerhin hat Casio den Ein-/Ausschalter oben am Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]Gehäuse etwas versenkt – es besteht also kaum Gefahr, dass man die EX-H15 versehentlich unbemerkt in Betrieb nimmt beziehungsweise ausschaltet. Ein Stativgewinde hat die Kamera auch an Bord, es ist allerdings aus Plastik gefertigt und sitzt nicht in der optischen Achse.

Der Auslöser der EX-H15 wird von einem Zoomring umschlossen. Damit durchfährt das Zoomobjektiv der Kamera den kompletten Brennweitenbereich von 24 bis 240 Millimeter (bezogen auf Kleinbild) derart rasch, dass man kaum im ersten Anlauf exakt den gewünschten Bildausschnitt einstellen kann. Schade, dass Casio der EX-H15 keine zweite, langsamere Geschwindigkeit für die Zoomfahrt spendiert hat. Schön dagegen ist die kürzeste Brennweite von 24 Millimetern, gerade in engen Räumen oder bei weiten Landschaften erweist sich der daraus resultierende weite Bildwinkel als wesentlich praktikabler als ein paar Millimeter mehr Tele-Brennweite. Was der EX-H15 übrigens fehlt, ist ein klassisches Moduswahlrad. Die Aufnahmeparameter wie ISO-Zahl, Weißabgleich, automatische Gesichtserkennung und vieles mehr stellt man immer über den Bildschirm ein. Per "Controlpanel" greift man dabei sehr schnell auf die neun wichtigsten Parameter zu. Welche Parameter die EX-H15 im Controlpanel anzeigt, kann man dabei weitestgehend selbst festlegen. Wer also zum Beispiel lieber schnellen Zugriff auf die Weißabgleich-Vorgaben hat als auf die Wahl des Autofokus-Modus, tauscht einfach die entsprechenden Felder im Control-Panel aus. Die Menüs der EX-H15 Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]machen es allerdings nicht ganz so leicht, die entsprechende Funktion zu finden. Zwar sind die Listen nicht übermäßig lang, müssen aber über den Bildschirm hinaus durchgescrollt werden, damit man ins nächste Register gelangt.

Darüber hinaus bietet die EX-H15 über 30 Motivprogramme (die bei Casio "Best Shot" heißen), darunter einige mit kräftiger Bildbearbeitung etwa im Stile eines Ölgemäldes oder Aquarells. Das macht die Wahl des besten Setups eher zur Qual. Als Alternative bietet sich das Universal-Programm "Premium Auto" an. Hier entscheidet die Kamera nach einer kleinen Denkpause selbständig, welches der vielen "Best Shot"-Programme das Beste für die aktuelle Aufnahmesituation ist.

Ausstattung Unter den superkompakten Kameras sticht die Casio Exilim EX-H15 mit zwei Merkmalen hervor: ihrem 10fach-Zoomobjektiv, das den sehr großen Brennweitenbereich von 24-240 Millimeter abdeckt, und einem Sensor mit 1/2,3 Zoll Bilddiagonale, der eine für diese Kameraklasse gigantische Auflösung von 14,1 Megapixeln bietet. Zudem Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]ist der Sensor beweglich gelagert, so dass die Kamera per "Sensor-Shift" dem Verwackeln entgegenwirken kann. Auch bei der Energieversorgung hat Casio nicht gespart: Der Lithium-Ionen-Akku bietet eine Kapazität von 1.950 mAh und liefert genügend Strom für rund 1.000 Aufnahmen.

Ein kleiner Blitz ist ebenfalls an Bord und – was keine Selbstverständlichkeit ist – ein grellgrünes Hilfslicht für den Autofokus. So stellt die EX-H15 auch bei schummrigem Licht recht zügig scharf, bei optimalen Lichtverhältnissen sowieso: Länger als eine halbe Sekunde benötigt die Kamera nie, um einen Fokuspunkt zu finden und dann aufzunehmen, im günstigsten Fall ist eine Aufnahme inklusive Fokussierung bereits nach knapp drei Zehntel Sekunden im Kasten. Das sind für eine Kompaktkamera mit ihrem sehr genauen Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]Kontrast-AF hervorragende Werte. Wer praktisch ohne Verzögerung zum Foto kommen möchte, stellt manuell scharf – dann vergehen nur zwei, drei Hundertstel Sekunden, bis das Foto aufgenommen ist. Soweit gibt es also am Autofokus der EX-H15 nichts zu meckern – was der Kamera dann jedoch wieder fehlt, ist die Möglichkeit, einen Fokuspunkt frei zu wählen. Wer mit der EX-H15 fotografiert, muss die Wahl des Fokuspunkts immer der Kamera überlassen – die sich bei dieser Aufgabe zudem als eigenwillig erweist: Selbst bei Aufnahmen eines statischen Motivs vom Stativ stellt die EX-H15 mal auf eine Kante im Vordergrund und dann wieder auf eine im Hintergrund scharf. Da hilft es nicht in allen Fällen, dass sich zumindest das zentrale "AF-Feld" fix vorgeben lässt.

Davon abgesehen, lässt sich die Casio EX-H15 recht weitgehend einstellen: Der Weißabgleich bietet sechs Vorgaben, kann manuell gesetzt werden, oder man überlässt ihn ganz der Automatik. Die Wahl der ISO-Empfindlichkeit übernimmt die Kamera auf Wunsch ebenfalls automatisch, oder der Fotograf gibt eine Empfindlichkeitsstufe von ISO 64 bis ISO 3.200 vor. Ebenso erlaubt sie das gezielte Über- oder Unterbelichten um bis zu zwei Blendenstufen. Zudem lassen sich Schärfe, Kontrast und Sättigung nach Geschmack anpassen – nicht aber die Stärke der Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]Rauschunterdrückung. Wer sich nicht lange mit der Wahl der richtigen Einstellungen abgeben möchte, speichert seine bevorzugten Setups als weitere "Best Shot"-Programme – bis zu 999 Speicherplätze bietet die EX-H15 dazu. Auch der Bordblitz bietet weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten, inklusive Feinjustierung der Blitzlichtintensität.

Nahezu selbstverständlich bei Kompaktkameras ist heute eine automatische Gesichtserkennung – auch die EX-H15 bietet sie. Casio nutzt die Gesichtserkennung aber nicht nur für den Autofokus und den Auslöser – die EX-H15 kann bei einem einmal erkannten Gesicht auch gleich die Haut glätten. Überhaupt bietet die Software der EX-H15 einige Möglichkeiten zur "Spielerei": Helligkeit, Kontrast oder Farben einer Aufnahme lassen sich noch nachträglich ändern, ebenso kann man direkt in der Kamera ein Bild zuschneiden. Sogar Bildmontagen ohne PC sind mit der EX-H15 kein Problem. Natürlich zeichnet die Kamera auch Videos auf, die Auflösung beträgt dabei maximal 720p, gespeichert wird im nicht mehr aktuellen AVI-Format. Zoomen lässt sich während der Filmaufzeichnung übrigens nicht – schade.

Bildqualität Der Sensor der EX-H15 ist kaum größer als ein Fingernagel. Auf dieser recht überschaubaren Fläche hat Casio mehr als 14 Millionen lichtempfindliche Zellen untergebracht. Diese extrem hohe Pixeldichte bringt naturgemäß Probleme mit sich, insbesondere Bildrauschen wird hier sehr schnell zum Thema. Doch unser renommiertes Testlabor DCtau, das auch die Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]EX-H15 genau unter die Lupe genommen hat, gibt in Sachen "Rauschen" zunächst Entwarnung: Bis ISO 800 verharrt es messtechnisch auf ein und demselben Niveau, bei ISO 1.600 ist es sogar noch einen Tick schwächer ausgeprägt. (Der ausführliche Laborreport kann übrigens gegen ein kleines Entgelt abgerufen werden – siehe weiterführende Links). Derartig gute Ergebnisse in Sachen "Rauschen" erzielt die EX-H15 allerdings nur, indem die kamerainterne Bildverarbeitung den Störpixeln gnadenlos zu Leibe rückt – und dabei gleich auch noch bildwichtige Details mit wegbügelt. Sogar bei der Basis-Empfindlichkeit ISO 64 ist der Einfluss der Rauschunterdrückung schon erkennbar, ab ISO 200 gehen dann sichtbar Details verloren: Gesichter wirken wächsern, die raue Oberfläche einer Orange wird nahezu so glatt wie eine Billardkugel. Mit zunehmender ISO-Zahl steigt dieser Effekt, eine bei ISO 1.600 aufgenommene Zahnbürste wirkt fast wie ein Legostein. Wenn überhaupt, schöpft die EX-H15 das theoretische Auflösungsvermögen des Sensors nur bei dessen Basis-Empfindlichkeit halbwegs aus. 80 Prozent des theoretisch möglichen Auflösungswerts sind aber in dieser Kameraklasse eher die Ausnahme – hier macht die EX-H15 also einen guten Job. Erfreulich auch, dass weder die Auflösung noch die Helligkeit zu den Bildrändern hin nennenswert abfällt.

Recht ordentlich schlägt sich die Kamera zudem in Sachen "Dynamikumfang": Bis zur Empfindlichkeit von ISO 800 verarbeitet sie hohe Kontraste von mindestens 8,5 Blendenstufen. Leider hält die Ausgabedynamik damit nicht Schritt, die EX-H15 gibt Casio Exilim EX-H15 [Foto: Casio]tiefes Schwarz sichtbar als dunkles Grau wieder. Bei der Bildschärfe tut sie dann zu viel des Guten: An harten Kontrastkanten kommt es sichtbar zu Überschwingern. Und weil die EX-H15 die einzelnen Farbkanäle auch noch unterschiedlich stark schärft, fallen die Säume zudem farbig aus. Dagegen hilft nur, die Schärfe in der Kamera ganz zurück zu drehen und die Aufnahmen am PC zu schärfen.

Nichts zu kritisieren gibt es hingegen bei der Verzeichnung, sie fällt – vor allem für ein 10fach-Zoom – erfreulich niedrig aus. Farben gibt die Kamera ansprechend lebhaft wieder. In der Praxis zeigte sich die Belichtungsautomatik recht treffsicher, wobei sie tendenziell eher absaufende Schatten vermeidet und dabei ausfressende Lichter in Kauf nimmt. Hervorzuheben ist die sehr gute Blitzbelichtung, im Schummerlicht einer Wirtschaft gelang es der EX-H15 nahezu perfekt, den Vordergrund so sparsam aufzuhellen, dass die Aufnahmen nicht "totgeblitzt" wirkten.

Fazit Insgesamt hinterlässt die Exilim EX-H15 einen etwas zwiespältigen Eindruck. Casio ist es auf jeden Fall gelungen, ein gutes 10fach-Zoom mit 24 Millimetern Anfangsbrennweite in einer sehr handlichen, ordentlich verarbeiteten Kamera mit Bildstabilisator unterzubringen. Die AF-Geschwindigkeit sowie die Auslöseverzögerung und Reaktionsgeschwindigkeit liegen dabei über dem Klassendurchschnitt, auch die Akkulaufzeit von rund 1.000 Aufnahmen ist spitze. Das Bedienkonzept mit den "Best Shot"-Programmen ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber in sich logisch. Das größte Manko der EX-H15: Die – bezogen auf die Sensorgröße – übertrieben hohe Auflösung von über 14 Megapixeln lässt sich in der Praxis nicht ausschöpfen, dazu bügelt die Rauschunterdrückung einfach zu viele Bilddetails weg. Schade auch, dass sich kein AF-Feld frei wählen lässt. Die Videofunktion ist nicht ganz auf der Höhe der Zeit, etwas mehr Konfigurationsmöglichkeiten wären wünschenswert gewesen. So empfiehlt sich die EX-H15 vor allem für alle, die einen unkomplizierten Begleiter für alle Fälle suchen und sich nicht lange mit nachträglicher Bildbearbeitung am PC aufhalten möchten.


Weiterführende Links


Meldungen die auf diese Meldung verweisen

Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Steckbrief
Hersteller Casio
Modell Exilim EX-H15
Preis ca. 330 EUR
Sensor Auflösung 14,1 Megapixel
Max. Bildauflösung 4.320 x 3.240
(Seitenverhältnis) (4:3)
Objektiv F3,2-5,7/24-240mm
Filtergewinde
Sucher
  Dioptrienausgleich
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 460.800
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC
Programmautomatik ja
Blendenautomatik
Zeitautomatik
manuelle Belichtung
  BULB-Langzeit-
  belichtung
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 29
Belichtungsmessung   Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss
Fernauslöser
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC
Videomodus
  Format AVI
  Codec Motion-JPEG
  Auflösung (max.) 1.280 x 720
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch ISO 64-400
  erweitert ISO 64-1.600
  manuell ISO 64-3.200
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
1
  AF-Hilfslicht grün
  Geschwindigkeit ca. 0,2-0,5 s
Sprachen Deutsch
  weitere 20
Gewicht
(Betriebsbereit)
206 g
Zoom
  Zoomverstellung motorisch über Ringwippe
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
ja
Auslösung während d. Speicherns mögl.
Akkulaufzeit ca. 1.000 Bilder lt. CIPA

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"

Kurzbewertung

  • Sehr praxistaugliches 10fach-Zoom (mit 24 mm Anfangsbrennweite, KB)
  • Schneller, treffsicherer AF (aber keine Wahl des Fokusfelds möglich)
  • Zuverlässige "Premium Best Shot"-Vollautomatik
  • Praxisgerechte Konfigurationsmöglichkeiten
  • Bildstabilisator per Sensor-Shift
  • Schärfe- und Detailverlust durch zu starke Rauschreduktion
  • Unübersichtlich viele Motiv-Programme
  • Kein optisches Zoom während der Videoaufnahme

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 89 %
Ausstattung 12,5 % 86 %
Handhabung 12,5 % 85 %
Geschwindigkeit 12,5 % 89 %
Bildqualität 50,0 % 84 %
Gesamtnote 86 %