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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

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Steckbrief
Hersteller Canon
Modell EOS 7D
Preis ca. 1.800 EUR**
Sensor Auflösung 18 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.184 x 3.456
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Canon EF-S 18-135 mm 3.5-5.6 IS
Filtergewinde 67 mm
Sucher Pentaprisma
  Sichtfeld 100%
  Vergrößerung 1,0-fach
  Dioptrienausgleich -3 bis +1 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 920.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC,
HDMI
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt
  Kinder/Baby
  Landschaft
  Makro
  Sport/Action
  weitere
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Selektiv, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 12 (Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh, Synchronbuchse
Fernauslöser Kabel, Infrarot
Intervallaufnahme
Speichermedium CompactFlash Typ I
und II (Microdrive)
Videomodus ja
  Format MOV
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
(60 Bilder/s bei 1.280 x 720 und 640 x 480)
Empfindlichkeit
  automatisch 100-3.200
  manuell ISO 100-12.800
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
19
  AF-Hilfslicht Blitzsalve
  Geschwindigkeit < 0,5-0,6 s
Sprachen Deutsch
  weitere 24
Einschaltzeit < 0,1 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
915 g (nur Gehäuse)
1.366 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 700 (JPEG)
22 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
6,7 (JPEG)
6,9 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
5,9 (JPEG)
3,1 (RAW)
  mit Blitz ja (bei verringerter Bildfrequenz)
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 0,6 s (7,1 MByte)
  RAW 1,0 s (19,3 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 800 Bilder (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Lexar Professional 16 GB UDMA 600x CompactFlash-Speicherkarte
** mit Objektiv Canon EF-S 18-135 mm 3.5-5.6 IS

Kurzbewertung

  • Großer (größter seiner Klasse), heller, präziser Sucher
  • Hervorragende Verarbeitung (Ausnahme: Schnittstellenabdeckungen)
  • Hoher Funktionsumfang für Foto und Video
  • Hohe Geschwindigkeit für verzögerungsfreies Arbeiten
  • Gute Bildqualität bei sehr hoher Auflösung, die aber gute Objektive voraussetzt
  • Blitz könnte höher ausklappen
  • Autofokus-Hilfslicht per Blitzsalve
  • Einige Optionen nur über Direktwahltasten einstellbar

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 98 %
Ausstattung 12,5 % 98 %
Handhabung 12,5 % 95 %
Geschwindigkeit 12,5 % 91 %
Bildqualität 50,0 % 87 %
Gesamtnote 92 %

Preisvergleich

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Canon EOS 7D

Canon EOS 7D mit 15-85 IS

Canon EOS 7D mit 18-135 IS

Canon EF-S 18-135 mm 3.5-5.6 IS

Canon EF-S 15-85mm 3.5-5.6 IS USM



Testbericht

Canon EOS 7D

2009-12-11 Mit der EOS 7D meldet Canon sich eindrucksvoll an die Spitze der APS-C-DSLRs zurück, die sich weniger an Einsteiger, sondern eher an eingefleischte Hobbyfotografen sowie Profis wendet. Vom Sucher über den Autofokus bis hin zum Ausstattungsumfang und dem Bildsensor hat Canon alles überarbeitet, was eine solche Kamera ausmacht. Sogar an die "heilige Kuh", die Canon-typische Bedienung, haben sich die Designer gewagt. Ob dieses Technikfeuerwerk aber auch in der Praxis taugt und ob die Bildqualität stimmt, zeigt der digitalkamera.de-Test.  (Benjamin Kirchheim)

Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die EOS 7D ist ein wahrer Bolide. Sie bringt – selbstverständlich ohne Objektiv – stolze 915 g auf die Waage; zusammen mit dem neuen Objektiv EF-S 18-135 mm IS sind es sogar 1,366 kg. Das ist nichts für eine Rucksacktour oder für den Urlaub, sondern eher etwas für ernsthafte Fotografie. Auch vom Preis her adressiert die Kamera ganz klar ambitionierte Fotografen und sogar Profis. Mit dem soliden und großen Gehäuse ist die 7D dann auch wie geschaffen für kräftige Männerhände. Das Gehäuse besteht aus einer Magnesiumlegierung, wobei die dicke Pulverbeschichtung durchaus über diesen Umstand hinweg täuscht. Die Robustheit wird von zahlreichen Dichtungen unterstrichen, die vor Staub und Spritzwasser schützen sollen. Am Speicherkartenfach allerdings wurde mit Moosgummi gespart, womit es Schwallwasser nicht standhalten dürfte.

Sowohl am Handgriff als auch auf der Rückseite sowie links vom Objektiv sorgen großzügige und genarbte Gummibeschichtungen für den nötigen sicheren Halt in den Händen. Auf der Handgriffseite befindet sich das große Speicherkartenfach, das eine CompactFlash-Karte des Typs I oder II aufnimmt, womit die EOS 7D sogar zu alten MicroDrives kompatibel ist. Links hingegen verschließen zwei "Gummilappen" die zahlreichen Schnittstellen. Das mag zwar wasserdicht Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]und günstig zu produzieren sein, schön ist es aber nicht. Insgesamt fünf Anschlüsse verbergen sich hier: Blitzsynchronbuchse, Fernauslösekabelanschluss, HDMI-Mini-Schnittstelle, die kombinierte USB- und AV-Buchse sowie der Stereomikrofonanschluss. Eine Netzteilbuchse sucht man hingegen vergeblich, die "Billiglösung" heißt Akkudummy mit Kabeldurchführung am Akkufach – weder schön noch selten.

Der über die Gehäuseunterseite zugängliche Li-Ion-Akku hat bei 7,2 V eine Kapazität von 1,8 Ah, womit er die Kamera immerhin für rund 800 Aufnahmen nach CIPA-Standardmessverfahren mit Strom versorgen kann. Außerdem verbirgt sich hier eine kleine Knopfzelle CR1616, die als Pufferbatterie dient und dafür sorgt, dass die Kamera ihr "Gedächtnis" nicht verliert. Alle paar Jahre sollte man diese Batterie auswechseln. Das Metallstativgewinde befindet sich "vorschriftsmäßig" in der optischen Achse und ist aus Metall – nichts anderes darf man von so einer Kamera erwarten. Ebenfalls "standesgemäß" ist die Möglichkeit, einen Multifunktionsgriff unter die Kamera zu schrauben. Der sorgt nicht nur für eine verdoppelte Akkulaufzeit und besseres Handling im Hochformat, sondern bietet auch viele Bedienelemente.

Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Ein herausragendes Merkmal ist der optische Sucher. Erstmals in einer APS-C-Spiegelreflexkamera wird ein 100%-Sucher mit einer 1,0fachen Vergrößerung kombiniert. Damit ist der 7D-Sucher führend in seiner Klasse und braucht sich durchaus nicht vor Vollformatkameras zu verstecken. Er ist einfach gigantisch groß und bietet zahlreiche Einblendungen – auch auf der Mattscheibe selbst. Was Nikon seit Jahren macht, z. B. einblendbare Gitterlinien, tut auch einer Canon gut. So muss man die Suchermattscheibe nicht mehr wechseln. Die Informationen unterhalb des Suchers sind fast so gut wie die auf dem oberen – selbstverständlich beleuchtbaren – Statusdisplay. Das geht sogar so weit, dass einige Funktionen nur über dieses Display, aber nicht alternativ über das Kameramenü, einstellbar sind. Diese "Entlastung" merkt man dem trotzdem umfangreichen Menü aber nicht an, die Kamera strotzt einfach so vor Funktionen.

Dass die EOS 7D nichts für unbedarfte Einsteiger ist, manifestiert sich im Bedienkonzept. Zahlreiche Knöpfe zum direkten Verstellen von Kamerafunktionen statt selbsterklärenden Menüorgien und Motivprogrammen sind das, was die Herzen ambitionierter Fotografen höher schlagen lässt, Einsteiger aber vor anfangs unlösbare Aufgaben stellen kann. Alte Canon-Hasen werden aber auch ihre Einstiegsschwierigkeiten haben, denn Canon hat es gewagt, das Bedienkonzept zu überarbeiten. Da wandert der Daumen schon mal blind zu einem nicht mehr vorhandenen Knopf und greift daher ins Leere. Diese Überarbeitung erfolgte aber zusammen mit Profifotografen, so dass unterm Strich, nach einer Eingewöhnungszeit für alte Hasen, die Bedienung besser von der Hand geht. Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Auch Einsteiger, die sich an die 7D heran wagen, werden mit ihr besser klar kommen als mit einer 50D.

Sämtliche Knöpfe fühlen sich hochwertig und langlebig an, sie lassen sich einfach angenehm bedienen. Die einzige unrühmliche Ausnahme ist der Joysticknavigator, den man aber dank zweier Bedienräder, mit denen man wunderbar und vor allem viel flüssiger durch die Menüs navigieren kann, kaum braucht. Bei all den schönen Knöpfen und dem herausragenden Sucher sollte man den Bildschirm nicht vergessen. Mit 3" (7,6 cm) Größe und 920.000 Bildpunkten Auflösung spielt er in der Oberliga, auch wenn er an einer solch großen Kamera schon fast klein wirkt. Selbstverständlich hat die EOS 7D eine LiveView-Funktion mit Histogramm, Lupe, Belichtungsvorschau, 2-Wege-Wasserwaage (Horizont und Neigung), Autofokus und allem, was man sich so wünscht – nur dreh-/schwenkbar ist er nicht.

Canon EOS 7D – Menü [Foto: MediaNord]
Canon EOS 7D – Schnellmenü [Foto: MediaNord]
Canon EOS 7D – Fokuspunktwahl im Schnellmenü [Foto: MediaNord]
Canon EOS 7D – LiveView [Foto: MediaNord]
Canon EOS 7D – Dateiformatwahl [Foto: MediaNord]
Canon EOS 7D – Blitzsteuerungsmenü [Foto: MediaNord]
Ausstattung Individualisierbarkeit hat Canon bei der EOS 7D ganz groß geschrieben. Man kann sich die Funktion zahlreicher Knöpfe selbst einstellen, das Verhalten der Kamera ist weitgehend konfigurierbar, und drei Benutzerspeicher auf dem Programmwahlrad erlauben das Ablegen von passenden Einstellungen für die bevorzugten Motivwelten. Auch das Canon-typische MyMenü fehlt nicht, in dem sich bevorzugte Menüpunkte direkt ablegen und schnell erreichen lassen. Ebenfalls per Direktwahltaste verbaut: Canons Bildstile. Hier kann sich der Benutzer verschiedene Bildeinstellungen zusammenstellen. Das mag den Fotografen mit hoch gezüchtetem RAW-Bildverarbeitungsworkflow nur ein müdes Lächeln entlocken, aber wer schnell verfügbare Bilder in JPEG benötigt oder seine Zeit lieber in kreatives Fotografieren statt Bilderbearbeitung investiert, kann seinen Bildern hiermit einen individuellen Stempel aufdrücken. In diesem Zusammenhang ist die inzwischen bei allen Herstellern übliche "Dynamikerweiterung" erwähnenswert, die bei Canon im Benutzermenü unter "Tonwertpriorität" zu finden ist. Sie sorgt vor allem für mehr Details in den Lichtern, wobei das Schattenrauschen leicht zunimmt.

Volle Flexibilität bietet bspw. der Weißabgleich. Seien es feste Voreinstellungen für typische Lichtsituationen, wobei Canon hier schon fast sparsam ist (indem es nur ein Leuchtstofflampenpreset gibt), ein manueller Abgleich anhand eines Bildes oder der Farbtemperatureingabe – hier vermisst man wenig. Wer es ganz genau nimmt, dem bieten sich die Feinkorrektur auf den Achsen Blau-Rot und Grün-Magenta oder alternativ eine Weißabgleichsreihe an. Mit der Individualisierbarkeit der automatischen Empfindlichkeitseinstellung hat es Canon hingegen nicht so. Der Arbeitsbereich ist ISO 100 bis 3.200 – weder Ober- noch Untergrenze lassen sich verschieben. Manuell kann man dagegen auch noch ISO 6.400 und – nach Freischaltung im Funktionsmenü – sogar ISO 12.800 einstellen, wenn man es denn braucht.

Canons Blitzsystem gilt zwar als führend, aber einige Funktionen hat man bisher schmerzlich vermisst. Das meint nicht Einstellungen wie manuelle Blitzleistungsstufen, die Langzeitsynchronisation oder das Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang, was mit der EOS 7D alles selbstverständlich möglich ist, sondern die Drahtlosblitzsteuerung. Hierfür benötigte man bisher immer einen extern aufgesteckten Masterblitz. Ein solcher ist nun endlich nicht mehr nötig, denn der interne Blitz dient nun alternativ als Steuereinheit. Auf einem von drei einstellbaren Kanälen, damit man sich nicht mit anderen Fotografen ins Gehege kommt, können bis zu drei Blitzgruppen individuell und von der Kamera aus gesteuert werden. So kann man bspw. das Verhältnis von Hintergrund zu Streiflicht direkt an der Kamera einstellen, ohne zu den Blitzen "rennen" zu müssen. Das Blitzmenü ist das Umfangreichste, das wir bisher in einer Kamera gesehen haben. Das mobile Blitzstudio ist somit schnell den Anforderungen bzw. Vorstellungen des Fotografen angepasst. Der interne Blitz darf dabei auch als Master zur Belichtung mit beitragen, oder er steuert ganz still die externen "Lichtkanonen". Mit einer Leitzahl von 12 bei einem Leuchtwinkel von 15 mm (24 mm entspr. Kleinbild) kann sich der Lichtspender sehen lassen, in Anbetracht der Kameragröße ist seine Aufklapphöhe aber weniger befriedigend. Er könnte sich ruhig noch ein bisschen weiter heben, um bei bulligen Objektiven auch den Nahbereich gleichmäßig und ohne Schattenwurf auszuleuchten; man sollte nie vergessen, die Sonnenblende des Objektivs vor dem Blitzeinsatz zu entfernen.

Die hohe Serienbildgeschwindigkeit von bis zu 8 Bilder/s dürfte nicht nur Sportfotografen begeistern. Bei schnellen Bewegungen sollten sich so Momente einfangen lassen, die man gezielt nur mit viel Glück oder Können trifft. Trotz der aktuell schnellsten Speicherkarte mit 600facher Schreibgeschwindigkeit (etwa 90 MBytes/s) konnten wir die versprochenen 8 Bilder/s nicht erreichen. Mehr als 6,9 Bilder/s bei Verwendung von RAW und 6,7 Bilder/s bei JPEG waren nicht drin. Trotz manueller Belichtung und abgeschaltetem Autofokus waren nicht einmal 7 Bilder/s möglich. Das ist immer noch viel, zumal die Geschwindigkeit bei RAW für 22 und bei JPEG sogar für unglaubliche 700 Bilder am Stück durchgehalten wird – so viel wird man bei JPEG wohl nie benötigen. Selbst bei vollem Zwischenspeicher blieben die Serienraten auf hohem Niveau. Die Schreibgeschwindigkeit kratzt dabei an der 60-MBytes/s-Marke, womit sich, sofern man diese Geschwindigkeiten braucht, eine sehr schnelle Speicherkarte durchaus lohnt.

Nicht nur Fotografen, sondern auch Hobbyfilmer werden an der EOS 7D ihre Freude haben. FullHD-Filme in 1.920 x 1.080 Pixeln Auflösung sind überhaupt kein Problem. Sogar die Bildwiederholrate ist dabei einstellbar – egal ob man nun NTSC, PAL oder Kinowiederholraten verwenden möchte. Bei einer Auflösung von HD oder VGA (1.280 x 720 bzw. 640 x 480) lässt sich die Wiederholrate nochmals verdoppeln, um Bewegungsabläufe und schnelle Sequenzen sowie Schwenks noch flüssiger aufnehmen zu können. Selbstverständlich sind Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit auch beim Filmen einstellbar, so dass dem Spiel mit Schärfentiefe, Helligkeit und Nachzieheffekten quasi keine Grenzen gesetzt sind. Die Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Mikrofonempfindlichkeit wird leider automatisch geregelt, wobei ein externes, akustisch entkoppeltes Stereomikrofon dringend anzuraten ist. Wie es sich für professionelle Filmer gehört, wird der Fokus manuell nachgeführt. Zwar kann man die AF-Taste drücken und so den Fokus auch während der Filmsequenz automatisch einstellen, das sieht aber weder schön aus, noch ist es schnell. Gespeichert werden die Filmsequenzen als Quicktime-Movie, wobei der hochmoderne MPEG-4-Codec H.264 zum Einsatz kommt. Die Länge der Filmsequenzen wird entweder durch die maximale Dateigröße von 4 GBytes bei FAT32 oder durch die maximale Aufnahmezeit von 29 Minuten und 59 Sekunden begrenzt – je nachdem, welche Schranke zuerst erreicht ist. Profis dürfte das kaum stören, denn Filmsequenzen sind meist nur wenige Sekunden lang und werden später anhand des Storyboards zu einem stimmigen Film zusammen geschnitten.

Objektiv Das EF-S-Bajonett der EOS 7D erlaubt nicht nur den Anschluss von Vollformat-Objektiven, sondern auch von solchen, die im Bildkreis begrenzt sind. Das APS-C-Format von Canon besitzt dabei einen Brennweitenverlängerungsfaktor von 1,6, d. h. um den Bildeindruck des angeschlossenen Objektivs mit einer Kleinbildkamera zu vergleichen, Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]muss man die Brennweite mit 1,6 multiplizieren. Was Weitwinkel kostet, führt auf der anderen Seite zu mehr Telebrennweite, die sowieso das Zugpferd von Canon ist. Netter Nebeneffekt des kleinen Sensors ist die Tatsache, dass die oft problematischen Randbereiche der Objektive mit Unschärfen, Abdunklungen und stark sichtbarer Verzeichnung einfach ausgeblendet werden.

Dass Canon sein Objektivbajonett bereits recht frühzeitig auf das elektronische Zeitalter umgestellt hat, war im Nachhinein ein weiser Schritt. Fokus und Blende werden elektronisch gesteuert, anfällige und teure Mechanik gibt es nicht. Zusätzlich sorgt die langjährige Marktführerschaft für eine große Auswahl an Objektiven für Einsteiger bis hin zu Profis. Der Bildstabilisator ist dabei für Canon ganz klar im Objektiv angesiedelt. So ist zwar nicht jedes Objektiv stabilisiert, dafür hat man aber bei bildstabilisierten Objektiven auch den Sucher mit stabilisiert, für den Autofokus bietet das ruhigere Bild ebenfalls Vorteile.

Passend zur EOS 7D hat Canon gleich zwei neue Zoomobjektive auf den Markt gebracht, das 18-135 mm stand uns dabei für den Test zur Verfügung. Der Bildstabilisator gehört bei einem solchen Setzoom schon zum guten Ton, durch den Brennweitenverlängerungsfaktor entspricht es einem 29-216mm-Objektiv. Beim Fokussieren vermisst man den Ultraschallmotor, was sich in der Geschwindigkeit bemerkbar macht, die Lautstärke ist hingegen erträglich. Dank Innenfokus ändert Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]sich weder die Baulänge, noch rotiert die Frontlinse, was für den Einsatz von Polfiltern wichtig ist. Zum manuellen Fokussieren fehlt allerdings eine Entfernungsskala. Ist die Kamera sonst in allen Belangen hervorragend schnell, gönnt sie sich im Mittel 0,5-0,6 s für die Scharfstellung. Dafür hat man einen universell verwendbaren Brennweitenbereich – für Motive wie in der Sportfotografie empfiehlt sich aber ein passenderes Objektiv mit mehr Telebrennweite und Ultraschallantrieb. Von der Verarbeitung und dem Preis-Leistungsverhältnis ist das 18-135 mm aber durchaus ein besseres Einsteigerobjektiv und dem klassischen 18-55 mm klar vorzuziehen.

Am Autofokusmodul selbst gibt es hingegen kaum etwas auszusetzen. 19 Kreuzsensoren sorgen für eine präzise Scharfstellung, der mittlere Autofokussensor ist sogar besonders lichtempfindlich und präzise, was die Leistung mit F2,8 verbessert. Neben einer automatischen Fokuspunktwahl, selbstverständlich wahlweise auch mit Motivverfolgung, kann der Autofokus auch auf ein einzelnes Messfeld begrenzt werden. Sehr praktisch ist aber auch die Wahl einer Gruppe von Autofokusmessfeldern, z. B. den mittleren Neun oder wahlweise von Vieren links, rechts, oben oder unten. Bei wenig Licht bleibt der Autofokus recht zuverlässig, dem Modul reichen sogar dunkle -0,5 LW, um noch scharf stellen zu können. Weniger schön ist dagegen das Autofokushilfslicht, das mit einer ungemütlichen Blitzsalve arbeitet. Eine Unsitte, die selbst bis in diese Kameraklasse durchgeschlagen ist.

Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Da kann man durchaus auch zur manuellen Fokussierung greifen, die dank großem Sucher problemlos möglich ist. Die AF-Sensoren bleiben dabei aktiv und leuchten auf, wenn sie etwas "Scharfes" entdecken, auch der typische Piepton bei erfolgter Scharfstellung bleibt nicht aus. Wer dagegen lieber pixelgenau und mit Hilfe einer digitalen Lupe, idealer Weise vom Stativ aus, fokussieren möchte, kann dies im LiveView-Betrieb tun. Hier steht neben dem Autofokus auch eine Scharfstelllupe zur Verfügung, die auf dem Bildfeld frei verschoben werden kann.

Bildqualität Der 18 Megapixel auflösende APS-C-Sensor stellt durchaus hohe Anforderungen an die Objektive. Dessen sind sich die Canon-Ingenieure bewusst, und so ist kein billiges 18-55 mm das Standardzoom der 7D, sondern das zoomstärkere und neue 18-135 mm. Ob dieser moderate Zoomriese aber den Sensor auszureizen weiß, ist fraglich. Diese Kombination fand den Weg ins DCTau-Testlabor, wo sie durchgemessen wurde. Die Bewertungen in diesem Test basieren auf den Ergebnissen, wer sich aber für Auflösungsdiagramme u. ä. interessiert, sollte ins kostenpflichtige Labor-Protokoll schauen. Inhaber einer digitalkamera.de-Labortestflatrate (je nach Buchungszeitraum 4,16 bis 9,90 EUR im Monat), können das Protokoll ohne Extrakosten einsehen, alle anderen zahlen 1,40 EUR. Ebenfalls getestet wurde die 7D mit dem Canon 50er Makro, für diesen Test gelten dieselben Preise.

Eine der spannendsten Fragen, ob das Objektiv die Auflösung schafft, kann man mit "ja, aber mit Einschränkungen" beantworten. Vor allem in der Bildmitte ist die Auflösung erstaunlich hoch. Bei Offenblende jedoch muss man bei allen Brennweiten mit einem deutlichen Randabfall leben. Am konstantesten ist die Auflösung bei mittlerer Brennweite, den stärksten Abfall gibt es nicht im Weitwinkel, sondern bei Tele. Blendet man das Objektiv dagegen auf F7,1-F8 ab, sinkt zwar die Auflösung in der Bildmitte leicht, weil dann schon Beugungsunschärfe eintritt, die Gleichmäßigkeit der Auflösung bis zum Bildrand gewinnt aber deutlich, vor allem bei Weitwinkel und mittlerer Brennweite. Bei Tele bleibt der Randabfall sichtbar. Ungewöhnlich für Canon hat das 18-135 mm in Bezug auf die Auflösung seine Schwächen also ausgerechnet im Telebereich.

Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Etwas anders sieht es bei der Randabdunklung aus. Die Vignettierung ist bei Offenblende in allen drei Brennweiten vor allem in den äußersten Bildecken sichtbar, im Weitwinkel am stärksten, bei mittlerer Brennweite am geringsten. Abgeblendet verringert sich die Randabdunklung, ist aber weiterhin bei Weitwinkel und Tele am stärksten. Wer mag, kann die Vignettierungskorrektur der Kamera zuschalten. Die arbeitet ans Objektiv angepasst, weiß also, wann sie wie stark korrigieren muss. Nebeneffekte sind ein höheres Rauschen in den Bildecken und ein leichter Auflösungsverlust. Die Korrektur ist beim 18-135 mm aber nicht unbedingt nötig, vor allem, wenn man abblendet. Bei der Verzeichnung sieht das Bild etwas anders aus. Sie ist in allen drei gemessenen Brennweiten deutlich sichtbar. Im Weitwinkel stark tonnenförmig, was vor allem bei Landschats- und Architekturfotografie störend ist, bei mittlerer Brennweite hingegen ist die Verzeichnung kissenförmig. Absolut ist sie zwar geringer als im Weitwinkel, wird aber subjektiv stärker und unangenehmer wahrgenommen. Die geringste Verzeichnung, aber immer noch sichtbar kissenförmig, hat das Objektiv in Telestellung.

Die hohe Auflösung lässt vermuten, was die Testbilder bestätigen: Feine Bilddetails werden zugunsten der hohen Auflösung sehr aggressiv aufbereitet, was an feinen Strukturen zu allerlei unangenehmen Störungen wie Aliasing, Farbartefakten und Moirés führt. Hier ist die Canon gegenüber Wettbewerbern dieses Segments deutlich aggressiver. Wer die Bilder also bearbeiten will, sollte aus dem Grund zum RAW-Format greifen. Wer nicht bearbeiten möchte, findet hingegen bei JPEG die knackigen Ergebnisse sicher ansprechend. Zurückhaltender, vor allem im Vergleich zu früheren Canon-Kameras, ist da schon die Scharfzeichnung, wobei die helle Seite einer Kante stärker geschärft wird, was zu leichtem Weißclipping bzw. Doppelkonturen führen kann, aber angesichts der enormen Auflösung nur bei sehr großen Ausbelichtungen auffallen könnte, wenn man weiß, wonach man sucht.

Canon EOS 7D [Foto: MediaNord]Das Rauschen wird hingegen hervorragend unterdrückt. Bis einschließlich ISO 3.200 ist es auf einem so niedrigen Niveau, dass man diesen Einstellungsspielraum sorglos ausreizen kann. Bei ISO 6.400 und vor allem 12.800 wird das Helligkeitsrauschen deutlich aggressiver – ist aber angesichts der Lichtempfindlichkeit verschmerzbar. Die Eingangsdynamik ist bis ISO 1.600 auf sehr gutem Niveau, beginnt aber ab ISO 3.200 um mehr als eine Blendenstufe einzubrechen. Die Tonwertwiedergabe ist dabei ebenfalls "knackig" ausgelegt. Während die Lichter etwas und die Schatten stark weicher wiedergegeben werden, sind vor allem die mittleren Bildhelligkeiten deutlich aufgesteilt, um mehr Kontrast und Schärfeeindruck zu suggerieren. Der Schattenwert wird in JPEG nicht voll, aber doch gut genug ausgeschöpft, das Schwarz ist eher ein sehr dunkles Grau. Der Lichterwert ist hingegen sehr gut.

Die JPEG-Komprimierung teilt sich bei jeder Auflösungsstufe in zwei Qualitätseinstellungen. Die bessere Qualität arbeitet an der Grenze des visuell Verlustfreien und zeigt keine Artefakte, die höhere Komprimierung spart die Hälfte des Speicherplatzes und ist durchaus auch noch verwendbar. Die Auflösungsstufen sind mit 18, 8 und 4,5 Megapixeln aber viel zu weit auseinander, so dass dem Anwender hier kaum Spielraum für die gewünschte Einstellung bleibt. Gewohnt zuverlässig arbeiten die besonders verlässliche Belichtungsmessung und der automatische Weißabgleich, wobei man vor allem beim warmtönigen Kunstlicht (Glühlampen, Kerzen etc.) aufpassen sollte, ob die Kamera die Lichtsituation nicht doch zu farbstichig bzw. warmtönig wiedergibt. Zur Not hilft ein Preset oder manueller Abgleich.

Fazit Canon ist es mit der EOS 7D gelungen, im APS-C-DSLR-Segment neue Maßstäbe zu setzen. Hatte man einer Nikon D300 oder D300S lange nichts entgegen zu setzen, hat sich das nun deutlich zugunsten von Canon verschoben. Dafür hat der Kamerahersteller aber auch alle Register gezogen und Autofokusmodul, Sucher, Ausstattung und vor allem die Bedienung gegenüber der EOS 50D deutlich überarbeitet und verbessert. Zwar zwingt die Anordnung der Bedienelemente manchen langjährigen Canon-Fotografen zur Umgewöhnung, aber die Einarbeitung lohnt sich. Selbst bei der Bildqualität bricht die EOS 7D zumindest bei der Auflösung alle bisherigen Rekorde – Voraussetzung ist allerdings ein entsprechend gutes Objektiv. Alles in allem leistet sich die EOS 7D praktisch keine eklatanten Schwächen, und so bekommt der ambitionierte Hobbyfotograf sowie der Profi gleichermaßen ein Werkzeug an die Hand, das seinesgleichen sucht.


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