Kamera-Tests Auswahl

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Kameras

Steckbrief
Hersteller Canon
Modell EOS 60D
Preis ca. 1.150 EUR**
Sensor Auflösung 18 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.184 x 3.456
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv EF-S 18-135 mm 1:3,5-5,6 IS
Filtergewinde 67 mm
Sucher Pentaprisma
  Sichtfeld 96%
  Vergrößerung 0,95-fach
  Dioptrienausgleich -3 bis +1 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 1.040.000
  drehbar ja
  schwenkbar ja
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC,
HDMI (component)
  als Sucher ja
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme
  Porträt ja
  Kinder/Baby
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 1
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Spot
Blitz ja
  Leitzahl 14,4 (Messung)
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC, MMC
Videomodus ja
  Format MOV
  Codec H.264
  Auflösung (max.) 1.920x1.080
  Bildfrequenz (max.) 30 Bilder/s
Empfindlichkeit
  automatisch 100-6.400
(erweiterbar auf 12.800)
  manuell ISO 100-6.400 (12.800)
Weißabgleich
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl, WB-Feinkorrektur
  Manuell ja (2 Speicher)
Autofokus
  Anzahl
  Messfelder
9
  AF-Hilfslicht Stroboskop
  Geschwindigkeit ca. 0,4-0,5 s
Sprachen Deutsch
  weitere 24
Einschaltzeit 0,1 s
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(betriebsbereit)
780 g (nur Gehäuse)
1230 g (mit Objektiv**)
Serienbildfunktion*
  Serienbildanzahl 64 (JPEG)
16 (RAW)
  Frequenz
    (Bilder/s)
5,8 (JPEG)
5,6 (RAW)
  Dauerlauf
    (Bilder/s)
1,5 (JPEG)
0,9 (RAW)
  mit Blitz
Zoom
  Zoomverstellung am Objektiv
  Zoomstufen stufenlos
  Zeit WW bis Tele
Speicher-
geschwindigkeiten*

  JPEG 0,7 s (5,6 MByte)
  RAW 1,1 s (24 MByte)
Auslösung während
d. Speicherns mögl.
ja
Akkulaufzeit ca. 1.100 Bilder (gem. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Lexar 2 GB 133x SDHC Speicherkarte
** mit Objektiv EF-S 18-135 mm 1:3,5-5,6 IS

Kurzbewertung

  • Manuelle Tonaussteuerung
  • Schnelle Bildfolge
  • Praxistaugliches Klappdisplay
  • FullHD-Videoaufnahme
  • Blitzsalve statt echtem AF-Hilfslicht
  • Langsamer Kontrast-AF
  • Kit-Objektiv nutzt nicht die 18 Megapixel
  • Verarbeitung auf Einsteigerniveau

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 85 %
Ausstattung 12,5 % 96 %
Handhabung 12,5 % 88 %
Geschwindigkeit 12,5 % 87 %
Bildqualität 50,0 % 85 %
Gesamtnote 87 %

Preisvergleich

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Canon EOS 60D

Canon EOS 60D mit 17-85 IS USM

Canon EOS 60D mit 18-135 IS

Canon EOS 60D mit 17-55 mm IS USM

Canon EOS 60D mit 17-85 mm IS und 70-300 mm IS

Canon EOS 60D mit 18-55 IS

Canon EF-S 18-135 mm 3.5-5.6 IS

Canon EOS 7D mit 18-135 IS

Canon EOS 550D mit EF-S 18-135 IS

Canon EOS 600D mit EF-S 18-135 IS



Testbericht

Canon EOS 60D

2010-12-23, aktualisiert 2010-12-30 Solide Kameras im Semiprofisegment, auch geeignet als Zweitgehäuse für Profis, das sind die zweistelligen EOS-Modelle von Canon. Die neueste Variante dieser Kameraklasse zwischen Einsteiger und High-End heißt EOS 60D und präsentiert sich als modellgepflegte 50D mit dem neuen 18-Megapixel-Sensor und schnellerem Bildprozessor, der nun auch FullHD-Videoaufnahmen ermöglicht. Die 60D liegt preislich zwischen der 550D und der 7D, wobei sie sich eher zur kleineren Schwester hin orientiert. Auf die Frage, ob dieser Preisunterschied gerechtfertigt ist, versuchen wir in diesem Testbericht eine Antwort zu finden.  (Stefan Meißner)

Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Die Canon EOS 60D kommt relativ kompakt daher. Der obligatorische Griffwulst ist für große Hände etwas klein geraten, so dass der kleine Finger der rechten Hand unter dem Griff landet. Die Kamera liegt trotzdem gut in der Hand und der Auslöser mit den präzisen Druckpunkten ist gut zu erreichen. Das Gehäuse besteht nicht, wie von der 50D gewohnt, aus Metall, sondern aus Kunststoff. Es macht zwar einen gut verarbeiteten Eindruck, fühlt sich aber deutlich weniger solide an, als man das in dieser Klasse erwartet. Auch die Schalter und Rädchen vermitteln eher den Charme einer Einsteiger-SLR, so dass 50D-Besitzer sicherlich zunächst enttäuscht sein werden. Der erste Eindruck vermittelt jedenfalls nicht die Wertigkeit, die der 50D-Aufsteiger wünscht. Dennoch ist die 60D solide verarbeitet und dank der Gummierung an den richtigen Stellen sehr griffig. Und einen Vorteil hat das verwendete Gehäusematerial: Gegenüber der Vorgängerin reduziert es dessen Gewicht um etwa 100 g auf 780 g. Mit dem diesem Test zugrunde liegenden Kit-Objektiv EF-S 18-135 mm 1:3,5-5,6 IS wiegt die 60D aufnahmebereit 1.230 g.

Die Gehäuseöffnungen für die Anschlüsse HDMI, USB, externes Mikrofon und Fernbedienung werden von einer einfachen Gummikappe ausreichend gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt, das Speicherkartenfach hingegen besitzt keinerlei Dichtungen. Lediglich die Batteriefachklappe ist mit einer dünnen Schaumgummieinlage gegen Wind und Wetter geschützt. Man sollte daher nicht allzu Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]viel Wetterfestigkeit erwarten. Das Stativgewinde aus Metall liegt exakt in der optischen Achse und selbst mit angesetzter großer Schnellwechselplatte lässt sich der Akku austauschen.

Auf der Gehäuseoberseite befinden sich links vom Prisma das Moduswahlrad mit dem Hauptschalter, rechts davon vier Taster für die wichtigsten Kamerafunktionen, das Hauptwahlrad und ein Informationspanel, das die wichtigsten Aufnahmeparameter zeigt. Die Rückseite wird zu zwei Dritteln vom nun klapp- und schwenkbaren 3 Zoll (7,6 cm) Display belegt, dessen Auflösung auf über eine Millionen Bildpunkte angewachsen ist. Mit dem Daumen gut erreichbar befinden sich rechts vom Display die Schalter für Menü, Bildinformationen, Wiedergabe, Ein- und Auszoomen und der von Canon „Multi-Controller“ genannte Mehrfach-Schalter. Dessen Prinzip ist recht ähnlich schon von den Kompaktkameras bekannt, hier aber in einer hinreichend großen Version ausgeführt, so dass er selbst mit großem Daumen gut zu bedienen ist: In Verbindung mit der „Q-Taste“ können diverse Kameraparameter sehr schnell ohne Umwege eingestellt werden.

Etwas kritischer muss da schon die Bedienung der anderen Tasten beurteilt werden: Das Hauptwahlrad, mit dem Blende oder Zeit verstellt werden können, liegt etwas ungünstig oberhalb des Auslösers, so dass es nur in leicht verkrampfter Haltung erreichbar ist. Das Schnellwahlrad auf der Kamerarückseite ist zwar gut mit dem Daumen zugänglich, macht aber einen etwas klapprigen Eindruck. Der Multi-Controller im Zentrum des Schnellwahlrades ist eigentlich eine 8-Wege-Wippe. Diese lässt leider einen eindeutigen Druckpunkt Canon EOS 60D [Foto: MediaNord]vermissen, was zur Fehlbedienung führen kann. Und zu guter Letzt nervt der Moduswähler: Zwar ist er vorbildlich gegen versehentliches Verstellen durch eine Arretierung gesichert. Er behindert aber schnelles Arbeiten dadurch, dass er einen Endanschlag hat. Will der Fotograf z. B. von der "Custom-Einstellung" (mit der oft benötigte Parameter gespeichert und abgerufen werden können) auf Videoaufnahme umschalten, muss eine vollständige Umdrehung ausgeführt werden. Im ungünstigsten Fall sind es also 14 Positionen, die abgedreht werden müssen. Das ist besonders umständlich, weil dabei ständig der Entsperrknopf gedrückt gehalten werden muss. Ohne Drehbegrenzung müsste man nur eine Position in die Gegenrichtung schalten.

Aber die Canon EOS 60D hat auch Sonnenseiten. Als erstes ist da natürlich das Display zu nennen. Nicht nur die hohe Auflösung von 1.040.000 Bildpunkten hebt es in dieser Disziplin auf das Siegertreppchen aller derzeit am Markt erhältlichen Kameras. Auch die enorme Farbbrillanz und Schärfe, die selbst bei sehr flachem Blick auf das Display nicht wesentlich nachlässt ist bemerkenswert. Und außerdem ist es über einen Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]Klappmechanismus nach allen Seiten dreh- und schwenkbar. In Verbindung mit dem LiveView ergeben sich dadurch völlig neue Möglichkeiten. Natürlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere Kameras entsprechend nachgerüstet werden, aber im Moment gibt es nur wenige Mitbewerber, die Ähnliches bieten.

Auch die Menüs gefallen gut: Es gibt elf Haupteinträge, die jeweils farbig in Gruppen zusammengefasst sind. Unter jedem dieser Reiter findet man maximal sieben Einstellmöglichkeiten. Im Videobetrieb werden dabei andere Optionen angezeigt als im Fotomodus. Die Menüs sind recht übersichtlich und lästiges Scrollen wird vermieden. So können z. B. in den ersten vier Menüs alle Kamerafunktionen kontrolliert und verändert werden. Der Daumen navigiert dabei sehr flüssig mit dem Multicontroller durch alle Menüpunkte und bestätigt Änderungen mit der Set-Taste. Wer es noch übersichtlicher haben möchte, stellt sich die sechs am häufigsten benötigten Menüeinträge im "My Menu" individuell zusammen, prima!

Canon EOS 60D – Hauptmenü [Foto: MediaNord]
Canon EOS 60D – LiveView [Foto: MediaNord]
Canon EOS 60D – Blitzeinstellungen [Foto: MediaNord]
Canon EOS 60D – Funktionsmenü [Foto: MediaNord]
Canon EOS 60D – Wiedergabe mit Detailansicht [Foto: MediaNord]
Canon EOS 60D – Schwarzweiß-Filter [Foto: MediaNord]
Ausstattung Für wen ist die 60D gemacht? Canon scheint diese Frage eindeutig uneindeutig geklärt zu haben: Für alle! Von der "Knopfdruckautomatik", bei der die Kamera alle Einstellungen selbstständig vornimmt, über Motivprogramme (Landschaft, Portrait, Sport, Makro, Nacht), "normale" Programm-, Zeit- und Blendenautomatik bis hin zur vollständig manuellen Kontrolle bietet sie alles für Einsteiger und Profis. Dabei bekommt die 60D diesen Spagat zwischen "einfach drauf los" und gezielter Kontrolle ausgezeichnet hin. Anfänger vertrauen der "grünen" Vollautomatik, die zuverlässig funktioniert. Für Experimentierfreudige gibt es eine "Kreativ-Automatik", bei der z. B. die Hintergrund(un)schärfe beeinflusst werden kann. Für Profis und Studiofotografen lässt sich die 60D vollständig manuell einstellen. Schade nur, dass Canon den PC-Kontakt für die Studioblitzanlage weg rationalisiert und damit sicherlich 20 Cent gespart hat...

Für die Belichtungsmessung stehen Mehrfeld-, Selektiv, Spot- und Integralmessung zur Verfügung, zwischen denen mit einer Direktwahltaste sehr schnell umgeschaltet werden kann. Die Empfindlichkeit des Sensors variiert dabei von ISO 100 bis 6.400 automatisch, mit dem extra zu aktivierenden "H-Modus" sogar bis ISO 12.800. Eine Begrenzung der maximalen Empfindlichkeit der Automatik auf niedrigere Werte ist selbstverständlich auch möglich. Reicht die Empfindlichkeit einmal nicht aus, hilft der eingebaute Blitz weiter. Bei einigen Motivprogrammen und der Vollautomatik klappt er bei Bedarf sogar automatisch aus. Er kann auf den ersten oder zweiten Vorhang synchronisiert werden und blitzt entweder ohne oder mit Berücksichtigung des Umgebungslichts, was natürlich zu längeren Verschlusszeiten führen kann. Mit Leitzahl 13 hat er für viele Gelegenheiten genügend Kraft, die er auch korrekt und farbneutral ins Bild bringt. Die Ausleuchtung ist für das Kit-Objektiv völlig ausreichend und ohne Gegenlichtblende wirft es selbst im Nahbereich nur einen kleinen Schatten. Beim Fokussieren hilft der Blitz mit einem kleinen aber auffälligen Gewitter. Rote Augen jedoch werden mit Hilfe einer grellgelben Lampe vermindert. Der kleine Lichtspender kann außerdem externe Blitzgeräte der Canon Speedlite EX-Serie fernsteuern. Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass beim Deaktivieren des Blitzes im Menü auch der Blitzschuh abgeschaltet wird. Sollte die Studioblitzanlage also aus unerfindlichen Gründen streiken, ist ein Blick ins Menü hilfreich. Dort findet man auch umfangreiche Möglichkeiten, Schärfe, Sättigung und Farbwiedergabe der JPEG-Datei zu beeinflussen. Außerdem kann bestehenden Bildern z. B. eine Körnigkeit wie von analogem Filmmaterial oder eine Tiefenunschärfe zugewiesen und als neue Datei gespeichert werden. Profis werden die Möglichkeit schätzen, ihre RAW-Dateien in der Kamera konvertieren zu können und dabei Einfluss auf Belichtung, Weißabgleich, Kontrast, Rauschreduzierung und andere Eigenschaften nehmen zu können.

Bei der korrekten horizontalen Ausrichtung der Kamera hilft der integrierte Orientierungssensor. Wenn mit der Info-Taste die digitale Wasserwaage aktiviert wird, erscheint auf dem Monitor ein virtueller Horizont. Wer auch im Sucher eine entsprechende Anzeige wünscht, muss die in den Individualmenüs gut versteckte Funktion finden und aktivieren. Mit Druck auf die Set-Taste erscheint dann an Stelle der Belichtungsanzeige die Wasserwaage unterhalb des Sucherbildes. Der Orientierungssensor erkennt natürlich auch Hoch- oder Querformat und speichert diese Information auf Wunsch in den Metadaten der Bilddatei ab. Auf dem Display und im Bildbearbeitungsprogramm wird dann das Foto automatisch entsprechend der Formatlage dargestellt. Außer der Wasserwaage gibt es ein Gitter und das Histogramm, bei der Wiedergabe zusätzlich eine Überbelichtungswarnung.

Eindeutig den größten Fortschritt gegenüber der 50D bietet das tolle Klapp-Display. Im LiveView-Modus entfaltet sich der volle Nutzen, wenn aus schwierigen Perspektiven unauffällig fotografiert werden muss. Das wird besonders Reportagefotografen freuen. Mit der griffgünstig neben dem Okular angebrachten LiveView-Taste klappt man den Spiegel hoch und sieht das 100%ige Bild auf dem super scharfen Display. Mit der Infotaste lassen sich jede Menge Daten einblenden, so z. B. auch ein Live-Histogramm oder besagte Wasserwaage. Die im Menü zu aktivierende Belichtungsvorschau simuliert sowohl Belichtungskorrekturen als auch Weißabgleicheinstellungen recht zuverlässig. Eine sinnvolle Funktion ist der Leise-Modus, bei dem der Spiegel nicht unnötig hin- und herklappt. So ist nur das leise Klacken des Schlitzverschlusses zu hören. Schade nur, dass der Kontrast-AF sehr langsam ist und dann auch manchmal daneben liegt.

Im Videomodus empfiehlt sich das manuelle Scharfstellen sowieso, denn das Knarzen des AF-Antriebs wird vom eingebauten Monomikrofon wunderbar präsent eingefangen. Abhilfe schafft hier nur der Anschluss eines externen (Stereo-) Mikrofons, das dann auch in Stereo aufnimmt. Mit 3,5 mm Klinkenstecker ausgestattet findet es hinter der Gummikappe Anschluss. Die Aufzeichnungsqualität lässt sich von maximal FullHD (1.920 x 1.080 Pixel) mit 25 bzw. 24 Bildern pro Sekunde über 1.280 x 720 Pixel auf 640 x 480 Pixeln und 50 Bildern pro Sekunde einstellen. Eine nette Idee ist, dass auch ein 640 x 480 Pixel großer Ausschnitt des Sensors verwendet werden kann. Canon bastelt daraus ein siebenfaches Digitalzoom. Für die Tonaufnahme stehen automatische und manuelle Aussteuerung zur Verfügung, was Film-Profis unbedingt Canon EOS 60D  [Foto: MediaNord]benötigen. Bei der Wiedergabe können neben der Normalgeschwindigkeit auch verschiedene Zeitlupen eingestellt sowie Anfang und Ende aufgezeichneter Videos sekundengenau beschnitten werden.

Nominal schafft die EOS 60D 5,3 Bilder pro Sekunde, bei unserem Test sogar mehr: 5,6 Rohbilder und sogar 5,8 JPEGs schaufelt die Kamera je Sekunde in den internen Speicher. Leider ist dieser etwas sparsam ausgestattet, so dass der Spaß im Rohformat nach nur 16, komprimiert nach immerhin 64 Bildern beendet ist. Muss die Karte als Speicherort herhalten, verlangsamt sich die Bildgeschwindigkeit auf 0,9 (RAW) bzw. 1,5 (JPEG) Bilder pro Sekunde. Die hohe Bildgeschwindigkeit erreicht die Canon aber nur bei normaler Beleuchtung, im Dunkeln wird sie deutlich langsamer (auch bei abgestelltem AF). Bei der hohen Geschwindigkeit kommt der Nachführ-Autofokus nicht ganz mit.

Objektiv Canon hat eines der größten und umfangreichsten Objektivprogramme aller Kamerahersteller. Vom Extremweitwinkel bis zum Supertele ist alles vorhanden, es gibt daher Objektive für jeden Geldbeutel. Welches aber passt nun zur 60D? Das wird der Profi sicher ganz anders beurteilen als der Einsteiger. Canon hat für die 60D das EF-S 18-135 mm 3,5-5,6 IS als Kit-Objektiv vorgesehen und damit eher dem ambitionierten Einsteiger einen (preislichen) Gefallen getan. Für ca. 300 € Aufpreis Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]auf das Gehäuse bekommt man ein Objektiv mit dem am häufigsten benötigten Brennweitenbereich inklusive optischem Bildstabilisator. Von den Eckdaten kann man schon beeindruckt sein, denn immerhin deckt das Objektiv den verglichen mit Kleinbild großen Bereich zwischen etwa 29 mm und über 200 mm ab. Ein Objektiv für alles, ein "Immer-dran"-Objektiv.

Betrachtet man die Sache näher, wird schnell klar, wo gespart wurde: Außer dem Bajonett (und natürlich den Linsen) ist es vollständig aus Kunststoff. Der AF-Motor verrichtet zwar einigermaßen schnell aber durchaus vernehmlich seine Arbeit. Eine Entfernungsskala ist dem Sparzwang genau so zum Opfer gefallen wie eine Gegenlichtblende. Die kann natürlich als Zubehör erworben werden. Außerdem stört, dass der Schärfering vom AF-Motor mitgezogen wird. Das ist einerseits beim Halten der Kamera hinderlich und andererseits behindert der Fotograf dabei möglicherweise den Motor. Besonders dann, wenn er manuell in die Schärfe eingreifen möchte, ist das blöd. Mit einer Vierteldrehung des breiten Zoomrings erreicht man das lange Ende des Brennweitenspektrums, wobei das Objektiv auf Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]das 1,5fache seiner Länge anwächst. Positiv ist die angenehme Leichtgängigkeit des Drehrings, die dennoch nicht dazu führt, dass sich das Zoom selbständig durch die Schwerkraft verstellt. Vorbildlich ist auch, dass sich die Fassung weder beim Fokussieren noch beim Zoomen mitdreht. Das ist vorteilhaft bei der Verwendung eines Polfilters. Insgesamt aber macht das 7,5fach-Zoom einen wenig Vertrauen erweckenden Eindruck.

Lichtblicke hingegen gibt es bei der Konfigurierbarkeit der AF-Messfelder: Mit einer Direktwahltaste kann man entweder der Kamera die Auswahl der 9 AF-Messfelder überlassen oder selbst das passende auswählen. Gruppen von Messfeldern sind leider nicht möglich. Welches Messfeld auch immer der Fotograf wählt, die Canon ist trotz des einfachen AF-Motors relativ schnell. Durchschnittlich eine knappe halbe Sekunde vergeht vom Antippen des Auslösers bis zur Aufnahme. Vorfokussiert benötigt die Canon 60D eine gute Zehntelsekunde dafür, was im Allgemeinen als "sofort" empfunden wird. Im LiveView kann dasselbe Autofokusmodul seinen Dienst verrichten, allerdings muss dazu der Spiegel runter und wieder hochklappen, was den Geschwindigkeitsvorteil fast wieder aufzehrt. Geräuschloser geht der Kontrast-AF zur Sache. Das Fokusfeld kann manuell fast über das gesamte Bildfeld verschoben werden oder automatisch einem Gesicht folgen. Bei guten Lichtverhältnissen funktioniert das zwar träge aber sicher. Im Dämmerlicht wird der Kontrast-AF zur Qual: Er sucht sekundenlang verzweifelt die korrekte Entfernung, stoppt dann kurz an der richtigen Stelle um im letzten Moment doch noch ein Stück daneben zu fokussieren. Hier sollte auf jeden Fall manuell eingegriffen werden. Eine mit dem Daumen zuschaltbare 5- oder 10-fach-Lupe erleichtert dies enorm.

Canon EOS 60D Speicherkartenfach und Batteriefach [Foto: MediaNord]Die Kontrolle der Schärfentiefe erfolgt über einen für die linke Hand griffgünstig am Bajonettanschluss der Kamera angebrachten Taster. Es scheint, als ob Canon beim 18-135 mm Objektiv zu viele Zugeständnisse machen musste. Das Zoom passt einfach nicht richtig zur Kameraklasse einer 60D.

Bildqualität Auf der Sensorfläche von 22,3 x 14,9 mm drängeln sich 5.184 x 3.456 Pixel. Das entspricht einer Kantenlänge eines Pixels von ungefähr 4 Mikrometern. Ein Haar ist 10 Mal so dick! Führt man sich diese Dimensionen vor Augen wird schnell klar, welche hohen Anforderungen an ein Objektiv gestellt werden, das die achtzehn Megapixel der Canon EOS 60D bedienen können soll. Wir haben wie immer die optische Qualität im DCTau-Testlabor untersuchen lassen. Das vollständige Protokoll ist gegen 1,40 Euro über den weiterführenden Link abrufbar. Im Protokoll wird der Wirkungsgrad mit rund 60 Prozent am langen und kurzen Ende bis maximal 80 Prozent in der mittleren Brennweite angegeben. Das bedeutet, dass nur etwa 10 bis 14 Megapixel effektiv nutzbar sind. Immerhin ist diese mittelmäßige Auflösung über das ganze Bildfeld recht konstant. Das relativ lichtschwache Objektiv wird durch Abblenden nicht wesentlich besser, nur die Randunschärfe des Telebereichs wird bei geschlossener Blende gleichmäßiger. So gesehen kann es getrost bei offener Blende eingesetzt werden. Die Schärfung in der Kamera zeigt an Kanten helle bzw. dunkle Säume und ist eher für den schnellen Gebrauch des Fotos gedacht. Das führt aber auch zu Problemen an feinen Strukturen, sogenannte Artefakte entstehen.

Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]Das Rauschen, besonders problematisch bei so hohen Pixeldichten, hat Canon sehr gut reduziert: Der Empfindlichkeitsbereich kann ohne Reue bis ISO 3.200 genutzt werden, darüber gesellt sich zur üblichen Körnung ein leichtes Farbrauschen. Bis zu dieser Empfindlichkeit kann auch die Eingangsdynamik überzeugen, durchgängig über achteinhalb Blendenstufen stellt die 60D zur Verfügung. Erst ab ISO 3.200 unterschreitet sie die 8 Blenden. Dabei ist die Tonwertaufbereitung wiederum für die direkte Verwertung des Fotos gedacht: In den Mitteltönen deutlich "knackig" und in den hellen und dunklen Bereichen flach. Wer ausgiebige Tonwertkorrekturen durchführen möchte, sollte zur Rohdatei greifen. Dort kann man auch am besten die etwas zu hellen Schwarzwerte verstärken.

Ein düsteres Kapitel ist die Verzeichnung. Im gesamten Brennweitenbereich treten deutlich sichtbare Verkrümmungen eigentlich gerader Kanten auf. Besonders die Weitwinkelposition zeigt stark tonnenförmige Durchbiegung, die sogar schon im Sucher sichtbar sind. Aber auch die mittlere und lange Brennweite haben mit Verzeichnung zu kämpfen, hier aber kissenförmig. Damit schließt sich die Verwendung dieses Objektivs für anspruchsvolle Landschaftsaufnahmen aus, insbesondere, wenn der Horizont im Bild ist. Für Architekturfotografie oder Reproduktionszwecke ist es gänzlich ungeeignet. Bei der Vignettierung ist das Bild nicht ganz so traurig. Zwar gibt es im gesamten Brennweitenbereich eine sogenannte "spontane" Abdunkelung der Bildecken. Canon hat aber eine automatische Korrektur für dieses und andere Objektive in der Kamera hinterlegt. Hat die 60D das Objektiv erkannt, kann der Fotograf die Korrektur im ersten Kameramenü aktivieren. Dadurch wird der Effekt deutlich aber nicht vollständig reduziert und bleibt in kritischen Szenen sichtbar. Die Belichtung der 50D-Nachfolgerin erwies sich im Praxiseinsatz als sehr zuverlässig. Selbst unter kritischen Lichtbedingungen traf sie selten falsche Canon EOS 60D mit EF-S 18-135 mm 1:3.5-5.6 IS [Foto: MediaNord]Entscheidungen. Nur im Schnee blieb sie etwa zwei Blendenstufen unter der korrekten Belichtung, was aber bei allen Kameras auftritt und leicht zu korrigieren ist. Die viel kritischere Überbelichtung kam nicht vor. Auch der Weißabgleich ist meist untadelig, nur bei Kunstlicht fiel die Stimmung etwas zu warm aus. Aber auch hier liegt vieles im Auge des Betrachters und der kann im Menü der 60D weitreichenden Einfluss nehmen.

Fazit Als Nachfolgerin wird die Canon EOS 60D so manchen 50D Fotografen enttäuschen. Weder die Gehäusequalität noch die Hebeleien und Schalter entsprechen dem Erwarteten. Die vermeintlich höhere Auflösung wird vom Kit-Objektiv Lügen gestraft. Hat man den Vergleich zur 50D nicht, stellt sich die Sache anders dar: Die EOS 60D ist eine Kamera für finanzstarke Einsteiger und sparsame Profis. Beide werden die tolle Ausstattung zu schätzen wissen, wobei die 60D durch das Klappdisplay beinahe konkurrenzlos wird. Profis sollten das im Kit angebotene EF-S 18-135 mm 3,5-5,6 IS allerdings vermeiden und selbst ein passenderes Objektiv auswählen. Canon-Fans, die auf das geniale Display verzichten können und den für das Gebotene relativ hohen Preis nicht zahlen wollen, sind mit der 550D bestens bedient. Anspruchsvolle, die die Solidität einer semiprofessionellen Kamera wünschen, werden zur 7D greifen.


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