Kompakttest

Canon EOS 1200D

2014-05-22 Canon war der erste Hersteller, der digitale Spiegelreflexkameras auch für die Masse erschwinglich machte. So ist es nur konsequent, dass der Hersteller mit der aktuellen EOS 1200D erneut eine DSLR präsentiert, die vor allem eines ist: günstig. Obwohl die EOS 1200D inklusive Set-Objektiv den Preis so mancher Edel-Kompakten locker unterbietet, erwartet der Käufer natürlich zu Recht, dass die Kamera alle Vorteile bietet, die einer DSLR gemeinhin nachgesagt werden: Eine sehr gute Bildqualität, gute Ergonomie und vor allem eine möglichst uneingeschränkte Erweiterbarkeit. Kann die EOS 1200D diese Erwartungen erfüllen? Unser Kompakttest sucht Antworten auf diese Frage und klärt, welche Einschränkungen man beim Einstiegsmodell ins EOS-System hinnehmen muss.  (Martin Vieten)

Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]Ergonomie und Verarbeitung Dass die Entwickler der Canon EOS 1200D unter einem strengen Spardiktat standen, merkt man augenblicklich, wenn man sie in die Hand nimmt: ihr Gehäuse ist unverkennbar aus Kunststoff gefertigt. Während andere Hersteller oftmals versuchen, diesen Umstand mit ein paar Applikationen oder einer schicken Oberfläche zu kaschieren, spart sich Canon derartige Bemühungen. Die EOS 1200D strahlt den spröden Charme von Plaste und Elaste aus. Das gilt übrigens auch für das Set-Objektiv Canon EF-S 18-55/3.5-5.6 IS II, bei dem sogar der Bajonettanschluss aus Kunststoff besteht. Einen Vorteil hat die üppige Verwendung der Polycarbonate jedoch: Die EOS 1200D ist gemessen an ihrer Größe ausgesprochen leicht, betriebsbereit inklusive Set-Objektiv wiegt sie gerade einmal 670 Gramm.

Für eine DSLR ist die EOS 1200D relativ schlank geraten, dennoch liegt die Kamera hervorragend in der Hand. Dazu trägt vor allem auch der weit nach vorne gezogen Handgriff bei. Allerdings hätte Canon den Kunststoff am Griff und an der Daumenmulde gerne noch stärker riffeln dürfen. Denn durch die nur schwach aufgeraute Oberfläche geht bei feuchten Händen viel Grip verloren. Die Bedienelemente sind ergonomisch günstig Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]angeordnet, die wichtigsten Funktionen lassen sich daher ohne langes Suche aufrufen. Weiter erleichtert wird die Bedienung durch das interaktive Info-Display, auf dem sich die angezeigten Parameter direkt ändern lassen. Das ginge jedoch noch komfortabler, wenn das Display berührungsempfindlich wäre, doch auf ein Touchdisplay muss man bei der EOS 1200D verzichten. Im Vergleich zur Vorgängerin hat Canon die Auflösung des 3-Zoll-Displays ungefähr verdoppelt, wirklich hoch löst es mit rund 460.000 Punkten indes nicht auf.

Die EOS 1200D bietet zwar Live-View, doch hauptsächlich wird man mit dieser DSLR mit dem Blick durch den Sucher fotografieren. Das Sucherbild wird mit einer kostengünstigen Pentaspiegelkonstruktion erzeugt, es ist etwas dunkel und vor allem sehr klein. Und anders als der elektronische Sucher einer spiegellosen Systemkamera, zeigt der DSLR-Sucher Prinzip bedingt nur sehr wenige Informationen. Im Live-Modus bringt die EOS 1200D das Sucherbild aufs Display, wirklich brauchbar ist Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]das in der Praxis aber nicht. Das liegt vor allem am Autofokus, der im Live-View-Modus erschreckend langsam arbeitet. Da vergehen schon einmal mehrere Sekunden, bis er sein Ziel gefunden hat. Hinzu kommt, dass das Display starr verbaut ist und im hellen Sonnenscheint auch noch spiegelt.

Akku und Speicherkarte teilen sich ein gemeinsames Fach, das vom Boden der Kamera her zugänglich ist. Leider ist der Platz für den Energiespender recht knapp bemessen, sodass der ziemlich kleine Akku nur für ca. 500 Aufnahmen reicht. Zur Datenübertragung hat Canon die EOS 1200D mit je einer USB- und HDMI-Buchse ausgestattet, die unter einer billig wirkenden Abdeckung aus Weichplastik verschwinden. Unter derselben Klappe findet sich ferner eine Buchse zum Anschluss einer Kabelfernbedienung.

Ausstattung Beim Gehäuse und dem Sucher der EOS 1200D hat Canon kräftig gespart. Gilt das auch für die Ausstattung der Einsteiger-DSLR? Zunächst einmal gibt es alle wichtigen Grundfunktionen, die sich sowohl unerfahrene Fotografen wie fortgeschrittene so wünschen. Eine Vollautomatik nimmt einem auf Wunsch alle Einstellungen ab, Eingriffe erlaubt sie jedoch nicht. Wer darauf Wert legt, schaltet in die „Kreativ-Automatik“ um, in der sich Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]immerhin die Schärfentiefe beeinflussen lässt und die Reihenaufnahmen möglich macht. Zusätzlich gibt es fünf Motivprogramme, etwa für Portrait- oder Landschaftsaufnahmen. Das ist zwar nicht gerade ein üppiges Angebot, wenigstens lassen sich die Motivprogramme bequem über das Moduswählrad vorgeben. Weitere Sonderfunktionen, etwa ein HDR-Programm oder eine Panorama-Automatik kennt die EOS 1200D nicht.

Wer sich nicht auf die Automatiken verlassen möchte, kann die EOS 1200D auch als reinen Belichtungsautomaten betreiben oder die Belichtung gar manuell steuern. Auf Wunsch nimmt die handliche DSLR Belichtungsreihen auf, wobei sie erfreulich viele Konfigurationsmöglichkeiten bietet. Der Autofokus der EOS 1200D arbeitet so gerade noch zügig, scharf gestellt und ausgelöst hat sie nach rund 0,4 Sekunden. Allerdings ist sie mit nur neun AF-Sensoren nicht gerade üppig ausgestattet. Praktisch ist dagegen, dass sich direkt am Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]Set-Objektiv zwischen Autofokus und manuellem Fokus umschalten lässt. Ein weiterer Schalter am Objektiv aktiviert beziehungsweise deaktiviert den optischen Bildstabilisator.

Wenn es ums Blitzlicht geht, gibt sich die kleine EOS 1200D erwachsen. Ihr Bordblitz ist mit Leitzahl 9,2 (Herstellerangabe) potent genug, um ein Portrait im Gegenlicht auszuleuchten oder einen kleineren Raum zu erhellen. Clever ist auch, dass Canon die Kamera mit einem Hilfslicht versehen hat, das hilft, rotgeblitzte Augen zu vermeiden. Schade allerdings, dass dieses Hilfslicht nicht auch den Autofokus unterstützt – stattdessen feuert die EOS 1200D eine kräftige Blitzlichtsalve ab. Falls der Bordblitz nicht reicht, lässt sich die Kamera mit einem leistungsfähigen Systemblitzgerät ausstatten, einen entsprechenden ISO-Schuh hat Canon nicht vergessen.

Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]Wenn es um Videoaufnahmen geht, hat die EOS 1200D mehr zu bieten als ihre Vorgängerin. Canons aktuelle Einsteiger-DSLR zeichnet nun in Full-HD-Auflösung auf, allerdings mit einer eher bescheidenen Framerate von maximal 30 fps. Gegenüber einer Kompakt- oder spiegellosen Systemkamera hat die EOS 1200D jedoch noch mit ganz anderen Einschränkungen bei Videoaufnahmen zu kämpfen: Den Fokus kann sie nicht kontinuierlich nachführen, lediglich nach Antippen des Auslösers rattert der Autofokus los und braucht dann ewig, bis er sein Ziel findet. Zudem lässt sich das Sucherbild nur am ausgetrecktem Arm auf dem Display kontrollieren – keine besten Voraussetzungen für möglichst unverwackelte Videoaufnahmen. Nicht mehr ganz zeitgemäß ist zudem, dass die EOS 1200D den Filmton nur in Mono aufzeichnet.

Verzichten muss man bei der EOS 1200D auf eine WiFi-Verbindung zum Mobilgerät sowie auf einen GPS-Empfänger. Bescheiden sind auch die Bearbeitungsmöglichkeiten im Wiedergabemodus, immerhin kann man Bilder bei der Wiedergabe noch nachträglich mit einem Effektfilter verfremden.

Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]Bildqualität Warum sollte man sich heute noch eine DSLR kaufen, deren Ausstattungsniveau locker auch von einer leichten Kompaktkamera erreicht wird? Wegen der Bildqualität natürlich! Und dafür bringt die Canon EOS 1200D auf dem Papier beste Voraussetzungen mit: Ein Sensor im APS-C-Format zum Beispiel, der mit einer Auflösung von rund 18 Megapixeln zudem nicht zu hochgezüchtet erscheint. Und natürlich ein Wechselobjektiv, das den Schriftzug eines großen und traditionsreichen Kameraherstellers ziert. Ob die EOS 1200D die hohen Erwartungen erfüllen kann, die auf diese Weise wohlmöglich geweckt werden, musste sie im Testlabor von digitalkamera.de sowie in einem kurzen Praxiseinsatz unter Beweis stellen. Das detaillierte und ausführlich kommentierte Laborprotokoll, auf dem die folgenden Betrachtungen beruhen, gibt es wie immer gegen ein kleines Entgelt zur Einsichtnahme und als PDF-Download.

Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]Im Laborprotokoll fällt sogleich ins Auge, dass die ISO-Empfindlichkeit rund eine Drittel Blendenstufe höher ist als eingestellt. Die EOS 1200D liefert aber keineswegs entsprechend hellere Bilder, augenscheinlich berücksichtigt sie diesen Umstand bereits. Ein großer Vorteil lässt sich daraus indes nicht ziehen. Der Signal-Rauschabstand ist lediglich bis ISO 200 gut, bereits bei ISO 1.600 sinkt die Kurve unter die kritische Grenze von gerade noch akzeptablen 35 dB. Da verwundert es kaum, dass Helligkeitsrauschen bereits bei ISO 1.600 sichtbar und ab ISO 3.200 lästig wird. Insofern ist es nur konsequent, dass Canon der EOS 1200D eine maximale Empfindlichkeit von ISO 12.800 zutraut, die ISO-Automatik ist sogar auf ISO 6.400 begrenzt.

In Sachen Bildrauschen ist die EOS 1200D ist also nicht ganz auf dem Niveau, das man sich vielleicht von einer DSLR erhoffen würde. Das gilt auch für die Korngröße der Störungen, die etwas hoch ist. Wie sehr die interne Rauschunterdrückung der Kamera sich abrackert, illustriert die Canon EOS 1200D [Foto: MediaNord]Messung der Texturschärfe. Sie sinkt spätestens ab ISO 3.200 derart ab, dass die Aufnahmen weich und detailarm wirken. Sehr genau arbeitet dagegen der Weißabgleich. Die EOS 1200D gibt Farben insgesamt sehr neutral aber stark gesättigt wieder. Das ergibt einen kräftigen Bildeindruck, zu dem die knackig abgestimmte Tonwertkurve ihr Übriges beiträgt.

Noch vor wenigen Jahren hätte die Bildqualität der EOS 1200D sicherlich zu Begeisterungsstürmen hingerissen. Doch im heutigen Konkurrenzumfeld schwimmt die Kamera bestenfalls nur noch so mit. Das gilt ebenso für das Set-Objektiv. In Weitwinkelstellung zeigt das Zoom zwar, was prinzipiell in ihm steckt, weil es mit gut 50 Linienpaaren pro Millimeter (lp/mm) sehr hoch auflöst. Doch in Telestellung schwächelt das 3fach-Zoom merklich und kommt mit einer maximalen Auflösung von 45 lp/mm kaum über das Niveau einer guten Kompaktkamera. Obendrein ist das Set-Objektiv noch recht anfällig für chromatische Aberrationen und zeigt entsprechend ausgeprägte Farbsäume an Kontrastkanten. Hinzu kommt eine lästig hohe Verzeichnung im Weitwinkelbereich, die plane Motive wie auf eine Litfaßsäule aufgeklebt erscheinen lässt.

Fazit Käufer einer DSLR erwarten eine gut zu bedienende Kamera mit wenigstens ordentlichem Funktionsumfang und überdurchschnittlicher Bildqualität. Doch gerade in letztem Punkt kann die EOS 1200D nicht so ganz überzeugen. In Sachen Bildrauschen und Detailwiedergabe setzt sie sich kaum von einer hochwertigen Kompaktkamera ab, auch das Set-Objektiv ist bestenfalls mittelmäßig. Lücken gibt es ferner beim Funktionsumfang. So fehlen der EOS 1200D etwa Assistenzfunktionen wie ein Schwenkpanorama, WiFi oder GPS kennt sie ebenfalls nicht. Auf der anderen Seite bietet die Kamera aber das sehr ausgereifte Blitzsystem von Canon. Videoaufnahmen sind nicht ganz die Stärke der EOS 1200D, Prinzip bedingt kann der Autofokus beim Videodreh die Schärfe nicht kontinuierlich nachführen. Wirklich gelungen ist dagegen die Ergonomie der Einsteiger-DSLR. Die Kamera liegt hervorragend in der Hand, für die wichtigsten Einstellungen gibt es dedizierte Knöpfe und Schalter. Das größte Pfund der EOS 1200D ist jedoch, dass sie sich mit einer Vielzahl an Objektiven ausstatten lässt. Trotz aller Kritik: Wer eine DSLR zum günstigen Kurs sucht, sollte die EOS 1200D unbedingt in seine Überlegungen einbeziehen.


Kamera-Tests Auswahl

Hersteller
Kameras

Steckbrief
Hersteller Canon
Modell EOS 1200D
Preis ca. 420 EUR*
Sensor Auflösung 18,6 Megapixel
Max. Bildauflösung 5.184 x 3.456
(Seitenverhältnis) (3:2)
Objektiv Canon EF-S 3.5-5.6/18-55mm IS II
Filtergewinde 58 mm
Sucher Pentaspiegel
  Sichtfeld 95 %
  Vergrößerung 0,8-fach
  Dioptrienausgleich -2,5 bis +0,5 dpt.
LCD-Monitor 3"
  Auflösung 460.000
  drehbar
  schwenkbar
  als Sucher ja
Videoausgang PAL/NTSC,
HDMI
Programmautomatik ja
Blendenautomatik ja
Zeitautomatik ja
manuelle Belichtung ja
  BULB-Langzeit-
  belichtung
ja
Motivprogramme  
  Porträt ja
  Kinder/Baby ja
  Landschaft ja
  Makro ja
  Sport/Action ja
  weitere 5
Belichtungsmessung    Mehrfeld, mittenbetont Integral, Center, Spot
Blitz ja
  Blitzanschluss Systemblitzschuh
Fernauslöser Kabel
Intervallaufnahme
Speichermedium SD/SDHC/SDXC
Videomodus ja
  Format MOV
  Codec AVC/H.264
  Auflösung (max.) 1.920 x 1.080
  bei Bildfrequenz 30 Bilder/s
Empfindlichkeit  
  automatisch 100-6.400
  manuell ISO 100-12.800
Weißabgleich  
  Automatik ja
  Sonne ja
  Wolken ja
  Leuchtstofflampe ja
  Glühlampe ja
  Sonstiges Schatten, Blitz, manuelle Farbtemperaturwahl
  Manuell ja
Autofokus  
  Anzahl
  Messfelder
9
  AF-Hilfslicht Blitzsalve
  Geschwindigkeit ca. 0,4 s
Sprachen Deutsch
  weitere 24
Einhandbedienung
(Zoom und Auslöser)
Gewicht
(Betriebsbereit)
445 g (nur Gehäuse)
670 g (mit Objektiv*)
Zoom  
  Zoomverstellung manuell am Objektiv
Akkulaufzeit
ca. 500 Aufnahmen (lt. CIPA)

– = "entfällt" oder "nicht vorhanden"
* mit Objektiv Canon EF-S 3.5-5.6/18-55mm IS II

Kurzbewertung

  • Handliche, ergonomisch gut geformte DSLR
  • Ausgereiftes Blitzsystem mit vielen Funktionen
  • Gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Keine modernen Funktionen wie WLAN, HDR oder Schwenkpanorama
  • Bildqualität nicht ganz auf DSLR-Niveau
  • Einfaches Kunststoffgehäuse
  • Extrem langsamer Autofokus im Live-View-Betrieb
  • Prinzip bedingte Einschränkungen bei Video-Aufnahmen

Testnoten

Note Anteil  Punkte
Verarbeitung 12,5 % 82 %
Ausstattung 12,5 % 89 %
Handhabung 12,5 % 87 %
Geschwindigkeit 12,5 % 83 %
Bildqualität 50,0 % 86 %
Gesamtnote 86 %