FastStone Soft

Testbericht: FastStone Soft FastStone Image Viewer for Windows 2.9

2007-02-06 Bildbetrachtungs- und Bearbeitungsprogramme gibt es viele, auch kostenlose. Der FastStone Image Viewer ist eines davon, das für den privaten Gebrauch kostenlos erhältlich ist. Brauchen tut so ein Programm fast jeder, der Bilder betrachten und sortieren möchte. Der Name des Programmes ist seine Stärke: Geschwindigkeit. Was das Programm noch kann, ist im folgenden Artikel zu lesen.  (Benjamin Kirchheim)

FastStone Image Viewer 2.9  [Screenshot: MediaNord]Das leider nur in englischer Sprache erhältliche, dafür aber für privaten Gebrauch kostenlose Bildbetrachtungsprogramm aus der FastStone Softwareschmiede kommt in einem modernen Design daher, das sich zwar nicht ganz an die Windows-Standard-GUI hält, aber trotzdem gut bedienbar ist. Immerhin lässt sich das Aussehen so durch unterschiedliche Skins an den eigenen Geschmack anpassen. Das Programm ist sehr schlank und benötigt lediglich 10 MBytes Festplattenspeicher. Das ein wenig an den Windows-Explorer erinnernde Hauptfenster teilt sich neben Menü-, Icon- und Infoleisten in drei Hauptbereiche ein: Links oben ist der Verzeichnisbaum zu sehen, in dem man das Verzeichnis auswählt, dessen Bilddateien im Hauptbereich rechts in verkleinerter Version als Thumbnail angezeigt werden sollen. Unterhalb des Verzeichnisbaums gibt es ein Vorschaufenster mit Lupe. Der Aufbau der Thumbnails geht etwas zügiger als unter dem Windows-Explorer vonstatten, vor allem werden aber auch nicht nur JPEG-Bilder, sondern auch diverse Kamera-Rohdatenformate (RAW) aller großen Hersteller unterstützt, was beim Windows-Explorer leider nicht der Fall ist. Durch den Doppelklick auf ein Bild wechselt man in den leistungsfähigen Vollbildschirmmodus, das eigentliche Highlight des Programms.

FastStone Image Viewer 2.9 Verzeichnisbaum [Screenshot: MediaNord]In der Vollbildansicht kann man nicht nur zwischen den Bildern des Verzeichnisses wechseln, sondern kann mit der Maus direkt eine Lupe aufrufen, um so die Schärfe oder Details von hoch auflösenden Fotos besser beurteilen zu können – auch im direkten Vergleich von bis zu vier Fotos neben- und übereinander. Der Bildschirmausschnitt kann während der aktiven Lupe, die auch über die Tasten + und – bedienbar ist, mit der Maus verschoben werden. Der eigentliche Clou sind die Menüs, die man durch das Bewegen der Maus an die Bildschirmränder bzw. mit einem Klick der rechten Maustaste erreichen kann. So werden am rechten Bildschirmrand die Bildaufnahmeparameter (EXIF-Daten) eingeblendet, am oberen Bildschirmrand eine Thumbnail-Scrollleiste mit Iconleiste, am linken Bildschirmrand Bildbearbeitungsmöglichkeiten, am unteren Bildrand eine weitere Iconleiste mit diversen Dateifunktionen und mit der rechten Maustaste schließlich ein umfangreiches Kontextmenü. So kann man praktisch im Vollbildmodus arbeiten und hat trotzdem alle wichtigen Programmfunktionen im Zugriff. Bilder können so gesichtet, bearbeitet oder in einer Diashow mit Effekten und Musik angezeigt werden.

FastStone Image Viewer 2.9 Navigator [Screenshot: MediaNord]Den kompletten Funktionsumfang zu beschreiben, würde diesen Artikel sprengen, daher seien im Folgenden einige besondere Funktionen hervorgehoben: In der Batchverarbeitung können ganze Bildersätze in einem Schwung bearbeitet werden, während man z. B. einen Kaffee trinken gehen kann. Aus dem einzelnen Kaffee kann aber ganz schnell eine ganze Kanne oder ein Mittagsmenü werden, denn die Batchfunktion ist leider insbesondere bei Verwendung der Bildgrößenänderung sehr langsam – Irfanview ist hier z. B. mehr als fünfmal schneller. Bei 500 Bildern gestattete sich FastStone trotz schnellem 2,2 GHz DualCore Notebook mit 2 Gigabytes RAM fast eine dreiviertel Stunde Zeit, bis die Bilder für eine Webgalerie verkleinert und nachgeschärft waren – das Ändern des Verkleinerungsalgorithmus von der Defaulteinstellung auf den schnellsten Filter brachte dabei nur wenige Minuten Zeitvorteil. Irfanview benötigt für denselben Bildersatz keine zehn Minuten. Ansonsten ist die Batchfunktion üppig ausgestattet, so dass sich hier viele Optimierungsfunktionen auswählen lassen.

Eine weitere Besonderheit ist die „Capture“-Funktion, mit der sich vom Fenster über Bedienelemente bis hin zum ganzen Bildschirm Bilder anfertigen und speichern lassen können – auch eine freie Wahl per Rechteck oder ganz frei ist möglich. Der eingefangene Inhalt lässt sich bearbeiten, in die Zwischenablage oder in eine Datei schreiben. Einzig von sich selbst kann FastStone keine Bildschirmkopien anfertigen, da das eigene Programmfenster während der Funktion ausgeblendet wird.

FastStone Image Viewer 2.9 Adjustments [Screenshot: MediaNord]Die normalen Bildbearbeitungsfunktionen können sich ebenfalls sehen lassen. Die Drehung der Bilder ist bei JPEG beispielsweise in 90°-Schritten verlustfrei möglich, aber auch eine Drehung in beliebigen Grad-Schritten wird unterstützt. Eine Funktion zur Beseitigung roter Augen fehlt ebenso wenig wie diverse Filter, Bearbeitung der Bildparameter wie Helligkeit, Sättigung und Kontrast, diverse Tönungen und noch vieles mehr. Zur Aufbereitung fehlt auch die Möglichkeit des Bildbeschnitts nicht, die sehr mächtig ausgefallen ist. Eine freie Wahl des Ausschnitts ist ebenso möglich wie eine Begrenzung auf bestimmte Seitenverhältnisse für Ausbelichtungen, die sogar frei definiert werden können – einem 16:7-Format steht somit beispielsweise nichts im Wege. Das Verkleinern (oder Vergrößern) der Bilder kann ebenfalls an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden – hier stehen zahlreiche Algorithmen zur Verfügung. Beim anschließenden Speichern der Bilder nach fertiger Bearbeitung stehen auch diverse Formate wie z. B. JPEG, JPEG2000 oder TIFF zur Verfügung – allerdings ist es im Gegensatz zur Batchverarbeitung nicht möglich, das Speichern der EXIF-Daten abzuschalten, was für kleine Internetbildchen wertvollen Platz für eine bessere JPEG-Qualität sparen würde.

FastStone Image Viewer 2.9 Fullscreen Exif-Data Flyout [Screenshot: MediaNord]Weitere Highlights sind die Unterstützung von Farbräumen bzw. -Profilen, damit auch Adobe-RGB-Bilder farbrichtig dargestellt werden, die Unterstützung vom Mehrmonitorbetrieb mit einer Vollbildansicht auf dem einen und den Werkzeugen und Thumbnails auf dem anderen Monitor, Bildmontagefunktionen, Aufbereitung von Bildern für E-Mails, Unterstützung von Scannern, umfangreiches Drucklayout (mit Kontaktabzügen), der Aufruf von verschiedenen, definierbaren Programmen zur weiteren Bearbeitung von Dateien und noch vieles mehr.

Insgesamt ist der FastStone Image Viewer ein sehr nützliches Programm und besticht in weiten Teilen durch seine Funktionsvielfalt und Geschwindigkeit – es gibt aber noch verbesserungswürdige Details und vor allem eine überarbeitungswürdige Geschwindigkeit der Batchfunktion, die dem Programmnamen so noch keine Ehre macht. Etwas schade ist, dass das Programm nur in englischer Sprache vorliegt.


Autor

Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim, 39, schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.

Steckbrief

Hersteller
FastStone Soft
Betriebsysteme
Windows, Win98, Win2000, WinMe, Windows XP, WinNT und höher
Sprachen
Englisch
Festspeicher
10 MByte
RAM
256 MByte
Anspruch
Anfänger, Einsteiger mit Grundwissen, Fortgeschrittener, Amateur und Profi
k. A.
Bezugsquelle
Internet

Kurzbewertung

  • einfache Bedienung
  • großer Funktionsumfang
  • Preis (kostenlos für nicht kommerziellen Gebrauch)
  • hohe Arbeitsgeschwindigkeit
  • langsame Batch-Verarbeitung