Corel

Testbericht: Corel Paint Shop Pro Photo X2

2007-10-30 Wird die Gruppe der Anfänger notwendigerweise verschreckt, wenn eine Bildbearbeitungssoftware durch immer neue und komplexe Funktionen, Werkzeuge und Gestaltungsmöglichkeiten erweitert wird? Corel führt mit Paint Shop Pro Photo X2 vor, dass dies nicht so sein muss. "Expresslabor" und "Lernstudio" zeigen Wege, wie Interessenten an die Bildbearbeitung herangeführt werden können; "HDR-Bildzusammensetzung" oder "Ebenenstile" beweisen, dass auch für Ambitionierte und Profis noch viel Spielraum bleibt.  (Dr. Bernd Schäbler)

Verwaltermodus mit Metadaten [Foto: Alexander Schäbler] Eines erkennt man auf den ersten Blick: Paint Shop Pro Photo X2 von Corel hat eine Menge zu bieten und möchte einem großen Kreis von Anwendern – Anfängern wie Fortgeschrittenen und Profis – ein zuverlässiger Helfer sein. In der neuen Version ist dies u. a. daran zu erkennen, dass manche Optimierungsschritte gleich zweimal vorhanden sind – einmal im Modus "…in einem Schritt", dann wieder mit der Möglichkeit der Modifizierung, die ganz offensichtlich für Ambitionierte und "alte Hasen" gedacht ist. Dabei besteht die Gefahr, dass die Übersichtlichkeit auf der Strecke bleibt, weil Menüs und Untermenüs zu umfangreich werden. Was andere Software-Hersteller – so etwa Adobe mit dem ebenfalls neuen Photoshop Elements 6.0 – konsequent weiter betreiben: das Splitten der Funktionsbereiche in verschiedene Programm-Module, ist im neuen Paint Shop nur ansatzweise mit dem Arbeitsbereich "Expresslabor" realisiert. Ansonsten muss man sich zunächst einmal auf einer farblich veränderten, großen und vielfach untergliederten Arbeitsoberfläche um Orientierung bemühen. Dies gelingt auch nach einer etwas holprigen Anfangsphase, und mit Hilfe von diversen Einstellungshilfen lässt sich schließlich die Arbeitsoberfläche an die eigenen Bedürfnisse anpassen – und sogar speichern.

Beim Start ist alles noch "unter einem Dach" vorhanden. Das Editierfenster befindet sich in der Mitte, links daneben die Werkzeugleiste, oben die Menü- und Funktionsleiste (mit Einstellungen-Leiste), rechts die diversen Palettenfelder und unten der Bereich der Dateiverwaltung mit Verzeichnis-Übersicht, Thumbnail-Vorschauen und dem Metadatenfeld sowie der Fotoablage (optional). Bleiben wir zunächst bei diesem Programmsektor, der über die Schaltfläche "Verwaltermodus umschalten" auch so vergrößert werden kann, dass ein übersichtliches Browserfenster mit skalierbaren Vorschaubildern daraus wird. Hier lassen sich Dateien sichten, ordnen, umsortieren und mit Hilfe von diversen Parametern bzw. Bewertungskriterien über eine Suchfunktion auswählen. Die Suche mit Hilfe von Suchbegriffen funktioniert natürlich umso besser, je mehr Informationen in die Metadaten- und IPTC-Felder eingespeist werden. Des Weiteren können über benutzerdefinierte, speicherbare Kriterien so genannte "intelligente Sammlungen" in beliebiger Expresslabor mit Funktion Intelligente Fotokorrektur  [Foto: Alexander Schäbler] Anzahl erstellt werden, oder es werden Kennzeichen (Tags) definiert und den Bilddateien zugewiesen. Über einen Klick auf einen solchen Marker werden anschließend diese Bilder blitzschnell zusammengestellt, z. B. in der "Fotoablage" deponiert, und über Schaltflächen im Verwalterteil für den E-Mail-Versand oder an den Drucker weitergegeben. Man kann aber auch eine Diashow erstellen und abspeichern oder die ausgewählten Dateien an das Expresslabor weiterschicken.

In diesem neuen Modul bzw. Arbeitsfenster sieht es sehr aufgeräumt aus. Hier können Anfänger erste Gehversuche unternehmen, grundlegende Optimierungsaufgaben wie Bilder drehen und beschneiden erledigen, Helligkeit, Schärfe, Sättigung und Farbabgleich mit "Intelligente Fotokorrektur" anpassen oder das neue Make-Up-Werkzeug an Portraits ausprobieren. Überhaupt ist im neuen Paint Shop Pro keine Bremse für Erkundungen vorhanden, denn die "alten" Dateien werden nie überschrieben, wenn gespeichert wird, sondern sicher in einem Unterverzeichnis abgelegt, sofern dies in den Grundeinstellungen so festgelegt wurde.

Paint Shop Pro ist in erster Linie eine Bildbearbeitungs- und keine Bildverwaltungs-Software, und so hat das Programm vor allem im Sektor Bildoptimierung einige wichtige, neue Funktionen zu bieten: Bei den Filtern/Effekten hat sich nicht so viel getan, eher in den Menüpunkten "Datei", "Bild", "Anpassen" und "Ebenen". In Ersterem findet man nun die Funktion "HDR-Fotozusammensetzung", mit der mindestens zwei, jedoch höchstens neun unterschiedlich belichtete Fotos automatisch ausgerichtet, zusammengerechnet und als 16-Bit-Dateien gespeichert werden können. Zusätzlich schlägt das Programm auf Wunsch eine Helligkeits- und Schärfekorrektur vor. Zu den weiteren Innovationen bzw. Erweiterungen gehört das Anbringen von "Wasserzeichen" zur Kennzeichnung der eigenen Bilder, falls diese Online präsentiert werden, und eine Reihe von Bildkorrektur-Tools im  Standard-Ansicht  [Foto: Alexander Schäbler] Menü "Anpassen". Positiv hervorzuheben ist das Dialogfeld zur Kontrolle der Schärfentiefe, in dem Radius, Grad der Unschärfe und Größe der Übergangszone individuell bestimmt werden können. Der neue Befehl "Violettrandkorrektur", mit dem chromatische Aberrationsfehler behoben werden sollen, ist hingegen nur bedingt tauglich. Der Benutzer kann hier nicht eingreifen oder nachbessern; eine Lösung, wie man sie vergleichsweise im Schwester-Programm Photo Impact 12 findet, wäre sehr verdienstvoll. Andere Bildfehler wiederum, die in die Rubrik Linsenkorrekturen fallen, wie kissen- und tonnenförmige Verzeichnungen oder der Fischaugen-Effekt, lassen sich gut mit den entsprechenden Werkzeugen korrigieren. Am Beispiel der Aberrationskorrektur zeigt sich, dass die vereinfachten Tools mit der Kennzeichnung "in einem Schritt" nicht ganz unproblematisch und vielleicht nur in ganz frühen Anfänger-Stadien sinnvoll sind. Weitaus besser fallen die Ergebnisse aus, wenn dem Benutzer Gelegenheit für Feinjustierungen gegeben wird. So etwa in einem Beispiel, das dem Menüpunkt "Effekte" entnommen ist: Der Filter "Schwarzweißfilm", mit dem Farb- in Schwarzweißaufnahmen verwandelt werden, verfügt über ein Farbauswahlfeld, mit dessen Hilfe man die Farbe für einen virtuellen Filtervorsatz wählt, sowie über einen Schärfe- und Helligkeitsregler. Hauttöne etwa oder ein blauer Himmel mit Wolken lassen sich so hervorragend in den Schwarzweiß-Modus transformieren.

Werfen wir beim Rundgang durch Paint Shop Pro X2 noch einen Blick auf den Menüpunkt "Ebenen". Neu ist die Funktion "Ebenenstile", mit der z. B. Schriftzüge oder grafische Elemente in ein Bild einmontiert und künstlerisch bearbeitet werden können. Ist der Schriftzug auf einer neuen Ebene vorhanden, wird über das Dialogfeld "Ebeneneigenschaften" zum einen die Verrechnung mit der darunter liegenden Ebene möglich und im Weiteren auch die Anwendung von Effekten wie Reflexion, Relief, Leuchten oder Schlagschatten. Gehört dies bereits in die  Lernstudio  [Foto: Alexander Schäbler] Kategorie "Übungen für Fortgeschrittene", soll noch einmal auf eine andere interessante Funktion im Menü "Ebenen" hingewiesen werden, die gerade für Neulinge geeignet erscheinen mag – "Neue Anpassungsebene". Wird dieser Befehl aktiviert, öffnet sich ein neues Untermenü mit Dialogfeldern wie Helligkeit/Kontrast, Kanäle mischen, Farbabgleich, Tonwertkurven, Farbton/Sättigung/Helligkeit etc., und zugleich erscheint eine neue Ebene im entsprechenden Palettenfeld rechter Hand. Man kann nun z. B. unterschiedliche Farbkorrekturen einzeln – oder auch ganze Gruppen von Korrekturschritten – ausprobieren. Für Letzteres braucht man nur die Anpassungsebenen zu Ebenengruppen zu bündeln. Da Anpassungsebenen immer die darunter Liegenden beeinflussen, lassen sich durch Verschiebungen im Palettenfeld mit der Maus leicht unterschiedliche Wirkungen von Ebenenkonstellationen testen, rückgängig machen oder speichern. Auf diese Weise kann gleichsam spielerisch, mit wenigen Mausklicks die Ebenentechnik erlernt werden – Fehler oder ungewollte Resultate lassen sich jederzeit ausblenden bzw. rückgängig machen.

Dem Anspruch, eine Software nicht allein für Könner und Profis, sondern auch für Newcomer zu sein, wird Paint Shop Pro zudem durch das "Lernstudio" gerecht, das im Menü "Hilfe" aktiviert wird. Am linken Rand der Arbeitsoberfläche platziert, bietet es auf seiner Startseite einen Überblick über die Themen: Vom Öffnen bzw. Importieren der Dateien über die Optimierung, Retusche, Collage mittels Auswahl und Ebenentechnik, grafische Arbeiten, den Einsatz von Filtern bis hin zur Ausgabe in unterschiedliche Medien geben die Themenblöcke eine dem Workflow nachempfundene, gut strukturierte Übersicht. Der Benutzer kann nach Belieben von einem über- in einen untergeordneten oder speziellen Themenbereich springen und erhält sofort neben der Textinformation auch z. B. das Werkzeug zur Verfügung gestellt, dessen Funktionen gerade erläutert werden und das unverzüglich eingesetzt und ausprobiert werden kann.

Fazit: Mit "Expresslabor" und "Lernstudio" bietet Paint Shop Pro X2 Anfängern einen hervorragenden Einstieg in die Bildbearbeitung, da jeder sofort und ohne die Befürchtung, Dateien irreversibel zu überschreiben, loslegen und die Lerninformationen praktisch umsetzen kann. "Alte Hasen" andererseits finden ein reichhaltiges und differenziertes Instrumentarium für die Optimierung ihrer Bilddateien und die kreative Gestaltung am PC.


Steckbrief

Hersteller
Corel
Betriebsysteme
Windows, Windows XP und höher
Sprachen
Deutsch
Festspeicher
500 MByte
RAM
768 MByte
Anspruch
Anfänger, Einsteiger mit Grundwissen, Fortgeschrittener, Amateur und Profi
Preis
90 €
Bezugsquelle
Internet Fachhandel

Kurzbewertung

  • Lernstudio (nicht nur) für Anfänger
  • zahlreiche neue Funktionen für Bildoptimierung
  • HDR-Bildzusammensetzung
  • farbliche Gestaltung der Arbeitsoberfläche
  • Standard-Arbeitsoberfläche wirkt leicht überladen
  • Violettrandkorrektur nur bedingt wirkungsvoll