Adobe Systems

Testbericht: Adobe Systems Photoshop Elements 6.0 Beta

2007-09-24 In jedem Herbst stellt die Softwareschmiede Adobe eine neue Version ihres Einsteiger-Bildprogramms Photoshop Elements vor. digitalkamera.de hat die neueste Fassung 6.0 in einer Vorserienversion getestet. Unser Bericht zeigt, dass dieses Update vor allem Erleichterungen bei Auswahl und Montage bietet. Dazu kommt eine runderneuerte Oberfläche, auch die Bildverwaltung liefert Neues. Freilich fehlen weiterhin anspruchsvolle Funktionen, die es bei Konkurrenten aus der 100-Euro-Preisklasse längst gibt, so etwa eine frei einstellbare Gradationskurve, Aufzeichnung von Befehlsfolgen oder das "Extrahieren", etwa zum Ausschneiden von Lockenköpfen.  (Heico Neumeyer)

Der neue angeleitete Modus zeigt alle Möglichkeiten sehr übersichtlich [Foto: Heico Neumeyer] Zunächst fallen Änderungen an der Oberfläche auf: Photoshop Elements 6 wirkt noch dunkler, die Schaltflächen wurden umgestaltet. Nach kurzer Eingewöhnung erscheint das Programm übersichtlicher als die Vorversionen. Der neue geführte Modus hilft Einsteigern: Zu Themen wie Farbverbesserung oder Fleckenretusche zeigt eine Leiste sämtliche Erklärungen, Schaltflächen und Regler auf einen Blick, so dass man Menüs und Optionen nicht mehr durchsuchen muss. Das übersichtliche Verfahren erinnert an Einsteigerprogramme wie den (eingestellten) Foto Designer von Microsoft.

Deutlichen Zuwachs zeigt Photoshop Elements 6 bei Auswahl und Montage. Das neue Schnellauswahlwerkzeug funktioniert exakt wie sein Pendant aus dem Profiprogramm Photoshop CS3: Der Gestalter übermalt grob den gewünschten Bereich, schon entsteht eine verblüffend präzise Auswahl. Unerwünschte Bildteile werden im Subtrahieren-Modus übermalt – die so gekennzeichneten Farbtöne hält Elements dann weitgehend aus der Auswahl heraus. Ebenfalls aus CS3 bekannt ist das nützliche, in Elements neue Dialogfeld "Kanten verbessern". Es verfeinert vorhandene Auswahlumrisse: Größe, Kantenschärfe und Linienfluss lassen sich mit bequemer Sofortvorschau einstellen – ein Riesenfortschritt gegenüber Elements 5.

Elements 6 produziert vollautomatisch exzellente Panoramen, die man mit Ebenenmasken verfeinern kann [Foto: Heico Neumeyer] Weiterhin fehlt jedoch ein Dialog, der Locken im Gegenlicht sauber ausschneidet, etwa nach Art des "Extrahierens" in Photoshop-Vollversionen. Hier bietet Konkurrent PhotoImpact mehr. Erstmals ändert Elements bequem Köpfe in Gruppenfotos: Geschlossene Augen oder grimmige Blicke werden bequem gegen nettere Konterfeis aus der selben Aufnahmeserie ausgetauscht. Dabei skaliert und staucht das Programm zunächst zwei oder mehr Bilder auf Deckungsgleichheit. Das gelingt meist vollautomatisch, notfalls hilft man mit Orientierungspunkten nach. Dann übermalt man im links dargestellten Gruppenfoto ein Gesicht – und dieselbe Person auf dem rechten Bild erhält den Gesichtsausdruck von links. Das funktioniert verblüffend gut und ohne jedes Gefummel mit Ebenenpaletten. Die Ausgangsbilder sollten freilich recht ähnlich sein, die einzelnen Darsteller dürfen bei den Aufnahmen nicht den Platz wechseln.

Erstmals setzt Elements auch perfekt nahtlose Foto-Panoramen zusammen, ohne dass man die Segmente noch in einer Vorschau prüft. Als Panorama-Ergebnis liefert Elements Einzelebenen mit Ebenenmasken, die sich noch korrigieren lassen. So kann man zum Beispiel Details in Bildübergängen gezielt verstecken oder nach vorn holen. Enttäuschung bei der Tonwertkorrektur: Die Gradationskurve lässt sich weiterhin nicht frei einstellen, sondern nur begrenzt über Schieberegler verändern. In früheren Elements-Versionen konnte man eine kostenlose GradationskurveAutomatik-Korrekturen wendet Elements-Bildverwaltung jetzt auf ganze Bildreihen an  [Foto: Heico Neumeyer] als "Plug-In" einstöpseln. Wir werden über diese Möglichkeit genauer berichten, sobald wir das Verfahren mit einer deutschen Vollversion von Elements 6 testen konnten.

Die eingebaute Gradationskurve wird weiterhin nicht als abschaltbare Korrekturebene angeboten – ebenso wenig wie der Dialog für Schwarzweißumsetzungen, den Adobe kosmetisch leicht verändert hat. Interessant immerhin: Der Befehl "Helligkeit/Kontrast" arbeitet jetzt sanfter. Verändert werden vor allem die Mitteltöne. Eine Abdunkelung senkt also die Spitzlichter nicht mehr mit ab, sie sollen ja meist erhalten bleiben. Der Dialog für Raw-Dateien bearbeitet nun erstmals mehrere Aufnahmen in einem Durchgang, dazu kommen neue Werkzeuge zum Zuschneiden und gegen rotgeblitzte Augen innerhalb des Raw-Dialogs. Auch die mitgelieferte Bildverwaltung, der Organizer, zeigt eine umgekrempelte Oberfläche. Die Bilder lassen sich jetzt zügig wahlweise an die Schnellkorrektur, an die ausführliche Korrektur oder direkt an die angeleitete Korrektur durchreichen.

Erstmals wendet die Bildverwaltung Kontrastkorrekturen direkt auf markierte Bilder an. Geboten werden allerdings nur vollautomatische Eingriffe ohne jede Kontrolle des Anwenders. Die Leiste für diese Stapelverarbeitung bietet auch eine Schaltfläche fürs Zuschneiden, die jedoch generell nur ein einzelnes Bild bearbeitet. Wer Adobe-Programme wie Lightroom oder Photoshop CS3 kennt, denkt vielleicht, dass man Die neuen flexiblen Alben zeigen Fotos, die bis zu zehn verschiedene Kriterien erfüllen müssen [Foto: Heico Neumeyer]einzelne Bearbeitungen später wieder abschalten oder auf andere Dateien übertragen kann. Diese Hoffnung trügt jedoch: Sämtliche Eingriffe schreibt Elements direkt in die Bildpixel. Nur bei Raw-Dateien lassen sich die Änderungen wie üblich zurücksetzen. Und Elements 6 korrigiert nun zwar mehrere Raws in einem Zug – doch der Anwender kann die Vorgaben auch weiterhin nicht nachträglich auf andere Aufnahmen übertragen.

Erstmals bietet der Organizer auch flexible Fotosammlungen auf Basis von komplexen Abfragen. Eine solche Übersicht zeigt zum Beispiel auf einen Blick alle Fotos, die in 2007 mit Nikon-Kameras entstanden, das Stichwort "Berge" enthalten und vom Anwender mit fünf Sternen bewertet wurden. Bis zu zehn Kriterien lassen sich festlegen. Umständlich jedoch: Weiterhin zeigt der Organizer die Miniaturen ohne Dateinamen an, die Darstellung einschließlich Verzeichnisbaum ist noch schwerer als früher zu finden, auch der Import neuer Bilder in die Datenbank wirkt mühsam. Sortierkriterien wie Dateiname, Dateigröße oder Pixelzahl fehlen ganz. Gesamteindruck: Bei Bildverwaltung und Montage hat sich ordentlich was getan, auch die Serienverarbeitung für Raw-Dateien wirkt nützlich. Bei der Kontrastkorrektur bleiben Wünsche offen.


Autor

Heico Neumeyer

Heico Neumeyer schreibt Testberichte und Praxistipps für PC- und Fotozeitschriften und gibt Schulungen. Er ist auf digitale Bildbearbeitung und Fotografie spezialisiert. Sein Photoshop-Kompendium im Verlag Markt+Technik gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Neumeyer studierte Deutsch, Pädagogik und Politik in Berlin und Köln und war Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Er ist bekannt für praxisnahe, gut lesbare Texte und maßgeschneiderte Schulungen. Er lebt in Oberbayern.

Steckbrief

Hersteller
Adobe Systems
Betriebsysteme
Windows, Windows XP und höher
Sprachen
Deutsch
Festspeicher
1.500 MByte
RAM
256 MByte
Anspruch
Anfänger und Einsteiger mit Grundwissen
Preis
100 €
Bezugsquelle
Internet oder Fachhandel

Kurzbewertung

  • einsteigerfreundliche Oberfläche
  • verbesserte Auswahltechnik
  • montiert Gruppenfotos
  • hervorragende Panorama-Automatik
  • keine frei formbare Gradationskurve
  • kein "Extrahieren" zum Ausschneiden von Lockenköpfen u. ä.
  • keine Aufzeichnung von Befehlsfolgen
  • Bildverwaltung ohne Sortierkriterien wie Dateiname, Dateigröße oder Pixelzahl