Adobe

Photoshop Creative Cloud

2013-05-27 Erst vor einem guten Jahr erschien Photoshop CS6, schon stellt Adobe eine neue Version vor. Die nächste Ausgabe heißt schlicht Photoshop CC, und sie bringt interessante Neuerungen speziell zur Bildverbesserung. Heico Neumeyer hat Photoshop CC bereits für digitalkamera.de getestet und klärt auch, was es mit dem neuen Abo-Modell auf sich hat sowie welche Vor- und Nachteile sich für den treuen Adobe Photoshop-Kunden daraus ergeben.  (Heico Neumeyer)

Der neue Photoshop CC wertet Fotos besser auf als frühere Versionen. Neue wichtige Korrekturfunktionen finden sich sowohl im Raw-Dialog als auch im Hauptprogramm. So arbeitet der neue Filter Verwackelung reduzieren sehr wirksam. Die für die Verwacklungsrichtung analysierte Bildstelle lässt sich ebenso ändern wie Stärke und Richtung der Korrektur.

  • Bild 32-Bit-Zwischenergebnisse aus dem HDR-Dialog lassen sich in Photoshop CC per Schaltfläche direkt an den Raw-Dialog weitergeben. [Foto: Heico Neumeyer]

    32-Bit-Zwischenergebnisse aus dem HDR-Dialog lassen sich in Photoshop CC per Schaltfläche direkt an den Raw-Dialog weitergeben. [Foto: Heico Neumeyer]

  • Bild Die umgebaute Bildgröße-Funktion bietet jetzt eine Vorschau und verbesserte Algorithmen zum Vergrößern kleiner Dateien. [Foto: Heico Neumeyer]

    Die umgebaute Bildgröße-Funktion bietet jetzt eine Vorschau und verbesserte Algorithmen zum Vergrößern kleiner Dateien. [Foto: Heico Neumeyer]

  • Bild Der Raw-Dialog dient nun auch als Filter in Photoshop. Angewendet wird hier der neue Radialfilter, der die Person hervorhebt. [Foto: Lucas Klamert]

    Der Raw-Dialog dient nun auch als Filter in Photoshop. Angewendet wird hier der neue Radialfilter, der die Person hervorhebt. [Foto: Lucas Klamert]

  • Bild Der Filter Verwacklung reduzieren zeigt hier die automatisch ermittelte Verwacklungsspur vergrößert an. [Foto: Heico Neumeyer]

    Der Filter Verwacklung reduzieren zeigt hier die automatisch ermittelte Verwacklungsspur vergrößert an. [Foto: Heico Neumeyer]

  • Bild Der verbesserte Selektive Scharfzeichner produziert keine Störungen mehr. Die Reihe zeigt von links nach rechts die Vorlage, dann ein Ergebnis mit dem alten Scharfzeichner sowie den neuen Scharfzeichner mit gleichen Werten. [Foto: Heico Neumeyer]

    Der verbesserte Selektive Scharfzeichner produziert keine Störungen mehr. Die Reihe zeigt von links nach rechts die Vorlage, dann ein Ergebnis mit dem alten Scharfzeichner sowie den neuen Scharfzeichner mit gleichen Werten. [Foto: Heico Neumeyer]

Der Selektive Scharfzeichner ist nun besser gegen Übertreibung geschützt. Die Funktion erzeugte bisher oft Rauschen in homogenen Bildbereichen wie Himmel oder Haut. Das ist vorbei: In der Praxis kann man stärker schärfen als bisher und muss Übertreibungen dennoch nicht per Filtermaske ausblenden.

Der Bildgröße-Dialog rechnet kleine Dateien mit neuen Algorithmen besser hoch als bisher und bekommt noch ein Vorschaufenster dazu. Die Ergebnisse werden besser als in früheren Versionen, Wunder darf man aber nicht erwarten. Jedenfalls vermeidet Photoshop CC Treppenbildung und Farbsprünge zuverlässig. Wer noch etwas mehr Knack ins Ergebnis zaubern möchte, wendet den neuen schonenden Scharfzeichner und eventuell leichtes einfarbiges Rauschen an.

Der Raw-Dialog erhält dieselben Neuheiten wie Lightroom 5, das man bereits als öffentliche Vorserien-Version testen kann. So arbeitet der Retuschepinsel im Raw-Dialog nun wie das Pendant in Photoshop – man kann also nicht nur kreisförmige Fehler wie Sommersprossen oder Sensorstaub entfernen, sondern auch Stromleitungen oder Pfosten. Der Wechsel ins Photoshop-Hauptprogramm wird so oft überflüssig.

Der neue Radial-Filter im Raw-Dialog ändert runde oder ovale Auswahlbereiche mit weichem Übergang. So lässt sich ein Hauptmotiv in beliebigen Bildzonen betonen. Der Radial-Filter bietet die gleichen Regler wie Korrekturpinsel und Verlaufsfilter, so etwa Farbtemperatur, Belichtung, Kontrast, Sättigung und Schärfe. Wahlweise wirkt die Funktion innerhalb oder außerhalb der Auswahl. Bei Bedarf legt man gleich mehrere Radial-Filter an.

Sehr schön auch: Schiefe Horizonte und/oder stürzende Linien korrigiert das Raw-Modul jetzt blitzschnell per Schaltfläche. Diese Automatik-Ergebnisse lassen sich jederzeit mit den bekannten Reglern verfeinern. Der neue Regler Seitenverhältnis dehnt oder staucht das Bild und rekonstruiert die ursprüngliche Proportion so noch genauer.

Dieser gesamte Raw-Dialog lässt sich nun vielseitiger anwenden: Photoshop CC bietet den Raw-Dialog als üblichen Filter an. Er eignet sich damit nicht nur für komplette Fotos, sondern zum Beispiel auch für einzelne Bildebenen.

Andere interessante Nachbesserungen erhielt schon Photoshop CS6 im letzten Dezember: Der Verflüssigen-Filter und die Weichzeichner-Galerie lassen sich auch als Smartfilter anwenden, ebenso wie in Photoshop CC die neuen oder verbesserten Funktionen Verwacklung reduzieren, Selektiver Scharfzeichner und der Raw-Filter. Diese Eingriffe kann man also immer wieder verlustfrei verfeinern oder abschalten; außerdem eignen sich die Filter damit auch für Videos innerhalb von Photoshop.

Die Kontrast-Korrektur in Photoshops HDR-Dialog war bisher umständlich und wenig leistungsfähig. Einziger Ausweg in Photoshop CS6: Die Datei auf 32-Bit-Farbtiefe einstellen, speichern, im Raw-Dialog neu öffnen und auskorrigieren. Diesen umständlichen Ablauf erleichtert Adobe nun: Das 32-Bit-Zwischenergebnis lässt sich mit einer neuen Schaltfläche im HDR-Dialog direkt in die Raw-Funktion laden; vorheriges Speichern wird überflüssig.

Photoshop CC bietet nicht nur neue Funktionen, auch den Vertrieb hat der Hersteller umgestellt: Das Programm wird nicht mehr wie üblich verkauft, man muss es abonnieren. Wer das Abo zum Beispiel nach einem Jahr kündigt, kann Photoshop CC nicht mehr nutzen. Photoshop-CC-Abonnenten erhalten 20 Gigabyte Online-Speicherplatz bei Adobe und können Photoshop-Vorgaben wie Aktionen, Muster oder Pinselspitzen zwischen mehreren Rechnern synchronisieren.

Auf der Internetseite nennt Adobe derzeit einen Preis von gut 24 Euro monatlich für Photoshop CC, sofern für ein Jahr abgeschlossen wird. Angekündigt wurden jedoch schon deutlich niedrigere Sonderpreise, die bis Ende Juli 2013 gelten sollen. Die gesamte Creative Cloud – mit Photoshop und vielen weiteren Programmen wie Lightroom, InDesign, Acrobat oder Illustrator – bietet Adobe derzeit für gut 61 Euro an (bei Jahres-Abo).

Wer sich auf die Bedingungen für Photoshop CC nicht einlassen mag, kann auch weiterhin Photoshop CS6 kaufen, den Vorgänger, der im Mai 2012 erschien. Adobe will Photoshop CS6 parallel zu Photoshop CC auf dem Markt halten und die CS6-Raw-Funktion für neu erscheinende Kameramodelle aktualisieren.

Insgesamt bietet Photoshop CC gute Verbesserungen zur Bildkorrektur im Hauptprogramm wie auch im Raw-Dialog. Doch Photoshop CS6 bleibt attraktiv, man muss die neueste Version nicht unbedingt haben.


Autor

Heico Neumeyer

Heico Neumeyer schreibt Testberichte und Praxistipps für PC- und Fotozeitschriften und gibt Schulungen. Er ist auf digitale Bildbearbeitung und Fotografie spezialisiert. Sein Photoshop-Kompendium im Verlag Markt+Technik gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Neumeyer studierte Deutsch, Pädagogik und Politik in Berlin und Köln und war Redakteur bei einer Fotozeitschrift. Er ist bekannt für praxisnahe, gut lesbare Texte und maßgeschneiderte Schulungen. Er lebt in Oberbayern.

Steckbrief

Hersteller
Adobe
Betriebsysteme
Windows 7 (32/64 bit), Windows 7 (64 bit), Mac OS X und höher
Sprachen
Deutsch
Festspeicher
2.560 MByte
RAM
1.024 MByte
Anspruch
Profi
Preis
25 €
Bezugsquelle
Adobe

Kurzbewertung

  • Vielseitige Retusche auch im Raw-Modul
  • Raw-Dialog als Filter nutzbar (auch verlustfrei)
  • Kontrastkorrektur für 32-Bit-HDR-Ergebnisse im Raw-Dialog
  • Gute neue Funktionen für verbesserte Bildschärfe
  • Gute automatische Verzerrungskorrektur
  • Vertrieb nur per Abo nicht ideal