Sommertraumkamera?

Pentax hat mit der K-7 ein neues DSLR-Spitzenmodell

2009-05-20 Lange haben Pentax-Anwender auf ein einstelliges Spitzenmodell oberhalb der K20D warten müssen, nun ist es mit der K-7 angekündigt. Wasser- und staubdichtes Magnesiumgehäuse, Betrieb bis -10 °C, 100%-Sucher, Videofunktion mit Stereomikrofoneingang und Autofokus, LiveView mit Autofokus und Gesichtserkennung, 3"-VGA-Bildschirm und HDMI-Ausgang sind erst die Spitze der Neuerungen, denn – wie üblich – hat man sich bei Pentax Gedanken um viele Details gemacht. Passend zur Kamera gibt es zwei abgedichtete Setobjektive.  (Benjamin Kirchheim)

Pentax K-7 mit DA 18-55mm WR [Foto: Pentax]Wer dagegen auf Vollformat gehofft hatte, wird enttäuscht. Pentax ist weiterhin, inkl. des Objektivprogramms, konsequent auf APS-C, das "Pentax-Vollformat", ausgerichtet. Man setzt vielmehr auf die hauseigenen Stärken, so besitzt die K-7 mit 130,5 x 96,5 x 72,5 mm (B x H x T) den wohl kompaktesten Body ihrer Klasse (auch kleiner als die K20D), liegt aber dank gut ausgeformtem Handgriff und 750 g Arbeitsgewicht (ohne Objektiv) trotzdem sehr gut in der Hand, wovon wir uns bereits überzeugen konnten. Nahezu jedes Detail des bisherigen und weiter verfügbaren Spitzenmodells K20D wurde analysiert und verbessert. Angefangen beim Gehäuse, das nun aus einer Magnesiumlegierung besteht und dessen 77 Abdichtungen zum Schutz vor Wasser, Sand und Staub weiter verbessert wurden. Hinzu kommt ein erweiterter Temperatur-Arbeitsbereich bis -10 °C. Der neue Li-Ionen-Akku D-LI90 ist etwas leistungsstärker als das in der K20D verwendete Modell und schafft 740 Aufnahmen nach CIPA-Standardmessverfahren (mit 50 % Blitzeinsatz). Im optional erhältlichen und selbstverständlich ebenfalls abgedichteten Multifunktionsgriff finden alternativ zu einem zweiten Li-Ionen-Akku auch sechs Mignon-Rundzellen (Alkaline, Lithium oder NiMH-Akkus) Platz. Der Griff verfügt über einen Auslöser, Abblendschalter, zwei Drehräder, AEL-Taste, grüne Taste (z. B. zur Belichtungsmessung in M) und AF-Taste.

Pentax K-7 [Foto: Pentax]Neben dem Gehäuse wurde auch der Sucher (mit Pentaprisma) verbessert. Er bietet nahezu 100 % Sichtfeld, verwendet hellere Mattscheiben (Natural-Bright-Matte III), die obendrein das manuelle Fokussieren vereinfachen sollen, und besitzt einen 0,92-fachen Vergrößerungsfaktor. Die Mattscheibe ist vom Anwender wechselbar; alternativ zur Standardmattscheibe gibt es eine mit Gitterlinien, eine mit Skaleneinteilung sowie eine ohne Markierungen. Bei den Anschlüssen bietet die K-7 neben USB, AV-Out, DC-In und Kabelfernbedienung neuerdings einen HDMI-Anschluss, so dass der Wiedergabe von Fotos und Videos auf einem FullHD-Fernseher nichts mehr im Wege steht. Statt der Kabelfernbedienung kann auch ein Infrarotauslöser verwendet werden, für den es sowohl an der Kameravorder- als auch Rückseite einen Empfänger gibt.

Auch der Autofokus blieb von der Überarbeitung nicht verschont, was durchaus auch nötig war. Das neue Modul "Safox VIII+" bietet wie der Vorgänger 11 Pentax K-7 [Foto: Pentax]Messpunkte, wobei 9 davon Kreuzsensoren sind. Verbessert haben sollen sich dank neuer Elektronik (u. a. mit Berücksichtigung der Lichtquelle) die Geschwindigkeit sowie die Genauigkeit. In dunklen Umgebungen springt auf Wunsch ein grünes AF-Hilfslicht an. Nach wie vor kann die Kamera vom Benutzer eingegebene Korrekturdaten für den Autofokus speichern, wofür 20 Speicherplätze mit Objektiverkennung zur Verfügung stehen. Schneller ist auch der Serienbildmodus, der nun 5,2 Bilder/s schafft, wobei mindestens bis zu 15 RAW- oder 40 JPEG-Bilder in Folge gemacht werden können. Dabei wurde der Spiegelschlag besser gedämpft, was ihn leiser macht. Die Verschlusseinheit ist ebenfalls neu und bietet nun eine kürzeste Verschlusszeit von 1/8.000 s, wobei die kürzeste Blitzsynchronzeit bei 1/180 s bleibt und die mittlere Lebensdauer mit 100.000 Auslösungen angegeben wird. Neu ist die vom Selbstauslöser unabhängige Spiegelvorauslösung.

Pentax K-7 [Foto: Pentax]Der 15-Megapixel-CMOS-Sensor aus dem Hause Samsung scheint zwar derselbe zu sein wie in der K20D, aber auch hier handelt es sich um ein neues Modell mit 4-Kanal-Auslesetechnik, was für die hohe Geschwindigkeit notwendig ist. Er ist zur Bildstabilisierung (SR) mit jedem angesetzten Objektiv beweglich gelagert und kann so Verwackelungen mit maximal 2,5-4 EV kompensieren. Zudem ist der Sensor in seiner Lage um +/- 1 mm und 1° korrigierbar, womit der Anwender diesen selbst justieren kann. Der Tiefpassfilter verfügt über einen neuen Ultraschall-Staubschutz "DR II", der mit einem piezo-elektronischen Element arbeitet. Trotzdem verbliebener Staub wird mittels Dust-Alert-Funktion sichtbar gemacht. Effektiv löst der Sensor 14,6 Megapixel auf, die vom neuen PRIME-II-Bildprozessor (Pentax Real IMage Processor II) verarbeitet werden, der auf zwei schnelle 1-GByte-Pufferspeicher zurückgreift. Nicht nur das Rauschverhalten soll verbessert worden sein, sondern auch der Dynamikbereich wurde mit einer einstellbaren Schatten- und Lichterkompensation optimiert. Für noch mehr Dynamik sorgt die eingebaute Pentax K-7 [Foto: Pentax]HDR-Funktion, die drei Bilder aufnimmt und direkt miteinander zu einem Bild verrechnet. Hierbei sind zwei unterschiedlich starke Belichtungsabstände wählbar, wobei Pentax noch keine weiteren Details dazu verrät.

Nach wie vor kann der Sensor ein Livebild produzieren, das auf dem rückwärtigen Bildschirm angezeigt wird. Dieser misst 3" (7,6 cm) in der Diagonale, löst 921.000 Bildpunkte (rund 640 x 480 Pixel entspr. VGA) auf und verfügt über eine einzigartige, kratzfeste Beschichtung namens "AR-Coating" sowie 170° Einblickwinkel. Bei aktiviertem LiveView wird ein Timer auf dem Bildschirm eingeblendet, damit der Anwender weiß, wie lange er dieses Strom fressende Feature schon aktiviert hat. Neu ist, dass die K-7 bei aktiviertem LiveView über einen Kontrast-Autofokus mit Gesichtserkennung verfügt, geblieben sind ein einblendbares Histogramm sowie Gitterlinien. Wird die Serienbildfunktion während des LiveViews aktiviert, bleibt der Spiegel oben, so dass auch hier weiter eine Bildkontrolle per Bildschirm möglich ist.

Pentax K-7 [Foto: Pentax]Der Autofokus ist auch (ohne Gesichtserkennung) bei der Videoaufnahme aktiv. Dabei werden 30 Bilder/s mit Ton aufgezeichnet, wobei statt dem eingebauten Mono-Mikrofon über eine Klinkenbuchse auch ein Stereomikrofon angeschlossen werden kann. Die Auflösung der Videos erreicht maximal 1.536 x 1.024 Pixel, was einem 3:2-Seitenverhältnis entspricht. Im Format 16:9 zeichnet die K-7 maximal 1.280 x 720 Pixel (HD) auf, die dritte und kleinste Videoauflösung ist 640 x 416 Pixel (3:2). Als Speicherformat kommt AVI mit Motion-JPEG-Komprimierung zum Einsatz, wobei die maximale Aufzeichnungslänge pro Videosequenz 25 Minuten bzw. 4 GBytes beträgt (je nachdem, welche Grenze zuerst erreicht wird). Selbstverständlich kann während der Videoaufzeichnung auf die Blende Einfluss genommen werden, wofür eigens eine neue, stufenlose Blendensteuerung in die Kamera eingebaut wurde.

Ebenfalls überarbeitet hat Pentax das Benutzerinterface. So fällt ähnlich wie bei der K-m das Fn-Menü weg, statt dessen gibt es nun per Tastendruck direkt Zugriff auf Einstellungen wie Weißabgleich (mit neuen Presets für Pentax K-7 mit D-BG4 und DA 17-70mm [Foto: Pentax]Sonnenuntergang und nun vier statt drei für Leuchtstofflampenlicht), Empfindlichkeit, die von ISO 100-6.400 reicht, Blitzfunktion etc. Neben dem oberen, klassischen und beleuchtbaren Infodisplay kann auch der rückwärtige Bildschirm als Informationsanzeige verwendet werden, wobei die dort angezeigten Informationen direkt änderbar sind und die Anzeige je nach Kamerahaltung rotiert wird. Das Hauptmenü wurde neu strukturiert und verfügt nun über mehr horizontale Reiter, wofür aber das vertikale Scrollen entfällt.

Das Programmwahlrad hat neuerdings eine Arretierung und verfügt neben Voll-, Programm-, Blenden- und Zeitautomatik auch über manuelle Belichtungseinstellung, einen Benutzerspeicher und über zwei innovative Programme: einmal eine Empfindlichkeitsautomatik (TAv), bei der man Verschlusszeit und Blende manuell festlegt und eine Empfindlichkeitspriorität (Sv), bei der man die Empfindlichkeit per Bedienrad direkt festlegt, während Belichtungszeit und Blende automatisch angepasst werden. Motivprogramme gibt es zwar nicht, dafür aber einstellbare Programmkurven, so dass die Kamera etwa hohe Schärfentiefe priorisiert oder aber immer die Blende wählt, bei der das Objektiv die höchste Auflösung hat (MTF). Auch Freunde digitaler Filter kommen auf ihre Kosten, diese können schon bei der Aufnahme angewendet werden, wahlweise aber auch erst bei der Bildbearbeitung in der Kamera. Zu den Filtern gehören z. B. Pastell, Fisheye, Wasserfarben sowie viele andere Farbfilter, insgesamt sind es 16 an der Zahl.

Pentax smc DA F4-5,6 50-200mm WR [Foto: Pentax]Das Belichtungsmesssystem der K-7 ist ebenfalls neu und soll mit nun 77 Messsegmenten noch genauer arbeiten. Dazu werden u. a. Distanzinformationen, Vergrößerung, Hoch- bzw. Querformat sowie Motivbeschaffenheit und Bildkomposition berücksichtigt. Die Belichtungskorrektur reicht jetzt von -5 bis +5 EV und Belichtungsreihen sind mit 3 oder 5 Aufnahmen und Belichtungsabständen von bis zu 2 EV möglich. Die optional zuschaltbare automatische Korrektur von Vignettierungen und Farbsäumen (nur bei DA-Objektiven) sorgt für weitere Verbesserungen der Bildqualität. Neben dem hoch aufklappenden integrierten Blitzgerät, das drahtlos externe Blitze steuern kann, können auch Systemblitzgeräte (oder solche mit Mittenkontakt) aufgesteckt werden, per Synchronbuchse ist eine Studioblitzanlage auslösbar. Zu guter Letzt hat die K-7 eine eingebaute, digitale Wasserwaage, die dem Anwender hilft, die Kamera exakt waagerecht (oder senkrecht) auszurichten. Die Anzeige erfolgt sowohl in der Statuszeile des Suchers als auch bei aktiviertem LiveView auf dem Kamerabildschirm.

Ebenfalls neu und ein weiteres Alleinstellungsmerkmal sind die gegen Staub, Sand und Wasser abgedichteten Setobjektive smc DA F3,5-5,6/18-55mm AL WR und smc DA F4-5,6/50-200mm WR. Vom optischen Aufbau und den damit verbundenen Eckdaten wie z. B. der Naheinstellgrenze oder dem Fokusantrieb sind sie identisch mit den bisher verfügbaren nicht abgedichteten Varianten, das Gehäusedesign ist aber leicht abweichend. Sie besitzen außerdem ein Metallbajonett, allerdings mit Gummidichtungsring. Zu deren Pentax smc DA F3,5-5,6 18-55mm AL WR [Foto: Pentax]vermutlich etwas höheren Gewicht und evtl. abweichenden Abmessungen ist noch nichts bekannt. Weitere Informationen sind in den Meldungen zu den optisch identischen Schwestermodellen (siehe weiterführende Links) zu erfahren.

Die neue Pentax K-7 soll ab Ende Juni 2009 im Set mit dem neuen smc DA 18-55mm WR zu einem Preis von rund 1.450 EUR in den Handel gelangen, die Preise ohne Objektiv bzw. mit Doppelzoom-Set sind noch nicht bekannt.

Schon im Vorwege der offiziellen Vorstellung gab es, wie üblich, viel Rummel in internationalen Foren und Blogs. Neben technischen Daten und Produktbildern machte man sich dort kurioserweise auch Gedanken um den Namen. So sieht z. B. der Name der legendären Pentax LX – damals ein Topmodell – gespiegelt und auf den Kopf gestellt, fast aus wie K7. Die Ziffer 7 hat aber angeblich noch andere historische Wurzeln: Vor genau 7 Jahren, nämlich 2002, benannte sich der Konzern von "Asahi Optical Company" in "Pentax Corporation" um. Inzwischen ist Pentax allerdings ein reiner Markenname der Hoya Corp. Ein weiteres Kuriosum aus einem Internetforum, frei übersetzt aus dem Englischen: K-7 ist ein Berggipfel in der pakistanischen Region Karakoram, etwa 7.000 Meter hoch und wurde 1984 von Mitgliedern des japanischen "Ski Alpine Club" das erste Mal bestiegen. Ein jüngeres Mitglied dieses Teams namens Nagata hat inzwischen erfolgreich Karriere bei Hoya gemacht und ist nun verantwortlich für die Marketing-Strategien im Bereich Digitalkameras. Er möchte das Pentax Batteriegriff D-BG4 für K-7 [Foto: Pentax]damalige Ereignis und dessen 25-jähriges Jubiläum als Eckpfeiler für die neuen Bemühungen von Pentax in der Outdoor- und Allwetterfotografie definieren. Die K-7 wird möglicherweise das erste Modell einer kompletten Serie von besonders robusten Kameras für Abenteurer und Entdecker der Wildnis sein. Der Berg wird das neue Symbol für das Marketing dieser Kameraserie frei nach dem Motto "Mache nichts anderes als Fotografieren und Fußspuren hinterlassen – und nehme Deine Fotos mit einer Pentax auf". Naheliegend ist auch, dass die K-7 nach der K110d, K100d (super), K10d, K-m, K200d, K20d nun die siebente K-Kamera ist. Und wenn man Franzosen demnächst scheinbar "Kassette" sagen hört, meinen sie sicher die K-7 (Französisch: K-"sept").



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Benjamin Kirchheim

Benjamin Kirchheim schloss 2007 sein Informatikstudium an der Uni Hamburg mit dem Baccalaureus Scientiae ab. Seit 1998 war er journalistisch für verschiedene Atari-Computermagazine tätig und beschäftigt sich seit 2000 mit der Digitalfotografie. Ab 2004 schrieb er zunächst als freier Autor und Tester für digitalkamera.de, bevor er 2007 als fest angestellter Redakteur in die Lübecker Redaktion kam. Seine Schwerpunkte sind die Kameratests, News zu Kameras und Fototipps.